Sünndagsklocken.
Stadt- un Dörp-Predigten
sammelt
un mit hochdütsches Vörwurt:
»Die Kirchensprache Nieder-Deutschlands«
rutgewen von
F. Köhn,
Pastor tau Garwitz bi Klinken i. M.
Verlag von Paul Christiansen
Wolgast 1922.
Die Kirchensprache Niederdeutschlands.
I.
Mit Berufung auf Gottes Wort, 1. Cor. 14., und auf den gesunden Menschenverstand hat die Reformation im 24. Artikel der Augustana den Grundsatz aufgestellt, die Kirche müsse sich in ihrem Kultus einer Sprache bedienen, »die das Volk versteht.«
Diesem Grundsatz ist die Reformation anfangs auch in Niederdeutschland gefolgt. Sie brachte die Schrift in niederdeutscher Uebersetzung; niederdeutsch redeten die Kirchenordnungen, niederdeutsch sang die Gemeinde, es gab niederdeutsche Katechismen, niederdeutsch war die Predigt.
Aber bald wurde die kaum begonnene Entwicklung gestört. Gleichzeitig mit der Reformation, in innerem Zusammenhang mit dem sprachlichen Meisterwerk der Lutherschen Bibelübersetzung, setzte eine andere Bewegung ein: eine Bewegung, deren Ausgang wohl dem konfessionell gespaltenen Deutschland die geistige Einheit sicherte, ja für eine späte Zukunft die staatliche Einheit verhieß, — welche aber dem evangelischen Kirchenvolk Niederdeutschlands schweren Schaden gebracht hat. Es ist die Verdrängung der niederdeutschen Sprache aus Schrifttum und öffentlichem Gebrauch in Staat und Kirche.
Um die Mitte des 16. Jahrh. fing man in den fürstlichen Kanzleien an hochdeutsch zu schreiben; die Ratsschreibstuben der Städte folgten, und allmählich schloß sich die Kirche dem Zuge der Zeit an. Hochdeutsche Prediger kamen in niederdeutsche Gemeinden, Einheimische studierten auf hochdeutschen Universitäten, Hochdeutsch wurde neben dem Lateinischen die Sprache des gelehrten Schrifttums, — und so war auch für die Kirche der Weg zur hochdeutschen Sprache in Predigt und Kultus verführerisch gebahnt. Mit dem Ausgang des 30jähr. Krieges ist dieser Uebergang im Ganzen vollzogen. Ausnahmen erhielten sich länger, ganz vereinzelt bis in den Anfang des 18. Jahrhunderts.
Die Kirche ist sich damals dessen nicht bewußt geworden, daß sie damit einen wichtigen reformatorischen Grundsatz preisgab, also auch nicht, welche Folgen diese Preisgabe für das künftige Leben der Gemeinde haben mußte. Man unterschätzte den Abstand zwischen der hoch- und niederdeutschen Sprache. Man beruhigte sich dahin: Deutsch sei Deutsch, und dem Grundsatze der Augustana sei eben mit deutscher Kirchensprache genügt. Eine gewisse Neigung mochte auch vorhanden sein, dem hl. Geiste das Seine zu überlassen. Dazu kam später, daß man der Schule eine allmähliche Ueberwindung der sprachlichen Schwierigkeiten zutraute: daher die Aufmerksamkeit, die nach dem 30jähr. Kriege der Errichtung von Landschulen zugewendet wurde.
Wie sehr man sich täuschte, zeigte eine Beschwerde der Stadt Plau aus dem Jahre 1607, die veranlaßt wurde, weil der dortigen Gemeinde ein hochdeutscher Prediger aufgedrängt werden sollte. »Die ganze Gemeinde beschwere sich über das ausländische Idioma und die hohe Sprache desselben. Der größte Teil der Bürger nebst Frauen, Kindern und Gesinde könne von solcher unbekannten Sprache das Wenigste verstehen.« — Nicht viel erfreulicher lauten die Zeugnisse 200 Jahre später. Im Jahre 1789 klagt der Pastor in Kuppentin: »Durchaus haben die Kinder keine Begriffe und wissen mit den Worten keinen Sinn zu verbinden.« — In der Monatsschrift v. u. f. Mecklbg. heißt es im Jahre 1794: »der gemeine Mann verstehe in der Predigt gewöhnlich nur alles halb. Er verbinde mit 100 Worten, bei denen der Prediger kaum an ein Mißverständnis dächte, entweder gar keine, oder doch ganz andere, oft himmelweit verschiedene Begriffe. Man habe stundenlang geredet und ihn bloß mit Schall genährt.« — Im Jahre 1829 brachte die Hengstenberg’sche Kirchenzeitung einen Aufsatz über »Gottes Wort und die kirchliche Sprache«, welcher ausführt: »Den lateinischen Scheffel habe Luther aufgehoben, aber das Licht sei uns in eine Leuchte von trübem Glase gestellt. Die Landessprache sei Sassisch, die kirchliche Hochdeutsch. Der gegenwärtige Zustand sei eigentlich schlimmer, als der von der Reformation bekämpfte. Denn in der kathol. Kirche dürfe trotz lateinischer Kirchensprache die Predigt und der Unterricht in der lebenden Sprache geschehen, während in Niedersachsen nicht nur hochdeutsche Bibeln, Gesangbücher usw. gebraucht werden, sondern auch hochdeutsch gepredigt, katechisiert und gelehrt werde. Dieser Zustand sei ein Spott auf die Reformation, deren Grundsatz verständlicher Predigt man verkannt habe.« Nach längeren Ausführungen über den sprachlichen Zustand der »sassischen« Lande faßt der Verfasser seine Erfahrungen zusammen: »Obgleich einer Landgemeinde vorstehend, die vielen Verkehr mit Hochdeutschen hat, muß ich aufs häufigste bei Jung und Alt, und das bei den Verständigsten, wahrnehmen, wie sehr der Eingang religiöser Lehre in Kopf und Herz durch die Sprache erschwert und gehemmt wird, kenne auch keinen Amtsbruder, der andere Erfahrungen gemacht hätte.« — Im folgenden Jahre schreibt Cl. Harms, (Pastoralth. III., S. 29 ff.) »Ueberall ist bei uns die hieratische Sprache eine andere als die demotische. — Was meinen Sie, wird wohl der hochdeutsch sprechende Prediger überall von den Leuten verstanden? Ich kann Ihnen nicht darin beistimmen, daß es mit der hochdeutschen Sprache bereits soweit gekommen sein sollte.« — Endlich ein letztes Zeugnis aus Boll, Gesch. Meckl., aus dem Jahre 1855: »Ein völliges Verständnis des hochdeutschen Dialekts ist unter den niederen Ständen noch immer nicht erreicht. Die meisten Predigten sind für den gemeinen Mann noch immer von wenig Nutzen.«
Die Aufmerksamkeit, welche man nach obigen Zeugnissen um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts diesem kirchlichem Notstand schenkte, war nicht denkbar ohne gleichzeitige Sorge um dessen Behebung. Zwei Wege waren möglich: Unterdrückung der Volkssprache oder Wiederbelebung einer niederdeutschen Kirchensprache.
Der erstere erschien einfacher und entsprach der allgemeinen Anschauung. Pastor Thule in Baumgarten schrieb 1778: »Es wäre auch zu wünschen, daß man mehr hochdeutsche Schulmeister hätte. So lange die Schulmeister mit den Kindern immer noch nicht anders als plattdeutsch sprechen und sprechen können: so lange wird der gemeine Haufe in Ansehung der Verfeinerung ihrer Begriffe und Sitte nicht weit kommen. Die Bücher, die man ihnen in die Hand gibt, müssen ihnen ohne Zweifel barbarisch lauten und ziemlich unverständlich sein. Auf Reisen habe ich es auch durchgehends bemerkt, daß, nach dem in einem Lande die Sprache der Schriftsprache mehr oder weniger nahe gekommen ist, auch des gemeinen Mannes Seelenkräfte mehr oder weniger ausgebildet gewesen sind.« — Aber auch gesteigerte Bemühungen, dem hochdeutschen aufzuhelfen, hatten nicht sobald den erwarteten Erfolg. Der Vf. des erwähnten Aufsatzes in der ev. Kirchenztg. v. 1829 spricht von der Erfolglosigkeit des bisherigen Mittels, durch Unterdrückung der Landessprache zum Ziel zu kommen. Zwar geschähen auch jetzt noch dergleichen Schritte, aber die Erfolglosigkeit liege dem klar vor Augen, der unmittelbar unter dem Volke wirke.
Derselbe Verfasser war es nun, der als erster statt der gegenteiligen Bemühungen die Rückkehr zur »sassischen« Kirchensprache empfahl. Seine Ausführungen sind von großer Klarheit und Kraft. Hengstenberg hielt sie für wichtig genug, um in einer Anmerkung eine weitere Behandlung der aufgeworfenen Frage anzuregen. Den Weg denkt sich der Verfasser so, daß anfangs Teile der Predigt, später einzelne Predigten ganz, abwechselnd mit hochdeutschen, endlich alle Predigten »sassisch« gehalten werden sollten. Allmählich sollte auch das kirchliche Schrifttum folgen und so die kirchliche Reform vollendet werden.
Cl. Harms, welcher gelegentlich empfehlend auf jenen Aufsatz hinwies, neigte bei aller zurückzuhaltenden Vorsicht zu der Annahme, daß das auch ihm anliegende Problem in Richtung einer Wiederbelebung plattdeutscher Kirchensprache, wenn auch nicht in so radikalem Umfange, zu lösen sei. Er warnt zwar junge Pastoren, beim Amtsantritt in einer Landgemeinde frischweg mit der plattdeutschen Predigt anzufangen, — dazu sei die Sache noch zu grün, — aber er spricht dreierlei aus, 1. die plattdeutsche Predigt sei nicht verboten, 2. auf die öffentliche Meinung und Befehle der Oberen sei nicht erst zu warten, und 3. die Jüngeren seiner Zuhörer würden es vielleicht noch erleben, daß wieder in plattdeutscher Sprache zu predigen angefangen werde.
Damals schienen alle Vorbedingungen zu endgültiger Lösung des Problems gegeben zu sein. Aber ein tiefgehender Prinzipienstreit beschäftigte die Kirche bald so sehr, daß die Frage der Kirchensprache versandete. Vielleicht sind es Ausläufer dieser Anregungen gewesen, wenn Louis Harms an Sonntagabenden auf seiner Hausdiele plattdeutsche Bibelstunden hielt oder in Schleswig-Holstein plattdeutsche Missionsstunden gehalten wurden oder endlich den »Kropper Kirchl. Anzeiger« eine »plattdeutsche Zugabe« begleitete. Jedenfalls zeigten diese und andere Gelegenheiten, daß die plattdeutsche Sprache ihren Anspruch auf Berücksichtigung durch die Kirche aufrecht erhalte.
In den letzten 50 Jahren hat die Zeit Riesenschritte gemacht, und auch die Sprachenfrage in Niederdeutschland hat sich entsprechend verschoben. Das Zeitalter des Verkehrs hat die Bevölkerung durcheinandergeworfen; das gehobene Bildungswesen mit ausschließlich hochdeutscher Geistesnahrung, das gesteigerte öffentliche und politische Leben mit Tageszeitungen und Volksversammlungen: dies und viel anderes mehr hat mitgewirkt, die Sprachgrenzen zu verrücken, und zwar zu Ungunsten des Niederdeutschen. Wie ein Strom bei Hochwasser die Deiche überspült, höher und höher steigt das Wasser auf Wiesen und Ackerland, — so hat mit sicherer Gewalt das Hochdeutsche an Boden gewonnen. Weite Strecken, die vor 100 Jahren noch ein niederdeutsches Gesicht hatten, sind heute, die einen nicht mehr, die anderen kaum noch dafür anzusprechen. Selbst da, wo Sprache und Art noch am festesten stehen, gewinnt das Hochdeutsche von Volksschicht zu Volksschicht von Familie zu Familie an Raum.
So ist für eine Reaktion von niederdeutscher Seite die Zeit der letzten Möglichkeit gekommen, und man benutzt sie. Es hat eine plattdeutsche Gegenbewegung eingesetzt, die sich die Erhaltung und Pflege niederdeutscher Sprache und Art zur Aufgabe stellt.
Von dieser Seite angeregt ist auch die Frage der Kirchensprache erneut in Fluß gekommen. Im Jahre 1910 hielt auf der Möllner Lehrerkonferenz Pastor Hansen, damals in Pellworm, einen Vortrag über »Das gute Recht einer Wortverkündigung in der sassischen Landessprache«. Im Anschluß daran bildete sich ein Verein für Evangelisation und niederdeutsche Sprache und stellte sich die Aufgabe, vom Rat zur Tat zu schreiten. — Auf der Pfingsttagung des Allg. plattd. Verb. in Schwerin 1920 wurde nach einer plattdeutschen Predigt im Dom ein plattdeutscher Vortrag über »Plattdeutsch in der Kirche« gehalten, und auch hier war das Ergebnis ein Drängen zur Tat. — Im Oktober desselben Jahres wurde auf der niedersächsischen Dorfkirchentagung in Hannover von 2 Referenten das gleiche Thema behandelt, und es wurde hier der Satz geprägt: Für Niedersachsen konzentriere sich in der Frage des Plattdeutschen das ganze Problem der Dorfkirchenbewegung. — Auch in Pommern ist mit Verhandlungen eines Dorfkirchentages die Frage in Fluß gekommen.
An vielen Orten ist diesen Anregungen die Tat gefolgt. Es ist eine Bewegung entstanden, die nicht mehr zu übersehen ist, die an das Gewissen der Kirche klopft, zu der man Stellung nehmen muß.
II.
Die Frage der Kirchensprache ist für uns eine kirchliche Frage und nur nach kirchlichen Gesichtspunkten und Interessen zu lösen. Deshalb sind auch die Wünsche und Anregungen, die der Kirche von der allgemeinen plattdeutschen Bewegung her entgegen treten, an kirchlichem Maßstab zu prüfen. Liebhaberei und persönliche Neigung dürfen ebensowenig entscheiden, als persönliche Abneigung und etwa Geringschätzung der plattdeutschen Sprache. »Nichts Kirchenfremdes gehört in die Kirche hinein«, sagte Kaftan von der Ausstattung der Gotteshäuser. Dasselbe gilt auch von der sprachlichen Ausstattung des Kultus. Ebenso gilt hierfür der Grundsatz, »daß die Kirche kein Antiquitätenkabinett sei«. Aber Kaftan sagt auf derselben Seite seiner »4 Capp. von der Landeskirche«: »Wir können nicht lediglich in der Kirche die Gewohnheit festhalten, die seit so und so viel Jahren war.«
Dieser Vorbehalt nach zwei Seiten hin möge gegenwärtig bleiben.
Wir stellen uns vor drei Fragen:
a. Die erste Frage betrifft das Interesse der Kirche an dem lebendigen Fortbestand der niederdeutschen Volkssprache, auch abgesehen von ihrem kirchlichen Gebrauch.
Auf der niedersächsischen Dorfkirchentagung von 1920 scheint dies Interesse übersehen oder stillschweigend verneint zu sein. Der Konv.-Studiendirektor Fleisch aus Loccum vertrat als Referent u. a. den Leitsatz: Geht das Plattdeutsch unter, so soll sich die Kirche dem nicht aus Liebhaberei und persönlichen Wünschen Einzelner in den Weg stellen, vielmehr ihrerseits zur Beschleunigung dieses Prozesses, soviel ihr möglich ist, beitragen.
