Die Familie Selicke. Arno Holz — Johannes Schlaf.

Die Familie Selicke.

Drama in drei Aufzügen.

Vierte Auflage.

Berlin 1892.
Verlag von Wilhelm Issleib (Gustav Schuhr).

Vorwort.

Am 8. April 1890, einen Tag später nachdem „Die Familie Selicke“ über die „Freie Bühne“ gegangen war, schrieb Theodor Fontane in der „Vossischen Zeitung“:

„Die gestrige Vorstellung der „Freien Bühne“ brachte das dreiaktige Drama der Herren Arno Holz und Johannes Schlaf: Die Familie Selicke. Diese Vorstellung wuchs insoweit über alle vorhergegangenen an Interesse hinaus, als wir hier eigentlichstes Neuland haben. Hier scheiden sich die Wege, hier trennt sich Alt und Neu. Die beiden am härtesten angefochtenen Stücke, die die „Freie Bühne“ bisher brachte: G. Hauptmann’s: „Vor Sonnenaufgang“ und Leo Tolstois: „Die Macht der Finsterniss,“ sind auf ihre Kunstart, Richtung und Technik hin angesehen, keine neuen Stücke; die Stücke, bezw. ihre Verfasser, haben nur den Muth gehabt, in diesem und jenem über die bis dahin traditionell innegehaltene Grenzlinie hinauszugehen, sie haben eine Fehde mit Anstands- und Zulässigkeitsanschauungen aufgenommen und haben auf diesem Gebiete dieser kunstbezüglichen, im Publikum gang und gäben Anschauungen zu reformiren getrachtet, aber nicht auf dem Gebiete der Kunst selbst. Ein bischen mehr, ein bischen weniger, das war Alles; die Frage, „wie soll ein Stück sein?“ oder, „sind Stücke denkbar, die von dem bisher Ueblichen vollkommen abweichen?“, diese Frage wurde durch die Schnapskomödie des einen und die Knackkomödie des anderen kaum berührt. Ich darf diese Worte wählen, weil ich durch mein Eingenommensein für Beide vor dem Verdachte des Uebelwollens geschützt bin.“

In seinem Buche: „Die Kunst“, Berlin, Gustav Schuhr, Herbst 1890, reproducirt der Jüngere von uns diese Stelle und fährt dann fort:

„Ich citire hier diesen Absatz, weil es uns eine Freude ist, konstatiren zu können, dass es grade Theodor Fontane gewesen, der die jähe Kluft, die uns von aller bisherigen Bühnenproduktion trennt, Ibsen nicht ausgeschlossen, als Erster wahrgenommen hat.

Nichts kann uns in der That mehr lächeln machen, nichts zeugt mehr von der urkomischen Verwirrung, die wir Aermsten unter unseren verehrten Herren Kollegen, den Schreibern der Zeitungen, nun einmal angerichtet haben, als wenn man uns in seiner Herzensnoth, die nach Schablonen schreit, als Nachtreter der grossen Ausländer etikettirt.

Möge man es sich daher gesagt sein lassen. In aller Ruhe, bewusst und aus unserer Ueberzeugung heraus. Uns ist darum nicht bange. Es wird dereinst erkannt werden: noch nie hat es in unserer Literatur eine Bewegung gegeben, die von Aussen her weniger beeinflusst gewesen wäre, die so von innen heraus gewachsen, die mit einem Wort nationaler war, als eben grade diejenige, vor deren weiteren Entwicklung wir heute stehn und die mit unserm „Papa Hamlet“ ihren ersten, sichtbaren Ausgang genommen. Die „Familie Selicke“ ist das deutscheste Stück, das unsere Literatur überhaupt besitzt. Es ist auch nicht ein einziges Element in ihr und wäre es auch noch so winzig, das uns von jenseits der Vogesen zugeflogen wäre, von jenseits der Memel, oder von jenseits der Eider. Und wenn uns nichts dafür ein Beweis gewesen wäre, nicht einmal die Thatsache selbst, die unerhörten Beschimpfungen, die damals auf uns niederprasselten, hätten uns hinlänglich darüber die Augen öffnen müssen. Sätze, wie: „diese Thierlautkomödie ist für das Affentheater zu schlecht!“ werden sicher nicht allzu oft niedergeschrieben, selbst in den bewegtesten Zeiten nicht. Und gar als das Stück erst angekündigt war in den Zeitungen, als acceptirt zur Aufführung an der „Freien Bühne“, schrieb dasselbe Blatt: „.... dann wird eben keine Frau, die auf Reputirlichkeit Anspruch erhebt, sich dort sehen lassen dürfen und die Herren werden sich in diese Vorstellungen hineinstehlen müssen, wie man das beim Besuche zweifelhafter Lokale thut.“ Mit einem Wort: Es fehlte nur noch, dass man den Vorschlag machte, uns ins Irrenhaus zu sperren. O bêtise!

Nun, dieser Vorschlag ist unterdessen, wenn allerdings auch noch nicht gemacht, so doch „in der That nur mit Mühe unterdrückt worden.“ Vergleiche „Die Grenzboten.“

Offen gestanden: aber es wäre uns doch lieber gewesen, der sogenannte Idealismus unserer verehrten Herren Gegner hätte sich als etwas Anderes entpuppt.

Als was er sich entpuppt hat?

Nun, unserem Dafürhalten nach, als jene berühmte Heine’sche Wanze, „welche stinkt, wenn man sie tödtet.“

Berlin, August 1891.

Arno Holz.
Johannes Schlaf.

Personen:

Eduard Selicke, Buchhalter.

Seine Frau.

Toni,
22
Jahre
alt
}
ihre Kinder.

Albert,
18

Walter,
12

Linchen,
8

Gustav Wendt, cand. theol., Chambregarnist bei ihnen.

Der alte Kopelke.

Zeit: Weihnachten. Ort: Berlin N.

Erster Aufzug.

Erster Aufzug.

Das Wohnzimmer der Familie Selicke.

(Es ist mässig gross und sehr bescheiden eingerichtet. Im Vordergrunde rechts führt eine Thür in den Corridor, im Vordergrunde links eine in das Zimmer Wendt’s. Etwas weiter hinter dieser eine Küchenthür mit Glasfenstern und Zwirngardinen. Die Rückwand nimmt ein altes, schwerfälliges, grossgeblumtes Sopha ein, über welchem zwischen zwei kleinen, vergilbten Gypsstatuetten „Schiller und Goethe“ der bekannte Kaulbach’sche Stahlstich „Lotte, Brod schneidend“ hängt. Darunter im Halbkranze, symmetrisch angeordnet, eine Anzahl photographischer Familienportraits. Vor dem Sopha ein ovaler Tisch, auf welchem zwischen allerhand Kaffeegeschirr eine brennende weisse Glaslampe mit grünem Schirm steht. Rechts von ihm ein Fenster, links von ihm eine kleine Tapetenthür, die in eine Kammer führt. Ausserdem noch, zwischen den beiden Thüren an der linken Seitenwand, ein Tischchen mit einem Kanarienvogel, über welchem ein Regulator tickt, und, hinten an der rechten Seitenwand, ein Bett, dessen Kopfende, dem Zuschauerraum zunächst, durch einen Wandschirm verdeckt wird. Ueber ihm zwei grosse alte Lithographieen in fingerdünnem Goldrahmen, der alte Kaiser und Bismarck. Am Fussende des Bettes, neben dem Fenster schliesslich noch ein kleines Nachttischchen mit Medizinflaschen. Zwischen Kammer- und Küchenthür ein Ofen; Stühle.

