[[Inhalt]]
[[I]]
[[Inhalt]]
Abhandlungen und Berichte des Königlichen Zoologischen und Anthropologisch-Ethnographischen Museums zu Dresden 1896/97
Nr. 6
Säugethiere
vom
Celebes- und Philippinen-Archipel
I
von
A. B. Meyer
Mit 9 colorirten und 6 Lichtdruck-Tafeln
[[III]]
[[Inhalt]]
Dem Andenken
Alexander Schadenberg’s
gewidmet [[V]]
[[Inhalt]]
Inhaltsverzeichniss
[[VII]]
[[Inhalt]]
Tafelerklärung
| [Tafel I] | Macacus maurus F. Cuv. von Celebes. 1 fem. juv., 2 mas juv., 3 und 4 fem. juv., 5 mas ad. Circa ⅙ nat. Grösse. | Seite 2 und 3 |
| [Tafel II] | 1–2 Schädel von Macacus maurus F. Cuv. von Celebes, mas ad., norma facialis und lateralis. ¾ nat. Grösse. | Seite 3 |
| 3–4 Schädel von Cynopithecus niger (Desm.) von Nord Celebes, mas ad., norma facialis und lateralis. ¾ nat. Grösse. | Seite 5 | |
| [Tafel III] | 1–2 Schädel von Macacus maurus F. Cuv. von Celebes, mas ad., norma verticalis und basalis. ¾ nat. Grösse. | Seite 3 |
| 3–4 Schädel von Cynopithecus niger (Desm.) von Nord Celebes, mas ad., norma verticalis und basalis. ¾ nat. Grösse. | Seite 5 | |
| [Tafel IV] | Tarsius philippensis A. B. Meyer von den Philippinen. Nat. Grösse. | Seite 9 |
| [Tafel V] | Paradoxurus musschenbroeki Schl. von Nord Celebes, mas ad., fem. juv. ⅕–⅙ nat. Grösse. | Seite 10 |
| [Tafel VI] | 1 Skelet von Paradoxurus musschenbroeki Schl. von Nord Celebes, mas ad. ⅓ nat. Grösse. | Seite 11 |
| 2 Linke Vola desselben Exemplares. Nat. Grösse. a–e Nagel- oder Endballen α–δ Metacarpophalangealballen r Radialballen u Ulnarballen P Pisiformballen I–V 1.–5. Finger | Seite 11 | |
| 3 Linke Planta desselben Exemplares. Nat. Grösse. a–e Nagel- oder Endballen α–δ Metatarsophalangealballen t Tibialballen f Fibularballen I–V 1.–5. Zehe | Seite 11 | |
| [Tafel VII] | Bubalus mindorensis Heude von Mindoro, mas ad. (stehend), fem. ad. (liegend) und fem. juv. Circa 1⁄12 nat. Grösse. | Seite 14 |
| [Tafel VIII] | 1 Skelet von Bubalus mindorensis Heude von Mindoro, fem. ad. Circa ⅛ nat. Grösse. | Seite 14 |
| 2 Schädel derselben Art, fem. juv. ⅓ nat. Grösse. | Seite 14 | |
| [Tafel IX] | 1 Zwei aneinander gebundene, abnorm kreisförmig gewachsene untere Schweinehauer von Nordost Neu Guinea, Brustschmuck der Eingebornen. Der obere Zahn ist ein linker, der untere ein rechter. Nat. Grösse. | Seite 18[[VIII]] |
| 2 Abnorm. kreisförmig gewachsener Hauer im Unterkiefer von Babirusa alfurus Less., mas ad. Nat. Grösse. | Seite 20 | |
| 3 Vorderer Schädeltheil von Babirusa alfurus Less. von Nord Celebes, fem. ad. Nat. Grösse. | Seite 24 | |
| [Tafel X] | 1 Sciurus tonkeanus n. sp. von Nordost Celebes. Circa ¾ nat. Grösse. | Seite 25 |
| 2 Sciurus leucomus M. Schl. von Nord Celebes. Unter ⅓ nat. Grösse. | Seite 25 | |
| 3 Sciurus rosenbergi Jent. von den Sangi Inseln. Circa ⅓ nat. Grösse. | Seite 26 | |
| 4 Sciurus tingahi n. sp. von Tagulandang. Circa ⅗ nat. Grösse. | Seite 27 | |
| [Tafel XI] | 1 Sciurus mindanensis Steere von Mindanao. Circa ⅔ nat. Grösse. | Seite 28 |
| 2 Sciurus samarensis Steere von Samar. Circa ⅔ nat. Grösse. | Seite 29 | |
| [Tafel XII] | Phlœomys cumingi Wtrh. Circa ¼ nat. Grösse. 1 mas ad. von Nord Luzon 2 fem. ad. von,, Nord,, Luzon,, 3 mas ad. von,, Nord,, Luzon,, 4 mas ad. von Marinduque 5 fem. ad. von,, Marinduque,, 6 mas ad. von,, Marinduque,, 7 mas juv. von,, Marinduque,, | Seite 29 |
| [Tafel XIII] | 1 Skelet von Phlœomys cumingi Wtrh. fem. ad. von Nord Luzon. ⅔ nat. Grösse. | Seite 32 |
| 2 Penisknochen derselben Art. Nat. Grösse. | Seite 32 | |
| 3 Schädel von Crateromys schadenbergi (A. B. Meyer) von Nord Luzon, mas ad., norma lateralis. Nat. Grösse. | Seite 33 | |
| 4 Derselbe, norma verticalis. Nat. Grösse. | Seite 33 | |
| 5 Derselbe, norma basalis. Nat. Grösse. | Seite 33 | |
| 6 Unterkiefer von demselben, von oben. Nat. Grösse. | Seite 33 | |
| [Tafel XIV] | Crateromys schadenbergi (A. B. Meyer) von Nord Luzon. ⅓–¼ nat. Grösse. Fig. 2 und 3 mar. ad. | Seite 32 |
| [Tafel XV] | 1 Phalanger celebensis Gr. von Nord Celebes. Circa ⅓ nat. Grösse. | Seite 33 |
| 2–3 Phalanger sangirensis n. sp. von den Sangi Inseln. Circa ⅓ nat. Grösse. | Seite 34. |
- a–e Nagel- oder Endballen
- α–δ Metacarpophalangealballen
- r Radialballen
- u Ulnarballen
- P Pisiformballen
- I–V 1.–5. Finger
- a–e Nagel- oder Endballen
- α–δ Metatarsophalangealballen
- t Tibialballen
- f Fibularballen
- I–V 1.–5. Zehe
- 1 mas ad. von Nord Luzon
- 2 fem. ad. von,, Nord,, Luzon,,
- 3 mas ad. von,, Nord,, Luzon,,
- 4 mas ad. von Marinduque
- 5 fem. ad. von,, Marinduque,,
- 6 mas ad. von,, Marinduque,,
- 7 mas juv. von,, Marinduque,,
[[1]]
[[Inhalt]]
1. Macacus maurus F. Cuv.
[Tafel I], [II] Fig. 1–2 und [III] Fig. 1–2
Max Weber hat vor Kurzem (Zool. Ergebn. I, 103 1890) den interessanten Nachweis geführt, dass Macacus maurus F. Cuv. und Macacus ocreatus Ogilb. ausschliesslich auf Celebes[1] zu Haus und wahrscheinlich identisch sind. Er hat damit das Dunkel, in dem diese beiden Formen bisher standen, erhellt, und wenn er das Resultat seiner scharfsinnigen Darlegung auch nur eine „supposition“ nennt (p. 108), so glaube ich doch, dass es sich so verhält, wie er vermuthet. Wenn Weber M. maurus aber lediglich auf Süd Celebes und die Insel Buton beschränkt sein lässt[2], so ergeben zwei Exemplare, die das Museum kürzlich von Tonkean, auf der nördlichen Halbinsel, gegenüber dem Banggai Archipel[3], erhielt, dass die Art eine viel weitere Verbreitung hat. Bis dahin war sie allerdings nur aus dem Süden und von Buton bekannt geworden, und zwar nach Weber (p. 103) von Maros, Tanralili, Bantimurung, Parepare, Bonthain[4] und Katjang auf der Südwest Halbinsel, von Kandari auf der Südost Halbinsel, sowie von Buton, ferner nach Schlegel (Cat. VII, 118 1876) und Jentink (XI, 32 1892) von Makassar, womit jedenfalls die weitere Umgebung der Stadt gemeint ist, und von wo mir auch die Herren Sarasin schrieben, dass sie M. maurus reichlich bekämen. Ich selbst beobachtete diesen Affen am 16. Sept. 1871 in Mandalli, ungefähr in der Mitte zwischen Makassar und Parepare; die holländischen Beamten, mit denen ich zusammen war, wollten jedoch durchaus nicht zugeben, dass ich einen schösse. Im October erhielt ich welche in Makassar und reflectirte über die Unterschiede von Cynopithecus niger (Desm.) bezüglich Färbung und Physiognomie; am 29. Oct. erlegte ich am Wasserfalle von Bantimurung, östlich von Maros, ein grosses Weibchen, das Milch hatte, und dessen Unbehaartheit mir auffiel. Das auch geschossene Junge war im Dickichte nicht auffindbar. Der Affe kam hier in Schaaren vor. Ich notirte auch, dass die Gesässchwielen dunkel seien, gegenüber den rothen von C. niger in der Minahassa, was mit Webers Angabe (p. 104) nicht übereinstimmt, der sie als „rosy“ angiebt.
Wenn nun durch die Tonkean Exemplare das Vorkommen von M. maurus im Nordosten, so weit vom Süden der Insel entfernt, sicher gestellt ist, so wird damit ohne Weiteres wahrscheinlich, dass er auch das ganze dazwischen liegende Gebiet bevölkert. Durch zwei im Ethnographischen Museum befindliche Kopfbedeckungen mit Affenfell, die eine von „Ost Celebes“, die andere vom Poso See[5], kann ich jedoch erweisen, dass dem so ist; denn ein Vergleich der Haare mit denen von C. niger und M. maurus ergiebt, dass sie von M. maurus, und nicht von C. niger stammen. P. und F. Sarasin sagen von den Wäldern von [[2]]Central Celebes (Z. Erdk. Berlin XXX, 328 1895), dass Affen sich nicht blicken liessen, doch fanden sie bei den Toradjas Mützen mit schwarzem langhaarigen Affenfell überzogen (p. 339), jedenfalls solche, wie die eine der eben aus dem Ethnographischen Museum vom Poso See erwähnten. In Luhu hörte Weber (p. 103) Nichts von einem Affen, allein obige Thatsachen lassen es mir nicht zweifelhaft erscheinen, dass M. maurus ganz Celebes bis auf die langgestreckte nördliche Halbinsel bevölkert. Hier kennt man (Schlegel Cat. VII, 120 1870) von der Nordspitze der Minahassa bis Tomini (in der Nordwestecke des Golfes gleichen Namens) C. niger (resp. nigrescens), und wenn die beiden Affen, wie es scheint, nicht in derselben Gegend zugleich vorkommen, so bliebe nur die Strecke Tomini-Kajeli-Mandar unsicher hinsichtlich der Art, die sie beherbergt, oder, da es nicht unwahrscheinlich ist, dass sich Kajeli-Mandar in dieser Beziehung Süd und Central Celebes anschliessen, nur die schmale Landzunge, die den Körper von Celebes mit dem nördlichen Arme verbindet. Dieses scheint aber für die Frage der geographischen Verbreitung der zwei Arten im Grossen und Ganzen nicht wesentlich, so erwünscht es auch ist, genaue Kenntniss davon zu haben. Von der Tonkean nahen Insel Peling erhielt das Museum M. maurus nicht, und da deren Fauna schon keinen echt celebischen Charakter mehr hat (s. Abh. Mus. Dresden 1896/7 Nr. 2), so ist das Nichtvorkommen daselbst auch nicht auffallend.
Auf [Tafel I] findet sich M. maurus in verschiedenen Haarkleidern (c. ⅙ n. Gr.) dargestellt, und zwar nach Exemplaren des Dresdner Museums und nach Weberschen aus der Sammlung des Amsterdamer Zoologischen Gartens, von denen mir zwei von Dr. Kerbert gütigst geliehen wurden. Man dürfte, da bis jetzt nur jüngere Menagerie-Exemplare abgebildet worden sind, die Wiedergabe charakteristischer Individuen von sicheren Fundorten nicht für überflüssig erachten, besonders auch in Anbetracht der Verwirrung, die bis zur Weberschen Darstellung über M. maurus und ocreatus herrschte; ein adultes, wie das Dresdner von Tonkean, ist überhaupt noch nicht abgebildet worden.
Figur 1. Junges Weibchen von Bantimurung (2076). 3. Molar noch unentwickelt. So gut wie einfarbig, mit nur schwachen Spuren einer helleren Zeichnung hinten. Es entspricht ungefähr der Cuvierschen Abbildung (Hist. nat. III 1823 Avril) eines M. maurus „d’un pelage uniformément brun foncé“, nach der man diesen Affen aber schwer identificiren kann[6], sowie der Grayschen (P. Z. S. 1866 pl. XIX) von M. inornatus (= maurus) eines jüngeren Individuums, „blackish brown, nearly uniform … the hinder part of the thigh greyish white“ (p. 202), das wohl etwas mehr Zeichnung hinten hatte. — Vom Vertex zum Anus 380 mm, Hinterhand 125, Schädellänge 106.5, Jochbogenbreite 69.2.
Figur 2. Junges Männchen von der Insel Buton, aus dem genannten Amsterdamer Museum, von Weber (p. 103) lebend heimgebracht. 3. Molar unentwickelt, Milchgebiss zum Theile noch vorhanden. Etwas grösser als das Exemplar Figur 1. Gesammtfärbung noch bräunlich, wenn auch grauer als bei Figur 1, die helle Zeichnung hinten gut ausgeprägt, Unterarm und Unterschenkel deutlich heller grau abgesetzt. — Vom Vertex zum Anus 410 mm, Hinterhand 140, Schädellänge 115, Jochbogenbreite 68,1.
Figur 3. Junges Weibchen von Kandari, aus dem genannten Amsterdamer Museum, auch von Weber (p. 103) lebend heimgebracht. 3. Molar noch unentwickelt. Ziemlich von derselben Grösse, wie das junge Männchen Figur 2, aber bereits schön glänzend schwarz mit weisslicher Zeichnung hinten (hier in der Behaarung defect) und mit lebhafter grauem Unterarm und Unterschenkel als das Männchen Figur 2. Es entspricht am Besten der Sclaterschen Abbildung eines nicht adulten Exemplares von M. ocreatus (P. Z. S. 1860 pl. LXXXII und Scl. & Wolf: Zool. Sketches II 1867 pl. I), das die helle Zeichnung hinten noch nicht ausgeprägt aufweist[7]. — Vom Vertex zum Anus 420 mm, Hinterhand 140, Schädellänge 115, Jochbogenbreite 71.
Figur 4. Junges Weibchen (nach einem Fell ohne Schädel gezeichnet) von Tonkean (B 3167) in der ungefähren Grösse der Exemplare Figur 2 und 3, mit ausgeprägter heller Zeichnung hinten und von bräunlich schwarzer Färbung, nicht so tief glänzend schwarz wie Figur 3, aber die Extremitäten ebenfalls bräunlichschwarz, nicht heller. [[3]]
Figur 5. Adultes Männchen von Tonkean (2469), dessen Schädel [Tafel II] Fig. 1–2 und [III] Fig. 1–2 in ¾ n. Gr. in der norma facialis, lateralis, verticalis und basalis wiedergegeben ist. Stumpf schwarz, leicht graubläulich angeflogen, mit sehr ausgeprägter heller Zeichnung hinten, aber ebenfalls mit dunklen Extremitäten, und zwar: Unterarm und Unterschenkel aussen stumpf schwarz, bräunlich angeflogen, innen heller bräunlich[8]. — Vom Vertex zum Anus 490 mm, von der Lippe zum Anus (alle Krümmungen mitgemessen) 650, Hinterhand 170. Von Schädel- und Skeletmaassen dieses Exemplares seien nur die folgenden angegeben und zum Vergleiche die eines alten männlichen Skelettes von Parepare, das Weber (p. 103 und 104) „very large“ nennt, das aber erheblich kleiner und schwächlicher ist als das von Tonkean, trotzdem die Schädelnähte weit mehr verstrichen sind; ebenso weisen sich die Zähne bei dem Tonkean Männchen in allen Dimensionen um ⅓ grösser aus. Dieses Parepare Skelet gehört jetzt dem Dresdner Museum (B 3274).
| Tonkean (B 3166) | Parepare (B 3274) | |||||
| Schädellänge | 144 | mm | 137 | mm | ||
| Jochbogenbreite | 100 | mm,, | 88 | .5 | mm,, | |
| Breite am proc. zygom. os. front | 77 | .3 | mm,, | 70 | .6 | mm,, |
| Geringste Breite zwischen den Augenhöhlen | 7 | .2 | mm,, | 6 | mm,, | |
| Breite an den Alveolen der Caninen | 37 | .5 | mm,, | 35 | .2 | mm,, |
| Geringste Breite am Pterion | 49 | .4 | mm,, | 47 | .8 | mm,, |
| Grösste Breite am Pterion | 61 | .5 | mm,, | 55 | mm,, | |
| Länge des Femur | 210 | mm,, | 189 | mm,, | ||
| Länge der Tibia | 193 | mm,, | 166 | mm,, | ||
| Länge des Humerus | 185 | mm,, | 165 | mm,, | ||
| Länge des Radius | 185 | mm,, | 169 | mm,, | ||
Einen jüngeren weiblichen Schädel hat Murie (P. Z. S. 1872, 725) beschrieben und abgebildet, aber der adulte Schädel differirt bedeutend, so dass auch die Charakteristik, die Anderson (Anat. Zool. Res. 1878, 81) von dem jüngeren Schädel entwirft (und die Forbes: Primates II, 12 1894 verkürzt reproducirt), durchaus nicht für den alten zutrifft. Die Abbildungen dürften eine nähere Beschreibung des adulten Tonkean-Schädels überflüssig machen. Das Exemplar hat 9 Caudalwirbel; Schlegel (Cat. VII, 117, 118 1876) giebt 8 für maurus und ocreatus an, der 9., die Spitze, ist allerdings sehr klein; das Parepare Exemplar hat 7, ist aber möglicherweise defect.
Das Museum besitzt noch den Schädel eines Jungen von Süd Celebes (259), von mir mitgebracht, im Zahnwechsel, der 1. bleibende Molar bereits vorhanden. Schädellänge 100 mm, Jochbogenbreite 63.
Ferner das Skelet eines mas juv. von Süd Celebes (B 1984), von mir mitgebracht, noch nicht im Zahnwechsel, aber der 1. bleibende Molar im Durchbruche. Schädellänge 90 mm, Jochbogenbreite 56.
Endlich einen Foetus in Spiritus vom Pik von Bonthain, 1500´ hoch, an dem die Haarstellung vortrefflich zu sehen ist (Ribbe und Kühn 1883 coll.).
Beide Tonkean Exemplare, das junge Weibchen sowohl, als auch das adulte Männchen, haben schwarze Extremitäten, gegenüber den grauen des jungen Paares von Buton und Kandari, und, so viel mir scheint, kannte man adulte schwarzgliedrige bis jetzt überhaupt nicht. So hat, wie Dr. Jentink mir gütigst mittheilt[9], das grösste sehr alte Männchen des Leidener Museums (Schlegel Cat. VI, 118 1876 Ex. 1, Jentink XI, 32 1892 Ex. g) Grau an den Unterarmen und Unterschenkeln; es dürfte dem Tonkean-Männchen an Grösse kaum nachstehen, denn es misst vom Vertex zum Anus 480 mm und von der Lippe zum Anus (mit allen Krümmungen) 640, bei einer Hinterhandlänge von 155 (gegen 490, 650, 170 bei dem [[4]]Tonkean Exemplare). Wie sich das alte Männchen von Parepare (Weber p. 103 und 104 Nr. 333, Skelet B 3274 M. Dr.) in dieser Beziehung verhielt, ist nicht mehr zu eruiren gewesen. Anderson (Cat. Mamm. Ind. Mus. I, 77 1881) registrirt nur graugliedrige, aber es sind keine adulten darunter. Da das Grau gegenüber dem einfarbigen dunkleren Jugendkleide schon der Charakter einer Altersentwicklung ist, so scheint das junge schwarzgliedrige Weibchen von Tonkean zu beweisen, dass die graue Phase an Unterarm und Unterschenkel auch übersprungen werden kann, allein es ist weiteres Material nöthig, um hierin klar zu sehen.
Ich zögere um so weniger M. maurus nur für den jungen ocreatus anzusehen, entgegen der Annahme Webers (p. 108), „that both are variations of one species“, als bereits Bartlett (bei Murie P. Z. S. 1872, 723) am Lebenden beobachtet hat, dass die helle Zeichnung sich aus einem einfarbigen Kleide mit dem Alter entwickelt. Auch Dr. Jentink glaubt, wie er die Güte hatte mir mitzutheilen, dass die 11 Exemplare des Leidener Museums dasselbe lehren. Es ist wohl möglich, wie Weber (p. 107) meint, dass Manche diese Entwicklung überhaupt nicht durchmachen und einfarbig bleiben, was ja auch das junge Tonkean Weibchen zu lehren schien. Das Zusammenvorkommen der verschiedenen Färbungen in einem Truppe, das Weber (p. 104 und 108) beobachtete, spricht vielleicht ebenfalls dafür. Prof. Weber hatte die Freundlichkeit mir dieses Zusammenvorkommen noch folgendermaassen auszuführen: „In der Umgegend von Maros waren in einem Walde die Exemplare zahlreich und nicht scheu; sie liessen sich daher gut beobachten. Doch sah ich in demselben Truppe sehr verschiedene Färbungen, namentlich bezüglich der Ausbreitung von Grau oder Weiss auf der Hinterextremität und bei manchen auch auf der Vorderextremität.“ Es sind jedoch weitere Beobachtungen und mehr Materialien nöthig, um hier Klarheit zu gewinnen, denn diese liegt noch keineswegs sicher vor.
