Produced by Delphine Lettau and Gutenberg Projekt-DE

This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE.
That project is reachable at the web site http://gutenberg2000.de.

Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE" zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse http://gutenberg2000.de erreichbar.

Das Mädchen aus der Feenwelt

oder

Der Bauer als Millionär

Ferdinand Raimund

Romantisches Original-Zaubermärchen mit Gesang in drei Aufzügen

Personen:

Lakrimosa, eine mächtige Fee, verbannt auf ihr Wolkenschloß
Antimonia, die Fee der Widerwärtigkeit
Borax, ihr Sohn
Bustorius, Zauberer aus Warasdin
Ajaxerle, Lakrimosens Vetter und Magier aus Donau-Eschingen
Zenobius, Haushofmeister und Vertrauter der Fee Lakrimosa
Selima und Zulma, Feen aus der Türkei
Lira, die Nymphe von Karlsbad
Ein Triton und Zwei Furien, Tonkünstler
Ein Diener der Fee Lakrimosa
Ein Fiaker
Ein Bedienter des Bustorius
Ein Genius als Laternbube

Der Morgen, der Abend, die Nacht, der Blödsinn, die Trägheit und mehrere andere allegorische Personen. Zauberer. Feen. Vier Genien

Die Zufriedenheit
Die Jugend
Das hohe Alter
Illi, Briefbote im Geisterreiche
Ein Satyr
Amor
Hymen
Ein Genius der Nacht
Ein Genius an der Quelle der Zufriedenheit

Geister der Nacht. Sechs Pagen und sechs Mädchen

Der Neid und Der Hass, Milchbrüder
Tophan, Kammerdiener des Hasses
Nigowitz, ein dienstbarer Geist des Hasses
Eine geistige Wache
Ein Papagei

Neun Geister als Wächter des Zauberringes. Genien, Geister, Furien und Diener des Hasses

Fortunatus Wurzel, ehmals Waldbauer, jetzt Millionär
Lottchen, seine Ziehtochter
Lorenz, ehmals Kuhhirt bei Wurzel, jetzt sein erster Kammerdiener
Habakuk, Bedienter
Karl Schilf, ein armer Fischer
Musensohn, Schmeichelfeld und Afterling, Wurzels Zechbrüder
Ein Schlosser
Ein Tischler

Mehrere Bediente bei Wurzel. Gesellen. Volk

Die Handlung beginnt am Morgen des ersten Tages und endigt am
Abende des zweiten. Spielt teils im Feenreiche, teils auf der
Erde.

Erster Aufzug

Erster Auftritt

Großer Feensaal, mit magischen Lampen von verschiedenen Farben hell beleuchtet, welche, auf Kandelabern angebracht, die Kulissen zieren. Im Hintergrunde die Öffnung eines großen Bogentores, welches durch einen schalartigen, mit Gold verbrämten Vorhang verdeckt ist.

In der Mitte des Theaters spielen zwei Furien, ein Triton und der kleine Borax ein Quartett von zwei Violinen, Viola und Violoncello. Die Stimmen des Quartetts wechseln mit Solo. Die Instrumente sind von Gold, die Pulte ideal. Im Kreise sitzen: Bustorius, Zenobius, Antimonia, Selima, Zulma, Lira, der Morgen, die Nacht, der Abend, der Blödsinn und mehrere andere allegorische Personen, Zauberer und Feen, die von Zeit zu Zeit von vier Genien, welche als geflügelte Livreebediente gekleidet sind, auf silbernen Tassen mit Konfekturen bedienet werden. Das Ganze wird von folgendem Chor begleitet.

Chor.
Welch ein herrliches Konzert,
Wo sich hoch die Kunst bewährt.
Was ist Amphions Geklimper?
Selbst Apollo ist ein Stümper,
Wenn man solche Künstler hört.
Bravo! Bravo! O vortrefflich!
Bravo! Bravo! (Verhallend.) Bravo—Bravo—

(Allgemeiner Applaus.—Alles erhebt sich von den Sitzen, die
Spielenden legen ihre Instrumente weg und verneigen sich).

Zenobius.
Bravissimo, meine Herren! das haben Sie gut gemacht, (zu dem
Triton) besonders Sie.

Bustorius (tritt vor, einen Csakan in der Hand, im ungarischen
Dialekt).
Isten utzék! ist das schönes Quartett, von wem ist das komponiert?

Zenobius.
Das Adagio ist von einem Delphin.

Bustorius.
Und das Furioso?

Zenobius.
Von einer Furie.

Bustorius.
Das ist schön, Furie kann am besten machen Furioso.

Borax.
Aber Mama, mich loben s' gar nicht.

Antimonia.
Sei nur still!

Bustorius.
Das kleine Bübel greift aber manchmal ein bissel falsch.

Antimonia (die währenddem ihrem Sohn immer den Schweiß von der
Stirne gewischt hat).
Mein Herr! das könnte mich beleidigen. Er ist der erste
Violinspieler im ganzen Feenreich, er hat einen englischen
Meister, der für jede Lektion zweihundert Schillinge bekommt.

Zenobius.
Ganz gut, aber überlassen Sie sein Lob andern Leuten.

Antimonia.
Wer kann ihn unparteiischer beurteilen als ich, seine Mutter?
(Eitel.) Obwohl mirs, meiner Jugend und meiner Reize wegen,
niemand ansieht, daß ich seine Mutter bin.

Bustorius.
Nein, hätt ich Ihnen für seine Großmutter gehalten.

Antimonia. O Sie einfältiger Zauberer! (Borax weint laut.) Pfui! mein Boraxi, mußt nicht weinen. Hörst! mußt gar nicht aufmerken auf die abscheuligen Leute da.

Borax. (weinerlich). Freilich, was liegt denn mir an den Leuten, die können alle weniger als ich.

Antimonia.
Ja mein Bubi, so ists recht! Jetzt bist brav!

Zenobius (lachend).
Bravissimo!

Bustorius (lachend).
Das ist gute Erziehung. Buben tut sie schön, und Meister gibt sie
Schilling.

Antimonia.
Beleidigen Sie mich nicht länger, oder ich verlasse die Gesellschaft

(Will fort.)

Zenobius. Bleiben Sie. Hat Lakrimosa Sie darum zu sich gebeten, um zu streiten? Sie wird den Augenblick erscheinen, sie empfängt nur ihren Vetter, den sie aus Donau-Eschingen erwartet hat und der wie Sie alle im Hexengasthof abgestiegen ist, weil im Palast hier niemand wohnen darf.

Antimonia. Gut, aus Höflichkeit will ich bleiben, aber schweigen kann ich nicht, durchaus nicht!

Bustorius. Das ist liebenswürdige Frau, wenn ich einmal heirate, nimm ich keine andere, aber sie auch nicht.

Zweiter Auftritt

Ein Feendiener. Vorige.

Diener.
Die Fee.

Bustorius.
Sie sieht noch gut aus vom weiten.

Zenobius.
Das Schicksal hat sie mit ewiger Jugend beschenkt, darum hat der
Gram ihre Reize geschont.

Dritter Auftritt

Lakrimosa erscheint mit betrübter, aber doch höflicher Miene. Ajaxerle im schwäbischen gestreiften Zauberhabit. Er ist sehr geschäftiger, gutmütiger Natur. Trippelt gerne herum und sagt alles mit dummlachender Miene, als freute ihn alles, was er spricht.