Frau Selicke, etwas ältlich, vergrämt, sitzt vor dem Bett und strickt. Abgetragene Kleidung, lila Seelenwärmer, Hornbrille auf der Nase, ab und zu ein wenig fröstelnd. Pause.)

Frau Selicke (seufzend): Ach Gott ja!

Walter (noch hinter der Scene, in der Kammer): Mamchen?!

Frau Selicke (hat in Gedanken ihren Strickstrumpf fallen lassen, zieht ihr Taschentuch halb aus der Tasche, bückt sich drüber und schneuzt sich).

Walter (steckt den Kopf durch die Kammerthür. Pausbacken, Pudelmütze, rothe, gestrickte Fausthandschuhe): Mamchen? darf ich mir noch schnell ’ne Stulle schneiden?

Frau Selicke (ist zusammengefahren): Ach, geh du ungezogner Junge! Erschrick einen doch nich immer so! (ist aufgestanden und an den Tisch getreten). Kannst Du denn auch gar nich’n bischen Rücksicht nehmen?! Siehst Du denn nich, dass das Kind krank ist?

Walter (ist unterdessen auf’s Sopha geklettert und trinkt nun nacheinander die verschiedenen Kaffeereste aus. Den Zucker holt er sich mit dem Löffel extra raus): Aber ich hab’ doch noch solchen Hunger, Mamchen?

Albert (ebenfalls noch hinter der Scene, in der Kammer, deren Thür jetzt weit aufsteht. Man sieht ihn vor einer kleinen Spiegelkommode, auf der ein Licht brennt. Knüpft sich grade seine Kravatte um. Hemdärmel.): Ach was, Mutter! Jieb ihm lieber ’n Katzenkopp un denn is jut!

Frau Selicke (die jetzt Walter die Stulle schneidet): Na, Du, Grosser, sei doch man schon ganz still! Du verdienst ja noch alle Tage welche! Ich denk’, Ihr seid überhaupt schon lange weg?

Albert (ärgerlich): Ja doch! Gleich! Aber ich wer’ mir doch wohl noch erst den Rock abbürschten können?

Frau Selicke: Na ja, gewiss doch! Steh Du man immer recht vor’m Spiegel und vertrödle recht viel Zeit! Da werd’t Ihr ja Euern lieben Vater sicher noch finden! Der wird heute grade noch auf’m Comptoir sitzen!

Albert: Ach Jott! Nu thu doch man nicht wieder so! Vor Sechs kann er ja doch heute so wie so nich aus ’m Geschäft!

Frau Selicke: So! Na! Und wie spät denkste denn, dass es jetz’ is? (hat während des Streichens der Stulle einen Augenblick inne gehalten, den Schirm von der Lampe gerückt, die Brille auf die Stirn gerückt und nach dem Regulator gesehen) ... Jetz’ is gleich Dreiviertel!

Albert: Ach, Unsinn! Die jeht ja vor!

Frau Selicke (für sich, fast weinend): Hach nee! Ich sag’ schon! Sicher is er nu wieder weg, und vor morgen früh wer’n wir ’n ja dann natürlich nich wieder zu sehn kriegen! Nein, so ein Mann! So ein Mann! ...

Albert (noch immer in der Kammer und vor’m Spiegel): Hurrjott, Mutter! Räsonnir’ doch nich immer so! Du weisst ja noch gar nich!

Frau Selicke: Ach was! Lass mich zufrieden! Beruf’ mich nich immer! Ich weiss schon, was ich weiss! (unwirsch zu Walter) Da — haste! Klapp se Dir zusammen und dann macht, dass Ihr endlich fortkommt! Aus Euch wird auch nischt!

(Es klingelt.

Einen Augenblick lang horchen beide. Frau Selicke ist zusammengefahren, Walter starrt, die Stulle in der Hand, mit offenem Munde über die Lampe weg nach der Thür, die in’s Entree führt.)

Frau Selicke (endlich): Na? Machste nu auf, oder nich?

( Walter hat die Stulle liegen lassen und läuft auf die Thür zu. Er klinkt diese auf und verschwindet im Entree.)

Albert (der eben aus der Kammer getreten ist, in der er das Licht ausgelöscht hat. Zieht sich noch grade seinen Ueberzieher an. Aus der Brusttasche stecken Glacees, zwischen den Zähnen hält er eine brennende Cigarrette, an einem breiten, schwarzen Bande baumelt ihm ein Kneifer herab. Modern gescheitelt. Hut und Stöckchen hat er einstweilen auf den Stuhl neben dem Sopha plazirt. Zu Frau Selicke, indem er mit dem Fusse die Thür hinter sich zudrückt): Nanu? Das kann doch unmöglich schon der Vater sein?

Frau Selicke (die sich wieder mit dem Kaffeegeschirr zu thun macht, unruhig): Ach wo!

(Unterdessen ist draussen die Flurthür aufgegangen und man hört die Stimme des alten Kopelke: „Brrr ... is det heit ’n Schweinewetter!?“ — Die Thür klappt wieder zu, und jetzt schreit Walter laut auf, ausgelassen: „Ach! Olle Kopelke! Olle Kopelke!“ — „Nich doch, Kind, nich doch; du thust mir ja weh! Du drickst mir ja! Du musst doch abber ooch heer’n! Da — nimm mir mal lieber hier ’n bisken det Menneken ab! ... Brrr ... nee ... ä!“)

Albert (zu Frau Selicke, sich die Handschuhe zuknöpfelnd): Ach, der alte Quacksalber?!

Frau Selicke: Na, Du, Grossmaul, wirst doch nich immer gleich das Geld geb’n für’n Docter!

Albert (aufgebracht): Ach, Blech! Nich wahr? Nu fang wieder davon an! ...

Walter (noch halb im Entree): Au, Mamchen, sieh mal! ’n Hampelmann! Mamchen, ’n Hampelmann! (Er kommt mit ihm in’s Zimmer getanzt. Zum alten Kopelke zurück): Wah? den schenken Se mir?

Kopelke (behutsam hinter ihm drein. Klein, kugelrund, freundlich, Vollmondsgesicht, glattrasirt. Sammetjoppe, Pelzkappe, Wollshawl): Sachteken! Sachteken!

Albert (hat sich den Stock schnell unter den Arm geklemmt und sich den Kneifer aufgesetzt, affectirt): Ah, gut’n Abend, Herr Kopelke!

Kopelke: ’n Abend! ’n Abend, junger Herr! (Reicht Frau Selicke die Hand) ’n Abend! (Nach dem Bett hin) Na? Und meine kleene Patientin? Ick muss doch mal sehn kommen?

Frau Selicke (weinerlich): Ach Gott ja! Na, ich kann wohl schon sagen!

Kopelke (sie beruhigend): Ach wat, wissen Se! det ... det ... e ....