[1] Ich habe bisher Celébes, mit Accent auf der zweiten Silbe, geschrieben, weil die Holländer so betonen, A. Wichmann hat aber kürzlich (Gids 1896, 328) wieder hervorgehoben, dass die Spanier im 16. Jahrhunderte die Gegend von Mindanao bis Nord Celebes als Archipel der Célebe oder als Inseln der Célebes, mit Accent auf der 1. Silbe, bezeichneten. Die Leute nannten sich Célebe. Die Herkunft des Wortes ist bis jetzt dunkel. Man vergleiche Crawfurds etymologische Conjectur (Descr. Dict. Ind. Is. 1856, 90). Der von Wichmann versuchte Beweis, dass die allgemeine Anwendung des Namens Celebes für die ganze Insel sich erst in Folge eines Missverständnisses von Hackluyt eingebürgert habe, ist jedoch nicht als gelungen anzusehen. (S. auch Egli: Etym. geogr. Lex. 1880, 108.) [↑]
[2] Was auch Lydekker (Geogr. Hist. Mam. 1896, 47) noch ganz neuerdings thut: „peculiar to the southern portion of the island“. Radde (25. Jb. Ver. Erdk. Dresden 1896, 120) sah Buton-Exemplare irrthümlich für Cynopithecus niger an (s. auch unten p. 5 Anm. 2). [↑]
[3] Siehe die Karte in Abh. Mus. Dresden 1896/7 Nr. 2. [↑]
[4] Everett (bei Hartert Nov. Zool. III, 150 1896) erwähnt „probably“ M. maurus vom Pik von Bonthain. Das Museum besitzt einen Foetus dieser Art daher, von 1500′ Höhe (s. unten). [↑]
[5] Am 3. August 1871 hörte ich in Poso, laut Tagebuchnotiz, dass dort weisse Affen als Anführer der schwarzen vorkommen sollen. Es sind dies vielleicht sehr alte Individuen, Greise, oder jüngere albinotische, wie Weber (Zool. Erg. I. 104 1890) sie beschreibt (s. unten Anm.). [↑]
[6] Reichenbach (Affen T. XXIV Fig. 370 s. a.) hat die Vorderhälfte davon copirt; Fig. 368 und 369 sollen ebenfalls maurus vorstellen, gehören aber keinenfalls der Art an; sie sind nach einem Exemplare des Museums gezeichnet (p. 142), das nicht mehr zu identificiren ist. [↑]
[7] Reichenbach (l. c.) hat die Abbildung von P. Z. S. 1860 auf Tafel XXVIII Fig. 408 copirt. [↑]
[8] Diese fünf abkürzten Beschreibungen mögen in Bezug auf Details durch die Abbildungen ergänzt werden. [↑]
[9] Dr. Jentink schreibt auch, dass nur die Exemplare a, b, c (aus der Gefangenschaft) und j (Cat. XI, 32 1892) Arme und Beine nicht grau hätten, diese 4 aber sind noch nicht adult; a, b und j werden zwar als: „à peu près adulte“ bezeichnet, aber bei a (Länge vom Vertex zum Anus 330 mm, Hinterhand 120) sind die 3. Molaren erst eben zu sehen, bei b (375 und 140) im Unterkiefer eben im Durchbruche, bei j (420 und 140) sitzt der Schädel noch im Balge, die Längenmaasse beweisen jedoch die Jugend des Thieres zur Genüge. Ex. c ist als „passablement jeune“ bezeichnet (410 und 140). 3. Molar noch nicht zu sehen. Alte Individuen mit dunklen Beinen sind dies also keineswegs. Auch die weiblichen Albinos, die Weber (Zool. Erg. i, 104 1890) von Maros und Parepare beschreibt, und die er „full grown“ nennt, dürften nicht adult gewesen sein, denn das eine misst vom Vertex zum Anus nur 435, gegen 490 bei dem Dresdner Tonkean Männchen. [↑]
[[Inhalt]]
2. und 3. Macacus cynomolgus L. und philippinensis Js. Geoffr.
Das Vorkommen von Macacus cynomolgus auf Celebes ist noch nicht ganz sichergestellt. Temminck (Coup d’oeil III, 112 1849) sagt, dass er dort eine leichte Färbungsdifferenz aufzuweisen scheine. Worauf er sich dabei stützt, ist nicht angegeben, im Leidener Museum sind keine Exemplare von Celebes (Schlegel Cat. VII, 102 1876, Jentink XI, 27 1892). Im Norden kennt man die Art nicht, Dr. Riedel, der so lange da lebte, hat nie davon gehört. Rosenberg (Mal. Arch. 1878, 266) giebt an, dass sie im Süden gemein sei. Das kann man jedoch keinenfalls behaupten. Die Herren Sarasin theilten mir mit, dass dieser Affe ihnen in Freiheit auf Celebes nicht begegnet sei. Weber (Zool. Erg. I, 102 1890) sah in Parepare an der Südwestküste ein Exemplar in Gefangenschaft, was nicht beweisend ist, und seine Jäger beobachteten eines bei Loka auf dem Pik von Bonthain, was Bestätigung verlangt. Sonst finde ich keine Angaben; es bedarf daher der sicheren Constatirung des Wildlebens der Art auf Celebes, und, wenn dies der Fall sein sollte, der Untersuchung, wie sie sich zu dem typischen cynomolgus verhält.
Der Makak der Philippinen ist ebensowenig genügend bekannt, wenn auch weit bekannter als der von Celebes. Js. Geoffroy basirte 1843 (Arch. Mus. Paris II, 568 pl. 5 = XXXIII, s. auch Cat. syst. 1851, 29) seinen M. philippinensis auf einen von Manila lebend erhaltenen Albino. Slark fand in Paris ein Exemplar „von den Philippinen“, das er als M. fur beschrieb (P. Ac. Philad. 1867, 36 pl. I uncol.), J. Verreaux hatte ihm mitgetheilt, dass dieser Affe nur auf Luzon vorkäme, was nicht richtig ist. In Luzon erhielt ich ihn 1872 auch (Mus. Berlin). Günther (P. Z. S. 1876, 735) führt M. philippinensis aus der Steereschen Sammlung vom Berge Mahayhay in Luzon und (1879, 74) aus der Everettschen von Nord Mindanao auf. Ich erhielt ihn 1872 auf dem diesem nahen Süd Negros (Mus. Dr. und Berlin) und auf Panay (Mus. Berlin[1]). Das Dresdner Museum besitzt ihn ausserdem von Cebu. Dr. Platen sammelte ihn 1887 auf Palawan (Mus. Leiden und Braunschweig[2]); Steere (List 1890, 28) erwähnt ihn von Basilan, Samar und Leyte. (Auf die kritiklose Compilation Eleras: Cat. sist. I, 2 1895 kann man in diesem Fall unmöglich Rücksicht nehmen.) Thatsächlich also ist ein Makak über die ganzen Philippinen verbreitet, jedoch noch nicht so genügend bekannt, dass man, ohne Serien von Exemplaren von vielen dieser Inseln [[5]]in der Hand, über ihn urtheilen könnte. Erst solche werden ergeben, ob, oder wie sich die Localformen dieses weit verbreiteten Affen auf den Philippinen gegen einander abgrenzen.
[1] Auch im Britischen Museum sind Exemplare aus meinen Sammlungen vorhanden. [↑]
[2] Prof. W. Blasius hatte die Güte mir das Exemplar zur Ansicht zu senden. [↑]
[[Inhalt]]
4. und 5. Cynopithecus niger (Desm.) und nigrescens (Temm.)
[Tafel II] Fig. 3–4 und [III] Fig. 3–4
Schlegel (Cat. VII, 119 1876) führt beide als Macacus niger. Was die generische Stellung anlangt, so sagt er zwar (p. 118): „Ce singe rappelle les Papions par son ensemble et plus particulièrement par son museau prolongé et pourvu de deux côtes saillantes“, erachtet dies jedoch nicht für wichtig genug, um die Art zu den afrikanischen Pavianen zu stellen. Jentink (Cat. XII, 32 1892) ist ihm hierin gefolgt, fast alle anderen Autoren aber acceptiren für diese isolirte Form die Gattung Cynopithecus. Auch ich finde die Differenzen, speciell des Schädels, zwischen ihr und Macacus viel zu bedeutend, als dass ich, unter Anwendung der sonst üblichen Regeln, das Zusammenstellen zweier so verschiedener Thiere in eine Gattung für gerechtfertigt halten könnte, und andrerseits auch die Unterschiede von Cynocephalus gross genug, um, bei dem räumlichen Abstande, den Celebes Affen von dieser Gattung zu trennen. Es bleibt eben eine der charakteristischesten Celebes-Formen, ein Überbleibsel aus früherer Zeit, das erst palaeontologische Entdeckungen ganz verstehen lehren werden. Die Art ist noch viel isolirter als Macacus maurus, dessen nächsten lebenden Verwandten wir doch in M. arctoides Js. Geoffr. von Hinterindien[1] suchen können, wenn dieser Verwandter auch kein sehr naher ist. Stellt man mit Schlegel und Jentink C. niger in die Gattung Macacus und neben M. maurus, so verliert er allerdings viel des Exceptionellen, und man könnte dann an die Entstehung dieser beiden isolirten Formen aus einander denken, allein hierzu möchte ich mich keineswegs bekennen.
Zwar haben Quoy & Gaimard (Voy. Astrol. 1833 pl. 7) schon zwei Schädel von C. niger abgebildet, einen jüngeren und einen älteren, allein auch der ältere ist nicht adult, denn der obere 3. Molar ist noch nicht ganz heraus, auch spricht die geringe Dimension des ganzen Schädels, wenn natürliche Grösse gemeint ist, dagegen. Ausserdem lässt die Kleinheit der Eckzähne ein Weibchen vermuthen, worüber weder aus dem unklar gehaltenen Text (I, 67 1830), noch aus den Tafelerklärungen im Atlas und Texte Sicherheit zu schöpfen ist. Auch scheint das Exemplar gar nicht von Celebes, sondern von Batjan — „Matchian“ (sic!) — zu sein (p. 69). Ich bilde daher auf [Tafel II] Fig. 3–4 und [III] Fig. 3–4 den Schädel eines adulten Männchens von Main in der Minahassa (B 2735), in der norma facialis, lateralis, verticalis und basalis (¾ nat. Gr.) ab, so dass ein directer Vergleich mit dem Schädel von Macacus maurus auf denselben Tafeln möglich ist. Dieser Vergleich ergiebt leicht die sehr bedeutenden Unterschiede und erlässt mir ihre textliche Hervorhebung, sowie die nähere Begründung dafür, dass ich nicht beide in die Gattung Macacus zusammenstelle. Wenn der abgebildete Schädel von C. niger auch 8 mm kürzer als der von M. maurus ist, so sind sie im Ganzen doch gleich gross zu nennen und jedenfalls ungefähr gleichaltrig, sowie adult. Auch die Körpergrösse der beiden Exemplare kommt ziemlich überein (vom Vertex zum Anus c. 490 mm[2]). Der abgebildete ist nicht der grösste niger-Schädel des Museums; ein männlicher (B 1477) von Batjan übertrifft ihn, dessen Maasse, sowie die eines alten, aber defecten männlichen von Main, in der Minahassa (B 2729), ich daneben setze (es sind dieses die 3 ältesten aus einer Serie von 20 Schädeln), und auch einige Skeletmaasse, soweit möglich, hinzufüge, um die oben von M. maurus gegebenen vergleichen zu können: [[6]]
| B 2735 (Cel.) | B 2729 (Cel.) | B 1477 (Batjan) | |||||||
| Schädellänge | 136 | mm | — | mm | 142 | mm | |||
| Jochbogenbreite | 83 | ,7 | mm,, | 90 | ,6 | mm,, | 87 | mm,, | |
| Breite am proc. zygom. os. front. | 63 | mm,, | 67 | ,2 | mm,, | 63 | ,6 | mm,, | |
| Geringste Breite zw. den Augenhöhlen | 6 | ,7 | mm,, | 6 | mm,, | 5 | ,6 | mm,, | |
| Breite an den Alveolen der Caninen | 40 | mm,, | 41 | ,3 | mm,, | 43 | mm,, | ||
| Geringste Breite am Pterion | 48 | mm,, | 45 | ,3 | mm,, | 44 | ,5 | mm,, | |
| Grösste Breite am Pterion | 55 | ,4 | mm,, | 52 | ,8 | mm,, | 49 | mm,, | |
| Länge des Femur[3] | 194 | mm,, | — | mm,, | 201 | mm,, | |||
| Länge der Tibia | 178 | mm,, | — | mm,, | 185 | mm,, | |||
| Länge des Humerus | 170 | mm,, | — | mm,, | 175 | mm,, | |||
| Länge des Radius | 172 | mm,, | — | mm,, | 182 | mm,, | |||
Die Zahl der Schwanzwirbel giebt Schlegel (Cat. VII, 119 1876) auf 5 an. Das Museum besitzt 7 Skelette: Vier von Celebes haben 3, 4 und 5 Wirbel, bei dem einen der beiden mit 5 sind sie zu 4 verwachsen, eins von Lembeh hat 4, zu 3, zwei von Batjan haben 5, zu 2, resp. 3 verwachsen. Man kann also nicht in allen Fällen von 5 normalen Caudalwirbeln sprechen. Die Ungleichmässigkeit zeigt, dass der Schwanzrest bereits in absteigender Entwicklung begriffen ist; jedenfalls ist er kürzer als der von Macacus maurus.
In meinem Tagebuche finde ich folgende Aufzeichnungen: Im Februar 1871 sah ich an den Ufern des Flusses Tumumpat unweit Manado Schaaren von 25 und mehr, ich schoss auch einige; man hört sie schreien und sieht sie beim Herannahen des Bootes von Baum zu Baum springen, so dass die Äste unter ihrer Last krachen. Am 9. April schoss ich einige hinter Malalajang unweit Manado. Am 25. April sah ich sie sehr zahlreich auf Manado tua. Die Insel ist unbewohnt, aber von Fischern viel und von weither besucht, die die Affen füttern. Früher wurde jährlich von Manado ein Boot mit Essen hingesandt und am Strande deponirt, später beschränkte man sich darauf, ein Floss mit Essen und brennenden Lichtern Abends in See zu schicken[4], 1871 that man auch dies nicht mehr, erlaubte aber nicht, sie zu schiessen, da man sonst sterben müsse. Die Affen waren dick und fett und so zahm, dass sie sich in nächster Nähe niedersetzten und erst wegliefen, wenn man sie, sozusagen, greifen konnte, doch näherten sich nur Männchen. Sie warteten auf den Bäumen über uns bis wir vom Essen am Boden aufstanden und stürzten sich dann auf die Reste. (Vgl. auch bei Schlegel: Cat. VI, 120 1876.) Wahrscheinlich sind sie vom Menschen nach der kleinen vulkanischen Insel Manado tua übergebracht worden. Im April beobachtete ich einen Trupp bei Tateli, nahe Manado, auf hohen Bäumen, wohinauf die Gewehre nicht reichten, auch versteckten sie sich im Laube. Wir machten unten ein Feuer mit viel Rauch, worauf sie auf eine nahe hohe Kokospalme flüchteten. Diese erkletterte einer meiner Begleiter, währenddem sich ein Affe c. 60 Fuss hoch herabfallen liess und anscheinend unbeschädigt davonlief. Auch sah ich einmal am Waldesrand eine Wache, die das Nahen einer Gefahr meldete, worauf aus dem Innern geantwortet wurde. Auf der Insel Bangka, im Norden von Celebes (5. Mai), fand ich sie nicht; diese Insel ist grösser als Manado tua. Am 10. Mai in der Strasse Lembeh notirte ich, dass viel Affen auf der Insel und auf der Festlandküste seien. Am 23. Juni in Panghu, im Gebirge der Minahassa, viele. Bei einer Besteigung des Klabat (2. Juli) sah ich keine, doch heisst es, dass viele daselbst seien. Am 24. August fand ich welche c. 2000 Fuss hoch auf dem Boliohuto, nordwestlich von Gorontalo, und notirte, dass sie von unten gräulich wären, also alte Exemplare, die stets an der Brust und den Vorderextremitäten [[7]]grau sind. Sonst ist die Art vom Gorontaloschen und von Tomini registrirt (Schlegel Cat. VII, 121 1876) und P. und F. Sarasin beobachteten sie in Bolang Mongondo zwischen der Minahassa und Gorontalo (Z. Erdk. Berl. XXIX, 375 1894). Hickson (Nat. N. Cel. 1889, 82) nennt sie auf der Insel Talisse, an der Nordspitze von Celebes, häufig.
Temminck sagt (Coup-d’oeil III, 112 1849) von C. niger, dass er überall, mit Ausnahme der grauschwarzen Schenkel, intensiv schwarz sei. Dies ist jedoch nicht richtig. C. niger ist nie überall intensiv schwarz, sondern stets auf der Oberseite mehr oder weniger, oft sehr stark, mit Braun versetzt. Das eine oder andere Exemplar unter den 16 des Dresdner Museums von der Minahassa, Manado tua und Lembeh ist tiefer schwarz, aber auf dem Rücken zeigen auch diese stets Braun. Es darf daher, entgegen der Angabe fast aller Autoren, die Hervorhebung dieser Farbe in der Beschreibung nicht fehlen. Ferner sind nur die Oberarme und Umgebung (bei alten Individuen aber auch die Unterarme) gräulich, im Gegensatze zu Macacus maurus, wo vornehmlich die Schenkel so auffallend hellgrau gezeichnet erscheinen.
Zugleich trennte Temminck (p. 112) C. nigrescens ab als braunschwarz, besonders auf den Schultern und dem Rücken, und mit jederseits ungetheilten Gesässchwielen, gegenüber den jederseits zweitheiligen bei niger. Die braunschwarze Färbung kann jedoch keinen Unterschied abgeben, denn alle Exemplare, junge wie alte, männliche wie weibliche, aus der Minahassa, von Manado tua und Lembeh haben, wie bereits bemerkt, mehr oder weniger Braun, letztere besonders ausgesprochen. Erst durch Schlegel (Cat. VII, 121 1876) erfuhr man, dass Temminck zur Fundirung seines nigrescens 5 Exemplare von Gorontalo, Tulabello und Tomini, also nicht aus der Minahassa, dienten, bei denen es allerdings auffällig ist, dass sie jederseits eine ungetheilte Gesässchwiele haben, gegenüber der jederseits zweitheiligen der Minahassa Exemplare. Schlegel (p. 119) hielt dies für individuelle Variation, was ich nicht annehmen möchte. Die 5 genannten Exemplare, in den Jahren 1842 und 1864, also in 22jährigem Zwischenraum, an 3 verschiedenen Localitäten gesammelt, sprechen schon dagegen, und von den 16 Exemplaren des Dresdner Museums von der Minahassa, Manado tua und Lembeh hat nicht Eines eine ungetheilte Gesässchwiele, auch führt Schlegel (p. 120) unter 5 Exemplaren der Minahassa nur eines an, das sie links ungetheilt habe. Von den Gefangenschafts-Exemplaren, deren Herkunft man nicht kennt, sehe ich ab. Man kann daher hier nicht von individueller Variation sprechen, sondern es dürfte sich um einen constanten Charakter, der einer geographischen Provinz angehört, handeln. Auch ich habe in meinem Tagebuch eine Notiz, dass das Gesäss der Gorontaloer Affen dunkler sei, als das der Minahassaer, es muss mir also eine Verschiedenheit aufgefallen sein, ich hatte jedoch keine Gelegenheit, dies näher zu verfolgen. Jedenfalls muss es durch weitere Untersuchungen klar gestellt werden, wie auch, ob andere Differenzen vorhanden sind, vorläufig allerdings lässt sich C. nigrescens als Subspecies—mehr würde die Form nie beanspruchen können—nicht erweisen, sondern man kann nur sagen, dass die Exemplare von Gorontalo bis Tomini an den Gesässchwielen von den Minahassa Exemplaren abzuweichen scheinen.
Der Batjan-Affe ist derselbe wie der der Minahassa, von wo er auch dorthin gebracht[5] worden sein dürfte. Die 2 Exemplare des Museums haben zweitheilige Schwielen und unter den 5 des Leidener Museums (Schlegel l. c. 121) hat nur eines ungetheilte. Das von Quoy & Gaimard (Voy. Astrol. pl. 7 1833) abgebildete Gesäss eines Exemplares von Makjan (rect. Batjan) ist ungetheilt, allein auf diese Abbildung dürfte kaum Etwas zu geben sein. Ich muss auch bemerken, dass die Art des Trocknens der Häute und die Art des Präparirens hier irreführen kann; 2 Exemplare aus der Minahassa schienen ungetheilte Schwielen zu haben, nach dem Aufweichen kam die Theilung jedoch sehr deutlich zum Vorschein. Anderson (An. Zool. Res. I, 83 1878 Anm.) lässt auf Batjan nigrescens zu Hause sein—„Celebes, Moluccas, and the small adjacent Island of Batchian“ (sic!) —, was nun ganz irrig ist.[6]
Die sich durch fast alle Bücher schleppende irrthümliche Angabe, dass sich diese oder eine verwandte [[8]]Art auch auf den Philippinen fände[7], mag daher rühren, dass die seit lange jährlich die Minahassa und die Tominibucht zum Cacao-Einkaufe besuchenden Philippinen-Schiffe lebende Affen mit zurücknahmen, die dann z. B. von Manila aus in ein europäisches Museum kamen oder sonst (z. B. von Sulu durch Gogorza, An. Soc. Espan. XVII, 9 des S. A., 1888) registrirt wurden. Eine solche Verschleppung hat gewiss oft statt gefunden, denn Affen werden jedem einlaufenden Schiff angeboten, so mir sofort, als ich am 25. November 1870 Abends in Kema per Dampfschiff ankam.
[1] Everett (P. Z. S. 1893, 494) führt arctoides auch von Borneo auf, indem er melanotus Ogilb., den Günther (P. Z. S. 1876, 425) von dort nennt, damit identificirt (nach Anderson: An. Zool. Res. I, 45 1878 und Cat. Mamm. I, 74 1881), allein das betreffende junge Exemplar hatte, bei einer Körperlänge von 12 Zoll, einen 3½ Zoll langen Schwanz, es kann also nicht arctoides gewesen sein. (S. auch Hose Mamm. Borneo 1893, 8.) Die neuesten Abbildungen von jungen und alten arctoides findet man bei Anderson (l. c. pl. I u. II 1878). [↑]
[2] Die ähnliche Färbung jüngerer Exemplare scheint z. B. Wallace, der vielleicht keine oder wenig Affen auf Celebes schoss, verleitet zu haben, M. maurus im Süden für C. niger zu halten (Mal. Arch. D. A. I, 331 1869), was schon Weber (Zool. Erg. I, 103 1890) bespricht (vgl. auch Jentink: T. Aardr. Gen. 1889, 246). So irrte Wallace auch, wohl ebenfalls in Folge dieser Verwechselung, wenn er C. niger über „ganz Celebes“ (p. 393) verbreitet sein lässt; wir sahen bereits oben unter M. maurus, dass er wahrscheinlich nur die Nordhalbinsel bewohnt. Auch Teijsmann (Nat. T. Ned. Ind. 38, 77 1879, s. auch 23, 367 1861) nahm M. maurus im Süden (Pangkadjene) für C. niger; er heisst hier dureh. (S. auch oben p. 1 Anm. 2.) [↑]
[3] Die entsprechenden Maasse einiger jüngeren weiblichen Exemplare sind:
| B 2737 (Cel.) | B 3077 (Lembeh) | B 1475 (Batjan) | |||||||
| Länge des Femur | 158 | mm | 146 | mm | 176 | mm | |||
| Länge der Tibia | 143 | mm,, | 138 | mm,, | 158 | mm,, | |||
| Länge des Humerus | 141 | mm,, | 130 | mm,, | 157 | mm,, | |||
| Länge des Radius | 147 | mm,, | 136 | mm,, | 159 | mm,, | |||
[4] Ob Letzteres nicht in anderem Zusammenhange wie mit den Affen geschah, will ich hier nicht untersuchen. Man vergleiche u. a. Hickson: Nat. N. Cel. 1889, 163 und Globus LX, 154 1891, sowie Schurtz Abh. Sächs. Ges. Wiss. Phil. Hist. Cl. XV, II. 68 1895. [↑]
[5] Der v. Rosenbergschen Angabe (Mal. Arch. 1878, 268) möchte ich kein grosses Gewicht beimessen, wenn es sich auch so verhalten haben könnte. [↑]
[6] Die beste Synonymie von C. niger und nigrescens findet man in Andersons ausgezeichnetem Werke. [↑]
[7] Siehe z. B. Wallace (Mal. Arch. D. A. I, 393 1869 und Geogr. Verbr. D. A. I, 495 1876). Schuiling (T. Aardr. Gen. 2. s. v, 536 1888) folgt Wallace blindlings, was schon Jentink (l. c. VI, 244, 1889) gebührend beleuchtet hat, und so bringt ebenfalls er dieses Philippinen-Vorkommen, wenn auch mit einem „vielleicht“. Dass Elera, der unkritischeste aller Compilatoren, noch neuerdings (Cat. sist. fauna fil. I, 4 1895) wieder die Art auch von Negros und Sulu aufführt, kann unter diesen Umständen nicht Wunder nehmen; eine so kaltblütige Abschreiberei, wie sie Elera in seinem mehrbändigen Werke sich hat zu Schulden kommen lassen, dürfte einzig dastehen. [↑]
[[Inhalt]]
6. Tarsius fuscus Fisch.-Waldh.
Die Art kommt nach Weber (Zool. Ergebn. III, 264 1893) nur auf Celebes, Sangi, Saleyer[1] und Savu vor, wir werden aber sehen, dass die Sangi Form von der von Celebes abweicht und abzutrennen ist. Das Museum besitzt T. fuscus von Manado, Lotta und Kenilo, in der Minahassa, von der Insel Menado tua[2] bei Manado, vom Pik von Bonthain in Süd Celebes, von Tonkean, in Nordost Celebes gegenüber Peling, und von der Insel Saleyer, im Ganzen 15 Exemplare, das Leidener Museum hat ihn ausserdem von Gorontalo (Jentink Cat. XI, 81 1892), und ebendaher das Berliner Museum aus meiner Sammlung, er scheint also ganz Celebes zu bewohnen. Die Exemplare von Manado tua unterscheiden sich nicht von denen des Festlandes. Ob T. fuscus, wie wahrscheinlich auch Cynopithecus niger, vom Menschen auf diese kleine vulkanische Insel hinübergebracht worden ist?