Vorige.

Alle.
Vivat die Hausfrau!

Lakrimosa. Es freut mich, meine werten Gäste, wenn Sie sich gut unterhalten haben.

Alle.
Vortrefflich!

Lakrimosa.
Hier stell ich Ihnen meinen geliebten Vetter vor, Magier aus
Schwabenland.

Ajaxerle (im schwäbischen Dialekte).
Freut mich, Sie allerseits kennenzulernen.

Alle.
Freut uns!

Bustorius.
Was Teuxel! das ist ja der Ajaxerle?

Ajaxerle. Der Tausend, wie kommen denn Sie daher? ah Herrjegerle, das freut mich! (Umarmt ihn.)

Lakrimosa.
Kennen sich die Herren?

Ajaxerle. Das glaub ich. Wo haben wir denn nur geschwind Freundschaft geschlossen?

Bustorius.
Wissen Sie nicht? Auf dem letzten Geisterdiner in Temeswar.

Ajaxerle. Richtig! wo Sie mir die Bouteille Wein an den Kopf geworfe habe, da hab ich die Ehr gehabt, Sie kennezulerne.

Lakrimosa (tritt zwischen beide). Genug, meine Herren, diese schönen Erinnerungen ein andersmal. An mir ist die Reihe. (Überblickt alle mit Wohlgefallen, dann spricht sie mit Gefühl.) Ja, es ist keines ausgeblieben, alle sind sie hier, die mein Schmerz zu sich bitten ließ. Türkische, böhmische und ungarische Wolken haben sie zu mir getragen. (Jedem die Hand reichend.) Mein Bustorius aus Warasdin, meine Freundin, die Nymphe von Karlsbad, sogar Selima und Zulma, die Feen von der türkischen Grenze. Du stille Nacht, an deren Busen ich so oft mein sinnend Haupt gelegt. Der Morgen und der Abend. Blödsinn und Faulheit et cetera, et cetera, alle, alle sind sie hier.

Bustorius.
Ist das Freude, sind wir alle da!

Lakrimosa.
Und nun hören Sie die Ursache, warum ich Sie auffordern ließ,
ihre Wolkenschlösser zu verlassen und mir in meiner bedrängten
Lage Beistand zu leisten.

Alle.
Erzählen Sie. (Alle setzen sich.)

Lakrimosa. Es sind nun volle achtzehn Jahre, als ich an einem heitern Juliustage auf einem Sonnenstrahl nach der Erde fuhr und mich in Blitzesschnelle in einem angenehmen Tal befand. Vor mir stand ein junger blonder Mann, sein edler Anstand und sein gemütliches Auge bürgten für die Aufrichtigkeit seines Herzens. Ihn zu sehen und zu lieben war das Werk eines Augenblicks. Es war der Direktor einer reisenden Seiltänzergesellschaft, die in diesem einsamen Orte halt machte und nicht mehr weiterziehen wollte, bis die für zweihundert Gulden rückständige Gage augenblicklich gesichert wäre. Mein Entschluß war gefaßt: er mein Gemahl oder keiner— ich zauberte ihm schnell einen Beutel Louisdors in die Tasche und flog, in eine girrende Taube verwandelt, in mein Reich zurück. Mein Freund Zenobius sah mich kommen. Erinnerst du dich noch?

Zenobius. Ja, es war an einem Mittwoch, und den Tag vorher haben wir Holz bekommen.

Lakrimosa. Ihm übergab ich geschwinde die Schlüssel meines Palastes, und um schneller die Erde zu erreichen, verwandelte ich mich in einen Pfeil, und Zenobius schoß ihn in das Dach des Wirtshauses, welches mein Geliebter indessen bezogen hatte. Ich stieg als reisende Schauspielerin darin ab, und, um kurz zu sein, er sah mich, liebte mich, ward mein Gemahl. Doch nach zwei glücklichen Jahren—wer hilft mir die Erinnerung dieses Schmerzes ertragen?—stürzte er vom Seil, das er von einem Kirchturm zum andern gespannt hatte, und verhauchte seinen stolzen Geist. (Sie weint.)

(Alle weinen mit.)

Ajaxerle. Ja das Seiltanzen, ich habs auch einmal probiert, aber ich versichere Sie, ich bin recht auf den Kopf gfalle.

Bustorius. Das hab ich schon lang bemerkt, hab ich nur nicht gleich sagen wollen.

Lakrimosa. Von tiefer Trauer erschüttert, nahm ich mein Kind, ein Mädchen von zwei Jahren, und kehrte mit ihr ins Feenreich zurück. Bezahlte schnell die Schulden, die mein treuer Zenobius indessen auf meinen Namen gemacht hatte, und nachdem mein Schmerz vertobt war, erbaute ich meiner Tochter einen Brillantenpalast, ließ sie in dem höchsten Reichtum erziehen und schwur, ihre Hand nur dem Sohne der Feenkönigin selbst zu geben. Kaum hatte ich diesen unseligen Schwur getan, so krachten die Säulen meines Palastes, und vor mir stand die Königin der Geister. Büße deine Frechheit, sprach sie, übermütiges Weib. Einem Sterblichen hast du dich vermählt, und deines Kindes Herz willst du durch Glanz vergiften? So höre meinen Ausspruch: Entrissen sei dir auf Erden deine Feenmacht, so lange, bis die Bescheidenheit deiner Tochter deinen Übermut mit mir versöhnt. In brillantene Wiegen hast du sie gelegt, darum sei Armut ihr Los, und des Reichtums Glanz werde ihr zum Fluch. Meinem Sohne hast du sie bestimmt, dem Sohn des ärmsten Bauers werde sie angetraut. Auf die Erde setze du sie aus, dem Irdischen gehört sie an, dann kehrst du zurück in dein Wolkenhaus, und nur die Tugend deiner Tochter kann dich daraus erlösen. Wird sie allen Reichtum hassen und vor ihrem achtzehnten Jahre mit einem armen Manne, der ihre erste Liebe sein muß, sich verbinden, so ist dein Bann gelöst, du darfst sie wiedersehen und in mäßigen Wohlstand sie versetzen. Erfüllt sie bis zu ihrem achtzehnten Frühling diese Bestimmung nicht, ist sie für dich verloren. Bescheidenheit heiße ihr Glück, denn sie ist nur eine Tochter der Erde. Sie verschwand.

Bustorius (nach einer Pause).
Erdök! ist das schöne Geschichte!

Ajaxerle.
Ja! So traurig und so lang auch noch, das ist das Schöne.

Lakrimosa. Ich sank mit meinem Kinde auf die Erde nieder, in einem düstern Wald, und in der Gestalt eines alten Weibes pochte ich an eine niedre, aber reinliche Hütte. Ein lustiger treuherziger Bauer, ihr einziger Bewohner, sprang heraus, er hieß Fortunatus Wurzel. Ich sank zu seinen Füßen und beschwor ihn, er möchte sich des armen Kindes erbarmen, sie gut und fromm erziehen, sie nie aus dem Walde lassen und mit siebzehn Jahren an einen armen Jungen, den sie liebgewinnt, verheuraten. Wird er dies befolgen, soll er mich am Tag der Heirat wiedersehen, und ich werde ihn reichlich belohnen. Wer ich sei, dürfte ich ihm nicht sagen. Er schwur, meine Bitte zu erfüllen, und eilte mit dem Kind in die Hütte. Langsam und trauernd schwang ich mich auf, Tränen entstürzten meinen Augen, wurden zu kostbaren Perlen und fielen nieder auf das Strohdach seiner Hütte. (Nach einer Pause seufzend.) Ob er sie gefunden, weiß ich nicht.