Walter (hat sich unterdessen mit seinem Hampelmann abgegeben, ihm die Zunge gezeigt, „Bah!“ zu ihm gemacht und tänzelt nun mit ihm um den alten Kopelke rum, diesen unterbrechend): Olle Kopelke! Olle Kopelke!

Kopelke (sanft abwehrend): Ach, nich doch, Kind! det ’s jo unjezogen! Du musst nich immer Olle Kopelke sagen! Det jeheert sick nich!

Walter (Rübchen schabend): Oh ...! Olle Kopelke! ...

Albert (wüthend): Hörst Du denn nich, Du Schafskopp? Du sollst still sein!

Walter (den Ellbogen gegen ihn vor): Nanu? Du hast mir doch jarnischt zu sagen?

Albert (holt mit der Hand aus).

Frau Selicke (mit dem Strickstrumpf, den sie unterdessen wieder aufgenommen hat, dazwischen): Nein! Nein! Nun sehn Sie doch blos! Die reinen Banditen! Das Kind! Das Kind! Nehmt doch wenigstens auf das Kind Rücksicht!

Albert (der sich achselzuckend wieder abgewandt hat): Natürlich! So is recht! Bestärk’ ihn man noch immer! Dem lässt Du ja Alles durchgehn! Der kann ja machen, was er will! Aus dem Bürschchen erziehst Du ja schon was Rechtes! Vater hat janz recht!

Frau Selicke: Nein! Nein! Nu hören Se doch blos! Und da soll man sich nich gleich schlag rührend ärgern?

Kopelke (zu Albert): Sachteken, werther junger Herr, sachteken ... (Zu Frau Selicke) Immer in Jiete, Mutter! Det ville Jehaue und det ville Jeschumpfe nutzt zu janischt, zu reenjanischt! ... Ibrijens ... (Er hat sich mitten in die Stube gestellt und schnuppert nun nach allen Seiten in der Luft rum) ... wat ick doch jleich noch sagen wollte ... det ... det ... riecht jo hier so anjenehm nach Kafffee? ... Hm! Pf! Brrr! ... Nee, dieset Schweinewetter?! Ick bin — wahhaftijen Jott — janz aus de Puste! (Er hat sich seinen grossen, dicken Wollshawl abgezerrt und schlenkert ihn nun nach allen Seiten um sich rum) Kopp wech! (Zu Walter, den er dabei getroffen hat) He? Wah det Deine Neese?

Walter (der sich den Schnee von den Backen wischt, vergnügt lachend): Hohohoo!

Albert (bereits äusserst ungeduldig, den Hut in der Hand): Na, jedenfalls ich jeh jetzt! Wir kommen ja sonst wahrhaftig noch zu spät!

Frau Selicke: Ja, ja! Macht man, dass Ihr fortkommt!

Kopelke (zu Albert): Aha! Wol zu Pappa’n uf’t Contor?

Albert (ausweichend): Ach! ja! Das heisst .. e .. wir wollten so ... blos ’n bischen vorbeijehn!

Kopelke (ihm mit einer Handbewegung gutmüthig zublinzelnd, verschmitzt): Weess schon! (Zu Frau Selicke, halb in’s Ohr) Edewachten kenn ick doch? ... (Wieder zu Albert) Na, denn ... e ... denn beeilen ’sick man! Sowat looft weg!

Albert (schon unter der Thür stehend zu Walter, der sich eben seinen Hampelmann an die Jacke knöpft): Na, willste nu so jut sein oder nich?

Walter (giebt dem alten Kopelke die Hand): Atchee!

Kopelke: Atchee, mein Sohn, Atchee! Un jriess ooch Vatern!

Frau Selicke: Na, und die Stulle? (Reicht sie ihm noch schnell nach, Walter beisst sofort in sie hinein) Und dann, sagt, er soll gleich hierherkommen! Sagt, Toni is auch schon da! Wir warten schon!

Albert (hat die Thür bereits aufgeklinkt und macht nun zum alten Kopelke hin eine stumme, ceremonielle Verbeugung).

Kopelke: Wah mich sehr anjenehm, werther junger Herr! Wah mich sehr anjenehm! (Die Beiden verschwinden. Draussen im Entree schlägt Walter hin. Schreit. Albert: „Na, Du Ochse!“)

Frau Selicke: Ei Herrgott! Was is denn nu schon wieder ... (Will auf die Corridorthür zu, draussen schlägt die Flurthür zu): Hach! Gott sei Dank, dass man die Gesellschaft endlich los ist!

Kopelke (sich die Hände reibend, schmunzelnd): Jo! Wahh is’t! ’n bisken wiewe sind se! Abber — Jotteken doch! det is doch nu mal nich anders! det ...

(Vom Bett her Geräusch und Husten.)

Frau Selicke (wirft ihr Strickzeug in das Kaffeegeschirr und eilt auf das Bett zu): Ach, nein! Ich sag schon! Nu haben sie ja das arme Kind glücklich wieder wachkrakehlt ... Na, mein liebes Herzchen? ... Wie ist Dir, mein liebes Linchen, he? (Kleine Pause. Frau Selicke hatte sich übers Bett gebeugt, leises Stöhnen.) Hast Du Schmerzen, mein liebes Puttchen?

Linchen (feines, rührendes Stimmchen): Ma — ma — chen?

Frau Selicke: Ja, mein Herzchen? Hm?

Linchen: Ma — ma — chen?

Frau Selicke: Hast Du Appetit, mein Schäfchen? ... Nein? Ach, Du mein Mäuschen!

Linchen: Ich — bin — so — müde ...

Frau Selicke: Ach, mein Herzchen! Aber, nicht wahr? Du willst jetzt noch einnehmen?! Onkel Kopelke ist ja da!

Linchen: On — kel — Ko — pel — ke?

Kopelke (hat sein rothbaumwollenes Schnupftuch gezogen und schneuzt sich).

Frau Selicke (halb zu ihm zurückgewandt): Wollen Sie se mal sehn? Ich misch’ solange die Tropfen! (Lässt ihn an’s Kopfende treten und mischt während des Folgenden am Fussende des Bettes, auf dem Nachttischchen, die Medicin).

Kopelke (hat sich jetzt ebenfalls über das Bett gebeugt. Täppisch-zärtlich): Na, Lin’ken? Kennste mir noch? Ach Jotteken doch, die Aermken! Nich wah? Det — watt doch mal, Kind, ’n Oogenblickchen! — Det ... thut doch nich weh? ... Na, sehste!! Ick sag’ ja! det ... det is Allens man auswendig! Det ’s janich so schlimm! Uf de Woche kannste all dreist widder ufstehn! Denn jehste for Mamma’n bei’n Koofmann! Denn jehste mit ihr uf’n Marcht! Inholen! He? Weesste noch? Uf’n Pappelplatz? Der mit ’t Schielooge? „ Jungens “ sag’ ick, „ Bande! Wehrt ihr wol det Meechen sind lassen?“ Abber da!! Heidi! Wat haste, wat kannste! ... Nich wah? Nu nehmste abber ooch sauber in? (Zu Frau Selicke, während er diese an’s Bett treten lässt): Wat det Kind blos for’n Schwitz hat?!

Frau Selicke (besorgt): Nich wahr? Ach Gott ja!

Kopelke (beruhigend): Abber det .. e .. wissen Se! ... Det ... det is immer so! Det is nu mal nich anders! Det ... (Schneuzt sich abermals).