Das Exemplar von Saleyer hat den Schwanz weniger behaart, scheint aber noch jung zu sein.
Inländischer Name in der Minahassa: tankassin. Ich besass das Gespenstthierchen im Jahr 1871 in Manado lebend, konnte es aber nicht lange in der Gefangenschaft erhalten.
Forbes (Prim. I, 21 1894) registrirt die Art irrigerweise auch von den Philippinen. Er nennt als einziges Unterscheidungsmerkmal von T. spectrum (Pall.) die dunkelbraunen Hände, allein an der Farbe der Hände kann man die beiden Arten, deren Charaktere Weber schon genügend und in bemerkenswerther Weise klar gestellt hat, nicht erkennen. Die Verschiedenheiten im Skeletbaue lohnte es sich wohl an genügendem Materiale weiter zu untersuchen (s. Burmeister Tarsius 1846, 17 u. 126 und Weber 265).
Eine jetzigen Anforderungen entsprechende Abbildung[3] von T. fuscus giebt es nicht; ich hoffe eine, die sich der von T. philippensis auf [Tafel IV] zur Seite stellt, bei anderer Gelegenheit bieten zu können. (Vgl. Fischer: Anat. Maki 1804 T. III, Skelet IV u. V; Burmeister: Tarsius 1846 T. 2 u. 7 f. 8–14, Skelet; Schlegel: Handleiding 1857 pl. I, 9; Cassels Nat. Hist. I, 249 s. a.)
Die Schwanzbeschuppung kommt, wie wir sehen werden, wohl bei T. sangirensis, bemerkenswertherweise aber nicht bei T. spectrum und philippensis vor. (S., ausser bei Weber l. c., de Meijere: Haren der Zoogdieren, Diss. 1893, 46 u. 119 und Reh: Verh. Ntw. Ver. Hamburg 3. F. I, 35 1893 u. Jena. Zeitschr. 29, 189 u. 190 1894, wo sich eine interessante Zusammenstellung des Vorkommens von Schuppen bei den Säugethierordnungen findet.)
Weber nannte die Art fuscomanus, da aber Fischer (Maki 1804, 37) „fuscus s. fuscomanus“ sagt, so ist der erste Name der berechtigtere. [[9]]
[1] Teijsmann (Natuurk. Tijdschr. Nederl. Ind. 38, 77 1879) glaubt, dass das Thierchen hier podi heisse. [↑]
[2] Ob Wallace (Geogr. Verbr. D. A. I, 496 1876) die Insel Manado tua meinte, als er sagte: „Soll auch auf einer kleinen Insel an der Nordspitze von Celebes vorkommen“? (S. auch Is. life 1880, 427.) In seinem Mal. Arch. (1869) hatte er das in der Minahassa gar nicht seltene Thier nicht näher localisirt, im 2. Bde. der Geogr. Verbr. (p. 201) dagegen hiess es, dass es „auf einigen Theilen von Celebes“ gefunden werde. (Vgl. auch Jentink in T. Aardr. Gen. 2. s. VI, 247 1889 und c. Schuiling 251.) [↑]
[3] Man findet bei Burmeister: Tarsius 1846, 3 alle bis dahin vorhandenen aufgezählt. [↑]
[[Inhalt]]
7. Tarsius sangirensis n. sp.
Tarsius T. fusco Fisch.-Waldh. simillimus, sed cauda minus pilosa et tarsis fere nudis.
Hab. In insulis Sangi.
Alle mir bekannten Exemplare[1] von den Sangi Inseln weichen durch den weniger behaarten Schwanz und die wenig behaarten Tarsen von dem gleich grossen T. fuscus ab, sie nähern sich also darin der Philippinen-Form mit ihrem ganz spärlich und kurz behaarten (und unbeschuppten) Schwanz und ihren so gut wie nackten Tarsen, während fuscus gut behaarte Tarsen und einen sehr stark behaarten Schwanz hat. Die langen und dunklen Haare des Schwanzes reichen bei sangirensis proximal nicht so weit und die Haare sind kürzer. Die Beschuppung ist dieselbe wie bei fuscus. Das Museum besitzt ein Exemplar von Siao und eins von Gross Sangi, das Berliner, Wiener und Braunschweiger je eins von Gross Sangi (erstere 4 aus meinen Sammlungen, letzteres von Dr. Platen) mit denselben Charakteren,[2] das Leidener (Cat. XI, 81 1892) eins von „Sangi“, von dem Dr. Jentink so freundlich war mir mitzutheilen, dass der Schwanz und der Tarsus weniger behaart seien als bei Celebes Exemplaren. Es liegt hierin also eine insulare Abweichung und eine Hinneigung zur Philippinen Form. Ich hoffe später eine Abbildung der Art geben zu können.
[1] Vgl. Abh. Mus. Dresden 1894/5 Nr. 1 p. 1. [↑]
[2] Prof. W. Blasius und Dr. v. Lorenz hatten die Güte, sie mir zum Vergleich einzusenden, das Berliner Exemplar sah ich an Ort und Stelle wieder. [↑]
[[Inhalt]]
8. Tarsius philippensis A. B. Meyer
Ich beschrieb diese Art Abh. Mus. Dresden 1894/5 Nr. 1 und habe dem Gesagten wenig hinzuzufügen, da die Abbildung in n. Gr. zur weiteren Erkennung der Merkmale genügen dürfte. Nur über die Behaarung des Schwanzes möchte ich noch einige Worte sagen, da diese, der Natur der Sache nach, in der Abbildung nicht deutlich genug wiedergegeben werden konnte. Die proximalen ¾ des Schwanzes sind fast nackt, nur mit spärlich und einzeln stehenden, kaum 1 mm langen weissen Härchen besetzt; am distalen Viertel werden sie allmählich bis 3 mm lang und an den distalen 4 Centimetern stehen sie eng aneinander und sind bräunlich gefärbt. — Das Museum erhielt inzwischen 2 weitere Exemplare von den Philippinen, und zwar noch eins von Samar durch Dr. Schadenberg und eins von Nord Mindanao durch Dr. Rizal. Das rothbraune Gesicht und überhaupt die braunere Farbe ist bei allen auffallend, und sie sind hierdurch zusammen mit den fast nackten Tarsen und dem wenig behaarten Schwanze leicht von anderen Tarsiern zu unterscheiden.
[[Inhalt]]
9. Tarsius spectrum (Pall.)
Borneo-Exemplare zeigen vorwiegend braune Töne wie die von den Philippinen, allein sie haben behaarte Tarsen und einen spärlich behaarten Schwanz mit heller Quaste, wie T. spectrum von anderen Inseln. Immerhin wäre es möglich, dass auch die Borneo Form als locale abgetrennt werden könnte. Schon Temminck (Coup-d’oeil III, 112 1849) sagt: „La même espèce se trouve aussi dans les parties méridionales de Bornéo; toutefois elle paraît former une variété locale propre à cette île. Le Tarsius spectrum de Célèbes a le bout ou flocon terminal de la queue noir, celui de Bornéo a cette partie d’un cendré-fauve.“ T. fuscus von Celebes unterscheidet sich allerdings bedeutend von spectrum, wie wir besonders durch Weber (Zool. Ergebn. III, 262 1893) wissen, ob aber die Borneo Exemplare von denen der übrigen Inseln, wo Tarsius vorkommt, hinlänglich und so constant differiren, um einen besonderen Namen zu verdienen, kann ich wegen zu geringen Materiales von den anderen Inseln nicht entscheiden. Das Museum besitzt 5 von Borneo: vier vom Südosten und eins vom Westen. Auch die 3 von Borneo im Berliner Museum zeichnen sich durch viel Braun aus, es ist darunter eins vom Nordosten; Hose führt welche (Mamm. Borneo, Diss. 1893, 17, inl. Name ingkat) vom Nordwesten, Wolff (Natuurk. Tijdschr. Nederl. Ind. 16, 44 1858/9) welche von der Ostküste auf, Tarsius ist also über ganz Borneo verbreitet. Auch auf der [[10]]Insel Karimata, westlich von Borneo, kommt er vor (Teijsmann l. c. 36, 246 1876, inl. Name kebuku) und auf Sirhassen, einer der Natuna Inseln (Thomas & Hartert Nov. Zool. I, 655 1894). Weber (l. c. III, 263 1893) meinte, dass es nicht ganz sicher gewesen wäre, ob T. spectrum auch auf Sumatra lebe oder nicht, allein es lagen schon früher Exemplare aus dem Lampongschen (Natuurk. Tijdschr. Nederl. Ind. 16, 87 1858/9 und 27, 383, 1864, inl. Name krabuku) in Batavia vor. (S. noch mehrere inländische Bezeichnungen für Tarsius bei Hubrecht l. c. 54, 39 1895.) Von Biliton hat Jentink (Notes Leyden Mus. XII, 149 1890) die Art registrirt.
Ich hoffe auch von T. spectrum später eine Abbildung geben zu können, da die vorhandenen den jetzigen Anforderungen nicht mehr entsprechen. (Vgl. Audebert: Maki p. 29 Pl. I, an 8, col.; Horsfield: Zool. Res. 1824 pl. 4, col. und Taf. zu Nr. 2, Figur G Zähne; Burmeister: Tarsius 1846 T. 1, col.; G. Cuvier: Règne animal Mamm. 1849 pl. 22, 1, col., 1 a–c Zähne; Gervais: Mamm. 1854, 162, Skelet s. zu p. 178; Brehm: Thierl. I, 307 3. Aufl. 1890, mit nackten Tarsen! — seitens Lydekker: Nat. Hist. I, 236 1893/4 copirt; Forbes: Prim. I pl. II 1894, col.)
[[Inhalt]]
10. Paradoxurus musschenbroeki Schl.
| 1878 (?) | Schlegel Prospectus von „Annals of the R. Zool. Mus. of the Netherlands at Leyden“ (mit Schädel-Tafel) |
| 1879 | Schlegel Notes Leyden Mus. I, 43 |
| 1883 | Jentink Notes Leyden Mus. V, 178 |
| 1885 | Blanford P. Z. S. 790, 806 |
| 1887 | Jentink Cat. (ost.) IX, 94 Pl. 1 u. 2 (Schädel) |
| 1890 | Weber Zool. Erg. I, 110 |
| 1894 | Weber Zool. Erg. III, 469 fg. |
Dieses grösste Raubthier von Celebes[1] blieb merkwürdig lange unbekannt, es ist allen früheren Reisenden entgangen, oder wenn sie davon gehört hatten, wie z. B. v. Rosenberg (Mal. Arch. 1878, 268) und ich, so war es ihnen nicht gelungen, es zu erbeuten. Laut Tagebuchnotiz hörte ich am 20. Juni 1871 in Belang in der Minahassa, dass ein „andjing utan“ (Waldhund) seit einiger Zeit in der Nähe sei und Hühner weghole. Ich hatte schon früher einen Preis auf das Thier, von dem Mancher in der Minahassa sprach, gesetzt, aber erfolglos. Erst van Musschenbroek verschaffte, als er 1875 Resident von Manado war, 5 Exemplare von Kinilo und Tanawangko, und 1883 kamen durch v. Faber noch 7 nach Leiden, die von denselben Localitäten herrührten.[2] Das Dresdener Museum erhielt seit Anfang 1894 6 Bälge mit den Skeletten (2 m. u. 1 f. ad., 1 m. u. 1 f. jun., 1 f. juv.), beim Dorfe Kali in der Nähe von Kakaskassen Februar, Mai und October in Fallen gefangen, mit den Bezeichnungen andjing utan (mal.) und lonkoi. Auch P. und F. Sarasin bekamen mehrere, wie sie mir unter dem 4. August 1894 mittheilten, und zwar aus den Wäldern, die die verschiedenen Kraterberge in der Nähe von Rurukan bedecken. „Sie nähren sich, wie uns die Untersuchung des Magens lehrte, sowohl von Waldratten, als auch von den reifen Früchten der Papaya.“ Das Thier ist daher keineswegs selten, wie man, da es so lange unentdeckt geblieben ist, versucht sein könnte zu vermuthen. Der Grund hiervon lag vielmehr darin, dass die Eingebornen den Fang nicht übten, bis sie genügend dazu angespornt wurden, und dass die Naturforscher früher die Art und Weise des Fanges nicht kannten, sowie darin, dass das Thier überhaupt verborgen lebt und wohl nur Nachts auf Raub ausgeht. Die bis jetzt bekannten Fundorte: Kinilo, Rurukan und Kali liegen dicht bei einander, nicht fern von Manado; Tanawangko etwas mehr westlich; allein die Art hat gewiss eine viel weitere Verbreitung. Die Rosenbergschen Angaben (s. bei Jentink Notes Leyden Mus. V, 179 1883) beziehen sich auf das Gorontalosche, es ist jedoch noch fraglich, ob es sich dort, wie auch bei meiner [[11]]Notiz von Belang, um P. musschenbroeki handelt. Ob die Art auch in Central, Nordost und Süd Celebes[3] vorkommt, bleibt festzustellen.
Ein altes Männchen und ein junges Weibchen sind auf [Tafel V] in ⅕–⅙ n. Gr. abgebildet.
Blanford, der vorzügliche Kenner der Paradoxuri, sagt (P. Z. S. 1885, 790): „P. musschenbroeki differs greatly from all other species in its annulated tail. The skull is intermediate in form between the last mentioned little group (Paguma) and typical Paradoxuri, but rather nearer to the former. The shape of the palate is peculiar“. Und (p. 806): „The most remarkable peculiarity of the skull and dentition is that the rows of upper premolars and molars, instead of diverging greatly behind, as in all other Paradoxuri, are nearly parallel[4], the hinder part of the palate being proportionately much narrower than in other species of the genus. The distance between the anterior premolars is 0.68 inch [17,3 mm], between the last molars 0.77 [19,6]. In other species the latter measurement exceeds the former by at least one half“. Die von Blanford erwähnten Maasse sind bei dem [Tafel VI] Figur 1 in ⅓ n. Gr. abgebildeten männlichen adulten Skelette (2324) 20,6 und 23,6 mm, der Schädel ist auch länger mit 157 mm, gegen 146 (5.75 inches) bei Blanford. Jentink (p. 179) giebt die Länge eines adulten Schädels auf 148 mm an, die Breite auf 45, die Jochbogenbreite auf 85, bei dem 157 mm langen Schädel von 2324 ist die Breite nur 43 und die Jochbogenbreite 79, er ist also länger und schmäler als der von Jentink abgebildete. Die ersten Praemolaren sind noch vorhanden, Jentink sagt, sie fehlen bei adulten Exemplaren, was aber wohl nur bei alten der Fall sein mag, denn 2324 ist adult, wenn auch etwas jünger als das Exemplar a (Cat. p. 94), dessen Schädel Jentink abbildete. Länge des Körpers und Kopfes des ausgestopften Ex. (2310, zu Skelet 2324) 820 mm, Länge vom Vertex zum Anus 680, Länge des Schwanzes 690.
Da mir das Exemplar 2310 in Spiritus zukam, so liess ich die (linke) Vola und Planta, ihres bemerkenswerthen Oberflächenreliefs wegen, photographiren und bilde sie [Tafel VI] Figur 2 und 3 in n. Gr. ab. Ein auffallender Unterschied mit anderen von mir daraufhin untersuchten Paradoxuri besteht darin, dass die Tastballen bei P. musschenbroeki glatt, bei jenen gefeldert sind.
Vola (Figur 2). Die 5 Nagel- oder Endballen (a–e)[5] sind relativ mässig, die sie verbindende Schwimmhaut dagegen ist sehr stark entwickelt, die 4 Metacarpophalangealballen (α–δ), besonders der 3. (γ), zeigen mächtige Ausbildung, wie auch der Radial- und der Ulnarballen (r und u), besonders letzterer, der überhaupt der grösste Tastballen der Vola ist; der 4. Metacarpophalangealballen (δ) zeigt proximal eine kleine Abschnürung; ein Pisiformballen (P) ist kaum angedeutet. Diese Metacarpophalangeal-, Radial- und Ulnarballen bilden mehr oder weniger ein zusammenhängendes, nur durch schmale Furchen von einander getrenntes Gebilde, mit der Ausnahme jedoch, dass sie in der Mitte eine mit groben Warzen besetzte vertiefte intermediäre Tastfläche[6] umschliessen, auch proximal und peripher reihen sich den Ballen einige Warzen an; die Tastballen aber sind ganz glatt und nicht mit Warzen besetzt.
Planta (Figur 3). Die Endballen und Metatarsophalangealballen verhalten sich sehr ähnlich denen der Vola, so dass die Abbildung zum Verständnisse genügen dürfte. Der Tibialballen (t) ist langgestreckt, und verschmälert sich proximalwärts, der Fibularballen (f) ist etwas kürzer; zwischen beiden liegt eine längliche intermediäre Tastfläche, die mit unregelmässig angeordneten polygonalen oder abgerundeten, groben, an einander stossenden Warzen besetzt ist. Die peripher stehenden Warzen sind hier regelmässiger (einreihig) angeordnet als auf der Vola.
Untersucht man dagegen dieselben Gebilde z. B. bei P. musanga Gr. (B 3261 von Sumatra, in Spiritus), so findet man eine grosse Reihe von Unterschieden, vor Allem aber sieht man schon mit unbewaffnetem Auge, dass alle Tastballen gleichmässig mit polygonalen flachen Hautwarzen vollkommen [[12]]besetzt sind, und ebenso die intermediären Tastflächen, soweit vorhanden, so dass ein dichtes Netzwerk, eine Felderung, entsteht; nur die Schwimmhaut zwischen den Endballen und den Metacarpo- und Metatarsophalangealballen ist glatt. Die 5 Endballen der Vola und Planta sind sehr stark entwickelt. Der 1. Metacarpophalangealballen steht etwas abgegrenzt, die anderen 3 sind aber fast mit einander verschmolzen; der Ulnarballen ist sehr gross, der Radialballen etwas kleiner, beide liegen aber direct an den Metacarpophalangealballen; dem Ulnarballen reiht sich ein kleiner Pisiformballen an. 1. und 2. Metatarsophalangealballen etwas gegeneinander abgegrenzt, 3. und 4. mit einander verschmolzen; Tibial- und Fibularballen langgestreckt, letzterer etwas breiter und distal mit dem 1. Metatarsophalangealballen verschmolzen; zwischen dem Tibial- und Fibularballen eine lange breite intermediäre Tastfläche mit groben polygonalen, an einander stossenden Warzen besetzt.
An trockenen Exemplaren lässt sich die Disposition der Tastballen nicht genau studiren, ihre Felderung aber konnte ich bei P. musanga von Borneo, fasciatus Desm. von Java, philippensis Jourd. von Panay und leucomystax Gr. von Borneo (?) als die gleiche erkennen wie bei P. musanga in Spiritus. Klaatsch (Morphol. Jahrb. 14, 417 1888) beschreibt die Ballen von P. typus [niger (Desm.)] auch als mit grösseren polygonalen, ziemlich flachen Hautwarzen besetzt, es scheint also, dass die meisten, wenn nicht alle Paradoxurus-Arten, bis auf P. musschenbroeki, gefelderte Tastballen haben, während dieser die glatten mit Viverren gemein hat.[7] Das Oberflächenrelief einer jeden Paradoxus Art wird wohl anders gestaltet sein, allein wenn alle bis auf P. musschenbroeki gefelderte Tastballen besitzen, so hat dieses abweichende Verhalten des letzteren doch wohl mehr Gewicht. Allerdings kommen derartige morphologische Differenzirungen innerhalb einer Gattung auch sonst vor, wie wir denn oben (S. 8) eine solche, nach Weber, in dem beschuppten und glatten Tarsier-Schwanze zu erkennen hatten; falls jedoch dies Verhalten von P. musschenbroeki unter den Paradoxuri wirklich ein isolirtes ist, und Hand in Hand geht mit den anderen abweichenden Charakteren (Schädel, Schwanzringelung etc.), so wäre eine generische Abtrennung vielleicht geboten. Der ganze Habitus von P. musschenbroeki weicht von dem der anderen Paradoxuri durch Plumpheit ab, der dicke Kopf ferner mit seinen langen steifen, hellen und dunklen Schnurren, und die breiten Füsse mit ihren stark ausgebildeten Schwimmhäuten geben dem Thier etwas otterartiges, was Jedem sofort in die Augen springt, so dass man zuerst gar keinen Paradoxurus vor sich zu haben vermeint.
