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UEBER
DIE WIRKUNG DES NORDSEE-BADES.


EINE PHYSIOLOGISCH-CHEMISCHE UNTERSUCHUNG

VON

DR. F. W. BENEKE,

MEDICINALRATH UND LEIBARZT S. K. H. DES GROSSHERZOGS VON OLDENBURG, ETC.


GÖTTINGEN

VANDENHOECK UND RUPRECHT’S VERLAG.

1855.


SEINER MAJESTÄT

GEORG V., KÖNIG VON HANNOVER

EHRFURCHTSVOLL ZUGEEIGNET.


VORBEMERKUNG.

Wider meine ursprüngliche Absicht gelangen die vorstehenden Untersuchungen in einer Form zur Veröffentlichung, die vielleicht mehr verspricht, als der Inhalt giebt. Einerseits wuchs mir jedoch das Material unter den Händen so sehr, dass es für einen Journal-Artikel nicht mehr geeignet war, und andrerseits wurde ich durch das gnädigste Interesse Sr. Majestät des Königs von Hannover an der Bearbeitung der das Nordseebad betreffenden Fragen zu der Herausgabe der Untersuchungen in eben der vorliegenden Weise veranlasst. Diesem Höchsten Interesse, das mir einen Sporn zur Ueberwindung mancher Schwierigkeiten gab, schulde ich den tiefsten Dank, und, fern von der Meinung etwas Wesentliches geleistet zu haben, folge ich gern der gnädigsten Aufforderung zu einer Widmung, der ich selbst nur eine vollständigere Arbeit für würdig erachtet haben würde.

Dies zur Erklärung für meine Fachgenossen, die mich der Ueberhebung zeihen könnten, wenn ich ihnen nicht die Ueberzeugung ausspräche, dass „eine Schwalbe keinen Sommer macht.“

Oldenburg den 1. October 1854.

Der Verfasser.


Es hiesse alle Thatsachen verkennen, wollte man die bedeutende Einwirkung, welche der Aufenthalt an der Seeküste und der damit verbundene Gebrauch des Seebades auf den menschlichen Organismus ausüben, bezweifeln. Wir besitzen, das ist keine Frage, in der Seeluft und dem Seebade mächtige Heilmittel gegen viele Krankheitszustände. Fragt man jedoch nach dem Wie? der Wirkung, nach dem Einfluss, den einerseits der Luftgenuss, andrerseits das Bad ausübt, so fehlt bis dahin die Antwort; man kennt aus oberflächlichen Erscheinungen die Wirkung in summa, man weiss sie aber nicht rationell zu erklären und ist sich der Grösse der einzelnen Coefficienten der Gesammtwirkung des „Seebades“ nicht klar bewusst.

Es ist die Aufgabe der Gegenwart, dem Wie? der Wirkung der Heilmittel nachzuforschen, und es ist sicher ein richtiges Verfahren, wenn man in Anbetracht der Mühe und Zeit, die eine solche Nachforschung erfordert, mit den anerkannt wirksamsten Heilmitteln den Anfang macht. Wir zählen das Seebad mit Fug und Recht zu diesen letztern; und so mag auch der Versuch gerechtfertigt erscheinen, in die Art und Weise seiner Wirkung tiefer einzudringen. Dass sich dieselbe nachweisen und erkennen lassen muss, dass sie selbst in Zahlen ausdrückbar ist, kann dem nicht zweifelhaft sein, der den heutigen Stand der Naturwissenschaften kennt.

Ein 5wöchentlicher Aufenthalt auf der Nordsee-Insel Wangeroge gab mir die erwünschteste Gelegenheit die Frage in Angriff zu nehmen. Wie Manches wäre gern weiter ausgeführt, wie manche Frage ist noch offen geblieben! Wie wenig zureichend muss die Arbeit überhaupt für allgemeine Schlüsse erscheinen, wenn ich bemerke, dass ich nur an einem Individuum, an meinem eigenen Körper experimentirte! Um ein festes Urtheil über Arzneiwirkungen zu gewinnen, ist eine grosse Anzahl von Untersuchungen an den verschiedensten Individuen erforderlich. Aber dennoch ist die Arbeit keine vergebliche gewesen, und nicht ohne eine gewisse innere Befriedigung blicke ich auf die in dem kleinen Laboratorium auf der Insel verlebten Stunden zurück. Ich darf hoffen, dass die mit aller Sorgfalt erstrebten, wenigen Resultate dem Begriff von der Wirkung des Seebades auf den Organismus eine rationellere Basis geben, dass sich Andere dadurch zu ähnlichen Untersuchungen aufgemuntert fühlen und wir so endlich zu einer klaren, lichtvollen Deutung der dem Praktiker in allgemeinen Umrissen bekannten, aber unerklärten Seebade-Wirkung gelangen. Wenn ich in England, an der nordöstlichen Spitze von Kent, in dem Städtchen Margate, nicht ohne grosses Interesse schwer erkrankte Kinder, die bald an Knochenscropheln, bald an Drüsenanschwellungen, an Ulcerationen u. s. w. litten, durch den ausschliesslichen Genuss der Seeluft in fast wunderbarer Weise genesen sah, wenn ich zu meinem damaligen Erstaunen hörte, wie dort das Bad in der See selbst von fast geringerer Wirkung zu sein scheine, als der Luftgenuss, so glaube ich jetzt den Schlüssel für die Erklärung dieser Beobachtung gefunden zu haben, und die folgenden Blätter mögen den Beweis liefern, ob solche Behauptung gerechtfertigt ist.

Man wird mich gern der Mühe überheben, eine ausführliche Kritik der bisherigen Seebade-Literatur voranzuschicken. Die meisten der mir zu Händen gekommenen Schriften enthalten nur da etwas Positives, wo es sich um die Taxen der table d’hôte, der Badekutschen und Fährschiffe handelt. Ueber die Wirkung des Seebades selbst wird mehr theoretisirt, als mit strenger Wahrheitsliebe und wissenschaftlichem Eifer gründliche Nachforschung gehalten. Die beste mir bekannte Schrift ist die von Dr. C. Mühry: „Ueber das Seebaden und das Norderneyer Seebad. Hannover 1836.“ Sie ist fast die einzige, in der der objective Standpunkt festgehalten ist, die Erscheinungen, welche das Seebad von Anbeginn bis zu Ende hervorruft, mit Sorgfalt zusammengestellt und geprüft werden, theoretisches Raisonnement aber möglichst gemieden wird. Aber in seiner Verehrung für das Seebad geht der Verf. andrerseits auch zu weit; Alles löst sich nach Mühry, wie Riefkohl[1] sagt, „auf der heilenden Insel in Wohlgefallen auf“,—und prüft man in der That die einzelnen Angaben des Verf. genau, so finden sich manche darunter, die der Kritik keinen Stand halten. Was soll man unter der bedeutenden Einwirkung des Seebades auf alle dem vegetativen Leben angehörigen Organe verstehen? Ist es wahr, dass sich Anfangs stets Abmagerung einstellt? Ist es wahr, dass der Harn stets Sedimente mit kritischer Bedeutung macht? Hätte der Verf. nur einige wenige exacte Untersuchungen angestellt, so würde er sich von der Unhaltbarkeit dieser Angaben überzeugt haben, und die Schrift würde, statt einen langjährigen Streit zwischen den Ost- und Nordseebad-Aerzten hervorzurufen, einen bleibenden Werth gehabt haben.

[1] S. Medicin. Conversationsblatt für hannöv. Aerzte 1853. Nr. 14. p. 109.

Von andern Schriften, deren Titel und Verfasser Mühry in einer zweiten Schrift: „Medicinische Fragmente, betreffend eine allgemeine Lehre des Seebades u. s. w. Hannov. 1841.“ zusammengestellt hat, ist noch weniger zu sagen. Sie sind grösstentheils voll von theoretischen Betrachtungen und entbehren jeder festen Grundlage. Ich gehe deshalb ohne Weiteres zur Mittheilung meiner eigenen Beobachtungen über und schicke zunächst Einiges über die Art und Weise, wie dieselben angestellt wurden, voraus. „Nur die Resultate“, sagt Dr. Bluhm[2] sehr richtig, „welche sorgfältige chemische und physikalische Untersuchungen in Verbindung mit Beobachtungen in besondern Krankheitsfällen darbieten, werden dazu dienen können, die Wirkungen der Seebäder im Allgemeinen sowohl, als auch in Beziehung auf den Unterschied der Nord- und Ostsee künftig näher zu bestimmen. Prahlende und pomphafte Ankündigungen und Anpreisungen, Behauptungen die nicht nachgewiesen werden können oder die sich auf flüchtige, unsichere, oft unwahre Berichte stützen, haben in Beziehung auf diesen Gegenstand keinen Werth.“—

[2] Vgl. die Seebade-Anstalten auf der Insel Norderney. Bremen 1842.

Bei allen pharmakodynamischen Untersuchungen hat man zu entscheiden, ob das fragliche Heilmittel den Organismus, oder was dasselbe sagen will, den Stoffwechsel innerhalb desselben nachweisbar afficirt, welche Grösse die Wirkung besitzt, in welcher Weise endlich dieselbe zu Stande kommt.—Man muss also selbstverständlich die Grösse des Stoffwechsels im Normalzustande und in der der Untersuchung selbst vorhergehenden Zeit genau kennen, während der Anwendung des Mittels unter übrigens möglichst gleichartigen Lebensverhältnissen die Untersuchungen fortsetzen und schliesslich nach dem Aussetzen des in Frage stehenden Mittels über seine Nachwirkung in’s Klare zu kommen suchen.—Eine vollständige und unsern jetzigen Anforderungen entsprechende derartige Untersuchung hat sich dann aber in allen ihren Stadien nach den verschiedensten Seiten hin zu wenden. Es ist die Aufgabe, eine tägliche genaue Rechnung zu führen über die gesammten Einnahmen und Ausgaben des Körpers; die festen und flüssigen Speisen und Getränke sollen quantitativ und qualitativ bestimmt sein; Beschäftigung, subjectives Befinden, Zeiteintheilung, Luftbeschaffenheit, Barometerstand und Lufttemperatur sollen bemerkt werden.—Die Ausgaben des Körpers durch die Nieren, den Darmkanal und die Lungen sollen quantitativ bestimmt und möglichst genau analysirt werden, die Ausgabe durch die Haut wird durch Rechnung, bei Kenntniss des Körpergewichtes zu einer bestimmten Tageszeit, gefunden.—Schliesslich dürfen die Körpertemperatur, die Blutbewegung (der Puls), und andre objectiv wahrnehmbare Erscheinungen nicht unberücksichtigt bleiben, wenn die Untersuchung auf den Namen einer exacten und vollständigen Anspruch machen soll.

Ich muss bekennen, dass ich meinen Beobachtungen diesen Grad der Ausdehnung nicht habe geben können. Zum Theil fehlte es mir an Zeit, zum Theil an Materialien dazu, zum Theil lebte ich in Verhältnissen, die mir eine weitere Ausdehnung der Arbeit unmöglich machten.—Ich beschränkte mich deshalb auf Folgendes: Mit einer sehr genauen Körpergewichtswaage, von J. Pintus in Brandenburg a. d. Havel, die bei einer Belastung von 60 Kilogramm noch 1 Gramm ausschlägt, wurde an jedem Morgen das Gewicht des unbekleideten Körpers genau bestimmt; sodann wurden alle Fluida nach Bedürfniss, aber genau nach Maass genossen; die festen Speisen dagegen stets nur nach Bedürfniss genommen, ohne gewogen zu werden; nur ihre Qualität wurde bemerkt.—Diese Maassnahme wird Manchem vielleicht als zu Unrichtigkeiten Veranlassung gebend erscheinen; allein durch eine Menge früherer Untersuchungen, in denen auch die Quantität der festen Nahrungsmittel gewogen wurde, bin ich zu der Ueberzeugung gelangt, dass wenn man bei qualitativ ähnlichen Speisen täglich nur bis zur angenehmen Sättigung isst, der Schluss aus der Analyse der Secreta auf die Grösse des jeweiligen Stoffwechsels im Organismus richtiger ausfällt, als wenn man die Speisen abwägt.—Der Appetit wechselt von Tage zu Tage; wägt man nun aber die Speisen, so nimmt man aus Unlust zu vielen Wägungen bald zu wenig, aus Unlust zum Zurückwiegen bald zu viel zu sich, und ausserdem beläuft sich der Gewichtsverlust warmer Speisen, während man sie vor sich hat, schon auf ein so Namhaftes, dass die Wägungen doch zu keinem ganz genauen Resultate führen.—Eine kleine Portion Gemüse verlor u. A. nicht selten durch Verdunstung von Wasser in 10 Minuten schon über 10 Gramm—ein Verlust, der nur mit vieler Mühe in der Rechnung zu controlliren ist. Aus diesem Grunde glaube ich die obige Maassnahme also rechtfertigen zu können, abgesehen davon, dass es mir in Wangeroge unmöglich gewesen wäre, allemal die Quantität der festen Speisen durch das Gewicht zu bestimmen. Die der Fluida wurde ein für allemal in nach Cub. Cent. graduirten Gläsern genossen.—Neben diesen Bestimmungen wurde nun die Temperatur der Luft, in Wangeroge zugleich der Ozon-Gehalt derselben, mit den freilich viele Einwände zulassenden Schönbein’schen Ozonometern, untersucht; Beschäftigung, Befinden, Zeit des Schlafes u. s. w. wurden notirt. Sodann wurde die Hauptaufmerksamkeit auf die Quantität und Qualität des Urins gerichtet, weil von hieraus die zuverlässigsten Schlüsse auf den Stoffwechsel innerhalb des Organismus gemacht werden können. Es wurde in den Morgenstunden von 6-1 Uhr womöglich stündlich der Urin entleert; die einzelnen Quantitäten wurden nach CC. gemessen, ihre Reaction, Farbe, ihr specif. Gewicht bei 20° C. notirt; die Gesammtquantität von 6-1 Uhr dann aber näher analysirt, und zwar auf den Harnstoff-, Harnsäure-, Schwefelsäure-, Phosphorsäure- und Chlor-Gehalt.—Von 1 Uhr Mittags bis andern Morgens 6 Uhr wurde der Urin zu beliebigen Zeiten entleert; mit jeder einzelnen Quantität aber, wie mit denen am Morgen verfahren, und die Gesammtquantität wieder in gleicher Weise genau analysirt. Damit erhielt ich zur Zeit, wo in den Morgenstunden ein Seebad genommen wurde, einen Aufschluss über die momentane Einwirkung desselben auf den Stoffwechsel und ebenfalls über die Einwirkung auf den Stoffwechsel während je 24 Stunden. Wenn Dr. Louis Lehmann in seinen vortrefflichen Untersuchungen über die Wirkung der kalten und warmen Sitzbäder[3] nur den Stoffwechsel während der 6 Morgenstunden, in welche das Bad fiel, untersuchte, so führt das möglicherweise zu Irrthümern. Es kann ein Agens den Stoffwechsel im Allgemeinen, ebenso wie ich es von der Wassersecretion durch die Nieren a. a. O.[4] nachgewiesen habe, momentan beschleunigen, in den übrigen 18 Tagesstunden aber auch eine entsprechende Verlangsamung bedingen, und wenn das Nichterscheinen der letztern nicht positiv erwiesen wird, so muss man Anstand nehmen, das fragliche Agens als ein absolutes Beschleunigungsmittel für den Stoffwechsel zu bezeichnen. Dieserhalb habe ich mich denn auch nicht nur auf die Morgenstunden beschränkt, sondern, um die volle Gesammtwirkung, so wie die specielle Bad-Wirkung zu erkennen, die doppelte Analyse in 24 Stunden vorgenommen. Die Analyse des Urins von den 7 Morgenstunden gab mir die unmittelbare Wirkung des Bades zu erkennen, die des Urins von 1 Uhr Mittags bis andern Morgens 6 Uhr die Wirkung des Bades auf den Stoffwechsel in der übrigen Tageszeit und die Summirung der Resultate beider Analysen musste ergeben, wie der Aufenthalt an der See, inclusive des Bades, auf den Stoffwechsel influirte.—Die quantitative Bestimmung der Darmentleerungen habe ich leider beengender Verhältnisse halber, die sich nicht entfernen liessen, unterlassen müssen. Ich bedaure es, da sie grade bei meinen Untersuchungen und bei dem offenbaren Einfluss, den das Seebad bei mir auf die Darmfunctionen ausübte, von Wichtigkeit war. Dann freilich würde auch wieder der Mangel der Quantitätsbestimmung der festen Speisen sehr fühlbar geworden sein; es blieb aber nichts andres übrig, als mich in dieser Beziehung zu bescheiden.—Die Urinanalysen selbst wurden nach den bekannten Titrirmethoden von Liebig, Breed und Vogel mit derjenigen Sorgfalt vorgenommen, die für zuverlässige Resultate dabei erforderlich ist. Eine vielfache Uebung hat mir darin die nothwendige Sicherheit, zum Theil garantirt durch exacte Parallel-Versuche mit Gewicht und Waage, verschafft. An a. O.[5] habe ich mich schon darüber ausgesprochen und bemerke nur noch, dass jede Analyse dadurch controllirt wurde, dass jedesmal nach der Erreichung des in Frage stehenden Gränzpunktes für den Zusatz der titrirten Lösungen erst dann derselbe als zuverlässig angesehen wurde, wenn der Zusatz von noch einigen Tropfen Lösung die fragliche Reaction in schärfster Weise hervortreten liess.