Frau Selicke (kommt mit dem Löffel): Na, Linchen? Ist Dir wieder besser?

Linchen: Ach — ich — will — nicht — einnehmen!

Frau Selicke: O ja, meine Kleine! Du willst doch wieder gesund werden?!

Linchen: Es — schmeckt — so — bitter!

Frau Selicke: Nicht weinen, mein Schäfchen! ... Komm! ... Sonst zankt der Herr Doctor wieder! Nicht wahr, Onkel Kopelke?

Kopelke (eifrig nickend): Ja, ja, Kindken! Det muss nu mal so sind! Det je heert sick!

Frau Selicke: Nicht wahr? Hörst Du? Komm, mein Liebling! Ja?

Linchen: Es — schmeckt — so — bitter!

Frau Selicke: Aber nachher kannst Du ja wieder spazieren gehn, mein Mäuschen?! Und Emmchen zeigt Dir auch ihre Bilderbücher! Ja? ... Komm! ... Na, nu mach doch, Linchen! ... Du musst doch aber auch folgen! ... Gucke doch! ... Ich verschütte ja das ganze Einnehmen? ... (Sie hat ihr leise die Hand unter’s Köpfchen geschoben).

Linchen: Au! Au! ... Du — ziepst — mich!

Frau Selicke: Oh! .... Na so! .... Nicht wahr? ... Fest! Drück’ die Augen zu! ... Schlucke! Tüchtig! ... Siehst Du? ... Nicht weinen, nicht weinen! ... So! Nicht wahr? Nu is alles wieder gut! Nu is alles vorbei!

Linchen (dreht sich jetzt unruhig in ihren Kissen rum und hustet gequält).

Frau Selicke: Mein armes, armes Herzchen! Der alte, böse Husten! ... So! ... Nu rücken wir blos noch ’n bischen das Kissen höher, nicht wahr? und dann schläfst Du schön wieder ein! (Bückt sich über sie und küsst sie.) Ach, Du mein süsses Puttchen! (Nachdem sie den Wandschirm jetzt noch näher an’s Bett gerückt, zum alten Kopelke) Ach, Gott nein! Nu sagen Se doch blos? Muss man da nich rein verzweifeln? Das geht nu schon Tage lang so! Sie wacht geradezu nur noch auf Minuten auf!

Kopelke (die Hände in den Taschen seiner Joppe, nachdenklich vor sich hin): Hm! ...

Frau Selicke: Und aus dem Doctor wird man auch nicht mehr klug! Der sagt einem ja nichts! Der kommt kaum noch! Und ... und ... na ja, wenn wir Sie nicht noch hätten ...

Kopelke (leichthin): Jo! ... na! ... Wissen Se: det kommt jo bei mir nich so druf an! (Begütigend) det verseimt mir jo weiter nich! det’s jo man immer so in Vorbeijehn! det — ach wat! det hat jo janischt zu sagen! det’s jo Mumpitz!! .... Abber det, wissen Se, det mit die Docters, verstehn Se, da hab’n Se eejentlich woll nich so janz Unrecht! Ick ... nu ja! Se wissen ja! Ick bin man sozusagen ’n janz eenfacher Mann ... Abber det kann ’k Ihn’ versichern: jeholfen hab ’k schon manchen! ..... Jott! Ick kennt jo wat bei verdienen! Wat meen’n Se woll! Abber sehn Se ... will ’k denn? Ick ... nu ja! Ick bin nu mal so! (eifrig) Wissen Se? de Hauptsach’ is jetz’: man immer scheen wahm halten! det Ibrije, verstehn Se, det Ibrije jiebt sick denn janz von alleene! Janz von alleene! Ick sag: man blos nich immer so ville mang der Natur fuschen, sag ick! ... Det mit die olle Medizin da zun Beispiel ...

(Es klopft an Wendts Thür.)

Frau Selicke: Bitte, Herr Wendt, bitte! Treten Sie nur ein!

Wendt (ist mehr als mittelgross und sehr schlank. Feine, bleiche Gesichtszüge, das halblange, schwarze Haar einfach hinten übergekämmt. Dunkle, peinlich saubere Kleidung, kein Pastoralschnitt. Die Thür hinter sich schliessend zu Frau Selicke): Verzeihen Sie! Ich dachte ... (Zum alten Kopelke, ihm die Hand reichend) Ah! ’n Abend, Herr Kopelke! Wie geht’s?

Kopelke (geschmeichelt): ’n Abend, werther junger Herr! Och, ick danke! Immer noch uf een langet un een kurzet Been! ... Is mich sehr anjenehm ... is mich sehr anjenehm ... (Hört nicht auf, Wendt’s Hand zu schütteln).

Wendt (zu Frau Selicke rüber): Fräulein Toni wollte doch heute etwas früher kommen?

Frau Selicke (die Achseln zuckend): Ja! Na — Sie wissen ja! Wie das so is!

Kopelke (Wendt zublinzelnd und ihm scherzhaft mit dem Finger drohend): Freilein Toni? Na wachten Se man, Sie kleener Scheeker! ... Frau Selicken? Ick sage: passen Se mir ja uf die beeden jungen Leite uf! (Wieder zu Wendt) Det is mich doch schon lange so? ... he? Sie?

Frau Selicke (lächelnd): Ach, lieber Gott, ja!

Wendt (der ebenfalls gelächelt hat, zum alten Kopelke): Na, aber Scherz bei Seite! Ich wollte ihr mal — da sehn Sie mal! — das da zeigen! (Er hat ein grosses, zusammengeknifftes Papier aus der inneren Brusttasche gezogen und es dem alten Kopelke überreicht).

Kopelke: Oh! ... He! ... Na — ick ... e .. Se meen’n, ick soll det hier — lesen, meen’n Se?

Wendt (aufmunternd): Gewiss, gewiss, Herr Kopelke! Ich bitte Sie sogar darum!

Kopelke: Oh! ... He! ... Na, ick — bin so frei! (Ist mit dem Papier zur Lampe getreten. Zu Frau Selicke) Man ... e ... Hab’n Se da nich wo Ihre Brille, Frau Selicken?

Frau Selicke (umhersuchend): Meine Brille? Ach Gott ja! ich ...

Kopelke (sie ihr von der Stirn nehmend): Lassen Se man, ick hab ihr schon! (Setzt sie sich auf.) So! Na! Nu kann’t losjehn! (Hat das Papier sorgfältig entfaltet und liest es nun, die Arme weit von sich weg. Nach einer kleinen Pause, über die Brille zu Wendt hinüber schielend): Nanu?

Wendt (der ihn lächelnd beobachtet): Na?

Frau Selicke (neugierig): Was denn?

Wendt (lächelnd): Ja, ja. Frau Selicke!

Frau Selicke (wie ungläubig): Ach?

Kopelke (hat das Papier unterdessen wieder sorgfältig zusammengefaltet und giebt es nun wieder an Wendt zurück. In komischem Pathos): Nee, wissen Se! Det kennen Se von mir nich verlangen! Dazu jratulieren Se sick man alleene!

Wendt (lachend, das Papier wieder einsteckend): Na, na!