Der kirchliche Gesichtspunkt dieses Leitsatzes ist der, daß die bisherige Weise des Nebeneinanderbestehens einer Kirchen- und einer Volkssprache so unerträglich und dem kirchlichen Leben so schädlich sei, daß nur die Wahl offen stehe zwischen aussichtsvollen Bemühungen zur Wiederbelebung einer plattdeutschen Kirchensprache in bestimmten Grenzen einerseits oder Maßnahmen zu beschleunigtem Untergange der Volkssprache andererseits. Es wird dabei aber die Möglichkeit übersehen, daß auch der Untergang der Volkssprache ein kirchliches Interesse treffen und schwer verletzen würde. Und diese Möglichkeit ist Wirklichkeit.
Die Sprache eines Volkes ist nicht wie ein Kleid, daß man nur äußerlich trägt und von heute auf morgen wechselt. Sie ist mit dem Sein und Wesen eines Volkes tief innerlich verknüpft. In der Sprache gibt und findet ein Volk sich selber. »Es besteht eine tiefe Wesensverbindung der Sprache mit dem Ich des Menschen« (Hashagen), und E. M. Arndt sagt: »Die Sprache eines Volkes ist der hellste Spiegel seines Gemüts und seines geistigen Lebens.« »Wer das Volk seines Dialekts entwöhnen will, zerstört mehr als bloßes Volkstum.« (G. Schlosser.) Laßt die Volkssprache sterben, — es stirbt mit ihr des Volkes bestes Teil.
Einer der Führer der plattdeutschen Bewegung, (Krüger, Gesch. d. niederd. Literatur.) schreibt: »In neuerer Zeit hat man erkannt, daß die Stärke eines Volkes in der Erhaltung seiner Eigenart liegt, und daß deren Schwinden ein Siechtum des Volkskörpers bedeutet. — Viel ist schon verloren, aber ein großes Gut gilt es noch zu schützen. — Zu der Eigenart eines Volkes aber gehört die Sprache, die aus seinem innersten Wesen erwachsen ist, in der sich sein ganzes Denken und Fühlen ausgeprägt hat.«
Auf früher, zu damaliger Zeit ungewöhnlicher volkspsychologischer Kenntnis beruht das warnende Wort in der Hengstenbg. Kirchenztg. von 1829: »Wir stehen an einem gefährlichen Wendepunkte. Es könnte ein »zu spät« geben, wenn aus dem sassischen Volke ein sprachliches Mischvolk erkünstelt ist, ebenso verderbt an Charakter wie an Sprache, beides hängt genauer zusammen als man denkt, von ebenso schlechter Bürgertreue und christlichem Sinn, als es annoch durch Loyalität sich auszeichnet und empfänglich fürs Christentum ist.«
Darum kann und darf die Kirche dem Sterben einer Volkssprache nicht teilnahmslos zusehen, geschweige denn zur Beschleunigung des Unterganges mitwirken. Sie hat genug gefehlt, wenn sie seit 300 Jahren an erster Stelle geholfen hat, die niederdeutsche Volkssprache in den Winkel zu drängen. Zu der alten Schuld darf sie die neue nicht fügen.
Alle Bestrebungen, auch die außerkirchlichen, welche die Volkssprache um ihrer selbst willen pflegen und erhalten wollen, verdienen den Anteil und, soweit es möglich ist, günstigen Beistand der Kirche. Sie als Volkserzieherin darf sich da nicht versagen. Es handelt sich um die Pflege des Ackerlandes, auf welchem sie pflügen und ernten will. Gäbe es keine plattdeutsche Bewegung, die Kirche hätte ein Interesse, sie hervorzurufen. Der schon mehrfach zitierte Verfasser des Kirchensprachenartikels in der Hengstenbergschen Kirchenzeitung schreibt: »Gleichzeitige Bemühungen, die Sprache um ihrer selbst willen zu retten und zu kultivieren, würden der kirchlichen Reform zu statten kommen, so wie durch diese wiederum jene Bemühungen unterstützt würden. Dahin rechne ich das Zusammentreten von Gesellschaften, die die ältere sassische Literatur bearbeiteten, die neuere aufmunterten.« Er empfiehlt weiter die Bearbeitung von Idiotiken zur Hebung des Sprachschatzes, einer Grammatik, die Gründung niederdeutscher Zeitschriften und selbst Zeitungen, um dann zu schließen: »Würden diese Hoffnungen nicht, (d. h. von außen her,) erfüllt, — ohne darauf zu harren beginne die Geistlichkeit, da auch sie allein die Reform der kirchlichen Sprache durchzuführen vermag, und werde die Wohltäterin des Volkes.«
b. Aber die verständnisvollste Pflege der niederdeutschen Sprache bindet noch nicht das Urteil über die Kirchensprachenfrage. Deshalb sei eine zweite Frage mit Cl. Harms’ Worten gestellt: Wird wohl der hochdeutsche Prediger überall von den Leuten verstanden?
Eine Statistik läßt sich zu dieser Frage nicht aufmachen. Urteile und Auskünfte der Kirchgemeinderäte und Pastoren wären von zweifelhaftem Werte. Daß von irgendwo her Beschwerden kämen, man verstehe die hochdeutsche Predigt nicht, — wie 1607 in Plau, — die Zeiten haben wir gehabt. Wem heute der Gottesdienst nichts bietet, quittiert durch Fernbleiben, wo nicht die Sitte anders zwingt. Zwischen 2 Sprachen, auch zwischen Hochdeutsch und Plattdeutsch, liegt eine kleine Welt. Die Welt der einen schließt sich dem, der aus der anderen kommt, nur zögernd auf. So auch die plattdeutsche Welt dem hochdeutschen Pastor. Es kommt bei letzterem viel Selbsttäuschung vor. Cl. Harms war bis zu seinem 19. Jahre ein Bauernknecht gewesen, darum kannte er das Volk aus dem Grunde und konnte von einem starken Vorrat an Beispielen des Mißverstehens und Nichtverstehens reden. Auch heute kann, wer das Volk wirklich kennt, wer offene Augen und Ohren hat, und der günstige Zufall kommt ihm zu Hilfe, manche wunderbare Entdeckungen machen. — Wo kein Feuer ist, ist auch kein Rauch. Auch die zahlreichen Anekdoten auf diesem Gebiet lassen auf begründete Unterlagen schließen.
Es gilt dies natürlich nur von den Gemeinden und Gemeindeteilen, deren Umgangs-, Haus- und Herzenssprache heute noch Plattdeutsch ist. Auch da ist noch ein großer Unterschied zu machen zwischen Stadt und Land, nach dem Grade der Schulbildung und Begabung, nach der Gelegenheit und Gewohnheit hochdeutschen Umgangs und hochdeutscher Lektüre. Es würde natürlich weit über das Ziel schießen, wollte man allgemein sagen, die hochdeutsche Predigt gehe über die Köpfe weg.
Es wird zugegeben, daß eine gute Dorfschule die begabte Hälfte der Kinder, vielleicht noch etwas mehr, dahin fördert, daß sie einer volkstümlichen hochdeutschen Predigt folgen können. Vielleicht waren sogar die bisherigen Schulen mit ihren vielen Religionsstunden keine üble Vorbereitung hierfür. Jede der Religionsstunden war auch eine hochdeutsche Sprachstunde, in der gerade der Wortschatz und die Gedankenwelt zur Uebung kam, die das Verständnis der hochdeutschen Kirchensprache ermöglicht. — Aber neben den Begabten sitzt in der Schule die Menge der Beschränkteren, die mit dem Hochdeutschlernen ihre Not haben. Auch unter den besten Verhältnissen wird sich ein Bruchteil der Klasse finden, dem die Sache über den Kopf geht. Es ist immer eine fremde Sprache, die gelernt werden soll. Unseren echt plattdeutschen Kindern würde es leichter werden, die englische Umgangssprache zu erfassen, als das hochdeutsche. Aussprache, Wort- und Satzbildung, die ganze Phraseologie, sind dort dem Plattdeutschen ähnlicher als hier. Die niederdeutsche Dorfschule soll mehr leisten, als die Dorfschulen sonst im Reich. Neben dem gleichen Wissensgebiete soll dort die Welt einer zweiten Sprache erschlossen werden. — So bleiben Viele im Deutschen so schwach, daß sie durch Zuhören eine hochdeutsche Rede im Zusammenhange nicht erfassen können. Wir würden uns wundern, wenn wir all das Verkehrte auf einem Haufen sähen, was in einer niederdeutschen Dorfkirche bei der Aufnahme einer einzigen hochdeutschen Predigt zustande kommt. — Das Gelernte wird auch bald vergessen. Der eine bleibt wohl in Uebung, durch gelegentlichen Umgang und Lektüre, der andere hört nach der Schulzeit nur noch in der Kirche, wenn er hingeht, hochdeutsch. Wo dann das bischen Gelernte bleibt, ist klar.
Also gibt es in Niederdeutschland nicht wenige Gemeindeglieder, die nicht genug Hochdeutsch verstehen, um hochdeutscher Predigt folgen zu können. Es bleibe dahin gestellt, wie groß hier oder dort der Gemeindeteil ist, für den dies zutrifft. Unmöglich aber ist es, in Abrede zu nehmen, daß hier ein Notstand vorliegt, dem die Kirche nachgehen muß.
c. Aber selbst wenn dieser Notstand bestritten werden sollte, würde doch die weitere Frage bestehen, ob die Muttersprache durch eine später erlernte Sprache für die Zwecke der Kirche vollwertig ersetzt werden kann, selbst wenn diese Sprache formell beherrscht wird.
Das Sprachenwunder am 1. Pfingsttage hat nicht nur die Bedeutung, der Kirche gleich in ihrer Geburtsstunde die Wegrichtung zu allen Völkern zu weisen, sondern auch die Bedeutung, für alle Zeit zu lehren, daß der Weg zum Herzen der Völker nicht durch eine allgemeine Kirchensprache, sondern durch die Muttersprache jedes Volkes gehe. Diesen Wink hat die ev. Mission verstanden. Warneck schreibt einmal: Die Pflege der Muttersprache sei für den Missionar ein Gegenstand von besonderer Wichtigkeit. Allgemein sei der Grundsatz anerkannt, jedem Volk gehöre das Evangelium in seiner Muttersprache. Leider gebe es Missionare genug, die von der Krücke des Dolmetschers niemals ganz loskommen, und noch mehr, die das Sprachproblem in seiner eigentlichen Wurzel kaum verstanden haben: nämlich sich so in die geistige Art des fremden Volkes, in seine ganze Denk- und Anschauungswelt einzuleben, daß es ihnen möglich wird, den Eingeborenen wirklich voll verständlich, im Wortkleid ihrer Sprache die biblische Wahrheit darzulegen. Hier liege vielleicht die größte geistige Arbeit, die dem Missionar zugemutet werde. Er müsse die ihm fremden Eingeborenen verstehen, ehe sie ihn, den Fremdling, verstehen. — Man übertrage diese Richtlinien auf den Wirkungskreis des Pastors einer niederdeutschen Gemeinde. Denn sollte der Grundsatz, der in der Mission richtig ist, auf einmal dem heimischen Kirchengebiet nicht gelten?
»Eine Dorfpredigt«, sagt v. Lüpke in d. »Dorfkirche«, »die in die Seele des Volkes hineindringen und das Christentum ihm wirklich zu eigen machen will in seinem eigenen Denken und Sinnen, die muß seine Sprache reden können. Nur was darin sich ausdrücken läßt, das kann ihm zum Ausdruck der eignen Seele werden.« Er erwähnt dazu, daß die Siebenbürger gerade in ihrer Not keinen anderen Weg gefunden haben, um in den Völkerstürmen dort das Evangelium wirklich im innersten Grunde des Volkes fest zu verankern, als die Verbindung mit der Mundart.
Es ist ein nicht ganz einfacher Weg, den das gesprochene Wort gehen muß, bis es Herz und Willen erfassen kann. Wenn die Sprache des Redenden zugleich die Sprache des Hörenden ist, kann das verarbeitende Denken unmittelbar einsetzen, und die Aneignung geht schnell. Anders ist es, wenn der Hörer die Sprache des Redenden zwar leidlich versteht, aber seine Denkarbeit auf andere Sprachmittel stützen muß. Denn auch das Denken haftet an dem Ausdrucksmittel der Sprache. Ein vernünftiges Denken ohne Sprache ist nach Hamann ebensowenig vorstellbar, wie ein Rechnen ohne Zahlen. Machen wir denen, deren Haus- und Herzenssprache Niederdeutsch ist, durch hochdeutsche Predigt den Weg des Gehörten in die Herzen nicht unnötig schwer? So schwer, daß sie entweder nicht zu folgen vermögen, oder aber das innere Hören aufgeben und es mit dem äußeren bewenden lassen müssen?
Hierher gehört auch folgende Erwägung. Wir haben vielen Grund zu der Mahnung an die Gemeinde, die Sonntagsanregungen auch in den Alltag mitzunehmen. Die Leute halten sich im Herzen gern zwei Schubfächer. In dem einen liegt der Sonntag mit hochdeutschem Gotteswort und hochdeutscher Andacht. In dem anderen liegen Geschäft, Handel und Wandel, wie es der Alltag bringt. Wird dies nicht begünstigt, wenn die Predigt eine ganz andere Sprache redet als der Wochentag? Es ist eine geistige Arbeit vonnöten, gehörtes Wort in eigenen Willen, eigene Tat umzusetzen. Macht die hochdeutsche Predigt dem einfachen Mann und schwerfälligen Denker diese Arbeit nicht schwerer, als sie sonst schon ist? Und gar erst, wenn die Predigt kümmerlich verstanden wird, und wenn der Hörer schon mit dem Wortverständnis soviel Not hat?
d. Die vierte, und wohl die wichtigste Frage betrifft nicht die hörende, sondern die redende Gemeinde. Das innere Leben der Gemeinde ist krank oder wird krank, wenn es nicht Ausdruck sucht im Bekenntnis, Zeugnis, brüderlichem Zuspruch und Gebet. Wenn Kirchensprache und Volkssprache auseinanderfallen, werden hier die Folgen am merklichsten zutage treten.
Sowohl im Kultus, als auch in der Jugenderziehung wird doch die Gemeinde nur zum Gebrauch der hochdeutschen Sprache erzogen. Es ist kein Wunder, wenn sich dem einfachen plattdeutschen Manne seine Muttersprache auf diesem Gebiete versagt, getrauen sich doch schon viele Pastoren, auch solche, die die plattdeutsche Umgangssprache beherrschen, nicht recht, auf der Höhe seelsorgerlichen Gesprächs plattdeutsch zu reden. Beim einfachen Mann kommt die Empfindung hinzu, als sei es eine Herabwürdigung des Heiligen, wenn man es plattdeutsch ausdrücken wollte. So verbinden sich Unvermögen, Ungeschick, mangelnde Gewöhnung und Vorurteil zu dem Erfolg, daß von dem bezeichneten Gebiete christlicher Lebensbestätigung die plattdeutsche Sprache ausgeschlossen ist. So ist auch der Teil der Gemeinde, dem hochdeutsches Denken und Sprechen ungeläufig geblieben ist, in Bekenntnis, Zeugnis und Gebet auf hochdeutsche Sprachmittel angewiesen. Die Folge ist aber die, daß man sich auf formulierte, gelernte Ausdrucksmittel beschränkt. Eine freie und selbständige Bewegung läßt sprachliches Unvermögen und Ungewohnheit nicht zu.