[3] S. Archiv des Vereins für gem. Arbeiten. Bd. 1. Heft 4. Bd. 2. Heft 1.

[4] Vrgl. Archiv des Vereins für gem. Arb. zur Förderung der wissensch. Heilkunde. Bd. I. Heft 3. Artikel: Studien zur Urologie.—

[5] Corresp. Blatt des Vereins für gem. Arb. zur Förderung der wissensch. Heilk. Nr. 7 u. 9.

Es wurden nun folgende Fragen insonderheit der Untersuchung vorgelegt:

1. Welchen Einfluss übt der alleinige Aufenthalt an der See auf den Stoffwechsel aus?

2. Wie verhält sich dieser Einfluss, wenn täglich ein Seebad genommen wird?

3. Welchen Einfluss übt das Seebad momentan auf den Stoffwechsel aus, welchen in je 24 Stunden?

4. Ist es wahr, dass der Aufenthalt an der See und der Gebrauch des Seebades zunächst eine Abmagerung herbeiführen?

5. Welche weitern objectiven oder subjectiven Erscheinungen im Befinden sind mit Sicherheit als Erfolge des Seebades und des Aufenthalts an der See zu betrachten?

Um diese Fragen zu lösen, war, wie schon oben bemerkt, vor Allem eine möglichst genaue Kenntniss meines eigenen Stoffwechsels erforderlich. Es wurde demnach schon im Januar d. J. eine 5tägige, sodann im Februar eine 15tägige Untersuchungsreihe vorgenommen, täglich jedoch der Urin nur einmal analysirt, dagegen Darmentleerungen und Quantität der festen Speisen so genau als möglich bestimmt, Bestimmungen, die mich eben zu der oben angeführten Ueberzeugung in Betreff ihrer Mangelhaftigkeit, führten.—Vom 5ten bis 8ten Juli wurden darauf in Oldenburg die speciellen Voruntersuchungen (2malige tägliche Urinanalyse) vorgenommen, und am 15ten Juli begannen die Untersuchungen in Wangeroge, während am 10ten und 11ten die Reise dorthin stattfand.—4 Tage lang wurde dann ausschliesslich die Einwirkung des Aufenthalts auf der Insel ohne Bad studirt; die folgenden sieben Tage waren der Untersuchung über die Wirkung dieses Aufenthaltes inclusive eines täglichen Bades gewidmet. Bei der in Wangeroge bestehenden Regel jedoch, dass nur zur Zeit der herannahenden Fluth gebadet wird, fiel das Bad in den ersten dreien dieser sieben Tage in die Nachmittagsstunden zwischen 1 u. 3 Uhr, und ich beschränkte mich deshalb in ihnen darauf, eine einmalige Analyse des Urins in 24 Stunden vorzunehmen; vom 20sten bis 24sten Juli wurde dagegen in der oben beschriebenen Weise verfahren und hatte das am frühen Morgen genommene Bad besondere momentane Wirkungen, so musste ich sie jetzt klar erkennen.

Vom 24sten Juli bis 4ten August stand ich von Untersuchungen ab; nur wurden vom 24sten-30sten Juli die Quantität der Getränke, Quantität des Urins zu verschiedenen Tageszeiten, sein specifisches Gewicht, seine Farbe und Reaction notirt. Es geschah dies aus dem Grunde, weil ich es für erforderlich hielt, mich nicht täglich 5-6 Stunden im Laboratorium, einem nur kleinen Stübchen aufzuhalten und angestrengt zu arbeiten, sondern mich eben ganz dem Verhalten der eigentlichen Seebade-Patienten anzuschliessen, mit ihnen am Strande zu promeniren, möglichst viel im Freien zu verweilen, geselligen Unterhaltungen nachzugehen u. s. w.—Täglich wurde dabei, mit Ausnahme des 30sten und 31sten Juli, an denen eine See-Fahrt nach Norderney unternommen wurde, ein Seebad genommen.—Am 4ten August wurden die Beobachtungen aber wieder begonnen und bis zum 12ten Aug. fortgesetzt.—Es schien mir, um so mehr als sich auch bei mir, wie bei fast allen Patienten, Erscheinungen der Fatigue kund gaben, zugleich räthlich, auch die Wirkung eines 2tägigen Aussetzens des Bades zu studiren. Es wurde also am 6ten und 7ten Juli das Bad ausgesetzt; dann aber wieder vom 8ten bis 12ten täglich gebadet und wie an allen Tagen dieser Periode täglich eine 2malige Untersuchung des Urins vorgenommen. Schliesslich wurden nach der Rückkehr aus dem Seebade in Oldenburg wieder die gleichen Beobachtungen angestellt; eine zweimalige 3tägige Periode schien genügend, um sichere Resultate zu erlangen.—

Für eine kurze Mittheilung, ein Resumé der gesammten Untersuchungen würde es nun genügend sein, die in den verschiedenen Perioden gefundenen Mittelzahlen anzugeben. Allein es scheint mir der Wichtigkeit des Gegenstandes und der genauen Controlle wegen erforderlich, dass ich die Beobachtungen in voller Ausführlichkeit vorlege, damit sie jeder spätern Untersuchung zu Vergleichungspunkten dienen können.—Bei der noch immer grossen Dürftigkeit unserer Kenntnisse in Betreff der individuellen Verschiedenheiten des Stoffwechsels sind solche Mittheilungen nie ohne Werth, und scheinen die Zahlen-Reihen ermüdend, so sind sie es doch nicht für den, der das richtige Verständniss damit verbindet.—Ich beginne also zunächst mit den Resultaten der Januar-Untersuchungen. Körpergewichtsbestimmungen wurden während derselben allerdings vorgenommen, allein die Waage erwies sich als unzuverlässig, und ich bemerke die Resultate derselben deshalb erst da, wo mir eine ganz genaue Waage zu Gebote stand. Hinzuzufügen habe ich noch, dass ich eine Grösse von 179 Ctm., eine Respirations-Grösse von 4000-4200 CC. besitze.—Die Harnstoffbestimmung wurde ohne vorherige Ausfällung des Chlor vorgenommen;—die freie Säure des fest verschlossen aufbewahrten Urins als Oxalsäure bestimmt; die Farbe nach Vogel’s Farbentabelle für den Urin (cf. Archiv des Vereins für gem. Arb. Heft 1.) angegeben;—das specif. Gewicht bei 20° C. bestimmt.


I. UNTERSUCHUNGSREIHE IN OLDENBURG.

6-7. Januar 1854.

Mittlerer Barometerstand: 27′′ 3,6′′′Lufttemperatur: 1-1,5° R.[6]
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe:
Fluida.Feste Speisen.UrinFaeces
Zeit.Quantit.Sp. Gew.Reaction.Farbe etc.Zeit.Quantität.
8 Uhr. 300 CC. Milch70 Gramm Brod stets klar
12 Uhr. 132 CC. 1023 III.
215 M. 182Fleisch2 1021020 III.
406Milchreis
32Dessert
4 200 CC. Caffee12Zucker5 1531020 III.
530 M. 250Wasser
830400Milch72Brod8 2931017 II‑III.
1030 M. 821022 III.10 U. 30 M. 6,06 Grm.
8 4051012,7III.
24 St.:1150 CC. 774 Gramm. 24 St.:11671017,5sauerIII.24 St.:6,06Grm.

[6] Die Lufttemperatur ist Morgens 9 Uhr und Nachmittags 3 Uhr bestimmt.

Die 1167 CC. Urin enthielten:1,167 Gramm Ō an freier Säure.
23,350Harnstoff.
0,233Harnsäure.
1,236Schwefelsäure.
1,821Phosphorsäure.
(davon 0,234 Gramm an Erden gebunden)
11,091Chlor.

Befinden: gut; Abends etwas abgespannt.
Beschäftigung: 9 St. Arbeit. 1 St. Spaziergang.—9 St. Schlaf.
Hautfunction: Morgens leicht transpirirt.—Nachmittags: trocken, aber angenehm warm, Nachts sehr leicht transpirirt.
Witterung: WSW. Feiner Regen, feuchte Luft.

7-8. Januar.

Mittlerer Barometerstand: 27′′ 9′′′ Lufttemperatur: 2-2,25° R.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe:
Fluida.Feste Speisen.UrinFaeces
Zeit.QuantitätSp. Gew.Reaction.Farbe etc.Zeit.Quantität.
8 Uhr. 150 CC. Wasser75 Gramm Brod10 Uhr. 49 CC. 1023 klar. III.10 Uhr. 19,5 Grm.
200Milch
215 M. 150Rothwein195Fleisch21631020 dto.
225Kohl
165Kartoffeln
27Dessert
330160Caffee10Zucker52661020 dto.
830400Milch83Brod82731024,5alkal.
mit Säuren
brausend.
trüb durch
Erdphosph.
11 250Wasser 111111026,5III. klar.11318
84181026,7dto.
24 St.:1310 777 24 St.:12801020 sauerIII.24 St.:337
Die 1280 CC. Urin enthielten:0,256 Gramm Ō an freier Säure.
27,014Harnstoff.
0,256Harnsäure.
1,997Schwefelsäure.
2,432Phosphorsäure.
(davon 0,794 an Erden gebunden)
11,906Chlor.

Befinden: gut: Abends ermüdet.
Beschäftigung: 121⁄2 Stunden angestrengte Arbeit; 1 St. Spaziergang; 8 St. Schlaf.
Hautfunction: Morgens leicht duftend; Nachmittags kalt, trocken; Abends sehr angenehm warm.
Witterung: S.—Trübe, feuchte Luft.

8-9. Januar.

Mittlerer Barometerstand: 27′′ 6′′′Lufttemperatur: 2,5-4,5° R.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe:
Fluida.Feste Speisen.UrinFaeces
Zeit.Quantit.Sp. Gew.Reaction.Farbe etc.Zeit.Quantität.
8 Uhr. 150 CC. Wasser113 Gramm Brod11 Uhr. 116 CC. 1021,5
300Milch
215 M. 86Wein199Fleisch21571017,7
249Apfelbrei
223Kartoffeln
31Dessert
3 210Caffee12Zucker
4 150Wasser 41181022
8 300Milch118Brod82691021,5
112421012 11 Uhr. 21 Grm.
84381012
24 St.1196 945 24 St.13401016 sauer.III. klar.24 St.21Grm.
Die 1340 CC. Urin enthielten: 1,475 Gramm Ō an freier Säure.
27,764Harnstoff.
0,295Harnsäure.
2,280Schwefelsäure.
2,360Phosphorsäure.
(davon 0,241 an Erden gebunden)
7,377Chlor.

Befinden: sehr gut.—(Mittags bis zum Gefühl reichlicher Sättigung gegessen.)
Beschäftigung: 6 St. angestrengt gearbeitet; 3 St. Krankenbesuche.—Abends Lectüre.— 71⁄2 St. Schlaf.
Hautfunction: stets angenehm warm, ohne zu transpiriren.
Witterung: SOS. Regen.—

9-10. Januar.

Mittlerer Barometerstand: 27′′ 7′′′Lufttemperatur: 0,5-2,7° R.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe:
Fluida.Feste Speisen.UrinFaeces
Zeit.Quantit.Sp. Gew.Reaction.Farbe etc.Zeit.Quantität.
8 Uhr. 400 CC. Milch133 Gramm Brod11 Uhr. 80 CC. 1025,2
215 M. 100Wein180Salz-Fleisch2 951024,5
273rother Kohl
229Kartoffelbrei
24Dessert5 1901025
3 210Caffee20Zucker
4 200Wasser
430150
530200
6 200
8 330Milch136Brod8 2731023,5
10 192Wein 1130 M. 1841028 11 U. 30 M. 69,7 Grm.
8 3681018,7
24 St.1982 975 24 St.11901022,7sauer.III‑IV.
klar.
24 St.69,7
Die 1190 CC. Urin enthielten: 1,083 Gramm Ō an freier Säure.
29,167Harnstoff.
0,381Harnsäure.
2,500Schwefelsäure.
2,476Phosphorsäure.
(davon 0,452 an Erden gebunden)
11,012Chlor.

Befinden: sehr gut.—Nachmittags starker Durst.—
Beschäftigung: 101⁄2 St. anhaltend gearbeitet. 1 St. Spaziergang. Abends musikal. Unterhaltung. 71⁄2 St. Schlaf.
Hautfunction: stets angenehm warm; Nachmittags sehr leichte Transpiration; desgl. Nachts.
Witterung: SSO. Morgens heiter, Nachmittags trübe.—

10-11. Januar.

Mittlerer Barometerstand: 27′′ 9,2′′′Lufttemperatur: 1,75-2° R.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe:
Fluida.Feste Speisen.UrinFaeces
Zeit.Quantit.Sp. Gew.Reaction.Farbe etc.Zeit.Quantität.
8 Uhr. 340 CC. Milch118 Gramm Brod11 Uhr. 107 CC. 1024,7
1230 M. 15
215150Wein203Fleisch21311025
216Kartoffeln
34Dessert
330210Caffee16Zucker52241021,7
8 420Milch93Brod81951027,2
111041029,511 Uhr. 235 Grm.
83931016,5
24 St.1120 695 24 St.11541021,5s. schw. s.III‑IV.24 St.235
Die 1154 CC. Urin enthielten: 0,716 Gramm Ō an freier Säure.
27,142Harnstoff.
0,323Harnsäure.
2,240Schwefelsäure.
2,656Phosphorsäure.
(wovon 0,854 an Erden gebunden)
11,200Chlor.

Befinden: gut; nicht so rege, als Tags zuvor.
Beschäftigung: 101⁄2 St. gearbeitet. 3 St. Krankenbesuche.—81⁄2 St. Schlaf.
Hautfunction: stets angenehm warm.—
Witterung: OSO. Trübe, bedeckte Luft.—

Berechnen wir die Mittelwerthe aus vorstehenden Untersuchungen, so ergiebt sich, dass bei dem Genuss von 1355 CC. Fluidis und 833 Gramm s. g. fester Speisen per Tag entleert wurden:

133,9 Grm. Faeces und
1226 CC. Urin, worin enthalten waren:
26,88 Grm. Harnstoff
0,29Harnsäure
2,05Schwefelsäure
2,34Phosphorsäure
(davon 0,51 an Erden gebunden)
10,51Chlor.

Bemerkenswerth ist es, dass die Quantität des während der Morgenstunden entleerten Urins stets bedeutend hinter der Quantität der genossenen Milch zurückblieb, während sie in den spätern Untersuchungen bei Thee- und Caffeegenuss am Morgen stets der Quantität genossenen Thee’s oder Caffee’s gleich kam, oder sie überschritt. So wurden

am 6. Jan. 300 CC. Milch genossen und 234 CC. Urin entleert.
7. 350 212
8. 450 273
9. 400 175
10. 340 138

Es ist kaum zu bezweifeln, dass die Qualität des Getränkes diese Differenz bedingte, da alle übrigen Verhältnisse ähnlich oder gleich waren.

