FRANCIS JAMMES
DIE GEBETE DER DEMUT
ÜBERTRAGEN
VON
ERNST STADLER

1913
KURT WOLFF VERLAG • LEIPZIG

Dies Buch wurde
gedruckt im August 1913 als neunter
Band der Bücherei „Der jüngste Tag“ bei
Poeschel & Trepte in Leipzig

AUTORISIERTE ÜBERTRAGUNG
COPYRIGHT BY KURT WOLFF VERLAG, LEIPZIG 1913

GEBET ZUM GESTÄNDNIS DER UNWISSENHEIT

Hernieder, steige hernieder in die Einfalt, die Gott will!

Ich habe den Wespen zugesehen, die im Sand ihr Nest gebaut.

Tu so wie sie, gebrechlich krankes Herz: sei still,

Schaffe dein Tagwerk, das Gott deinen Händen anvertraut.

Ich war voll Hoffart, die mein Leben falsch gemacht.

Anders als alle andern meinte ich zu sein:

Jetzt weiß ich, o mein Gott, daß nie ich anderes vollbracht

Als jene Worte niederschreiben, die die Menschen sich erfanden,

Seitdem zuerst im Paradies Adam und Eva aufgestanden

Unter den Früchten, die im Lichte unermeßlich blühten.

Und anders bin ich nicht als wie der ärmste Stein.

Sieh hin, das Gras steht ruhig, und der Apfelbaum senkt schwer

Bebürdet sich zur Erde, zitternd und in liebendem Verlangen —

O nimm von meiner Seele, da so vieles Leiden über mich ergangen,

Die falsche Schöpferhoffart, die noch immer in ihr liegt.

Nichts weiß ich ja. Nichts bin ich. Und nichts will ich mehr

Als bloß zuweilen sehen, wie ein Nest im Wind sich wiegt

Auf einer rötlichen Pappel oder einen Bettler über helle Straßen hinken,

Mühselig, an den Füßen Risse, die im Staube blutig blinken.

Mein Gott, nimm von mir diese Hoffart, die mein Leben giftig macht.

Gib, daß ich jenen Widdern ähnlich sei auf ihrer Weide,

Die immer gleich, aus Herbstes Schwermut, demutsvoll gebückt,

Zur Frühlingsfeier wandeln, die mit Grün den Anger schmückt,

Gib, daß im Schreiben meine Hoffart sich bescheide:

Daß endlich, endlich ich bekenne, daß mein Herz den Widerhall

Nur tönt der ganzen Welt, und daß mein sanfter Vater mir

Geduldig nur die Kinderregeln beigebracht.

Der Ruhm ist eitel, Herr, und Geist und Schaffen leerer Schall —

Du einzig hast sie ganz und gibst sie an die Menschen fort,

Die aber schwatzen immer bloß dasselbe Wort

Gleich einem Bienenschwarme, der durch sommerdunkle Zweige zieht.

Gib, daß, wenn heute früh ich mich vom Pult erhebe,

Ich jenen gleiche, die an diesem schönen Sonntag zu dir gehn

Und in der armen weißen Kirche, vor dich hingekniet,

Demütig lauter ihre Einfalt und Unwissenheit gestehn.

GEBET, MIT DEN ESELN INS HIMMELREICH EINZUGEHN

Wenn einst zu dir, mein Gott, der Ruf zu gehn mich heißt,

Dann gib, daß feiertäglich rings das Land im Sommerstaube gleißt.

Ich will nur so, wie ich getan hinieden,

Einen Weg mir wählen und für mich in Frieden

Ins Himmelreich hinwandeln, wo am hellen Tag die Sterne stehn.

Ich greife meinen Stock und auf der großen Straße will ich fürbaß gehn

Und zu den Eseln, meinen Freunden, sprech ich dies:

„Hier, das ist Francis Jammes: der geht ins Paradies,

Ins Land des lieben Gottes, wo es keine Hölle gibt,

Kommt mit mir, sanfte Freunde, die ihr so die Himmelsbläue liebt,

Arme geliebte Tiere, die mit einem kurzen Schlagen

Des Ohrs die Fliegen und die Prügel und die Bienen von sich jagen.“

Dann will inmitten dieser Tiere ich mich vor dir zeigen,

Die ich so liebe, weil den Kopf so sänftiglich sie neigen

Und ihre kleinen Füße aneinanderstemmen, wenn sie stille stehn,

Recht voller Sanftmut, daß es rührend ist, sie anzusehn.