Das bedeutet aber eine Armut des geistlichen Lebens. Wie oft wird aus Not geschwiegen werden müssen, wo der Christ reden sollte! Wie oft wird ein Zeugnis zurückgehalten werden, wo es abgelegt werden müßte!
Studiendirektor Fleisch weist in der Dorfkirche sehr richtig auf die leidende Klarheit geistigen Erfassens hin, die eintritt, wo die Möglichkeit fehlt, dem Gedanken im eignen freien Worte Ausdruck zu geben. »Es ist in der Pädagogik allgemein anerkannt, daß nichts mehr zu völligem Verständnis verhilft, als der Versuch, etwas mit eigenen Worten wiederzugeben. Unsere wirklich noch plattdeutsch denkenden und sprechenden Niederdeutschen aber sind zum großen Teil nicht in der Lage, mit eigenen hochdeutschen Worten sich über Dinge des inneren Lebens auszusprechen. Es mit plattdeutschen Worten zu versuchen, hindert sie die »heilige« Sprache. Dadurch wird ihnen der Weg zum persönlichen tieferen Verständnis erschwert. Man denke nur daran, wie fast unmöglich es ist, Bibelbesprechstunden einzuführen, wenn sie hochdeutsch gehalten werden sollen.« — Man erwäge auch die verhältnismäßige Wehrlosigkeit gegen sektiererische Überredungskunst, wenn die Möglichkeit, klare Gedanken in klare Worte zu fassen, so beschränkt ist.
Es ist noch darauf hinzuweisen, daß im zarten Kindesalter die religiöse Beeinflussung durch die Eltern mangels sprachlicher Mittel unendlich beschränkt ist. Bisher war wenigstens während der Schulzeit das Abhören des Lernstoffes durch die Mutter ein gewisser Ersatz. Wird dies künftig mehr fortfallen, wird es in den plattdeutschen Häusern von christlichen Dingen recht still werden.
Was das Gebet im Besonderen angeht, so ist nicht zu bezweifeln, daß außer gelegentlichen Stoßseufzern und Bitt-Gebeten um irdische Dinge nirgends plattdeutsch gebetet wird. Die Rundfrage eines hannoverschen Sonntagsblattes hat nach Fleisch folgendes Ergebnis gehabt: Es wird hochdeutsch gebetet. Ganz wenige gereimte plattdeutsche Gebete gibt es; vor allem zwei kommen häufiger vor in verschiedener Formulierung. Sie seien hier mitgeteilt: »S’ abends, wenn ick to Bedde gah, viertein Engel mit mi gah: Twee to min Häupt’n, twee to min Föt’n, twee to min linken Sid, twee de mi deckt, twee de mi weckt, twee de mi denn Weg wiest to des Himmels Paradies. De Himmel is schlot’n, de Höll is op’n, de Dübel is bun’n, Gott verleih mi een seelige Stun’n. Amen.« »Nu will ick to schlap’n un mi up den lewen Gott verlat’n. Un wenn de bitter Dod kommt un will mi beschliek’n, so nimmt de leiwe Gott mi in sien Himmelriek. Amen.«
Man muß Fleisch durchaus recht geben, wenn er dazu ausführt: »Wir klagen, daß so wenig Gebetsleben da sei, daß so wenig aus dem Herzen gebetet werde, sondern meist mit formulierten Gebeten! Wie soll es anders sein, wenn man in einer »heiligen Sprache« betet, die einem nicht geläufig vom Munde geht. Da greift man natürlich zu auswendig Gelerntem, am liebsten zu Gesangversen, denn Reim und Rythmen behält man am leichtesten! Wer will aber bestreiten, daß darin in der Tat eine Erschwerung für das Reifen persönlichen selbstständigen Gebetslebens liegt? Plattdeutsches Beten ist aber nur zu erwarten, wenn auch plattdeutsch gepredigt, plattdeutsch katechisiert wird.«
Dem niederdeutschen Kirchenvolke ist versagt worden, was für jede Missionsgemeinde als erstes Erfordernis anerkannt wird: »Die Christianisierung der Volkssprache«, die sie in den Stand setzt, die christlichen Grundgedanken zu fassen und der Volksgemeinde innerlich wie äußerlich geläufig zu machen. In einem Vortrage über das schwierigste Missionsproblem, führt Warneck aus, daß ohne Einwurzelung in das Volksleben das Christentum nie als einheimisches Gewächs naturalisiert werden könne. Dazu gehöre die Christianisierung der Volkssprache, die den geistlichen Gehalt der christlichen Grundgedanken in dieselbe einführt. — Dieselbe ist nicht nur Vorbedingung einer erfolgreichen Wortverkündigung, sondern sie ist auch für das Glaubens- und Gebetsleben der Gemeinde nötig. Dies gilt auch nicht nur für die Missionsgemeinden, sondern ist eine allgemeine Wahrheit und gilt auch für das niederdeutsche Kirchenvolk. Als vor 300 Jahren die Christianisierung der niederdeutschen Sprache im besten Fluß war, wurde sie abgebrochen, das Erreichte starb ab, und die Folge liegt zu Tage.
III.
Mit kurzen Sätzen, die die Tiefe der Fragen kaum berühren, gleiten Lehrbücher der praktischen Theologie bis in neuere Zeit über das vorliegende Problem hinweg. Hering, (»Lehre von der Predigt, 1903/5.«) erkennt zwar an: »Wer in den Zusammenhängen, wie sie zwischen den Mutterlauten der Sprache und kindlicher Gefühlsinnigkeit und Herzensvertrautheit bestehen, einen der ethischen Werte erkennt, die, vom Natürlichen herstammend, sich auch fürs höhere geistliche Leben fühlbar machen, der sieht nicht ohne Bedauern, daß die Volksdialekte auf dem Gebiete, wo das Leben der Gotteskindschaft gepflegt wird, wie rechtlos geworden sind«, aber er findet sich mit dieser »Rechtlosigkeit« als einer unabänderlichen ab. Er schließt: »Indem das Hochdeutsche allgemein anerkannte, unsere Einheit sprachlich mitdarstellende Rede der Nation wurde, erlosch der Anspruch der Dialekte auf Verwendung in der Sprache der Predigt wie des wirklichen Gebetes.« — Achelis führt noch 1911 aus: »In der Katechese, wie in der Predigt, ist die hochdeutsche Sprache anzuwenden; seit Luthers Bibelübersetzung ist sie dem evg. Volke die »heilige Sprache«, in welcher gebetet und zitiert wird. Es ist ein psychologischer Irrtum, die Sache aus unwirksamer Höhe zur lebendigen Wirksamkeit im Leben dadurch bringen zu können, daß man sie in dem plattdeutschen Gewande des gewöhnlichen Lebens erscheinen läßt. Dem plattdeutschen Volke wird dadurch das Heilige profan und erst recht wirkungslos.« — In Meusels Kirchenlexikon wird im Art. »Predigt« zwar gesagt, daß das Kapitel von der sprachlichen Ausführung der Predigt ungebührlich vernachlässigt sei, aber in dem Art. »Kirchensprache« wird wohl von der besonderen Kirchensprache der kathol., der griech., koptischen usw. Kirche geredet, aber das Kirchensprachenproblem Niederdeutschlands nicht berührt, es sei denn etwa mit den Worten, »daß die Kirchensprache nicht allen Wandlungen und Abschleifungen der Umgangssprache folgen dürfe und in ihrer Ausdrucksweise deren Trivialitäten vermeiden müsse.«
Man mag sich die Lösung des Problems so oder so denken, aber daß ein solches von größter Wichtigkeit vorliegt, ist eine Tatsache, der sich auch die Lehrstühle der prakt. Theologie, und namentlich die Predigerseminare künftig nicht mehr werden verschließen dürfen. Der Kirchensprachenaufsatz von 1829 behält recht, wenn er von einem widernatürlichen Zustande redet, bei dem sich die Kirche nicht beruhigen dürfe.
Aber dieser Aufsatz rechnete nur mit zwei Möglichkeiten der Lösung, »entweder werde die hochdeutsche Sprache vollends zu der ausschließlichen Sprache des Volkes, oder die Volkssprache zur ausschließlichen Sprache der Kirche.« Aber beide Lösungen sind abzulehnen. Darüber, daß das Plattdeutsche nach einer Uebergangszeit zur alleinigen Kirchensprache erhoben werden könnte, wird kein Wort mehr geredet zu werden brauchen. Die andere Lösung aber, daß das Plattdeutsche unter bewußter Mitwirkung der Kirche tunlichst schnell ausgelöscht werde, ist neuerdings, wenn auch bedingungsweise, in Betracht gezogen worden, für den Fall nämlich, daß das Plattdeutsche ohnehin dem Untergang geweiht sei, und dem sei es verfallen, wenn es nicht auch wieder als eine Schriftsprache kulturelle Geltung gewinne.
Aber mehr, als die Kirche 300 Jahre lang zur Unterdrückung des Plattdeutschen beigetragen hat, würde sie in gleicher Richtung auch künftig mit dem besten Willen nicht tun können. Es wäre aber ein Unrecht gegen das gegenwärtige Geschlecht, den heutigen Notstand auf sich beruhen zu lassen, weil er etwa in 100 Jahren — wer will die Zeit berechnen? — vielleicht nicht mehr bestehen möchte. Daneben bleibt es dabei, daß die Erhaltung der Volkssprache im eigensten Interesse der Kirche liegt.
Neben den beiden abgelehnten Möglichkeiten besteht die dritte, daß dem Plattdeutschen im Gebrauch der Kirche neben dem Hochdeutschen Raum gewährt wird, ein Raum, der näher zu bestimmen und zu rechtfertigen sein würde.
Zunächst sind einige allgemeine Einwendungen zu erörtern.
Es besteht weithin das Vorurteil, als sei das Plattdeutsche allmählich so sehr Sprache der Gasse geworden, daß es heute unfähig sei, mit seinen Ausdrucksmitteln, Hohes und Tiefes, Heiliges und Göttliches in ein würdiges Wort zu fassen oder überhaupt auszudrücken. Man traut ihm kaum zu, ernste Dinge in ernster Form mit ernster Wirkung behandeln zu können. — Daß in der neuplattdeutschen Literatur auch Federn geringen und geringsten Wertes vertreten sind, daß der Schwank, das Läuschen, ein derber Realismus in der Kleinmalerei des Volkslebens und ähnl. so breiten Raum gewonnen haben, während das Ernste, Gehaltvolle, Edle, namentlich das Religiöse, nicht genug gepflegt worden ist, hat jenes Vorurteil nur bestätigen können. Es sei diesem Vorurteil das Urteil hervorragender und urteilsfähiger Zeugen gegenübergestellt.
Prof. D. Hashagen rühmt von der plattdeutschen Sprache: »Sie ist eine der kindlichsten und mannhaftesten, eine der süßesten und machtvollsten, überhaupt eine der herrlichsten Sprachen auf Erden.« Der weil. Generalsup. W. Baur, der als Gast im Hermannsburger Pfarrhause einer plattdeutschen Bibelstunde beigewohnt hatte, urteilt: »Das Schriftdeutsch schien mir ein ärmlicher Notbehelf neben der lebendigen Mundart, neben der Freiheit im Ausdruck, der Schalkhaftigkeit in der Wendung, die gerade ihr eigen ist.« Prof. P. Hunzinger, weil. Hauptpastor zu St. Michaelis in Hamburg, schreibt: »Wat up Plattdütsch vertellt ward, dat lewt, dat is lebenniger, as bi ’t Hochdütsche, un steiht uns dütlich vör Ogen taum Gripen; dor is Lewen un Farw, Gefäuhl un Wärme, Hartlichkeit un Natürlichkeit in. Einfach un klor weit de Plattdütsche sick uttaudrücken, un dormit dröppt hei den Nagel up den Kopp.« — Ein Zitat aus Semper, mitgeteilt in Krüger, Geschichte der niederdeutschen Literatur dreht sogar den Spieß um, wenn es lautet: »Die hochdeutsche Sprache ist in Norddeutschland auf dem Wege völlig zu verarmen, da sie eine reine Buchsprache ist und von Leuten gesprochen wird, die, wenn die Zersetzung des einheimischen Volksdialekts noch weiter fortgeschritten sein wird, überhaupt keine lebende Sprache mehr besitzen. Es fehlt uns der natürliche Quell, aus dem sich Verluste stets neu ergänzen können. Ich hatte oft genug Gelegenheit, zu spüren, wie sehr das Schriftdeutsch seit Luthers Zeiten schon erstarrt, verarmt und verwildert ist.«
Der zweite Einwand wird im Interesse der Erbauung der Gemeinde erhoben. Achelis sagt: »Dem plattdeutschen Volke werde durch plattdeutsche Darbietung das Heilige profan und wirkungslos.« Weiter spricht er von dem meist erheiternden Eindruck plattdeutscher Wendungen in der Katechese. Hering meint, der niederdeutsche Bauer sei jetzt schon so von der Bildungspflicht durchdrungen, daß er sich als herabgesetzt in der Kultur fühlte, wollte man ihm bei Missionsfesten oder an Familienabenden Geschichten plattdeutsch erzählen.
Auch hier mögen Gegenzeugen zu Worte kommen: Cl. Harms teilt mit, er habe in den Dörfern der Kieler Landgemeinde sog. Cholerapredigten zu halten gehabt. Er habe sie plattdeutsch gehalten, »und«, so schreibt er, »es ging, wahrhaftig, es ging damit. Viel verständlicher nämlich, als wenn ich von dieser Sache hochdeutsch geredet hätte, aber auch viel eindringlicher.« Auch dort, wo er eine Anzahl adliger Personen unter den Zuhörern hatte, hat das Befremden über die nicht gewohnte Sprache nur ein paar Minuten gewährt, da sei das Plattdeutsche auch gar nicht anders, als das Hochdeutsche, von ihnen vernommen und genommen. — Ein zweiter Zeuge ist der Kirchensprachenaufsatz von 1829. »Wir würden, einer holländischen Predigt beiwohnend, anfangs bei den ernstesten Stellen kaum des Lächelns uns erwehren können. Aber lauten sie dem Holländer possierlich? Ebensowenig dem, der plattdeutsch denkt und redet, Gottes Wort in seiner Sprache. Auch wer anfangs spötteln würde, würde bald sich wundern, daß auch im Niederdeutschen das Heilige edel, würdig, erbaulich ausgesprochen werden könne. Die Ehrfurcht vor der hochdeutschen Verkündigung sei ähnlich der, mit der man Hieroglyphen betrachte. — Gottes Wort sei nicht ein Standbild, das nur aus der Ferne schön erscheine. Es scheue die nächste Nähe nicht, sondern fordere sie. Die kirchliche Rede solle stets ein Lied im höhern Chor sein, aber sie werde das nicht durch ein fremdes Idiom, sondern durch den gewählten, edleren Ausdruck, dessen auch das Plattdeutsche fähig sei.« — Missionsinspektor Weishaupt, welcher kürzlich einem plattdeutschen Missionsgottesdienste in Volkenshagen i. M. beigewohnt hatte, gibt folgende Darstellung des Eindrucks, den die Gemeinde und ihr Gast empfangen hatte: Die Augen leuchten, die Herzen schlagen höher. Die Sprache der Heimat, der irdischen und der ewigen, hat ihre Wirkung getan. Mir aber war der Gottesdienst ein Erlebnis. Ich spürte etwas von dem Wehen des Geistes, der »durch Mannigfaltigkeit der Zungen die Völker der ganzen Welt versammeln will in Einigkeit des Glaubens,« wie es in einem alten Gebete heißt. Wenn einst vor dem Throne Gottes alle Zungen bekennen werden, daß Jesus Christus der Herr sei, dann wird die plattdeutsche Zunge nicht am schlechtesten klingen. (Lydia, bl. a. d. Frauenmission. 1921. Nr. 11).