[1] Wie Cryptoprocta ferox Th. Benn. das grösste von Madagaskar; Paradoxurus leucomystax Gr. von Malacca, Borneo und Sumatra ist kleiner als P. musschenbroeki. [↑]
[2] Faber hatte 1878 auch zwei Exemplare an das Gothaer Museum geschickt. [↑]
[3] Teijsmann (Natuurk. Tijdschr. Nederl. Ind. 38, 77 1879) hörte, dass sie am Pik von Bonthain vorkomme, dies bedarf natürlich der Bestätigung; Weber (Zool. Erg. I, 110 1890) fand in Süd Celebes keine Spur davon, ebensowenig wie Wichmann (l. c.) als er von Palos nach Parigi ging, allein wenn man bedenkt, wie lange das relativ grosse Thier in der naturwissenschaftlich so viel durchsuchten Minahassa verborgen blieb, so sind solche negativen Befunde vorläufig ganz und gar nicht beweisend. [↑]
[4] Wie aus Jentinks Pl. 2 ersichtlich. [↑]
[5] Ich folge der Nomenklatur und sonst Klaatsch: Zur Morphologie der Tastballen der Säugethiere (Morphol. Jahrb. 14, 407 1888). [↑]
[6] Kollmann: Tastapp. d. Hand 1883, 40. [↑]
[7] Bei Viverra civetta Schreb. fand Klaatsch (p. 418) sie glatt und punktirt, was ich auch für V. tangalunga Gr. angeben kann, die Tastballen bei Paradoxurus musschenbroeki aber zeigen diese höckerige Punktirung nicht, sie sind ganz glatt. [↑]
[[Inhalt]]
11. Bubalus mindorensis Heude
[Tafel VII] und [VIII]
| 1860 | Blyth J. Asiat. Soc. Bengal. XXIX, 303 (Misc. pap. rel. to Indo China II, 295 1886) Tamarao |
| 1878 | Everett P. Z. S. 792 Anoa depressicornis |
| A. B. Meyer P. Z. S. 881 Tamarao | |
| Bartlett P. Z. S. 882 Indian Buffalo of small size | |
| 1885 | Jordana Bosquejo geogr. Fil. 171 Antilope depressicornis |
| 1887 | Hoffmann Abh. Mus. Dresden 1886/7 Nr. 3 p. 26 Taf. Fig. 6 a–f Bubalus indicus? |
| 1888 | (vor Aug.) Heude Mém. Hist. Nat. Chin. II, 1 p. 4 und 50 Bubalus mindorensis |
| (16. Aug.) Steere (bei Sclater) Nature 38, 363 Anoa mindorensis | |
| (1. Nov.) A. B. Meyer Nature 39, 9 Bubalus sp. | |
| (20. Nov.) Steere P. Z. S. 413 Anoa oder Probubalus mindorensis | |
| (6. Dez.) Heude Nature 39, 128 Bubalus mindorensis | |
| (13. Dez.) Everett Nature 39, 150 Bubalus sp. | |
| Gogorza An. Soc. Espan. XVII, II (des S. A.) Anoa depressicornis | |
| 1889 | A. B. Meyer Zool. Garten 251 Bubalus sp. |
| 1890 | Heller Abh. Mus. Dresden 1890/1 Nr. 2 p. 3 u. 31 Bubalus mindorensis |
| Steere List Phil. 29 Probubalus mindorensis | |
| Nehring Zool. Anz. 448, SB. Ges. naturf. Berlin 101, Naturw. Wochenschr. V, 227 Bubalus mindorensis[[13]] | |
| 1894 | Jentink Notes Leyden Mus. XVI, 199 pl. 8–11 Bubalus mindorensis |
| Bourns & Worcester Notes Exp. Phil. Is. 63 Bubalus mindorensis | |
| Lydekker Nat. Hist. II, 206 Bos mindorensis | |
| Heude Mém. Hist. Nat. Chin. II, 4 p. 204 pl. XIX E Fig. 19 Bubalus mindorensis | |
| 1895 | Oustalet Bull. Mus. Paris 202 Anoa mindorensis |
| Elera Cat. sist. Fil. I, 33 Bubalus mindorensis | |
| 1896 | Lydekker Geogr. Hist. Mamm. 47, 279, 305 Bos mindorensis |
Es könnte ein Zweifel darüber entstehen, ob Heude oder Steere als Autor dieser Art zu nennen sei, da Steeres erste Beschreibung am 16. August 1888 veröffentlicht war, und das 1. Heft des 2. Bandes der Mémoires concernant l’histoire naturelle de l’empire chinois par des pères de la compagnie de Jésus in Chang-Hai im Jahr 1888 ohne Datum erschien. Es lässt sich aber aus buchhändlerischen Catalogen (z. B. Friedländer Nat. nov. Sept. 1888, 289) nachweisen, dass Heudes Publication vor August statt gefunden hat, und dieser daher, und nicht Steere, als Autor figuriren muss.
Der einheimische Name des Zwergbüffels von Mindoro ist, nach vielfachen Angaben, Tamarao[1], nicht Tamaron oder Tamarou, wie Steere (P. Z. S. 1888, 414 und List 1890, 29) schreibt. Er ist bis jetzt nur von Mindoro bekannt, denn dass Elera (l. c.) ihn auch von Celebes aufführt, beruht auf einer Verwechslung mit der Anoa oder auf einer anderen Unzulänglichkeit, wie man sie auf Schritt und Tritt in seiner Compilation antrifft. Nehring (SB. Ges. naturf. Berlin 1894, 185) beschrieb von der Mindoro nahen Calamianen Insel Busuanga noch einen wilden Büffel als B. moellendorffi, der etwas grösser als der Tamarao sei, allein ich halte ihn nicht für einen wilden, da Dr. Schadenberg mir mittheilte, dass es nach der Aussage von Don Bernardo Ascanio, der 20 Jahr auf den Calamianen, speziell in Malbató auf Busuanga gelebt hat, dort keine wilden Büffel gebe. Dass auf der kleinen Insel Jemandem, der so lange dort als Pflanzer ansässig ist, das Vorhandensein wilder Büffel unbekannt geblieben sein sollte, kann man ausschliessen; es handelt sich daher nur um einen verwilderten, oder vielleicht nicht einmal um einen solchen,[2] falls man darunter nur schon seit Generationen verwilderte versteht.[3] Dr. Schadenberg theilte mir mit, dass auf Mindoro verwilderte Büffel neben dem Tamarao vorkommen sollen, er habe aber keine gesehen; man spräche auch davon, dass sie sich mit Tamaraos kreuzten, worüber er sich jedoch vorläufig kein Urtheil erlauben wolle. Den Schädel eines solchen angeblich wilden Carabao von Mindoro sandte er auch ein (B 3199). Die bis jetzt bekannten Tamaraos geben keinen Anlass zur Annahme von Kreuzungen, und wenn sie ausnahmsweise statt hätten, so würde dies bei dem zweifellosen Überwiegen des auf ganz Mindoro und, wie es scheint, zahlreich vorkommenden Tamarao wahrscheinlich keinen dauernden Einfluss auf die Umgestaltung der Art gewinnen können. Jordana (Bosquejo 1885, 172) sagt: „El Tamarao es animal muy agreste y vigoroso, que á veces lucha victoriosamente con el bufelo silvestre en el seno de los bosques“, allein auf solche Angaben nach Hörensagen ist vorerst gar Nichts zu geben.
Jentink (l. c. 204) hält es für möglich, dass der Tamarao ein Bastard zwischen Bubalus bubalus und Anoa depressicornis von Celebes sei. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie eine solche Hybridisation hätte zu Stande kommen sollen. Dazu hätte die Anoa zahlreich nach Mindoro gebracht worden sein [[14]]müssen, was gewiss nicht geschehen ist. Auch ist der Tamarao eine ganz stabile, typische und gewiss alte Form. Der Schädel 1569 des Museums, den Semper vor dem Jahr 1865 erhielt, stimmt vollkommen überein mit denen von in den Jahren 1894 und 1895 durch Schadenberg erlegten Exemplaren. Dies beweist schon die Constanz, nicht minder wie die in den Museen vorhandenen, ganz untereinander übereinstimmenden Häute es darthun. Nimmt Jentink an, dass die Anoa früher auf Mindoro gelebt habe, und sich dann mit den importirten Büffeln kreuzte? Welche Gründe könnte man wohl zu Gunsten einer solchen Annahme ins Feld führen? Lydekker, der (l. c. 306) die Möglichkeit einer Bastardirung nach Jentink nicht abweist, sagt, der Tamarao müsse noch als gute Art erwiesen werden. Wenn aber, wie jetzt, schon viele gleiche Exemplare bekannt sind (Berlin 1, Dresden 6, Leiden 3, Manila 2, Paris 2, durch Steere 3, Stuttgart 1 etc.), so ist es mir ganz unerfindlich, wesshalb man noch an der Artberechtigung zweifeln, oder einen Bastard im Tamarao erblicken wollte. Auch vermag ich Jentink darin nicht beizustimmen, dass er meint, wenn der Tamarao kein Bastard sei, so müsse er eine neue generische Bezeichnung erhalten, da er weder als echter Büffel, noch als Anoa angesehen werden könne, denn der Tamarao hat, m. A. n., genügend Büffelcharaktere, um ihn zu den übrigen Büffeln zu stellen. Doch die Bildung einer neuen Gattung ist in diesem Fall unwesentlich und mehr oder weniger Geschmacksache. Die Hypothese, dass der Tamarao ein Bastard sei, halte ich für um so entbehrlicher, als sie an und für sich wenig plausibel ist. Tamarao und Anoa können vielmehr als Nachkommen des Sivalikrindes angesehen werden, daher die vielfache Übereinstimmung. Die insulare Sonderung führte zu einer Divergenz in ihrer Entwicklung, auf Celebes zur Anoa, auf Mindoro zum Tamarao. Diese Hypothese, wenn schon eine aufgestellt werden soll, scheint mir weit annehmbarer. (Vgl. Heller: Anoa in Abh. Mus. Dresden 1890/1 Nr. 2 p. 34.)
Ich habe den Beschreibungen Jentinks (l. c. 201) wenig hinzuzufügen. Der Stand und die Zahl der Haarwirbel variiren ausserordentlich, nicht ein Exemplar von den 6 des Museums stimmt darin mit den Leidener überein, und keines gleicht dem andern; es sind welche mit nur einem Wirbel vorhanden. Der helle Fleck unter dem Auge fehlt den Dresdner Weibchen nicht — es sind auch manchmal 2 Flecke vorhanden —, ebensowenig wie die hellen Binden an der Kehle und der Wamme. Der abgebildete Stier (grosse stehende Figur [Taf. VII]) ist heller gefärbt als die Kühe. Dr. Schadenberg schrieb mir, dass die Tamaraos dieselbe Farbe hätten wie die Carabaos. Das Exemplar des Berliner Museums ist nach Dr. Hellers Beobachtung länger (bis 4 cm lang) behaart. Das abgebildete weibliche Kalb mit Hörneransatz ([Taf. VII] und [Taf. VIII] Schädel) besitzt bereits die helle Zeichnung bis auf die Flecken unter dem Auge.
Maasse der 2 nach den Skeletten ausgestopften Exemplare:
| 2422 fem. | 2457 fem. | |
| Entfernung vom Vertex zum Anus | 1.670 m | 1.710 m |
| Kopflänge | 0.395 | 0.420 |
| Schulterhöhe | 1.000 | 1.110 |
| Hornlänge, in der Curve gemessen | 0.320–350 | 0.320–345 |
| Hornlänge, gerade gemessen | 0.300–315 | 0.290–300 |
| Abstand der Spitzen | 0.175 | 0.110 |
| Ohrlänge | 0.160 | 0.170 |
Auf [Tafel VII] ist in c. 1⁄12 n. Gr. ein adulter, aber noch nicht alter Stier (B 3198 stehend), eine alte Kuh (2422, liegend) und ein weibliches Kalb (B 3089) dargestellt. Man vergleiche mit der Abbildung des Stieres die der Anoa bei Schlegel (Handleiding Dierk. 1857 Atlas Pl. V Fig. 5 in 1⁄20 n. Gr.), um die Ähnlichkeit dieser beiden Zwergbüffel zu erkennen; auch die weisse Zeichnung stimmt überein, nur dass dem Tamarao der helle Längsstreif an den Beinen fehlt. Auf [Tafel VIII] Figur 1 findet man das Skelet einer alten Kuh (2457), als grösstes und ältestes von den vorhandenen 4 adulten, in c. ⅛ n. Gr., genau so gross wie das Skelet des Anoa-Stieres, das Heller (Abh. Mus. Dresden 1890/1 Nr. 2 Taf. III) in 5⁄32 n. Gr. abbildete, also direct damit vergleichbar. Es ist ferner auf [Tafel VIII] Figur 2 der Schädel des weiblichen Kalbes (B 3089) in ⅓ n. Gr. dargestellt. Das Museum besitzt, ausser diesem und den 4 der Skelette, noch 4 Schädel, davon 2 defect; im Ganzen 6 Häute, 4 Skelette und 5 Schädel (davon [[15]]einen durch Semper), aber Dr. Schadenberg beschaffte auch direct oder indirect das Material für einige andere Museen (z. B. Leiden und Stuttgart).
Es verdient erwähnt zu werden, dass unter den vier mir vorliegenden Tamarao Skeletten zwei weibliche (B 2852 und B 3088), wie das Leidener weibliche (Jentink l. c. 203 pl. 11 obere Figur), am ersten Lendenwirbel eine bewegliche Rippe haben, und zwar B 2852 rechts eine 34 cm, und B 3088 links eine 29 cm lange; beide Wirbel haben an der anderen Seite ein unbewegliches Rippenrudiment, und zwar B 2852 links ein 12 cm langes und B 3088 rechts ein abgebrochenes, dessen ursprüngliche Länge nicht mehr zu bestimmen ist. Ähnlich weist ein Skelet von Bubalus brachyceros Gr. vom Ogowe, West-Afrika (1510) zwei bewegliche, 13 und 15 cm lange Rippen am ersten Lendenwirbel auf. Dagegen sind zwei der Tamarao Skelette, ein Stier und eine Kuh, in dieser Hinsicht normal. Alle vier Tamarao Skelette haben 6 Lendenwirbel. Heller (Abh. Mus. Dresden 1890/91 Nr. 2 S. 18) giebt für Anoa auch 6 Lendenwirbel als Norm an, aber ein dem Museum inzwischen zugekommenes Skelet (B 2705 mas) hat 7, neben drei schon länger vorhandenen Skeletten mit 6. Alle vier Tamaraos haben 13 Brustwirbel. Anoa hat nach Heller (p. 19) 13, selten 14, die vier Dresdner Anoas haben 13, u. a. eine Holländer Kuh und ein Bubalus brachyceros 13, ein Wisent und zwei Bisons 14. Jentink giebt 18–19 Schwanzwirbel beim Tamarao an, zwei der Dresdner haben 17, eins 16 und eins ist defect. Die Excrescenzen an den proc. spin. der Brustwirbel, die Jentink erwähnt, finden sich auch an den Dresdner Exemplaren mehr oder weniger ausgebildet, aber nicht bei Anoa und anderen Büffeln (s. auch Heller p. 19).
Wie Heller (p. 32) schon anführte, kommen Tamaraos bei Sablayer an der Westküste Mindoros und bei Margarin an der Südküste vor. Dr. Schadenberg jagte sie bei Mambarao an der Nordküste (B 2890) und 2 Tagemärsche östlich von da (2422), sowie an der Laguna Nauján an der Nordostküste (2457 und B 3089, Kuh mit Kalb zusammen). Sie scheinen also über ganz Mindoro verbreitet zu sein. Unter dem 27. Mai 1895 schrieb er mir: „Ich habe an der Laguna Nauján eine Tamaraokuh mit Kalb geschossen. Ich wurde dann von einem Tamarao Stier angegriffen, auf den ich mit Explosionskugeln schoss. Es war Nachts, wir fanden ihn nicht gleich, sondern erst nach 2 Tagen, allein in kläglicher Weise durch vagabundirende oder wilde Hunde zerstört“. Das ist leider das einzige, was dieser unermüdliche Forscher und Sammler mir über seine Jagden auf Tamaraos in den Jahren 1894 und 1895 mitgetheilt hat. Schon früher war er einmal zu gleichem Zweck auf Mindoro gewesen. Jedenfalls hatte er spätere eingehende Schilderungen beabsichtigt, allein er holte sich auf einem dieser kühnen Züge im Jahr 1895 in den ungesunden Niederungen ein perniciöses Sumpffieber, das seinem Leben ein frühzeitiges Ende bereitete, ein ausserordentlicher Verlust für die weitere Erforschung der Philippinen (wie ich an anderer Stelle darthun werde), ein unersetzlicher für seine Familie und seine Freunde.
[1] Nach Blyth (l. c.) heisst der Banteng auf Borneo Tambadao. [↑]
[2] So beschreibt auch Heude (Mém. H. N. Chin. II, 4 p. 205 Anm. 1 1894) einen Bubalus mainitensis von Nord Mindanao, sagt aber selbst: „Ce Buffle est actuellement entièrement domestiqué.“ Heude ist hier ebensowenig ernsthaft zu nehmen, wie wenn er z. B. 3 „Arten“ von Sus aus einem Walde bei Jalajala aufstellt (l. c. p. 216 Zeile 13)! [↑]
[3] Dass die zahmen und „wilden“ Büffel sich sehr ähnlich sehen müssen, beweist der Gebrauch auf Luzon, dass man die domesticirten zeichnet, indem man ihnen die Ohren stutzt, damit man sie im Walde nicht für „cimarrones“, verwilderte, halte. Die so gezeichneten nennt man „orejanos“. Wenn nun ein wilder erlegt wird, so bringen die Jäger den Kopf ins Gerichtshaus des Dorfes, damit man sehe, dass er nicht gezeichnet sei. Die Haare der zahmen sind heller und die Haut ist glänzender, sie sind aschgrau, und etwas weisslich auf den Knieen und der Brust; es giebt auch Albinos; die Hörner sind bogenförmig, an der Basis zusammenstossend und reichen bis auf die Schulter, wenn der Kopf gehoben wird. Die wilden sind dunkler und die Hörner dicker bis zur Spitze und schärfer; zähmen kann man sie nicht. Diese Notizen entnehme ich der „Illustracion Filipina“ 1859, 77, allein wenn wirklich bedeutende Unterschiede stets vorhanden wären, so würde ja das Stutzen der Ohren bei den domesticirten überflüssig sein. — Bei 2 von 5 Tamaraos des Museums sind die Ohren auch eingerissen oder defect (bei dem einen beiderseits, bei dem andern nur einseitig; bei einem 6. lässt es sich nicht constatiren, da das Fell zu sehr zerfressen ist); dies rührt zweifelsohne von Kämpfen her; man findet es auch bei der Anoa. [↑]
[[Inhalt]]
12. Babirusa alfurus Less.
Ich beschränke mich auf Bemerkungen über das Vorkommen und damit in Verbindung stehende Fragen, sowie über die Bezahnung, um vielleicht später über dieses bis jetzt mit Sicherheit nur von Celebes und Buru bekannt gewordene, isolirt stehende Thier[1] Weiteres beizubringen.
[[Inhalt]]
Vorkommen und damit in Verbindung stehende Fragen.
So viel ich weiss, ist der Babirusa, was Celebes anlangt, nur aus der Minahassa und dem Gorontaloschen nachgewiesen. Rosenberg (Mal. Arch. 1878, 269) sagt zwar: „Auf Selébes kommt der Babi-russa allein auf der Nordhälfte der Insel vor, lebt aber ausserdem noch auf den Sulla-Inseln und auf Buru“, was z. B. Brehm (Thierl. III, 529 1891) übernahm, allein da man unter „Nordhälfte“ von Celebes zum Mindesten das ganze Gebiet des Tominigolfes verstehen muss, so ist das zu viel gesagt. Wenn auch nicht in Abrede gestellt werden soll, dass die Verbreitung des Babirusa so weit gehen kann, so fehlt doch bis jetzt der Anhalt dafür. Es ist auch nicht ganz wahrscheinlich, dass er hier überall [[16]]haust, da man sonst wohl schon Schädel oder Zähne daher erhalten hätte, denn die Eingeborenen bewahren diese, wie sich auch denken lässt, mit Vorliebe, oder verwenden sie als Schmuck. Derartiges ist aber von den Ufern des Tominigolfes jenseit des Gorontaloschen nicht bekannt geworden. Immerhin lässt sich noch kein Urtheil fällen, da diese Länder zu wenig durchforscht sind. Auf dem Südwestarme soll er nach Erkundigungen der Herren Sarasin, wie sie die Güte hatten mir mitzutheilen, nicht vorkommen.
Das Ethnographische Museum erhielt kürzlich von Tonkean, gegenüber der Insel Peling, also von der Nordosthalbinsel, eine Kopfbinde mit Babirusa Hauern, was das Vorkommen des Thieres daselbst wahrscheinlich macht, wenn auch nicht sicherstellt, denn die Zähne könnten anderswoher stammen[2], allein P. und F. Sarasin hörten auch, dass es auf dem Banggaiarme von Celebes zu finden sei.
Von der der Minahassa nahen Insel Lembeh kamen dem Museum 3 Exemplare unter der inländischen Bezeichnung pisokan[3] zu; die Strasse zwischen Celebes und Lembeh ist schmal, und der Babirusa wird daher unschwer vom Festland übersetzen können. Hickson (Nat. N. Cel. 1889, 82) erwähnt das Vorkommen an den Bergen Klabat, Dua sudara, Kelekonde und Soputan.
Ob er auch schwimmend von Nord Celebes nach Buru gelangte, oder ob er vom Menschen hingebracht worden ist, oder welches die Ursache seines dortigen Vorkommens sonst sei, lässt sich vorerst nicht mit Sicherheit erschliessen. Es sind auch noch zu wenig Exemplare von Celebes und Buru gut bekannt, um eine Meinung bezüglich ihrer Identität gewinnen zu können. Man würde damit unter Umständen einen Anhalt über die Dauer der Existenz des Babirusa auf Buru erhalten. Dass er den Weg von Nord Celebes nach Buru, von Strömungen getragen, schwimmend zurückgelegt haben sollte, ist bei der bekannten und oft besprochenen grossen Schwimmfähigkeit der Schweine[4] denkbar; Jentink (T. Aardr. Gen. 2. s. VI, 250 1889) lässt ihn „ursprünglich“ auf Buru zu Hause gehören, doch bleibt es auffallend, dass er auf den dazwischen liegenden Sula Inseln noch nicht nachgewiesen wurde. Wenn man der Möglichkeit, dass er sich durch Schwimmen verbreiten kann, zu viel Spielraum gewährt, so müsste man sich eher darüber wundern, dass seine Verbreitung nicht weiter reicht.
Was das Vorkommen auf den Sula Inseln betrifft, so liegen zwar eine Reihe positiver Angaben vor, sie sind jedoch mehr oder weniger nur von einander abgeschrieben. Ich greife Einiges heraus: 1851 findet man in der Natuurk. Tijdschr. Nederl. Ind. II, 454 als redactionelle Anmerkung zu den in der „Samarang“-Zoologie gegebenen Fundorten Celebes und Ternate (sic): „Buru, Mangoli, Bangay“. Dies vielleicht hat Schlegel (Handleiding 1857 I, 111) übernommen, er sagt ebenfalls „Mangoli, Bangay“. Daraus machte Brehm (Thierl. II, 744 1865) „Mangli und Bangahi“[5]. Wallace (Mal. Arch. D. A. I, 395 und II, 130 1869[6]), v. Rosenberg (Mal. Arch. 1878, 269), wie wir bereits sahen, und Jentink (T. Aardr. Gen. 2. s. VI, 250 1889) führen ihn von den Sula Inseln auf. Nehring (Rohdes Schweinezucht 4. Aufl. 1891, 6) meint, dass er neben Celebes und Buru vielleicht noch auf einigen anderen Inseln vorkomme; van Bemmelen (Enc. N. I. 1895, 76) greift neuerdings wieder mit „Mangoli, Bangai“ auf Schlegel etc. zurück. Diese Beispiele liessen sich mehren, aber sie beweisen nicht das Mindeste. Die Reisenden unter den angeführten Autoren, Wallace und v. Rosenberg, waren nicht selbst auf den Sula Inseln, und weder Hoedt und Allen, noch Kühn (1885) brachten etwa Schädel von dort mit; ich erhielt kürzlich Sammlungen von Peling und Banggai, aber es war keiner dabei; man findet in den Museen sehr viele, [[17]]jedoch nicht mit der Bezeichnung Sula, selbst nicht in Leiden (Jentink Cat. IX, 164 1887 und XI, 194 1892). Aber sowenig die obigen positiven Angaben etwas beweisen, beweist das Fehlen in Sammlungen mit Sicherheit das Nichtvorkommen, da die Inseln ungenügend durchforscht sind, noch können die Autoren, welche die Sula Inseln nicht als Fundort aufführen (z. B. Teijsmann Natuurk. Tijdschr. Nederl. Ind. 38, 77 1879), beanspruchen, dass man ihnen unbedingt Glauben schenke, wenn sie nicht selbst da waren. De Clercq (Ternate 1890, 121 Anm.) äussert sich negativ, aber er hielt sich nur kurz dort auf und hat nicht zoologisch gesammelt. Trotzdem spricht Alles dafür, dass der Babirusa nicht auf Sula lebt, so auffallend sein Fehlen zwischen Celebes und Buru auch wäre; immerhin aber muss eine ausgiebigere Untersuchung an Ort und Stelle abgewartet werden, ehe man endgültig urtheilen kann. Übrigens wäre ein solches Thier auf kleinen Inseln auch leichter vom Menschen auszurotten gewesen, als auf grösseren, und sein jetziges Nichtvorhandensein im Sula Archipele bewiese noch nicht, dass es nicht früher dort gelebt haben könnte.