Die Quantität des Harnstoffs erreichte an einem Tage die Höhe von 29,1 Gramm. Die angestrengte Arbeit, der reichliche Wassergenuss, die gemüthliche Anregung durch die Musik waren ohne Frage von Einfluss darauf.—Die Quantität des genossenen Fleisches war nicht grösser, als an den übrigen Tagen.—


II. UNTERSUCHUNGSREIHE IN OLDENBURG.

Wie erwähnt, fanden in der vorliegenden, wie in den später folgenden Untersuchungen genaue Körpergewichtsbestimmungen Statt.—Ausser dem Studium der Statik des Stoffwechsels hatte ich mir die Frage gestellt, ob der Zuckerzusatz zu dem Morgens genossenen Thee oder Caffee einen bemerkbaren Einfluss auf die Quantität des Urins ausübe; man wird demnach an einigen Tagen Zucker unter den Nahrungsmitteln verzeichnet finden, an andern nicht und die Antwort auf die gestellte Frage werde ich unten in Kürze geben.—Fernerhin mag es im Voraus bemerkt werden, dass das genossene Nahrungs-Quantum in der vorliegenden Beobachtungsreihe das grösstmögliche verträgliche Maass erreichte, dass sich an einzelnen Tagen schon leichte Digestionsstörungen, Catarrh der Magenschleimhaut u. s. w. zu zeigen anfingen, dass aber dennoch ein täglicher, geringer Körper-Gewichtsverlust Statt hatte, ein Beweis also, dass der Kraftverbrauch im Verhältniss zum Assimilationsvermögen um Etwas zu gross war.—Es ist schwierig bei sich drängenden Berufsgeschäften solche Missstände zu entfernen; sie können aber hier fast ganz unberücksichtigt bleiben, da die Arbeit während jeder Untersuchungsperiode beträchtlich und fast gleich war.—

8-9. Februar.

Mittlerer Barometerstand: 27′′ 11,25′′′Lufttemperatur: 2-3,5° R.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe:
Fluida.Feste Speisen.UrinFaecesHaut und
Lunge.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe
etc.
Zeit.Quantität.
7 U. 45 M. 150 CC. Wasser 856,0 Gr.
8 325Thee mit Milch20 Grm. Zucker10 Uhr. 132 CC. 1018 s. st. s.klar
113Brod
18Butter
2 50Wein144Fleisch2 2461016 st. s.dto.
359Apf. u. Reis
179Kartoffeln
40Dessert
3 200Caffee20Zucker515 M. 3121015 st. s.dto.
830300Milch98Brod8152121017 schw. s.dto.
10301021015,5st. s.dto.10 U. 30 M. 43,9 Gr.
7304171012 s.dto.
24 St.1025 991 24 St.14211016,5st. s.klar24 St.43,9856,0
= 1035 Grm. = 1444 G. III.
Die 1421 CC. Urin enthielten: 22,33 Gramm Harnstoff.
1,501Schwefelsäure.
2,330Phosphorsäure.
(davon 0,340 Gramm an Erden gebunden)
10,302Chlor.
Körpergewicht: 8.Febr.Morgens8Uhr10Min.=126 38 Gramm.
9.815=125214
24 Stund.Verlust= 324

Befinden: gut, namentlich Nachmittags und Abends sehr wohl.
Beschäftigung: 10 St. gearbeitet. 4 St. Krankenbesuche und Bewegung im Freien.8 St. Schlaf.
Hautfunction: Morgens leicht transpirirt; Nachmittags trockene Haut.Nachts leicht duftend.
Witterung: sehr windig.W.-Wind.Regen.

9-10. Februar.

Mittlerer Barometerstand: 27′′ 11′′′Lufttemperatur: 1-1,75° R.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe:
Fluida.Feste Speisen.UrinFaecesHaut und
Lunge.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe
etc.
Zeit.Quanti-
tät.
7 U. 45 M. 150 CC. Wasser 939,06 Gr.
8 325Thee20 Grm. Zucker9 U. 15 M. 112 CC. 1012 s.klar9 U. 15 M. 49,6 Gr.
114Brod10 1171005 kaum s.
22Butter
1 2411012,2
2 50Wein145Fleisch2301331013,6st. s.
167Kartoffeln
254roth. Kohl330541022 s.
34Dessert
4 200Caffee20Zucker
5 150Wasser 5451411023,5s. schw. s.
730150
830400Milch142Brod8301241023,2st. s.
1030661022,2s. st. s.103012,2
7303141022,5st. s.
24 St.1425 918 24 St.13021018 s. 24 St.61,8939,06
= 1436 Grm. = 1322 G.
Die 1302 CC. Urin enthielten: 24,092 Grm. Harnstoff.
1,625Schwefelsäure.
2,656Phosphorsäure.
(davon 0,599 an Erden gebunden)
9,441Chlor.

Körpergewicht: Zunahme = 31,3 Gramm.

Befinden: sehr gut; Abends ermüdet u. leichte rheumat. Schmerzen im Rücken.—Nachmittags starker Durst.
Beschäftigung: 9 St. Arbeit.—31⁄2 St. Krankenbesuche. 81⁄2 St. Schlaf.
Hautfunction: Morgens leicht transpirirt.—
Witterung: Morgens klarer Sonnenschein; Nachmittags Regen.—WSW.—

10-11. Februar.

Mittlerer Barometerstand: 28′′ 1′′′Lufttemperatur: -0,5 - -1,5° R.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe:
Fluida.Feste Speisen.UrinFaecesHaut und
Lunge.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe
etc.
Zeit.Quanti-
tät.
7 U. 45 M. 150 CC. Wasser 838,3 Gr.
810325Thee20 Grm. Zucker
112Brod10 Uhr. 135 CC. 1016,7s.
20Butter11 921014,2neutr.
130100Wein146Fleisch1 2891007,5s. schw. s.
231Kartoffel-
brei
272Linsen
42Dessert5 4101014 s.
4 200Caffee20Zucker
430150Wasser 8 1841022,2schw. s.
830300Milch84Brod11 1021022,7s. st. s.11 Uhr. 67,9 Gr.
745 M. 2311025,5st. s.
24 St.1225 947 24 St.14431016,7s.III.24 St.67,9838,3
= 1238 Grm. = 1466 G. klar.
Die 1443 CC. Urin enthielten: 25,26 Grm. Harnstoff.
1,94 Schwefelsäure.
2,71 Phosphorsäure.
(davon 0,519 an Erden gebunden)
10,826Chlor.

Körpergewicht: Abnahme = 186,5 Gramm.

Befinden: im Ganzen sehr wohl; nur sehr wechselnde Hauttemperatur.
Beschäftigung: 91⁄2 St. gearbeitet. 21⁄4 St. Krankenbesuche. 81⁄2 St. Schlaf.
Hautfunction: Morgens leicht duftend. Mittags kalt und trocken.—Nachmittags trocken, aber warm.— Nachts nicht transpirirt.
Witterung: NO.-Wind. Scharfe, reine Kälte.—

11-12. Februar.

Mittlerer Barometerstand: 28′′ 3,5′′′Lufttemperatur: -3 - -1° R.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe:
Fluida.Feste Speisen.UrinFaecesHaut und
Lunge.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe
etc.
Zeit.Quanti-
tät.
7 U. 45 M. 150 CC. Wasser 1005,02 G.
830325Thee20 Grm. Zucker10 Uhr. 175 CC. 1015,5st. s.10 Uhr. 80 Grm.
105Brod
20Butter130 M. 2211014 s.
2 100Rothw.254Fricassee
216Kartoffeln
185Pflaumen
41Dessert
330200Caffee20Zucker
6 4141015 s.
830400Milch117Brod8 1431023 s. schw. s.
11 100Wein 12 1701022 s. st. s.1239,4
7301881027,7st. s.
24 St.1275 978 24 St.13111019 s.III.24 St.119,41005,02
= 1280 Grm. = 1338 G. klar
Die 1311 CC. Urin enthielten: 28,51 Gramm Harnstoff.
2,01Schwefelsäure.
2,53Phosphorsäure.
(davon 0,315 an Erden gebunden)
10,48Chlor.

Körpergewicht: Abnahme = 204 Gramm.

Befinden: sehr gut, Abends ermüdet.
Beschäftigung: 8 St. gearbeitet. 11⁄2 St. Krankenbesuche. Abends anhaltend musicirt—7 St. Schlaf.
Hautfunction: Nachmittags und Abends starke Hauttranspiration.
Witterung: N.-Wind. Klarer Himmel, bedeutende Kälte.—

12-13. Februar.

Mittlerer Barometerstand: 28′′ 3,7′′′Lufttemperatur: -1 - -3° R.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe:
Fluida.Feste Speisen.UrinFaecesHaut und
Lunge.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe
etc.
Zeit.Quanti-
tät.
7 U. 45 M. 150 CC. Wasser 859,6 Gr.
830350Thee20 Grm. Zucker
117Brod10 Uhr. 120 CC. 1022,7s.10 Uhr. 203,8 G.
19Butter
1130100Wein41Fleisch1230 M. 244 1009,8s.
36Brod
2 125Wein159Fleisch2 89 1016,7schw. s.
91Kartoffeln
384Milchreis
79Dessert
330200Caffee20Zucker5 225,51021 s.
830300Milch73Brod8 149 1023,2s.
11 151 1024 s. st. s.114,3
730421 1016,5s.
24 St.1225 1039 24 St.1399,51017,2s.III.24 St.208,1859,6
= 1235 Grm. = 1421 G. klar
Die 1399,5 CC. Urin enthielten: 27,99 Grm. Harnstoff.
1,88 Schwefelsäure.
2,51 9 Phosphorsäure.
12,59 Chlor.

Körpergewicht: Abnahme = 214,8 Gramm.

Befinden: gut; doch nicht so frisch, wie an andern Tagen. Leicht rheumat. Erscheinungen.
Beschäftigung: 101⁄2 St. gearbeitet. 11⁄2 St. Krankenbesuche.—8 St. Schlaf.
Hautfunction: Morgens und Nachmittags leichte Hauttranspiration.
Witterung: NW.-Wind.—Schnee und Regen; windig.—

(NB. Seit dem 11ten Febr. wird die Abends genossene Milch stets mit etwas Kochsalz versetzt. Im Uebrigen werden alle Speisen stets in gewöhnlicher Zubereitung genossen.)

13-14. Februar.

Mittlerer Barometerstand: 28′′ 7,3′′′Lufttemperatur: -4,5 - -2° R.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe:
Fluida.Feste Speisen.UrinFaecesHaut und
Lunge.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe
etc.
Zeit.Quanti-
tät.
7 U. 45 M. 150 CC. Wasser 799,41 Gr.
830350Thee123 Grm. Brod10 Uhr. 84 CC. 1022 s.10 Uhr. 20,42 G.
19,4Butter
2 100Rothw.155 Rdfleisch2 3281012,2schw. s.
109 Kartoffeln
297 weisser Kohl
41 Dessert
330200Caffee5,5Zucker5 2201019,5schw. s.
430150Wasser
830320Milch83,3Brod8 1801023,5schw. s.
11 200Wasser 1030 M. 801025,7s. 1030 M. 349,99
7303061023,2s.
24 St.1470 843,2 24 St.11981019 schw. s.III.24 St.370,41799,41
= 1483 Grm. = 1221 G. klar
Die 1198 CC Urin enthielten: 25,76 Grm. Harnstoff.
1,84Schwefelsäure.
2,15Phosphorsäure.
(davon 0,24 Gramm an Erden gebunden)
11,38Chlor.

Körpergewicht: Abnahme = 64 Gramm.

Befinden: nicht gut; schwerfällig, matt. Kalte Füsse und Hände. Leichter Catarrh. ventricul.
Beschäftigung: 10 St. gearbeitet. 23⁄4 St. Krankenbesuche. 81⁄2 St. Schlaf.
Hautfunction: Trockenheit und Kälte der Haut; nur Abends angenehm warm.
Witterung: sehr kalt; scharfer NO.-Wind.—Morgens ziemlich heiter; Nachmittags trübe.

14-15. Februar.

Mittlerer Barometerstand: 28′′ 7,2′′′Lufttemperatur: -21⁄2 - 0° R.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe:
Fluida.Feste Speisen.UrinFaecesHaut und
Lunge.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe
etc.
Zeit.Quanti-
tät.
7 U. 45 M. 150 CC. Wasser 846,6Gr.
830350Thee117 Grm. Brod
19Butter10 Uhr. 188 CC. 1017 kaum s.
2 100Wein165Fleisch145 M. 3821008,2kaum s.
376Apfel mit Reis
119Kartoffeln
50Dessert
4 200Caffee9Zucker5452461019,5s.
8 400Milch153Brod7452921012,2schw. s.
27Butter
11301501023 st. s.11 U. 30 M. 47,4 Gr.
7454351012,7s.
24 St.1200 1035 24 St.16931014 s.III.24 St.47,4846,6
= 1212 Grm. = 1717 G. klar
Die 1693 CC. Urin enthielten: 26,80 Grm. Harnstoff.
1,70 Schwefelsäure.
2,87 Phosphorsäure.
(davon 0,74 an Erden gebunden)
11,173Chlor.

Körpergewicht: Abnahme = 363,4 Gramm.

Befinden: sehr gut.—Mannigfache geistige Anregung durch Lectüre, Besuche u. s. w.
Beschäftigung: 101⁄2 St. angestrengte Arbeit.—21⁄2 St. Krankenbesuche.—8 St. Schlaf.
Hautfunction: trockne, aber angenehm warme Haut.
Witterung: scharfer NW.-Wind.—Trübe, bedeckte Luft. Abends Sturm mit Regen.

15-16. Februar.

Mittlerer Barometerstand: 28′′ 9,75′′′Lufttemperatur: 1,5-1,5° R.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe:
Fluida.Feste Speisen.UrinFaecesHaut und
Lunge.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe
etc.
Zeit.Quanti-
tät.
7 U. 45 M. 150 CC. Wasser 804 Grm.
830350Thee101 Grm. Brod10 Uhr. 120 CC. 1015 s. schw. s.
20Butter
1130 38Brod
38Fleisch
2 150Wein170Fleisch2 2521010,7schw. s.
222Bohnen
238Kartoffeln
50Dessert515 M. 2581020,7s. schw. s.
25Butter
4 200Caffee9Zucker8 2411020,2kaum s.
445200Wasser
530150 1030901026,5st. s.
6 200 11 U. 30M.10 Gr.
8 350Milch140Brod7302711025,2s.
6Butter
24 St.1750 1057 24 St.12321019 schw. s.III.24 St.10804
= 1762 Grm. = 1254 G.klar
Die 1232 CC. Urin enthielten: 24,27 Grm. Harnstoff.
1,774Schwefelsäure.
2,316Phosphorsäure.
(davon 0,419 an Erden gebunden)
12,012Chlor.

Körpergewicht: Zunahme = 751 Gramm.

Befinden: gut: Nachmittags viel Durst.
Beschäftigung: 91⁄2 St. anhaltend gearbeitet.—21⁄2 St. Krankenbesuche.—9 St. Schlaf.
Hautfunction: angenehme Hautwärme, nur kalte Füsse.
Witterung: Schnee und Regen. SW.-Wind.—

16-17. Februar.

Mittlerer Barometerstand: 27′′ 11′′′Lufttemperatur: 1,5-3° R.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe:
Fluida.Feste Speisen.UrinFaecesHaut und
Lunge.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe
etc.
Zeit.Quanti-
tät.
7 U. 30 M. 150 CC. Wasser 812,8 Gr.
815350Thee103 Grm. Brod10 Uhr. 173 CC. 1017,5s.10 Uhr. 65 Gr.
23Butter
12 39Brod145 M. 2111015 s.
10Butter
2 200Wein216Fleisch
249Wurzeln4501421022 s.
140Kartoffeln
74Dessert
330200Caffee8Zucker8 2861020,5kaum s.
6 150Wasser
830345Milch97Brod1130921027 st. s.1030 M. 437,4
7453111020,2s.
24 St.1395 959 24 St.12151020 s.III.24 St.502,4812,8
= 1406 Grm. = 1243 G. klar
Die 1215 CC. Urin enthielten: 24,90 Grm. Harnstoff.
1,58Schwefelsäure.
2,04Phosphorsäure.
(davon 0,19 an Erden gebunden)
14,58Chlor.

Körpergewicht: Abnahme = 192,9 Gramm.

Befinden: sehr gut; nur Abends spät ermüdet.
Beschäftigung: 9 St. gearbeitet. 31⁄2 St. Krankenbesuche. 7 St. Schlaf.
Hautfunction: angenehme Hautwärme.
Witterung: sehr nasskalt. Regen. Stürmisch.—SNW.—

17-18. Februar.