Ein drittes Bedenken geht die Pastoren an, und man wendet ein, daß nur wenige unter ihnen das Plattdeutsche ausreichend beherrschen. Diese Schwierigkeit aber kann überwunden werden. Noch niemals haben sprachliche Schwierigkeiten dem Evangelium eine Grenze gezogen. W. Baur teilt den Werdegang eines Pastors mit, der als Fremdling zu einer Gemeinde im Vogelsberg gekommen war und von sich schreibt: »Mit inniger Liebe suchte ich Land und Leute kennen zu lernen. Hatte ich vorher schon danach gestrebt, auf der Kanzel mich populär auszudrücken und in der Schule schwierige Dinge auch für schwach befähigte Kinder anschaulich, faßlich, verständlich zu machen, so lernte ich jetzt noch mehr, — ich lernte die lebendige Volkssprache — erst verstehen, dann schätzen, zuletzt sprechen. Wäre es nach der Sitte angegangen, ich hätte wie Cl. Harms auch in der Mundart lehren und predigen können. Im seelsorgerlichen Verkehr gewann ich oft nicht eher Zuversicht, völlig verstanden zu sein, als bis ich die Sprache der Leute redete. — Wenn aber die Leute bei mir saßen und sich so kurz, kernig und schlagend auszudrücken wußten, so merkte ich mir Wort und Wendung. —« So könnte und sollte es jeder junge Pastor machen, der sein Amt in einer plattdeutsch redenden Gemeinde antritt. Dann würde eine Wand sinken, die ihn sonst, ob er es merkt oder nicht, von der Gemeinde scheidet. Jürnjakob Swehn rühmt von seinem Pastor, er sei ein Plattdeutscher und passe zu ihnen. Es sei mit ihm, wie mit dem alten Pastor Timmermann in Eldena: der habe seine Leute auch verstanden. — An dem sprachlichen Unvermögen der Pastoren sollte die plattdeutsche Wortverkündigung nicht scheitern dürfen.
IV.
So fordern in Niederdeutschland zwei Kirchensprachen ihr Recht. Die Grenze zwischen beiden ist fließend. Die zeitweilige Eignung des Pastors, die sprachliche Lage der Einzelgemeinde, vielleicht eines ganzen Kirchenkreises, sprechen mit. Auch der Entwicklung ist Raum zu gewähren. Die feine Grenzlinie wird freilich nur der Takt ermitteln können.
Einen gewissen Anspruch muß das Plattdeutsche schon dort an die Wortverkündigung stellen, wo sie hochdeutsch geschieht. Um dem einfachen plattdeutschen Hörer das Verständnis zu erleichtern, muß die hochdeutsche Rede sich in Satzbildung und Wahl des Ausdrucks dem Plattdeutschen zu nähern suchen. Cl. Harms hatte sich die Regel gesetzt, »was sich nicht direkt ins Plattdeutsche übersetzen läßt, das spreche ich nicht.«
Dasselbe sollte von der Agende gelten, in der bisher ein Periodenbau üblich ist, welcher für die plattdeutsche Gemeinde das klare Verständnis so sehr erschwert. Eine Durchsicht der Agenden nach dem Grundsatze von Cl. Harms ist ein Bedürfnis.
Das hochdeutsche Wort, dessen Aufnahme eine besondere geistige Anspannung des plattdeutschen Hörers erfordert, ist dort am wenigsten angebracht, wo die geistigen Kräfte des Hörers gebrochen sind. Das seelsorgerliche Gespräch am Krankenbett ist in plattdeutschen Häusern selbstverständlich plattdeutsch zu führen. Ebenfalls ist dort die Beichtvermahnung vor dem Krankenabendmahl plattdeutsch zu halten. Hierauf hat das Prediger-Seminar vorzubereiten, und in die Agende ist neben einem hochdeutschen ein plattdeutsches Formular hierfür aufzunehmen.
Auch in übrigen Fällen der Seelsorge werde dem Plattdeutschen der weiteste Raum gegeben. Für die Pastoral-Konferenz d. J. 1847 hatte die Ratzeburger Synode u. a. den richtigen Satz aufgestellt: »Der Seelsorger, welcher plattdeutsch zu den Seelen reden darf, hat ohne Vergleich einen leichteren Eingang zu seinem Werk, als wer nur hochdeutsch.« Um nicht in der Gemeinde den Gedanken aufkommen zu lassen, als sei es eine Art Herablassung zur Einfalt, wenn der Pastor mit seinen Gemeindegliedern plattdeutsch redet, muß die Gemeinde fühlen, daß ihr Pastor die plattdeutsche Sprache um ihrer selbst willen liebt und ehrt und sich ihrer auch im Kreise der Seinen gern bedient. Es wird da vielleicht manches Vorurteil zu überwinden sein, doch sollte es dem Pastor nicht schwer werden, auch den Plattdeutschen ein Plattdeutscher zu werden, auf daß er ihrer etliche gewinne. — Jedes Vorurteil wird auch in demselben Maße schwinden, in welchem die plattdeutsche Bewegung innerhalb und außerhalb der Kirche Raum gewinnt.
Auch im Jugendunterricht hat das Plattdeutsche ein beschränktes Recht. Die Einwendungen, welche Cl. Harms und unter den Neueren Achelis dagegen erheben, wenn sie auf den erheiternden Eindruck des Plattdeutschen auf die Schüler hinweisen, mögen bei einem ungeschickten Katecheten einmal zu recht erhoben werden, allgemein treffen sie aber nicht zu. Es ist eine Personenfrage, wer die plattdeutsche Sprache im Jugendunterrichte heranziehen kann, eine Taktfrage, in welchem Umfange, eine örtliche Frage, vor welchem Kreise dies geschehen kann. Wurster sagt einmal: »Nur im Konfirmanden-Unterricht den Dialekt nicht ausschließen. Man redet doch seelsorgerlich zum Herzen; da muß die Umgangssprache von selbst kommen!«
Die Kirche wird auch Sorge tragen müssen, in die Lehrbücher für die Hand der Jugend plattdeutsche Gebete mit aufzunehmen. Dieselben wären im Jugendunterricht zu behandeln und einzuprägen. Die Fähigkeit und Gewöhnung, mit Gott in der Muttersprache zu reden, könnte daran ranken und wachsen.
Dort, wo die Umgangssprache plattdeutsch ist, sollte die Verhandlungssprache im Kirchengemeinderat auch plattdeutsch sein. Das würde nicht nur das allseitige Verständnis erleichtern, sondern auch die gegenseitige Aussprache fördern und zu mancher Äußerung ermutigen, die sonst zurückgehalten würde.
In Missionsstunden und in Bibelstunden wird das plattdeutsche Wort an gutem Platze sein, wenn nicht ausschließlich, so doch im Wechsel mit hochdeutscher Rede. Die örtlichen Verhältnisse müssen entscheiden, wie weit dem Plattdeutschen Raum zu geben ist.
Bibelbesprechstunden setzen in plattdeutschen Gemeinden den Gebrauch der plattdeutschen Sprache voraus. Fleisch schreibt mit Recht: Ist die mangelhafte Beherrschung des Hochdeutschen sicherlich ein Hindernis für die Einbürgerung der Bibelbesprechstunde in ländlichen Gemeinden, so wird die Benutzung, oder auch nur die Zulassung und der Mitgebrauch des Plattdeutschen nicht nur helfen, die Bibelbesprechstunde einzuführen, sondern auch sie nutzbar zu machen.
Auf Gemeindeabenden wird sowohl in Vorträgen, als auch in Deklamationen, Liedern und Aufführungen das Plattdeutsche stark hervorgehoben und gepflegt werden müssen. Es ist hier auch der Ort, wo der Gemeinde der Wert und die Herrlichkeit ihrer Muttersprache ans Herz zu legen ist.
Daß die plattdeutsche Sprache nach den Grundsätzen der Augustana auch in den Gemeindegottesdienst gehört, steht uns außer Frage. Selbstverständlich ist dabei, daß das Hochdeutsche keineswegs verdrängt werden soll, sondern daß es sich um ein Bürgerrecht der Volkssprache innerhalb verständiger Grenzen handelt.
Der Studiendirektor Fleisch hält dies zwar auch für das Ziel einer Entwicklung, die anzustreben und zu erhoffen ist, aber er macht es von der Vorbedingung abhängig, daß zuvor das Plattdeutsche auch wieder Schriftsprache werde. Er sagt: »Das notwendige Korrelat zur plattdeutschen Predigt ist m. E. die plattdeutsche Bibel, das plattdeutsche Gesangbuch und plattdeutsche Erbauungsschriften. Ohne dieses schwebt die plattdeutsche Predigt in der Luft.« Mit plattdeutschen Predigten anfangen heißt ein wenig das Pferd am Schwanze aufzäumen. Doch verwerfe er vereinzelte plattdeutsche Predigten bei besonderer Gelegenheit nicht. — Fleisch begründet seine Stellungnahme mit dem Hinweis darauf, daß erst die von ihm gestellte Vorbedingung das Vorurteil überwinden könne, welches mit der Vorstellung des Hochdeutschen als der »heiligen« und »gebildeten« Sprache verbunden sei.
Diese abwartende Haltung würde wohl geeignet sein, das erstrebte Ziel in unerreichbare Ferne zu rücken. Denn u. E. würde gerade die plattdeutsche Predigt, und sie allein, es sein, die, zur allgemeineren Uebung gekommen, die erforderliche und beständige Antriebskraft besäße, die kirchliche plattdeutsche Bewegung in Fluß zu halten und zu fördern. Wir haben weder Ursache noch Zeit, mit der plattdeutschen Predigt länger noch zu warten.
Die Schwierigkeiten, welche der plattdeutschen Predigt entgegenstehen, sind zu überwinden. Nachdem vielfach die Städte vorangegangen sind, ist ein Vorurteil der Landgemeinden zu heben, vorausgesetzt, daß der Pastor die Sprache beherrscht und guten Geschmack beweist, sich auch in der plattdeutschen Predigtsprache eines edlen und gehobenen Ausdrucks zu bedienen.
Die Gemeinde hat dafür ein feines Verständnis und urteilt ziemlich sicher. Nicht jedes drastische Bild und nicht jeder kräftige Ausdruck sind der Würde kultischen Gebrauchs angemessen. Man sollte lieber zu vorsichtig, als nachlässig sein. Cl. Harms sagt: »auf jeden Fall befleißigen Sie sich eines feineren, edleren Plattdeutschen, als wie Sie es hören von dem gemeinen Mann. Wenigstens der derben groben Ausdrücke haben sie sich durchaus zu enthalten. — Man irre sich nicht, das platte Plattdeutsch macht den Prediger keineswegs im guten Sinne des Wortes, auch bei den so Sprechenden nicht einmal populär.«
Eine andere Frage ist, ob auch die Liturgie des Gottesdienstes überhaupt, oder jetzt schon, plattdeutsch zu gestalten sei. Wir gehen davon aus, daß in demselben Gottesdienste unbedenklich zwei Sprachen nebeneinander gebraucht werden können. Man erinnere sich, daß z. Z. des Herrn in der Synagoge der hebräischen Lektion die Auslegung in der Volkssprache folgte, daß in der römischen Kirche neben der lateinischen Messe die deutsche Predigt steht, und daß auch unsere alten lutherischen Kirchenordnungen für die Städte lateinische Lektionen neben den deutschen vorsahen.
Meistens ist bisher wohl dort, wo plattdeutsch gepredigt wird, auch die Liturgie plattdeutsch gehalten worden, bald in eigener Uebertragung, bald in Anlehnung an Vorbilder, wie sie gelegentlich gedruckt und verbreitet sind. Wer an den sprachlichen Eigenarten fremder Vorbilder Anstoß nimmt und eine eigene Uebertragung nicht wagt, bleibe ruhig bei hochdeutscher Liturgie, denn auch sie hat ihr Recht neben der plattdeutschen Predigt. Das hochdeutsche Gesangbuch und die hochdeutsche Bibel sollen doch nicht verdrängt werden. An der hochdeutschen Form der alten Kernlieder haften bei den älteren Gemeindegliedern unvergeßliche Erinnerungen und große Gemütswerte. Die Jugend hat sie im Unterricht gelernt, und sie werden ausgiebig erklärt. Hingegen manchen Uebersetzungen haften Mängel an, und geeignete plattdeutsche Originale sollen sich erst einbürgern. Auch die altvertrauten Schriftabschnitte mögen in der Liturgie hochdeutsch gelesen werden, wenn der Pastor es vorzieht und es der Gemeinde lieber ist. Gerade eine gute plattdeutsche Uebertragung würde oft eine solche Veränderung der Form bedingen, daß sie den Hörer vielleicht zunächst befremden möchte. — Im ganzen mag es der Entwicklung vorbehalten bleiben, welches Recht dem Plattdeutschen im liturgischen Teil des Gottesdienstes eingeräumt wird.[1]
Wie oft in größeren Städten ein plattdeutscher Gottesdienst einzuschieben ist, wird sich aus Erfahrung, Bedürfnis und Erfolg von Ort zu Ort ergeben. In Dorfkirchen wird sichs wohl empfehlen, monatlich einmal plattdeutsch zu predigen.
Es konnten im Vorstehenden nur Andeutungen und Anregungen gegeben werden. Es müssen erst viele Erfahrungen eines längeren Zeitraums aus den verschiedenen niederdeutschen Volksgebieten gesammelt und verarbeitet werden, um hier zu Klärungen, dort zu Berichtigungen und endlich zu gewissem Abschluß zu führen.
Die vorliegende Sammlung möchte die Entwicklung fördern und dem niederdeutschen Kirchenvolke einen Dienst erweisen. Gott geleite sie mit seinem Segen!
[1] Plattdeutsche Kirchenlieder sind u. a. verfaßt und herausgeben worden von P. Hansen, Kropp i. Schleswig, P. Walter Schröder-Stettin, (Plattd. Kirchenleeder un plattd. Gottsdeinstordnung. Verlag: Ev. Presseverband für die Prov. Pommern. Stettin, Elisabethstraße 69. Pr. 1 Mk.) und P. Fr. Bardey in Wismar, (En lütt plattd. Gesangbauk, 1. Winterhalfjohr. Vom Vf. zu beziehen.)
1.
Plattdütsch Predigt
äwer Gal. 5, 16-25 hollen in de Paulskirch to Schwerin von P. Studemund.
