August Strindberg
Die Inselbauern
oder
Die Leute auf Hemsö
Aus dem Schwedischen übertragen von
Emil Schering
Volksausgabe
München und Leipzig bei Georg Müller
Deutsche Originalausgabe
gleichzeitig mit der schwedischen Ausgabe
unter Mitwirkung von Emil Schering als Übersetzer
vom Dichter selbst veranstaltet
Geschützt durch die Gesetze und Verträge
Alle Rechte vorbehalten
Copyright by Georg Müller, München 1918
Gebunden in Rennersches Buntpapier
Die erste vollständige Ausgabe
Als Strindberg 1887 das Manuskript dieses Romans dem stockholmer Verleger übersandte, strich dieser vor dem Druck nicht weniger als 22 Stellen, die ihm für schwedische Magen zu kräftig erschienen, trotzdem der Dichter gegen diese Vergewaltigung protestierte. Erst nach dem Tode Strindbergs sind diese 22 Stellen aus dem Nachlasse ans Licht gekommen, aber auch jetzt noch nicht dem Romane eingefügt worden. Diese deutsche Übersetzung ist also die erste vollständige Ausgabe des Werkes.
1917
Emil Schering
Übersicht | |
| Seite | |
| [Einleitung] | |
| Das Inselmeer | [1] |
| [Erstes Kapitel] | |
| Carlsson geht in Dienst | |
| und wird für einen Schwätzer gehalten | [11] |
| [Zweites Kapitel] | |
| Sonntagsruhe und Sonntagsgeschäft; | |
| der gute Hirte und die bösen Schafe; | |
| die Schnepfen, die ihr Teil bekamen, | |
| und der Knecht, der die Kammer bekam | [27] |
| [Drittes Kapitel] | |
| Der Knecht legt den Trumpf auf den Tisch, | |
| wird Herr auf dem Hofe, | |
| duckt die jungen Hähne | |
| und tritt seine Hühner selbst | [47] |
| [Viertes Kapitel] | |
| Es poltert zur Hochzeit; | |
| die Alte wird ums Geld genommen | [81] |
| [Fünftes Kapitel] | |
| Man schlägt sich beim dritten Aufgebot, | |
| geht zum Abendmahl | |
| und hält Hochzeit, | |
| kommt aber doch nicht ins Brautbett | [113] |
| [Sechstes Kapitel] | |
| Veränderte Verhältnisse | |
| und veränderte Ansichten; | |
| die Landwirtschaft geht zurück | |
| und der Grubenbau blüht | [155] |
| [Siebentes Kapitel] | |
| Carlsson wahrträumt; | |
| der Sekretär wird bewacht, | |
| aber der Tod kommt | |
| und macht einen Strich durch alles | [177] |
Einleitung
Das Inselmeer von Stockholm, die »Schären«, aus welcher Gegend ich Scenerien und Motive für dieses Buch geholt habe, hat immer eine besondere Anziehungskraft auf mich ausgeübt. Vielleicht weil meine engere Heimat, Stockholm und Umgebung, selbst einen Teil dieser Schären bildet. Der Mälar war ja ursprünglich ein Meeresarm, der durch die Wasserläufe bei Södra Telje und Stocksund bei Stockholm in Verbindung mit dem Meere stand; die Kettenschäre, der jetzige Ritterholm, erinnerte ja durch ihren Namen an ihre älteste Natur, die einer Schäre; wie man noch bei einer Fahrt durch den Mälar mit seinen Tausenden von Inseln und Holmen an die Landschaft erinnert wird, die, eine Mischung von Land und Wasser, östlich von der schwedischen Hauptstadt sich etwa sieben Meilen ins Meer hinaus erstreckt.
Dieser ganze zerrissene Küstenstrich ruht zum allergrößten Teil auf der Urformation: Gneis, Granit und Eisenerzen; von den letzten hat man nur die von Utö reich genug gefunden, um sie zu bearbeiten. Die Granitvarietät Pegmatit tritt zuweilen in so großen Mengen aus, daß sie des Feldspats wegen gewonnen wird, den die Porzellanfabriken benutzen.
Die Abwesenheit der jüngeren Formationen, mit ihren horizontalen Lagerungen in hellen, leichten Farbentönen, verleiht der Schärenlandschaft diesen Zug von Wildheit und Düsterkeit, der die Urformation begleitet. Die Landschaftskontur wird durch die losgerissenen, rohen, unregelmäßigen
Blöcke kamm- und wogenförmig auf den Höhen; flach, höckerig, holperig, wo das Meer seine Schleifarbeit ausgeführt hat. Die partielle Schieferhaltigkeit des Gneises setzt auch die Strandklippen so der Sprengarbeit des Eises aus, daß Grotten, Höhlungen und tiefe Spalten das Wilde des Landschaftscharakters steigern; der wird dadurch niemals einförmig wie die Kalk- oder Sandsteinfalaises der französischen Nordküste.
Diese Wildheit wird jedoch jäh unterbrochen durch die reiche Erde von der Quartärperiode mit Moränenschutt und Glaciallehm, Schneckensand, Mooshumus und Tangverwandlungen; deren Fruchtbarkeit wird oft durch Abfall von den Großfischzügen der Jahrtausende, die reichen Schlamm auf den Versandungen bilden, und draußen auf den Kobben durch den Guano der Seevögel vermehrt. Auf dieser Erdschicht wachsen Kiefer und Fichte, obwohl die Gotik der Fichte der Natur den inneren Schären ihren mehr hervortretenden Charakter verleiht, während die Kiefer abgehärteter ist und ganz weit hinaus bis an den Meeresrand geht, sich auf den letzten Klippen nach dem am meisten herrschenden Wind drehend.
In den Niederungen wird der Wiesenboden besonders prachtvoll durch Anschlämmungen und Salzwasser, und die natürliche Wiese bietet eine reiche Blumenflora mit allen wilden Prachtpflanzen des mittleren Schwedens, von denen vielleicht die Orchideen und die Mehlprimel die vornehmsten sind. An den Ufern leuchten Lythrum und Lysimachia, in den Wäldern wächst die Blaubeere, auf den offenen Felsenplatten die Preiselbeere, und in den Mooren ist die Multbeere nicht selten. Tiefliegende Inseln mit besserem Boden nehmen durch den Reichtum an Laubbäumen und Büschen einen besonders lächelnden Charakter an. Die Eiche belebt
hier mit ihren weichen Linien und ihrem sehr hellen Laub die Nadelholzlandschaft. Und der Hag, diese Eigentümlichkeit des Nordens, eine Kreuzung von Wald, Unterholz und Wiese, ist vielleicht das Lieblichste, das man sehen kann, wenn unter einer Mischung von Birke und Nadelbaum die Haselbüsche eine Laube über dem Fahrweg bilden; er trägt hier den Namen »Drog«. Es sind Stücke eines englischen Parks, durch die man spaziert, bis man auf die Strandklippe mit ihren Fichten und Kiefern stößt, auf Torfmoos und die Sandniederlage der Meeresbucht mit ihrem Tanggürtel. Schiebt sich eine Bucht weiter ins Land hinein, ist sie immer von Erlen und reichen Schilfbänken schön eingefaßt.
Diese Abwechslung von Düsterm und Lächelndem, von Ärmlichem und Reichem, von Lieblichem und Wildem, vom Binnenland und Meeresküste macht Schwedens östliches Inselmeer so fesselnd. Dazu kommt, daß die meist steinigen Ufer das Wasser rein und durchsichtig halten; auch wo der Sand ins Meer hinausgeht, ist er so schwer und so rein, daß ein Badender sich nicht zu ekeln braucht, wie an der französischen Nordküste, wo ein Meerbad ein Schlammbad ist. Man entgeht hier den meisten Nachteilen des offenen Meeres und genießt die meisten Vorteile des Binnenlandes; ein Vorzug, den das östliche Inselmeer vor der zerklüfteten öden Westküste hat.
Die wilde Tierwelt weist keine Raubtiere beunruhigender Natur auf. Fuchs, Luchs, Hermelin sind die grimmigsten. Glänzende Jagdgelegenheiten bietet der Elch, der hierher geflüchtet ist und in den Sümpfen und Wäldern der größern Inseln sein Standquartier aufgeschlagen hat. Dachs, Hase, Otter, Seehund lassen auch ihr Fell, und die Hasenjagd auf der Bischofsinsel ist berühmt.
Von den Vögeln des Waldes sind Birkhuhn und Auerhuhn
sehr zahlreich, können aber von den Eingeborenen nicht gejagt werden; die haben keine Hunde der rechten Art und widmen sich ausschließlich dem Schießen von Seevögeln, am liebsten mit dem Balban; dabei wird die streichende Eider nicht geschont, die brütende dagegen sorgsam gepflegt, wenn auch das eine oder das andere Ei bei einer längeren Jagdtour Proviant liefern muß. Aus dem Holk nimmt man meist der Sägegans Eier fort, die sich geduldig als Leghenne benutzen läßt.
Das Fleisch der Eider wird gut, wenn man die fette Haut abzieht und den Vogel eine Nacht in Milch legt. Es schmeckt dann wie Renntierbraten und hat allen Trangeschmack verloren. Ebenso werden auch Sägegans, Kolbentaucher und Samtente behandelt, die recht schmackhaft sind, besonders wenn sie gleich der Ente mit Petersilie gespickt werden.
Der schlimmste Raubvogel ist der Fischadler, der unter den Hechten in dem seichten Wasser der Schilfbucht Verheerungen anrichtet. Der Seeadler ist seltener zu sehen und jagt am liebsten am offenen Meere.