Bustorius (gleichgültig).
Weiß ich auch nicht. (Will aufstehen.)

Lakrimosa.
Jetzt kommt das Wichtigste.

Bustorius.
Also noch nicht aus? Bravo! (Setzt sich wieder nieder.)

Lakrimosa. Vierzehn Jahre hat er sein Wort treu gehalten, doch über ein Jahr lebe ich schon in qualvoller Angst. Die mißgünstigen Gesinnungen meiner Dienerschaft verschafften dem Neid Eintritt in mein Exil, und dieser mächtige Fürst der Galle verliebte sich in mich und warb um meine Hand, doch da er von jeher aus meinem Herzen verbannt war, wies ich ihn mit Verachtung ab. Um sich nun dafür zu rächen, schwur er, mich durch meine Tochter zu verderben, und ließ den Bauer einen großen Schatz finden. Im Besitze dieses Reichtums ist dieser nun seit zwei Jahren wie ausgewechselt, wohnt in der Stadt, lebt auf dem größten Fuß, ergibt sich dem Trunke, mißhandelt meine Tochter und will sie zwingen, einen reichen Freier zu wählen, während ihr Herz an einem armen Fischer hängt. Morgen um Mitternacht zählt sie achtzehn Frühlinge, und wenn sie bis dahin nicht die Braut des Fischers ist, ist sie für ihre Mutter verloren. Ich muß hier müßig bleiben und darf sie nicht beschützen. Alle Geister in der Nähe der Feenkönigin habe ich seit zwei Jahren vergebens um Hülfe angefleht, darum habe ich in meiner höchsten Not nun Sie versammeln lassen, und wenn Sie nicht alles aufbieten, mein Kind zu retten, so bin ich die unglücklichste Fee, die je einen Zauberstab geschwungen hat.

Alle (springen auf).
Pereat der Neid! Pereat der Bauer!

Zenobius.
Lakrimosa soll leben!

Alle.
Hurra!

Bustorius. Kommen Sie, Frau, sein Sie nicht traurig. Waren Sie zwar stolzes Weibsbild, aber sein Sie bestraft, sein Sie doch gute Person, haben Sie Ihr Kind gern, das gfallt mir. Geben Sie mir Bussel. (Nimmt sie beim Kopf und küßt sie.) Nit wahr, meine Freunde, wollen wir ihr alle helfen?

Alle.
Alle! Alle!

Bustorius. Was wollen Sie mehr, sein das nicht rare Geister? Verlassen Sie sich auf ungarischen Zauberer. Was Ungar verspricht, das halt er. Hat er festes Blut in sich wie Eisenbad in Mehadia. Wir wollen schon einheizen den vertrackten Purzel oder Wurzel, wie der Kerl heißt.

Ajaxerle. Ja, das wollen wir, und ich will die ganze Sache dirigieren. Jetzt lauf ich gleich ins Wirtshaus und laß mir was immer für a Vieherle sattle und reit in die Stadt hinunter und werd alles auskundschafte, und außer der Stadt draußen steht ein verrufenes Bergle, das heißt der Geisterscheckel, da kommen wir in zwei Stunden in dem alten Schloß oben alle zusammen und machen den ganzen Plan aus, und die Nacht da (auf die Nacht zeigend), die muß vor uns herfliegen, damit die Sach kein Aufsehen macht, und heut abend müsse Sie schon Ihr Töchterle habe, und wenn sie auf den Blocksbergle vermählt werde soll.

Alle.
Ja, heute noch, Hurra!

Lakrimosa.
So sind Sie, wie ich Sie haben wollte, jetzt ist mein Mutterherz
getröstet. Ich verlasse mich ganz auf Sie. (Im Konversationstone.)
Darf ich Ihnen gschwind noch mit ein Glaserl Punsch aufwarten?

Bustorius. Was Ponsch? Nichts Ponsch, ist schon Tag. Lassen Sie Wagen vorfahren. Wo ist mein Fiaker 243?

Zenobius. Die Wägen herbei. Die Mäntel! Es ist ja noch stockfinster in den Wolken, es muß ein Wetter am Himmel sein.

(Alles bricht auf, nimmt die Mäntel um. Der mittlere Vorhang geht auf, man sieht in eine Wolkenstraße. In der Ferne sind die beleuchteten Fenster einiger Feenschlösser zu sehen. Die Wolkenwagen fahren vor und gerade in die Kulisse ab, nicht durch die Luft. Zwei Diener mit Fackeln leuchten.)

Ein Feendiener (ruft).
Fiaker 243, vorfahren!

Fiaker (schreit).
Ja! (Fährt vor.)

(Bustorius steigt ein, sein)

Diener (springt hinten auf und ruft).
Nach Haus!

(Ein anderer Wagen mit zwei Laternen folgt. Antimonia steigt ein und fährt fort. Zuletzt erscheint eine Wurst, mehrere Zauberer und Feen setzen sich auf und fahren fort.)

Lakrimosa (nachrufend).
Kommen S' gut nach Haus! Vergessen S' nicht auf mich! Sie Herr
Vetter, ich laß Ihnen einspannen und in den Gasthof führen.

Ajaxerle. Ei bewahr! ich hab ja mein Laternbüble da. (Ruft.) He, rufts ihn doch!

Feendiener.
He, Laternbub!

Ein kleiner Genius (mit einer Laterne springt herein).
Hier, Euer Gnaden!

Ajaxerle.
Voraus, Spitzbüble!

Genius (ihn nachäffend).
Voraus, Spitzbüble!

(Unter allgemeinem Lärm und Empfehlungen: Kommen Sie gut nach
Haus! usw. fällt der Vorhang vor.)

Vierter Auftritt

Verwandlung

Nobles Gemach in Fortunatus Wurzels Haus, an der Seite ein
bronzierter Kleiderschrank. Rechts ein Fenster neben dem
Schlafgemach Wurzels. Auf der entgegengesetzten Seite der
Eingang.

Lorenz mit zwei Bedienten. Habakuk.

Lorenz läuft zum Fenster und sieht hinaus.

Stimme von unten.
Herr Lorenz, der Wein ist da. Gehts einer herunter!

Lorenz (ruft hinab). Gleich, gleich, nur nicht so schreien, da ist den Herrn sein Schlafzimmer! (Zu den Bedienten.) Gehts hinunter zun Wagen, der echte Champagner ist kommen. Tragts die Flaschen in Saal hinauf. Morgen ist Punschgesellschaft, da muß er austrunken werden, aller, sonst wird er hin, er halt sich nur ein paar Tage. (Zwei Bediente gehen ab. Zum dritten.) Und du nimmst ein zehn Flaschen weg und stellst mir s' auf die Seite, ich brauch s' für eine arme Familie, die gern trinkt.

Habakuk.
Schon recht, Mußi Lorenz. (Geht ab.)