Wat meint de Apostel, wenn he schriwwt: Dat Fleisch is gegen den Geist, un de Geist is gegen dat Fleisch?
Ick will twei Geschichten vertellen, de uns dat wisen, un des Geschichten sünd würklich passiert. Vor god 100 Johr lewt de Freiherr von Stein. He wir lang Tid Minister, un ick wull, wi hadden ok hüt so’ne Ministers as he wir. Mal hedd em en Herzog inladt un bei Disch wiren ok en ganz Deil jung Leutnants. As se nu all länger bi Disch seten hadden, füng de Herzog an, sönne Geschichten to vertellen, as anständig Lüd nich vertellen söllen. De Herzog lacht lud öwer des Geschichten, un de Leutnants lachten sik ok. Freiherr von Stein set dor mit ’n irnst Gesicht. He säd sik: Dat darfst du nich mit anhüren, du möst den Herzog seggen, dat dat Unrecht is, sönne Geschichten to vertellen. Äwer en anner Stimm in em säd: Lat dat, dat giwwt nen groten Krach, du weißt, wo upgeregt und wütend de Herzog warden kann. Wat geiht di dat an, wat de Herzog vertellen deiht. Min leiw Fründ, hier hewwen wi dat, wat Paulus meint, wenn he seggt, dat dat Fleisch gegen den Geist, und de Geist gegen dat Fleisch is. De Geist, dat Gaude in em säd: Du darfst dat nich ruhig mitanhören, un dat Fleisch, de oll Minsch in em säd: Verbrenn di dorbi de Fingern nich. De Freiherr von Stein ded, woto de Geist em drew. He säd: »Ick heww mi ümmer argert öwer smutzig Geschichten, un ick holl dat nich vör Recht, dat en Herzog to jung Leutnants sönne Geschichten vertellt.« Dat würd bi des Würd dodenstill. De Lüd, de dor wiren, würd’ dat heit un kolt. Se kennten den Herzog. Äwer de sweg en Ogenblick still un füng denn an, von anner Saken to reden.
Noch en Geschicht: En Mann hedd sin Deinstmäken anfohrt un bannig utschullen. Nahst markt he, dat he dat Mäken Unrecht dahn hadd. Do säd en Stimm in em: du möst nu to dat Mäken gahn, un ehr seggen, dat di dat leed deiht, dat du ehr Unrecht dahn hest. Äwer en anner Stimm in em säd: dat is doch man en Deinstmäken, du kannst doch nich na’n Deinstmäken gahn un di awbidden. Dat geiht doch nich. Dor is ok de Geist gegen dat Fleisch, un dat Fleisch gegen den Geist west. He hedd nahstens sülwst vertellt, dat he sick vier Dag henquält hedd, bet he sick entsloten hedd, Awbidd to dohn. So lang sünd Geist un Fleisch in em gegen einanner west, de Geist, de säd: du möst Awbidd dohn, und dat Fleisch, dat säd: dat kannst du in din Stellung nich.
Äwer wi bruken gornich an anner Geschichten to denken. Wi weten ut uns eigen Lewensgeschicht, dat de Geist gegen dat Fleisch un dat Fleisch gegen den Geist is. Dor is ener in Not, mit den wi verwandt oder good bekannt sünd. Denn seggt en Stimm in uns: Dit is jo to trurig, dor mößt du helpen. Äwer denn kümmt bald ne anner Stimm un seggt: Worüm saßt du grad helpen, anner Lüd stahn em noch neger, lat de irst wat dohn. Wenn du em ollig helpen wist, kann du di dit un dat nich anschaffen, wat du so nödig hest. Oder dor hett sick ener mit nen annern vertürnt. Dat is man ne Kleinigkeit aewer nu sünd se uteinanner un süs hewwen se so girn mit einanner verkihrt. Denn seggt en Stimm in em, un dat is de Geist, dat Gaude: Nu gah wedder hen un verdräg di un segg em, du haddst dat nich so bös meint. Äwer ne anner Stimm, un dat is de oll Minsch, dat Slichte in uns, seggt denn: Du kannst nich tauirst hengahn, hei möt irst kamen, hei het de meist Schuld, hei möt irst seggen, dat em dat leed deit, wat hei seggt un daan hett. — Ore dor is en jung Mäten. To de seggen anner: Kumm hüt Abend mit to Danz. Denn fangt de en Stimm an: Dau dat nich, dor geiht dat nich anstännig to, din Öllern sünd ganz gewiß nich dormit inverstahn, wenn du hengeihst, un din Gewissen seggt di ok: Gah nich hen. Äwer ne anner Stimm seggt: Worüm saßt du nich doon, wat de annern doon. Du wißt doch ok wat von din Lewen hewwen. Du warst di all in acht nehmen, dat nix passiert. Vadder un Mudder bruken nix dorvon to weiten. Ore dor findt sick ne Gelegenheit, dat man so nebenbi ollig wat verdeinen kann. De Sak is nich ganz rendlich un schön. Dat Gewissen is nich ruhig dorbi. So seggt de en Stimm: Lat dat lewer. Äwer ne anner Stimm seggt denn: So genau kann man dat hüt to Dag nich nehmen, anner Lüd doon dat ok. Du hest dat Geld so nödig. Nahsten argerst du di, wenn en anner dit Geschäft makt un du nich weißt, wo du di un din Kinner satt kriegen saßt.
Ja, min leiw Fründ, dat is so, as Paulus schriwwt: Dat Fleisch is gegen den Geist un de Geist is gegen dat Fleisch. Wi bruken uns blod in ’n Lewen ümtoseihn. Wi weiten dat ok von uns sülwst. Un wer weit, ob nich hüt noch männigein von uns sonen Strit in sick dörchmaken möt, dat de Geist gegen dat Fleisch un dat Fleisch gegen den Geist is. Aewer wo is dat denn bi uns? Hewwen wi ümmer daan, wat de Geist will? Hewwen wi nich ok oft nog daan, wat dat Fleisch will? Villicht noch in des Dag wedder? Ach wi weiten, woveel Macht dat Fleisch, de Sün’n, in uns hett un wo swack oft de Geist, dat Gaude, in uns is. Un wi weiten, woveel Macht dat Fleisch, dat Slichte, hüt in de Welt hett. De Apostel Paulus schriwwt, un ick will dat hochdütsch vörlesen: »Offenbar aber sind die Werke des Fleisches, als da sind: Ehebruch, Hurerei, Unreinigkeit, Unzucht, Abgötterei, Zauberei, Feindschaft, Hader, Neid, Zorn, Zank, Zwietracht, Rotten, Haß, Mord, Saufen, Fressen und dergleichen.« Worüm heww ick dat hochdütsch vörlest? Dorüm, wil för veel von dat, wat Paulus hier seggt, uns plattdütsch Sprak gor kein Würd hett. Paulus schriwwt hier von Sün’n, de in ’t plattdütsche Land gornich vörkamen süllen. Äwer kamen se bi uns to Lan’n nich vör? Dat dat bi de Heiden so utsüht, as Paulus schriwwt, kann uns nich wunnern. Se hewwen jo de 10 Gebote in de Schaul nich lihrt un weiten nix von unsern Herrgott un unsen Heiland. Äwer süht dat denn bi uns to Lan’n hüt to Dag anners ut? Ach wo trurig, wo trurig steiht dat doch upstunns mit uns Volk. In ’n Krieg säd mal en lütt Mäten to ehr Mudder: »Mudding, wenn de Krieg vorbi is, gellen denn de 10 Gebote wedder?« De seg, dat de Minschen sick nich kümmern üm dat, wat uns Herrgott in sin Gebote seggt. Äwer is dat beter worden in uns Tid? Ick bruk nich veel dorvon to seggen. Wi weiten jo all, wo dat utsüht, un fragen bang: Wo sall dat blot noch warden? Ward uns Herrgott de Welt un uns Volk nich noch veel scharper anfaten möten?
Ick kann dat äwer nich laten, noch en Stell ut ’n Upsatz vörtolesen, den ne plattdütsch Schriftstellerin schrewen hett. Se wahnt in Schwerin un hürt to uns Paulsgemein. De Upsatz is äwerschrewen: »De Düwel un dat Johr 1920«. In desen Upsatz heit dat: »Baben up den Blocksbarg set de Düwel. He hadd sin grotes Anschriewebauk up de Knei un höll Afrecknung äwer dat Johr 1920. »Bi ’n Düwel noch mal«, rep hei, »dit Johr schafft ’t. Dit is noch en Geschäft. Dit lohnt sick noch de Mäuh.«
Wo veele von de, de süs gornich bitaukamen west wir, föllen em nu in de Klaben, wo veele, de süs nix von em hadden weiten wullt, wiren nu gaud Frün’n mit em. Wedder lacht de Düwel. Dachten se, sei künnen mit em gaud Fründ sin? Wenn hei ehr mal eins sin wohr Gesicht wisen ded, wo bleik sei woll warden würden. Un denn wir ’t tau lat, tau lat, tau lat!
Am meisten Spaß makten em de Wucherers. Wat hadd dat Wurt süs för en bösen Klang hatt ünner de Minschen, dor hadden sick süs nich alltauveel mit bemengt. Dat Geschäft wir ehr so smerig west. Un wer ’t doch daan hadd, den hadden se utstött ut ehr Gemeinschaft. Un nu? Ja, nu hadden’s gründlich uprümt mit dit Vörurdeil, nu wir de Welt klauk worden! Wat hadden se von Ihr un Stolt, wenn de Geldbüdel leddig blew. Geld! Geld! Her dormit! Rin in den Kasten! Nu brukte he, de Düwel, man blot de Fidel to striken un se kemen all, old un jung un grot un lütt, un danzten den willen Danz üm ’t gollen Kalw. Un Larm un Strid, un Haß un Afgunst, un Murd un Dodslag, de süngen in gräsigen Chur dortau, dat de Welt in ehr Fugen bewern ded.
De Düwel slög en anner Blatt up.
De Schuwers, — wat wiren de Schuwers för’n fetten Happen för em! Hei högte sick bi den Gedanken an ehr, dor künn hei mit einen Strich glick en gauden Hümpel wegracken. Hei hadd naug hollwannig Kinner seihn, de sei up’t Gewissen hadden. Wo klüng de Welt wedder von Süfzer un Jammer! De Düwel läd de Hand an’t Uhr. Wo säut klüng em dat! Dat hürte hei leiwer as Singen un Beden.
Un nu slög de Düwel en anner Blatt up, ganz mit Bedacht, dat hei ok den rechten Wollgenuß hadd, von dat wat nu kem. Denn dit wir sin gröttste Freud. Hier stünnen de Namens von de lütten Mätens inteikent. Ditmal rew de Düwel sick de Hän’n, dit wir sin Best, sin Hauptstück! Disse Siden wiren süs ümmer so witt, so leddig west, kein hedd so recht wat mit em to daun hewwen wullt, Tucht un Schimp wiren noch bi ehr west. Äwer nu, äwer nu! Dicht bi dicht stünnen dor de Namens, un de ganz Jungen, dat gewen de meisten un de legsten af. Wenn hei upstunns so öwer de Ird flög, un hei seg de lütten Dirns un Mannslüd up de Danzbähns liggen bet deip in de Nacht, un seg, wo sei Plicht un Ihr vergeten, wo sei dat Geld ut ’t Finster smeten för Tand un Kram un lachten äwer gaude Lihren un lewten in den Dag rinne, as gew dat kein End, denn würden em de Ogen blänkern. De lütten Mätens hadden em Mäuh nog makt, Johrdusende lang! Nu äwer hadd he ehr, nu wiren sei sin. »Kann naug von juch bruken«, gnurrte hei, »nu is de Welt mal ümkihrt, nu kümmt dat Bös an ’t Roder, nu is ok mal min Tid.«
Un is dat nich hüt so? Is nich upstunns den Düwel sin Tid? Höd di, höd di, min Fründ, dat de Düwel di nich ok in sin Bauk rinschriwwt, höd di! Wer deiht, wat dat Fleisch will, de kümmt in dit Bauk rinne. Paulus seggt in uns Epistel, dat all de nich de Seligkeit arben. Lat ’t uns nich daun wat dat Fleisch, de Sün’n uns seggt, lat ’t uns daun, wat de Geist seggt. Wo schön is dat, wat Paulus äwer den Geist schriwwt. Wi lesen: De Frucht von den Geist is Leiw, Freud, Freden, Geduld, Fründlichkeit, Gaudheit, Glowen, Sanftmaut, Keuschheit. Dat sünd luter Saken, för de uns plattdütsch Sprak Würd hett, un dit süll sick ok all in plattdütschen Lan’n finden. Leiw, Freud, Freden, Fründlichkeit, Geduld, Gaudheit, Glowen, Sanftmaut, Keuschheit. Ach wenn doch alle Minschen so wiren, wo schön wir denn dat Lewen. Wenn wi denn ok arm wiren, wenn wi denn ok en flickten Rock drägen un in Winter in en Stuw tausamenkrupen möten, un wenn dat denn ok knapp bi Disch taugeiht, dat würd all nich schaden, wenn de Minschen so wiren, denn wir doch dit Lewen up de Ird ok in des swere Tiden all en halw Paradies.
Toirst nennt Paulus de Leiw. De Leiw is jo ok dat Best in de Welt. De söcht de Herr Jesus an sin Jünger, un einmal au ’n jüngsten Gericht ward dat gahn na dat Wurd: Wat ji daan hewwt einen von min geringsten Bröder, dat hewwt ji mi daan. Äwer Wil de Ungerechtigkeit äwerhand nimmt, ward de Leiw in veel kolt warden. Is dat ok bi di so? O bidd Gott, dat hei di mihr Leiw giwwt un di helpt, anner Lüd wat to Leiw to daun. Un dor willen wi hüt mal ganz praktisch vorgahn. Dat is noch früh an ’n Morgen. De ganz Dag liggt noch för uns. Dor nimm di nu mal för, hüt an desen Dag wenigstens einen Minschen wat to Leiw to daun. Du weißt villicht en Kranken oder ne oll Fru, de nich mihr utgahn kann un de sick freut, wenn du ehr mal besäuken deist. Besäuk ehr hüt mal. Oder bring ehr en poor Appels hen oder en poor Eier oder wat du süs grad hest, kannst ok nen Geldschin mitnehmen. Dau dat, wotau de Leiw di andriwwt. Dat giwwt so veel Armaut in uns Tid un so veele, de sick äwer jede lütt Gaw freuen. Oder lad’ hüt abend enen in, de so allein steiht. Oder gah na enen hen, mit den du utenanner kamen büst, un wis em, dat du em nich mihr bös büst. Ja, dau wenigstens enen Minschen hüt wat to Leiw, äwer dau dat ok würklich. Dat kann girn sin, dat, wenn du hengahn wißt, enen to besöken oder em wat to bringen, ne Stimm in di seggt: Wat wißt du dorhen gahn, dat hest du doch nich nödig, du kannst leiwer en anner Mal hengahn. Wenn dat so sin süll, denn erlewst du wedder, wat Paulus schriwwt: Dat Fleisch is gegen den Geist. Äwer dau nich, wat din Fleisch, din oll Minsch, din Bequemlichkeit will. Dau wat de Geist will. Ach wenn doch jeder von uns wenigstens enen Minschen hüt wat to Leiw ded, wo dankbor würd ick sin, denn wir min Predigt nich ümsüs west.