So tret ich vor dich hin in dieser tausend Ohren Zug,

Gefolgt von solchen, denen einst der Korb um ihre Lenden schlug,

Und denen, die im Joch der Gauklerkarren gingen,

Und vor geputzten Wagen, die voll Flittergold und Federn hingen,

Und solchen, über deren Leib verbeulte Kannen schwankten,

Und trächtigen Eselinnen schwer wie Schläuche, die zerbrochnen Schrittes wankten,

Und denen, über deren Bein man kleine Hosen streift,

Die Fliegen abzuwehren, deren Schwarm vom Blute trunken sie umschweift

Und ihrem Leib die blauen, sickernd offnen Male läßt —

Laß mich, mein Gott, mit diesen Eseln zu dir schreiten,

Gib, daß einträchtiglich die Engel uns geleiten

Zu den umbuschten Bächen, wo im Winde zitternd Kirschen hangen,

So glatt und hell wie Haut auf jungen Mädchenwangen,

Und gib, daß ich in jenem Seelenreiche,

Zu deinen Wassern hingebeugt, den Eseln gleiche,

Die alle sanfte, arme Demut ihres Gangs auf Erden

Im lautern Quell der ewigen Liebe spiegeln werden.

GEBET, UM GOTT EINFÄLTIGE WORTE ANZUBIETEN

Gleich jenem Bilderschnitzer, den ich heute Morgen sah, besorgt und still

Im klaren Lichte sich auf seine Arbeit bücken,

Heilige schnitzend für die Kanzel seines Dorfes: also will

In meine Seele ich die frommen Bilder drücken.

Er rief zu seiner armen Schnitzbank mich heran,

Sein hölzern Werk zu sehn, und lange stand ich so davor

Und sah den Löwenkopf zu Füßen von Sankt Markus und den Aar

Zu Füßen von Johannes und Sankt Lukas in den Händen

Ein offnes Buch, darin die heiligen Regeln ständen.

Des Bildners Linke hatte übern Meißel sich gestreckt,

Die Rechte, aufgehoben, hielt noch zaudernd einen Hammer ausgestreckt.

Draußen auf Schieferdächern tanzte Mittagsluft in blauen Lichtern,

Von welkenden Basilien stieg ein frommer Weihrauchduft empor

Zu all den plumpen Heiligen mit den eckigen Gesichtern.

Mein Gott, so schöne heilige Arbeit haben meine Hände nicht bestellt.

Du wolltest nicht, o Gott, daß ich zu dieser Welt

In armer Stube käme, nah dem Fenster, wo zur Nacht

Die Kerze tanzend vor den grünen Scheiben wacht.

Und wo vom frühen Morgen an die hellen Hobel gehn.

Mein Gott, wie gerne hätt’ ich meine Heiligenbilder dir gebracht.

Und all die zarten Kinder, die am Heimweg von der Schule sie gesehn,

Ständen vor meinen weisen Königen entzückt,

Die Gold und Weihrauch spendeten und Elfenbein.

Und neben den drei Königen aus Morgenland

Schnitt ich ins Holz so wie aus Weihrauch eine Wolke ein,

Und hätte rings mein Bild mit Lilienkelchen ausgeschmückt,

Demütig schön wie Trinkgefäße, die ich in der Armen Stuben fand.

Mein Gott, da immer noch mein Herz sich quält und fragt,

Ob es in rechter Demut sich dir nahe,

Nimm diese schlicht einfältigen Worte von mir an

Statt eines Kanzelstuhls, darin die reine Magd

Von früh bis spät Fürsprach mir hätt’ getan.

GEBET, DASS EIN KIND NICHT STERBE

Mein Gott, erhalte seinen Eltern dieses zarte Kind,

Wie du wohl auch ein Kraut erhältst im bösen Wind.

Was macht es dir denn aus — da doch die Mutter weint und fleht —,

Wenn es sogleich noch nicht zu dir hinübergeht

Als wie nach einem Spruch, der nicht zu ändern war?

Schenkst du ihm jetzt das Leben, wird es nächstes Jahr

Dir Rosen streun am sonnigen Fronleichnamstag!