Unangenehm und zuweilen gefährlich ist die häufig vorkommende Kreuzotter, die man sowohl im Blaubeerbusch wie am Strand trifft, beinahe überall, kann man sagen; und ihre Kühnheit draußen auf den äußeren Schären ist so groß, daß sie sich auf dem Schwanz erhebt und durch Hiebe Fischer hindern will, aus dem Boot zu steigen. Das Volk schont sie nicht, obgleich es glaubt, sie sauge Gift aus der Erde, und eine Ehrfurcht vor der anderswo angebeteten Natter zeigt der Schärenmann nicht.
In dieser Provinz von umflossenen Inseln lebt nun eine Bevölkerung, die man nach den Vermögensverhältnissen in
drei Klassen einteilen könnte: die Landwirtschaft treiben, meist auf den großen Inseln wohnend; die den Boden bebauen und fischen, oder die Mittelklasse; und schließlich die eigentlichen Schärenmänner, die meist vom Fischen und Jagen leben, daneben aber eine Kuh, ein Schaf, einige Hühner füttern.
Die Landwirtschaft ist dort, wo sie betrieben werden kann, durchaus nicht schlecht. Prächtiger Lehmboden gibt einen guten Weizen, und auch der kleine Bauer hat doch immer etwas Spelt zum Hausbedarf übrig. Die Salzseeweide ist berühmt, und die Butter wird ausgezeichnet von den kali- und natronhaltigen Strandgewächsen, außer denen die Kühe ja immer die grenzenlose Salzlake zur Verfügung haben. Das Fleisch des Hammels wird von dem kurzen Gras der hohen Weideufer fest und lecker, wie das französische pré-salé auf ähnlichem Boden.
Dazu kommt ein verhältnismäßig mildes Klima, das bedeutend von dem des Binnenlandes auf gleichem Breitengrad abweicht. Der Frühling kommt später, oft vierzehn Tage später als in Stockholm, so daß der Sommergast im selben Jahre zwei Male das Ausschlagen der Bäume erleben kann; und der Herbst tritt später ein, weil das Meer dann erwärmt ist und als Heizapparat dient. Einen Nachteil beim Klima der Schären hat man bemerkt; das ist der trockene Vorsommer und der regnerische Nachsommer; dadurch leidet die Säe- und Wachszeit unter Trockenheit, die Mäh- und Erntezeit unter Regen. Besonders mildes Klima hat die Gegend von Nynäs, wo der Efeu wild überwintert und der Wein oft am Spalier reift.
Für den Fischer oder den eigentlichen Schärenmann sind natürlich die Früchte des Meeres von größerer Bedeutung, und den Großfischfang bildet der Strömling, der Hering der
Ostsee; in ungeheuern Netzen wird er gefangen, die auf tiefliegendem Grund im Frühling und Herbst verankert werden. Sonst wird Hecht und Barsch im Schleppgarn gefangen, der Hecht auch mit Legangel und der Barsch im Netz. Die Flundern, die von geringerm Wert sind, werden im Netz gefangen, der Aal wird gestochen oder in die Reuse gelockt. Die Quappe wird mit einer Keule geschlagen bei durchsichtigem Eis, durch das man das schleimige häßliche Ding bemerken kann, wie es auf dem Boden liegt.
Gegenstand eines ganz besonderen Sports, der Badfischen heißt, ist der Kühling. Wenn das Wasser im Nachsommer in den Buchten erwärmt ist, kommt nämlich der Kühling in die Höhe, um zu baden, wie man es nennt. Zu dieser Zeit wird auf den Landzungen von Baumwipfeln Ausguck gehalten; wenn der Beobachter merkt, daß das Wasser sich belebt, gibt er den Kameraden ein Zeichen; die kommen nun mit ihren flachen Kähnen von beiden Landzungen, die Ruderschäfte mit wollenen Strümpfen gut umwunden, damit der Fisch nicht verscheucht wird; dann spannt man das Netz über die Mündung der Bucht, mit der Wirkung, die es haben kann.
Die Bevölkerung dieser isolierten, gut versteckten kleinen Welt, die keine regelmäßigen Verkehrsverbindungen hat, scheint in mehr als einer Hinsicht sehr gemischt zu sein. Eine beständige Auslese hat sich nämlich immer von selbst vollzogen, dergestalt, daß der intelligenteste Teil der Jugend zur Flotte, zum Lotsenamt, zum Zoll gegangen ist. Die zurückbleibenden, seßhafteren, ruhigeren Geister haben das Gewerbe der Väter fortgesetzt oder sind nach Stockholm gegangen oder haben im Innern des Landes einen Dienst gesucht;
die Schären sind kein sicherer Ort gewesen, wo man Familien und Grundbesitz begründen konnte, da das Land dem Feinde offen liegt und Besitzrecht wie Leben nicht gerade den Schutz des entfernt wohnenden Rechtspflegers genießen. Es fehlt darum jede Spur von Lokalpatriotismus, wenn auch der Einwanderer die gewöhnlichen Schwierigkeiten zu bekämpfen hat.
Nach Ortsnamen, Typen, Gewohnheiten zu urteilen, scheint dieses Inselmeer eine Art Zufluchtsort für allerlei Leute aus dem Innern des Landes gewesen zu sein, die aus der einen oder der andern Ursache die Einsamkeit aufsuchten. Eine eigentliche Mundart ist nicht zu spüren, aber eine Mischung von vielen, und viele einfache Sitten und Rechtsbegriffe aus dem Naturstadium deuten darauf, daß sich hier draußen, weit entfernt von der Gesellschaft, ungesellige, für geordnetes Zusammenleben schwer zugängliche Freiluftliebhaber oder ganz einfach praktische Gegner des geordneten Kriegsdienstes und Zollwesens zusammengefunden haben. Die Geschichten, wie gewisse Inseln erworben wurden, scheinen sich auch um Kapern, merkwürdige Seetaten, auch Privatdienste für königliche Personen zu drehen; und die Grundbücher sollen an gewissen Stellen nicht recht sicher sein, ob der Boden der Krone gehört oder zinspflichtig ist.
Andere Zeichen finden sich auch, die auf Einwanderungen oder vielleicht nur Landungen von Finnen, Esthen, Russen und dergleichen Morgenländer deuten. Besonders hegt man noch heute einen entschiedenen Widerwillen gegen die Esthen, diese Schattenfiguren, die, an sich grau, in grauen Fahrzeugen, die wie aus alten zerfallenen Planken zusammengeschlagen sind und ein Takelwerk aus geflickten Kohlensäcken haben, ausgespukt kommen. Wenn ein solcher fliegender Holländer aus einer Kobbe an Land geht, rudert der Fischer
gern hinaus und sieht nach, ob das Feuer auch gut gelöscht ist; und er appelliert lieber an die Branntweinflasche als an die Flinte solchen Vagabunden des Meeres gegenüber, von denen man, mit oder ohne Grund, annimmt, daß sie Salz nach Rußland schmuggeln.
Vermögende Schärenleute gibt es, aber viele sind der Armut nahe, und einige äußerst arm, des Winters von Salzlake, Heringsköpfen und Kartoffeln lebend. Das Gewerbe des Fischers, das dem des Spielers gleicht, erzieht nicht zur Sparsamkeit. Ein Fang macht ihn heute vermögend, und der Glaube ans Glück entsteht sofort mit seinen gefährlichen Folgen.
Vom Pfleger der Gerechtigkeit weit entfernt, hat der Schärenmann in der Notwehr sein eigenes Lynchgesetz, und aus wirtschaftlichen Gründen spricht er lieber frei, als daß er verurteilt; auch in der Hoffnung, selbst freigesprochen zu werden, wenn sein Unglück kommt. Diese Nachsicht mit den Verbrechen anderer habe ich nie schöner ausdrücken hören als damals, wie die Nachbarn erzählten, ein Mörder habe einst, als er seine Frau ertränkte, einen »Fehltritt« begangen.
Der Schärenmann ist ein Einsiedler; hat weit zum Gericht, weit zur Kirche, weit zur Schule; weit zu den Nachbarn und weit zur Stadt. Der Badeort ist sein nächster Kulturmittelpunkt; dort aber lernt er nur den Luxus kennen und beneidet Menschen, die er drei Monate Feste feiern sieht; denn die arbeitenden Mitglieder, die in der Stadt sind, sieht er nicht. In der Einsamkeit würde er Denker werden, wenn er Anleitung hätte; statt dessen wird er Phantast, und wie geschickt er in seinem Gewerbe sein kann, wie klarsehend im Alltagsleben, wird er leicht ein Raub subjektiver Wahrnehmungen, wird »fernsichtig«, ein Sonderling, wie der Küster auf Ronö; macht fehlerhafte Schlußfolgerungen, sehr
oft Ursache und Wirkung verwechselnd; z. B. wenn es sich gut fischt, nachdem das Geldstück unter den Stein gelegt worden, ist das Geldstück die mächtige Ursache. Er ist abergläubisch, und das Heidentum sitzt so tief in ihm, daß die Symbole der christlichen Kirche für ihn noch gleichbedeutend mit Beschwörungen, Besprechungen, Zauberei sind.
Die Familie baut sich selbst nach alter Sitte und den einfachen Forderungen der Natur auf, wo nicht wirtschaftliche Berechnung als Faktor mitspricht. Das Verhältnis zwischen den Geschlechtern ist ungezwungen; die Ehe wird gewöhnlich mit dem Kind geschlossen, wenn das Mädchen Wort hält und zur Gründung einer Familie geneigt ist. Ist das aber nicht der Fall, entstehen zuweilen schwere Verwicklungen, die mit dem vollständigen Verschwinden des Kindes und andern Geschichten enden können; die kommen der ganzen Welt zu Ohren, nur nicht dem Amtmann, der übrigens nichts machen kann, da er keine Zeugen findet.