Mittlerer Barometerstand: 27′′ 9,5′′′Lufttemperatur: 1,5-3° R.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe:
Fluida.Feste Speisen.UrinFaecesHaut und
Lunge.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe
etc.
Zeit.Quanti-
tät.
7 U. 30 M. 150 CC. Wasser 948 Grm.
830350Thee117 Grm. Brod10 U. 15 M. 114 CC. 1021 s.
24 Butter
12 32 Brod
8 Butter145 M. 2251015,5schw. s.
2 200Wein183 Fleisch
148 Bohnen
348 Kartof. br.
74 Dessert
4 200Caffee7,5Zucker5152761018,7s.
6 150Wasser
630150Wasser 8153101015,6kaum s.
9 374Milch155 Brod
150Wein10 Butter11453441011 s. st. s.
7454481012 s.
24 St.1724 1106,5 24 St.17171015,2s.III.24 St.0948
= 1736 Grm. = 1750 G. klar
Die 1717 CC. Urin enthielten: 25,04 Grm. Harnstoff.
1,58Schwefelsäure.
2,54Phosphorsäure.
(davon 0,44 an Erden gebunden)
15,88Chlor.

Körpergewicht: Zunahme = 177,79 Gramm.

Befinden: nur Mittags etwas abgespannt; im Uebrigen sehr gut.
Beschäftigung: 7 St. Arbeit. 2 St. Krankenbesuche. Abends musicirt. 61⁄2 St. Schlaf.
Hautfunction: Abends ziemlich stark transpirirt.
Witterung: sehr stürmisch.—Regen.—SW.—

18-19. Februar.

Mittlerer Barometerstand: 27′′ 3,5′′′Lufttemperatur: -0,5 - +11⁄2° R.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe:
Fluida.Feste Speisen.UrinFaecesHaut und
Lunge.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe
etc.
Zeit.Quantität.
7 U. 45 M. 150 CC. Wasser 797 Grm.
815350Thee113 Grm. Brod10 Uhr. 164 CC. 1014 s.10 Uhr. 58 Gr.
20Zucker
17Butter
2 100Wein143Fleisch145 M. 4501008 kaum s.
162Kartoffeln
303Wirsingk.
49Dessert
330200Caffee20Zucker5 3341017 schw. s.
830526Thee109Brod8 2211019,5schw. s.
11Zucker
20Butter11301221023 st. s.114
7454301013,2st. s.
24 St.1326 967 24 St.17211014,5s.III.24 St.62797
= 1328,6 Gr. = 1752 G. klar
Die 1721 CC. Urin enthielten: 23,35 Grm. Harnstoff.
1,65Schwefelsäure.
2,65Phosphorsäure.
(davon 0,414 Gramm an Erden gebunden)
15,74Chlor.

Körpergewicht: Abnahme 315 Gramm.

Befinden: gut.
Beschäftigung: 8 St. gearbeitet. 3 St. Krankenbesuche.—Abends Lectüre. 7 St. Schlaf.—
Hautfunction: Morgens ziemlich stark transpirirt im warmen Zimmer. Nachmittags und Abends trocken, aber stets angenehm warm.
Witterung: nasskalt.—W. Nachmittags Schneeschauer.

19-20. Februar.

Mittlerer Barometerstand: 27′′ 7,8′′′Lufttemperatur: -0,25 - +2° R.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe:
Fluida.Feste Speisen.UrinFaecesHaut und
Lunge.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe
etc.
Zeit.Quanti-
tät.
7 U. 45 M. 150 CC. Wasser 960,7 Gr.
815350Thee108 Grm. Brod
24Butter10 Uhr. 83 CC. 1020,5st. s.10 Uhr. 28 Gr.
1130 51Brod
130 M. 3751008,5kaum s.
2 200Wein182Fleisch
374Apfel und Reis4451641021,5s.
103Kartoffeln
58Dessert
330200Caffee7Zucker
815530Milch96Brod8 2381017,2kaum s.
1030521030 s. st. s.1030 M. 240
7303081018,6st. s.
24 St.1230 1003 24 St.12201016,5s.III.24 St.268960,7
= 1242,3 Grm. = 1247 G.
Die 1220 CC. Urin enthielten: 20,33 Grm. Harnstoff.
1,46Schwefelsäure.
2,05Phosphorsäure.
(davon 0,39 Grm. an Erden gebunden)
8,96Chlor.

Körpergewicht: Abnahme = 230,6 Gramm.

Befinden: Morgens und Nachmittags sehr gut. Abends abgespannt.
Beschäftigung: 7 St. Arbeit. 2 St. Krankenbesuche; Nachmittags Spaziergang und Besuche bei Freunden.— Abends Lectüre und Musik. 8 St. Schlaf.—
Hautfunction: Morgens leichte Transpiration. Nachmittags stets angenehm warm.—
Witterung: Milde Kälte. Feuchte Luft. Schnee.—W.

20-21. Februar.

Mittlerer Barometerstand: 28′′ 1,8′′′Lufttemperatur: -2,5 - +1,5° R.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe:
Fluida.Feste Speisen.UrinFaecesHaut und
Lunge.
Zeit.Quanti
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe
etc.
Zeit.Quanti
tät.
7 U. 45 M. 150 CC. Wasser 834 Grm.
8 350Thee20 Grm. Zucker
116Brod10 Uhr. 192 CC. 1011,5schw. s.
19Butter
1453611009,2kaum s.
2 170Wein116Fleisch
306Sauerkohl
149Kartoffeln
75Dessert
330200Caffee20Zucker
5 200Wasser 5152661016,7kaum s.
630100Wasser
915374Thee108Brod9152101020,5schw. s.
17Zucker1115701023 s. st. s.11 U. 15 M. 23,7 Gr.
19Butter8 3731014 s.
24 St.1544 965 24 St.14721015 schw. s.III.24 St.23,7834
= 1547 Grm. = 1505 G.
Die 1472 CC. Urin enthielten: 22,70 Grm. Harnstoff.
1,55Schwefelsäure.
2,23Phosphorsäure.
(davon 0,35 an Erden gebunden)
11,41Chlor.

Körpergewicht: Zunahme = 150 Gramm.

Befinden: gut.
Beschäftigung: 9 St. gearbeitet. 21⁄2 St. Krankenbesuche. 7-9 Abends einem Concerte beigewohnt. 61⁄2 St. Schlaf.
Hautfunction: träge; namentlich Morgens Hautkälte.—
Witterung: klarer Himmel.—Frost.—SSW.—Nachmittags trübe.—

21-22. Februar.

Mittlerer Barometerstand: 28′′ 3,7′′′Lufttemperatur: 1-3° R.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe:
Fluida.Feste Speisen.UrinFaecesHaut und
Lunge.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe
etc.
Zeit.Quanti-
tät.
7 U. 45 M. 150 CC. Wasser 871,2 Gr.
830350Thee115 Grm. Brod10 Uhr. 82 CC. 1020,2schw. s.
24Butter
130 M. 3041012,2neutr.
2 150Wein127Fleisch
283Steckrüb.
292Kartoffeln
67Dessert
315200Caffee13Zucker
430150Wasser 5 2391017,7kaum s.
530200
7 150
830360Milch161Brod8 3361019,2kaum s.
1015961021,2st. s.10 U. 15 M. 11,4 Gr.
7302981022,7s.
24 St.1710 1082 24 St.1355?schw. s.III.24 St.11,4871,2
= 1719 Grm. = 1385 G.
Die 1355 CC. Urin enthielten: 23,03 Grm. Harnstoff.
1,51Schwefelsäure.
2,03Phosphorsäure.
(davon 0,18 an Erden gebunden)
12,87Chlor.

Körpergewicht: Zunahme = 534,6 Grm. (es beträgt am 22. Febr. 8 Uhr Morgens 125

87 Grm.)

Befinden: Morgens sehr gut; Nachmittags weniger frisch; schwerfällig.
Beschäftigung: 7 St. gearbeitet. 3 St. Krankenbesuche. Abends Vorlesung.—81⁄2 St. Schlaf.
Hautfunction: Morgens früh kalte Haut; gegen Mittag sehr angenehm warm.—Nachmittags und Abends gewöhnliche Temperatur.
Witterung: nasskalt.—WSW. Schnee.

Die vorstehenden Untersuchungen genügten, um eine richtige Einsicht in die Grösse des Stoffwechsels bei gewöhnlicher Lebensweise zu verschaffen. Im Laufe der 14 Untersuchungstage verlor das Körpergewicht allerdings 451 Gramm, und es ist daraus ersichtlich, dass der Kraftaufwand durch die Zufuhr an Nahrungsmaterial nicht vollkommen gedeckt wurde, wiewohl doch bis zur genügenden, mitunter selbst bis zur reichlichen Sättigung genossen wurde.—Bei nicht sehr kräftigen Verdauungsorganen wird solches Verhältniss aber leicht eintreten, wenn die Arbeit, wie in den vorbezeichneten Untersuchungstagen, eine selten unterbrochene ist, und im Ganzen ist der Verlust von 451 Gramm in 14 Tagen kein erheblicher, vielleicht ein nur durch Mindereinnahme an Fluidis im Verhältniss zu den Tagen vor der Untersuchung entstandener.—

Die Berechnung der Mittelwerthe ergiebt nun Folgendes: Es wurden durchschnittlich täglich 2397 Grm. genossen; davon waren 1405 Grm. messbare Fluida, und 992 Grm. s. g. feste Speisen.—Die tägliche Gesammtausgabe des Körpers belief sich dabei aber auf 2429 Grm., und davon kamen 1433 Grm. auf den Urin, 138 Grm. auf die Faeces, also 1569 Grm. auf Darm und Nieren zusammen; es blieben 800 Grm. für Haut und Lungen.

Die 1433 Grm. = 1405 CC. (Maxim. 1721 CC.; Minim. 1198 CC.) Urin hatten ein mittleres specif. Gew. von etwa 1016, und enthielten im Durchschnitt:

24,5 Grm. Harnstoff (Maxim. 28,5; Minim. 20,3.)
1,68Schwefelsäure (Maxim. 2,01; Minim. 1,46.)
2,40Phosphorsäure( 2,87; 2,03.)
(davon 0,397 Grm. an Erden gebunden)
11,976Chlor (Maxim. 15,8; Minim. 8,9.).

Wenn der Mittelwerth für den Harnstoff und die Schwefelsäure hier geringer ausfiel, als im Januar, so hat das wohl hauptsächlich seinen Grund in der Vertauschung der Morgens genossenen Milch mit Thee. Es wurden damit selbstverständlich weniger Albuminate und weniger Schwefel eingeführt. Zum Theil mochte aber auch der Grund in der im Januar angestrengtern Arbeit liegen, in Folge welcher mehr Material verbraucht wurde. Die Ausgabe an Chlor war beträchtlicher, als im Januar, ausschliesslich wohl deshalb, weil der Kochsalzgenuss absichtlich um Etwas vermehrt war.—Die geringe Vermehrung der Quantität der Phosphorsäure fällt fast in die Gränze der Beobachtungsfehler.—

Die Reaction des in 24 St. entleerten Urins war stets sauer. Allein im Hinblick auf die späten Untersuchungen bedarf es schon hier der ausdrücklichen Bemerkung, dass der frisch entleerte Urin in der vorliegenden Untersuchungsreihe oftmals, und zwar Vormittags ohne alle nachweisbare Veranlassung, Nachmittags wahrscheinlich in Folge der genossenen Vegetabilien, eine neutrale oder nur sehr schwach saure Reaction zeigte. Ich glaube dabei mit Bestimmtheit die Bemerkung gemacht zu haben, dass der reichlichere Genuss von Kartoffeln insonderheit einen Einfluss auf den Säuregrad des Urins ausübt, d. h. denselben herabsetzt, und zwar mehr, als man dem Gehalte derselben an pflanzensauren Salzen nach erwarten sollte. Andere Vegetabilien, Kohlarten u. s. w. zeigten diesen Einfluss in bei Weitem weniger auffälliger Weise. Ich habe den Urin selbst, lediglich in Folge des Genusses von Kartoffelbrei, stark alkalisch, mit Säuren brausend und trüb von präcipitirten Erdphosphaten gefunden, ein Umstand, der für die Beurtheilung des Einflusses der Kartoffelnahrung nicht zu übersehen sein dürfte.

Mit Bezug auf die oben erwähnte Zuckerfrage, so mag hier in Kürze und beiläufig das Resultat erwähnt werden, dass in der Regel, wenn der Thee Morgens mit 20 Grm. Zucker versetzt genossen wurde, bis Mittags 2 Uhr eine grössere Quantität Urin entleert wurde, als wenn er ohne Zuckerzusatz getrunken war. Die Quantität der genossenen Fluida (475-500 CC.) war immer bis auf 25 CC. dieselbe.—Bei Zuckergenuss wurden 378, 470, 516, 396, 453, 614, 553—im Mittel 483 CC. entleert, d. h. fast gleich viel, als Fluida am Morgen genossen waren; ohne Zuckergenuss dagegen 412, 570, 372, 384, 339, 458, 386—im Mittel 417 CC., d. h. fast immer weniger als Fluida am Morgen eingeführt waren. Auf die Abhängigkeit dieses Verhältnisses von dem Einfluss, den der Zucker auf die en- und exosmotischen Vorgänge ausübt, habe ich im „Archiv des Vereins für gemeinschaftl. Arbeiten Bd. I. Heft 4.“ im Artikel „Studien zur Urologie II.“ hingewiesen.—

Es bedarf noch der Erwähnung, dass sich die aufgefundenen Grössenverhältnisse des Stoffwechsels, verglichen mit den wenigen bekannten länger fortgesetzten Untersuchungen anderer Männer in den Gränzen des Normalen bewegen.—Prof. Bischoff, ein Mann von 45 Jahren, 216

Körpergewicht (NB.!) und 185 Ctm. Länge entleerte bei gewöhnlicher Kost täglich 1538 CC. Urin von 1022,4 spec. Gew. mit 35,10 Grm. Harnstoff (nach Ausfällung des Chlor bestimmt); stud. Mosler, 22 Jahr alt, 134

schwer und 180 Ctm. lang 1875 CC. Urin mit 29,1 Grm. Harnstoff und 3,2 Grm. Phosphorsäure; 7 Männer, im Alter von 20-36 Jahren und im Mittel von 132

Körpergewicht (cf. Diss. inaugural. von Gruner. Giessen 1852.) 2,094 Grm. Schwefelsäure. Bei mir erreichten die einzelnen Stoffe im Verhältniss zu vorstehenden Untersuchungen nur eine geringe Höhe; doch waren sie auch keineswegs abnorm vermindert; man kann nur sagen, dass der Stoffwechsel von nicht bedeutender Intensität war.—

Hiernach gehe ich weiter zu denjenigen Untersuchungen, welche unmittelbar dem Gebrauche des Seebades vorausgingen. Sie erstrecken sich vom 5ten-9ten Juli.—Dieselben wurden in der Weise vorgenommen, dass der während der Morgenstunden entleerte Urin, von dem während des Nachmittags und der Nacht entleerten gesondert analysirt wurde.—Die festen Speisen wurden, wie erwähnt, nach Bedürfniss genossen; die Quantität der Fluida ist notirt.—


III. UNTERSUCHUNGSREIHE.

5-6. Juli 1854.

Mittlerer Barometerstand: 27′′ 11,8′′′Lufttemperatur: 14-16,5° R.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe
an Urin:
Fluida.Feste Speisen.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe etc.Nähere Bestandtheile:
7 U. 30 M. 230 CC. Wasser
735350CaffeeButterbrod9 Uhr. 76 CC. 1021 s.III. grün-6,129 Gr. Harnstoff
m. Milch gelblich.0,143Harnsäure
u. Zucker 10 771019 kaum s.III.0,269Schwefels.
11 621018 neutr.III.0,496Phosphors.
1 841025 s.III.4,245Chlor.
2 600bair. B.Kalbsbraten,6 St.2991021,5schw. s.III.
40WeinErbsen, Kartof-
415330Caffeefeln7 U. 10 M. 240 CC. 1026 s.III.-IV.17,545 Gr. Harnstoff
845380Thee m.Butterbrod11151521029 s.III.0,469Harnsäure
M. u. Z. 6 2461018 s.III. klar.0,982Schwefels.
17 St.6381023 s.III.2,284Phosphors.
5,869Chlor.
23 St.1930 23 St.937 23,674Harnstoff
0,612Harnsäure
1,251Schwefels.
2,780Phosphors.
10,114Chlor.
Körpergewicht: Morgens 9 Uhr 30 Min. 5. Juli = 121 440 Gramm.
6. = 122490
Zunahme = 150

Befinden: Morgens gut, Mittags abgespannt durch die Gewitterschwüle; Nachmittags u. Abends sehr wohl.
Beschäftigung: 81⁄2 St. gearbeitet; 3 St. Krankenbesuche. 61⁄2 St. Schlaf.—
Hautfunction: Nachts zuvor transpirirt; Morgens stets mässig duftende, von 11-2 Uhr stark transpirirende Haut. 5-7 Uhr Nachm. stark duftend; 7-111⁄2 Uhr trocken, aber warm.—
Darmentleerung: Morgens 9 Uhr sehr reichlich, weich. Abends 11 Uhr 15 Min. wenig, geballt.—
Witterung: Stets bedeckter Himmel. Feuchtwarme Luft. Viel Regen. Mittags Gewitterschwüle.—W.