Doch bist du ja allgütig. Und du bist es nicht,

Der Todesbläue ausgießt auf ein rosiges Gesicht,

Es wäre denn, du wolltest Heimatlosen eine Wohnstatt geben,

Wo bei den Müttern immerfort die Söhne leben.

Doch warum hier? Ach, da die Stunde schlägt,

Gedenke, Herr, vor diesem Kind, das sich zum Sterben legt,

Daß um die Mutter immer dir zu weilen ward gegeben.

MEIN NIEDRER FREUND . . .

Mein niedrer Freund, mein treuer Hund, nun littest du den Tod,

Vor dem du oft so wie vor einer bösen Wespe dich versteckt,

Die dich bis untern Tisch, wo du dich bargst, bedroht.

Dein Kopf, in dieser kurzen Trauerstunde, hat sich zu mir aufgereckt.

Alltäglicher Gefährte, Wesen benedeiter Art,

Du, den der Hunger stillt, sobald dein Herr ihn teilt,

Der mit Tobias und mit Raphael hinausgeeilt,

Da sie zusammen sich aufmachten auf die Pilgerfahrt.

Getreuer Knecht: du sollst mir hohes Beispiel sein.

Du, der an mir so wie an seinem Gott ein Heiliger hing.

All deine dunkle Klugheit, die wir nie begriffen, ging

Lebendig nun in einen fröhlich unschuldsvollen Himmel ein.

Soll mir dereinst, mein Gott, die Gnade werden,

Dich anzuschaun von Angesicht zu Angesicht am jüngsten Tag,

Gib, daß ein armer Hund ins Angesicht dem schauen mag,

Der immer schon sein Gott ihm war auf Erden.

AMSTERDAM

Die Häuser, spitzgegiebelt, scheinen sich zu neigen,

Als wollten sie fallen. Masten vieler Schiffe, die dem Grau des Himmels sich vermischen,

Lehnen vornüber wie Gestrüpp von dürren Zweigen

Inmitten von grünem Laub, von Rot und rostigem Braun,

Von Kohlen, Widderfellen und gesalznen Fischen.

Robinson Crusoe hat einst durch Amsterdam den Weg genommen

(So glaub ich wenigstens), da er von seiner grünen

Schattigen Insel, wo die frischen Kokosnüsse blühten, heimgekommen.

Wie schlug das Herz ihm, da er plötzlich vor sich nah

Die mächtigen Türen mit den schweren Bronzeklöppeln sah! . . .

Schaute er voll Neugier in die Halbgeschosse, wo in Reihen

Die Schreiber sitzen, in ihr Rechnungsbuch versenkt?

Kam ihn die Sehnsucht an, zu weinen, da er an den Papageien

Dachte, den er so liebte, und den schweren Sonnenschirm,

Der auf der traurigen und gnadenreichen Insel oft ihm Schutz geschenkt?

Ach, deine Wege, Herr, so rief er aus, sind wunderbar!

Da all die Kisten mit den Tulpenmustern auf den Gassen

Sich vor ihm stauten. Doch sein Herz vom Glück der Wiederkehr beschwert,

Dachte der Ziege, die im Weinberg seiner Insel er allein zurückgelassen,

Und die vielleicht nun schon gestorben war.

Dies alles fiel mir ein vor den ungeheuren Frachten im Hafen,

Und ich sah im Geist die alten Juden, die an schwere Eisenwagen

Mit knochigen Fingern rühren, über denen grüne Ringe glänzen.

O sieh! Amsterdam will unter weißen Wimpern von Schnee entschlafen

In den Geruch von Nebel und von bitterer Kohle eingeschlagen.

Die gewölbten weißen Buden, wo zur Nacht die Lampe glimmt,

Und aus denen man den Ruf und das Pfeifen der schweren Frauen vernimmt,

Hingen gestern im Abend wie Früchte, wie große Kürbisschalen.

Man sah Plakate blau und rot und grün im Licht aufstrahlen.

Von gezuckertem Bier ein scharf prickelnder Duft

Lag mir auf der Zunge und war mir ins Gesicht gestiegen.

Und in den Judenvierteln, die rings voller Abfälle liegen,

Stand der Geruch von kalten rohen Fischen.

Auf dem klitschigen Pflaster lagen Orangenschalen umhergezerrt.

Ein aufgedunsener Kopf hielt weite Augen aufgesperrt.

Ein Arm, der Reden hielt, schwang Zwiebeln in der Luft.