Beginnen, weit entfernt von Nachbarn, die Familienbande zu zerreißen und werden starke Leidenschaften lange unterdrückt, erfolgen zuweilen unheimliche Ausbrüche der Naturkräfte; da nimmt es der an Tod und Verderben gewöhnte Schärenmann mit den Mitteln nicht so genau. Dann werden dort draußen stille Trauerspiele aufgeführt, von denen man nur Andeutungen zu hören bekommt; in einigen meiner Erzählungen habe ich davon gemunkelt. Da reißen Blutsbande entzwei, verbotene Schranken werden übersprungen; die Natur ergreift mit harter Hand, was sie kriegen kann; und für Hunger und Liebe existieren nicht mehr Rücksicht noch Gesetze.
Das Lichte, Lächelnde im Leben der Schärenleute, wenn es sich licht gestaltet, habe ich in diesem Roman »Die Inselbauern« geschildert; in den Novellen »Das Inselmeer« habe ich die Halbschatten gegeben; vielleicht kann ich später, wenn die Verhältnisse für die Literatur günstiger werden, auch die Schlagschatten geben (»Am offenen Meere«), die nicht fehlen dürfen, soll das Bild vollständig sein.
Erstes Kapitel
Carlsson geht in Dienst
und wird für einen Schwätzer gehalten
Er kam wie ein Schneegestöber eines Aprilabends und hatte eine Kruke aus schwedischem Ton an einem Hungerriemen um den Hals. Clara und Lotte waren mit dem Netzboot nach dem Badeort Dalarö gefahren, um ihn zu holen; aber es dauerte Ewigkeiten, bis sie ins Boot kamen. Sie mußten zum Kaufmann, um eine Tonne Teer zu besorgen, und zur »Aptheke«, um graue Salbe fürs Ferkel zu kaufen; und dann mußten sie auf die Post, um eine Freimarke zu holen; und dann mußten sie zu Fia Lövström, um den Hahn zu borgen, gegen ein Halbpfund dünnes Garn zum Netzbau. Und zuletzt waren sie im Gasthaus gelandet, in das Carlsson die Mädchen zu Kaffee mit Kuchen geladen hatte.
Endlich kamen sie doch ins Boot.
Carlsson wollte steuern, aber das konnte er nicht; er hatte noch nie einen Rahsegler gesehen, daher schrie er, sie sollten die Fock hissen, die gar nicht vorhanden war.
Auf der Zollbrücke standen Lotsen und Zöllner, die über das Manöver grinsten, als das Boot über Stag ging und abgetrieben wurde.
– Hör mal, du hast ein Loch im Boot! schrie ein junger Lotse durch den Wind. Stopf zu! Stopf zu!
Während Carlsson nach dem Loch guckte, hatte Clara ihn fortgestoßen und das Steuerruder genommen; und mit den
Riemen gelang es Lotte, das Boot wieder in den Wind zu bringen; mit gutem Gang segelte es dem Sunde zu.
Carlsson war ein kleiner viereckiger Wärmländer mit blauen Augen und einer Nase, die so krumm war wie ein Doppelhaken. Lebhaft, spielerisch, neugierig war er, aber vom Seewesen verstand er nichts. Er war auch nach der Insel Hemsö gerufen worden, um für Feld und Vieh zu sorgen; damit wollte sich nämlich niemand mehr befassen, seit der alte Flod aus dem Leben geschieden war und die Witwe allein auf dem Hofe saß.
Als Carlsson die Mädchen mit Fragen nach den Verhältnissen auf dem Hofe anzapfte, bekam er Antworten, wie sie die Bewohner des Inselmeers zu geben pflegen.
– Ja, das weiß ich nicht! Ja, das kann ich nicht sagen! Ja, das weiß ich wirklich nicht!
Daraus wurde er nicht klug!
Der Kahn plätscherte zwischen Holmen und Schären dahin, während die Eisente zwischen den Kobben schnatterte und im Fichtenwald der Birkhahn balzte. Über freie Wasserflächen, die »Fjärde«, und über Strömungen fuhr das Boot, bis die Nacht kam und die Sterne aufleuchteten.
Da gings auf das große Wasser hinaus, wo der Leuchtturm der »Hauptschäre« blinkte. Bald kam man an einem Stangenzeichen mit Besen vorbei, bald an einer weißen Bake, die wie ein Gespenst aussah; bald leuchteten zurückgebliebene Schneewehen wie Leinen auf der Bleiche; bald tauchten aus dem schwarzen Wasser »Netzwächter« auf, die am Kiel schrapten, wenn man darüber fuhr. Eine schlaftrunkene Mantelmöwe ward von ihrem Riff aufgescheucht und brachte Leben in Seeschwalben und Möwen; ein höllischer Lärm brach los.
Weit draußen, wo die Sterne ins Meer tauchten, leuchteten das rote und das grüne Auge eines großen Dampfers; der schleppte eine lange Reihe runder Lichter, die durch die Ventile der Kajüten schimmerten.
Alles war Carlsson neu, und er fragte nach allem; und jetzt erhielt er Antwort, und zwar so viele, daß er einsah, er war auf fremden Boden gekommen. »Er war eine Landratte«, das heißt ungefähr dasselbe, was für den Städter »Einer vom Lande« ist.
Jetzt segelte der Kahn in einen Sund und kam in Lee; man mußte das Segel reffen und rudern.
Als sie bald darauf in einen neuen Sund kamen, sahen sie ein Licht von einer Hütte leuchten, die zwischen Erlen und Kiefern lag.
– Jetzt sind wir zu Hause, sagte Clara.
Das Boot schoß in eine schmale Bucht; eine Rinne war durchs Schilf gehauen, das an den Seiten des Kahns raschelte; dieses Rascheln weckte einen Laichhecht, der sich in den Anblick einer Angelrute vertieft hatte.
Der Hund gab Laut, und eine Laterne kam oben in der Hütte in Bewegung.
Der Kahn wurde an der Landungsbrücke festgemacht, und die Ausladung begann. Das Segel wurde um die Rahe gerollt, der Mast herausgenommen, und die Stage mit den Tauen umwunden. Die Teertonne rollte man ans Land, und Kübel, Kannen, Körbe, Bündel lagen bald auf der Landungsbrücke.
Carlsson schaute sich im Halbdunkel um und erblickte lauter neue und ungewöhnliche Dinge. Vor der Landungsbrücke lag der Fischkasten mit seinem Hebespiel; an der langen Seite der Brücke lief ein Geländer, das mit Netzbojen, Fangleinen, Dregghaken, Senkern, Schnüren, Grundleinen,
Angelhaken behängt war; auf den Brückenplanken standen Strömlingstrommeln, Tröge, Wannen, Bottiche, Näpfe, Grundleinenkasten; am Brückenkopf lag ein Seeschuppen, der mit Lockvögeln behängt war: ausgestopfte Eidergänse, Sägetaucher, Langschnäbel, Trauerenten, Quakenten; unter der Dachtraufe lagen auf Haltern Segel und Masten, Riemen und Bootshaken, Schöpfkellen, Eispickel, Quappenkeulen. Und am Lande standen Pfähle, an denen Strömlingsnetze trockneten, so groß wie die größten Kirchenfenster; Flundernetze mit Maschen, durch die man den Arm stecken konnte; Barschgarn, neu geknüpft und weiß wie die feinsten Schlittennetze; doch von der Brücke geradeaus zogen sich zwei Reihen Gabelstangen wie eine Gutsallee, und an denen hingen die großen Zugnetze.
Vom höchsten Ende des Ganges kam jetzt die Laterne und warf ihren Schein auf den Sandweg, auf dem Muschelschalen und getrocknete Fischkiemen glitzerten, während in den Zugnetzen zurückgebliebene Strömlingsschuppen wie Reif an Spinngewebe blinkten. Aber die Laterne beleuchtete auch das Gesicht einer älteren Frau, das vom Wind gedörrt zu sein schien, und ein Paar kleiner freundlicher Augen, die beim Herdfeuer zusammengeschrumpft waren. Vor der Alten her sprang der Hund, ein zottiger Köter, der ebenso gut auf See wie auf Land zu Hause sein mochte.
– Nun, seid ihr da, Mädchen, grüßte die Alte, und habt ihr den Burschen bei euch?
– Ja, da sind wir, und hier ist Carlsson, wie Ihr seht, Tante! antwortete Clara.
Die Alte wischte ihre rechte Hand an der Schürze ab und reichte sie dem Knecht.
– Willkommen, Carlsson; mögt Ihr Euch bei uns heimisch fühlen!
– Habt ihr Kaffee und Zucker mitgebracht, Mädchen? Sind die Segel im Schuppen? Dann kommt hinauf, ich werde euch etwas zu essen geben.
Alle vier gingen die Höhe hinauf; Carlsson still, neugierig, voller Erwartung, wie sein Leben sich in der neuen Stellung gestalten würde.
Drinnen in der Stube brannte Feuer im Ofen; auf dem weißen Klapptisch lag eine reine Decke; auf der Decke stand eine Flasche Branntwein, in der Mitte wie ein Stundenglas zusammengeschnürt; rings herum Tassen aus schwedischem Porzellan, auf denen Rosen und Vergißmeinnicht abgebildet waren; ein frischgebackenes Brot, gedörrter Zwieback, ein Teller mit Butter, Zuckerdose und Sahnenkanne vervollständigten den Tisch. Carlsson fand ihn reicher, als er von dieser gottverlassenen Gegend erwartet hatte.