6-7. Juli.

Mittlerer Barometerstand: 28′′ 1′′′Lufttemperatur: 15,7-17,2° R.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe
an Urin:
Fluida.Feste Speisen.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe etc.Nähere Bestandtheile:
7 U. 45 M. 200 CC. Wasser 7 Uhr. 25 CC. ?s. st. s.III; sofort
400CaffeeButterbrod starkes lehm-
m. Milch farb. sedi-
u. Zucker ment von8,055 Gr. Harnstoff
harns. SalzenSpurenHarnsäure
8 26?s. st. s.III.klar0,358Gr.Schwefels.
9 167 1011 s.II.0,895Phosphors.
2 350bair. B.Kalbsbraten,10 220}1006 s. schw. s.II.3,490Chlor.
Blumenkohl,11 105s. schw. s.II.
Kartoffeln.1145 M. 253 1002 neutr.I.
11099 1012 s.III.
330200Caffee 71⁄4 St.895 1006,5s.II.klar.
m. Milch
u. Zucker 20,562Gr.Harnstoff
4 U. 30 M. 270 CC. 1011 st. s.III. klar.0,429Harnsäure
9 400Thee m.Butterbrod545101 1021 alkal.dto.1,466Schwefels.
Milch u. 1015257 1022 kaum s.II‑III.2,575Phosphors.
Zucker 7 266 1025 s. st. s.III‑IV klar.7,331Chlor.
173⁄4 St.894 1018,7s.III.
24 St.1550 25 St.1789 28,617 Gr. Harnstoff
0,429Harnsäure
1,824Schwefels.
3,470Phosphors.
10,821Chlor.

Körpergewicht: Verlust = 758 Gramm.

Befinden: viel frischer als Tags zuvor; im Allgem. sehr gut.
Beschäftigung: 7 St. Arbeit. 2 St. Krankenbes. 1 St. Spaziergang. Abends im Garten gelesen. 7 St. Schlaf.
Hautfunction: Morgens früh trocken und kühl; Mittags u. Nachmittags viel transpirirt.—
Darmentleerung: Abends 10 Uhr 15 Min. reichlich, weich, breiig.—
Witterung: Morgens heiterer Sonnenschein, theilweise bedeckter Himmel; Nachmittags Sonnenschein u. Windstille.—WSW.

7-8. Juli.

Mittlerer Barometerstand: 28′′ 0,5′′′Lufttemperatur: 16,7-16° R.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe
an Urin:
Fluida.Feste Speisen.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe etc.Nähere Bestandtheile:
7 U. 45 M. 200 CC. Wasser
400CaffeeButterbrod8 Uhr. 22 CC. ?st. s.III‑IV.
klar.7,126 Gr. Harnstoff
9 401016,5st. s.III. klar.Spuren Harnsäure
10 1001010 st. s.II‑III.0,285 Gr. Schwefels.
2 25MadeiraSchinken u. Kar- klar.0,621Phosphors.
480bair. B.toffeln mit Peter-11 1711008 s.II. klar.3,156Chlor.
silie110 M. 1761008 s.II. klar.
61⁄4 St.5091010 st. s.II‑III.
4 100Wasser 17,260Gr.Harnstoff
200Caffee 5 U. 50 M. 310 CC. 1017 s.III. klar.0,212Harnsäure
6 200Wasser 1,154Schwefels.
7 200 11 3541019,5s.II. trübe.2,196Phosphors.
8 400TheeButterbrod7 2591018 st. s.III. klar.7,753Chlor.
173⁄4 St.9231018 s.III.
24 St.2205 24 St.1432 24,386Harnstoff
0,212Harnsäure
1,439Schwefels.
2,817Phosphors.
10,909Chlor.

Körpergewicht: Verlust = 2 Gramm.

Befinden: sehr gut; bis auf unbedeutenden Brustmuskel-Rheumatismus.—Nachmittags starker Durst.
Beschäftigung: 91⁄2 St. gearbeitet. 2 St. Krankenbesuche. 1 St. Spaziergang.—8 St. Schlaf.
Hautfunction: Morgens von 11-2 Uhr und Nachmittags stark transpirirt.
Darmentleerung: Abends 11 Uhr reichlich, weich, breiig.
Witterung: Morgens heiter, klar; Nachmittags Regen.—O.—

8-9. Juli.

Mittlerer Barometerstand: 28′′ 0,2′′′Lufttemperatur: 16-17,5° R.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe
an Urin:
Fluida.Feste Speisen.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe etc.Nähere Bestandtheile:
7 U. 30 M. 200 CC. Wasser
400CaffeeButterbrod8 U. 15 M. 35 CC. 1023 st. s.III.klar.6,097 Gr. Harnstoff
9 551017 st. s.III.? Harnsäure
10 1261010 kaum s.II.0,300Schwefels.
11 1361009,5kaum s.II.0,732Phosphors.
2 250Bouillon 151171017 s.III.3,802Chlor.
500bair. B.Eierkuchen u.6 St.4691013 s.III.
Salat 14,949 Gr. Harnstoff
330200Caffee 6 Uhr. 242 CC. 1020 s.III.klar.?Harnsäure
830 M. 1531022,5s.III.0,804Schwefels.
830450TheeButterbrod11 1051024,5s.III.1,774Phosphors.
6 1431030 s.IV.5,208Chlor.
17 St.6431024 s.III‑IV.
24 St.2000 23 St.1112s. 21,046 Gr. Harnstoff
1,104Schwefels.
2,506Phosphors.
9,010Chlor.
Körpergewicht: den 8. Juli Morg. 9 Uhr 30 Min. = 121 230 Gramm.
9.=120400
Verlust = 330

Befinden: durchweg gut; Abends etwas ermüdet.
Beschäftigung: 7 St. anstrengende Arbeit. 5 St. Krankenbesuche. 7 St. Schlaf.
Hautthätigkeit: Morgens sowohl, als Nachmittags während der Krankenbesuche stark transpirirt.—
Darmentleerung: Abends 11 Uhr und Morgens 9 Uhr den 9. Juli sehr reichlich.—
Witterung: bedeckter Himmel, zum Theil Sonnenschein. Warme Luft.—W.—

Es war die Absicht, die vorstehenden Untersuchungen noch länger fortzusetzen. Die unerwartet verfrühete Abreise hinderte mich daran.—Bei der Kenntniss des Stoffwechsels von früher her, konnte jedoch auch eine 4tägige Untersuchungsreihe schon genügen und berechnen wir die Mittelwerthe aus derselben, so ergiebt sich Folgendes:

Auffällig gesteigert war, im Verhältniss zum Januar und Februar, sowohl die Haut- als Darmfunction.—Während im Februar bei dem täglichen Genuss von 1395 CC. Fluidis 1408 CC. Urin entleert wurden, wurden im Juli bei dem täglichen Genuss von 1921 CC. Fluidis nur 1317 CC. Urin entleert.—Durch die Haut wurden demnach gegen 500 CC. täglich mehr ausgeschieden, als im Februar, denn bei der feuchten Luft war die Wasserausscheidung durch die Lungen wohl nicht vermehrt; die vermehrte Darmfunction nahm allerdings wohl einen Theil der genossenen Fluida, im höchsten Falle jedoch nur etwa 70-80 CC. in Anspruch.—Das Körpergewicht nahm auch hier, und durchschnittlich täglich um 135 Gramm ab. Diese Abnahme würde jedoch auf ein Minimum reducirt sein, wenn nicht am 9ten Juli, kurz vor der Wägung eine sehr reichliche Defaecation Statt gefunden hätte, deren Gewicht etwa auf 400 Grm. geschätzt werden konnte.

Die 1317 CC. Urin enthielten im Durchschnitt:

24,431 Grm. Harnstoff.
0,418 Harnsäure.
1,404 Schwefelsäure.
2,893 Phosphorsäure, und
10,213 Chlor.

Der Harnstoffgehalt war demnach ganz gleich dem im Februar gefundenen. Die Schwefelsäure stand etwas niedriger, als damals, was zum grossen Theil von der gesteigerten Haut- und Darmthätigkeit, zum Theil von einer Veränderung des Trinkwassers herrühren mochte. Die Phosphorsäure war etwas vermehrt; das Chlor etwas vermindert, weil das Kochsalz wie im Januar, in nur gewöhnlicher Menge genossen wurde.—

Hiernach lässt sich denn, alle drei Untersuchungsreihen zusammengenommen, berechnen, dass mein Körper bei gewöhnlicher, dem Bedürfniss entsprechender Kost in 24 Stunden mit dem Urin ausschied: 24-25 Grm. Harnstoff, 0,35 Grm. Harnsäure, 1,6 Grm. Schwefelsäure, 2,54 Grm. Phosphorsäure und 10,5 Grm. Chlor; Grössenverhältnisse, welche wir bei den spätern Beobachtungen zum Vergleich benutzen werden. Die verschiedenen Jahreszeiten hatten auf dieselben mit Ausnahme der Harnsäure einen so unerheblichen Einfluss, dass derselbe hier füglich vernachlässigt werden darf.—

Auf die wechselnde und oftmals vorkommende schwach saure oder selbst alkalische Reaction des Urins während der letzten Untersuchungsreihe muss ich auch hier wieder aufmerksam machen. Welche Verhältnisse es bedingten, dass sich an einem Morgen stets saure, an einem andern Morgen abwechselnd saure, schwach saure und neutrale Reaction zeigte, vermag ich nicht mit Bestimmtheit zu entscheiden;—auffallend bleibt es nur, dass sich im Seebade bei sonst gleichen Lebensverhältnissen auch nicht ein einziges Mal nur eine schwach saure, geschweige denn eine neutrale Reaction des Urins zeigte.—

Wie aus den Tabellen ersichtlich ist, wurde in der letzten Untersuchungsreihe der Urin Morgens fast stündlich entleert, dann analysirt, und ihm gegenüber der Nachmittags- und Nacht-Urin ebenfalls zusammengeschüttet der Analyse unterworfen. Behuf der fernern Untersuchungen ist es nothwendig auch von diesen einzelnen Resultaten das Mittel zu kennen:

Bei dem regelmässigen Genuss von 600 CC. Fluidis des Morgens wurden bis 1 Uhr Mittags im Mittel entleert: 543 CC. Urin, mit

6,852 Grm. Harnstoff.
nur Spuren von Harnsäure.
0,303 Grm. Schwefelsäure.
0,686Phosphorsäure, und
3,673Chlor.

Nachmittags und Nachts dagegen wurden im Durchschnitt entleert:

774 CC. Urin, mit
17,579 Grm. Harnstoff.
0,370Harnsäure.
1,101Schwefelsäure.
2,207Phosphorsäure, und
6,540Chlor.

Wir werden sehen, in wiefern der Gebrauch des Seebades diese Verhältnisse modificirte und mit ihrer Kenntniss namentlich darüber eine Aufklärung erlangen, ob der momentane Einfluss des Bades ein mehr oder weniger bedeutender ist.—

Nach Beendigung dieser Untersuchungsreihe reiste ich am 10ten Juli nach dem Seebade Wangeroge ab und traf dort am 11ten Mittags ein.—Die Lebensweise war am 9. 10. u. 11ten sehr unregelmässig. Am 9ten war ich den ganzen Tag hindurch mit Besuchen, Reisevorkehrungen u. s. w. beschäftigt; am 10ten wurde erst 5 Uhr Abends dinirt, am 11ten um 2 Uhr.—Am 12ten (Mittwoch) kehrte ich möglichst zu der gewohnten Lebensweise zurück; genoss Morgens 200 CC. Wasser und 400 CC. Caffee mit Butterbrod, trank Abends 400 CC. Thee; Nachmittags 150 CC. Caffee und 200 CC. Wasser. In zwei Beziehungen wurde jedoch während des ganzen Aufenthalts in Wangeroge und so auch schon heute eine Aenderung nothwendig.—Einmal wurde meistens zwischen dem Caffee Morgens und dem Mittagsessen ein Frühstück, bestehend aus Butterbrod mit Fleisch und in der Regel einem Glase Portwein oder Bier eingenommen, und andrerseits wurde Mittags in der Regel mehr getrunken, als in Oldenburg. Das zweite Frühstück wurde deshalb oft geradezu Bedürfniss, weil der Caffee Morgens in der Regel früher, als in Oldenburg genossen wurde und das Mittagsessen oft, je nach der zur Fluthzeit festgesetzten Badezeit, viel später, um 21⁄2, 3, 4 u. 41⁄2 Uhr stattfand; kam gar ein den Appetit stets anregendes Bad hinzu, so fühlte ich zwischen 11 u. 12 Uhr Morgens das dringende Bedürfniss, etwas zu geniessen, und würde durch Nichtbefriedigung desselben einen Fehler begangen haben. Anfangs trank ich dann zum zweiten Frühstück Bier, ging aber später zu Portwein über, um durch die geringere Quantität (50-60 CC.) die dem Körper bis zum Mittagsessen einverleibte Flüssigkeitsmenge so wenig als möglich von der in Oldenburg genossenen differiren zu lassen.—War letzteres aber geschehen, so war der Durst Mittags oft sehr gross; Hautthätigkeit, Urinentleerung, Darmfunction u. s. w. hatten schon mehr erfordert, als Morgens an Fluidis genossen war; es war offenbar der Körpersubstanz schon Wasser entzogen und das Gefühl des Durstes fand in dieser Weise leicht seine Erklärung. In der Regel wurde Mittags dann Wein und Wasser getrunken; immer aber belief sich doch bei der 11⁄2 stündigen Mittagstafel die Quantität des Weines etwas höher, als in Oldenburg (hier auf 2-300 CC., in Wangeroge auf 3-400 CC.), ein Verhältniss, das allerdings für den Stoffwechsel nicht gleichgültig sein konnte, absichtlich aber auch nicht vermieden wurde, weil ich eben den Zweck verfolgte, den Einfluss des Badelebens in summa zu studiren, und mich also dem Verhalten der meisten Curgäste möglichst anschloss.—Es wurde oben schon bemerkt, dass es mir leider nicht möglich war, die Quantität der festen Speisen durch das Gewicht zu bestimmen; die Fluida wurden dagegen stets, wo immer sie auch genossen wurden, in graduirten Gläsern, die ich mir eigens zu diesem Zwecke anfertigte, abgemessen; nur der mitunter unvermeidliche Genuss von Bouillon (Mittags) machte eine Ausnahme nothwendig; die Quantität dieser konnte ich nur annähernd nach Esslöffeln, deren zwei 25 CC. enthielten, bestimmen. Der dabei mögliche Irrthum ist für die Resultate unerheblich.—

Ich hatte mir nun zunächst die Frage gestellt: in welcher Weise der Aufenthalt auf der Insel, ohne zu baden, auf den Stoffwechsel influire?, nahm also in den ersten Tagen kein Bad, sondern genoss nur die Seeluft in vollen Zügen, so viel und oft die Arbeit es erlaubte.—Die Untersuchungen begannen am 13ten Juli und wurden in dieser Weise zunächst 4 Tage lang fortgesetzt. Die Resultate waren folgende[7]:

[7] Die Lufttemperatur-Beobachtungen s. unten.—Die Barometerstände konnten leider nicht notirt werden, da es an einem geeigneten Instrumente fehlte.—


IV. UNTERSUCHUNGSREIHE.

13-14. Juli.

Tageszeit.Einnahme:Ausgabe
an Urin:
Fluida.Feste Speisen.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe etc.Nähere Bestandtheile:
7 U. 30 M. 200 CC. Wasser 7Uhr. letzte
400CaffeeButterbrod Entlee-
rung
8 33 CC. ?st. s.III. klar.7,544 Gr. Harnstoff
12 100WasserButterbrod mit9 521022 st. s.dto.0,016Harnsäure
Schinken10 2381005 s.II. klar.0,394Schwefels.
11 1681007 s.dto.0,629Phosphors.
2 350Rothw.Fleisch, Bohnen.12 1051011 st. s.II‑III. klar.3,969Chlor.
Mehlspeise; ge-1 601015,5st. s.dto.
kochtes Obst.6 St.6561009,5s.II‑III. klar.
Dessert.
330100Caffee 17,211 Gr. Harnstoff
6 Uhr. 228 CC. 1021 st. s.III. klar.0,142Harnsäure
8 400TheeButterbrod1030 M. 2551023 s.dto.1,052Schwefels.
6 2001025 st. s.dto.1,500Phosphors.
9 150Wasser 5,464Chlor.
17 St.6831023 st. s.III.
23 St.1700 23 St.1339 24,755Harnstoff
0,158Harnsäure
1,446Schwefels.
2,129Phosphors.
9,433Chlor.
Körpergewicht: 13. Juli Morgens 9 Uhr 15 Min. 122 10 Grm.
14.10121100
Abnahme = 410 Gramm.

