Die Ammenuhr


Phoebus-Bücher
Illustrierte Universal-Bücherei
Buch 41

Druck der G. Franz'schen Buchdruckerei (G. Emil Mayer) München


Die Ammen-Uhr

Aus des Knaben Wunderhorn

Mit Holzschnitten nach Zeichnungen von

Ludwig Richter

und seinen Zeitgenossen

Im Phoebus-Verlag zu München


Vorwort

Dieses bescheidenen Büchleins Geschick gleicht wohl dem jenes Bootes, von dem man als einer Nußschale spricht, so hinauseilt aufs stürmende Meer und zwischen hochgehenden Wogen talauf und talab geschleudert wird. Und es verschwindet am Ende gar neben den dickbauchigen, hochgestalten Brüdern. Und doch ist es abgesandt, um zu einer Insel im Meere durchzufinden, zu einer Insel, bewohnt von Menschen mit einfachem Sinn und gutem Herzen, befähigt, alles zu erkennen, was unvergängliches Gut ist. Denn solch unvergänglichen Gutes ein Stück enthält dieses Büchlein und wer es genießen will, wird darauf ebensoviel Zeit verwenden müssen, als benötigt ist, einen noch so langen Roman zu lesen.

Der Verleger


Der Mond, der scheint,
Das Kindlein weint,
Die Glock' schlägt zwölf,
Daß Gott doch allen Kranken helf!

Gott alles weiß,
Das Mäuslein beißt,
Die Glock' schlägt ein,
Der Traum spielt auf dem Kissen dein.

Das Nönnchen läut
Zur Mettenzeit,
Die Glock' schlägt zwei!
Sie geh'n ins Chor in einer Reih'.

Der Wind, der weht,
Der Hahn, der kräht,
Die Glock' schlägt drei,
Der Fuhrmann hebt sich von der Streu.

Der Gaul, der scharrt,
Die Stalltür knarrt,
Die Glock' schlägt vier,
Der Kutscher siebt den Hafer schier.

Die Schwalbe lacht,
Die Sonn' erwacht,
Die Glock' schlägt fünf,
Der Wandrer macht sich auf die Strümpf.

Das Huhn gagackt,
Die Ente quakt,
Die Glock' schlägt sechs,
Steh' auf, steh' auf, du faule Hex!

Zum Bäcker lauf',
Ein Wecklein kauf',
Die Glock' schlägt sieben,
Die Milch tu' an das Feuer schieben.

Tu' Butter 'nein,
Und Zucker fein,
Die Glock' schlägt acht,
Geschwind dem Kind die Supp' gebracht.


Anmerkungen zur Transkription

Das Original ist in Fraktur gesetzt. Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.