Aber auch die Stube selbst sah nicht übel aus, als er sie im flammenden Schein des Herdfeuers musterte; das kreuzte sich mit dem Talglicht des Messingleuchters, schien in der etwas unreinen Politur des Mahagonisekretärs wider, spiegelte sich in dem lackierten Gehäuse und dem Messingpendel der Wanduhr, funkelte auf den Silbereinlagen der damascierten Läufe der Vogelflinten, hob die vergoldeten Buchstaben auf den Rücken der Postillen, Gesangbücher, Kalender, Bauernregeln hervor.
– Tretet näher, Carlsson, lud ihn die Alte ein.
Carlsson war ein Kind der neuen Zeit und lief wirklich nicht in die Scheune hinaus, sondern trat sofort näher und setzte sich auf ein Banksofa, während die Mädchen seinen
Kasten in die Küche schafften, die auf der andern Seite des Flurs lag.
Die Alte hakte den Kaffeekessel ab und legte die Klärhaut hinein; hakte ihn wieder an und ließ ihn noch etwas kochen. Dann erneuerte sie die Einladung, dieses Mal mit dem Zusatz, Carlsson möge sich an den Tisch setzen.
Der Knecht setzte sich und drehte die Mütze zwischen den Fingern. Er paßte auf, wie der Wind wehte, um seine Segel danach zu richten. Er hatte offenbar die feste Absicht, sich mit den Maßgebenden gut zu stellen; da er aber noch nicht wußte, ob die Alte mit sich reden ließ, wagte er es nicht, seinem Mundwerk freien Lauf zu lassen, ehe er nicht wußte, wo das Land lag.
– Das ist aber ein feiner Sekretär, begann er und befühlte die Messingrosetten.
– Hm! sagte die Alte, es ist aber nicht viel darin.
– Oho, das weiß ich wohl, schmeichelte Carlsson und bohrte den kleinen Finger in das Schlüsselloch der Klappe; darin ist genug!
– Ja, einst war wohl ein Stück Geld darin, als wir ihn von der Auktion nach Hause brachten; dann aber mußte der Flod in die Erde, und Gustav mußte Soldat spielen, und seitdem ist keine rechte Ordnung auf dem Hof gewesen. Und dann wurde das neue Haus gebaut, das keinen Nutzen bringt. So kam eins zum andern. Aber nehmt Zucker, Carlsson, und trinkt eine Tasse Kaffee.
– Soll ich damit anfangen? sperrte sich der Knecht.
– Ja, da noch niemand zu Hause ist, antwortete die Alte. Der verwünschte Junge ist auf der See, mit der Flinte; und den Norman nimmt er immer mit; so wird keine ordentliche Arbeit geleistet. Wenn sie nur fort kommen und einen Vogel jagen können, lassen sie Viehzucht und Fischerei zu Grunde
gehen. Das ist die Ursache, weshalb ich Euch herkommen ließ, Carlsson, damit Ihr nach dem Rechten schaut. Darum sollt Ihr Euch gewissermaßen für etwas mehr halten und ein Auge auf die Burschen haben. Wollt Ihr nicht einen Zwieback nehmen, Carlsson?
– Ja, Tante, soll ich gewissermaßen etwas mehr sein, damit die Andern auf mich hören, dann muß auch eine bestimmte Ordnung gelten. Dann muß ich an Tante einen Rückhalt haben, denn ich weiß, wie es geht, wenn man sich mit den Burschen duzt und gemein macht.
So gewann Carlsson das Land, als er wußte, wo es lag.
– Was das Seegeschäft anlangt, fuhr er fort, da mische ich mich nicht hinein; das kenne ich nicht, aber auf dem Lande, da weiß ich Bescheid, und da will ich Herr sein.
– Ja, das werden wir morgen regeln; dann haben wir Sonntag und können bei Tageslicht alles besprechen. Nun noch eine halbe, Carlsson, dann könnt Ihr Euch schlafen legen.
Die Alte goß zum zweiten Male Kaffee ein, und Carlsson nahm das Stundenglas, um die Tasse mehr als dreiviertel zu füllen. Nachdem er die Mischung hinuntergeschlürft hatte, fühlte er große Lust, das fallen gelassene Gespräch, das ihn äußerst angenehm berührt hatte, wieder aufzunehmen. Aber die Alte war aufgestanden, um sich am Herd zu schaffen zu machen; die Mädchen liefen aus und ein; der Köter gab Laut auf dem Hofe und lenkte die Aufmerksamkeit ab.
– Da haben wir die Burschen, sagte die Alte.
Draußen erklangen Stimmen, Absatzeisen klirrten auf den Steinen, und durch die Balsaminen im Fenster sah Carlsson draußen im Mondschein die Gestalten zweier Männer, die eine Flinte auf der Schulter und eine Tracht auf dem Rücken hatten.
Der Köter bellte im Flur, und gleich darauf ward die Tür geöffnet. Herein trat der Sohn in Wasserstiefeln und Jagdjoppe. Mit dem sichern Stolz des glücklichen Jägers schleuderte er Jagdtasche und ein Bündel Eider auf den Tisch an der Tür.
– Guten Abend, Mutter, da hast du Fleisch! grüßte er, ohne den Kömmling zu bemerken.
– Guten Abend, Gustav! Ihr seid lange fort gewesen, grüßte die Mutter zurück, während sie unwillkürlich einen zufriedenen Blick auf die prachtvollen Eider warf; mit dem kohlschwarzen und kreideweißen Gefieder, der rosenroten Brust und dem seegrünen Nacken. Ihr habt gute Beute gemacht, sehe ich. Hier haben wir Carlsson, den wir erwarteten!
Der Sohn warf einen forschenden Blick aus seinen kleinen, scharfen Augen, die von hellroten Wimpern halb verborgen waren, und änderte sofort sein Gesicht: offen war es gewesen, und schüchtern wurde es.
– Guten Abend, Carlsson, sagte er kurz und scheu.
– Guten Abend, antwortete der Knecht, indem er einen unbefangenen Ton anschlug, bereit, den Überlegenen zu spielen, sobald er über den jungen Mann im Klaren war.
Gustav nahm den Platz auf dem Hochsitz ein, stützte sich mit dem Ellbogen aufs Fensterbrett und ließ sich von der Mutter eine Tasse Kaffee einschenken, in die er sofort Branntwein goß. Während er trank, betrachtete er Carlsson heimlich.
Der hatte die Vögel genommen und untersuchte sie.
– Das sind prächtige Tiere, sagte er und kniff sie in die Brust, um zu fühlen, ob sie fett seien. Er ist ein guter Schütze, sehe ich, der Schuß sitzt an der rechten Stelle.
Gustav antwortete mit einem listigen Grinsen; er hörte sofort, daß der Knecht nichts vom Weidwerk verstand, da
er Schüsse lobte, die in den Brustfedern saßen und die Eider zu Lockvögeln untauglich machten.
Carlsson aber schwatzte unverzagt weiter, lobte die Taschen aus Seehundsfell, pries die Flinte, machte sich so klein wie möglich; stellte sich in Seesachen noch unwissender, als er wirklich war.
– Wo hast du Norman gelassen? fragte die Alte, die schläfrig wurde.
– Er bringt nur die Sachen in den Schuppen, antwortete Gustav; er kommt gleich.
– Rundqvist hat sich schon niedergelegt. Es ist auch Zeit, und Ihr müßt müde sein, Carlsson, da Ihr lange unterwegs gewesen seid. Ich will Euch zeigen, wo Ihr liegen sollt, wenn Ihr mitkommt.
Carlsson wäre gern geblieben, um das Stundenglas auslaufen zu sehen; aber der Wink war so deutlich, daß er die Geduld der Wirtin nicht länger auf die Probe zu stellen wagte.
Die Alte ging mit ihm in die Küche hinaus.
Gleich kam sie aber zum Sohn zurück, der sofort seinen freimütigen Ausdruck wieder annahm.
– Nun, wie findest du ihn? fragte die Alte; er sieht ordentlich und willig aus.
– Nein, nein! antwortete Gustav gedehnt. Trau ihm nicht, Mutter; er schwatzt nur Unsinn!
– Was du sagst! Er kann doch wohl ordentlich sein, wenn er auch ein Mundwerk hat.
– Glaub mir, Mutter, das ist ein Schwätzer; mit dem werden wir uns zu schleppen haben, bis wir ihn wieder los werden. Aber das macht nichts; er soll schon arbeiten fürs Essen, und mir soll er nicht zu nahe kommen. Du glaubst
allerdings nie, was ich sage, aber du wirst schon sehen! Wirst schon sehen. Nachher reut es dich, wenn’s zu spät ist! Wie wars mit dem alten Rundqvist? Der hatte auch ein tüchtiges Mundwerk, aber sein Rücken war schwach; wir haben uns mit ihm schleppen müssen, und jetzt werden wir ihn füttern, bis er stirbt. Solche Schwätzer sind nur bei der Schüssel groß, das kannst du mir glauben!
– Du bist wie dein Vater, Gustav; traust den Leuten nichts Gutes zu und verlangst dann unvernünftig viel! Der Rundqvist ist kein Seemann, sondern auch vom Lande; aber er kann vieles, was andere nicht können. Und Seeleute kriegen wir nicht mehr; die gehen zur Flotte, zum Zoll oder werden Lotsen. Nur Leute vom Lande kriegt man. Siehst du, man nimmt, was man bekommt.