Befinden: gut; der Appetit ist im Verhältniss zu Oldenburg nur wenig vermehrt.
Beschäftigung: 6 St. Arbeit.—Mittags u. Abends Spaziergang am Strande, im Ganzen circa 5 St.—Es bedarf jedoch der Bemerkung, dass diese Spaziergänge nie anstrengend waren und vielfach Gehen und Sitzen am Strande wechselten. Die körperliche Bewegung war in Oldenburg ohne Frage anstrengender.—7 St. Schlaf.
Hautfunction: nur Nachmittags eine Zeit lang stark transpirirt; sonst trockne, warme Haut.—
Darmentleerung: 11 Uhr Morgens und 101⁄2 Uhr Abends mässig viel, geballt.—
Witterung: stürmisch; Regen.—SW.-Wind.

14-15. Juli.

Tageszeit.Einnahme:Ausgabe
an Urin:
Fluida.Feste Speisen.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe etc.Nähere Bestandtheile:
6 Uhr. 200 CC. Wasser
630M.400CaffeeButterbrod7 Uhr. 34 CC. ?st. s.III. klar.
8 821019,2s.dto.10,355Gr.Harnstoff
1230Butterbrod mit9 581012 s.II‑III.0,084Harnsäure
Schinken10 2871005 schw. s.II. klar.0,556Schwefels.
11 691017 s.II.0,709Phosphors.
12 1051011 st. s.II.4,746Chlor.
2 575WasserFisch; Häring u.130 M. 601020 st. s.III.
u. WeinBohnen; Mehl-71⁄2 St.6951012 st. s.III.
speise; Kalbsbra-
ten. Dessert.6 Uhr. 204 CC. 1025 s.III.19,682 Gr. Harnstoff
330100Caffee 0,267Harnsäure
10 3351021 s.II‑III.1,378Schwefels.
6 200Wasser 1,635Phosphors.
830400TheeButterbrod6 2181026 s.III‑IV.7,419Chlor.
161⁄2 St.7571024 s.III.
24 St.1875 24 St.1452 30,037 Gr. Harnstoff
0,351Harnsäure
1,934Schwefels.
2,344Phosphors.
12,165Chlor.

Körpergewicht: Zunahme = 290 Gramm.

Befinden: gut; Abends etwas ermattet.—
Beschäftigung: Morgens 6 St. geschrieben u. gearbeitet. 2 St. microscop. Beobachtungen. Nachmittags 21⁄2 St. gearbeitet. Die übrige Zeit meistens in der Luft. 7 St. Schlaf.
Hautfunction: im Allgemeinen trockene, aber warme Haut.
Darmentleerung: Morgens 9 Uhr ziemlich reichlich.—Die Farbe dunkel, beträchtlich dunkler als in Oldenburg.
Witterung: mässig windig.—WSW.—Einzelne Sonnenblicke. Kein Regen.—

15-16. Juli.

Tageszeit.Einnahme:Ausgabe
an Urin:
Fluida.Feste Speisen.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe etc.Nähere Bestandtheile:
6 U. 30 M. 200 CC. Wasser
400CaffeeButterbrod7 Uhr. 30 CC. }1021 st. s.III. klar.
8 8510,553 Gr. Harnstoff
930 M. 165 1009 s.II.SpurenHarnsäure
12 Butterbrod mit1015165 1006,5s.I‑II.0,515 Gr. Schwefels.
Schinken1115248 1006 kaum s.dto.0,947Phosphors.
121566 1018 s.II‑III.6,357Chlor.
230200SuppeFisch. Wurzeln14572 1020,5st. s.III.
400Weinu. Schinken.73⁄4 St.831 1011 s.III.
Ochsenbraten.
Dessert.
330180Caffee 6 Uhr. 180 CC. 1024 s.III.17,931 Gr. Harnstoff
0,170Harnsäure
6 200Wasser 1030 M. 270 1021,5s.III.1,146Schwefels.
1,445Phosphors.
9 400TheeButterbrod615245 1021 st. s.III‑IV.5,768Chlor.
161⁄4 St.695 1022 st. s.III‑IV.
24 St.1980 24 St.1526 28,484 Gr. Harnstoff
0,170Harnsäure
1,661Schwefels.
2,392Phosphors.
12,125Chlor.

Körpergewicht: Zunahme = 261 Gramm.

Befinden: Morgens früh wenig Appetit. Mittags gut.—Abends sehr gutes Befinden. Im Allgemeinen könnte die geistige Regsamkeit frischer sein.—
Beschäftigung: 71⁄2 St. Arbeit im Zimmer.—2 St. microscop. Beobacht.—Morgens früh 1 St. und Nachmittags 4 St. in der freien Luft zugebracht.
Hautfunction: Morgens stets trocken.
Darmentleerung: Morgens 8 Uhr und Abends 101⁄2 Uhr ziemlich viel, breiig.
Witterung: Morgens: schön, sonnig, ruhig.—Abends fast gänzliche Windstille. SSW.

16-17. Juli.

Tageszeit.Einnahme:Ausgabe
an Urin:
Fluida.Feste Speisen.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe etc.Nähere Bestandtheile:
6 U. 45 M. 200 CC. Wasser
400CaffeeButterbrod7 U. 15 M. 17 CC. }1026 s. st. s.III. klar.
815378,425 Gr. Harnstoff
91555 1023 s.III.kaum Spuren Harns.
12 350bair. B.Butterbrod mit1015232 1004,5s.I‑II.0,495 Gr. Schwefels.
Fleisch111582 1010 st. s.II.0,859Phosphors.
115403 1003,5s.I‑II.3,097Chlor.
230150Bouill.Hühner in Reis;7 St.826 1008 st. s.II.
400WeinWurz. u. Lachs;
Kalbsbraten.6 Uhr. 262 1017 st. s.III.18,350 Gr. Harnstoff
Dessert. 0,179Harnsäure
330120Caffee 1030 M. 249 1020,5st. s.II‑III.1,189Schwefels.
1,791Phosphors.
9 400TheeButterbrod630223 1021 st. s.III‑IV.5,578Chlor.
171⁄4 St.734 1019,5st. s.III.
241⁄4 St.2020 241⁄4 St.1560 26,775 Gr. Harnstoff
0,179Harnsäure
1,684Schwefels.
2,650Phosphors.
8,675Chlor.
Körpergewicht: Morgens den 16. Juli 9 Uhr 40 Min. 122 151 Grm.
17.925122248
Zunahme = 97 Gramm.

Befinden: gut.—Nachmittags erlitt die Stimmung eine Depression durch die Nachricht vom plötzlichen Tode eines Freundes.—
Beschäftigung: 8 St. Arbeit.—Die erste Stunde des Tages wurde regelmässig am Strande mit Temperaturbestimmung des Wassers, der Luft und ozonometrischen Beobachtungen hingebracht. Ebenso die Zeit von 73⁄4 - 81⁄4 Abends.—Uebrige Tageszeit in freier Luft.—71⁄2 St. Schlaf.
Hautfunction: durchaus keine starke Transpiration, aber stets angenehm warme Haut.
Darmentleerung: Abends 10 Uhr sehr wenig.—
Witterung: O.-Wind.—Sehr warm. Klarer Sonnenschein.—

Bei der für den Aufenthalt auf der Insel bestimmten Frist, durfte ich, um die Untersuchung nach dem gefassten Plane durchführen zu können, die Beobachtungen über die ausschliessliche Einwirkung der Luft nicht länger, als diese 4 Tage hindurch fortsetzen.—Die Resultate, die sie lieferten, sind aber nichtsdestoweniger zuverlässig.—Die sämmtlichen der Willkür unterworfenen Lebensverhältnisse, und insonderheit die geistigen und körperlichen Anstrengungen waren der Art, dass durch sie die aufgefundene Zunahme der Intensität des Stoffwechsels nicht herbeigeführt werden konnte; die letztern waren geradezu geringer als in Oldenburg; die Resultate der Untersuchungen konnten somit nur durch Verhältnisse bedingt sein, denen man sich nicht zu entziehen vermochte, d. h. durch klimatische Einflüsse.—Berechnen wir aber die Mittelwerthe der einzelnen Beobachtungen, so ergiebt sich, dass bei dem Genuss von täglich 1894 CC. Fluidis 1469 CC. Urin entleert wurden, und dass in diesem enthalten waren: 27,513 Grm. Harnstoff, 0,214 Grm. Harnsäure, 1,681 Grm. Schwefelsäure, 2,379 Grm. Phosphorsäure und 10,599 Grm. Chlor; dabei nahm das Körpergewicht täglich um 59,5 Grm. zu; und sehen wir ferner, wie sich diese Quantitäten auf die Morgenstunden von 6-1 Uhr, und die übrige Tageszeit vertheilen, so wurden

in den Vormittagsstunden entleert: 752 CC. Urin mit
9,219 Grm. Harnstoff
0,025 Harnsäure
0,490 Schwefelsäure
0,786 Phosphorsäure und
4,542 Chlor.
in den übrigen Tagesstunden: 717 CC. Urin mit
18,293 Grm. Harnstoff
0,189 Harnsäure
1,191 Schwefelsäure
1,593 Phosphorsäure und
6,057 Chlor.

Diese Zahlenwerthe geben, verglichen mit den in Oldenburg erhaltenen, schon zu nicht unwichtigen Reflexionen und Schlüssen Anlass.—Die Quantität der in Wangeroge genossenen Fluida war zunächst nahezu dieselbe, wie die in Oldenburg; sie war um nur 27 CC. per Tag geringer.—Die Quantität des Urins fiel dagegen um 150 CC. grösser aus, als in Oldenburg, ein Verhältniss, welches ohne Frage seine Erklärung darin findet, dass die Hautausdünstung in W. während der 4 Untersuchungstage viel geringer war, als in Oldenburg.— Der Harnstoff belief sich um 3 Grm. höher, als im Juli, und um circa 2 Grm. höher als im Januar und Februar in Oldenburg.—Diese Vermehrung musste ausschliesslich in einer vermehrten Einnahme an Nahrungsmaterial ihren Grund haben; denn, wie oben erwähnt, nahm das Körpergewicht während dieser Zeit nicht ab, sondern täglich um 59,2 Grm. zu. Aber ich bemerkte schon oben, dass der Appetit keineswegs sehr auffallend vermehrt war, ich wiederhole hier, dass nur ganz dem Bedürfniss entsprechend, und ganz in gleicher Weise, wie in Oldenburg, Nahrung genommen wurde. Dass sie dabei beträchtlicher ausfiel, als auf dem Festlande, war nicht Folge einer Willkür, es war eine Nothwendigkeit, der ich nicht ausweichen konnte, wenn ich nicht Hunger leiden, d. h. mein Befinden stören wollte. Entsprechend dem Harnstoff finden wir die Schwefelsäure des Urins um 0,28 Grm. täglich vermehrt. Wir wissen, dass die Schwefelsäure, wie der Harnstoff, ihre Hauptquelle in den Albuminaten der Nahrungsmittel hat; die Vermehrung kann also nach dem eben Gesagten nicht auffallen, und dass nicht etwa das Trinkwasser daran Schuld war, geht daraus hervor, dass dasselbe nach meiner Bestimmung mittelst Titrirens in Wanger. in 100 CC. = 0,015 Grm., in Oldenb. = 0,0187 Grm. enthielt.—Das Chlor war nur unbedeutend vermehrt, täglich um 0,38 Grm. Dieses Quantum darf mit Fug und Recht auf die vermehrte Einnahme fester Nahrungsbestandtheile geschoben werden; das Trinkwasser konnte auch diese Verschiedenheit nicht bedingen, da dasselbe in Wangeroge in 100 CC. 0,095 Grm., in Oldenburg 0,090 Grm. Chlor enthielt[8].—Wie aber verhielt sich diesen Befunden gegenüber der Mittelwerth für die täglich entleerte Harnsäure und Phosphorsäure?—Es kann nicht anders, als auffallend bezeichnet werden, dass wir nicht nur keiner Vermehrung derselben, sondern sogar einer Verminderung begegnen, einer Verminderung nicht nur im Verhältniss zu den im Juli, sondern selbst im Verhältniss zu den in der kalten Winterzeit in Oldenburg gewonnenen Resultaten!—Diese unzweifelhafte Thatsache treibt uns mit Nothwendigkeit zu dem Schluss, dass Harnsäure und Phosphorsäure andern Gesetzen der Stoffmetamorphose unterliegen, als Harnstoff und Schwefelsäure. Letztere beide wachsen und nehmen ab je nach der grössern oder geringern Quantität eingeführter Albuminate (stickstoffhaltiger Nahrungsbestandtheile); jene dagegen vermehren und vermindern sich offenbar je nach der geringern oder grössern Intensität der Oxydationsprocesse; sie verhalten sich umgekehrt wie jene; ein gesteigerter Oxydationsprocess, wie er ohne Frage auch hier Statt hatte, vermehrt, entsprechend der Nahrungseinnahme, Harnstoff- und Schwefelsäureausscheidung, vermindert dagegen Harnsäure- und Phosphorsäuregehalt des Urins. Wäre der Phosphorsäuregehalt des Urins, ähnlich wie der Schwefelsäuregehalt, nur ein Ausdruck für die grössere oder geringere Quantität eingeführter Nahrungsmittel (Phosphate), so hätte er in Wangeroge offenbar auch höher ausfallen müssen, als in Oldenburg, und den landeskundigen Freunden bemerke ich ausdrücklich, dass ich in Wangeroge täglich dieselbe Quantität des an Phosphorsäure reichen Schwarzbrodes genoss, wie in Oldenburg. Er fiel aber nicht nur relativ, sondern auch absolut nicht unbedeutend geringer aus, als in Oldenburg, und solches Verhältniss kann kaum in etwas Anderem seinen Grund haben, als in Veränderungen der Stoffmetamorphose, die eine verminderte Ausscheidung an Phosphorsäure bedingten, zu einer Retention derselben im Organismus führten.—Fragen wir nach der Art dieser Veränderungen, so müssen wir eine über alle Zweifel erhabene Antwort schuldig bleiben. Nach meinen vielfachen frühern Untersuchungen kann ich aber nicht anders, als auf das oft von mir beregte Verhältniss der Oxalsäurebildung recurriren, und ich glaube eben in den aufgefundenen Verhältnissen auf’s Neue eine Bestätigung dafür gefunden zu haben.—Ich habe den Satz aufgestellt[9], dass eine retardirte Metamorphose der Albuminate in mangelhafter Oxydation der Harnsäure und ihrer Zerlegungsproducte, in spec. der Oxalsäure einen Ausdruck finde; dass eine mangelhafte Oxydation dieser letztern zu Kohlensäure eine vermehrte Auflösung und Ausscheidung von dem organischen Nexus angehörigen Erdphosphaten bedinge, dass eine solche vermehrte Ausscheidung von Erdphosphaten aber allemal mit Abmagerung des Körpers verbunden sei, weil eben der phosphorsaure Kalk ein nothwendiges Requisit für die Zellenbildung abgebe. Ich habe darauf hingewiesen, dass diese Zustände insonderheit frappant bei scrophulösen, namentlich atrophischen Kindern hervortreten, und die tägliche Beobachtung lehrt uns, dass diese Kinder grosse Quantitäten von Harnsäure, Oxalsäure und Erdphosphaten mit dem Urin ausscheiden. Wir erfahren jetzt, dass der Aufenthalt auf der Nordsee-Insel die Oxydationsprocesse steigert, grossen Bedarf an Nahrungsmaterial bedingt; aber die Harnsäure und der Phosphorsäuregehalt des Urins vermindern sich dessohnerachtet. Können wir zweifeln, dass raschere Oxydation der Harnsäure, rascheres Zerfallen in Oxalsäure und Harnstoff, raschere Oxydation der so entstandenen Oxalsäure und eventualiter verminderte Ausscheidung von Phosphorsäure (Erdphosphaten) in dieser Weise bedingt sind? Steht damit die Gewichtszunahme des Körpers, d. h. also der gesteigerte Ernährungsprocess nicht im schönsten Einklange? Ich habe es in Oldenburg versucht, so viel als möglich Nahrung zu mir zu nehmen; der Erfolg war der, dass die Quantität des entleerten Harnstoffs allerdings wuchs, die Harnsäure aber ebenfalls zunahm, die Phosphorsäure ebenfalls in vermehrter Quantität ausgeschieden wurde und das Körpergewicht in 24 Stunden nicht zu- sondern abnahm; und solche Ergebnisse liefert uns die Praxis bei vielessenden scrophulösen Kindern in Menge. Am Seestrande blühen aber gerade diese, auch ohne zu baden, in auffallendster Weise auf, wie ich mich auch in diesem Jahre in Wangeroge und vor 3 Jahren an der englischen Küste auf das Unzweideutigste überzeugt habe; die harnsauren Salz-Sedimente schwinden, der Gehalt des Urins an oxalsaurem Kalk und phosphorsauren Erden nimmt ab.—Kann man über den physiologischen Nexus dieser Facta in Zweifel sein? Kann man es insonderheit bei Berücksichtigung der hohen Wichtigkeit, den die Phosphorsäure allen Untersuchungen zufolge für den Ernährungsprocess besitzt?—Doch ich überlasse es Jedem, sich eine andere Theorie zu schaffen; mir steht die gegebene Erklärung mit allen Thatsachen in so leicht verständlichem Zusammenhang, dass ich nicht davon abzugehen vermag.—

[8] Diese Bestimmungen wurden ganz in derselben Weise vorgenommen, wie beim Urin. Selbstverständlich wurde behuf der Chlorbestimmung eine künstliche Harnstofflösung mit dem betreffenden Wasser bereitet, im Uebrigen dann ganz, wie bei der Chlorbestimmung im Harn verfahren.—

[9] Vrgl. meine Entwickelungsgeschichte der Oxalurie. Göttingen 1852.