Lorenz (allein). Was man alles zu tun hat, wenn man erster Kammerdiener in ein Haus ist! Wie ich noch Halter bei ihm war, hab ich lang nicht so viel zu tun ghabt als jetzt. Ja, wenn wir auch von Land sein, deswegen sind wir doch nicht auf den Kopf gfallen. Wie ich Bedienter worden bin, hab ich nicht gwußt, warum die Schneider so große Säck in die Livreen machen, jetzt weiß ichs schon: weil die Bedienten von ihre Herrschaften so viel einstecken müssen. (Sieht durchs Schlüsselloch.) Mir scheint, er steht schon auf. Das war wieder ein Spektakel heut nacht, mit ihm und seine guten Freund. Bis um drei haben s' trunken und gsungen, über achtzig Gläser zusammgschlagen, und so gehts alle Wochen viermal. Mich wundert nur, daß ers aushalt—Und seine guten Freund halten ihn für ein Narren, sie sagen, er wär der gscheideste Mensch von ganz Mamelukien oder wie das Land heißt. Jetzt will er gar ein heimlicher Gelehrter werden, und ich hab schon was wispern ghört, ein Philosoph auch noch. Ein Bauer, es ist schrecklich! und er laßt nicht nach, auf die Wochen gehts schon los, da lernt er 's Lesen, und aufs Jahr schreiben, und da hat er recht. Wenn ein dummer Mensch nur wenigstens schreibt, so kann er sichs doch selber zuschreiben, daß er nichts glernt hat. Da kommt die Lottel, die därf ich gar nimmer zu ihm lassen, wenn die den Fischerkarl nicht laßt, das wird noch eine schöne Metten absetzen.

Fünfter Auftritt

Lottchen. Voriger.

Lottchen (einfach gekleidet).
Guten Morgen, lieber Lorenz! Ist mein Vater schon auf?

Lorenz (sich ein Ansehen gebend).
Guten Morgen, Fräulein Lottel!

Lottchen.
Wieviel hundertmal hab ich dich schon gebeten, du sollst bloß
Lottchen zu mir sagen. Ich bin nur ein armes Landmädchen.

Lorenz.
Was sind Sie? ein armes Landmädchen? das bringt ja einen
Tannenbaum um. Sie sind ja eine Millionistin.

Lottchen. Ich will aber keine sein, denn der Schatz, den der Vater gefunden, hat Unglück über unser ganzes Haus gebracht. Ach, wo ist die schöne Zeit, wo der Vater so gut mit mir war, wo ich täglich meinen Karl sehen durfte, wo noch Schwalben unter unserm Dache nisteten, und keine so hungrigen Raben wie jetzt die falschen Freunde meines Vaters! Ach, wo bist du, glückliche Zeit?

Lorenz. Ja, es kann halt nicht immer so bleiben, hier unter den wächsernen Mond!

Lottchen. Wo seid ihr, ihr Nachtigallen im grünen Wald, ihr wirbelnden Lerchen, ihr funkelnden Käfer? ach! das ist alles vorüber, jetzt kommen keine Schwalben, keine Lerchen, keine Käfer, und mein Karl kommt auch nicht mehr.

Lorenz. Und das wär Ihnen halt der liebste Käfer. Den haben wir aber die Flügel gestutzt.

Lottchen.
Nein, noch heute will ich meinem Vater zu Füßen fallen und ihn
bitten, das unglückliche Gold von sich zu werfen, seit dessen
Besitz sich seines Herzens ein so böser Geist bemächtigt hat.
Ich will gleich zu ihm. (Will gehen.)

Lorenz (tritt vor die Tür). Fräulein Lottel, tun Sie das nicht. Ich darf Ihnen nicht hineinlassen.

Lottchen.
Warum nicht?

Lorenz.
Der Herr Vater ist krank.

Lottchen (erschrickt).
Krank? mein Vater krank? Himmel, und bedeutend?

Lorenz.
Ja!

Lottchen.
Ist das wahr?

Lorenz.
Wollen Sies nicht glauben?—

Sechster Auftritt

Habakuk mit einer großen Tasse, worauf eine große Gans liegt, ein Teller voll Backerei und eine große Flasche Wein steht, tritt seitwärts ein, bleibt an der Tür stehen, an der andern Tür steht Lorenz, in der Mitte, einen Schritt zurück, Lottchen.

Habakuk.
Den Herrn sein Frühstück!

Lorenz. Nur hinein damit. (Deutet aufs Schlafzimmer. Habakuk trägt es hinein. Lorenz zu Lottchen.) Jetzt haben Sies selbst gesehen, daß er mediziniert. (Geht verlegen vor.)

Lottchen (beleidigt und erstaunt, stellt sich vor ihn).
Lorenz! also mein Vater ist krank?

Lorenz.
Nu, schon wie! Bei ihm heißts: Friß Vogel, oder stirb!

Lottchen. Also so kannst du mich hintergehen? Pfui! das hätt ich nicht von dir geglaubt. Geh, du bist ein abscheulicher Mensch! Doch nein, ich will dich nicht böse machen, ich will dir schmeicheln, ich will dir sagen: du bist der beste, der schönste Lorenz auf der Welt, wenn es auch nicht wahr ist, aber laß mich zu meinem Vater!

Lorenz. Und ich darf nicht. Er hats verboten. Er sagt, Sie sind nicht sein Kind, Ihre Mutter war ein Bettelweib.

Lottchen. Himmel! was ist das? So weit ist es mit ihm gekommen, daß er sein Kind verleugnet? Hat er mir nicht oft erzählt, meine Mutter wäre bald nach meiner Geburt gestorben, und ich wäre sein einziges Kind, von dem er einst Dankbarkeit hofft? Und nun verstoßt er mich? Ach du lieber Himmel, ich habe keine Verwandten, keine Freunde, keinen Vater mehr, wenn du dich nicht um mich annimmst, so muß ich zugrunde gehen. (Geht weinend ab.)

Lorenz (allein).
Was Verwandte, zu was braucht man die? Unser schwarzaugigtes
Stubenmädel ist mir lieber als alle Verwandtschaften auf der
Welt. (Ab.)

Siebenter Auftritt

Wurzel aus dem Kabinett.

Wurzel.
Arie
Ja, ich lob mir die Stadt,
Wo nur Freuden man hat!
Mich sehn s' nimmer aufn Land,
Bei dem Volk ists a Schand.
In aller Früh treibn s' schon die Ochsen hinaus,
Und da findt man kein einzigen Bauern mehr z' Haus.
Den ganzen Tag sitzt man aufn Pflug,
Trinkt Bier aus ein steinernen Krug,
Und auf d'Nacht kommt man z' Haus, was ist gwest?
Um achte liegt alls schon im Nest!

Drum lob ich mir die Stadt,
Wo man Freuden nur hat.
Mich sehn s' nimmer aufn Land,
Bei dem Volk ists a Schand.

Jetzt hab ich so viel Bediente,
Steh um halber zwölf Uhr auf,
Trink Kaffee und iß geschwinde
Fünf bis sechs Polakel drauf.

Kurz, es kann kein schöners Leben
Als mein jetziges mehr geben,
Denn wer mich ansieht, 's ist ein Spaß,
Fallt fast vor Ehrfurcht in die Fraß.