– Das weiß ich wohl, daß keiner mehr Knecht sein will! Alle suchen Staatsdienst, und hier draußen auf den Inseln sammelt sich aller Abfall vom Festland. Ordentliches Volk kommt nicht in die Schären hinaus; es muß denn besondere Ursachen haben. Darum sage ich noch ein Mal: Halt die Augen offen!
– Du, Gustav, solltest die Augen offen halten, gab die Alte zurück, um dein Hab und Gut in Ordnung zu bringen. Einst wird es ja deins! Du solltest zu Hause bleiben und nicht immer auf der See herumliegen; zum mindesten die Leute nicht von der Arbeit abhalten.
Gustav rupfte eine Eider und antwortete:
– Ei, Mutter, du liebst es doch auch, wenn Braten auf den Tisch kommt, nachdem es den ganzen Winter über eingesalzenes Schweinefleisch und gedörrten Fisch gegeben hat; du mußt also nicht so sprechen. Übrigens gehe ich nicht in den Krug, und etwas muß der Mensch doch zu seinem Vergnügen haben. Essen haben wir ja genug, und etwas Geld
auf der Bank auch, und verfaulen tut der Hof nicht; will er brennen, so mag er; er ist ja versichert.
– Verfaulen wird der Hof nicht, das weiß ich wohl, aber alles Andere geht entzwei. Die Feldzäune müssen ausgebessert werden, die Gräben gereinigt werden. Das Stalldach ist so morsch, daß es aufs Vieh regnet. Nicht eine Brücke ist heil, die Boote sind zerbrechlich wie Zunder, die Netze müssen geflickt, der Milchkeller gedeckt werden. Und so weiter. Da ist so vieles, das gemacht werden müßte, aber nie gemacht wird. Jetzt aber wollen wir mal sehen, ob es nicht doch gemacht werden kann, nachdem wir einen Knecht eigens dafür angenommen haben. Es wird sich ja herausstellen, ob Carlsson nicht der rechte Mann dafür ist.
– Dann laß ihn nur machen! schnauzte Gustav, indem er mit der Hand durch das kurzgeschorene Haar fuhr, daß es wie Stacheln in die Höhe stand. Da ist Norman! Komm und trink eine Halbe, Norman!
Norman, klein, breit, hellblond, mit keimendem Schnurrbart und blauen Augen, trat in die Stube und ließ sich bei seinem Jagdgenossen nieder, nachdem er die Alte gegrüßt.
Die beiden Helden zogen ihre Tonpfeifen aus den Westentaschen und stopften sie mit »Schwarzem Anker«. Dann gingen sie nach Jägerart, bei einer Halben Kaffee mit Branntwein, alle ihre Heldentaten draußen am offenen Meere durch; Schuß für Schuß. Die Vögel wurden untersucht, die Finger in die Schußwunde gebohrt, die Hagelkörner gezählt, unentschiedene Treffer erörtert. Schließlich entwarfen sie Pläne zu neuen Ausflügen.
Inzwischen war Carlsson in die Küche hinausgekommen, um sein Nachtlager aufzusuchen.
Die Küche war eine Firststube und sah wie eine mit dem Kiel nach oben gekehrte Schute aus, die auf der Ladung schwamm. Die Ladung bestand aus allen möglichen Gütern. Hoch oben unter dem berußten Dachfirst hingen Garn und Fischgeräte an den Balken; darunter waren Bretter und Bootsplanken zum Trocknen verstaut; Flachs und Hanfsträhne, Dregganker, Schmiedeeisen, Zwiebelbündel, Talglichter, Mundvorratskasten; aus einem Querbalken lag eine lange Reihe frisch ausgestopfter Lockvögel; über einen andern waren Schaffelle geworfen; von einem dritten baumelten Wasserstiefel, Unterjacken, Hemden, Strümpfe; und zwischen den Balken liefen Spieße mit Lochbroten, Stöcke mit Aalhäuten, Stangen mit Grundschnüren und Angelhaken.
Am Giebelfenster stand der Eßtisch aus rohem Holz; an den Wänden standen drei Ausziehsofas, die mit reinen, aber groben Laken gebettet waren.
In einem davon hatte die Alte Carlsson einen Platz angewiesen. Als sie sich mit dem Licht entfernte, ließ sie den Kömmling im Halbdunkel, das nur schwach von der Herdglut und einem kurzen Mondstreifen erleuchtet wurde. Der Mond zeichnete Pfosten und Sprossen des Fensters auf den Boden. Aus Gründen der Schamhaftigkeit wurde beim Schlafengehen kein Licht angesteckt; denn die Mädchen hatten auch ihre Schlafplätze in der Küche.
So entkleidete sich Carlsson im Halbdunkel. Er legte Rock und Stiefel ab; dann holte er die Uhr aus der Westentasche, um sie beim Schein des Herdfeuers aufzuziehen. Er hatte den Schlüssel ins Loch gesteckt und begann ihn mit etwas ungewohnter Hand zu drehen; die Uhr ging nämlich nur an Sonntagen und bei feierlichen Gelegenheiten; da erklang aus den Bettdecken eine tiefe, brummende Stimme:
– Nein, hat er auch eine Uhr!
Carlsson fuhr zusammen, sah hin und bemerkte im Glutschein einen zottigen Kopf mit einem Paar blinzender Augen, der sich auf zwei Arme stützte.
– Gehts dich was an? erwiderte er, um die Antwort nicht schuldig zu bleiben.
– Gehts an, dann läutet man in der Kirche, obgleich ich nie hineinkomme! antwortete der Kopf.
– Obgleich? O gleich gieße ich dir einen Eimer Wasser über den Kopf, gab Carlsson zurück.
– Das ist nicht so dumm geantwortet, stammelte der Andere. Das ist jedenfalls ein feiner Mann: er hat ja Saffian an den Stiefelschäften.
– Das will ich meinen; und Galoschen hat er auch, wenn’s darauf ankommt!
– Nein, hat er auch Galoschen; dann kann er sicher auch einen Schluck spendieren!
– Ja, das kann er auch, wenn’s sein muß, antwortete Carlsson bestimmt und holte seine Tonkruke. Bitte!
Er zog den Kork heraus, trank einen Schluck und reichte die Kruke hinüber.
– Gott segne ihn; ich glaube wirklich, das ist Branntwein. Dann: Gutjahr und Willkommen! Jetzt sage ich du zu dir, Carlsson, und du nennst mich den närrischen Rundqvist, denn so heiße ich meistens.
Und dann kroch er wieder unter die Decke.
Carlsson entkleidete sich und kroch ins Bett, nachdem er seine Uhr am Salzfaß aufgehängt und die Stiefel mitten ins Zimmer gestellt hatte, damit die roten Saffianzwickel recht zu sehen waren.
Es war still in der Küche und nur Rundqvist hörte man schnarchen am Herd.
Carlsson lag wach und dachte an die Zukunft. Wie ein
Nagel saß ihm das Wort der Alten im Kopfe, daß er etwas mehr als die Andern sein solle, um die Wirtschaft in die Höhe zu bringen. Um den Nagel schmerzte und schwärte es; es war, als habe er ein Gewächs im Kopf. Er dachte an den Mahagonisekretär, an die roten Haare und mißtrauischen Augen des Sohnes. Er sah sich mit einem großen Schlüsselbund herumlaufen, mit dem er in der Hosentasche klapperte; da kommt einer und bittet um Geld; er hebt das Schurzfell, schüttelt das rechte Bein, steckt die Hand in die Tasche und fühlt die Schlüssel gegen den Schenkel; dann zupft er am Bund, wie man Werg auszieht, und als er den kleinsten Schlüssel, der in die Klappe paßt, gefunden hat, steckt er den ins Schlüsselloch, ganz wie er’s heute Abend mit dem kleinen Finger getan hatte; aber das Schlüsselloch, das wie ein Auge mit einem Augapfel ausgesehen, wird rund, groß und schwarz wie eine Flintenmündung, und über dem andern Ende des Laufes sieht er das rote Fischauge des Sohnes scharf und tückisch zielen, als wolle der sein Geld verteidigen.
Die Küchentür ging, und Carlsson wurde aus seinem Halbschlummer gerissen. Mitten im Zimmer, wohin die Mondscheiben gerückt waren, standen zwei weißgekleidete Gestalten, um gleich darauf in ein Bett unterzutauchen; das gewaltig knarrte, wie wenn ein Boot gegen eine schwankende Landungsbrücke stößt. Dann ward es in den Laken lebendig und kicherte, bis es still wurde.
– Gute Nacht, Mädchen, erklang Rundqvists erlöschende Stimme. Träumt von mir!
– Daran ist uns allerdings sehr gelegen, antwortete Lotte.
– Still, antworte dem Scheusal nicht, warnte Clara.
– Ihr seid ... so ... nett! Wenn ich nur auch so ... nett
... sein könnte wie ihr! seufzte Rundqvist. Ja, Herr Gott, man wird alt; dann kann man seinen Willen nicht mehr kriegen, und dann ist das Leben nichts mehr wert. Gute Nacht, Kinder, und hütet euch vor Carlsson: der hat Uhr und Saffianstiefel! ... Ja, Carlsson, der ist glücklich! Das Glück das kommt, das Glück das fliegt, o glücklich, wer das Mädchen kriegt! ... Was habt ihr dort in euerm Bett zu kichern, Mädchen! ... Hör mal, Carlsson, kann ich nicht noch einen Schluck haben? Es ist so furchtbar kalt hier hinten; es zieht vom Herd her.