Fassen wir es also nochmals kurz zusammen: der ausschliessliche Genuss der Seeluft auf Wangeroge hatte bei mir eine Steigerung des Nahrungsbedürfnisses zur Folge; in Folge dieses wurde mehr Material eingeführt, in dem Urin fand sich eine entsprechende Vermehrung des Harnstoffs und der Schwefelsäure wieder; Harnsäure und Phosphorsäuregehalt des Urins waren dagegen nicht nur nicht vermehrt, sondern absolut und relativ vermindert; ein gesteigerter Oxydationsprocess fand in dieser Weise seinen Ausspruch. Der Körper gewann an Phosphorsäure und zwar in 4 Tagen etwa 2 Grm.—Das Körpergewicht nahm dabei um 238 Grm. zu.—

Wie vertheilten sich diese Verhältnisse auf die Morgenstunden und übrige Tageszeit?—Werfen wir einen Blick auf die oben mitgetheilten Zahlenwerthe, so ist leicht ersichtlich, dass die Stoffmetamorphose in den Morgenstunden die stärkste Beschleunigung während der 24 Tagesstunden erfuhr. Bei gleicher Quantität und Qualität der Morgens genossenen Fluida wurden statt der 543 CC. in Oldenb., in Wang. 752 CC. Fluida entleert, statt 6,85 Grm. Harnstoff 9,21 Grm., statt 0,30 Grm. Schwefelsäure 0,49 Grm. Die besprochene Verminderung der Harnsäure war eine absolute; statt 0,047 Grm. wurden nur 0,025 Grm. ausgeschieden; die der Phosphorsäure dagegen nur eine relative; statt 0,68 Grm. Phosphorsäure wurden 0,78 Grm. entleert. Nachmittags und Nachts war es anders. Die Beschleunigung des Stoffwechsels war weniger auffällig; statt 17,57 Grm. Harnstoff wurden nur 18,29 Grm., statt 1,10 Grm. Schwefelsäure nur 1,19 Grm. ausgeschieden; die gesteigerte Oxydation sprach sich dagegen auf das deutlichste aus, statt 0,37 Grm. Harnsäure wurden nur 0,18 Grm., statt 2,20 Grm. Phosphorsäure nur 1,59 Grm. ausgeschieden. Ich weiss mir diese Verhältnisse kaum anders zu erklären, als dadurch, dass die Morgenstunden die einzige Zeit des Tages bildeten, in der ich mich einer anhaltenden Thätigkeit im Zimmer unterzog, die Nachmittagsstunden dagegen zum grössten Theil in der frischen Seeluft zugebracht wurden, so dass diese und gleichzeitig die nächtlichen Stunden hauptsächlich als die Zeit der gesteigerten Oxydationsprocesse und des gehobenen Ernährungsprocesses, der Anbildung bezeichnet werden dürften.—

Auffällig war endlich noch ein Umstand; ich meine den der stets stark sauren oder sauren und niemals neutralen Reaction des Urins, wie sie doch in Oldenburg vorkam.—Bei dem verminderten Gehalt des Urins an Phosphorsäure könnte man geneigt sein, diesen vermehrten Säuregehalt des Urins von einem grössern Gehalte desselben an organischen Säuren herzuleiten. Allein es ist dies der Bestimmtheit gesteigerter Oxydationsprocesse gegenüber eine missliche Annahme; möglich, dass das Quantum der mit Natron verbundenen, die saure Reaction des Urins insonderheit bedingenden Phosphorsäure der Einnahme entsprechend eher vermehrt, als vermindert war, das minus der Phosphorsäure in summa aber insonderheit von einem verminderten Gehalte des Urins an Erdphosphaten herrührte.—Ich muss die Frage in suspenso lassen. Das Factum des gesteigerten Säuregrades steht fest.—

Hiernach ging ich zu den Untersuchungen über die Einwirkung des Aufenthalts auf der Insel, inclusive eines täglich genommenen Bades, über.—Wegen der in den nächsten Tagen in die Mittagsstunden fallenden Badezeit, war es nicht wohl möglich, sogleich die momentane Einwirkung des Bades zu studiren, da die Vorbereitungen dazu nur auf ein in die frühen Morgenstunden fallendes Bad berechnet waren.—Ich untersuchte daher in den ersten 3 Tagen nur den Urin von je 24 Stunden, und in den folgenden 4 Tagen erst wieder den der Morgen- und übrigen Tagesstunden getrennt.—Die Temperatur des Seewassers wurde an dem Badeplatze mit einem Greiner’schen in 1⁄10 Grade getheilten Thermometer nach Reaumur bestimmt.—Bevor ich zu den Betrachtungen der Resultate dieser Untersuchungen übergehe, lasse ich sie selbst folgen:


V. UNTERSUCHUNGSREIHE.

17-18. Juli.

Seebad: Mittags 12 Uhr 30 Min.—Dauer: 5 Minuten.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe
an Urin:
Fluida.Feste Speisen.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe etc.Nähere Bestandtheile:
7 Uhr. 200 CC. Wasser
815 M. 400CaffeeButterbrod9 Uhr. 94 CC. 1021 st. s.III.
1040 M. 1501012 s.II‑III.
11401701006 s.I‑II.
110390BierButterbrod mit1101501009 st. s.II.
Schinken2103521001,5s.I.
315681016 st. s.II.27,932 Gr. Harnstoff
330150Bouill.Hühner u. Reis; 0,277Harnsäure
470Wein u.Erbsen; Rinder-9 St.9881010 st. s.II.1,827Schwefels.
Wasserbraten; Dessert. 2,663Phosphors.
7 U. 30 M. 2241019 st. s.III.9,500Chlor.
5 135Caffee
10301801021 st. s.(II)‑III.
830200Wasser
9 400TheeButterbrod7 2321024 st. s.III.
153⁄4 St.6361022 st. s.III.
243⁄4 St.2345 243⁄4 St.16241015 st. s.II‑III.
Körpergewicht: 17. Juli Morgens 9 Uhr 25 Min. 122 248 Grm.
18.93012260
Abnahme = 188 Gramm.

Befinden: im Allgemeinen gut; nach dem Bade etwas ermattet. Abends frisch.—
Beschäftigung: 7 St. Arbeit.—6 St. im Freien.—8 St. Schlaf.—
Hautfunction: Mittags nach dem Bade u. Abends stark transpirirt.—Die bethätigte Hautfunction giebt sich durch das Erscheinen einiger Ecthyma-Pusteln im Gesicht kund.
Darmentleerung: Morgens 11 Uhr 40 Min. und Abends 10 Uhr 30 Min. wenig.—
Witterung: OSO.—Nachmittags schwüle, drückende Luft. Abends Regen.—

18-19. Juli.

Seebad: Mittags 1 Uhr 20 Min. 18° R.—Dauer 5 Minuten.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe
an Urin:
Fluida.Feste Speisen.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe etc.Nähere Bestandtheile:
7 U. 30 M. 200 CC. Wasser
400CaffeeButterbrod8 U. 30 M. 48 CC. 1025st. s.III.
930541021st. s.II‑III.
2 350BierButterbrod mit10401121017s.II.
Schinken11401221012s.II.
1240641017s.II.27,785 Gr. Harnstoff
4 100SuppeFisch; Kartoffeln,2 1341009st. s.I‑II.0,285Harnsäure
450Wein u.Kohl u. Fricadel-353551001st. s.I.1,802Schwefels.
Wasserlen; Kalbsbraten.4 461016st. s.II.2,810Phosphors.
Dessert.9 St.9351010st. s.II.11,083Chlor.
5 110Caffee
7 U. 45 M. 166 CC. 1022st. s.III.
9 200Wasser 10152001019s.II‑III.
200Thee 6302601024st. s.III.
141⁄2 St.6261022st. s.III.
231⁄2 St.2010 231⁄2 St.15611015st. s.II‑III.

Körpergewicht: Verlust = 98 Gramm.

Befinden: gut; Abends abgespannt und müde.—Appetit nur mässig.—Morgens beim Erwachen unreiner Geschmack und belegte Zunge.—
Beschäftigung: 7 St. gearbeitet.—Viel am Strande auf- und niedergegangen.—8 St. Schlaf.—
Hautfunction: Abends stark transpirirt.—
Darmentleerung: Morgens 8 Uhr 30 Min. u. Abends 10 Uhr 15 Min. reichlich, weich-breiig, dunkel gefärbt.
Witterung: Morgens viel Sonne. Nachmittags bedeckter Himmel. O.-Wind.—

19-20. Juli.

Seebad: 2 Uhr 30 Min. 19,1° R. warm.—Dauer: 7 Min.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe an Urin:
Fluida.Feste Speisen.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe etc.Nähere Bestandtheile:
6 U. 45 M. 200 CC. Wasser
715400CaffeeButterbrod7 U. 40 M. 33 CC. ?st. s.III.
9 901020 III.
11 1751015 II‑III.
15370BierButterbrod mit12 1521009 I‑II.
Schinken.1 1121009 I.
2 621016 II.28,390 Gr. Harnstoff
430100BouillonRindfl. u. Kartof-3301381011 II.0,290Harnsäure
500Wasserfeln; Erbsen u.430421021 III.1,717Schwefels.
u. WeinSchinken; Rin- 2,593Phosphors.
derbraten.10 St.8041014 II.11,005Chlor.
Dessert.10 U. 45 M. 360 CC. 1020 st. s.III.
615110Caffee
5452381022 III.
9 400TheeButterbrod
131⁄4 St.5981020,8III.
231⁄4 St.2080 231⁄4 St.14021017 II‑III.

Körpergewicht: Zunahme = 198 Gramm.

Befinden: Morgens nicht gut; matt; auch nach dem Bade bleibt die Müdigkeit. Abends dagegen sehr frisch.—Appetit kräftig.—
Beschäftigung: 7 St. gearbeitet.—Körperliche Bewegung unbedeutend. 71⁄2 St. Schlaf.—
Hautfunction: ?—
Darmentleerung: 9 Uhr Morgens und 10 Uhr 45 Min. Abends mässig viel;—dunkel gefärbt.
Witterung: heiterer Himmel. Sonnenschein. Bedeutende Wärme. WNW.-Wind.—

20-21. Juli.

Seebad: 6 Uhr Morgens. 14,7° R. warm.—Dauer: 7 Min.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe
an Urin:
Fluida.Feste Speisen.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe etc.Nähere Bestandtheile:
5 U. 50 M. 200 CC. Wasser
7 400CaffeeButterbrod6 U. 45 M. 65 CC. 1019 st. s.III.
745881017 9,868 Gr. Harnstoff
845771017 II.0,094Harnsäure
10151381013 s.0,592Schwefels.
1230600WasserGekochter Schin-11202111006 st. s.I.0,847Phosphors.
u. Weinken u. Kohl. Rin-12151521006,5s.4,861Chlor.
derbraten.
Dessert.61⁄2 St.7311011,5st. s.II.
3 120Caffee
5 U. 15 M. 227 CC. 1023,5st. s.III.18,299 Gr. Harnstoff
0,277Harnsäure
11 2341022 III.1,350Schwefels.
830400TheeButterbrod und 1,741Phosphors.
Schinken6 1701027 III‑IV.5,048Chlor.
173⁄4 St.6311024 st. s.III.
241⁄4 St.1720 241⁄4 St.1362 28,167 Gr. Harnstoff
0,371Harnsäure
1,942Schwefels.
2,588Phosphors.
9,909Chlor.

Körpergewicht: Abnahme = 452 Gramm.

Befinden: gut; das Bad macht in den nächstfolgenden Stunden mehr matt als frisch.—
Beschäftigung: 7-8 St. gearbeitet.—7 St. Schlaf.—
Hautfunction: bedeutend bethätigt. Schon Morgens 8 Uhr stark transpirirt. Ebenso Nachmittags beim Strandspaziergang.—
Darmentleerung: Morgens 8 Uhr 45 Min. mässig viel, weich-breiig; Abends 11 Uhr wenig, härtlich.
Witterung: SOS.-Wind.—Sehr bedeutende Wärme. Nachts Gewitter.

21-22. Juli.

Seebad: 6 Uhr 30 Min. 14,6° R. warm.—Dauer: 10 Min.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe
an Urin:
Fluida.Feste Speisen.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe etc.Nähere Bestandtheile:
6 Uhr. 200 CC. Wasser
7 400CaffeeButterbrod7 Uhr. 51 CC. 1021 st. s.III.
815 M. 48}1023 8,580 Gr. Harnstoff
9 450,121Harnsäure
10 48 1021 0,468Schwefels.
1 680WasserFisch u. Kartoff.,111545 1020 0,742Phosphors.
u. WeinBlumenkohl und115030}1022 s.2,465Chlor.
Wurst; Kalbsbra-1 45
ten. Dessert.7 St.312 1022 st. s.III.
230 M. 110Caffee 6 Uhr. 195 CC. 1023 st. s.III.21,027 Gr. Harnstoff
0,284Harnsäure
8 400TheeButterbrod und1130 M. 254 1025,51,553Schwefels.
150WasserEier. 1,967Phosphors.
1030100Wein 645198 1022 4,917Chlor.
173⁄4 St.647 1024 st. s.III.
243⁄4 St.2040 243⁄4 St.959 29,607 Gr. Harnstoff
0,405Harnsäure
2,021Schwefels.
2,709Phosphors.
7,382Chlor.

Körpergewicht: Zunahme = 600 Gramm.

Befinden: gut; die enorme Hitze übt jedoch einen ermattenden Einfluss.
Beschäftigung: 6 St. Arbeit.—Lange Zeit am Strande zugebracht. Abends 8-91⁄2 Uhr Besuch eines Concertes.—7 St. Schlaf.
Hautfunction: beständig leichtere oder stärkere Transpiration.—
Darmentleerung: 10 Uhr Morgens, 3 Uhr Nachmittags u. 11 U. 30 Min. reichliche, weich-breiige Sedes.
Witterung: sehr bedeutende Wärme.—SO.-Wind.—(Mittags 22° R. im Schatten.)

22-23. Juli.