Rebekka, du verkauftest an den schmalen Tischen

Schwitzendes Zuckerzeug, armselig hergerichtet . . .

Der Himmel strömte wie ein unsichtbares Meer

Wolken von Wellen in die starrenden Kanäle.

Stille lag auf der Handelsstadt und stieg, ein unsichtbarer Rauch,

Feierlich von den starken hohen Dächern her

Und Indien trat beim Anblick dieser Häuserreihn vor meine Seele.

Oh, und ich träumte, daß ich so ein Handelsherr einst war,

Von denen, die aus Amsterdam in jenen Tagen

Gen China segelten und vor ihrem Gehn

Die Hut des Hauses einem treuen Diener aufgetragen.

Ganz so wie Robinson hätt ich vor dem Notar

Die Vollmachtschrift umständlich mit der Unterschrift versehn.

Meine strenge Rechtlichkeit hätt’ meinen Reichtum aufgebaut.

Mein Handel hätte geblüht so wie im Mondenschein

Ein Lichtstrahl, der am Schnabel meines runden Schiffes säße.

Die großen Herren von Bombay gingen bei mir aus und ein

Und hätten mit heißem Blick auf mein kräftig schönes Weib geschaut.

Ein Mohr mit goldnen Ringen, vom Mogul entsandt,

Käme zu handeln, lächelnd unter seinem Sonnenschirm!

Bei seinen wilden Geschichten hätte meiner schlanken Ältesten Herz gebebt,

Und zum Abschied hätte er ihr ein Gewand

Geschenkt, rubinenfarben, von Sklavenhänden gewebt.

Die Bilder meiner Lieben hätt’ ich dann nachher

Bei einem armen geschickten Maler bestellt:

Mein Weib, mit hellen rosigen Wangen, schön und schwer,

Die Söhne, deren starke Jugend alle Welt

Entzückte und der Töchter Anmut, mannigfalt und rein.

Und also wär’ ich heute, statt ich selbst zu sein,

Ein andrer und auf meinen Reisen im Vorübergehn

Hätt ich mir wohl das altehrwürdige Haus besehn,

Und meine Seele hätte träumend gebebt

Vor den schlichten Worten: Hier hat Francis Jammes gelebt.

ICH WAR IN HAMBURG

„Ich war vier Monde in Hamburg, dann im Haag.

Ich nahm das Schiff nach London. Es lag

Am 10. Jänner 1705 im Hafen. In zehen Jahren

Und neun Monaten war ich nicht daheim. Zu einer größern Reise auszufahren,

Rüst ich mich nun . . mit meinen zweiundsiebenzig Jahren,

Nach einem Leben reich gesegnet mit Abenteuern und Gefahren.

Ich ward genug umhergeschüttelt und verschlagen,

Zu lernen, wie süß es ist, sein Leben in der Stille auszutragen.“

So steht’s geschrieben auf dem letzten Blatt

Von Robinson Crusoes Geschichte. Ein Duft wie von Muskatsträuchern hat

Von seinem wunderbar geblümten Rock sich losgemacht.

Das ferne Gewitter, das wie eine alte Schiffskanone kracht,

Läßt Albions Veste erzittern. Und auf dem Bild, darauf mein Auge blickt,

Sieht man den alten Seehelden, wie er über der Bibel sinnt und Dankgebete zum Himmel schickt.

Mitten auf dem Tische das Fernrohr steht,

Mit dem er einst die Spur der nackten Füße erspäht

An die Wand gelehnt friedlich beieinander weilen

Der Sonnenschirm und die Mütze aus Ziegenfell und der Bogen mit den Pfeilen

Und die Axt zum Entern und das Seemannsschwert.

Hier das Medaillon von Freitag. Und nahe dabei,

Gegen die Karte der verlassenen Insel gekehrt,

Ein Strohkäfig mit einem sehr grünen Papagei.

Wie du, Robinson, hab ich Sturm und Gewitter ertragen,

Sah, wie du, über meinem Kopf das Meer zum Himmel aufschlagen

In bleigrauen Wellenbergen. So wühlte

Der Orkan meiner Liebe, der das Deck überspülte,

Und warf mich auf die Knie und höhnte. Crusoe, Crusoe, das Meer

Und die Liebe sind Geschwister von altersher

Und beide glühen aus dörrenden Sonnen Brand

Auf unser Herz und höhlen es aus gleich einer Muschel am Strand.