– Nein, jetzt kriegst du nichts mehr, denn nun will ich schlafen, schnauzte Carlsson, in seinen Zukunftsträumen, in denen weder Wein noch Mädchen vorkamen, gestört und bereits mit seiner Stellung als Großknecht vertraut.
Es wurde wieder still. Nur dumpfe Laute von den Geschichten der Jäger drangen durch die beiden Türen; und der Nachtwind rüttelte an der Ofenklappe.
Carlsson schloß wieder die Augen. Im Schlummer hörte er Lottes halblaute Stimme etwas auswendig hersagen, das er zuerst nicht verstehen konnte, sondern wie ein einziger langer Salm klang; schließlich unterschied er:
– Undführeunsnicht – inversuchung, sondernerlöseunsvondemübel, denndeinistdasreich, unddiemachtunddieherrlichkeit inewigkeitamen. Gute Nacht, Clara! Schlaf gut!
Und nach einem Weilchen schnarchte es im Bett der Mädchen. Rundqvist aber sägte, daß die Fenster zitterten, ob nun aus Scherz oder Ernst. Aber Carlsson lag halbwach und wußte selbst nicht, ob er wachte oder schlief.
Da hob sich seine Decke und ein fleischiger, schweißiger Körper kroch an seine Seite.
– Es ist nur Norman! hörte er eine schöntuende Stimme
neben sich. Da wußte er, es war der Knecht, der sein Bettgenosse sein sollte.
– Aha, der Schütze ist heimgekehrt, knarrte Rundqvists rostiger Baß. Ich dachte, es sei der Teufel, der am Sonnabend draußen geschossen.
– Du kannst ja gar nicht schießen, Rundqvist; du hast ja keine Flinte, schnauzte Norman.
– Kann ich nicht? gab der Alte zurück, um das letzte Wort zu haben. Ich kann Schwarzstare mit der Büchse schießen, und zwar zwischen den Laken ...
– Habt ihr das Feuer gelöscht? unterbrach ihn die freundliche Stimme der Alten, die aus dem Flur zur Tür hereinguckte.
– Jawohl, antwortete man im Chor.
– Dann gute Nacht!
– Gute Nacht, Tante!
Einige lange Seufzer wurden ausgestoßen, dann wurde gepustet, geschnaubt, gekeucht, bis das Schnarchen im Gang war.
Aber Carlsson lag noch eine Weile halb wach und zählte die Fensterscheiben, um einen Wahrtraum zu haben.
Zweites Kapitel
Sonntagsruhe und Sonntagsgeschäft; der gute Hirte
und die bösen Schafe; die Schnepfen, die ihr Teil bekamen
und der Knecht, der die Kammer bekam
Als Carlsson am Sonntagsmorgen beim Hahnenschrei erwachte, waren alle Betten leer, und die Mädchen standen im Unterrock am Herde, während die Sonne voll und blendend in die Küche schien.
Carlsson fuhr schnell in die Hosen und ging hinaus, um sich zu waschen. Da saß bereits der junge Norman auf einem Strömlingsfaß und ließ sich von dem allkundigen Rundqvist die Haare schneiden. Rundqvist hatte ein reines Vorhemd angezogen, das so groß wie eine Tageszeitung war, und seine besten Stiefel hatte er auch an.
Bei einem eisernen Kochtopf, der seine Füße verloren hatte und deshalb Waschschüssel geworden war, mußte Carlsson mit einem Häuflein grüner Seife seine Sonntagswaschung vornehmen.
Im Stubenfenster zeigte sich Gustavs sommersprossiges Gesicht eingeseift; vor einem Stück Spiegel, das unter dem Namen »Sonntagsgucker« bekannt war, fuhr er mit dem im Sonnenschein blitzenden Rasiermesser unter furchtbaren Grimassen hin und her.
– Geht ihr heute in die Kirche? fragte Carlsson zum Morgengruß.
– Nein, wir kommen nicht so oft ins Gotteshaus, antwortete
Rundqvist. Wir haben zwei Rudermeilen hin und ebensoviele zurück, und man muß den Ruhetag nicht mit unnützer Arbeit entheiligen.
Lotte kam heraus, um Kartoffel zu waschen, während Clara nach dem Vorratsschuppen ging, um aus dem Winterfaß gesalzene Fische zu holen. In diesem sogenannten »Familiengrabe« waren alle kleinen Fische, die im Netz oder Fischkasten getötet waren und nicht aufbewahrt werden konnten, eingesalzen, durcheinander, ohne Ansehen der Person, um für den täglichen Bedarf des Hauses zu dienen. Da lagen blasse Plötze Seite an Seite neben roten Rotaugen; Blicken, Kaulbarsche, Seehasen, Barsche, kleine Brathechte, Schollen, Schleie, Quappen, Maränen. Alle hatten einen Schaden: eine zerfetzte Kieme, ein ausgehacktes Auge; einen Hieb im Rücken, der von einer Fischgabel herrührte; andere hatten einen Fußtritt auf den Bauch erhalten; und so weiter.
Clara nahm einige Hände voll, wusch das meiste Salz aus und tat die Gesellschaft in den Kochtopf.
Während das Frühstück auf dem Feuer stand, hatte Carlsson sich angekleidet und machte nun einen Rundgang, um sich den Hof anzusehen.
Das Haus, das eigentlich aus zweien zusammengebaut war, lag auf einer Anhöhe am südlichen und innern Ende der langen, ziemlich seichten Bucht einer freien Meeresfläche. Diese Bucht schnitt so tief ins Land, daß man das große Meer nicht sah, sondern glauben konnte, man sei an einem kleinen Binnensee im Innern des Landes. Die Hänge der Höhe senkten sich zu einem Tal nieder mit Weidegründen, Wiesen, Hagen, die mit Laubwald, Birke, Eiche, Erle, eingefaßt waren. Die nördliche Seite der Bucht war durch eine mit Fichtenwald bewachsene Höhe gegen die kalten Winde geschützt, und die südlichen Teile der Insel bestanden aus Kiefergehölzen, Birkenhagen,
Mooren, Sümpfen; zwischen denen war ein Stück Acker hier und dort angelegt.
Auf der Höhe stand neben dem Wohnungshaus der Vorratsschuppen; ein Stück davon lag das neue Haus, die »Großstuga«, ein rotes ziemlich großes Blockhaus mit Ziegeldach. Der alte Flod hatte es sich fürs Altenteil errichtet; jetzt stand es unbewohnt, weil die Alte allein dort nicht hausen wollte; auch unnötig viele Feuerstätten dem Walde zu sehr zugesetzt hätten.
Weiterhin, dem Hage zu, lagen Viehstall und Scheune; in einem Gehölz stattlicher Eichen hatten Darrstube und Keller ihre schattigen Plätze; und ganz hinten an der südlichen Wiese war das Dach einer verfallenen Schmiede zu sehen.
Unten, am innern Ende der Bucht, standen die Seeschuppen bis an die Landungsbrücke; dort war auch der Hafen für die Boote.
Ohne die Schönheiten der Landschaft zu bewundern, war Carlsson doch von dem Ganzen angenehm überrascht. Die fischreiche Bucht, die ebenen Wiesen, die vor Winden geschützten und gerade richtig abfallenden Felder, der dichte Hochwald, die schönen Nutzhölzer in den Hagen: alles versprach guten Ertrag, wenn nur eine starke Hand die Kräfte in Bewegung setzte und die vergrabenen Schätze ans Tageslicht brachte.
Nachdem er hierhin und dorthin geschlendert, wurde er in seinen Betrachtungen durch ein schallendes »Halloh« unterbrochen, das vom Vorbau ausging, von Buchten und Feldern widerhallte und gleich darauf von Scheune, Hag und Schmiede im selben Tone beantwortet wurde.
Es war Clara, die zum Frühstück rief.
Bald saßen die vier Männer um den Küchentisch, auf dem frischgekochte Kartoffeln, gesalzener Fisch, Butter, Roggenbrot
und, da es Sonntag war, Branntwein stand. Die Alte ging umher und forderte die Männer auf, zuzulangen; auch warf sie dann und wann ein Auge auf den Herd, wo jetzt für Hühner und Ferkel gekocht wurde.
Carlsson hatte an der oberen Schmalseite des Tisches Platz genommen, Gustav die eine, Rundqvist die andere Breitseite, Norman die untere Schmalseite gewählt; man wußte eigentlich nicht, wer den Ehrenplatz hatte, sondern glaubte die vier Sprecher eines Ausschusses vor sich zu haben. Doch führte Carlsson das Wort, und seine Aussprüche betonte er, indem er mit der Gabel auf den Tisch stieß. Er sprach von Landwirtschaft und Viehzucht; aber Gustav antwortete entweder überhaupt nicht oder mit Fischfang und Jagd. Norman unterstützte ihn dabei, und Rundqvist spielte den unparteiischen Sonderer; warf dann und wann einen Scheit ins Feuer, damit kein Friede aufkam; blies die Flamme an, wenn sie erlöschen wollte; stichelte nach rechts und stichelte nach links; bewies der Gesellschaft, daß sie alle gleich dumm und unwissend seien, daß er allein den Verstand gepachtet habe.
Gustav antwortete Carlsson niemals direkt, sondern wandte sich immer an einen Nachbar; Carlsson sah ein, daß er von ihm keine Freundschaft zu erwarten habe.
Norman, der Jüngste, vergewisserte sich erst immer, daß er am Hausherrn einen Rückhalt hatte; nach dem sich zu richten, war immer das Sicherste.