Seebad: Morgens 7 Uhr 30 Min. 16,3° R. warm.—Dauer: 5 Min.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe
an Urin:
Fluida.Feste Speisen.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe etc.Nähere Bestandtheile:
8 Uhr 200 CC. Wasser 7,212 Gr. Harnstoff
400CaffeeButterbrod8 U. 45 M. 73 CC. 1021 st. s.III.0,076Harnsäure
1045991019,5st. s.0,429Schwefels.
12452201008,5s.0,643Phosphors.
2,685Chlor.
6 St.3921013 st. s.III.
1 600Wein u.Fisch u. Kartoff.
WasserErbsen u. Frica-6 Uhr 311 CC. 1020 s.III.
dellen; Kalbsbrat.
Dessert.830 M. 1281021,5s.21,762 Gr. Harnstoff
230 M. 110Caffee 0,118Harnsäure
7 200Wasser 10301651019,5s.1,467Schwefels.
1,757Phosphors.
830400TheeButterbrod.—6452021025 st. s.III‑IV.6,246Chlor.
Schinken.
18 St.8061021,5st. s.III.
24 St.1910 24 St.1198 28,974Harnstoff
0,194Harnsäure
1,896Schwefels.
2,400Phosphors.
8,931Chlor.

Körpergewicht: Abnahme: 249 Gramm.

Befinden: gut; Abends schwerfällig, müde;—deprimirte Stimmung.
Beschäftigung: 61⁄2 St. gearbeitet.—Ausser Spaziergängen einige Krankenbesuche.—8 St. Schlaf.—
Hautfunction: Haut beständig feucht, zeitweilig stark transpirirend.—Die Schweisse reagiren sehr stark sauer.—
Darmentleerung: Abends 81⁄2 Uhr mässig viel.—
Witterung: O.-Wind.—Morgens sehr schwül.—Die enorme Hitze hält an.—

23-24. Juli.

Seebad: 7 Uhr 15 Min. 17,3° R. warm.—Dauer: 7 Min.
Tageszeit.Einnahme:Ausgabe
an Urin:
Fluida.Feste Speisen.
Zeit.Quanti-
tät.
Sp. Gew.Reaction.Farbe etc.Nähere Bestandtheile:
7 Uhr. 200 CC. Wasser
8 400CaffeeButterbrod7 U. 45 M. 28 CC. }1019,5s.III.7,370 Gr. Harnstoff
845450,087Harnsäure
12 Butterbrod mit95078 1022 st. s.0,416Schwefels.
Caviar.1150110 1016 s.0,609Phosphors.
125050 1021,5s.3,141Chlor.
2 200BouillonHummer; Kohl
500Wein u.u. Schink.; Hüh-6 St.311 1019 s.III.
Wassernerbrat.; Dessert. 20,143 Gr. Harnstoff
4 120Caffee 6 U. 30 M. 212 CC. 1027 st. s.III.0,247Harnsäure
200Wasser 1030199 1025 st. s.1,626Schwefels.
430 M. 200 7 205 1027 s.1,946Phosphors.
815350 4,373Chlor.
830400TheeButterbrod181⁄4 St.616 1026,5st. s.III.
241⁄4 St.2570 241⁄4 St.927 27,513 Gr. Harnstoff
0,334Harnsäure
2,042Schwefels.
2,555Phosphors.
7,514Chlor.
Körpergewicht: Morg. den 23. Juli 9 Uhr 50 Min. = 122 59 Gramm.
24.1040=123152
Zunahme = 593 Gramm.

Befinden: gut; gegen Abend Mangel gewohnter Frische.—Nachmittags sehr starker Durst.
Beschäftigung: 6 St. gearbeitet.—81⁄2 St. Schlaf.
Hautthätigkeit: starke Transpiration. Die Haut ist stets feucht.—
Darmentleerung: Morgens 8 Uhr 45 Min. und Abends 10 Uhr 30 Min. ziemlich viel.—
Witterung: NON.-Wind.—Die Hitze hält an.—

Die Mittelwerthe der vorstehenden 7tägigen Untersuchungsreihe berechnen sich für die 24stündige Periode in folgender Weise: bei der täglichen Einnahme von 2096 CC. Fluidis wurden 1290 CC. Urin entleert, und in diesen waren enthalten: 28,338 Grm. Harnstoff, 0,308 Grm. Harnsäure, 1,892 Grm. Schwefelsäure, 2,617 Grm. Phosphorsäure und 9,332 Grm. Chlor.—Auf die Morgenstunden und übrige Tageszeit vertheilten sich diese Quantitäten in den letzten 4 Tagen so, dass Morgens, d. h. also unmittelbar nach dem Bade in der See entleert wurden:

436 CC. Urin mit
8,257 Grm. Harnstoff
0,094Harnsäure
0,476Schwefelsäure
0,710Phosphorsäure und
3,288Chlor
und während der übrigen Tageszeit: 675 CC. Urin mit
20,308 Grm. Harnstoff
0,231Harnsäure
1,499Schwefelsäure
1,852Phosphorsäure und
5,146Chlor.

Diese Ergebnisse waren nichts weniger, als meinen Erwartungen entsprechend. Aus dem, was man in oberflächlicher Erfahrung von der Wirkung anderer kalter Bäder und genauer von den Sitzbädern[10] weiss, hätte ich zunächst eine bedeutendere Steigerung der Urinsecretion erwartet. Trotzdem jedoch, dass die Quantität genossener Fluida sich um 200 CC. höher belief, als in Oldenburg, wurden 120 CC. Urin weniger ausgeschieden als dort, und fast 200 CC. weniger, als in den Tagen in Wangeroge, an denen kein Seebad genommen wurde. Es ist offenbar, dass in diesen Tagen die Haut um 3-400 CC. mehr, als in den vorhergehenden Untersuchungstagen ausschied, wenn auch ein kleiner Theil des im Urin fehlenden Wassers vom Darmkanal in Anspruch genommen wurde.—Hüten wir uns jedoch, den Effekt lediglich dem Bade zuzuschreiben! Es ist in den Tabellen selbst bemerkt, dass die Luft vom 19.-23. Juli einen sehr bedeutenden Wärmegrad besass und die stete Transpiration war sicher zum Theil Folge dieses Einflusses. Allein in den Juli-Tagen in Oldenburg fand ebenfalls eine bedeutend gesteigerte Hautthätigkeit Statt, und einen Theil der vermehrten Hautausgabe möchte ich ohne Frage auf Rechnung des Bades bringen. Dies namentlich deshalb, weil sich bald nach dem Bade allemal, auch bei gänzlich ruhigem Verhalten, ein fast prickelndes, von einem gewissen Behagen begleitetes Wärmegefühl in der Haut einstellte, ein Gefühl, das ich sonst auch bei starker Wärme nicht kannte, und deshalb ferner, weil gerade in den Morgenstunden, nach dem Bade, die Urinsecretion gegen früher so bedeutend abnahm, Nachmittags aber beim Gehen erst die hohe Lufttemperatur ihre Wirkung recht geltend machen konnte. Bei gleichem Quantum von Morgens genossenen Fluidis wurden in Oldenburg in 6-7 Stunden 543 CC., in Wangeroge ohne Gebrauch des Bades 752 CC. Urin ausgeschieden; beim Gebrauch des Bades verringerte sich diese Quantität aber auf 436 CC.—In der übrigen Tageszeit belief sich dagegen dieselbe in Oldenburg auf 774, in Wangeroge ohne Bad auf 717 und in Wangeroge mit Bad auf 675 CC.; die letztern Quantitäten waren also nicht wesentlich different. Darnach glaube ich es als richtig ansehen zu dürfen, wenn Mühry in seiner oben erwähnten Schrift pag. 19. erwähnt, dass das Bad in der ersten Zeit eine fast ununterbrochene gelinde Transpiration herbeiführe. Von dem Oeligwerden der Haare jedoch, wovon er spricht, habe ich nichts bei mir, und auch bei Andern nichts wahrgenommen; vielleicht hat Mühry hier der Haut zugeschrieben, was nur dem salzigen Meerwasser zu Gute kommt.—

[10] Vrgl. L. Lehmann: Ueber die Wirkung 7-15° R. warmer Sitzbäder, Archiv des Vereins für gemeinschaftl. Arbeiten. Bd. I. Heft 4.

Die Darmfunction war entschieden bethätigt und blieb es, so lange ich badete. In dieser Beziehung habe ich bei manchen Patienten Nachfrage gehalten, und zum Theil Rath ertheilen müssen. Im Wesentlichen schien sich mir Folgendes herauszustellen: Individuen, die in Folge geschwächter Innervation an Constipation leiden, haben in Bezug auf die Darmfunction ganz verschiedene Erfolge. Ist die Wirkung des Bades nicht besonders fatiguirend, so ist in der Regel die dadurch gegebene Anregung ein Beförderungsmittel für die Darmentleerung; ist sie dagegen, wie nicht selten, im hohen Grade abspannend, so wird die Darmfunction in der Regel noch träger, während der ausschliessliche Luftgenuss, das Aussetzen einiger Bäder sofort als Anregung für die Entleerung dient. Kranken letzterer Art darf man gewiss nachdrücklich empfehlen, nicht zu oft zu baden. Individuen dagegen mit im Ganzen geregelter Darmthätigkeit, wenigstens nicht geschwächter Innervation des Unterleibes, pflegten im Allgemeinen eher zur Constipation, als zum Gegentheil zu incliniren, und ich erkläre mir solches aus dem antagonistischen Verhältniss, welches bekannter Weise zwischen Darm und Haut existirt.—Wo sich vermehrter Stuhlgang einstellte, waren die entleerten Massen in der Regel sehr dunkel, selbst schwarz gefärbt, eine Färbung, die ich nicht etwa von vermehrtem Genuss von Rothwein allein, wie es vorkommt, sondern von gesteigerter Gallenexcretion herleiten möchte.—Es bedarf nicht der Bemerkung, dass eine nur 5wöchentliche Beobachtung von einer verhältnissmässig geringen Anzahl Kranker derartige Fragen nicht zum Abschluss bringen kann, und dass ich diese Bemerkungen nur als oberflächliche und gelegentliche hinzufüge. Dass sich aber in dieser Weise die längst bekannten Erscheinungen bald der Diarrhoe, bald der Constipation, als Wirkungen des Seebades, erklären lassen, leidet kaum einen Zweifel.—

Jetzt zu den Resultaten der chemischen Analyse.—Ich kann nicht läugnen, dass mir auch diese einigermaassen auffallend waren, denn nach Allem, was in den Seebade-Schriften mit physiologischer Würdigung des peripherischen Nervensystems von der „anregenden“ Wirkung des Seebades hervorgehoben wird, nach Allem, was wir über die Wirkung derartiger Excitationen an Vorstellungen und Kenntnissen besitzen, glaubte ich sowohl eine momentane, als insonderheit auch allgemeine nicht unbedeutende Steigerung des Stoffwechsels erwarten zu dürfen.—Wir wollen sehen, in wie fern die aufgefundenen Thatsachen dieser Erwartung entsprechen.

In den frühern Untersuchungsreihen habe ich den Harnstoff bekanntlich als Maass des Stoffwechsels betrachtet; ich schloss aus seiner Zu- und Abnahme im Urin auf zu- oder abnehmende Intensität des Stoffwechsels. Es war das sicher kein unrichtiges Verfahren, da alle Lebensverhältnisse ziemlich dieselben blieben, nur in der letzten Reihe die Einwirkung einer fremden Luft hinzukam, diese aber doch auch keine derartige Einwirkung auf irgend ein Organ äusserte, dass dadurch die aufgefundenen Verschiedenheiten erklärt werden konnten. Ausserdem standen alle übrigen untersuchten Endproducte der Stoffmetamorphose mit den aufgefundenen Verhältnissen des Harnstoffs in so leicht verständlichem Zusammenhang, dass ich jenen nur um so mehr, als Maass des Stoffwechsels betrachten zu dürfen glaubte.—Bei der jetzt vorliegenden Untersuchungsreihe treffen wir auf ganz andre Verhältnisse.—Die Schwefelsäure verlässt den früher stets vorhandenen Parallelismus mit dem Harnstoff; die Harnsäure nimmt gegen die badefreie Zeit und im Verhältniss zum Harnstoff bedeutend zu; die Phosphorsäure vermehrt sich dagegen wieder fast proportional der Harnsäure, bleibt aber noch hinter dem in Oldenburg aufgefundenen 24stündigen Mittel zurück:

Harnstoff.Harnsäure.Schwefels.Phosphors.Chlor.
In Oldenb. wurden ausgeschieden: 24,4 Grm. 0,41Grm.1,40Grm.2,89Grm.10,2Grm.
In Wangeroge (ohne Bad):27,50,211,682,3710,5
In Wangeroge (mit Bad):28,30,301,892,619,3

Die Beurtheilung dieser Verhältnisse erfordert grosse Vorsicht. Wollten wir auch hier den Harnstoff als Maass des Stoffwechsels betrachten, so würden wir einmal zu dem auffallenden Resultate gelangen, dass das Bad die Luftwirkung etwa nur um 1⁄5 erhöhe, andrerseits aber wegen der Erklärung der übrigen Resultate in der That in grosse Schwierigkeiten gerathen. Angesichts der Thatsache, dass Schwefelsäure und Harnstoff bisher immer in einer Parallele zu- und abnehmen, würde es zunächst schwer sein, die relative Zunahme der Schwefelsäure zu erklären, um so mehr, als die gefundene Zahl nur die Quantität derselben im Urin bezeichnet, in der letzten Periode aber sicher auch mehr Schwefel mit den gallehaltigen reichlichen Faeces entleert wurde, als in den frühern Untersuchungsreihen, ein Verhältniss, durch welches bekanntlich der Schwefelsäuregehalt des Urins verringert wird. Die Harnsäure betreffend, so würde ihre Vermehrung aber in einem noch schwieriger erklärbaren Verhältniss zum Harnstoff stehen. Wir sahen oben, dass gesteigerte Oxydationsvorgänge oder beschleunigte Stoffmetamorphose zu einer Zunahme des Harnstoffs und zu einer Abnahme der Harnsäure führten, ein Satz der mit allen physiologischen und chemischen Daten in vollkommner Uebereinstimmung steht. Wollten wir jetzt aus der beträchtlichen Vermehrung der Harnsäure auf eine im Verhältniss zur badefreien Zeit retardirte Metamorphose schliessen, so müsste die Quantität des Harnstoffs auch eine dem entsprechende Verminderung erfahren haben. Eine solche Retardation der Stoffmetamorphose würde in der That an und für sich nichts Auffallendes haben, denn der Zustand der Fatigue, den das Bad, wie fast überall, so auch bei mir in geringem Maasse hervorrief, würde sich in dieser Weise materiell haben aussprechen können, eine Wirkung, deren ich bereits a. a. O.[11] Erwähnung gethan habe und die mit unsern Kenntnissen über den bedeutenden Einfluss des Nervensystems auf den Stoffwechsel im besten Einklange steht. Allein wir finden, dass der Harnstoff keineswegs vermindert, sondern noch um Etwas (0,8 Grm.) vermehrt war. Darin spricht sich also eine noch zunehmende Beschleunigung des Stoffwechsels, ein vermehrter Umsatz stickstoffhaltiger Körperbestandtheile aus. Wie sind solche scheinbar widersprechende Befunde in Einklang zu bringen? Mir will es scheinen, dass es nur in folgender Weise geschehen kann. Zunächst müssen wir des von Bischoff mit fast zweifelloser Gewissheit erwiesenen Satzes gedenken, dass der Harnstoff keineswegs unter allen Verhältnissen ein Maass des Stoffwechsels bildet, dass vielmehr bald ein grösserer, bald nur ein geringerer Theil der stickstoffhaltigen Körperbestandtheile in der Form von Harnstoff den Körper verlässt. Es können dieselben einmal als Gallenbestandtheile durch den Darmkanal, andrerseits aber auch in Folge weiterer Metamorphose des Harnstoffs zu kohlensaurem Ammoniak durch Haut und Lunge den Organismus verlassen, und je nach Zusammensetzung der Nahrung, je nach der Thätigkeit verschiedener Organe werden sich diese Verhältnisse verschieden gestalten.—Ist es nun nicht sehr wohl denkbar und wahrscheinlich, dass auch hier, während der Badezeit, in Folge bedeutend gesteigerter Haut- und ebenfalls gesteigerter Darmthätigkeit, die Quantität des im Urin erscheinenden Harnstoffs nicht mehr der Ausdruck für die Quantität metamorphosirter, stickstoffhaltiger Körperbestandtheile war, dass vielmehr ein grösserer Theil derselben, als in den frühern Untersuchungsreihen, den Organismus in andrer Form, als der des Harnstoffs, verliess? Werden wir nicht um so mehr zu solcher Annahme hingedrängt, wenn wir die Menge der dem Harnstoff sonst fast immer parallel laufenden Schwefelsäure betrachten, oder die gesteigerte Quantität der Harnsäure in’s Auge fassen?