Un denn, min Fründ, ward dat hüt för di nen schönen Sünndag, de di Freud, veel Freud bringt, veel betere Freud, as einer hüt Abend up ’n Danzbähn find ’t. Wo Leiw is dor is Freud, un de Apostel nennt ok to tweit de Freud na de Leiw in unsern Vers. Mal hadd en rik Amerikaner enen Paster fragt: »Wo is de Himmel.« De säd em: »Se ach, in uns Tid is dat anner Wurd Wohrheit worden: möten för 200 Mark Lewensmittel för de arm Witfru köpen, de an de anner Sid von den Barg wahnen deit, un de ehr drei Kinner krank sünd. Nehmen Se ok ne Fru mit, de ehr plegen un upwohren kann, un denn lesen ’S ehr den 23. Psalm för un bäden mit ehr. Se warden marken, wo de Himmel is.« An annern Dag kem de rik Amerikaner to den Pastor un säd: »Ja, nu weit ick, wo de Himmel is. Wo hett de arm Witfru sick freut, se wüßt gor nich, wat se seggen süll, un ümmer wedder hett se sick bedankt. Un as ick den 23. Psalm ehr vörlesen un mit ehr bäden ded, hadd ick dat Geföhl, dat ick den Himmel veel neger wir as süs un ick weit nich, dat ick mi süs all so glücklich föhlt heww as gistern.« Ja, dat is so, as de Heiland seggt: Gewen is seliger as Nehmen. De Minschen, de ümmer an sick sülwst denken, de ümmer blot hewwen un hewwen willen, sünd unglücklich. Äwer de, de girn afgewen un girn anner wat to Leiw doon, de kennen Freuden, de man süs in de Welt nich finnen kann.
Un denn noch ein Deil. Paulus schriwwt wider von Freden un Fründlichkeit un Geduld un Sanftmaut. Nimm di wider för, hüt an desen Dag ok mal mit jeden Minschen Freden to hollen. Wes’ gegen jeden fründlich, ward hüt nich ungedüllig un argerlich, ok nich, wenn ener di hüt en Töller entweismitt ore de Kinner ehr witt Kled smutzig maken ore ener di anfohrt un Unrecht deit ore di mit spitze un häßliche Würd kümmt. Fang denn nich an to schellen un to larmen, bliw denn hüt mal ganz ruhig un fründlich un gedüllig, blot mal an desen Dag. Äwer villicht denkt männigein: Du hest god reden. Du süßt man in min Städ sin. Ick kann mi öwer minen Mann oder min grot Dirn jeden Dag krank argern, un de Lüd, de mit mi in ’n Hus wahnen, man glöwt gornich, wat dat för Minschen sünd. Dor kann man nich ümmer still swigen, dor löppt enen de Gall öwer. Äwer versök mal hüt, den einen Dag ruhig un fründlich un sanftmödig to bliwen. Süßt du dat nich enen Dag farig kriegen? Un wenn nich, wotau hewwen wi unsern Herrgott. Denn bidd em, dat hei di mit sinen heiligen Geist dortau helpen deiht. Villicht kümmst du, wenn du fründlich un gedüllig büst, veel wider as wenn du losschimpen un losmarachen deihst.
Ach wenn wi doch den heiligen Geist recht hadden. Ok denn würd uns dat Fleisch, de Sünn, noch to schaffen maken un wi warden dat erlewen, dat ümmer noch dat Fleisch gegen den Geist is. Äwer wi warden nich mihr soveel daun, wat dat Fleisch seggt, wi warden mihr daun wat de Geist seggt. Un dat, wat wi hier lesen, Leiw, Freud, Freden, Fründlichkeit, Gaudheit, Glowen, Sanftmaut, Keuschheit, ward sick ümmer mihr bi uns finnen. De Apostel seggt jo, dat dat de Frucht von den Geist is, von den heiligen Geist. Denn kümmt dit ganz von sülwst as de Appel un Beeren ok ganz von sülwst an de Böm wassen un rip warden. Äwer hüt will ick blos an desen enen Dag denken. Ick bidd di noch einmal so recht von Harten: Nehm di för, hüt an desen Sünndag, wenigstens enen Minschen wat to Leiw to daun un nehm di för, hüt an ’n Dag ümmer fründlich un gedüllig to bliwen, mag passieren, wat dor will, un bidd dinen Herrgott, dat hei di dörch sinen heiligen Geist dorto helpen deiht. Ick will mi dat ok förnehmen un gew uns Herrgott, dat wi dat würklich daun.
2.
Pingstpredigt
von Pastor Ziercke-Dömitz.
Min leiw Gemein! Wat sall ick jug seggen an dissen hilligen Dag? Sall ick ’t maken as de annern all, de jug fragt hebben in de letzten Dag: Wo geihst du denn to Pingsten hen? Un denn tellten se de lange Reig von Pingstvergnäugungen up, de in de Tidingen stahn ded. Lud un lustig geiht dat dor her, äwer de Seel hett nix dorvon un dat Hart bliwwt dorbi untofreden. Ja dat kümmt woll vör, dat de Seel sick liesen wegslikt ut all den lustigen Larm un wannert dörch dat dütsche Land; un wenn se denn süht, dat an ’n dütschen Rhein de Franzosen un Swarten sick breit maken, un dat de dütschen Tirolers to uns willen un dörpen nich, un dat de Polacken äwer de dütsche Oder kamen as Deiw un Mürders, un wi dörpen uns nich wehren in uns’ eigen Land un för unse eigen Bröders, denn stiggt dat heit in ehr up. Un wenn se denn markt, dat dat vördem flietige dütsche Volk rümsteiht un schugt de Arbeit, dat dat true dütsche Volk sick ein den annern verklagen deiht, dat dat starke dütsche Volk sick un sine Kinner up Gnad un Ungnad den unbarmhartigen Fiend utliewern deiht un dat dat klauke dütsche Volk to all dissen Jammer noch juchen un lachen un springen kann, denn lopen ehr de Tranen dal, un se müggt an leiwsten dorhen gahn, wo dütsche Jungs un Mannslüd to Hunnertdusende an de Grenz unner den Rasen liggen. Je, wo geihst du to Pingsten hen? Dor is noch ein, de so fröggt, un de uns ok glik de richtige Antwurt gifft. Dat is uns Herrgott. Aewer sin Frag ward meist äwerhürt, un sin Antwurt noch mihr. Wi äwer willen dorup marken un willen hüren, wat hei uns seggen will dörch den Profeten Hesekiel, 3, 22-24: »Uns Herrgott nehm mi bi de Hand un säd to mi: Mak di trecht un gah herut upt Feld dor will ick mit di reden. Un ick mök mi trecht un güng herut upt Feld. Un süh, dor stünn de Herr in all sin Herrlichkeit, grad so as ick sei seihn hadd an ’t Water Kebar. Un ick föll dal up min Angesicht. Dor kem de Geist in mi, un ick kem wedder to stahn. Un hei sprök mit mi un säd to mi: Gah hen un slut di in in din Hus!«
Sowied uns Herrgott sin Wurd. Weest nu, wo du hengahn saßt to Pingsten? Ick willt noch eins tosamenfaten in einen Satz:
Uns Herrgott will wat von di,
Buten upt Feld, dor will hei mit di reden,
Binnen int Hus, dor saßt du mit em reden.
Toirst will hei mit uns reden. Ganz irnst. So irnst, as en Vadder mit sin Sähn sprekt, wenn de sick verbiestert hett; so as en Dokter mit ’n Kranken sprekt, wenn hei süht, dat dat slicht mit em steiht. Un dat’s nu ganz gewiß: wi hebben uns verbiestert, wi sünd krank. Dat wier bet 1914 as mit den groten Torn von Babel. De minschliche Kultur süll ok so ’n groten Torn warden; un all de Minschen von den ganzen Irdbodden bugten an dissen groten Torn, ümmer fixer und ümmer iwriger. Un jedesmal, wenn wedder en Johr üm wier, dann smeten se sick in de Bost, wo wied se dat doch all bröcht hadden, un dat de Spitz von den Torn nu doch ball bet an den Himmel recken müß. Se verstünnen ok all enerlei Sprak, disse upverklorten Minschen vont twintigste Johrhunnert. Dat Hauptwurd von disse Weltsprak wier dat Wurd: Geld. Geld kann allens, Geld regiert de Welt, dat wier de Losung. Dat Geld is gewen alle Gewalt in Himmel un up Irden. Den Heiland, de dit Wurd mal von sick seggt hadd, let man ’n goden Mann sin un hadd em an leiwsten in en Museum steken un sin Evangelium bi Sied leggt. Woto ok en Heiland un en Evangelium? Ne Seel gew ’t jo äwerhaupt nich, un Schuld ore Unschuld dat’s allens egal. Wenn de grote Torn man ierst farig wier. Wat süll ein denn noch an den Himmel glöwen? Denn künn ein jo in den Torn von de Ird glick in den Himmel rupstiegen. Äwerst, dor kem en Blitz ut den Himmel, un de ganze statsche Bu schöt in sick tosamen. Dat wier de Krieg un de Revolutschon. Un dat is keen Wunner, dat de Minschen nu heil un deil verbiestert un ganz krank worden sünd; dat se nu dor stahn as Kinner, de en Pott entwei smeten hebben un passen de Schören tosam: so hett ’t seten.
Dat heit: ein Godes is dorbi. Verbiestert un krank wieren se jo all vörher, äwer se höllen sick bet dorhen för sihr klok un gesund. Nu äwer is de Biesternis un Krankheit apenbor worden. Un wenn so’n Jung insüht, dat hei sick alleen nich mihr trechtfinnt, denn hürt hei all wedder ihrer up den Vadder. Wenn en Minsch sick dat irst ingestahn deiht, dat hei krank is, denn schickt hei na den Dokter. So geiht dat ok uns, wenn wi nu mang de Schören von uns’ tosamenschaten Glück ümhergahn. Vördem bildten wi uns in, wi hürten to dat Volk von de Dichters un Denkers; nu weeten wi, dat uns’ Volk dat Gripen un Grapsen beter versteiht, as dat Begriepen un Glöben. Wi seihn in, dat wi krank sünd an Hart un Seel. Pingsten seggt uns äwer, dat dat noch ’n Dokter giwwt, de uns helpen kann; dat wi noch ’n Vadder hebben, de uns trechtbringen kann. Hei nimmt uns hüt bi de Hand un seggt: Mak di trecht un gah herut upt Feld, dor will ick mit di reden. Na trecht is nu woll jedermann bi desen schönen Sünnenschien. De mihrsten von uns sünd gistern buten west un gahn ok hüt wedder rut upt Feld. Äwer woveel von all de Lüd, de ehren Pingstutflug maken, seihn denn wat von de Herrlichkeit dor buten? Wenn ein dor wat seihn will, denn dörft ein nich as dat Veih blot up sin eigen Trad un Fautspur dalkieken. Denn möt ein sin Ogen upmaken, so as dat de Dichter von dat olle plattdütsch Volksbook ut dat 15. Johrhunnert »Reinke Voß« makt hett, wenn hei sin Leid anfangen deiht:
Dat was up enen Pingstedag,
Dat en de Wold un Felder sach
Gröne stahn mit Loof un Gras,
Un mannig Vagel fröhlich was
Mit Sange in Hagen un up Bomen,
De Krüder spröten un de Blomen,
De wol röken hier un dor,
De Dag was schön, dat Weder klor.
Wenn wi so de Ogen upmaken, denn seihn wi all en beten von de Herrlichkeit upt Feld. De Blomen, de Böm, dat Krut, dat Holt mit sin Loof, de Wischen mit ehr Gras, de Vagels un de Sünnenschien — dat allens is jo uns’ Heimat: Un wenn uns dat ierst recht to Klorheit kümmt, denn denken wi gar nich mihr an allens, wat wi utricht hebben mit uns eigen Kraft un uns eigen Kunst; denken ok nich mihr an allens, wat wi utricht hebben mit uns eigen Schuld un Versümnis. Ne, uns leiw Moder steiht denn wedder vör uns un de truge Vadder, dei wi dat Best verdanken int Leben, un uns’ Lihrers, de uns to’n Goden anhollen hebben, un ’n goden Fründ, mit den’ wi oft uns utspraken hebben, un dat ganze Volk, to dat wi hüren, mit sin grote Geschicht, un dat uns dragen hett mit sin faste Ort. Un denn vergeten wi de grote gemeinsame Weltsprak, mit de wi den Torn bugen wullen, bet an den Himmel in Eigensük un Äwermod, un besinnen uns up de olle gottesfürchtig Red von unse Vöröllern. In uns leiw Modersprak giwwt dat äwerhaupt gor keen Würd för allens, wat uns krank makt hett: Geld, Geschäft Materialismus, Atheismus, dor giwwt dat blot Würd för allens, wat uns wedder gesund maken kann: Hus, Heimat, Häben, Herrgott.
All de, de so buten de Heimat finnen, un to de de Heimat reden deiht upt Feld warm, hartlich, leiw un gaud, de warden ok ball wedder kamen, un den Herrgott sülwst finnen. Denn dat is ierst de ganze Herrlichkeit, de wi dor buten upt Feld seihn möten, wenn de Herrgott sülwst dor vör uns steiht un mit uns reden will. To keen Johrstid hett he uns mihr to seggen, as in de Vörjohrstid. Hest em noch nich eins dor hürt? Du leiwes Kind, seggt hei, wat billst du di in, wißt, wer weet wat, vörstellen, un kannst doch nich en Grasspierken ut de Ird rutdriewen mit all din Kunst? Du leiwes Kind, seggt hei, wat dreggst du den Kopp so hoch, liehrst mit veel Koppterbreken de Spraken von frömde Minschen, un dat schönste Leid, dat de Nachtigal hier singt, kannst du doch nich verstahn? Du leiwes Kind, seggt hei, wat makst du di för Sorgen? Kiek hier buten is ’t grad so: dor möt de Segen ok von baben kamen, wenn wat Rechts dorut warden sall. Jedes Johr lat ick nah den düstern, harten, kollen Winter de Natur wedder uperstahn to Licht un Leben un leiwliches Wesen, un du meenst, du saßt ümkamen in Nod un Dod? Büst du nich veel mihr as de Blomen un de Vägel, büst du nich min eigen Ebenbild? Süll ick di denn nich vel schönere un betere Saken geben in min Paradies? — Gewiß is dat wohr, ahn Storm un Weder geiht ’t nich af in’t Vörjohr. Dorüm, wenn in din Leben Stormwind un Weder di angst un bang maken will, denn grad kann di dat en Trost sin, dat du singen kannst:
Bald vergeiht de Nacht,
God höllt sülwst de Wacht,
Un en niges Vörjohr
Folgt den Winter sacht.
In all din Sorgen,
In all din Nod
Höllt hei fast di borgen
De true God.