Und die Taue knirschen und singen wie die Fraun,

Und in unserm Blut ist diese schwarze See, die schwillt

Und uns mit dem bittern Rauschen ihrer Wasser füllt.

Alter englischer Freund! Du warst der klügere, traun!

Von uns beiden. Denn wo auch dein Fahrzeug Schiffbruch litt,

Immer hattest du sauber geschnürt dein Bündel mit:

In Juan Fernandez und am Cap

Der guten Hoffnung. Klug und sorglich. O, ich hab’

Sie lieb, diese nüchterne und praktische Poesie,

Und ich liebe, Crusoe, deine Witwe, die,

Während du in der Ferne weiltest, dein Hab und Gut verwahrt.

Nun darfst du, da sie all die Jahre für dich gespart,

Friedlich die Tage, die dir noch bleiben,

In dem lieben grauen Hause wohnen, das meine Verse zu Anfang beschreiben.

Nichts hast du auf deiner Insel vergessen, alles ist wie immer zur Stell’:

Der Sonnenschirm und die Mütze aus Ziegenfell.

Was ich heimgebracht habe? — so wirst du fragen, —

Von der wüsten Insel, von der mich das Schicksal zurückgetragen?

Nichts, keine Ankerboje, keinen Käfig für die Hühner, nicht ein einzig kleines Ding.

Still! Laß dir erzählen, wie es geschah, daß mich die Brandung fing.

Es war im sanften April, wo der Frühling wie ein Meer

Sich den Vögeln auftut, verwegnen Ceylonschwimmern,

Die nach Perlen tauchen, die aus weißblauen Luftabgründen schimmern:

Rotkehlchen, Amseln, Lerchen und Nachtigallen —

Man hörte, von den Gärten der kleinen Häuser her,

Wie das Herz des Flieders aufbrach über den roten Pfirsichkorallen.

Oh, ich habe nicht an jene andern Korallen gedacht,

Die einst die goldne Perusa und ihren Stolz zu Falle gebracht.

Die Liebe und der Himmel und die Erde lagen, so schien es, im Traum beisammen.

Selig wie eine Nacht der Nächte sank die Nacht.

Aber bald begann das Duften der Obstblüte brünstiger aufzuflammen.

Da hab ich, Robinson, alle Gefahren vergessen

Des vergangenen Lebens und habe vermessen

Und unbedacht des Spruchs der Alten, die in ihren Rahmen träumen,

Nur begierig, ein neues Geschwader in den Wellen aufschäumen

Zu sehen, den Kompaß meines liebetollen Herzens hinausgedreht

Nach einer Insel, die schwer und ernst wie der Tag in den Wassern steht.

Die Insel war verzaubert und war nichts als ein Weib.

Die Stimme ihrer Vögel machte mich ihr zu eigen.

Andere haben mich betört mit Feuer und Vulkan.

Oh, ich liebte, Crusoe, die Berge, die von Yucatan

Unterm Meer fortlaufen, bis sie in den Antillen wieder zum Licht aufsteigen.

Mein Geschlecht hat unter jenen Mädchen gelebt, die mit ihren Händen

Die Flammen im Busen bedecken und lange Abschiedsküsse senden.

Aber hier hat mich nicht das Feuer, hier hat mich der Schnee versehrt,

Oh, ein Schnee, den kein hungriger Blitz jemals verzehrt,

Schnee, dessen klare Augen die unbewegte Macht

Des Feuers spiegeln, das ein Hirt im Winter mitten zwischen dem Eis entfacht.

O Crusoe, dies ist die Insel der wildesten Schrecken,

Denn mit ihrer Kälte weiß sie die Flammen in deinem Busen zu wecken.

Wie es geschah, daß ich dennoch heil die Flucht genommen?

O Freund, Virgil allein verstünde hier zu entkommen.

Denn der ganze große Ozean hält nicht so fest

Wie die eine sanfte Welle, die mich umschlang und nicht von sich läßt.

Jetzt denk ich wie du, mein Crusoe,

Daß es gut ist, in seinem Zimmer zu träumen!

Mein Kaffeekessel summt mir wie ein englischer Roman im Ohr.

Ich habe Liebesbriefe, die singen mir ihre Sehnsucht vor —

So hat dir, Crusoe, der große Ozean gesungen,

In dessen Reich deine herrliche Seele gedrungen.