Dass heute von Fundortsangaben, wie z. B. Gray sie machte, Nichts mehr zu halten ist, bedarf keines Wortes[7], es lässt sich auch aufklären, wie er dazu kam, dem Babirusa eine so weite Verbreitung zu geben. Er sagt (P. Z. S. 1868, 43 und Cat. Carn … Mamm. 1869, 348): „Borneo; Malacca?; Celebes; Ceram; Timor; Java; Sumatra; New Guinea; New Ireland (Fitzinger)“, hat dies aber nur missverständlich von Fitzinger (SB. Ak. Wien L 1, 425 1864) abgeschrieben[8]; bei Diesem heisst es: „Celebes, Bourou, Xulli-Mangoli und Bangay an der Westküste [sic!] von Celebes; keineswegs aber Amboina, Ceram, Timor, Java, Sumatra und Borneo, noch Neu Guinea und Neu Irland“. Gray hat das „keineswegs aber“ und das „noch“ nicht verstanden, so dass von seinen Fundorten nur Celebes und Malacca übrig bleiben, und letzteres ist ebenfalls zu streichen.[9]
Allein wenn auch diese Grayschen Angaben nur auf einem Missverstehen beruhen, so liegen doch andere, gerade Melanesien betreffende, mehrfach vor, die einer Erklärung bedürfen. So sagte Brehm (Thierl. II, 744 1865) — wie meist, ohne Quelle: „Möglich ist, dass es auch in Neuguinea und Neuirland vorkommt; wenigstens fanden einige Reisenden dort die unverkennbaren Hauzähne des Hirschebers in den Händen der Eingeborenen.“ Ferner führte Schmeltz (Mus. Godeffroy 1881, 115) einen Babirusa Schädel (Nr. 2600) von den Salomo Inseln mit folgenden Worten auf: „Nach Kleinschmidts Meinung die Art und Weise zeigend, wie die Eckzähne zum Zwecke der Verwendung für Halsschmuck künstlich deformirt werden“ und (p. 149 Nr. 1033) von Viti: „Polirte Zähne des Hirschebers“ als Halsschmuck; zugleich Friedrichsen (Anthr. Album Mus. God. 1881, 9 Taf. 13 Nr. 202) einen Tanna Mann auf Viti mit „Halsschmuck aus polirten Zähnen des Hirschebers“. Jentink endlich (T. Aardr. Gen. 2. s. VI, 250 1889) bemerkt, dass der Babirusa von Celebes, Sula und Buru ostwärts nach Neu Guinea und weiter gebracht worden ist, weil die Eingebornen überall grossen Werth auf die gebogenen oberen Eckzähne legen.
Es beruhen alle diese Angaben auf dem Irrthume, dass es sich bei den in Frage kommenden Stücken um den Babirusa handle. Schädel in Museen mit solchen Bezeichnungen mag es geben, aber diese sind eben verkehrt, von verlässlichen Reisenden stammen sie nicht. Der Schädel im Museum Godeffroy hatte gewiss Nichts mit dem Babirusa zu thun, sondern rührte von einem Schweine mit abnorm gewachsenen unteren Hauern her, während der Babirusa nur die oberen Hauer halbkreisförmig gebogen hat[10]; die Ähnlichkeit mit diesen kann daher auch nur eine sehr entfernte gewesen sein. Da die Zahnformel von Babirusa[11] und Sus bekanntlich differirt (i 2/3 c 1/1 m 5/5 gegen i 3/3 c 1/1 m 7/7 bei Sus), so liesse sich leicht darüber Gewissheit erlangen; der Schädel ist aber bis jetzt weder in Hamburg noch in Leipzig, wo Theile des Godeffroy Museums sind, auffindbar gewesen. Die „polirten Zähne des Hirschebers“ von Viti sind abgeschliffene [[18]]Potwalzähne, wie jetzt allgemein bekannt ist. Es bleibt somit nur noch Jentinks Angabe, der ich indessen auch nicht beipflichten kann, denn ein solcher Export von Celebes und Buru nach Neu Guinea und weiter fand und findet nicht statt, es liegen keine stichhaltigen Gründe dafür vor, und die betreffenden gebogenen Zähne sind nur abnorm gewachsene untere Schweinehauer.
Die Entstehung dieser Irrthümer ist sehr wohl erklärlich, wenn man in Betracht zieht, dass es in gewissen Theilen Neu Guineas und der östlichen Inselwelt Brauch ist, jungen zahmen Schweinen die oberen Eckzähne auszuschlagen, damit die unteren sich unabgewetzt und unbeschränkt entwickeln können. Lässt man das Thier nur lang genug leben, so entsteht ein mehr oder weniger geschlossener Ring, der dann als sehr geschätzter, werthvoller Schmuck benutzt wird. Das Ethnographische Museum besitzt eine Reihe solcher Stücke. Um Babirusa-Zähne handelt es sich aber dabei nicht. Da der Querschnitt des oberen Babirusa-Eckzahnes ein anderer ist, wie der des unteren Schweine-Eckzahnes, so lassen sie sich leicht unterscheiden; beim Babirusa ist er elliptisch, auch hat er eine ebene und schmelzlose Oberfläche. Ebenso lassen sich die unteren Eckzähne bei näherem Vergleiche sehr wohl unterscheiden. Beim Schwein ist der Querschnitt mehr dreieckig, beim Babirusa eher fünfeckig, und der Zahn selbst subpentaëdrisch; Owen (Odontogr. 1840–1845, 548) nennt ihn „subtrihedral with rounded angles, except the inner one towards the point“. Der untere Babirusa-Hauer hat jedoch Email, wie der des Schweines, die Angabe von Flower & Lydekker (Intr. Mamm. 1891, 287), dass auch er „entirely without enamel covering“ sei, beruht auf einem Irrthume. Zwei neben und an einander befestigte, abnorme, ganz kreisrunde untere Schweine-Eckzähne, als Brustschmuck von Cap Arcona in Deutsch Neu Guinea, einem im Kampfe getödteten Papúa abgenommen, sind [Tafel IX] Fig. 1 dargestellt (Nr. 9175 der Ethnogr. Abth.). Es ist ein linker (oben) und ein rechter (unten), und man erkennt, von wo an sie in ihrer natürlichen Entwicklung gestört wurden; sie sind von da an erheblich dünner und auch unregelmässig geformt, was durch Abfeilen am Lebenden erzielt wird (s. unten).
Man könnte denken, dass, wenn durch eine so einfache Procedur, wie das Herausnehmen der oberen Caninen es ist, so geschätzte und werthvolle kreisrunde Zähne zu erhalten sind, Viele sie sich verschaffen würden, allein dem ist nicht so. Hr. Br. Geisler (der Zeichner unserer Tafeln) theilt mir auf Grund seiner mehrjährigen Erfahrungen aus der Gegend des Astrolabe- und Huongolfes in Deutsch Neu Guinea Folgendes mit:
„Im Leben des Papúa spielt das Schwein eine grosse Rolle und man hütet die geliebten Borstenthiere wie den grössten Schatz. Fast Alles dreht sich um Schweine und schon das eben geworfene wird für Etwas bestimmt, meist für einen Festschmaus oder zum Erbstück, aber der Eigenthümer kann nicht frei darüber verfügen, es ist Dorfeigenthum. Manchmal wird das Schwein, das zu irgend einem Festschmause bestimmt ist, verkauft oder vertauscht, und für den Erlös ein anderes gekauft zum Schlachten. Wer das Schwein aufgezogen hat, isst aus Mitleid nicht davon; die es tödten, müssen sich viel Schimpfreden gefallen lassen, besonders von den Weibern, welche nicht selten die dicksten Thränen dabei vergiessen. Einem Weissen wird es in diesen Gegenden nie gelingen, ein Schwein zu erstehen, wenn er auch noch so viele begehrenswerthe Tauschwaaren vorlegt. Aber in den meisten Fällen erhält er von dem geschlachteten ein Stück Fleisch. Stirbt eine Ehefrau, so fertigt sich der Mann einen hohen Trauerhut von Baumbast, den er erst ablegen darf, wenn das für den Trauerschmaus bestimmte Schwein erwachsen ist; passirt dem Schwein ein Unglück, so dass der Wittwer kein anständiges Mahl geben kann, so muss er den Trauerhut so lange tragen, bis das nächste Schwein erwachsen ist. Die jungen Schweinchen werden sehr häufig, ebenso wie junge Hunde, von den Weibern gesäugt und, wie die Kinder, aufs Feld zur Arbeit mitgenommen. Jedes erhält seinen Namen und ist seinen Pflegern so anhänglich wie ein Hund. Kommt ein Schwein des Nachts nicht ins Dorf zurück, so geht ein allgemeines Suchen los: in den zärtlichsten Tönen wird fortwährend der Name des Lieblings gerufen; hilft das Nichts, so geht Alt und Jung, mit Bambusfackeln versehen, und sucht nach dem Verlorenen. Junge Wildschweine werden manchmal eingefangen und gewöhnen sich ebenso an das Dorf wie die zahmen[12]. Selten verwildert ein zahmes Schwein so, dass es nicht mehr [[19]]zurückkehrt, es wird dann von den Männern aufgesucht und mit Speeren erlegt. Um recht schöne runde Schweinezähne zu erhalten, werden dem jungen Eber die beiden oberen Hauer ausgeschlagen, damit die beiden unteren im Wachsen nicht gehindert sind. Die oft kreisrund gebogenen sind der werthvollste Tauschartikel. Man kauft für solchen eine Frau oder ein Segelboot, oder es ist ein Mordschilling“.
Hieraus geht hervor, und es lässt sich auch sonst erschliessen, dass es dem Eingeborenen sehr schwer fällt, ein Schwein so viele Jahre in Gefangenschaft zu halten bis der Hauer kreisrund gewachsen ist; es treten an den Besitzer zu viele Anfechtungen und Nöthigungen heran, die ihn zur Hergabe oder zur Tödtung des Thieres veranlassen oder zwingen, so dass nur Reiche oder Charakterstarke in seltenen Fällen das Schwein so lange aufsparen können, bis der werthvolle Zahn fertig ist. Man trifft daher auch nur äusserst selten Lebende mit diesen Zähnen an, während die fertigen Ringe von Geschlecht zu Geschlecht vererbt werden und sich infolgedessen im Laufe der Zeiten mehr anhäufen.
Flower & Lydekker (Intr. Mamm. 1891, 282 Anm.) z. B. sagen über die Entstehung solcher Zähne: „If from any accidental circumstances these teeth [can. inf.] are not constantly worn down by friction, they grow into a complete circle, the point penetrating the bone of the jaw close to the root of the tooth. The natives of the Fiji Islands avail themselves of this circumstance to produce one of their most valued ornaments—a circular boar’s tusk: the upper canines being extracted, the lower ones are allowed to grow to the desired form.“ Hr. Parkinson schrieb mir darüber: „Es ist eine allgemein bekannte Sache, dass man hier in der Südsee, wo Schweinehauer als Schmuck verwendet werden, den Schweinchen die oberen Eckzähne in der Jugend ausbricht, damit die unteren nicht durch Abschleifen gegen die oberen in normaler Grösse gehalten werden, sondern die beliebte kreisförmige Biegung erlangen. In den Neu Hebriden[13] ist dies ganz üblich, ebenso in Kaiser Wilhelmsland, wo ich das Ausbrechen der oberen Eckzähne z. B. auf der Insel Siar (Friedrich Wilhelmshafen) zufällig zu beobachten Gelegenheit hatte.“ Hr. Wahnes erzählte mir, dass diese kreisrunden Zähne besonders auf den Tami Inseln, Rook, den Niedrigen Inseln (südlich von Rook) und Neu Pommern hergestellt würden. Er selbst hat auf Rook gesehen, wie einem Jährlinge mit Hülfe eines Holzmeissels der obere Eckzahn ausgeschlagen wurde; vier Männer hielten das Schwein unter grossem Halloh und Zulauf. Nicht immer würden (wie bei den von mir abgebildeten Exemplaren) die Zähne dünner gefeilt, Jeder mache das, wie es ihm gefiele. Auch Romilly kannte die Procedur (bei Finsch, der Mt. Anthr. Ges. Wien XVII, 159 1887 über „Abnorme Eberhauer“ sehr ausführlich und enthusiastisch schrieb, und ihre Entstehung als etwas Räthselhaftes betrachtet hatte, bis er die bekannte Erklärung „entdeckte“). Wie ich brieflich erfuhr, ist vor nicht langer Zeit auf Gross Key ein lebender Eber mit solchem Kreiszahne gesehen worden. Hr. Geisler beobachtete in Neu Guinea ferner, wie man mit Korallenstückchen an diesen Zähnen beim Lebenden herumfeilte. Es dürfte nicht schwer halten, weitere Belege zu beschaffen. Solches abnorme Wachsthum bei fehlendem gegenständigen Zahne kennt man ebenfalls z. B. beim Hippopotamus (das Museum besitzt ein derartiges schönes Stück) und an den Schneidezähnen beim Kaninchen, Eichhörnchen, Hasen etc., sowie bei Elephas primigenius.
Die irrthümlich für Babirusa-Eckzähne gehaltenen künstlich deformirten unteren Sus-Hauer aus Neu Guinea und der östlichen Inselwelt gaben also Anlass zu der Annahme einer weiteren Verbreitung des Babirusa oder zu der seines Exportes oder des Exportes seiner Zähne dahin. Wie mir Hr. Geisler mittheilt, sprachen zu seiner Zeit (1890–92) selbst Europäer in Deutsch Neu Guinea von einem solchen Importe von Babirusa-Zähnen „aus den Molukken“ (es hatte einer der dort weilenden Gelehrten dies aufgebracht), allein es seien das Europäer gewesen, die weder Babirusa-Zähne, noch die Gebräuche der Eingeborenen [[20]]kannten, noch die Unmöglichkeit eines Exportes von Celebes oder Buru bis nach den Fidschi Inseln zu beurtheilen vermochten.
Dr. Jentink machte mich, wofür ich ihm zu besonderem Danke verpflichtet bin, darauf aufmerksam, dass auch beim Babirusa der untere Eckzahn kreisförmig wachsen könne, und durch seine und die Güte von Prof. Weber in Amsterdam bin ich in der Lage, [Tafel IX] Figur 2 einen solchen, im Besitze des Letzteren befindlichen rechten Zahn im Kiefer in n. Gr. abbilden zu können. Der Schädel gehörte einem alten Individuum an, und soll aus der Minahassa stammen. Dass man solche kreisrunde Babirusa-Zähne auf Celebes und Buru gelegentlich wohl als Schmuckstücke verwenden könnte, wäre ja möglich, wenn mir auch kein solcher Fall bekannt ist; dass man sie aber nach Neu Guinea und weiter exportirte, ist auszuschliessen, denn derartige Handelsbeziehungen, directe oder indirecte, gab und giebt es nicht, auch sind diese Stücke viel zu selten; zudem sind die kreisrunden Zähne, die ich von dort kenne, alle vom Schweine.
Dieser abnorme Babirusa-Hauer hat sich jedoch nicht, wie im gleichen Falle beim Schweine, dadurch entwickelt, dass die Abwetzung der Spitze, infolge der Ausschaltung des oberen Eckzahnes, nicht stattfinden konnte, denn eine solche Abwetzung der Eckzähne aneinander findet beim Babirusa überhaupt nicht statt. Zwar sagt Owen (Odontogr. 1840–1845, 548), dass die unteren „sometimes show upon their inner side slight marks of abrasion against the outer side of the base of the upper tusk“ und Giebel (Odontogr. 1855, 71 u. Säugeth. 1855, 231) hat dieses übernommen, indem er angiebt, dass sich die unteren an der Basis der oberen abreiben, allein es ist ein Irrthum. Die oberen und unteren Eckzähne berühren sich nicht. Die abgewetzte Fläche, welche die unteren Babirusa-Eckzähne distal-medial mehr oder weniger aufweisen, rührt vom Graben, Wühlen und vom Abschleifen an Gegenständen her, die das Thier zu dem Zwecke zwischen Rüssel und Zahn bringt. Das ist möglich, da dieser stets lateral ausladet. So bildet sich der weit vorstehende untere Hauer zu einer formidablen Waffe aus, die um so mächtiger wirken kann, als die Wurzel, wie bei Sus, sehr tief und kreisförmig im Kiefer steckt. Würde sich der untere gegen den oberen Eckzahn, der nur als Parierstange und nicht als Angriffswaffe dienen kann, abwetzen, so müssten davon lateral an der Basis des oberen Spuren zu sehen sein, was nicht der Fall ist. Der obere Eckzahn zeigt nur distal-lateral eine mehr oder weniger ausgeprägte Abwetzungsfläche, sowie distal-medial, wo die Hauer an einander liegen oder sich kreuzen, eine kleine; proximalwärts werden sie nicht abgerieben.
Im vorliegenden Falle wurde die Abwetzung der Spitze des rechten unteren Hauers seitens des Thieres nicht geübt, und der Zahn konnte sich infolgedessen, der gebogenen Alveole gemäss, unbeschränkt kreisförmig entwickeln (wie bei Sus, wenn der abwetzende obere Eckzahn fehlt). Man erkennt noch seinen subpentagonalen Querschnitt, wenn auch sehr abgeschwächt; dieser nähert sich mehr dem cylindrischen des oberen Hauers. Ob das Thier in der Jugend im Stande gewesen ist, den Zahn normalerweise medial-distal abzuwetzen, kann man nicht entscheiden, da die mediale Fläche der Spitze nicht frei liegt. Sie ist in die im Kiefer eingebettete Zahnwurzel lateral hineingewachsen, und hat die Zahnsubstanz des subterminalen Wurzeltheiles in ihrer oberen Hälfte zum Schwunde gebracht; das Ende dieses proximalen Wurzeltheiles hat sich compensatorisch nach oben entwickelt, und steht in einer accessorischen Knochenscheide über den oberen Rand des Kieferknochens etwas vor. Diese Knochenscheide ist aufgetrieben, ihre äussere Wand aber obliterirt, so dass der Zahn hier nur von Muskeln und Haut bedeckt war, wenn er nicht frei gelegen hat. Der ganze Unterkiefer zwischen dem distalen und proximalen Ende der Alveole ist ein wenig aufgetrieben und ladet etwas (bis 5 mm) mehr als linkerseits nach unten aus. (Ein Theil der äusseren Knochenplatte ist entfernt worden, so dass man durch ein Fenster die in die Wurzel eingewachsene Zahnspitze sehen kann.) Medial ragt aus dem distalen Ende der Alveole ein 15 mm langer und 3 mm breiter accessorischer kleiner Eckzahn hervor, eine weitere seltene Anomalie. Die Spitze des oberen in Figur 1 abgebildeten kreisrunden Sus-Zahnes ist ebenfalls in die Wurzel hineingewachsen, aber in ihr Centrum, und daher verborgen, während die des unteren der Wurzel nur aufliegt (an der abgekehrten Seite).
Wenn dieser abnorme Zahn nicht lateral ausladen würde, wie die unteren Babirusa-Hauer es stets thun, sondern steiler stünde, so würde man denken können, dass das Thier nicht im Stande gewesen wäre, Gegenstände zwischen Zahn und Rüssel zum Abwetzen zu bringen, weil der Zwischenraum zu gering war; allein dies ist nicht der Fall, der Zahn steht gerade so schräg wie die normalen Hauer, und hätte daher auch abgewetzt werden können, wenn das Thier nicht anderweitig gehindert gewesen wäre. Allerdings liegt die rechte Eckzahn-Alveole weiter zurück als die linke, normale, und steigt auch steiler an, aber beides [[21]]ist die Folge, und nicht die Ursache der Anomalie, indem der kreisrund nach hinten wachsende Zahn die Alveole mit nach hinten zog. Durch das Zurückweichen der Alveole steht sie nicht so weit vor derjenigen des oberen Caninus, wie im normalen Fall, und es könnte daher scheinen, dass es hierdurch dem Thier unmöglich gemacht worden sei, Gegenstände zwischen Zahn und Rüssel zum Wetzen zu bringen; allein ich habe auch andere Babirusa Schädel vor mir, bei denen der Zwischenraum zwischen oberem und unterem Eckzahne nicht grösser ist als hier, und wo doch die distal-mediale Abwetzung erfolgte. Da der linke untere und die beiden oberen Hauer abhanden gekommen sind, so lässt sich nicht beurtheilen, ob sie normal waren oder nicht. Der linke untere war keinenfalls geschlossen kreisförmig gewachsen, wie der rechte, denn der Kieferknochen ist ganz normal; auch die Alveole dürfte es sein, und somit spricht die Wahrscheinlichkeit nicht gerade dafür, dass der Hauer abnorm war. Ebensowenig zeigen die Alveolen der oberen Hauer oder die Knochen des Schädels die geringsten Zeichen einer Abweichung; allein wenn der rechte so weit nach rechts ausgeladen hätte, dass er das Thier verhinderte, die Spitze des unteren Hauers abzuwetzen, so wäre damit die Anomalie des letzteren erklärt. Die einfachste Erklärung wäre aber die, dass das Thier in der Gefangenschaft gelebt habe, unter Umständen, die ein Abwetzen des Zahnes unmöglich machten.
Dass der Babirusa schon im Alterthume bekannt gewesen ist, scheint auffallend in Anbetracht des Vorkommens auf so weit abliegendem und beschränktem Gebiet, allein die betreffende Stelle des Plinius (l. VIII c. 52 s. 78 § 212: ed. Sillig II, 134 1852) lässt keine andere Deutung zu: „In India cubitales dentium flexus gemini a rostro, totidem a fronte ceu vituli cornua exeunt“ — „bei den indischen Schweinen treten zwei krumme, einen Cubitus lange Zähne aus dem Rüssel, und ebensoviel aus der Stirne, wie die Hörner beim Kalbe heraus“ (Übers. Wittstein II, 152 1881). Die aus den Alveolen herausgenommenen Hauer des grössten Exemplares des Museums — und viel grösser werden die Gewehre kaum — messen der Rundung entlang: ein oberer 37, ein unterer 27.5 cm, und da ein Cubitus 44 cm ist, so stimmt das ziemlich gut für den oberen. Herr Prof. Mayhoff in Dresden, der gelehrte Herausgeber des Plinius, hatte die Güte, mir Folgendes über die obige Stelle mitzutheilen:
„Leider ist nicht zu ermitteln, aus welcher Quelle Plinius diese Notiz geschöpft haben mag. Aus Aristoteles’ Thiergeschichte, welche zu den vorhergehenden Sätzen den Stoff geliefert hat, stammt sie nicht; auch nicht von Ktesias, der das Vorkommen des Schweines in Indien überhaupt geleugnet hat, eher vielleicht von einem der griechischen Schriftsteller aus der Zeit nach Alexander, die als Reisende über indische Verhältnisse berichtet haben, wie Patrokles oder Dionysius oder endlich Megasthenes, den Plinius wiederholt für mehr oder minder fabulose Nachrichten über Indien citirt. Oder es könnte ein Reisewerk aus noch späterer Zeit die Quelle sein, da die Römer im 1. Jahrhundert n. Chr. von Ägypten aus zur See Handelsverbindungen mit der chinesischen Küste gehabt haben. Auffallend bliebe dann freilich, dass Plinius nicht den Namen eines solchen fast zeitgenössischen Gewährsmannes hinzusetzt, wie er es sonst thut; so erweckt er den Anschein, als ob es sich um eine ganz bekannte Thatsache handle. — Was den lateinischen Text betrifft, so haben die Handschriften alle gemina ex rostro. Detlefsen hat darum auch so geschrieben mit der Interpunction: In India cubitales dentium flexus. Gemina ex rostro, totidem a fronte ceu vituli cornua exeunt, und ich selbst bin ihm, um der handschriftlichen Überlieferung treu zu bleiben, in meiner Ausgabe 1875 gefolgt. Jetzt möchte ich indess zwar seine sachgemässe Interpunction beibehalten, aber aus grammatischen Gründen doch lieber zu der Correctur der ältesten Herausgeber gemini ex zurückkehren, wobei sich dentes ohne Weiteres von selbst versteht. Denn die Worte am Schluss ceu vituli cornua gehören als ein Ganzes für sich eng zusammen und enthalten einen Vergleich, der sich offenbar nur auf die a fronte heraustretenden Hauer beziehen kann. Wahrscheinlich ist gemini ita ex fronte zu schreiben, woraus der Fehler sich erklären würde. Doch für den Naturforscher ist diese textkritische Schwierigkeit, die das Thatsächliche unberührt lässt, ohne Belang.“
Hiernach könnte man obige Stelle, dem Sinne nach übersetzt, etwa so wiedergeben: In Indien sind die Hauer gebogen und einen Cubitus lang. Die beiden unteren gehen vom Rüssel aus, die beiden oberen von der Stirn, wie die Hörner beim Kalbe. Auch Flower & Lydekker (Intr. Mamm. 1891, 287) sagen, dass die oberen Eckzähne „resemble horns rather than teeth“, und andere neue Autoren drücken sich ähnlich aus, man kann daher kaum zweifeln, dass Plinius Kunde vom Babirusa gehabt habe. [[22]]
[[Inhalt]]
Zahnformel.