Frau Selicke (zum alten Kopelke): Was denn? Was denn, Herr Kopelke?

Kopelke (zu Frau Selicke komisch): Paster! Land paster! Mit’ne Bienenzucht un ’ne lange Feife! (Wieder zu Wendt) Nee, wissen Se! Da kennen Se sagen, wat Se wollen, verstehn Se, abber for die Brieder sind Se ville zu schade!

Frau Selicke (die Hände zusammenschlagend): Aber Herr Kopelke?!

Kopelke: Ach wat! (Hat sich wieder sein Schnupftuch hervorgezogen und schneuzt sich.)

Wendt (ihm vergnügt auf die Schulter klopfend): Na, lassen Sie man! ’n hübsches Weihnachtsgeschenk bleibt’s doch! Was, Frau Selicke?

Frau Selicke (immer noch ganz erstaunt): Ach, nein! ..... wahrhaftig? Also Sie sollen jetzt wirklich Pastor werden?

Wendt: Nun ja! Und ... wie Sie sehn! Ich freue mich sogar von Herzen drüber!

Frau Selicke: Ach ja! Und Sie waren ja auch immer so fleissig! Ich habe Sie wahrhaftig manchmal recht bedauert! Wenn ich so denke, so die ganzen letzten Wochen, Tag und Nacht, immer hinter den Büchern ...

Wendt: Ach, ich bitte Sie! Was hing aber auch nicht alles davon ab? Alles! Alles! Geradezu Alles! — Und dann, was ich Ihnen noch gleich sagen muss, ich reise jetzt natürlich nicht erst Drittfeiertag, sondern schon morgen!

Frau Selicke: Schon morgen?

Wendt: Ja! Na, die Sachen sind ja schon alle so gut wie gepackt, und ... e ... aber ich vergesse ganz! (Zum alten Kopelke): Sie sprachen vorhin von Linchen?

Kopelke: Ick? Nu ja! Ick .. det heest .. ick .. e ... (sieht zu Frau Selicke hinüber).

Frau Selicke: Aber setzen Sie sich doch, Herr Kopelke! Woll’n Se sich nicht setzen? Ich mach Ihnen noch schnell ’ne Tasse Kaffee!

Kopelke (zu Wendt): Hm ... ja ... sehn Se, ick ... (Plötzlich zu Frau Selicke): ’ne Tasse Kafffe? (In sich hineinschmunzelnd, sich vergnügt die Hände reibend): Hm! ... ’ne Tasse Kafffe is jo wat sehr wat Scheenet! Wat sehr wat Scheenet! ... Abber ... Nee, Frau Selicken! Nee! Heite nich! Det verlohnt sick nich! Wahhaftijen Jott! Abber ick muss heite noch unjelogen hinten in de Druckerei! ... Se wissen ja! Det mit de ollen, deemlichen Krankenkassen! ...

Frau Selicke (nach der Küche hin): Na, denn werd’ ich wenigstens noch’n paar Kohlen unterlegen! (Mit einem Blick auf die Uhr): Toni muss ja jeden Augenblick kommen! (Verschwindet durch die Küchenthür, hinter der bald darauf Licht aufblitzt.) ’n Augenblickchen!

Kopelke (mit krummgezogenem Puckel, sich schmunzelnd die Hände reibend. Ihr nachsehend): Scheeniken! Scheeniken!

Wendt (langt seine Cigarrentasche vor): Aber ich darf Ihnen doch wenigstens ’ne Cigarre anbieten?

Kopelke: Oh! ... He! ... Na! Ick bin so frei, von Ihr jietijet Anersuchen — mbf! — Jebrauch zu machen, werther, junger Herr! Abber .. e ... (winkt Wendt zu sich heran; dieser beugt sich ein wenig zu ihm hin, Kopelke hält ihm die hohle Hand an’s Ohr) .. ick meen’ man! Ick beraube Ihnen!

Wendt: O, ich bitte Sie!

Kopelke: Na, wissen Se! So’n junger Student hat det ooch nich immer so dicke! .. Na, ick meen’ man!

Wendt: Junger Student?! Oho!

Kopelke: A so! (Blinzelt ihm zu.) Na! Ibrijens bin ick darin durchaus keen Unmensch! (Kneift sich mit den Fingernägeln die Spitze von der Cigarre und bückt sich über die Lampe). Abber .. nee, wissen Se! (Mit einem Blick zum Bett hin) Ick weer’ ihr man doch lieber draussen roochen! Se nehmen mir det doch nich iebel?

Wendt: Bewahre, Herr Kopelke! Im Gegentheil! Hier hätten Sie sie ja doch so wie so nicht rauchen können! Selbstverständlich!

Kopelke: Ja, un denn — na ja! wat ick also noch sagen wollte! ... Se mee’n, mit det Kind, mee’n Se?

Wendt: Ja! Ich ... e ... Sie können sich ja denken, wie mich das unmöglich gleichgültig lassen kann! ... Der Arzt scheint sich ja, wenigstens so viel ich darüber weiss, überhaupt nicht äussern zu wollen ...

Kopelke (klopft sich mit der Cigarre auf dem Daumen herum): Ja, wissen Se! Offen jestanden! Abber det kann ick den Mann eejentlich janich verdenken! Denn, Se könn’n sagen, wat Se wollen — ick bin man sozesagen ’n ganz eenfacher Mann, verstehn Se! Abber det kann ’k Ihn’n sagen: mit det Kind is’t retour jejangen! Schon wenn se een’n immer so anseht, verstehn Se! — wahhaft’jen Jott, abber so wat kann eenen durch un durch jehn!

Wendt (finster): Hm ... Also Sie meinen, dass wirklich Gefahr vorliegt?

Kopelke (ausweichend): Jott! det nu jrade! Det will ick nu jrade nich gesagt haben! Abber, wie det so is, verstehn Se! Et mangelt hier den Leiten an’t Neethichste, wissen Se! (Macht die Bewegung des Geldzählens). Die kennen ooch man nich immer so, wie se wollen!

Wendt (geht erregt ein paar Mal auf und ab): Ach Gott, ja! .... Na! Es wird ja mal .... anders werden!

Kopelke: Ja! Wenn eener immer ville Jeld hat, wissen Se, denn mag’t ja wol noch jehn! Ja. Det liebe Jeld! ... Nehm’n Se mir mal zun Beispiel! Ick wah ooch nich uf’n Kopp jefallen als Junge! Ick wah immer der Erste in de Schule! Wat meen’n Se woll?! .. Abber de Umstände, wissen Se! de Umstände! Et half nischt! Vater liess mir Schuster weer’n! ... Freilich, mit die Schusterei is det nu ooch nischt mehr heitzudage! Die ollen Fabriken, wissen Se! Die ollen Fabriken rujeniren den kleenen Mann! ... Sehn Se! So bin ick eejentlich, wat man so ’ne verfehlte Existenz nennt! Nu bin ick sozusagen alles un janischt! ... Ja! ... Da bring ’k mal een’n durch’n Prozess, da wird mal’n bisken jeschustert, dann mal mit de Homöopathie und denn mit det Silewettenschneidern, wie det jrade so kommt, verstehn Se! Ja! ... Freilich! Se haben alle nischt, die armen Deibels, den’n ick ....

(Die Uhr schlägt sechs.)