Was das für ein schönes Bewußtsein ist, einen guten Magen zu haben. Ich bin mit den meinen recht zufrieden, ein fleißiger Kerl, alle Achtung für ihn. Oh, ein Magen zu sein, ist eine schöne Charge. Sultan über zwei Reiche, übers Tierreich und übers Pflanzenreich. Ein wahrer Tyrann! Hendeln und Kapauner sind nur seine Sklaven, die druckt er zusammen, als wenn s' nie da gewesen wären. Und doch ein Ehrenmann, der keine Schmeicheleien mag, mit Süßigkeiten darf man ihm nicht kommen, da verdirbt man ihn ganz. Sackerlot, ich bin der fidelste Kerl auf der Welt! Eine Freud hab ich manchmal in mir, da wird mir so wohl ums Herz, so gut, daß ich alles zusammprügeln möcht, so seelenfroh bin ich. Und Geld hab ich, daß mir angst und bang dabei wird. Jetzt hab ich das Haus gekauft, und jetzt kauf ich mir noch einen saubern Weltteil, wo ein kleiner Garten dabei ist, das wird ein Leben werden. Lenzl!

Achter Auftritt

Lorenz. Voriger.

Lorenz.
Was schaffen S'?

Wurzel.
Wo steckst denn, daß dich um mich nicht umschaust?

Lorenz. Grad bin ich hinausgangen. Die Fräulein Lottel war vorher da und hat mit Ihnen reden wollen.

Wurzel. Untersteh dich nicht, daß du ein Wort von ihr redst, ich will nichts wissen von der Wasserprinzessin. Ist das ein Betragen für ein Haus wie das meinige? Statt daß ein vampirenes Kleid anleget und mit ihren Vatern auf d' Promenad ging', bleibt s' das ganze Jahr zu Haus hocken und geht in einem spinatfarben Überrock herum.

Lorenz. Sie taugt halt nur aufs Land. Sie will halt eine niedrige Person sein.

Wurzel.
Und doch redt s' hochdeutsch, und hat ihrs kein Mensch glernt.
Was ist denn heut für ein Tag?

Lorenz.
Freitag.

Wurzel. Da freu ich mich wieder, da ist Fischmarkt, da kommt der Bursch wieder vom Land herein. Und wenn er seine Fisch verkauft hat, ist er nicht zufrieden, da setzt er sich da drüben auf den Stein und hat Maulaffen auch noch feil, schaut immer auf ihr Fenster herüber wie ein Aff—Mit der Wacht laß ich ihn noch wegführen.

Lorenz.
Das Sitzen kann man keinen Menschen verbieten.

Wurzel. So laßt ihn sitzen, auf d' Letzt sitzt er doch zwischen zwei Stühl auf der Erde. Aber 's Madel wird mir ganz verwirrt. Ich laß ihr Zeichnen lernen und Sticken, nutzt nichts. Statt daß sie schöne Blumen macht, Vasen und solche Sachen, was zeichnet s'? was stickt sie? lauter Fisch. Zu meinen Namenstag stickt sie mir ein Polster—was ist drauf ? ein großmächtiger Backfisch, aber ohne Kopf,—wie ich meinen drauflegen ist der ganze fertig.—Sie muß den reichen Juwelier heiraten.

Lorenz. Warum soll s' denn aber just ein Juwelier heiraten? Sie sind ja so ein steinreicher Mann.

Wurzel.
Eben. Damit ich das bleib, darf sie den Burschen nie nehmen.

Lorenz. Ich bin ein gscheider Mensch, aber das versteh ich nicht. So wenig als ich weiß, wo Sie auf einmal das viele Geld hergnommen haben damals, wie mir den Tag drauf die Hütten stehn haben lassen, das Vieh verschenkt, und sein über Hals und Kopf in die Stadt gezogen.

Wurzel.
Das werd ich dir jetzt alles erklären, weil ich durch so lange
Zeit gfunden hab, daß du ein treuer Kerl bist, der mich nie
betrügen wird, (gutmütig) nicht wahr, Lenzl?

Lorenz (heuchlerisch).
Hören Euer Gnaden auf, oder mir kommen die Tränen in die Augen.

Wurzel. Es war so: Vor zwei Jahren, da geh ich so in der Dämmerung zwischen acht und neun ganz verdrüßlich von meinen Krautacker nach Haus. Auf einmal machts was: Pst! Pst! Ich schau mich um, so sieh ich quer übern Acker einen magern Mann auf mich zueilen, ein gelblicht grünes Gwand an mit goldenen Borten, so, daß ich ihn anfangs hab für einen Leibhusaren von einer Herrschaft ghalten, er aber bitt mich, ich möchte niemand etwas davon sagen, und er wär ein Geist, und durch die Borten wollt er mir andeuten, wie außerordentlich er für mich bordiert wär, kurz, er wär der Neid und wollt mich glücklich machen.

Lorenz.
Das ist eine schöne Bekanntschaft.

Wurzel. Nur still. Er sagt, er hätte einen alten Schatz, den er gern los sein möcht, und den wollt er mir schenken, ich müßte aber in die Stadt ziehen und recht aufhauen damit, was ich nur kann, und besonders das Mädel soll ich recht herausstaffieren und solls nur ja nicht zugeben, daß sie den Fischer heirat, soll mich aber nie unterstehen zu sagen, daß ich mein Glück verwünsche, sonst verschwindet alles, und ich müßt betteln gehn. Jetzt möcht ich aber gleich nach Haus gehn, der Schatz wird schon zu Haus sein. Darauf ist er unter die Krauthappeln verschwunden, und ich hab ihn nimmer gesehen.

Lorenz.
Nun, und wo war denn der Schatz?

Wurzel. Ich geh nach Haus, such 's ganze Haus aus—find nichts. Endlich kommt mir der Gedanke, schau auf den Treitboden hinauf. Hörst, ist dir der ganze Boden voll, und mit was? Mit lauter Galläpfel. Jetzt gschieht mir recht, denk ich mir, was kann man vom Neid anders erwarten als Gall und Verdruß, komm in Zorn und beiß einen auf. Was ist drinn? Ein Dukaten! Ich nimm noch einen—noch einen—lauter Dukaten! Lenzl, jetzt hättest du die Beißerei sehen sollen. Ich kann sagen, ich hab mir mein Vermögen bitter erworben. Vierzehn Tag nichts als Galläpfel aufreißen, das wird doch eine hantige Arbeit sein. Mordsakerlot!

Lorenz. Ah, das ist ein Unterhaltung. Nu, jetzt werd ich den Fischer jagen, wenn sich der noch einmal sehen läßt.

Wurzel.
Schau aufs Mädel, und wie du was siehst, sagst mirs!

(Trinkt aus einem Fläschgen.)

Lorenz.
Aber müssen Euer Gnaden denn immer naschen?

Wurzel.
Still! ich nimm ein zum Gscheidwerden.

Lorenz.
Und gibst denn da eine Medizin dafür?

Wurzel. Freilich, ich habe den Doktor so lang sekkiert, bis er mir was geben hat, was mich gscheid macht. Da krieg ich alle Wochen so ein Flaschel voll, das kost vierzig Dukaten, das treibt den Kopf auseinander. Das soll ich nur ein paar Jahr fortnehmen, sagt er, und wenn ich einmal ein paar tausend Dukaten drauf spendiert hab, so wird mir auf einmal ein Licht aufgehen, und da werd ich erst einsehen, wie dumm als ich war.