Die allgemein angenommene Zahnformel für das adulte Babirusa Männchen ist
i 2/3 c 1/1 p 2/2 m 3/3
(siehe z. B. Giebel: Säugeth. 1855, 231; Nehring in Rohdes Schweinezucht 4. Aufl. 1891, 6; Flower & Lydekker: Intr. Mamm. 1891, 287). Blainville (Ostéogr. Onguligr. Sus 1847, 160) sagt m 5/6, bildet aber nur 5/5 ab (pl. V und VIII), und Gray (Cat. Carn … Mamm. 1869, 348): „Premolars 3/3 · 3/3; the front one very small, and early deciduous“.[14] Thatsache ist, dass beim Babirusa, zwar nur ausnahmsweise, aber doch relativ häufig, 6 Backenzähne vorkommen; meistens, wenn auch nicht immer, ist der vorderste (3.) Praemolar der überzählige. Das Dresdner Museum hat unter 12 adulten Schädeln einen, der links oben den 3. Praemolar, links unten aber einen 4., zu hinterst stehenden, abnorm gestalteten Molar hat (Nr. 1191); ebenso besitzt die Landwirthschaftliche Hochschule in Berlin unter 7 adulten Schädeln einen (Nr. 485) mit einem überzähligen vordersten Praemolar links oben und unten (Nehring: Landw. Jahrb. 1888, 48 und briefl.); das Museum für Naturkunde in Berlin unter 15 (davon 5 aus meinen Sammlungen) einen mit einem überzähligen oberen linken vordersten Praemolar; das Braunschweiger Museum unter 6 adulten einen, jüngeren, mit einem überzähligen vordersten Praemolar rechts und links, oben und unten (briefl. durch Herrn Grabowski); das Leidener Museum unter 11 adulten einen (Ex. a Jentink: Cat. Ost. IX, 164 1887 und briefl.) mit einem überzähligen vordersten Praemolar links oben; das Pariser Museum (unter 14 oder mehr) einen adulten weiblichen Schädel mit einem 4., zu hinterst stehenden, noch nicht durchgebrochenen Molar rechts und links, oben und unten (von der Reise der Astrolabe, briefl. durch Prof. Milne-Edwards; auf dieses Exemplar komme ich unten, bei der Bezahnung des Weibchens, zurück).
Es dürfte hieraus hervorgehen, dass der Babirusa sich bezüglich seiner Bezahnung in einem Übergangstadium befindet. Es kommen zwar 3 Praemolaren beim Zahnwechsel vor, allein der vorderste fällt fast immer wieder aus, wie schon Gray bemerkte; man kann daher p 3/3 nicht in die Zahnformel für das bleibende Gebiss aufnehmen.[15] Wenn Gray aber (l. c. 349) meint, dass dieser 3. Praemolar nur bei jungen Thieren noch zu finden sei, so irrte er, denn unser Schädel Nr. 1191 gehörte einem alten an. Ob in allen Fällen im definitiven Gebisse 3 Praemolaren auftreten, muss noch sicher gestellt werden, ich glaube es nicht; auch Nehring (Landw. J. 1888, 48) nimmt an, dass es gewöhnlich nicht der Fall sei. Diese Reduction zu 2 Praemolaren steht in Correlation zu der aussergewöhnlichen Entwicklung der Caninen, und das Erscheinen und ausnahmsweise Stehenbleiben des vordersten Praemolars ist als Atavismus aufzufassen. Wie der anomale 4., zu hinterst stehende, Molar (Dresdner und Pariser Museum) zu deuten sei, wüsste ich nicht zu sagen, da die Gattung Sus auch nur 3 Molaren hat; möglicherweise handelt es sich dabei nur um eine individuelle Variation ohne tiefere Bedeutung (auch beim Orang utan tritt bekanntlich relativ häufig ein 4. echter Molar auf, s. Mitth. Zool. Mus. Dr. II, 228 1877). Das Zusammentreffen eines p 3 sup. links mit einem m 4 inf. links bei Nr. 1191 sehe ich für zufällig an, da sich die Zahnreihen nicht etwa verschoben, sondern beide überzählige Zähne keinen Gegenzahn haben. Wie Blainville (l. c.) zu der Angabe „m 5/6“ kam, in Worten: „Les molaires … se réduisent aisément et d’assez bonne heure à cinq en haut, à six en bas“, verstehe ich um so weniger, als er 14 Schädel besass (p. 136), unter denen 5/6 jedenfalls nur eine Ausnahme gewesen sein kann.
Das Milchgebiss des Babirusa ist nach Blainville (l. c. p. 160)
id 2/3 cd 0/1 pd 3/3,
in Worten: „Dans la première dentition …, les incisives sont assez bien comme dans la seconde; mais par une singularité remarquable, il n’y a de canines qu’en bas …, et l’on ne voit à la barre aucunes traces de la première fausse molaire de la deuxième dentition, mais seulement l’antépénultième, parfaitement en ligne avec les trois molaires de lait …“ Nehring (Landw. J. 1888, 48) meint: „Im Milchgebisse scheint id 3 sup. ebenfalls zu fehlen, dagegen scheinen drei Milchbackenzähne, wie bei der Gattung Sus, vorhanden zu sein“ und er citirt dazu „Gray Hand-List … Edent … Mamm. 1873, Pl. 27, Fig. 1.“ Im Cat. Carn … Mamm. 1869, 348 hatte Gray bereits von diesem Schädel Nr. 7180 gesprochen: „a small skull … of a [[23]]half-grown animal, which has developed its second true grinder, and which is without canines“ (scil. upper canines). Herr Thomas hatte die Güte mir mitzutheilen, dass es ein kleiner junger Schädel sei, halb so gross wie der von Gray darunter als Fig. 2 ebenso gross abgebildete, und dass er noch sein volles Milchgebiss (mit 3 Milchpraemolaren) besitze.
Ob die obige Formel des Milchgebisses keine Ausnahme erleidet, wird erst ein grösseres Material entscheiden können.
Anmerkung. Einer Eigenthümlichkeit am os sphenoidale des Babirusa möchte ich hier anmerkungsweise gedenken: Owen: (Anat. Vert. II, 469 1866) sagt: „A remarkable peculiarity is … presented by the fossae at the inner side of the base of the pterygoids, which lead to sinuses communicating on one or both sides with the sphenoidal sinus“. Blainville erwähnt in seiner relativ ausführlichen Ostéographie (Onguligr. Sus 1847, 137) nichts davon, sowenig wie Turner (P. Z. S. 1848, 69), trotz seiner Genauigkeit bei dieser Schädelgegend am Schwein und Babirusa; andere Autoren schweigen darüber bis auf Gray und Heude. Gray (Cat. Carn … Mamm. 1869, 348 und Hand-List Edent … Mamm. 1873, 67) meint, die Gruben würden mit dem Alter des Thieres tiefer, und vielleicht besässe sie nur das Männchen. In Bezug auf Letzteres bemerke ich, dass ein adultes Weibchen des Museums (B 2523) die Höhlungen ausgeprägt zeigt. Neben dem Alter scheint ihre Tiefe auch individuell sehr zu variiren. Man findet die Gegend zwischen den Basen der laminae mediales des processus pterygoideus langgestreckter als bei Sus und mehr oder weniger, oft sehr stark vertieft und mit der kammerartig abgetheilten Keilbeinhöhlung communicirend; manchmal liegt diese ganz offen, manchmal, wenn auch weniger häufig, liegt die betreffende Knochenplatte wohl in einer Ebene mit dem Gaumen (wie bei Sus), aber man sieht durch ein grosses ovales Fenster in die Tiefe, manchmal ist die Gegend nur vertieft ohne Zugang zu der Keilbeinhöhlung. Beide Hälften sind auch nicht immer gleichmässig gestaltet. Heude (Mém. H. N. Chin. II, 2 p. 94 1892) bemerkt: „L’exhaussement de cette voûte est exagéré jusqu’à la destruction de l’os chez le Babyroussa“.
[[Inhalt]]
Bewehrung der Sau.
Es scheint ziemlich allgemein angenommen zu werden, dass der weibliche Babirusa obere und untere Eckzähne besitze, nur weitaus schwächere als der männliche, geradeso wie dies bei den Geschlechtern der Sus-Arten der Fall ist. Gray allerdings hatte (P. Z. S. 1852, 131) gesagt: „The upper canines (in both sexes) coming out from the side of the jaw and bent upwards from the base, and then arched backwards“, später aber ist er anderer Ansicht geworden; 1868 (l. c. p. 42) und 1869 (Cat. Carn … Mamm. 348) schweigt er darüber, und 1873 (Hand-List Edentate … Mamm. p. 67) bemerkt er: „canines not developed in the females“. Dieses hatte schon Dupperey (Voy. Coq. 1826, 125) bemerkt: „Les … femelles, qui n’avaient point de défenses …“ Beides sollte sich wohl nur auf die oberen Hauer beziehen. Owen (Odontogr. 1840–1845, 547), Schlegel (Handl. I, 111 1857) und Nehring (Rohdes Schweinezucht 4. Aufl. 1891, 6) sprechen nicht vom weiblichen Gebisse. Wallace (Mal. Arch. D. A. I, 395 1869) sagt, dass das Weibchen die grossen Hauer nicht besitze, vielleicht meinte er aber, dass es kleinere habe. Folgende Autoren äussern sich positiv: Quoy & Gaimard (Voy. Astrol. I, 128 1830): „Les canines de la femelle sont très-courtes et ne font seulement que percer la peau“; sie bilden das auch sehr deutlich auf Pl. 23 nach dem Leben ab. W. Vrolik (Rech. Babyr. N. Verh. 1. Kl. k. Ned. Inst. Wet. X, 212 1844) spricht davon, dass die Caninen des Weibchens nicht verlängert seien. Blainville (Ostéogr. Onguligr. Sus 1847, 160), der eingehender und mit Abbildungen über den Babirusa handelt[16]: „On avait dit que la femelle manquait des défenses, mais elles sont seulement beaucoup plus courtes, les supérieures dépassent à peine les trous de la lèvre supérieure“. Er bildete auch (Pl. II) das Skelet des adulten Weibchens, das von 1829–1832 im Jardin des Plantes gelebt und dort geworfen hatte, ab; es ist von demselben Exemplare, das Quoy & Gaimard (l. c.) nach dem Leben (aber z. Th. fehlerhaft) dargestellt hatten.[17] [[24]]Fitzinger (SB Ak. Wien L 1, 428 1864): „Eckzähne des Weibchens sehr kurz und auch die oberen, welche kaum einige Linien über die Durchbohrung der Schnauze hinausragen“. Die Angabe „einige Linien“ dürfte Fitzinger nur der Quoy & Gaimardschen Beschreibung aus Eigenem hinzugethan haben. Dies formte Brehm (Thierl. II, 743 1865) wiederum etwas um: „Beim Weibchen sind die Eckzähne sehr kurz, und die oberen, welche ebenso wie bei dem Männchen die Schnauze durchbohren, ragen kaum einige Linien über sie empor“, hat aber in der 2. Auflage (III, 560 1877) aus den einigen Linien „einen Centimeter“ gemacht, was der Herausgeber der 3. (III, 528 1891) dann noch in „kaum einen Finger breit“ abänderte, so dass der Zahn von Auflage zu Auflage ohne Grund gewachsen ist! Lydekker (Nat. Hist. II, 436 1894): „The female has small tusks“.
Zu obiger Umschau wurde ich veranlasst durch ein kürzlich erhaltenes adultes, wenn auch nicht altes Babirusa Weibchen (B 2522, Skelet B 2523) von der Insel Lembeh, das keine Spur oberer Eckzähne hat, und selbstverständlich ist demgemäss auch die Rüsseldecke nicht durchbohrt. Der Oberkiefer trägt aber über der Stelle, wo die Alveole des oberen Eckzahnes sich befinden müsste, einen ganz ansehnlichen Knochenkamm, eine aufrechtstehende Krämpe.[18] Wenn auch die Grösse (Schädellänge 269 mm), der Befund der Schädelnähte und der Abschleifungsgrad der Zähne beweisen, dass ein adultes Exemplar vorliegt, so öffnete ich doch (rechts) den Knochen, um mich zu überzeugen, ob vielleicht eine Anlage zu einem Eckzahn oder das Rudiment einer Alveole vorhanden sei. Dies ist aber nicht der Fall. [Tafel IX] Figur 3 ist der Oberkiefer dieses Weibchens in n. Gr. abgebildet.
Im Unterkiefer sind kurze Eckzähne vorhanden, die 10 und 12 mm aus der Alveole hervorragen. Wir sahen oben, dass das Milchgebiss des Babirusa auch nur untere Caninen aufweist. Es ist, als ob das Material zu der ausserordentlichen Entwicklung des grossen oberen männlichen Hauers aufgespart bleiben sollte. Owen (Odontogr. 1840–1845, 548) sagt über das Babirusa Gebiss: „The molar series is speedily reduced to two premolars and three true molars. The great activity of the vascular matrix of the long tusks soon exhausts the conservative force of those of the adjoining small premolars“. Dieselbe Tendenz, die die Molaren reducirte, scheint auch die oberen Eckzähne des Milchgebisses zum Schwunde gebracht zu haben, und scheint im Stande zu sein, dies auch beim Weibchen bewirken zu können. Ich sage „zu können“, denn dass es Weibchen mit oberen Eckzähnen giebt, beweist das von Quoy & Gaimard und Blainville abgebildete Exemplar. Möglicherweise kommt ein oberer Eckzahn ausnahmsweise auch beim Milchgebisse vor.
Das Leidener Museum besitzt (Cat. ost. IX, 164 1887) zwei weibliche Babirusa Schädel, und Dr. Jentink hatte die Güte, sie in Bezug auf die oberen Eckzähne für mich anzusehen. Er theilte mir mit, dass das junge Exemplar keine Spur davon habe, das semiadulte links zwar einen 12 mm langen, rechts jedoch keine Spur; die Haken der Unterkiefer seien 12 und 14 mm, die Schädel 220 und 270 mm lang. Es scheint demnach, da das als semiadult bezeichnete Weibchen dieselbe Schädellänge aufweist wie das Dresdner adulte, dass es rechts auch keinen Eckzahn mehr bekommen haben würde, sonst müssten schon Spuren davon da sein.
Im Londoner Zoologischen Garten lebten u. a. zwei Babirusa Weibchen (P. Z. S. 1883, 463), von denen Eines geworfen hat (l. c. 1884, 55). Dr. Sclater schrieb mir freundlichst, auf meine Anfrage, „that our female Babirussa had no tusks, nor any signs of them“.[19] Ich glaube, dass dies nur auf die äussere Erscheinung Bezug haben soll; wie sich der Schädel verhält, habe ich nicht eruiren können. Im Britischen Museum befinden sich nach Herrn de Wintons mir gewordener gütiger Mittheilung, zweifellose weibliche Schädel ohne Hauer, aber es sind keine alten.
Aus alledem geht hervor, dass es weibliche Babirusas giebt, die nie obere Eckzähne bekommen, während sie bei anderen wohl, wenn auch schwach entwickelt, auftreten. Bemerkenswerth ist das Leidener [[25]]Exemplar mit einem Eckzahne nur an einer Seite.[20] In dieser Beziehung befindet sich also der weibliche Babirusa vielleicht in dem Stadium des Überganges aus dem Besitz oberer Eckzähne in einen Zustand, in dem sie ihm ganz fehlen, und man würde dann annehmen können, dass es in einer ferneren Zukunft überhaupt keine weiblichen Individuen mit oberen Eckzähnen mehr geben wird; die Differenzirung der Geschlechter schritte demnach fort, wie auch nach der allgemein herrschenden Entwicklung nicht anders zu erwarten ist. Ob aber die Normalformel für den weiblichen Babirusa bezüglich der Eckzähne 0/1 oder 1/1 zu lauten habe, lässt sich erst sagen, wenn mehr authentische weibliche Schädel in den Sammlungen sein werden, um zu erkennen, ob 0/1 oder 1/1 die Ausnahme ist. Jedenfalls zeigt unsere Unkenntniss in diesem untergeordneten Punkte wieder, wie gewunden der Weg zur Wahrheit, und wie schwer es ist, ohne ein grosses Material selbst so einfache Fragen zu entscheiden.
[1] Wilckens (Enc. Thierheilk. IX, 342 1892?) hält es für nahe verwandt mit Porcula salvania Hdgs. von Indien, er steht jedoch mit dieser Ansicht allein, und auch ich halte sie nicht für gerechtfertigt. (S. Abb. des Zwergschweins J. Asiat. Soc. Bengal 16 pt. I pl. 12 und 13 1847 und 17 pl. 27 1848, auch P. Z. S. 1853 pl. 37 und 1882 pl. 37.) [↑]
[2] Teijsmann (Natuurk. Tijdschr. Nederl. Ind. 38, 77 1879) sagt, dass der Babirusa allein auf Ost Celebes (und Buru) vorkomme, damit meinte er aber die nördliche Halbinsel, die nach Osten gewendet ist. [↑]
[3] Teijsmann (l. c. 23, 367 1861) nennt den männlichen Babirusa der Minahassa kalawatan, den weiblichen wairi; babirusa ist maleiisch. [↑]
[4] Folgendes Beispiel dafür fiel mir vor Kurzem in die Hände: „The purser … returned at eight in the evening with … five pigs, one of which, the moment it was hoisted in, ran to the opposite gangway and jumped overboard; and though a boat went immediately in pursuit, it could not be found. An hour and a half afterwards the animal came alongside, and was got on board not much the better for its excursion.“ Cruise: New Zealand 1824, 94. [↑]
[5] Brehm nennt die Sula Inseln „Xurillen“, sieht Manado auf Celebes für eine kleine Insel: „Malado“ an und hält das Vorkommen auf Neu Guinea und Neu Irland für möglich. Auf letzteres komme ich zurück. In der 2. Aufl. III, 559 1877 steht „Sulla Mangoli“, in der 3. III, 527 1891 „Sulla, Mangola“! [↑]
[6] Ich bemerke, dass in meiner Übersetzung dieses Werkes I, 395 (Zeile 7 von unten) Borneo statt Buru steht, ein irreführender Druckfehler! In seiner „Geogr. Verbr.“ (D. A. II, 244 1876) giebt Wallace nur Celebes und Buru an. [↑]
[7] Auch Blainville in seiner grossen Ostéographie (Onguligr. Sus. 1847, 197) sagt: Le S. babirussa exclusivement „à la plupart“ des îles de l’archipel indien! [↑]
[8] Gray hat ausserdem Fitzingers Synonymie, die ausführlichste vorhandene (p. 426–7), ausgezogen, wie aus den übernommenen Fehlern erkennbar ist. [↑]
[9] Schon 1843 (List Mamm. p. 185) hatte Gray Malacca angegeben und 1873 (Hand-List Edentate … Mamm. p. 68) führt er 13 Schädel einzeln von daher auf. Es ist dies nur eine Namensverwechselung mit „Moluccos“. [↑]
[10] Die kreisförmigen unteren Hauer auf der Abbildung bei Flower & Lydekker (Intr. Mamm. 1891, 287) sind nicht naturgetreu, derartige kommen, wie wir unten sehen werden, nur als seltene Ausnahme vor, und eine solche wollten die Verfasser nicht abbilden. [↑]
[11] Siehe über diese die Bemerkungen unten p. 22. [↑]
[12] Bekanntlich sind zwei Schweine-Arten von Neu Guinea beschrieben: Sus papuensis Less. und Sus niger Finsch (ceramicus Gr.). Hr. Wahnes, der ebenfalls mehrere Jahre an der Astrolabebai lebte, hält es nicht für ausgemacht, dass es zwei verschiedene Arten seien. Er erzählte mir auch, dass wilde Eber selbst in die Dörfer kommen, um die läufigen zahmen Sauen zu decken, was stets grosse Aufregung unter den Eingeborenen hervorriefe, und dass daher vielfache Bastardirungen [[19]]zwischen domesticirten und wilden Schweinen entstehen (vgl. Jentink: Notes Leyden Mus. XIII, 102 1891 und Nehring: Rohdes Schweinezucht 4. Aufl. 1891, 12). Hr. Geisler dagegen meint, dass das braune und das schwarze Schwein im Wilden stets gesondert leben, und da das schwarze ungestreifte, das braune gestreifte Frischlinge hat, wie die Exemplare des Museums beweisen, so spricht dieses auch für die Artverschiedenheit. Hr. Geisler fand ein oder zwei Tage alte Frischlinge von Sus niger bereits einfarbig schwarz. Nehring (l. c.) giebt beides ebenfalls an. Maclay (Natuurk. Tijdschr. Nederl. Ind. 35, 69 1875) sagt, dass die zahmen Schweine der Astrolabebai Abkömmlinge der wilden seien (was auch mit meinen Erfahrungen im Nordwesten der Insel übereinstimmt), aber dass sie in der Jugend gestreift seien und im Alter schwarz würden, was nach Obigem auf einem Irrthume beruhen muss, wenn es sich nicht um Bastarde gehandelt haben kann. [↑]
[13] Vgl. dazu Codrington: The Melanesians 1891, 57 mit Anm. und 328. [↑]
[14] In Grays Hand-List Edent … Mamm. 1873, 67 steht: Schneidezähne 44⁄6–6, statt 2⅔–3. [↑]
[15] Turner (P. Z. S. 1848, 69 Anm.) wusste, dass der Babirusa mehr als 5 Molaren haben kann, dass aber das Normale 5 sei. [↑]
[16] P. 136–137, 159–160 und Pl. II Skelet fem., Schädel und Wirbel juv., Pl. V Schädel mas (in der Tafelerklärung p. 225 steht fem.), Pl. VI und VII Skelettheile, Pl. VIII Zähne mas (in der Tafelerklärung p. 229 steht fem.). [↑]
[17] Dieses Exemplar (s. oben) besitzt, wie ich von Prof. Milne-Edwards erfuhr, überzählige, noch nicht durchgebrochene, zu hinterst stehende vierte Molaren beiderseits oben und unten. Dass Blainville dieses gar nicht erwähnt, und dass es auch in den Abbildungen nicht zur Darstellung gelangte, ist mir nicht erklärlich. Wie schon Anm. 1 angegeben, stimmt die Tafelerklärung z. Th. nicht mit den Abbildungen. [↑]
[18] Heude (Mém. H. N. Chin. II, 2 p. 91 1892) meint, dass das Weibchen diesen Knochenkamm („aileron“) nicht besitze, allein unser Exemplar widerspricht dem. Es könnte jedoch möglicherweise auch Weibchen geben, denen er fehlt. Bei dem jungen Schädel mit Milchgebiss, den Gray (Cat. Carn … Mamm. 1869, 348 und List Edent … Mamm. 1873, 68 Pl. XXVII, 1) bespricht und abbildet, ist auch schon eine Andeutung des Kammes vorhanden. [↑]
[19] Abbildungen eines jungen Männchens und eines Jungen, das kurz vor der Ankunft in London geworfen worden war, findet man P. Z. S. 1860, 443 pl. LXXXIII und 1883, 463 pl. XLVII. [↑]
[20] Eine ungleichseitige Entwicklung der Hauer scheint auch sonst stattzufinden, denn Giebel (Säugeth. 1855, 231) bemerkt: „Zuweilen bleiben beide Eckzähne der einen Seite um mehr als die Hälfte der Grösse hinter der anderen Seite zurück.“ [↑]
[[Inhalt]]
13. Sciurus tonkeanus n. sp.
Tafel X Figur 1 (c. ¾ n. Gr.)