Du leiwes Kind, mak dat man as de Blomen, de dor an den Weg stahn. De sünd dor henstellt von den Herrgott un sälen bläuh’n. Un dat is se genoog, dat se bläuh’n solang se känen, un dat de Herrgott se dor süht. So saßt du ok an dinen Platz stahn in de Welt un din Ding doon: Denn de Herrgott hett di dor henstellt, un dat is genoog, dat hei di dor süht. Din Hart sall en Blom warden, Minschenkind, en Blom, de nix brukt as Sünnenschien, un nix will as Bläuh’n, Gott to Ihr, de Minschen to Deinst, sick sülwst to Lust. Süh so redt dor buten allens mit uns; un wi möten blot de Uhren upmaken un de Ogen apenhollen: denn steiht de Herrgott dor in all sin Herrlichkeit vör uns. Un dat geiht uns as den ollen Profeten: wi fallen up uns Angesicht, un en nigen Geist kümmt äwer uns, en Pingstgeist ut de Höögde, un wi kamen wedder up de Been to stahn, un warden gesund un kriegen nige Kraft un nige Toversicht un nigen Globen.
Äwer wenn wi denn dor buten den Herrgott in all sin Herrlichkeit seihn hebben, denn dörben wi ok nich wedder vergeten, wat hei dor mit uns redt hett. Denn kümmt nu de Reig an uns; denn möt wi sinnig nah Hus gahn un dor mit den Herrgott reden. Den Profeten kümmt gliek de Erinnerung an de annere grote Stunn in sin Leben, wo hei ant Water Kebar in sin Profet namt insett ’t is. Un woveel Stunnen hebben wi nich all in unsen Leben hatt, wo de Herrgott sinen hellen Schien äwer uns hett uplüchten laten. As uns Mudder uns toirst von den Heiland vertellt hett; as wi an den Konfirmatschonsaltor säden: ich will din Kind blieben, as wi hier in de Heimat en grotes Glück erlewen deden, ore as wi buten stünnen int Feld in Nod un Gefohr. Un denn so mennig Mal, wo en Gottswurd uns in ’t Inwennigste drapen hett. Jeden Sünndagmorgen steiht de Herrgott jo an den Altor un will wat von di. Dor will de Orgel di losrieten von de Ird, un de Gesang sall di dat Stiegen lichter maken, bet du toletzt baben up den Barg ankamen büst, un de Predigt anfangt. Denn jede Predigt in’t Gotteshus sall ne Bargpredigt von den Heiland sin, un bi jedes Heilandwurt sall de Herrlichkeit von unsen Herrgott dörch de Kirch gahn: du fäuhlst, wat halw un holl an di is, un in Demot un Gottsfurcht treckt di dat hen na ’t Altorkrüz. Dat sünd ümmer Kebarstunnen för uns, wo dat Wurd vun’t Krüz in uns Hart kümmt. En Murer, de en grade Wand upsetten will, brukt ne Waterwag. Wenn de Waterblas ünner dat rode Fadenkrüz to stahn kümmt, denn hett hei richtig arbeit ’t. En Christenminsch brukt sonne Lebenswag, üm ümmer wedder nahtoseihn, dat hei sinen Lebensbu richtig upführt. Disse Lebenswag is dat Evangelium, un wenn du an Sünndagmorgen markst, dat din Leben sick ünner dat Krüz von Golgatha instellt hett, denn so is dat richtig. Wi hebben dat heil nödig, dat Krüz ümmer wedder an uns Leben to hollen; dat gifft uns Richtung un gifft uns Trost un Kraft, un lett uns ierst de ganze Herrlichkeit von unsen Herrgott seihn. Un wenn du disse Herrlichkeit seihn hest, denn seggt hei to di: nu gah hen un slut di in din Hus! In din Hus möst du den Anfang maken mit den nigen Pingstgeist, wenn’t anners warden sall in de Welt. Meenst du, dat kümmt up enen nich an? Kiek mal, wenn du in de Nacht verbiestert büst in düstern Wold, un dor schient man blot en lütt Licht in de Fiern ut en lütt Finster, wat makt dat ut, un woveel Minschen känen dordörch den rechten Weg wedderfinnen! Un nu nimm irst mal en Lüchttorn. Hunnerte wiest hei in de Nacht den Weg dörch Storm un Wellen. Wenn ok man en Minsch gegen all de Blindheit un Verlagenheit, gegen all den Schandkram un de Gottlosigkeit angeiht, wenn ok man en christlich Hus en hillig Licht upstecken deiht in de unhillige Welt, dat makt woll wat ut. Sei hebben lang drömt von dütsche Macht un Herrlichkeit, hebben drömt, bet dat Weder all äwer uns stünn. Un denn kem Slag üm Slag, bet up den letzten in de letzte Woch. Blot dat nakte Lewen willen se uns laten, un dat günnen se uns ok noch nich mal. Aewer dat is seker: ok in dat Unweder, wat nu äwer uns kamen is, steiht de Herrgott in sin Herrlichkeit vör uns un will uns seggen: gah hen un slut di in din Hus! Von binnen möt dat dütsche Hus wedder upbugt warden. Mak de Dör to, dat du dat Fiedeln un Fleuten nich hürst, un denn mak Gebruk von din Husrecht un smiet all de unhilligen Geister ton Finster rut: den Klaggeist un den Sorgengeist, de Eigensük un de Aewerbostigkeit, un pack di mal allens vör di up den Disch, wat du noch hest ore doch hebben kannst: din Arbeid un Sweet, din Mood un Glowen, din Leiw un Gottvertrugen. Un paß up, dat in din Hus ok de Seel to Wurd kamen deiht un dat de Herrgott ok mal ahn Inladung in din Stuw herinnekamen kann. Nimm din Kinner an de Hand un folg mit ehr de Hänn un red mit din Herrgott ut deipsten Hartensgrunn. Denn bliwwt den Herrgott sin Herrlichkeit bi di, buten un binnen is Maiendag, sin helle Sünnenschien geiht mit di, ok wenn mal Wulken äwer Hus un Heimat trecken.
So, nu bün ick farig hier up de Kanzel; nu kümmt de Reig an di; wenn du nahst ut de Kirchdör geihst; un ümmer, ümmer saßt du denken: din Herrgott will wat von di, buten upt Feld, dor will hei mit di reden, binnen int Hus, dor saßt du mit em reden, uns Herrgott will von di din ganzes Hart un Leben. Wenn du dat von nu an nich wedder vergeten wist, denn ward di dit en gesegnetes Pingstfest.
Amen!
3.
Kinnerprädigt to Wienachsabend.
Von Pastor H. Schecker in Blender, Kr. Verden-Aller.
Luk. 2, 10. Un de Engel de sä to de Schepers: »Wäst man nich bange! denn süh! ik verkünnige jo ne anewäten grote Freide; dor schall sick dat ganze Volk to freien; denn jo is vandage de Heiland geboren, dat is de Herr Kristus in David siene Stadt. Un dat schall dat Teeken för jo wäsen: Finnen schöt ji dat lütje Kind in Luen inwickelt, un in ne Krübbe dor schall ’t inliggen.«
Dat harr de Engel to de Schepers secht. Un de, de läten sick dat nich tweemol seggen; nä, forts sünd se opsprungen un hebbt sick opn Wech mokt un se sünd mihr lopen as gaan, un dat duere keen Vättelstünne, dor wörn se all ünnen ankamen in Bethlehem un stünnen vör dat Wertshus. Awer dor sloepen se all lange, un wör oewerall keen Lecht mihr to säin; — allens stickedüster. Man blos dor achter in ’n Spieker, dor schimmere noch en swacken Lechtschien dör dat lüttje Finster. Vörsichtig gaat se ranner, un een van de Schepers kloppt an de Dör, un dat duer nich lange, dor make een van binnen apen. De ole San Josef was ’t, un he harr in de eene Hand en Traanfunzel, un de anner Hand de höll he sick baben de Ogen, üm to säin, wat denn dor buten noch los wör. Verwunnert kiekt he de Schepers int Gesicht un fragt jum, wat se denn dor noch so late to säuken harrn.
Dor vertellt se em, wat se dor buten opn Felle wunnerbores biläwt harrn, un dat keen annern as en richtigen hilligen Gottsengel jum herschickt harre, dat se sick dat hillige Kristkindchen mol ankieken schullen, un ow se hier woll recht kamen wören.
Na, dor harrn ji mol säin mößt, wat de ole Josef för grote Ogen maken däe, as he dat to hüren kräg!
»Na«, sä he, »denn so kamt man rin, ji Gesegneten des Herrn; ji sünd för de richtige Doer kamen.« Un he lüchte jum vorut.
Na, dat wir jo denn so recht wat för den groten Scheperjungen, de ok mitkamen wör. He drängel sick dör un mit eenen Satz wör he ok all bi de Krübben togange: »Och, kiek mol, Vader, dor liggt dat lütje Kristkind in de Krübben! So wat het een doch all sien Läwdaag noch nich säin: en Kind in de Kookrübben; wat het denn dat op sick?«
De Vader de bedüet em, dat he hier nich son Spittakel maken dröfte: »Junge, du ole lägorige Bengel, sühst du denn nich, dat dat Kind slöppt?«
Un liese, ganz liese trät se nu alltohope heranner, de olen Schepers mitsams de Kinner, de se mitnaamen harrn van Felle.
San Josef de höll de Lüchten tohöchde, dat se sick dat Kind ok van alle Sieden genau ankieken künnt. Ach un ßüh! dor liggt ok de holdsälige Mutter Maria un kiekt de Kinner un de olen Lüe so fründlich an un winkt jum to, se schulln man ganz driest en bäten nöger rankamen an de Krübben. Un dor stünnen se nu un freien sick un säen nix un hölen den Atem an, dat man blos dat Kristkindchen nich opwaken schulle.
Tolest dor faate sick de öllst van de Schepers en Hart un sä to de annern: »So«, sä he, »nu wö wie op de Knee liggen gaan un dat hillige Gottskind anbäen«. Un dat däen se denn ok. Un de ole Schepers Opa de füng an to bäen un sine troen Ogen de lüchten dorbie: »Och, mien beste leewe Jesuskind! dat ick olen Keerl ok dat noch biläwen draf, dat du Minsch geboren büst! Wolange hebbt se dor nu all op luert! Ut dankboren Harten grüß ick di, du aller Welt eer Heiland! Ick wäit, du wullt dien Volk Israel sälig maken. Mak ok mie sälig! Amen.«
Un dor füng ok de tweete an to bäen: »O du leiwliches Kind! du büst de worraftige Davidsoen, un du warst ok noch emal en groten König weern, un dien Königriek dat ward noch mol väl grötter weern as Daviden sien, nä sogor noch väl grötter as den Kaiser Augustus sien. Lat ok mi to dienen Rieke hentohören! Amen.«
Un de drüdde de sä: »Leewe holdsälig Kindken, wat David all vör väle hunnert Joore hier in Bethlehem wäsen is un wat ick upstuns noch bün, en Scheper, dat warst du ok noch emol weern, un ut aller Welt Ennen warst du die diene Schape tohopesäuken un warst ’r ne grote Herde ut maken un warst se höen op ne jümmer groene Aue, un an frischet Water dor weerd diene Schape ok keen Mangel to lien bruken. Lat ok mie to diene Schape räkent weern! Amen.«
Un de veert de bäe: »Leewe Jesuskind, wat büst du arm woorn un büst doch de worraftige Gott van Vader in Ewigkeit geborn, so as ’t in tweeten Attiekel schräm steit. Szüh! ick bün ok man en armen Daglöner un kann die nich väl gäbn; awer eens wäit ick, dat warst du woll geern van mi annämen: mien armet Hart full Sünne un full Not. Mak du et sälig! Amen.«
Un nu kräig ok de grote Junge weller Mood, de dor toirst so lud rinpoltert kamen wör, un he folge siene Hänne un bäe: »Och, leewe Kristkind, min lütje Broer to Hus de is woll ok en fienen, gladden Jungen, awer du büst noch väl, väl gladder; du büst de schoenst ünner de Menschenkinner. Szüh! wo ick di vandaage to säin kriege, dor fallt mi boots de Bibelspruch weller in, den ick nülichst in de Kunformantenstünne harr leeren mößt: »Us is een Kind geborn, een Soen is us schonken, de driggt siene Königsherrschop op sien Schullern, un he häit: Wunnerrat, Kraftheld, Ewigvader, Freedefürst. Amen.«
Un gans tolest dor füng denn ok de lütje Deern an to bäen; awer de wär noch bäten watt dumm un wüß noch nich ganz väl to seggen; awers een Gebett dat harr se all leert un dat bäe se nu ok vör: »Ick bün man lütt, mien Hart mak rein; schall ans nümms in waanen as Jesus alleen. Amen.«
Un dor sä ok de ole Opa Amen to, un de annern säen ok alltohope Amen. Awer de Jungfroo Maria de reep de lütje Deern ganz dichte bi sik ranner un strake ehr ens oewer un froeg ehr, wo se häitn däe un ow se tokam Ostern all na Schole mößte, un se säe to de annern: »Ji hebbt jo alltohope gladd bäet, awer de lütje Trina ehr Gebett dat het mi noch an besten gefallen.«
As se sik nu all an dat Kristkindchen satt käken harrn, dor gäwen se de Mutter Maria un Josef alle na de Reege de Hand, un se bedanken sik ok välmals, dat se jum noch so late in Stall rinlaten harrn un wünschen ne goe Nacht.
Un dor, as se nu buten stünnen, ehr dat se weller to jumeere Schape trüg güngen, dor stelln se sik alltohope noch emal vörn Stall in Halwkreis herümmer, un de Schepers de kräigen jumeere Blashörn heruter un blösen en ganz wunnerschoenet näiet Leed, un de Kinner de süngen dortoo, un dat mot ja denn woll ganz anewäten gladd un soet dör de stille Nacht hendör klungen hebbn — toerst ganz sachte, un denn jümmer luder, jümmer heller, jümmer juchzender — un se süngen un se blösen:
Stille Nacht, heilige Nacht;
Alles schläft, einsam wacht
Nur das traute, hochheilige Paar.
Holder Knabe im lockigem Haar,
Schlaf in himmlischer Ruh!
Stille Nacht, heilige Nacht;
Hirten erst kundgemacht
Durch der Engel Hallelujah
Tönt es laut von fern und nah:
Christ, der Retter, ist da!
Stille Nacht, heilige Nacht;
Gottes Sohn, o wie lacht
Lieb aus deinem göttlichen Mund,
Da uns schlägt die rettende Stund,
Christ, in deiner Geburt.
4.
Wat dat Krüz uns vertellt.
Plattdütsche Predigt von E. Müller-Stettin.
Joh. 19, 19-20. Pilatus schrew ’ne Öwerschrift un sett ’te sei up dat Krüz. Un was schräwen: Jesus ut Nazareth, de Juden ehr König. Disse Öwerschrift lesten veele Juden, denn de Städ, wo Jesus an dat Krüz slagen würd, was dicht bi de Stadt. Un ’t was schräwen in de hebräisch, griechisch un latinsch Sprak.
Ihr wes’ Gott in de Högd. Amen.
De Krieg was tau Enn’, un din Mann kem nah Hus, up de Bost dat iserne Krüz an ’t schwart-witt Band. Woför hei dat Krüz kregen hett, dat hett hei di nich seggt. Sin Fründ, de mit em buten was, de hett di dat verklort un dat Krüz, dat hei mitbröcht hett, hett di dat liesing vertellt, as du ’t heimlich in de Hand nahmen un mit din rode Lippen hest küßt. Un wenn du nu dat Krüz sühst, denn sühst du dinen Mann in heite Slacht vörstörmen gegen den Fiend. Mag de Dod up em lur’n, em ward nich bang. Hei möt strieden, hei möt siegen för sin Wiw un för sin Kind. Dat din Mann so tapfer un so tru is wesen, dat vertellt uns dat Krüz.