Lorenz.
Ich wünsch Ihnens, es wär die höchste Zeit. Lassen mich Euer
Gnaden auch trinken, ich möcht auch recht abgwixt werden.

Wurzel. Das kost zu viel. Ich werd dich schon so einmal recht abwixen, daß du auf eine Weil gwitzigt bist, nachher wirst schon wissen, wieviels gschlagen hat. Ich geh jetzt aus, ich muß mir Sporn kaufen. Und du gehst zum Tandler in die Vorstadt hinaus und laßt die vielen Bücher hereinführen, die ich gestern bei ihm kauft hab, sperrst dann das Zimmer auf, was ich zur Biberlithek bestimmt hab, und schüttest die Bücher ordentlich hinein auf einen Haufen und zahlst ihm s'.

Lorenz.
Schon recht!

Wurzel. Und daß er mich nicht betrügt, ordentlich messen, ich hab sie buttenweise gekauft, die Butten um fünfundzwanzig Gulden— keinen Kreuzer gibst mehr. Und wennst unten durchgehst, sagst den Koch, daß die Tafel gut ausfällt, heute Mittag im Gartensaal auf zwanzig Personen, und auf die Letzt soll er ein kleines Faßl Punsch machen. Allez! (Lorenz ab.) Ich mag halt reden, von was ich will, ich komm halt immer aufs Essen zurück. Selbst wie ich noch im Wald war, wenns gschneit hat, und ich bin auf dem Feld gstanden, ist mir die ganze Erden vorkommen, als wenn s' ein großer Tisch wär, wo ein weiß Tischtuch drauf ist, und alle Leut auf der Welt zum Essen eingeladen wären.

Arie

Die Menschheit sitzt um billgen Preis
Auf Erd an einer Tafel nur,
Das Leben ist die erste Speis,
Und 's Wirtshaus heißt bei der Natur.
Die Kinder klein noch wie die Puppen,
Die essen anfangs nichts als Suppen,
Und bloß nur wegn dem boeuf à la mode
Schaun d' jungen Leut sich um ein Brot.
Da springt das Glück als Kellner um,
Bringt öfters ganze Flaschen Rum,
Da trinkt man meistens sich ein Rausch
Und jubelt bei der Speisen Tausch.
Auf einmal läßt das Glück uns stecken,
Da kommen statt der Zuspeis Schnecken.
Von Freunden endlich oft verraten,
Riecht man von weitem schon den Braten,
Und bis erst bringen das Konfekt,
Gschiehts oft, daß uns schon nichts mehr schmeckt.
Der Totengräber, ach herrje!
Bringt dann die Tasse schwarz Kaffee
Und wirft die ganze Gsellschaft 'naus.
So endigt sich der Lebensschmaus. (Geht ab.)

Neunter Auftritt

Lottchen kömmt herein.

Lottchen. Der Vater ist an mir vorübergepoltert, ohne auf meinen guten Morgen zu hören, er will in lauter glückliche Augen schaun, er geht aus. (Geht an das Fenster und erschrickt.) Ach, dort ist Karl! er hat seine Fische schon verkauft. Wer ist denn der fremde Mann, der bei ihm ist? Sie werden doch nicht heraufkommen? Himmel, wenn ihn der Vater sieht! Wie unvorsichtig! Hier sind sie schon.

Zehnter Auftritt

Karl. Ajaxerle. Vorige.

Karl (im Bauernkleide, stürzt auf Lottchen zu).
Lottchen, liebes, gutes Lottchen! Sprech ich dich endlich einmal!

Lottchen (ihre Freude zurückhaltend).
Karl! ach mein lieber, lieber Karl!

Karl. Wie? so lange sind wir getrennt, und du empfängst mich so kalt, so herzlos?

Lottchen.
Aber Karl, dieser Herr—

Karl.
Ah, was liegt uns an den Herrn, das scheint gar eine ehrliche
Haut zu sein. Nicht wahr, lieber Freund, Sie nehmens nicht übel?

Ajaxerle (als schwäbischer Handelsmann, trägt einen Kaput mit zinnernen Knöpfen, dreieckigten Hut). Ah freilich, genieren Sie sich nicht, deswegen sind wir ja da.

Karl. Ja, wenn ich mein Lottchen sehe, da vergesse ich auf die ganze Welt. (Umarmt sie.) Ach Lottchen, was wird aus uns werden? Ich hätte mich noch nicht heraufgetraut, wenn du mich nicht durch diesen Herrn hättest rufen lassen.

Lottchen.
Durch diesen Herrn?

Karl. Jawohl, dieser Herr kam heute zu mir auf den Markt und sagte, du hättest ihn geschickt, mich zu dir zu führen, wenn dein Vater ausgeht.

Lottchen.
Aber Karl, was ist denn das, ich kenne ja diesen Herrn gar nicht?

Karl.
Wie?

Ajaxerle. Ja, wissen Sie, warum Sie mich nicht kennt? Sie hat mich noch nie gsehen.

Karl.
Herr, wie können Sie sich unterstehn, mit uns Spaß zu machen?

Ajaxerle. Ich will mir aber ein Spaß machen, ich will euch glücklich machen. Ihr Tausendsappermenter! Schlagts ein, verlaßt euch auf mich, ich bin ein ehrlichs Büble. Ich darf euch noch nicht sagen, was ich bin, aber unter uns gesagt ich bin was. Erstens bin ich ein Schwabe, und dann bin ich noch was, und wenn binne zwei Tagen nicht Hochzeit wird, so könnts mir was antun. Verlaßts euch nur auf mich, ich werd den Bauer schon herumkriegen und sagt er nein so ist bis heute abend doch die ganze Pastete in Ordnung. (Zu Karl.) Gehen Sie nur getrost nach Haus und warte Sie auf mich in Ihrer Hütte.

Lottchen (springt vor Freude).
Ists möglich? Ach Karl, wir wollen ihm vertrauen—

Wurzel (von innen).
Aufdecken lassen!

Lottchen. Himmel! Der Vater kömmt zurück! Ach, wenn er dich sieht, so ist alles verloren.

Karl.
Leb wohl, ich entspringe. (Will abgehen.)

Lottchen.
Du läufst ihm ja entgegen. Ich will sehen, ob er nach dem
Garten geht, dann schnell hinab, sonst sind wir verloren.
(Eilt schnell ab.)

Ajaxerle (ihr nachrufend).
Fürchte Sie sich nicht! Bleibe Sie da!

Karl.
Verdammte Geschichte, der Alte kommt herauf.

Ajaxerle.
Das macht nichts, er wird uns nicht beiße. Aber weil ich das
Ding gar fein anstelle will, so schlupfe Sie derweile in den
Kasten hinein.

Karl (probiert am Kasten).
Er ist verschlossen!

Ajaxerle. Warte Sie, er wird gleich offen sein! Ich hab ja mein Werkzeugle bei mir. (Er zieht schnell einen Zauberkreis, ein kleines Buch und ein kurzes Stäbchen aus der Tasche, stellt sich in den Kreis und schnattert die Worte.) Pitschill! Putschill! Frisill! sauf! Kästerle! Kasterle! tu dich doch auf! (Schlägt mit dem Stab auf das Buch. Der Kasten springt auf und verwandelt sich dadurch in eine transparente Laube mit einem Rasensitz. Karl springt erstaunt hinein, die Flügel schließen sich, und der Kasten steht wieder wie vor da. Ajaxerle steckt seine Zauberrequisiten ein.)