Sciurus Sc. leucomo M. Schl. similis, sed minor, macula collari albescenti pilisque auricularibus nigris nullis et supra caudaque flavescentior (umbrino-flavo-ochraceus Rdgw. III, 17).
Hab. Tonkean, insulae Celebes peninsula septentrionali-orientalis.
Nom. ind. siling.
Kleiner und farbiger als Sciurus leucomus Müll. Schl., von der nördlichen Halbinsel des Landes, von wo die Art aus der Minahassa und dem Gorontaloschen bekannt ist (Jentink Cat. XII, 25 1888). Von Sc. tonkeanus liegen mir nur platte Felle ohne Knochen vor, so dass genaue Maasse nicht zu geben sind. Das Fehlen der zwei hellen Halsflecke und der schwarzen Ohrbüschel, wie Sc. leucomus sie aufweist, unterscheidet tonkeanus leicht; an den Ohren ist ein Büschel nur angedeutet und hellbräunlich, wie die ganze Ohrberandung.
Aus der Leucomus-Gruppe sind nunmehr von Celebes drei, auch als Subspecies aufzufassende Formen bekannt:
- leucomus Müll. Schl. von Nord Celebes,
- weberi Jent. von Central Celebes (Weber: Zool. Erg. I, 115 pl. VIII u. X, 1–3 1890–91) und
- tonkeanus von Nordost Celebes,
die an ihren geographischen Berührungzonen vielleicht mehr oder weniger in einander übergehen. Vom Süden des Landes ist, meines Wissens, noch kein Sciurus der Leucomus-Gruppe registrirt; ob der hier vorkommende nun Sc. weberi oder eine vierte Subspecies sei, wird die Zukunft lehren.[1]
Sc. weberi unterscheidet sich von tonkeanus durch einen schwarzen Rückenstreif und das Schwarz an den Ohren, sowie durch im Allgemeinen röthere Färbung.
[1] Everett (bei Hartert Nov. Zool. III, 150 1896) beobachtete einen Sciurus am Pik von Bonthain über 6000′ hoch. [↑]
[[Inhalt]]
14. Sciurus leucomus Müll. Schl.
[Tafel X] Figur 2 (unter ⅓ n. Gr.)
Diese Art hat bekanntlich einen grossen weisslichen Fleck jederseits am Hinterhals und auch Schwarz an den Ohren. Von dem Weiss am Halse sagt Anderson (Anat. Zool. Res. I, 252 1878): „The series in the Leyden and Paris Museums from the Celebes prove that the white on the side of the neck is not always present, for one specimen shows it disappearing and in another there is no trace of it, and others lead from the one to the other extreme, but when this neck spot is fully developed it forms a great violet-white lappet.“ Mir liegen 16 Exemplare von Main (10), Manado (1), Lotta (3) und Amurang (2) in der Minahassa, 2 von Gorontalo und 2 von der Insel Lembeh bei Kema vor. Bei manchen Weibchen ist der helle Fleck fast mehr ausgeprägt als bei den Männchen, allein dieser Character hat, wie die Exemplare ergeben, Nichts mit dem Geschlechte zu thun, auch Nichts mit der Jahreszeit oder der [[26]]Localität, denn Individuen z. B. vom Februar und von demselben Orte (Main) zeigen weniger gut und sehr gut ausgeprägte Flecke. Anderson constatirte nur die Thatsache des in verschiedenem Grad ausgeprägten Halsschmuckes bei verschiedenen Exemplaren, wenn in seinen Worten auch vielleicht liegt, dass er meint, der weisse Fleck variire in seiner Ausbildung individuell, und es habe der Grad der Ausbildung keinen Bezug auf einen andern Factor. Ich halte jedoch dafür, dass es ein Alterscharakter ist, wenigstens hat ein kleines und, wie auch der Schädel beweist, jugendliches Exemplar von Amurang (B 622) keine Andeutung des Weiss, dagegen ein grosses und, wie der Schädel beweist, adultes von ebendaher (B 621) einen gut ausgeprägten weissen Fleck. Ebenso ist ein Exemplar von Main (B 2745) mit wenig ausgebildetem Flecke noch jünger, wie die Zahnbeschaffenheit, die geringe Schädelgrösse und der Zustand der Schädelnähte beweisen. Ich glaube daher, dass diese Exemplare meine Auffassung begründen können. Auf der anderen Seite zeigt von den 2 Exemplaren von Gorontalo das eine (B 168) keine Spur von Weiss, und es ist nach dem Schädel ein ganz altes Individuum, und das andere (B 857), ebenfalls adult, hat den Fleck nur sehr schwach entwickelt. Dass die oben namhaft gemachten 2 jungen Exemplare von Amurang und Main innerhalb einer Serie von 18 (wenn wir die 2 von Gorontalo ausser Betracht lassen) nur „zufällig“ kein oder wenig Weiss haben sollten, scheint mir ausgeschlossen zu sein, und es muss daher für die Gorontaloschen nach einer anderen Erklärung gesucht werden. Es ist nun auffallend, dass die adulten Exemplare des Leidener Museums (Jentink: Notes Leyden Mus. 1883 V, 130) von Panibi, Modelido und Limbotto bei Gorontalo (Nr. 12, 13 und 16) auch wenig oder gar kein Weiss haben, während die adulten Exemplare aus der Minahassa (Nr. 1–5) es gut entwickelt zeigen. Allerdings haben die von Tulabello und Paguat im Gorontaloschen (Nr. 9–11) das Weiss sehr gut entwickelt[1] und dieses widerspricht dem, dass der weisse Fleck im Gorontaloschen fehle. Sollte hier vielleicht eine Übergangsform von der typischen weissfleckigen der Minahassa zu einer noch unbekannten ungefleckten südlicheren Form vorliegen, wie Sc. tonkeanus vom Nordosten, aber mit Schwarz an den Ohren? In der Berührungzone zweier solcher Subspecies dürfte der betreffende Charakter mehr oder weniger ausgeprägt sein. Immerhin wird man annehmen können, dass die weissfleckige Form sich aus der ungefleckten differenzirt habe, da Junge der gefleckten noch heute ungefleckt sind, wenn auch Sicherheit über diese Frage erst durch ein grösseres Material gewonnen werden kann. Träfe meine Vermuthung nicht zu, so läge in Sc. leucomus eine in Bezug auf die Halsflecke noch nicht stabil gewordene, oder eine in der Abänderung begriffene Art vor.
Die zwei Exemplare von leucomus von der Insel Lembeh, die leicht aus den mir vorliegenden vielen Festlandexemplaren von typischen leucomus herauszukennen sind, zeigen eine mehr ins Braune spielende Färbung. Es scheint dieser Unterschied jedoch zu geringfügig und durch zu wenig Exemplare als constant belegt, um eine Abtrennung zu rechtfertigen.
[1] In der citirten Stelle sagt Jentink von Nr. 1–12, dass der Nackenfleck sehr gut entwickelt, von Nr. 12–15, dass er fast und von Nr. 15 und 16, dass er ganz unsichtbar sei; es ist, wie Dr. Jentink die Güte hatte mir mitzutheilen, damit Nr. 1–11, Nr. 12–14, Nr. 15 und 16 gemeint. Nr. 1–5 sind zweifellos aus der Minahassa, für Nr. 6 und 7 lässt sich keine Vermuthung aufstellen; Nr. 8 ist zweifelhaft, da v. Rosenberg 1863–1864 im Gorontaloschen sammelte, aber 1864 auch in der Minahassa war, das Stück traf vielleicht erst 1865 ohne genauen Fundort in Leiden ein; Nr. 9–13 sind aus dem Gorontaloschen; für Nr. 14 und 15 gilt dasselbe wie für Nr. 8; Nr. 16 ist aus dem Gorontaloschen. Nr. 8–15 sind von Rosenberg gesammelt, dessen Angaben jedoch nicht kritiklos angenommen werden können, wie schon anderweit nachgewiesen worden ist (s. Bernstein Nederland. Tijdschr. Dierk. II, 325 1865, Finsch Papageien I, 111 1867, II, 337 1868 und von mir Mt. Zool. Mus. Dresden I, 13 1875). Übrigens will ich nicht unerwähnt lassen, dass die weissen Haare beim Ausstopfen manchmal ausfallen, wie ich kürzlich erfuhr, als ich ein schönes Exemplar von leucomus mit gut ausgeprägten Halsflecken ausstopfen liess, und nachher nur Andeutungen dieser vorfand; es fielen beim Einweichen die Haare hier einzeln aus, da die betreffenden Hautstellen verfault gewesen waren. Wird der Schaden dann vom Präparator ausgebessert, so bemerkt man keinen Defect, der aber in der That vorhanden ist. Man muss daher besonders bei ausgestopften Exemplaren von leucomus in der Beurtheilung des Fehlens des weissen Fleckes vorsichtig sein. [↑]
[[Inhalt]]
15. Sciurus rosenbergi Jent.
[Tafel X] Figur 3 (c. ⅓ n. Gr.)
In dem Fehlen der schwarzen Ohr- und der hellen Halszeichnung kommt Sc. tonkeanus überein mit Sc. rosenbergi von den Sangi Inseln, allein dieser ist fast einförmig braun (wenigstens contrastirt die Farbe des Bauches und des Rückens nicht so stark wie bei tonkeanus und leucomus), und der Schwanz [[27]]ist rostroth mit Schwarz, scheint auch buschiger. Mir liegt eine Serie von 17 Exemplaren vor, und zwar 9 von Gross Sangi und 8 von Siao, von welchen beiden Inseln Jentink die Art beschrieben hat (Notes Leyden Mus. I, 38 1879). Er sagt zwar: „Sanghi-islands, Siao“, und später (l. c. V, 129 1883, sowie Cat. XII, 23 1888) erfahren wir, dass die Typen sowohl von den Sangi Inseln, als auch von Siao sind, woraus nicht hervorgeht, dass Gross Sangi gemeint sei, allein ich glaube dies annehmen zu können. Keinenfalls vermag ich eine Differenz in den Exemplaren von diesen beiden Hauptinseln der Sangi Gruppe zu constatiren, es sei denn, dass einige von Gross Sangi ein wenig farbiger erscheinen. Zwei von Siao haben lange weisse Schwanzenden. Auf Gross Sangi ist der inländische Name tumpara, auf Siao tenggahe.
Es liegen mir nun gleichzeitig je 5, kürzlich erhaltene Exemplare von den südlich von Siao, nördlich von Celebes gelegenen Inseln Tagulanda (oder Tagulandang) und Ruang (oder Gunung api) vor, zwei Inseln, die nur c. 4 km von einander entfernt sind (und von mir im Jahr 1871 bei Gelegenheit einer Eruption des Ruang besucht wurden, s. Nature IV, 286 1871); diese 10 unterscheiden sich auf den ersten Blick von den Gross Sangi- und Siao-Exemplaren durch ihre roströthere Färbung auf der Ober- und Unterseite.
[[Inhalt]]
16. Sciurus tingahi n. sp.
[Tafel X] Figur 4 (c. ⅗ n. Gr.)
Sciurus Sc. rosenbergi Jent. simillimus, sed rufescentior.
Hab. In insulis Tagulanda et Ruang (ins. Sangi).
Nom. ind. tingahi.
Ein jüngeres Exemplar von Tagulanda ist schwärzlich auf dem Rücken. Ein Exemplar von Gross Sangi (B 500) fällt zwar auch durch seine röthliche Nüance auf, aber erreicht nicht die Intensität des Rostroth von tingahi, auch kann, wenn man die Exemplare nach den Fundorten zusammen und nebeneinander legt, gar kein Zweifel darüber obwalten, dass die von Tagulanda und Ruang bedeutend röther sind. Wir haben es daher hier mit einer insularen Abänderung zu thun. Wenn diese Form nicht insular isolirt wäre, sondern z. B. auf dem Festlande von Celebes vorkäme, auf eine nicht durch Gebirge oder sonst isolirte geographische Provinz beschränkt, so könnte sie als Subspecies aufgefasst werden, wie leucomus und tonkeanus, die ich nur wegen unserer Unkenntniss der Begrenzungzonen als Species hingestellt habe, da die betreffenden zwei verwandten Formen möglicherweise mehr oder weniger in einander übergehen, was bei insularer Isolirung nicht möglich ist. Siao liegt von Tagulanda c. 25 km entfernt. Die 1871 und 1893 auf Siao und Gross Sangi gesammelten Exemplare differiren in der Färbung nicht im Mindesten von einander. Insulare Abänderungen, wie Sc. tingahi eine bietet, werden vielleicht später mithelfen, den Gründen solcher leichten Differenzirungen nachzugehen, was wir heute noch nicht vermögen.
Diese insularen Formen führen uns zu einer Anderen, vom nicht fernen Palawan, einer Insel, die politisch zu den Philippinen gehört.
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17. Sciurus steeri Gthr.
Günther beschrieb diese Art (P. Z. S. 1876, 735 Pl. LXIX) nach zwei in der Färbung sehr stark differirenden Kleidern von Balabac und Palawan (Puerto Princesa), von denen er sagt, dass sie „greatly differ in coloration, but are structurally quite identical“. Letzteres, die identische Structur, kann im vorliegenden Falle nicht für die Artidentität sprechen, da die hier in Frage kommenden Formen, wie auch z. B. leucomus-tonkeanus und rosenbergi-tingahi, structurell meist überhaupt nicht differiren. Die einzige Differenz besteht in der Färbung. Es liegen mir zwei Exemplare, ebenfalls von Puerto Princesa, vor, ein Pärchen, von denen das Männchen mit Günthers Beschreibung des Palawan-Exemplares des Britischen Museum stimmt (mit der Abbildung weniger, da sie ungenügend ist und auch von der Beschreibung abweicht); das Weibchen dagegen hat fast die ganze Unterseite braun. Dieselben Differenzen zeigen zwei männliche Exemplare von Puerto Princesa des Braunschweiger Museums, die Prof. W. Blasius die Güte hatte mir zu senden. (Alle vier sind von Dr. Platen gesammelt.) Die Schädel erweisen die beiden Dresdner Individuen als adult. Ich bemerke nebenbei, da Jentink (Notes Leyden Mus. V, 129, 1883) die [[28]]Angabe der Zahl der Praemolaren vermisst, dass zwei vorhanden sind. Eine Geschlechtsdifferenz liegt in dem weissen oder braunen Bauche nicht vor; ob es eine Altersdifferenz ist, wage ich um so weniger zu vermuthen, da die zwei Dresdner Schädel sie nicht aufweisen; eine Saisondifferenz könnte eventuell die Ursache sein, da die weissbauchigen Exemplare im Juni (1887 und 1888), die braunbauchigen im Juli und August (1888) erlegt sind, allein ich möchte darüber ohne mehr Material nicht urtheilen. Alle Palawan Exemplare aber haben an den Körperseiten weisse Haare, während das von Balabac im Britischen Museum diese nicht zeigt, und es bleibt daher weiterer Untersuchung vorbehalten zu entscheiden, ob hierin eine insulare Differenz liegt. Übrigens stimmt auch Günthers Abbildung des Balabac Exemplares nicht gut mit seiner Beschreibung. Steere, dessen Angaben nicht immer zuverlässig sind, wie wir auch unten sehen werden, sagt (List Birds and Mammals 1890, 29): „The types were collected in Balabac“. Das ist jedoch nach Günther nicht der Fall, da ihm überhaupt nur 2 Exemplare vorlagen, eins von Balabac und eins von Palawan, und Steere erwähnt auch ausserdem das Exemplar von Palawan (Paragua).
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18. Sciurus mindanensis Steere
Sciurus cagsi A. B. Meyer P. Z. S. 1890, 599
[Tafel XI] Figur 1 (c. ⅔ n. Gr.)
Steere beschrieb 1890 (List p. 29) diese Art von Mindanao zugleich mit Sc. samarensis von Samar und Leyte. Von letzterer sagt er: „General color above and below as in S. mindanensis. Differs from that species in being of larger size and in having the thighs and nose and space about the eye, uniform in color with the back, and the upper surface of feet dark gray“. Da nun das Dresdner Museum seitdem von Dr. Schadenberg ein altes und ein junges Exemplar von Sc. samarensis von Samar erhielt, die sich von dem 1890 (P. Z. S. p. 599) von mir beschriebenen Sc. cagsi von Mindanao gerade nur durch obige Merkmale unterscheiden, so ergab sich daraus die Identität von Sc. mindanensis und cagsi. Mir war allerdings, als ich Sc. cagsi als neue Art aufstellte, Steeres Beschreibung von mindanensis bekannt, allein da sie absolut nicht auf meine 4 Exemplare passte, so konnte ich die Identität gar nicht ernsthaft in Überlegung ziehen. Steere sagt z. B., abgesehen von sonstigen Differenzen in den zwei Beschreibungen: „darker along the middle of the back“, was die Dresdner Exemplare durchaus nicht sind, es sei denn, dass die Körperseiten etwas heller erscheinen als der ganze Rücken; er sagt ferner: „thighs and upper surface of fore and hind feet rufous gray“, sie sind jedoch von derselben Farbe wie der Rücken und die Körperseiten, während man nach Steeres Beschreibung glauben muss, dass sie differiren; er sagt endlich: „tail nearly uniform with the back“; man lese dagegen meine Beschreibung des Schwanzes: „tail bushy, variegated with reddish brown, black and white above; beneath brown, edged, laterally on each side by a longitudinal black stripe, bordered externally with white; end of tail white“. Wenn man das „nearly uniform with the back“ nennt, dann ist eine Beschreibung überhaupt unnöthig, eine, wie Steere sie giebt, leitet nur irre. Gerade der Schwanz dieser Art ist charakteristisch, und auch die rostrothe Färbung an der Schwanzbasis, die übrigens bei dem erwachsenen Exemplare von samarensis fehlt, darf nicht übersehen werden. Ich müsste also sicherlich zweifeln, dass meine Identificirung richtig sei, wenn nicht, wie gesagt, die Differentialdiagnose, die Steere zwischen Sc. mindanensis und samarensis stellt, durchaus auf meine Exemplare von Mindanao und Samar passte, wobei aber noch hervorgehoben werden muss, dass es ein Irrthum von Steere ist, Sc. samarensis für grösser als mindanensis zu halten.[1] Um jedoch ganz sicher zu gehen, sandte ich von meinen Exemplaren an das Britische Museum, und Herr de Winton hatte die Güte, das dort befindliche von samarensis mit einem Dresdner zu vergleichen. Er schrieb: „I find your Sciurus from Samar, as you expected, agrees in every particular with the Co-type of S. samarensis.“ Dieses hebt die Sache über jeden Zweifel und beweist die Unzulänglichkeit der Steereschen [[29]]Beschreibung von mindanensis. Bournes & Worcester (Notes Exp. Phil. Js. 1894, 62) haben die Identität von mindanensis und cagsi schon vermuthet.
Eine andere Frage ist es, ob Sc. mindanensis identisch sei mit Sc. philippensis Wtrh. von Mindanao (P. Z. S. 1839, 117). Der Beschreibung nach kann man dies kaum annehmen, denn er wird (p. 118) als „deep brown“ bezeichnet, allein Anderson sagt (Anat. Zool. Res. 1878, 256), dass der Typus von philippensis „is in such a bad state of preservation that its characters cannot now be well determined“; auch hatte Herr de Winton die Güte ein Dresdner Exemplar von cagsi (mindanensis) mit dem Typus von philippensis zu vergleichen und sagt, dass dieses „is more rufous in general color, not greenish in tinge like your specimen from Mindanao“. Überdies hatte Steere philippensis von Mindanao und Basilan in Händen, konnte diese daher mit mindanensis und samarensis vergleichen. Allerdings muss man misstrauisch gegen die Steereschen Angaben werden, wenn man sieht, dass er Macroxus philippensis von Mindanao getrennt von Sciurus philippensis von Basilan aufzählt, und zwar ersteren als Viverriden! Er hat dies wohl nur von Günther (P. Z. S. 1879, 75) abgeschrieben, wo Macroxus philippensis Wtrh. von Mindanao hinter Paradoxurus philippinensis Temm. von Mindanao aufgeführt wird, und nicht gedacht, dass Macroxus philippensis dasselbe sein könnte wie Sciurus philippensis!
[1] Ich gab (P. Z. S. 1890, 600) die Länge eines Exemplars von Sc. cagsi auf 220 mm für Kopf und Körper und 270 für den Schwanz an, das erwachsene Exemplar von samarensis misst 200 und 204, es wird wohl aber auch etwas grössere geben mit längeren Schwanzhaaren, und ich glaube daher nicht, dass sie in der Grösse überhaupt differiren, zumal die Schädellänge von samarensis 48.5 mm ist, die Jochbogenbreite 29, gegen 48–51.5 und 28.5–31.5 bei cagsi, was also auf dasselbe herauskommt. [↑]
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19. Sciurus samarensis Steere
[Tafel XI] Figur 2 (c. ⅔ n. Gr.)
Schon das Junge von Sc. samarensis zeigt dieselben Unterschiede von mindanensis wie das Alte, und zwar die schwärzliche Oberseite der Füsse und das mit der Körperoberseite gleichfarbige Gesicht, so dass ich nicht an der Berechtigung, diese zwei Formen als verschieden anzusehen, zweifle.
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20. Phlœomys cumingi Wtrh.