Wat?! Sechsen schon?! Hurrjott! ... (Wickelt sich schnell den Shawl um) ... den’n ick jeholfen hab’, meen’ ick! ... (Umhersehend): Hanschuh’n hat ick ja wol zufällig keene nich jehappt? ... Na, abber man krepelt sick so durch! (Wendt’s Hand schüttelnd): Wah mich sehr anjenehm, werther junger Herr, wah mich sehr anjenehm! ..... Dunnerwettstock, det wird ja die allerheechste Eisenbahn! (Macht ein paar eilige Schritte auf die Corridorthür zu, besinnt sich dann aber wieder und kehrt um): Na, ick kann ja denn ooch man jleich hinten rum! (Schon in der Küchenthür): Un denn, det ick det nich verjesse: Verjniegte Feierdage! Morjen frieh seh ick Ihn’ doch noch?

Wendt: O, danke, danke! Natürlich!

Kopelke: Scheeniken! Atchee! (Klinkt die Küchenthür auf.) ’n Abend, Frau Selicken!

Frau Selicke (hinter der Scene in der Küche): Was? Sie wollen schon gehn?

Kopelke (während er die Küchenthür wieder hinter sich zudrückt): Na, wat meen’n Se woll? ...

Wendt (einen Augenblick allein. Sieht sich zuerst aufathmend im Zimmer um und tritt dann vorsichtig an das Bett Linchens. Eine kleine Weile beobachtet er sie, dann klingelt es plötzlich im Corridor und er geht hastig aufmachen): Ah, endlich!

Toni (tritt ein. Sie trägt ein grosses, in ein schwarzes Tuch eingeschlagenes Bündel vor sich her. — Sie ist mittelgross, schlank, aber nicht schwächlich. Blond. Schlichter, ein wenig ernster Gesichtsausdruck. Einfaches, dunkles Kleid, langer, braungelber Herbstmantel. Schwarze, gestrickte Wollhandschuhe).

Wendt (mit ihr zugleich eintretend und nach dem Bündel fassend): Geben Sie!

Toni (abwehrend): Ach, lassen Sie ... ich kann ja ...

Wendt (nimmt ihr das Packet ab): Geben Sie doch! (Indem er es auf’s Sopha trägt). Und das haben Sie vom Alexanderplatz bis hierher getragen?

Toni (sich die Handschuhe ausziehend, nickt lächelnd. Etwas scherzhaft-wichtig): Getragen! Ja!

Wendt: Bei der ....?

Toni: Nun — ja! Es war etwas unbequem bei der Kälte! (Hat die Handschuhe auf den Tisch zwischen das Kaffeezeug gelegt und tritt nun, indem sie sich ihren Mantel aufknöpfelt, an das Bett Linchens) Sie schläft? Ach, das arme Puttelchen! (Ist wieder etwas zurückgetreten). Aber ... nein! Ich will doch erst lieber .. ich habe die Kälte noch so in den Kleidern! (Zu Wendt, der ihr jetzt behilflich ist, den Mantel abzulegen). Danke, danke schön, Herr Wendt! Wollen Sie so gut sein, da an den Nagel? (Reicht ihm auch noch ihren Hut hin und stellt sich nun an den Ofen). Ach, ist der schön!

Wendt (der ihr unterdessen Hut und Mantel an die kleine Kleiderknagge zwischen der Korridorthür und dem Wandschirm gehängt hat): Wissen Sie auch, Fräulein Toni, dass ich heute schon auf Sie gewartet habe?

Toni: Ach nein! Wirklich? Auf mich?

Wendt (hat sich, die Arme gekreuzt, mit dem Rücken gegen den Tisch, ihr gegenüber gestellt, aber so, dass das Licht der Lampe noch auf sie fällt): Ja! Und ... na? Rathen Sie mal, weshalb!

Toni (lächelnd): Ach, das rath’ ich ja doch nicht! Sagen Sie’s mir lieber!

Wendt: Ja? Soll ich’s sagen?

Toni: Ja!

Wendt (zieht sich wieder das Papier aus der Tasche und reicht es ihr): Na ... da! Lesen Sie mal!

Toni: Was denn? (Sie hat sich, noch immer am Ofen, mit dem Papier etwas gegen die Lampe gebückt und liest nun): Ah! Grade heute zum heil’gen Abend! (hat das Papier sinken lassen und sieht einen kleinen Augenblick in die Lampe. Langsam, leise): Ja! Das ist ja recht schön! Da können Sie sich recht freuen!

Wendt: Nicht wahr?

Frau Selicke (aus der Küche, deren Thür sie eben aufgemacht hat): Toni? Wo bleibst Du denn so lange? (Mit einem Blick auf das Bündel auf dem Sopha) Ach, Du hast wieder ... Armes Mädchen! ... Wart’! Ich bring Dir gleich noch ’n bischen heissen Kaffee! (Sie will wieder in die Küche zurück.)

Toni (die unterdessen das Papier auf den Tisch gelegt hat, auf sie zutretend): Mutterchen?! — Wart’ mal! ... Hier! (Man hört Geld klappern.) Eins — zwei — drei ...

Frau Selicke: Ach, Gott ja! .. Das liebe Bischen ... das wird wieder weg sein, man weiss nicht, wie!

Toni: Ist denn der Arzt dagewesen?

Frau Selicke: Ach, nein! Du weisst ja! Der alte Kopelke!

Toni: So? Was sagt er denn?

Frau Selicke: Bist Du ihm nicht unten begegnet? Er sagt ... (zuckt die Achseln) nichts Bestimmtes! Man wird ja aus keinem Menschen mehr klug! (Plötzlich) Ach Gott! Ich hab’ so eine Ahnung! Du sollst sehn: wir behalten sie nicht! (Schluchzt.)

Toni (tröstend): Ach Gott! Mutterchen! (Nach einer Weile). Ist denn der Vater noch nicht da?

Frau Selicke (wieder beruhigt): Ach, der!

Toni (abermals nach einer kleinen Pause): Und die Jungens?

Frau Selicke: I! die wollten ’n vom Komptoir abholen! Aber die treiben sich ja doch wieder auf dem Markt rum, die Schlingels! Das is ja doch die Hauptsache! Die können’s auch nich satt kriegen! ... Na, ich will nun ... Du bist ja ganz durchfroren! (Geht wieder in die Küche zurück).

Toni (die wieder zum Ofen getreten ist): Dann .... dann reisen Sie nun wohl bald?

Wendt (der unterdessen an’s Fenster getreten war und die ganze Zeit über auf den Hof hinab gesehn hatte. Er hat sich wieder umgedreht und sieht nun, sich mit den Händen hinten aufs Fensterbrett stützend, wieder zu Toni hinüber): Ja! Morgen!

Toni (leicht erschreckt): Morgen schon?

Wendt: Ja!

Toni (nach einer kleinen Pause): Ach, die Handschuhe! (Holt sie sich und tritt mit ihnen an das kleine Tischchen links, in dessen Schublade sie sie hineinthut. Lächelnd): Sehn Sie mal! Da hat er wieder den Spiegel neben’s Bauer gestellt .... Der Vogel soll denken, es is noch’n andrer da, mit dem er sich unterhalten kann .... Der Vater spricht mit dem Vogel, als wenn er ein Mensch wär’!