Lottchen (stürzt herein).
Es ist umsonst, er folgt mir auf dem Fuß! Wo ist Karl?

Ajaxerle (deutet auf den Kasten).
Den hab ich aufghoben, im Kasten da drin.

Lottchen.
Unter der alten Wäsche?

Ajaxerle.
Ja wohl, bei die alten Strümpf, damit doch ein neuer auch dabei ist.

Lottchen.
Still, der Vater kommt.

Elfter Auftritt

Wurzel. Vorige.

Wurzel.
Nun, was ist denn für ein Gejage über die Stiegen?
(Sieht Ajaxerle.) Was ist das für eine Figur? Wer hat denn das
Gsicht hereingelassen? Nu, was gibts? Sind wir was? Wollen Sie
was? mit Ihrer dreieckigten Physiognomie?

Ajaxerle.
Könnt ich nicht die Ehre haben, mit Ihnen zu sprechen?

Wurzel.
Nun, die Ehr hat Er ja schon. Nur heraus mit der Katz aus dem
Sack.

Ajaxerle.
Sie werden mich wahrscheinlich schon kenne?

Wurzel.
Ich? woher denn?

Ajaxerle.
Ich bin der Martin Haugerle und bin Schneckenhändler aus dem
Reich.

Wurzel. Und wegen den soll ich Ihn kennen? Vielleicht weil Er so schlampicht ist wie ein Schneck? Hinaus mit Ihm, oder Er wird mich kennenlernen.

Ajaxerle.
Oh, ich habs schon ghört, Sie sind ein Tiger, mir hats mein
Vetter gschrieben, der arme Fischerkarl, daß Sie so unbarmherzig
mit ihm umgehen, und darum bin ich herabgereist.

Wurzel.
Auf der Schneckenpost?

Ajaxerle.
Und will für ihn um das Mädle anhalte. Sie haben ihm vor drei
Jahren Ihr Ehrenwort gegeben, und das müssen Sie halten.

Wurzel. Was sind das für Keckheiten? Ich werd unsinnig. Erstlich untersteht Er sich, dem Taugenichts sein miserablicher Vetter zu sein, und zweitens wagt Ers und halt um meine Tochter an, für den liederlichen Fischer?

Ajaxerle. Schimpfe Sie nicht, er ist ein bravs Männle, und ein Bürschle wie die gute Stund.

Lottchen.
Ach ja Vater, er trübt kein Wasser.

Wurzel. Ein Fischer—und trübt kein Wasser? und pritschelt den ganzen Tag darin herum. (Streng zu Lottchen.) Du schweigst! und wenn du dich nicht in meinen Willen fügst und immer vom Wald phantasierst, du melancholische Wildanten, und mir noch einmal dein Bauerngwand heimlich anziehst, was dadrin in einem Pünkel versteckt hast, und nichts als Fisch und Wasser im Kopf hast, so gib acht, wie ich dich durchwassern werde, einen Wolkenbruch laß ich auf deinen Buckel niedergehen, wannst nicht den alten Millioneur heuratst.

Lottchen.
Ach, was bin ich für eine arme Närrin!

Wurzel. Just, wenn man eine arme Närrin ist, muß man suchen, auch Millioneurin zu werden, so verzeihen einem doch die Leut die Narrheit leichter. Ein Fischer heiraten wollen—dieses unsichere Metier, bis er einen Fisch fangt, kommen ihm hundert aus. Da heirat lieber einen von den seinen Schnecken, so kriegst doch einen Hausherrn.

Lottchen.
Vater, bringen Sie mich nicht auf das äußerste. Hören Sie meinen
Schwur: Ich verachte alle Reichtümer Ihrer Stadt und werde nie,
nie von meinem armen Karl lassen.

(Es donnert sehr stark.)

Ajaxerle.
Haben Sie ghört, den Pumperer?

Wurzel. War das ein Donner? desto besser, vielleicht schlagt der Donner drein, so darf ichs nicht tun. (Zu Lottchen.) Du willst also nicht von den Fischer lassen?

Ajaxerle.
Nein, und recht hat s'! wissen Sie das? Und wenn Sie ihr den
Burschen nicht geben, so wirds Ihnen reuen, so viel Haarle Haar
Sie auf Ihren Strobelkopf haben, auf Ihren bockbeinigen.

Wurzel. Nun gut, so hören Sie denn auch meinen Schwur, Sie Vorsteher der würdigen Schneckenzunft. (In diesem Augenblick kommt hinter Wurzel ein kleiner Satyr mit Pferdefüßen, auf einer abgebrochenen Säule sitzend, aus der Versenkung. Er hat eine schwarze Tafel und schreibt Wurzels Schwur darauf.) Nicht eh darf diese Verbindung vollzogen werden, bis aus dem Blut, das wie geschmolznes Eisen glüht, ein Himbeergefrornes wird—bis diese kräftgen Zwillingsbrüder, meine Fäust, so kraftlos sind, daß ich nicht einmal einen Kapauner mehr transchieren kann— bis dieses kienrußschwarze Haupt sich in einen Gletscher verwandelt—kurz, bis ich so ausschau, daß ich auf den Aschenmarkt hinaus ghör!—Dann fragen Sie sich wieder an, mein lieber Schneckensensal, dann halt ich Ihren Fischer mein Wort.

Ajaxerle (rasch).
Schlage Sie ein, es gilt! (Hält die Hand hin.)

Wurzel (schlägt ein).
So wahr ich auf der Welt bin, und jetzt—(stark) Punktum!

Satyr (mit kräftiger Schadenfreude).
Satis! (Er hat bei den Worten Wurzels: "So wahr ich auf der
Welt bin" geendet. Schlägt bei dem Wort: "Satis" mit der flachen
Hand auf die Tafel, macht dann schnell eine drohende Bewegung
hinter Wurzel und versinkt wieder.)

Ajaxerle.
So, und jetzt lebe Sie wohl, Sie Herr von Wurzle. Vergesse
Sie nicht auf Ihren Schwur, malträtiere Sie nur das arme Mädle
da, verachte Sie den ehrlichen Bauernstand, halte Sie sich an
Ihre Saufbrüderle. Aber weh Ihnen, wenn Sie den Schneckenhändler
aus den Reich wieder einmal zu Gesicht kriege werde. Verstehe
Sie mich? Weh Ihne! das merke Sie sich wohl, Sie Hasenfuß.
(Läuft ab.)

Wurzel (ergreift im Zorn einen Stuhl und eilt ihm nach).
Wart, du schwäbische Krautstauden! (Ab.)

Zehnter Auftritt

Karl. Ajaxerle. Vorige.

Karl (im Bauernkleide, stürzt auf Lottchen zu).
Lottchen, liebes, gutes Lottchen! Sprech ich dich endlich einmal!

Lottchen (ihre Freude zurückhaltend).
Karl! ach mein lieber, lieber Karl!

Karl. Wie? so lange sind wir getrennt, und du empfängst mich so kalt, so herzlos?

Lottchen.
Aber Karl, dieser Herr—

Karl.
Ah, was liegt uns an den Herrn, das scheint gar eine ehrliche
Haut zu sein. Nicht wahr, lieber Freund, Sie nehmens nicht übel?