[Tafel XII] und [XIII] Figur 1 und 2
| 1839 | Waterhouse P. Z. S. 107 |
| 1841 | Eydoux-Soleyet-Gervais Voy. Bonite Zool. I, 43–50 Pl. 7 fig. 3–8, Pl. 8 |
| 1843 | Schreber-Wagner Säugethiere Spl. III, 455 |
| 1854 | Gervais Mammifères 399 m. Abb. |
| 1855 | Giebel Säugethiere 579 |
| 1855 | De la Gironnière Aventures 386 |
| 1885 | Jordana Bosquejo geogr. Fil. 167 |
| 1890 | Nehring SB. Ges. naturf. Berlin 102 (pallidus) und 153 (var. pallida) |
| 1890 | A. B. Meyer Zool. Garten 195 |
| 1890 | Steere List … Mamm. 29 |
| 1891 | A. B. Meyer Leipz. Illustr. Ztg. Nr. 2479 p. 21 m. Abb.[1] |
| 1894 | Nehring SB. Ges. naturf. Berlin 179 (pallidus) |
| 1895 | Elera Cat. sist. Fil. I, 21 (albayensis). |
Bis auf die neuere Zeit war Phlœomys cumingi ein in Museen seltenes Thier, erst Dr. Schadenberg brachte es mehrfach und gab Anderen die Anregung es zu sammeln. So erhielt Dresden von ihm 17 Exemplare von Luzon (4) und Marinduque (13), allein ehe nicht die auf benachbarten Inseln etwa vorkommenden bekannt sein werden, lässt sich nichts Abschliessendes über diese den Philippinen eigenthümliche und charakteristische Form, die eine eigene Subfamilie bildet, aussagen. Elera führt einen Phl. albayensis von Mindoro und Luzon auf, wodurch die Artberechtigung schon Misstrauen erregt, abgesehen davon aber kann ein nomen nudum nicht in Betracht gezogen werden. Diese heutzutage allgemein verlassene Manier, nur durch einen Namen einer neuen Art Geltung verschaffen zu wollen, scheint Elera seinem in dieser Beziehung berüchtigten Nachbar Pater Heude abgesehen zu haben! — Auf [Tafel XII] sind die verschiedenen Färbungen der Dresdener Exemplare in circa ¼ natürlicher Grösse [[30]]dargestellt, Figur 1–3 von Luzon, Figur 4–7 von Marinduque. Alle Kleider abzubilden ist nicht möglich, da kaum zwei gleich sind; dass aber auch andere wie jetzt im Museum vertreten vorkommen, habe ich schon früher (Zool. Garten 1890, 197 und Abh. Mus. Dresden 1894/5 Nr. 6 p. 1) hervorgehoben und ist bekannt; sie durchlaufen alle Schattirungen von fast weissen Albinos durch Grau zu Schwarzbraun, und verhalten sich bezüglich dieser grossen Variabilität wie manche Phalanger und Lemuriden, Arten, die entweder ihr relativ stabiles Gleichgewicht überhaupt noch nicht gefunden, oder die es verloren haben. Das Haarkleid der Exemplare, die in Dresden ad max. über 5 Jahre und 2 Monate, und vorher schon ad. max. 3 Jahre bei Dr. Schadenberg auf Luzon in der Gefangenschaft gelebt haben, wurde weicher und länger, wie das bei vielen tropischen Thieren im Gefangenleben in rauherem Klima vorkommt, z. B. auch bei der so kurz- und glatthaarigen Anoa. Die Veränderungen in der Färbung während der bis über 5jährigen Gefangenschaft in Dresden waren zwar nicht wesentlich, allein Etwas haben sie sich doch verändert, wie ein Vergleich der Abbildungen in der Illustrirten Zeitung mit den jetzt ausgestopften Exemplaren lehrt.
Nehring hat (SB. Ges. naturf. Berlin 1890, 105) die hellen (Voy. Bonite pl. 8) von den dunklen Luzon Exemplaren als Phl. pallidus oder Phl. cumingi var. pallida abgetrennt (was ich nicht für berechtigt hielt: Zool. Garten 1890, 199), und sich bald darauf (SB. Ges. naturf. Berlin 1890, 154) für letztere, später (1894, 180) aber für erstere Bezeichnung ausgesprochen. Er nannte Phl. pallidus die helle Form von Luzon und Marinduque, da er meinte, dass auf letzterer Insel nur diese vorkäme, die als Art anzusehen sei, und zu der er die gleiche Form von Luzon stellte, „sofern sie dort an bestimmten Localitäten für sich auftritt“ (p. 182). Letzteres ist jedoch nicht nachgewiesen und nach den bereits vorliegenden Thatsachen auch unwahrscheinlich. Ebensowenig sind alle Marinduque Exemplare hell. Dr. Schadenberg theilte mir schon früher brieflich mit, dass er sie mit dunkler Zeichnung von dort besitze, und unter den 13, die er dem Museum nach und nach sandte, ist z. B. ein Männchen mit sehr grossem braunschwarzen Sattel (2398 Fig. 4), das, bis auf mehr Braun am Kopf, identisch mit einem Männchen von Nord Luzon (2082 Fig. 3) ist. Die anderen Marinduque Exemplare des Museums, die zum Theile dieselben sind, von denen v. Moellendorff (bei Nehring 1894, 180) spricht, darunter 4 junge, sind zwar im Ganzen heller, zeigen aber, wie auch aus folgender Zusammenstellung hervorgeht, zum Theile den dunklen Sattel mehr oder weniger ausgesprochen (Nr. 6, 7, 13, 15, 16), während er bei 6 Exemplaren gar nicht vorhanden ist. Die Altersbestimmungen sind nach den Schädeln gemacht. Die Exemplare Nr. 1–4 entsprechen den vier von mir früher (Zool. Garten 1890, 196) beschriebenen und (Ill. Ztg. 1891, 21) abgebildeten, und zwar ist Nr. 1 der folgenden Liste = 1 im Zool. Garten p. 196, Nr. 2 = 4, Nr. 3 = 2, Nr. 4 = 3. (Siehe Tabelle p. 31.)
Wie schon erwähnt, sind 4 und 5 fast gleich, und beweisen daher die Identität der Nord Luzon und der Marinduque Form zur Genüge, aber es sind auch 11 und 12 von Marinduque fast identisch mit Gervais’ Abbildung des Exemplares von Nueva Ecija auf Luzon, und da die Übergänge zwischen beiden Formen und den anderen sonst bekannten vorliegen, und diese verschiedenen Kleider, wie ja im engeren Sinne die schon bis jetzt bekannten Marinduque Exemplare beweisen, sicherlich nicht Localrassen entsprechen, so ist eine Trennung derselben von einander nicht durchführbar. Nr. 13 und 15 sind ausgesprochene Albinos mit ganz weissem Schwanze, die Halbalbinos haben nur die Spitze weiss, die Exemplare mit dunklem Sattel wahrscheinlich alle auch die Spitze schwarz (an Nr. 2 sind nur ein paar weisse Haare zu erkennen).
Dass die bis jetzt bekannten Marinduque Exemplare mit einer Ausnahme mehr zu den helleren gehören, kann in Verschiedenem seinen Grund haben. Es kann ein Zufall im Spiele sein, oder die Jäger haben stets aus denselben Familien von denselben Schlupfwinkeln ihre Beute geholt, oder die albinotischen Individuen sind wegen ihres minder guten Gesichtes leichter zu erbeuten gewesen; es könnten aber auch auf Marinduque die hellen Formen im Übergewicht über die dunklen sein. Selbst dies jedoch würde nicht zur Abtrennung eines Phl. pallidus berechtigen, und ebensowenig zu einer var. pallida, denn sonst müsste man viele solche „Varietäten“ von Phlœomys, Crateromys, Didelphys, Phalanger etc. benennen, was gewiss weder praktisch noch wissenschaftlich geboten erscheint. Eine subspecifische, trinominale, Bezeichnung auf der anderen Seite wäre nur dann berechtigt, wenn die betreffende Form sich local abgrenzte, geographisch isolirt wäre, nicht wenn sie mit der Stammform zusammen lebt. Auch wenn die „Aberration“ familienweise aufträte und damit im engeren Sinne local begrenzt wäre, könnte man sie, üblicherweise, nicht mit einem Namen belegen, noch wäre es überhaupt wünschenswerth dies zu thun, [[32]]abgesehen davon, dass ein solches Zusammenleben in gleichgefärbten Stämmen bis jetzt weder erwiesen noch wahrscheinlich ist. Es leben eben, wie überall sonst, Albinos mit anderen zusammen, und damit ist auch das Zusammenvorkommen aller Übergänge gegeben. Wie der Phlœomys der Zukunft aussehen wird, lässt sich heute nicht bestimmen, vielleicht wird er weiss sein, wie Gymnura candida Gthr. von Borneo (Jentink Notes Leyden Mus. III, 166 1881); wir können jetzt nur constatiren, dass die Art sich momentan in sehr labilem Gleichgewichte bezüglich ihres Haarkleides befindet. Ob der schwarzbraune Phlœomys oder der hellere mit dunklem Sattel und solcher Kopfzeichnung als Stammform anzusehen ist, wird sich wohl bei mehr Material herausstellen. Sattel- und Kopfzeichnung erscheinen wesentlich, da, wie aus obiger Zusammenstellung ersichtlich ist, der dunkle Sattel selbst bei Albinos und einem ganz Jungen vorkommt, die dunkle Schnauzen- und Ohrzeichnung aber niemals bei den Dresdner Exemplaren fehlt, so wenig wie die weisse Zeichnung zwischen Auge und Ohr und an der Stirn, während die schwarzbraunen, soweit mir bekannt, diese letzten nicht besitzen; wenn es sich dabei also nicht um melanotische Individuen handelt, so könnten sie ebensogut die Stammform repräsentiren. Diese Frage wage ich nicht zu entscheiden. Übrigens weist, wie wir gleich sehen werden, Crateromys schadenbergi von Luzon eine ähnliche Neigung zum Variiren auf. Immerhin aber ist im Freileben eine solche Variationsbreite der Färbung bei Säugethieren etwas Exceptionelles und kommt nur in relativ wenigen Gattungen vor.
Da das Skelett von Phlœomys cumingi noch nicht abgebildet worden ist, so stelle ich auf [Tafel XIII] Figur 1 das des Weibchens 2235 (Nr. 2 obiger Liste, Figur 2 [Tafel XII]) in ⅔ n. Gr. dar. Figur 2 ist der Penisknochen von 2082 (Nr. 4 obiger Liste, Figur 3 [Tafel XII]) in n. Gr. [[31]]
| Laufende Nummer | Museums Nummer | Fundort | Geschlecht, Alter | Vorwiegende Färbung | Sattel | Schwanz | Schwanzspitze | Schnauzengegend | Augengegend | Zwischen den Augen | Zwischen Auge u. Ohr | Ohrgegend | Stirn | Oberkopf | Abbildung [Tafel XII] | Abbildung Ill. Ztg. 1891 |
| 1 | 2453 | N. Luzon. s. v. Vigan, a. d. G. | m. ad. | grauweiss | schwarz, gross | schwarz | schwarz | schwärzlich | schwärzlich | weiss | weiss | braunschwarz | weiss | schwarz | Fig. 1 | gr. Ex. |
| 2 | 2235 | N.,, Luzon.,, s.,, v.,, Vigan,,, a.,, d.,, G.,, | f. ad.,, | grauweiss,, | schwärzlich, kleiner | schwarz,, | schwarz (ein paar weisse Haare) | dunkelbraun | dunkelbraun | weiss,, | weiss,, | dunkelbraun | weiss,, | weiss | Fig. 2 | kl. Ex. l. |
| 3 | 2083 | N.,, Luzon.,, s.,, v.,, Vigan,,, a.,, d.,, G.,, | f.,, ad.,, | dunkel-chokoladenweisslich | braunschwarz, gross | schwarz,, | schwarz | dunkelbraun,, | dunkelbraun,, | weiss,, | weiss,, | dunkelbraun,, | weiss,, | weiss,, | — | kl. Ex. in der Mitte |
| 4 | 2082 | N.,, Luzon.,, s.,, v.,, Vigan,,, a.,, d.,, G.,, | m. ad.,, | hell-chokoladenweisslich | braunschwarz,,, gross,, | schwarz,, | schwarz,, | braun | braun | weiss,, | weiss,, | braun | weiss,, | weiss,, | Fig. 3 | kl. Ex. r. |
| 5 | 2398 | Marinduque | m.,, ad.,, | hell-chokoladenweisslich,, | braunschwarz,,, gross,, | schwarz,, | schwarz,, | braun,, | braun,, | braun | weiss,, | braun,, | weiss,, | braun | Fig. 4 | — |
| 6 | B 3090 | Marinduque,, | m.,, ad.,, | hell-chokoladenweisslich,, | bräunlich angedeutet | braun | weiss | bräunlich | bräunlich | weiss | weiss,, | braun,, | weiss,, | weiss | — | — |
| 7 | B 3091 | Marinduque,, | f. ad.,, | hell-chokoladenweisslich,, | bräunlich,, angedeutet,, | weisslich | fehlt | bräunlich,, | bräunlich,, | weiss,, | weiss,, | braun,, | weiss,, | weiss,, | — | — |
| 8 | 2397 | Marinduque,, | f.,, ad.,, | hell-chokoladenweisslich,, | nicht vorhanden | schwarz | weiss | braun | hellbraun | weiss,, | weiss,, | braun,, | weiss,, | weiss,, | Fig. 5 | — |
| 9 | 2445 | Marinduque,, | f.,, ad.,, | hell-chokoladenweisslich,, | weiss angedeutet | schwarz,, | fehlt | braun,, | hellbraun,, | weiss,, | weiss,, | braun,, | weiss,, | weiss,, | — | — |
| 10 | 2443 | Marinduque,, | m. ad.,, | chokoladenweisslich | nicht vorhanden | schwarz,, | fehlt,, | braun,, | braun | weiss,, | weiss,, | braun,, | weiss,, | weiss,, | — | — |
| 11 | 2395 | Marinduque,, | m.,, ad.,, | bräunlichweiss | nicht,, vorhanden,, | schwarz,, | fehlt,, | braun,, | braun,, | weiss,, | weiss,, | braun,, | weiss,, | weiss,, | — | — |
| 12 | 2442 | Marinduque,, | m.,, ad.,, | bräunlichweiss,, | nicht,, vorhanden,, | schwarz,, | weiss | braun,, | hellbraun | weiss,, | weiss,, | braun,, | weiss,, | weiss,, | — | — |
| 13 | 2444 | Marinduque,, | m.,, ad.,, | hellbräunlichweiss | bräunlich, gross | weiss | weiss,, | hellbräunlichweiss | hellbräunlichweiss | weiss,, | weiss,, | braun,, | weiss,, | weiss,, | Fig. 6 | — |
| 14 | 2396 | Marinduque,, | m.,, jun. | hell-chokoladen | nicht vorhanden | schwarz | weiss,, | braun | hellbraun | weisslich | weisslich | braun,, | weiss,, | weiss,, | — | — |
| 15 | 2393 | Marinduque,, | ? jun.,, | hellbräunlichweiss | bräunlich, gross | weiss | weiss,, | hellbräunlichweiss | weiss | weiss | weiss | braun,, | weiss,, | weiss,, | — | — |
| 16 | 2394 | Marinduque,, | m. juv. | hell chokoladenweiss | bräunlich,,, gross,, | braun | fehlt | braun | braun | weiss,, | weiss,, | braun,, | weiss,, | weiss,, | Fig. 7 | — |
| 17 | B 3092 | Marinduque,, | f. juv.,, | grauweiss | nicht vorhanden | braun | weiss | braun,, | braun,, | weiss,, | weiss,, | braun,, | weiss,, | weiss,, | — | — |
[1] Diese übrigens nicht sehr gelungene Abbildung ist von Lydekker (Nat. Hist. III, 121 1894/5) ohne Quellenangabe genau copirt worden, während er sonst oft (z. B. II, 438) wohl seine Quelle angiebt! [↑]
[[Inhalt]]
21. Crateromys schadenbergi (A. B. Meyer)
[Tafel XIII] Figur 3–6 und [Tafel XIV]
- 1895 Phlœomys (?) schadenbergi A. B. Meyer. Abh. Mus. Dresden. 1894/5 Nr. 6.
- 1895 Crateromys schadenbergi Thos. Ann. Nat. Hist. (6) XVI, 163.
Nach einem Balg ohne Schädel und Knochen beschrieb ich[1] im Januar 1895 ein Phlœomys-artiges Thier vom Monte Datá in Nord Luzon, das bald darauf (Februar 1895) von Whitehead vom Hochgebirge Nord Luzons ohne nähere Fundortangabe[2] in mehreren Exemplaren nach Europa gesandt wurde, von denen das Museum zwei erwarb. O. Thomas hatte, besonders auf Grund des mit erhaltenen, sehr von Phlœomys abweichenden Schädels und Gebisses, sowie wegen des behaarten Schwanzes, dafür die Gattung Crateromys gebildet, er beschrieb aber die Exemplare nicht. Es ist nun interessant, aus den auf [Tafel XIV] in ⅓–¼ n. Gr. abgebildeten, dem ersten, von Dr. Schadenberg gesandten (2385 Fig. 1), und zweien von Whitehead (2451 und 2452 Fig. 2 und 3), zu ersehen, dass Crateromys schadenbergi in ganz ähnlicher Weise variirt wie Phlœomys cumingi. Nr. 2452 (Fig. 3), ein Männchen, erinnert in seiner Färbung auf das Lebhafteste an die grauen Phlœomys mit schwarzem Sattel von Nord Luzon, es ist ähnlich grau mit schwarzer Schnauzen- und Sattel-, sowie heller Gesichtzeichnung; auch die Unterseite ist weiss wie bei den betreffenden Phlœomys Exemplaren. 2451 (Fig. 2) ebenfalls ein Männchen (vom Sammler irrthümlich als Weibchen bezeichnet), noch schwärzer als der von mir beschriebene Typus, dessen Geschlecht nicht mehr zu eruiren ist, bedeutend kleiner und jünger als das graue, hat eine weisse Schwanzspitze, weisse Unterarme und weissen Bauch. Es bildet also den Übergang von dem fast ganz bräunlichschwarzen Typus (Fig. 1) zu dem grauschwarzweissen Männchen (Fig. 3), allein ihm fehlt die helle Zeichnung an Kopf und Hals, die der Typus aufweist, es ist hier überall dunkel und es finden sich nur hinter dem Ohr und an der Kehle hellere Parthien schwach angedeutet. Der Typus erscheint, gegenüber dem Tiefschwarz dieses Exemplares, bräunlich angeflogen, auch etwas grösser, erreicht aber lange nicht die Grösse des grauen, für das ich folgende Maasse angebe, aber nur mit theilweiser Gewähr, da die Knochen fehlen: [[33]]
| 2452 mas | 2385 Typus | |||
| Totallänge | 86 | cm | 70 | cm |
| Körperlänge | 47 | cm,, | 38 | cm,, |
| Schwanz | 39 | cm,, | 32 | cm,, |
| Hand | 3.7 | cm,, ? | 4.5 | cm,, |
| Nagel des 4. Fingers | 1.1 | cm,, | 0.9 | cm,, |
| Fuss | 6.3 | cm,, ? | 7 | cm,, |
| Nagel der 4. Zehe | 1.2 | cm,, | 0.9 | cm,, |
Man darf gewiss erwarten, von diesem merkwürdigen grossen Nager noch anders gezeichnete und noch stärker albinotische zu erhalten. Derartige schwarzweisse Zeichnungen kommen übrigens auch sonst bei Nagern vor, wie bei dem afrikanischen Lophiomys[3] imhausi A. M.-E. (Arch. Mus. Paris III Pl. 6 1867) mit seiner weissen Stirn- und Augenzeichnung und weissen Schwanzspitze.
Auf [Tafel XIII] Figur 3–6 ist der Schädel des Männchens 2452 in nat. Grösse in der norma lateralis, verticalis und basalis, und der Unterkiefer, von oben abgebildet. Ein Vergleich mit Gervais’ Schädelabbildungen von Phlœomys cumingi (Voy. Bonite pl. 7 Fig. 3–6) ergiebt die Unterschiede, von denen O. Thomas schon die bedeutendsten namhaft gemacht hat.
[1] Zeile 3 der Diagnose ist hinter cristae das Wort modo ausgefallen. [↑]
[2] Nach Ibis 1895, 437 (bei Grant) aber wahrscheinlich auch vom Monte Datá in Lepanto. — Im Darmstädter Museum befindet sich seit c. 23 Jahren ein Exemplar. [↑]
[3] Nach Lydekker (Geogr. Hist. Mamm. 1896, 239) Trilophomys. A. Milne-Edwards hatte Lophomys aber schon 1867 aufgestellt, Depéret erst 1890, und dieser taufte daher die Ratte aus dem Pliocän Frankreichs Trilophomys um (s. Zool. Rec. 1890 Mamm. 37, wo Lydekker selbst bemerkt hat: „generic name preoccupied“, und Zool. Rec. 1892 Mamm. 35). [↑]
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22. Phalanger celebensis (Gr.)
[Tafel XV] Figur 1 (c. ⅓ n. Gr.)
Nachdem Jentink 1885 (Notes Leyden Mus. VII, 104) in seiner klärenden Monographie der Gattung Cuscus Licht in die Verwirrung gebracht, die über Phalanger celebensis bis dahin geherrscht hatte, und O. Thomas 1888 (Cat. Mars. p. 206) weiterhin darüber, mit ausreichender Synonymie, gehandelt, bleibt vorerst wenig über die Art zu sagen. Jentink (p. 91 und 106) stellte das Vorkommen in Süd-Celebes noch etwas in Frage, allein ich selbst erhielt 1871 in Makassar ein Junges (B 391), Weber (Zool. Erg. I, 114 1890) fand die Art in Goa und neuerdings sah ich aus Everetts Sammlungen (vom October 1895) von Indrulaman, 2300′ hoch am Pik von Bonthain, ein Exemplar[1] und erwarb daraus ein Junges ebendaher für das Museum. Dieses besitzt ausserdem Exemplare von Kakaskassen, Kali und Manado in der Minahassa und von Gorontalo, im Ganzen 7. Hickson (Nat. N. Cel. 1889, 83) nennt die Art auf der Insel Talisse, nahe der Nordspitze von Celebes, häufig. Thomas (p. 207) führt sie auch von Sangi auf, und zwar nach einem von mir gesammelten Exemplar; allein die Sangi Form ist, wie wir gleich sehen werden, abzutrennen. Die Celebes Art wurde noch nicht abgebildet (s. bei Thomas pl. XXI, 4 nur das Ohr). Wie Jentink (p. 106 Anm. 2) schon wahrscheinlich machte, hatte Gray (P. Z. S. 1858 pl. LXII) nicht celebensis, sondern Exemplare von San Cristoval, Salomo Inseln, abgebildet, und Thomas (p. 204) stellte klar, dass es Exemplare von Ph. orientalis breviceps gewesen waren. Figur 1 [Tafel XV] ist ein Männchen von Kakaskassen (B 2841), das grösste der in Dresden vorhandenen Exemplare in c. ⅓ n. Gr.
Über die Schwanzschuppen mit centraler Papille, die besonders an der Schwanzbasis auftreten, handelte de Meijere (Haren Zoogd., Diss. 1893, 10 u. 54), sowie Reh (Jena Zeitschr. 29, 166, 1894). Die Tastlinien des Schwanzes erforderten vielleicht noch eine specielle mikroskopische Untersuchung.
Die Eingeborenen der Minahassa nennen das Thier kussi, die Maleiisch Sprechenden kussu. Ich sah einmal im März 1871 in der Nähe von Manado um 11 Uhr Mittags zwei sich Paarende auf einem hohen Baume. Das Weibchen hielt sich aufrecht, indem es mit den Vorderfüssen einen Zweig umklammerte. Beim ersten Schusse trennten sie sich, aber erst nach mehreren Schüssen fiel einer von etwa 80 Fuss Höhe mit gespreizten Beinen herab und lebte noch. Die Eingeborenen fangen sie, wenn sie sich auf einem einzeln stehenden Baum aufhalten, indem einer hinaufklettert, worauf das Thier sich herabfallen lässt, und ein Anderer fängt es dann unten ein. Auf bergigem Terrain soll es sich, verfolgt, wie eine Kugel [[34]]zusammenballen und herabrollen, was nicht gerade wahrscheinlich klingt. Bei Tage sieht es schlecht, aber kriecht doch umher. Es frisst allerlei Früchte. Die Eingebornen sagen, wenn man Einen sieht, müsse man schnell die Zahl 11 aussprechen, wenn zwei, die Zahl 12, sonst gelinge der Fang nicht. Das Fleisch wird gern gegessen und soll wie Wildschwein schmecken.
[1] Vgl. auch Everett bei Hartert: Nov. Zool. III, 150 1896. [↑]
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