– Ferkel aufziehen, wenn man keine Milch hat, das lohnt nicht, lehrte Carlsson; und Milch kann man nicht bekommen, ohne daß man Klee in die Herbstsaat säet. In der Landwirtschaft muß Kreislauf sein; eines muß auf das Andere folgen.
– Das ist ganz wie beim Fischen, nicht wahr, Norman, wandte sich Gustav an seinen Nachbar. Man kann nicht die Strömlingsnetze setzen, ehe nicht die Schollen aufgehört haben;
und man kriegt keine Schollen, ehe der Hecht nicht gelaicht hat. Das eine folgt aufs andere, und wenn man das Eine fahren läßt, fängt das Andere an. Ist es vielleicht nicht so, Norman?
Norman stimmte ohne Widerstreben bei und wiederholte zur Sicherheit den Endreim, als er merkte, daß Carlsson zurückschlagen wollte:
– Ja, so ist es: das Eine fängt an, wenn man das Andere fahren läßt.
– Wer läßt einen fahren? rief Rundqvist dazwischen, der die gute Gelegenheit nicht vorbeigehen ließ.
Carlsson, der den Schwanz eines Rotauges zwischen den Zähnen hatte, machte heftige Gebärden mit den Armen, um das Gespräch wieder nach seiner Seite zu wenden. Ins Grinsen der Andern aber mußte er einstimmen, obwohl sie mehr aus Schadenfreude grinsten, daß die Landwirtschaft beiseite geschoben wurde, als über den billigen Witz.
Von seinem Erfolg ermuntert, machte Rundqvist Variationen über das glücklich gefundene Thema; ein ernstes Wort fand keinen Zuhörer mehr.
Als das Frühstück zu Ende war, kam die Alte und bat Carlsson und Gustav, mit ihr nach dem Viehstall und auf die Felder zu gehen, um über die Verteilung der Arbeit zu sprechen und zu beraten, was zu tun sei, um den Hof in bessern Stand zu bringen. Danach würden sich alle in der Stube versammeln, um die Predigt zu lesen.
Rundqvist legte sich beim Herd aufs Holzsofa und steckte sich eine Pfeife an. Norman nahm seine Handharmonika und setzte sich in den Vorbau, während die andern nach dem Viehstall gingen.
Carlsson fand mit einer gewissen Befriedigung seine schlimmsten Befürchtungen übertroffen. Zwölf Kühe lagen auf den Knien und fraßen Moos und Stroh, da das Futter zu Ende war. Jeder Versuch, sie aufzurichten, war unmöglich; nachdem Carlsson und Gustav sie auf die Beine zu bringen versucht, indem sie ihnen eine Bohle unter den Bauch schoben, überließ man sie vorläufig ihrem Schicksal.
Carlsson schüttelte bedenklich den Kopf, wie ein Arzt, der ein Sterbebett verläßt; sparte aber seine guten Ratschläge und Verbesserungsvorschläge für später auf.
Mit dem Ochsenpaar stand es noch schlimmer, da es eben mit dem Pflügen fertig geworden war.
Die Schafe hatten nur Rinde zu knuppern von den längst abgefressenen Laubbüscheln.
Die Schweine waren mager wie Jagdhunde. Die Hühner liefen im Viehhof umher, auf dem Misthaufen zerstreut waren, von denen das Wasser in Bächlein abfloß.
Nachdem man sich alles angesehen und den Verfall erkannt hatte, erklärte Carlsson, hier sei nur noch mit dem Messer etwas zu machen.
– Sechs Kühe, die Milch geben, sind besser als zwölf, die hungern!
Er untersuchte Spiegel und Euter und bezeichnete mit großer Sicherheit die sechs, die man auffüttern und dann zum Schlächter bringen solle.
Gustav machte Einwendungen.
Carlsson aber versicherte und beteuerte, sie müßten geschlachtet werden! Sie müßten sterben, so wahr er lebe! Dann könnte man eine andere Ordnung einführen. Zuerst aber müsse vor allem trockenes, gutes Heu gekauft werden, ehe man das Vieh in den Wald lassen könne.
Als Gustav von Heukaufen sprechen hörte, machte er die lebhaftesten Vorstellungen, doch nicht sein Geld für etwas auszugeben, das man selber habe. Aber die Alte brachte ihn mit der Erklärung zum Schweigen, davon verstehe er nichts.
Nachdem man noch einige weniger wichtige Anordnungen getroffen, verließ man den Viehhof und wanderte auf die Felder hinaus.
Hier lagen ganze Strecken brach.
– Ach, ach! sagte Carlsson mitleidig, als er den guten Boden auf so veraltete Art bewirtschaftet sah. Ach! wie kindisch! Kein Mensch hat mehr Brache, sondern Kleeweide! Wenn man jedes Jahr ernten kann, warum soll man es nur jedes zweite Jahr tun?
Gustav meinte, jährliche Ernten saugten den Boden aus; der müsse auch ruhen wie der Mensch.
Aber Carlsson gab eine ganz richtige, wenn auch etwas dunkle Erklärung ab, Kleesaat dünge den Boden, statt ihn auszusaugen; auch halte sie ihn von Unkraut frei.
– Davon habe ich noch nie gehört, meinte Gustav. Saaten, die düngen!
Er konnte Carlssons gelehrte Auseinandersetzung, daß Grasgewächse ihre meiste Nahrung »aus der Luft« holen, nicht verstehen.
Darauf untersuchte man die Abzugsgräben; die standen voll Grundwasser, waren zugewachsen, konnten nicht ablaufen.
Das Korn stand stellenweise, als habe man Hände voll ausgesäet, und das Unkraut wucherte zwischen den Schollen.
Die Wiesen waren nicht geharkt; das Laub des Vorjahres bedeckte und erstickte das Gras, das zu einem einzigen Kuchen zusammengeklebt war.
Die Feldzäune waren im Begriff umzufallen; Brücken
fehlten; alles war so baufällig, wie die Alte es in dem Gespräch am Abend dargestellt hatte.
Gustav aber wollte nichts von Carlssons tiefdringenden Untersuchungen wissen; er lehnte sie ab als etwas Unangenehmes, das man aus der Vergangenheit ausgrub. Er fürchtete die viele Arbeit, die winkte, und noch mehr, daß seine Mutter Geld herausrücken müsse.
Als sie dann nach der Kälberweide gingen, blieb Gustav zurück; als sie in den Wald kamen, war er verschwunden. Die Alte rief nach ihm, erhielt aber keine Antwort.
– Mag er gehen, meinte die Alte. So ist Gustav! Er ist immer etwas dumpf und träge; nur dann nicht, wenn er mit der Flinte auf die See hinaus kann. Aber daran müßt Ihr Euch nicht kehren, Carlsson, denn etwas Böses ist nicht in ihm. Sein Vater wollte etwas Besseres aus ihm machen; er sollte nicht als Knecht gehen, sondern konnte tun, was er wollte. Als er zwölf Jahre alt war, kriegte er sein eigenes Boot, natürlich auch eine Flinte. Seitdem war nichts mehr mit ihm zu wollen. Jetzt geht’s mit dem Fischen zurück; darum habe ich an den Acker denken müssen, der schließlich doch noch sicherer ist als die See. Es wäre auch gegangen, wenn Gustav nur verstanden hätte, die Leute anzuhalten; aber er muß sich immer so gemein mit den Burschen machen, und dann geht’s mit der Arbeit nicht vorwärts.
– Das taugt allerdings nicht, die Leute zu verwöhnen, hakte Carlsson ein; und das muß ich Euch gleich sagen, Tante, hier unter vier Augen: soll ich so etwas wie Kustos sein, so muß ich in der Stube essen und allein in der Kammer schlafen; sonst haben die Leute keinen Respekt, und ich komme nicht vom Fleck.
– In der Stube essen, Carlsson, versetzte besorgt die Alte, während sie über den Zauntritt stieg, wird wohl kaum gehen.
Die Leute lassen sich’s nicht mehr gefallen, daß man anderswo ißt als mit ihnen in der Küche. Der alte Flod hat’s nicht einmal gewagt, und Gustav hat sich’s nie getraut. Und tut man’s, machen sie sofort Spektakel über das Essen; stellen sich auf die Hinterbeine. Nein, daraus kann nichts werden. Daß Ihr aber auf der Kammer schlaft, ist etwas anderes; das wollen wir mal sehen. Die Leute finden ja schon, es seien ihrer zu viel in der Küche; und Norman, denke ich, schläft lieber allein in seinem Bett als mit einem Andern zusammen.
Carlsson hielt es für das Beste, sich mit halbgewonnenem Spiel zu begnügen, und steckte die andere Pfeife vorläufig in den Sack.
Sie kamen jetzt in den Fichtenwald, wo zwischen einigen Geschiebeblöcken noch eine Schneewehe lag, die von Staub und herabgefallenen Nadeln beschmutzt war. Die Fichten schwitzten in der brennenden Aprilsonne schon Harz aus; zu ihren Füßen blühten weiße Osterblumen, und unter den Haselbüschen guckten Leberblümchen durch das durchbrochene Nervennetz des modernden Laubes. Aus dem Haarmoos stieg eine warme Feuchtigkeit; zwischen den Baumstämmen sah man das Flimmern über dem Wiesenzaun zittern; weiter fort blaute die von einer leichten Brise bewegte Meeresfläche; das Eichhörnchen kicherte oben im Gezweig und der Grünspecht hämmerte und schrie.