Ajaxerle (als schwäbischer Handelsmann, trägt einen Kaput mit zinnernen Knöpfen, dreieckigten Hut). Ah freilich, genieren Sie sich nicht, deswegen sind wir ja da.

Karl. Ja, wenn ich mein Lottchen sehe, da vergesse ich auf die ganze Welt. (Umarmt sie.) Ach Lottchen, was wird aus uns werden? Ich hätte mich noch nicht heraufgetraut, wenn du mich nicht durch diesen Herrn hättest rufen lassen.

Lottchen.
Durch diesen Herrn?

Karl. Jawohl, dieser Herr kam heute zu mir auf den Markt und sagte, du hättest ihn geschickt, mich zu dir zu führen, wenn dein Vater ausgeht.

Lottchen.
Aber Karl, was ist denn das, ich kenne ja diesen Herrn gar nicht?

Karl.
Wie?

Ajaxerle. Ja, wissen Sie, warum Sie mich nicht kennt? Sie hat mich noch nie gsehen.

Karl.
Herr, wie können Sie sich unterstehn, mit uns Spaß zu machen?

Ajaxerle. Ich will mir aber ein Spaß machen, ich will euch glücklich machen. Ihr Tausendsappermenter! Schlagts ein, verlaßt euch auf mich, ich bin ein ehrlichs Büble. Ich darf euch noch nicht sagen, was ich bin, aber unter uns gesagt ich bin was. Erstens bin ich ein Schwabe, und dann bin ich noch was, und wenn binne zwei Tagen nicht Hochzeit wird, so könnts mir was antun. Verlaßts euch nur auf mich, ich werd den Bauer schon herumkriegen und sagt er nein so ist bis heute abend doch die ganze Pastete in Ordnung. (Zu Karl.) Gehen Sie nur getrost nach Haus und warte Sie auf mich in Ihrer Hütte.

Lottchen (springt vor Freude).
Ists möglich? Ach Karl, wir wollen ihm vertrauen—

Wurzel (von innen).
Aufdecken lassen!

Lottchen. Himmel! Der Vater kömmt zurück! Ach, wenn er dich sieht, so ist alles verloren.

Karl.
Leb wohl, ich entspringe. (Will abgehen.)

Lottchen.
Du läufst ihm ja entgegen. Ich will sehen, ob er nach dem Garten
geht, dann schnell hinab, sonst sind wir verloren.
(Eilt schnell ab.)

Ajaxerle (ihr nachrufend).
Fürchte Sie sich nicht! Bleibe Sie da!

Karl.
Verdammte Geschichte, der Alte kommt herauf.

Ajaxerle.
Das macht nichts, er wird uns nicht beiße. Aber weil ich das
Ding gar fein anstelle will, so schlupfe Sie derweile in den
Kasten hinein.

Karl (probiert am Kasten).
Er ist verschlossen!

Ajaxerle. Warte Sie, er wird gleich offen sein! Ich hab ja mein Werkzeugle bei mir. (Er zieht schnell einen Zauberkreis, ein kleines Buch und ein kurzes Stäbchen aus der Tasche, stellt sich in den Kreis und schnattert die Worte.) Pitschill! Putschill! Frisill! sauf! Kästerle! Kasterle! tu dich doch auf! (Schlägt mit dem Stab auf das Buch. Der Kasten springt auf und verwandelt sich dadurch in eine transparente Laube mit einem Rasensitz. Karl springt erstaunt hinein, die Flügel schließen sich, und der Kasten steht wieder wie vor da. Ajaxerle steckt seine Zauberrequisiten ein.)

Lottchen (stürzt herein).
Es ist umsonst, er folgt mir auf dem Fuß! Wo ist Karl?

Ajaxerle (deutet auf den Kasten).
Den hab ich aufghoben, im Kasten da drin.

Lottchen.
Unter der alten Wäsche?

Ajaxerle. Ja wohl, bei die alten Strümpf, damit doch ein neuer auch dabei ist.

Lottchen.
Still, der Vater kommt.

Elfter Auftritt

Wurzel. Vorige.

Wurzel. Nun, was ist denn für ein Gejage über die Stiegen? (Sieht Ajaxerle.) Was ist das für eine Figur? Wer hat denn das Gsicht hereingelassen? Nu, was gibts? Sind wir was? Wollen Sie was? mit Ihrer dreieckigten Physiognomie?

Ajaxerle.
Könnt ich nicht die Ehre haben, mit Ihnen zu sprechen?

Wurzel.
Nun, die Ehr hat Er ja schon. Nur heraus mit der Katz aus dem
Sack.

Ajaxerle.
Sie werden mich wahrscheinlich schon kenne?

Wurzel.
Ich? woher denn?

Ajaxerle.
Ich bin der Martin Haugerle und bin Schneckenhändler aus dem
Reich.

Wurzel. Und wegen den soll ich Ihn kennen? Vielleicht weil Er so schlampicht ist wie ein Schneck? Hinaus mit Ihm, oder Er wird mich kennenlernen.

Ajaxerle.
Oh, ich habs schon ghört, Sie sind ein Tiger, mir hats mein
Vetter gschrieben, der arme Fischerkarl, daß Sie so unbarmherzig
mit ihm umgehen, und darum bin ich herabgereist.

Wurzel.
Auf der Schneckenpost?

Ajaxerle.
Und will für ihn um das Mädle anhalte. Sie haben ihm vor drei
Jahren Ihr Ehrenwort gegeben, und das müssen Sie halten.

Wurzel. Was sind das für Keckheiten? Ich werd unsinnig. Erstlich untersteht Er sich, dem Taugenichts sein miserablicher Vetter zu sein, und zweitens wagt Ers und halt um meine Tochter an, für den liederlichen Fischer?

Ajaxerle. Schimpfe Sie nicht, er ist ein bravs Männle, und ein Bürschle wie die gute Stund.

Lottchen.
Ach ja Vater, er trübt kein Wasser.

Wurzel. Ein Fischer—und trübt kein Wasser? und pritschelt den ganzen Tag darin herum. (Streng zu Lottchen.) Du schweigst! und wenn du dich nicht in meinen Willen fügst und immer vom Wald phantasierst, du melancholische Wildanten, und mir noch einmal dein Bauerngwand heimlich anziehst, was dadrin in einem Pünkel versteckt hast, und nichts als Fisch und Wasser im Kopf hast, so gib acht, wie ich dich durchwassern werde, einen Wolkenbruch laß ich auf deinen Buckel niedergehen, wannst nicht den alten Millioneur heuratst.

Lottchen.
Ach, was bin ich für eine arme Närrin!

Wurzel. Just, wenn man eine arme Närrin ist, muß man suchen, auch Millioneurin zu werden, so verzeihen einem doch die Leut die Narrheit leichter. Ein Fischer heiraten wollen—dieses unsichere Metier, bis er einen Fisch fangt, kommen ihm hundert aus. Da heirat lieber einen von den seinen Schnecken, so kriegst doch einen Hausherrn.

Lottchen. Vater, bringen Sie mich nicht auf das äußerste. Hören Sie meinen Schwur: Ich verachte alle Reichtümer Ihrer Stadt und werde nie, nie von meinem armen Karl lassen.