Wendt (ist vom Fenster weggetreten und steckt sich nun das Papier vom Tisch wieder in seine Rocktasche): Ja! ja! ...

Toni: Hm? ... Mätzchen! Mätzchen! ... Ordentlich zärtlich ist er mit ihm! Der Vater ist ein grosser Thierfreund!

Wendt (der unterdess auf sein Zimmer links im Vordergrund zugegangen ist, sieht ihr, die Hand auf der Klinke einen Augenblick lang unentschlossen zu. Zögernd): Ja! ich ....

Toni (ihn unterbrechend): Ach, sagen Sie doch! Wie spät ist’s denn? (Mit einem Blick auf den Regulator) der kann doch unmöglich richtig gehn?

Wendt (der jetzt die Thür aufgeklinkt hat): Etwas nach Sechs!

Toni: Nach Sechs? Da müsste er doch nun ... (Seufzt.)

(Wendt geht langsam in sein Zimmer. — Toni, die ihm nachgesehn hat, bleibt einen Augenblick in Gedanken stehen, seufzt und geht wieder auf den Sophatisch zu. Sie nimmt das Bündel auf den Teppich runter und knotet es auf. Frau Selicke kommt mit dem Kaffee.)

Frau Selicke: Hier! Nu trink erst! (Setzt die Kanne auf den Tisch.)

Toni (die sich vor dem geöffneten Bündel auf dem Teppich niedergekauert hat): Ja. Gleich!

Frau Selicke (hat sich leicht auf den Sophatisch gestützt und sieht ihr zu): Mäntel? ... Da kannst Du wieder die ganzen paar Feiertage sitzen! Ach ja! Du hast doch auch gar nichts von Deinem Leben!

Toni (immer noch mit dem Ordnen der Zeugstücke beschäftigt): Na! ’s ist doch wenigstens ein kleiner Nebenverdienst!

Frau Selicke (aufseufzend): Ach ja, ja!

Toni: Aber ein Leben auf den Strassen? Kaum zum Durchkommen!

Frau Selicke (nickend): Das glaub ich! ... Du wirst Dich schön haben schleppen müssen mit dem alten Bündel! Bist Du denn nich wenigstens ein Stück mit der Pferdebahn gefahren?

Toni: Ach, Alles voll! Alles voll! Da war gar nicht anzukommen!

Frau Selicke (ihr die Tasse zuschiebend): Aber Du trinkst ja gar nicht! Trink doch erst!

Toni: Ja! (Erhebt sich und schenkt sich den Kaffee ein. Ihn schlürfend, von der Tasse zu Frau Selicke aufsehend): Schön warm!

Frau Selicke: Bist Du der Mohr’n vorhin begegnet?

Toni: Ja, auf der Treppe! Sie hielt mich an!

Frau Selicke: Sie wollte mal wieder horchen? Nicht wahr?

Toni: Ja! ... Sie fing natürlich von Linchen an! Und, was wir diesmal für’n schlechtes Weihnachten durchzumachen hätten und so, na Du weisst ja!

(Sie bückt sich wieder zu ihren Mänteln.)

Frau Selicke: Nein, solche Menschen! Um was die sich nich alles kümmern!

Toni: Na, von mir bekommt sie nichts raus!

Frau Selicke: Die mögen schön über uns schwatzen! .... Solche Menschen! Die sollten sich doch lieber an ihre eigene Nase fassen! Die! Die trinkt Bier wie’n Kerl! Den richtigen Bierhusten hat sie schon! Hast Du noch nicht gemerkt?

Toni: Na, ja! Lass doch man, Mutterchen! Lass sie alle machen, was sie wollen! Sie geben uns ja doch nichts dazu! (Ist aufgestanden und steht nun, die Hände unter der Tischplatte, da.) Rück doch mal’n bischen den Tisch! Ich möchte mir da die Mäntel zurecht legen! (Frau Selicke hilft ihr.) Der Vater kann doch jetzt unmöglich mehr auf dem Komptoir sein?

Frau Selicke (hat vom Tisch wieder ihren Strickstrumpf aufgenommen und sich die Brille aufgesetzt. Vom Stuhl vor dem Bette Linchens her): I, ich dachte gar! ... Wer weiss, wo der jetzt wieder steckt!

Toni (hinter dem Tisch auf dem Sopha die Zeugstücke ordnend): Na, er wird auf dem Weihnachtsmarkt sein und ein bischen etwas einkaufen, für Linchen!

Frau Selicke: I, jawohl doch! Und .... du lieber Gott, was soll nicht alles von den paar Groschen bezahlt werden! Wer weiss übrigens, ob er diesmal so viel zu Weihnachten kriegt wie sonst! .... Er thut wenigstens so! .... Das heisst, auf den kann man sich ja nie verlassen! Der sagt einem ja nie die Wahrheit! .... Andre Männer theilen ihren Frauen alles mit und berathen sich, wie’s am besten geht, aber unsereiner wird ja für garnichts ästimirt! Der weiss ja alles besser! ... Nein, so ein trauriges Familienleben, wie bei uns .... Pass mal auf: Der hat heute wieder ein paar Pfennige Geld in der Tasche und kömmt nu vor morgen früh nich nach Hause!

Toni: Na, ich dachte gar! ... das wäre doch! ... Heute!

Frau Selicke: Na, du wirst ja sehn! Vergang’ne Nacht hat mir wieder mal von Pflaumen geträumt, und dann kann ich jedesmal Gift darauf nehmen, dass es Skandal giebt!

Toni: Ach Gott! darauf kann man doch aber nichts geben!

Frau Selicke: Na, pass auf! Meine Ahnungen trügen mich nie!

Toni: Aber wie kann man blos so abergläubisch sein, Mutterchen!

Frau Selicke: Abergläubisch? Nein, gar nicht! Ich bin garnicht abergläubisch! Aber es ist doch komisch, dass es bis jetzt jedesmal eingetroffen ist!

Toni: Ach, Mutterchen!

Frau Selicke: Nein, nein! Du sollst sehen! Ich kann mich heilig darauf verlassen! (weinerlich) Pass mal auf! Pass mal auf!

Toni: Ach siehst Du, Mutterchen! Wenn Du Dich vorher schon immer so ängstlich machst, dann ist es ja gar kein Wunder! ... Mach’s wie ich! Lass ihn kommen! Widersprich ihm mit keinem Wort! ... Lass ihn räsonniren, soviel wie er will! Einmal muss er dann doch aufhören und durch sein Räsonniren wird es ja doch nicht besser.

Frau Selicke: Ach Gott ja! Eigentlich ist’s auch wahr! Man müsste garnich drauf hören! Wenn ich nur nich so nervös wäre! Wenn ich ihn dann aber so sehe, in seinem Zustande, und er kommt dann auch noch mit seinen Ungerechtigkeiten, dann kann ich mich nich halten! ... Es ist mir rein unmöglich! .... Dann läuft mir jedesmal die Galle über!

Toni: Siehst Du! Aber grade dadurch wird es immer erst schlimm! Lass ihn schimpfen, die Augen rollen, Fäuste machen: Du musst es gar nicht beachten! Schliesslich thut er ja doch nichts! ... Siehst Du, Du musst mich nicht falsch verstehn! aber ich glaube, Du hast ihn von Anfang an nicht recht zu behandeln gewusst, Mutterchen!