Die Alte trippelte auf dem kahlen Fußpfad über Nadeln und Wurzeln. Carlsson, der hinter ihr ging, sah, wie sich ihre Schuhsohlen unter geschmeidigen Schritten bogen und unter dem Saum des Kleides verschwanden. Da erinnerte er sich daran, daß sie ihm gestern älter vorgekommen war.
– Ihr seid aber flink auf den Beinen, Tante, fand sich Carlsson veranlaßt, seinen Frühlingsgefühlen Luft zu machen.
– Ach, wie Ihr sprecht! Man könnte glauben, Ihr wollt mit einer alten Frau Euern Spaß treiben.
– Nein, ich meine immer, was ich sage, versicherte Carlsson glaubhaft. Um mit Tante Schritt zu halten, gerate ich in Schweiß.
– Wir wollen jedenfalls nicht weiter gehen, antwortete die Alte und blieb stehen, um zu verschnaufen. Hier könnt Ihr Euch den Wald ansehen, Carlsson; hierher bringen wir das Vieh im Sommer, wenn es nicht draußen auf den Werdern ist.
Carlsson warf einen sachverständigen Blick auf den Wald; er fand, daß da viele Klafter Brennholz standen und gutes Balkenholz sich auf der Wurzel erhob.
– Aber wie schlecht gepflegt! Da liegen noch Wipfel und Reisig in einem solchen Gerümpel zusammen, daß kein Mensch durchkommen kann!
– Da seht Ihr selbst, Carlsson, wie es steht. Nun mögt Ihr walten und schalten, wie Ihr wollt! Ihr werdet schon Ordnung schaffen, dessen bin ich sicher! Nicht wahr, Carlsson?
– Meine Arbeit werde ich schon leisten, wenn die andern nur ihre tun! Und dazu müßt Ihr mir helfen, Tante, knetete Carlsson seinen Teig. Er fühlte, es werde nicht so leicht sein, sich eine Stellung als Korporal zu schaffen, da die Gemeinen länger am Platze waren.
Unter unausgesetztem Gespräch über die Art und Weise, wie Carlsson seine Oberhoheit einnehmen und bewahren könne, gingen sie zurück. Diese seine Oberhoheit sei die Hauptbedingung für das Aufblühen des Hofes, suchte Carlsson der Bäuerin einzureden.
Jetzt sollte die Predigt gelesen werden, aber von den Männern ließ sich keiner sehen. Die beiden Schützen waren mit den Flinten in den Wald gegangen; Rundqvist verbarg sich wohl wie gewöhnlich auf einer sonnigen Höhe. So war es immer, wenn sie Gottes Wort hören sollten.
Carlsson versicherte, man könne sich ohne Zuhörer behelfen; und wenn die Mädchen die Tür zur Küche öffneten, könnten sie auch ein Wort vernehmen, während die Töpfe kochten.
Als die Alte ihre Unruhe äußerte, sie werde nicht lesen können, war Carlsson sofort bereit, die Sache zu übernehmen.
– Ach! Ich habe in meiner früheren Stellung so manche Predigt gelesen; daran soll es nicht fehlen.
Die Alte nahm den Kalender und schlug den Text des Tages auf, der heute, am zweiten Sonntag nach Ostern, vom guten Hirten handelte.
Carlsson nahm Luthers Postille vom Brett und setzte sich auf einen Stuhl mitten ins Zimmer; da konnte er sich einbilden, von der Gemeinde gut gesehen zu werden. Darauf schlug er das Gesangbuch auf und begann mit hoher Stimme, über die Tonskala laufend, wie ers von den Reisepredigern gehört und selbst getan hatte, den Text vorzupredigen.
– »Zu dieser Zeit sagte Jesus zu den Juden: Ich bin der gute Hirte: der gute Hirte läßt sein Leben für die Schafe. Ein Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen, verläßt die Schafe und flieht.«
Ein seltsames Gefühl persönlicher Verantwortung bemächtigte sich des Vorlesers, als er die Worte »Ich bin der gute Hirte« aussprach; er sah bedeutungsvoll zum Fenster hinaus,
als suche er die beiden flüchtigen Mietlinge Rundqvist und Norman.
Die Alte nickte traurig und nahm die Katze auf die Knie, als öffne sie dem verlorenen Schaf ihre Arme.
Carlsson aber las mit vor Rührung zitternder Stimme, als habe er es selbst geschrieben, weiter.
– »Aber der Mietling flieht – ja er flieht, schmückte er aus – denn er ist Mietling (schrie er) und achtet der Schafe nicht.«
– »Ich bin der gute Hirte, und kenne meine Schafe, und meine Schafe kennen mich,« fuhr er aus dem Gedächtnis fort, da das ein Spruch aus dem Katechismus war.
Darauf senkte er die Stimme, schlug die Augen nieder, als trauere er tief über die Bosheit der Menschen, und seufzte hervor, mit starker Betonung und Seitenblicken, nicht ohne verschmitzt verstehen zu geben, daß er mit Schmerz unbekannte Schelme angebe, ohne sie gerade anzuklagen:
– »Ich habe auch andere Schafe, die nicht aus diesem Schafstall sind; die muß ich heranziehen; und sie sollen meine Stimme hören!«
Und mit einem verklärten Lächeln, prophetisch, hoffnungsvoll, zuversichtlich, flüsterte er:
– »Und es soll eine Herde und ein Hirte sein.«
– Und ein Hirte! echote die Alte, die ihre Gedanken ganz wo anders hatte als Carlsson.
Darauf griff er die Postille an; machte zuerst ein saures Gesicht, als er die Anzahl der Seiten überschlug und sah, daß es ein »langes Ding« war; faßte dann aber Mut und begann. Die Behandlung des Stoffes paßte nicht ganz zu seinen Absichten, sondern hielt sich mehr an die christlich symbolische Seite; darum war sein Interesse nicht so lebhaft wie beim Text. In rasendem Laufe eilte er durch die
Spalten und steigerte die Geschwindigkeit, wenn er zum Umblättern kam, so, daß er mit dem angefeuchteten Daumen zwei Blätter auf ein Mal umschlug, ohne daß die Alte etwas merkte.
Als er aber sah, das Ende war nahe, fürchtete er, gegen das Amen zu prallen; deshalb verlangsamte er die Schnelligkeit. Aber es war zu spät: beim letzten Umblättern hatte er zu dick auf den Daumen gespuckt und drei Blätter auf ein Mal genommen; nun traf er aufs Amen ganz oben auf der nächsten Seite, als stieße er mit dem Kopf gegen eine Wand.
Die Alte wachte von dem Stoß auf und guckte schlaftrunken nach der Uhr.
Carlsson wiederholte daher das Amen noch ein Mal, indem er es etwas ausschmückte:
– »Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes und um unseres Erlösers willen.«
Um den Schluß abzurunden und zu sühnen, was er verbrochen, betete er ein Vaterunser, so langsam und ergreifend, daß die Alte, die mitten in die Sonne gekommen war, noch ein Mal einnickte.
Sie hatte Zeit sich zu ermuntern, während Carlsson, um alle unangenehmen Erklärungen abzuschneiden, den Kopf in der linken Hand verbarg, um ein leises Gebet zu sprechen, das nicht unterbrochen werden durfte.
Die Alte fühlte sich auch schuldig und wollte nun ihre Aufmerksamkeit dadurch beweisen, daß sie in selbstgewählten Worten zeigte, was sie eingeheimst. Carlsson schnitt ihr aber das Wort ab, indem er bestimmt erklärte, nach dem Grundtext und den eigenen Worten des Erlösers handle es sich um nichts Geringeres: eine Herde und ein Hirte! Einer ausschließlich, einer für alle, einer, einer, einer!
In diesem Augenblick rief Clara laut zum Mittagessen. Aus der Tiefe des Waldes antworteten zwei fröhliche Hallohs, denen Flintenknalle folgten; und aus dem Schornstein der Schmiede stieg wie aus einem hungrigen Magen Rundqvists originelleres Puh!, das niemand verkennen konnte.
Und bald sah man die verirrten Schafe mit leichten Schritten zum Kochtopf eilen. Die Alte empfing sie, indem sie ihnen ihr Ausbleiben vorwarf. Die Antwort aber blieb keines der Unschuldigen ihr schuldig; sie beteuerten, sie hätten niemand rufen hören, sonst wären sie sofort gekommen.
Carlsson verhielt sich würdig, wie es sich beim Mittagstisch am Sonntag ziemte. Rundqvist aber sprach in dunklen Worten von den höchst »merkwürdigen« Fortschritten der Landwirtschaft. Carlsson ersah daraus, daß er von der Opposition bereits eingeweiht und gewonnen war.
Nach dem Essen, das aus einem in Milch mit Pfeffer gekochten Eiderpaar bestand, zogen sich alle Mannsleute zurück, um zu schlafen; Carlsson aber nahm sein Gesangbuch aus dem Kasten und setzte sich draußen auf die Höhe, wo er einen trockenen Stein fand. Den Fenstern der Hütte drehte er den Rücken, um etwas einnicken zu können.
Die Alte fand das vielversprechend, da der Sonntagnachmittag sonst gewöhnlich verloren ging.
Als Carlsson glaubte, es sei genug Zeit verflossen, um die Andacht wahrscheinlich zu machen, stand er auf, ging, ohne anzuklopfen, in die Stube und rückte mit dem Wunsch heraus, die Kammer zu sehen.
Die Alte wollte die Sache verschieben und schützte Reinmachen vor; Carlsson aber bestand darauf. So wurde er denn auf den Boden geführt.
Da war wirklich unter dem Dachstuhl ein viereckiger Kasten