Frau Selicke: Ja! ’s is auch wahr! ... Er hätte nur so eine recht resolute haben sollen!

Toni: Ach, nein! So meinte ich’s nicht! ... Ach!

Frau Selicke: Nein! ’s ist ja wirklich wahr! ... Da soll man sich nun nicht empören! ... Hier liegt das arme Kind krank, man weiss nich vor Sorgen wohin? Andre Leute freuen sich heute, und wir ... Na! und dann soll man ihm auch noch freundlich entgegenkommen? ... Das kann ich einfach nicht! Das kann ich nicht!! ....

Toni (seufzend): Aber dann würde er sicher anders sein, wenn Du Dich ein bischen zwängst, Mutterchen! ... Er ist ja im Grunde eigentlich gar nicht so schlimm, wie er thut!

Frau Selicke: Er hat mich die ganzen Jahre her zu schlecht behandelt! Ich kann mich nicht überwinden, freundlich mit ihm zu sein!

Toni: Ach ja, ja! (Kleine Pause. Holt aus dem Tischchen links ihr Nähzeug vor, setzt sich einen Stuhl an den Sophatisch und beginnt zu nähen.)

Frau Selicke: Willst Du heute noch nähen?

Toni: Ja, ein bischen!

Frau Selicke: Ach! das ist nun Heiligabend! Das sind Festtage! .... So ein trauriges Weihnachten haben wir wirklich noch nie gehabt!

Toni: Na! Eine kleine Freude macht er Linchen und den Jungens doch! Und wir Andern? Liebe Zeit! ...

Frau Selicke (gähnt): Ach, bin ich — müde! ... Nächtelang hat man kein Auge zugethan und mein Fuss thut auch wieder so weh ....

Toni: Ja! Leg Dich ein bischen hin, Mutterchen! Du strengst Dich überhaupt viel zu sehr an! Das solltest Du gar nicht!

Frau Selicke: Ja ja! Du hast eigentlich auch recht! Ich will mich ’n bischen schlafen legen! (zum Bett hin.) Ach, mein Mäuschen! (Ist aufgestanden, hat ihr Strickzeug zusammengewickelt und es mit der Brille auf den Tisch gelegt.) Heute Nacht hat man ja doch wieder keine Ruhe! Das weiss ich schon! Ach ja! ... (Gähnt. Schon in der Kammerthür.) Ja, und nun geht Herr Wendt auch schon zu den Feiertagen, und eh’ man dann wieder ’n Miether kriegt! .... Ach Gott ja! ... Na! ... (verschwindet in der Kammer.)

Toni (über ihre Arbeit gebückt, allein. Pause. Ab und zu seufzt sie. Fernes Glockengeläute, das eine Zeit lang während des Folgenden fortdauert. — Es klopft an Wendt’s Thür. Toni zuckt leicht zusammen. Dann): Herein?

Wendt (tritt ein): Störe ich?

Toni: O nein! ... Wünschen Sie etwas?

Wendt (zum Tisch tretend): Ich? ... Nein! (Sieht ihr einen Augenblick zu.) Sie arbeiten heute noch?

Toni: Ja! ’s hilft nichts! Ich muss in den Feiertagen damit fertig werden!

Wendt: In den Feiertagen? ... Mit ... mit all den Mänteln da?

Toni (lächelnd): Ja! Ein tüchtiges Stück Arbeit ist es! .. Hören Sie? Die schönen Weihnachtsglocken!

Wendt (während er sich ebenfalls einen Stuhl holt und diesen neben den Tonis stellt): Ja! Die Weihnachtsglocken! Die Weihnachtsglocken!

Toni: Hören Sie das Glockengeläute nicht gern?

Wendt: Die Berliner Glocken sind schrecklich! So eilig! So ... so ... eh! (macht eine Handbewegung.)

Toni: Wie?

Wendt: Ach! So — nervös, mein ich!

Toni: Nervös? Ach!

Wendt: Nein! Ich höre die Glocken hier nicht gern!

Toni: Sie wollen doch aber nun Pastor werden?

Wendt: Ja!

Toni: Zu Weihnachten klingen sie immer schön, find’ ich! ... Als ich noch ganz klein war, ging der Vater mit uns am ersten Feiertag Morgen in die Christmette. Ganz früh. Wir wurden dann tüchtig eingemummelt und jedes hatte ein kleines Wachsstöckchen. Das wurde in der Kirche angezündet, und wenn wir dann wieder nach Hause kamen, kriegten wir bescheert. Ich muss immer daran denken, wenn ich hier zu Weihnachten die Glocken höre! ... Freilich so schön klingen sie nicht, wie bei uns zu Hause!

(Kleine Pause. Man hört nur ein wenig stärker und näher das Geläute.)

Wendt (ein wenig erregt): Ach ja! Das ... damals ... damals waren sie ... Weihnachten war schöner damals! ... Hm! — (Beugt sich zu ihr hin, ohne sie anzusehen.) Toni! Sagen Sie mal!

Toni: Wie?

Wendt: Ich meine ... hm! Ja! Ich musste — nur eben wieder daran denken — dass ich nun morgen, morgen schon von hier fortgehe!

Toni (ohne aufzusehn): Ja! Sie bekommen ja nun — eine Stellung!

Wendt: Eine Stellung! (Sich zurücklehnend) Komme nun, sozusagen, in geordnete, bürgerliche Verhältnisse. Ja! Eine Landpfarre!

Toni: Auf’s Land kommen Sie?

Wendt: Ja, auf’s Land! Auf’s Land!

Toni: Ach, das muss Ihnen gewiss recht angenehm sein! Es hat Ihnen ja so wie so nicht mehr recht hier in der Grossstadt gefallen!

Wendt: Ja, man lernt hier so viel kennen! ... Aber nun! Landpastor also! ... Eine lange Pfeife, wie der Herr Kopelke sagt, eine Bienenzüchterei und ... und hahaha!

Toni (sieht auf): Sie sagen das so sonderbar! Sind Sie mit Ihrer Stellung nicht zufrieden?

Wendt: Ach, das ... das ist ja gleichgültig!

Toni: Gleichgültig?

Wendt: Ach, das ... Es könnte freilich — unter Umständen — recht schön sein! (Sieht Toni plötzlich voll an, diese bückt sich noch tiefer über ihre Arbeit.) Aber ich wollte ja ... Ich meinte ... (er beugt sich wieder zu ihr hin.) Alle die Mäntel müssen Sie nun also in den — Feiertagen nähen?

Toni (leise ernst): Ja! Es macht freilich so mehr Mühe mit der Hand! Aber mit der Nähmaschine geht’s jetzt nicht, wo Linchen krank ist.

(Pause.)

Ja, das wird nun ...

Wendt: Wie meinen Sie?

Toni: Zwei Jahre haben ... Sie nun ... hier gewohnt!

Wendt: Aber die Handarbeit ... das fortwährende Nähen muss doch Ihre Gesundheit sehr angreifen!

Toni (mit einem Lächeln): Ach, ich bin nicht schwächlich! Man muss nur Ausdauer und ein bischen Geduld haben.