Wer hütigen Dags von Kruckow nah Smarsow geiht, de süht tau sin linken Hand, midden up ’n Felln, ’n grotes Krüz stahn, ’n olles, olles Krüz von Steen. An de Städ, wo dat Krüz steiht, is eis ’n Mann dodslagen word’n, un de Anverwandten von den Mürder hewwen dat Krüz dor hensetten müßt. Un as vör etliche Johr de Gaudsbesitter, denn’ de Acker tauhüren deiht, dat Krüz wegnehmen laten wull, dor hett uns’ Regierung em seggt: Lat dat Krüz stahn. Dat sall noch veele, veele Johr vertellen von de Undat, de dor gescheihn is. Kein Nam nich steiht up dat Krüz. De Tid hett den Namen utlöscht un de Regen un de Snei hewwen de Öwerschrift afwischt. Kein Minsch nich kennt mihr den Namen von den’ Mann, de dor dodslagen word’n is, un kein Minsch nich kennt mihr den Namen von den’ Mann, de dor den’ Murd up sin Gewissen nahmen hett. Wat sall ok de Nam? Nam is Schall un Rook. Oewer wenn du dicht an dat Krüz ran geihst un nipping tauhürst, denn kannst du verstahn, wat dat Krüz vertellt. Dat Krüz vertellt von den Neid, de in ein Minschenhart upwakt is un von den Haß, dei gröter un gröter worden is in ne Minschenbost, bit dat de Hand den Nahwer dodslagen müßt. Un dat Krüz vertellt von de Weihdag, dei de Mann mit de bläuige Wunn’ uthollen müßt, un von dat Leed, dat aewer ’n Frugensminsch kamen is, as ehr künnig würd, dat ehr Mann storwen was, un von de Angst, de sick in den Nacken von den Mürder hett sett’t, dat hei flüchten, ümmer wider flüchten müßt, bit dat de Dod un de Düwel em doch kregen hewwen. Von de Minschen ehr Slichtigkeit un von dat Elend, dat ut dies’ Slichtigkeit kümmt, vertellt uns dat Krüz.
In ’t Pommerland liggt ’n Dörp. Un in dat Dörp steiht ’ne Kirch, un üm dei Kirch herüm liggt ’n Kirchhof; un up den Kirchhof slapen so veel, de eis in de Kirch sung’n un beden hewwen, de in de Kirch döfft sünd un dat hillige Abendmahl nahmen hewwen. Un up den Kirchhof slöpt din Vadding un slöpt din Mudding. Un dat Graw smückt ’n Krüz von Isen oder von Holt, viellicht ok von Stein. Un up dat Krüz stahn de Namens von din Öllern un up dat Krüz steiht de Oewerschrift, de du dorup sett’t hest: Selig sünd de Doden. Un jederein, der an dat Krüz vörbigeiht, lest de Namens un lest de Oewerschrift un denkt still bi sik: Selig sünd de Doden. T’ was nen goden Mann. Un ’t was ne dägte Fru. Ja, Selig sünd de Doden. — Du aewer bruckst de Namens nich tau lesen; di sünd sei deip in dat Hart inschräben, so deip, dat de Regen un de Snei sei nich afwischen un de Tid sei nich utlöschen kann. Un du hest dat fäult in dinen Harten, dat wohr is de Oewerschrift: Selig sünd de Doden. Un wenn du unner dat Krüz nu steihst, denn hürst du, wat dat Krüz di vertellt, von de Stunn, dor du eis dinen Vadder grawen hest. Dor kem din Mudder an di ran, — up ehre blanken Ogen leg ’n swarten Schatten un oewer ehre Backen lepen dei Tranen. — Sei nehm di in den ’n Arm un säd tau di: Wein man nich, min Kinding; ick bün jo noch dor un hew di leiw. — Un dat Krüz vertellt di von de Stunn, in de din Mudder würd in dat Graw leggt. Veel Minschen wirn dorbi, oewer du wirst doch alleen, din Vadder wir nich bi di un din Mudder säd kein Wurd. Ehr Mund was so still un ehr Hand was so kold, hu, so kold. — Un dat Krüz vertellt di von de Stuw, de in din Kinnertied ’nen gollen Schien hett leggt, un de di so rik makt hett, wenn ok dat Öllernhus man ärmlich was un de Not un de Sorg dorin wahnen deden. Din Mudder hett för di sorgt, un din Vadder hett för di schafft — un as du wannern müßt in de wide, wide Welt, is din Vadder sin Segen mit di gahn, is mit di gahn din Mudder ehr Gebett. Von grote Leiw un von faste Tru vertellt uns dat Krüz.
Süh, dicht bi Jerusalem up ’n Barg steht ’n Krüz von Holt. Un an dat Krüz hängt ’n Minsch. Un an dat Krüz steiht de Oewerschrift: Jesus ut Nazareth, dei Juden ehr König. Pilatus hett de Oewerschrift makt, desülw Mann, den de Römers in dat Land schickt hadden, wil dat he nah ’n Rechten seihn un up Ornung hollen süll. Hei hett de Oewerschrift makt, de Juden tau argern. Sei hewwen em ok argert, indem, dat sei em dwungen hewwen, den’ Mann tau ’n Dod tau verurdeilen, von den’ hei wüßt, dat sine Seel hell un klor was as de helle klore Sünnenschin. Dei Juden hewwen em argert, nu argert hei de Juden. Dat Brüden geiht üm, seggen de Lüd. Oewer christlich is dat nich. Liekerst steiht Pilatus in uns Herrgott sinen Deinst. Hei möt de Wohrheit schriewen, obgliek hei nich weit, wat Wohrheit is. Jesus ut Nazareth, de Juden ehr König. Jesus. De Nam is nich Schall un Rook. Den’ Namen kann de Regen un de Snei nich afwischen, den’ Namen kann de Tid nich utlöschen. De steiht deep in de Minschen ehr Hart, de steiht deep in Gott sin Hart inschreewen; de bliwt in Ewigkeit. Jesus ut Nazareth. Ja, dat is wohr. Ut Nazareth stammt hei; dor is hei upwussen. Dor hett sin Vadding em dat Lesen un sin Mudding em dat Beden lihrt. Dor hett hei in de Bibel lest un in sin Lebensbook studiert, wenn de Man an ’n Häwen schienen ded un dei Stirns lücht’ten as Lichter an ’n Dannenboom. Dor hett hei dat rutfünnig makt, dat Gott sin Vadder is, dor hett hei dat rutfäuhlt, dat hei de Messias sin künn, up den’ dei Juden luerten sörre lange, lange Tid. Un as hei sick bi sin Döp davon aewertügt hadd, dat hei würklich de Messias wir, dor is hei nie nich wedder nah Hus gahn. Dor is hei in de Welt rinne wannert, de Juden tau vertellen von sinen Gott un von sei ehren Gott. Dor hett hei de Juden dat utdüd’t, dat Gott dei Minschen leiw hett as ’n Vadder leiw hett sin eigen Kind, dat Gott de Sünner leiw hett as ’n Vadder leiw hett sinen Söhn, ok wenn dese Söhn Schimp un Schann up sin Vadder sin griese Hoor bröcht hett. Un veele glöwten em dat tau un folgten em nah un deden, wat hei von sei verlangen ded. Sei würden em ünnertan. So würd hei de Juden ehr König, nich ’n König mit ne blanke Kron up ’n Kopp un mit ’n blankes Swert in de Hand, ne, man blot ’n heimlichen König, dei in dei Minschenharten regiert, in Gott sin Riek. De Pharisäer würden em arg, wil dat de Lüd den Herrn Jesu nahfolgten. Sei säden: Hei is nich de Juden ehr König, hei lüggt un bedrüggt. Un Jesus säd: ick nehm dat up ’n Eid, ick bün ’n König. Un as hei in Jerusalem inriden ded, repen dei Groten un de Lütten up de Straat: Hurra uns’ König. Dor güngen de Pharisäer hen un verklagten em bi ’n hogen Rat un bi Pontius Pilatus. De hoge Rat wull em glik tau ’n Dod verurdeilen, oewer Pontius Pilatus wull dat nich. Hei markt dat woll, dat de Neid ut de Pharisäer spräken ded. Doch de Haß von de Pharisäer was so grot, dat Jesus starwen müßt. Nu hängt hei an dat Krüz! All sine Gleder dauhn em weih, un bannig grot is de Döst, de em quälen ded. Unner ’t Krüz stahn Lüd, dei spitakeln aewer em un lachen aewer em. Wek sünd dorbi, dei hett hei hulpen ut grote Not. De lachen ok, de spitakeln ok. Un em stiggt dat heit bit int binnelst Hart! Oewer hei weit dat: hei is de Juden ehr König. Hei möt sin Ünnertanen schützen. Dorüm bed’t hei tau Gott: »Vadder, vergiww sei dat; sei weiten nich, wat sei daun.« Un de Qual ward gröter! Döst, Döst! Angst, Angst. Min Gott, min Gott, worüm hest du mi verlaten. Nu kümmt de Dod! Jesus ängst’t sick nich. Tapfer un tru süht hei den Dod in dat Og. Hei will jo starwen. Friwillig geiht hei in den Dod! Nich as Judas Ischarioth, dei sick sülwst dat Lewen nehm. Ne so, dat hei sick nich wehren ded, as dei Soldaten em griepen wullen; dat hei sich nich los ret, as sei em an dat Krüz nagelten. Hei wull starwen, wil dat sin Vadder dat wull; hei wull starwen üm dei Minschen ne Leiw tau wiesen, dei gröter is as sei ehr Sünn un Schuld. Un de Dod kümmt un will em an sin Hart rieten. Oewer hei will in sin Vadder sinen Arm inslapen, as ’n Kind. Min leiw Vadder, in dine Hänn befehl ick minen Geist. Un süh, ’n Engel kümmt un dräggt sinen Geist in sin’ Vadder sine Hänn. Dor is hei nu. Sin Vadder is sin Gott. Un Gott is dat Lewen. Wer in Gott is, dei is in dat Lewen. Ok Jesus is nich dod. Hei lewt. Noch hüt gellt dat Wurt: Jesus ut Nazareth — de Juden ehr König. — Pilatus hett de Oewerschrift makt, up hebräisch, up griechisch un up latinsch, in alle Spraken, de dunntaumalen de halwe Welt spreken künn. De ganze Welt sall dat weiten, dat de Juden ehr König hier starwen möt as ’n Mürder. So wull dat Pilatus. Doch Gott wull dat anners. Hei will, dat alle Minschen dat weiten sälen: Jesus is de Köng von de ganze Welt. — Sühst du de Brigg dor up dei hoge See? Wur towt de Storm! Wur gahn de Bülgen hoch! Sei schmieten dat Schipp hen un her, as ’n Ball. Dat Schipp will in den Hawen flüchten. Oewer ’t kümmt nich rin. Dei Stüerung is falsch! Ball schmieten de Bülgen dat Schipp an de Mol. Denn breckt dat entwei. Un de Minschen gahn unner. De Lots’ süht dat. Ick möt hen, dat Schipp tau redden, so röppt hei. Führ nich rut, segg’n sin Frünn’ un Kollegen. Din Boot sleiht üm un du geihst in den Dod! Un wenn ick starwen möt, ick möt rut, seggt de Lots. Un hei führt rut. Links möten ji stüern! Dat Boot driwwt an den Strand. De Lots driwwt up de See. Dod! Oewer de Brigg liggt säker in den Hawen. — De Minschheit is de Brigg. Sei will rauhn an Gott sin Hart. Sei kümmt nich dorhen. Sei stüert falsch. Min Sünn is gröter, as dat sei mi vergewen warden kann. Ümmer wedder driwt sei rut up dei See, in de Welt. Un de Dod luert up sei; de Höll will sei hewwen. Dat süht Jesus, de Lots. Ick möt hen, sei tau redden, so seggt hei tau sine Jüngers. Bliw hier, seggt Petrus, sünst mötst du starwen. Un wenn ick ok starw, ick möt hen. Un hei geiht nah Jerusalem, nah Golgatha. An’t Krüz! Links möten ji stüren. Hier is Gott sin Hart! Jesus geiht in den Dod. Un de Minschheit geiht tau Gott. Un Gott seggt tau ehr: De di dat Lewen gewen hett dörch sinen Dod, de sall din König sin. Jesus Christus is de König von de ganze Welt. Hei is ok din König! De Minsch is dat Schap, dat in de Durn sick vertörnt hett. Un de Durn tusen un plusen em de Wull un dat Fell. Jesus süht dat. Hei will dat Schap ut de Durn lösn. Oewer dei Durn hollen dat Schap fast un terrieten den Scheeper dat Hemd, de Hand, dat Hart. Doch Jesus lett nich nah! Hei grippt in de Durn bit dat dat Schap verlöst is. Nu dräggt hei ’t up sin Schuller in sinen Vadder sinen Stall. Un sin Vadder schenkt em dat Schap. Nu is dat sin. Nu hölt hei ’t fast! Kein Dod un kein Düwel nich kann ’t em ut sine Hand rieten. Jesus is stark as Gott. Kennst du de Oewerschrift, de up din Stirn steiht sörre de Tid, dor du döfft worden büst? Jesus ut Nazareth, de Juden ehr König. Dat heit för di: Jesus din König.
Grot is de Neid un de Haß in de Minschen ehr Bost! Gröter is de Leiw in uns Herrgott sin Hart! Jesus geiht tapfer un tru in den Dod! De Minschheit geiht fri in dat Lewen! Jesus ut Nazareth de Minschheit ehr König. Jesus ut Nazareth din König. Dat all’s vertellt uns dat Krüz.
Amen.
5.
Plattdütsch Predigt
an’n 16. Sünndag nah Trinitatis (11. 9. 1921.) hollen von Propst Dahlmann in Golbarg.
Phil. 1., 21 ff. »Christus is min Lewen, Starwen is för mi Gewinn. Wenn ick äwer bedenken dauh, dat ick hier in dei Welt noch veel dauhn künn, denn weit ick nich, wat ick mi wünschen sall. Denn weit ick nich, wat dat Best vör mi is. Ich hadd woll Lust aftauscheiden, un nah den ’n Herrn Christus tau gahn, dat wir för mi wol dat Allerbest. Äwer, wenn ick an juch denk, denn wir’t wol beter, dat ich noch ’n beten hier blew. Dat ward ok wol so kamen, dat ick noch bi juch bliwen sall, dat ick juch in ’n Glowen un in dei Freud an jugen Glowen wiederhelp«.
Hüt is de Kirch jo mäglich vull, un dat noch tau an’n gewöhnlichen Sünndag. Dat is’n jo gor nich mihr gewennt. Ja, in dei Kriegstid, as dei Lüd all Angst üm ehr Manns un Sähns harren, dunn wir dei Kirch an’n gewöhnlichen Sünndag ok wol oft so vull as hüt. Äwer nu nah ’n Krieg dor hebben veel sick dacht: »O, nu kann uns dat nicks mihr dauhn, nu bruk wi ok nich mihr so oft nah dei Kirch tau gahn.« So hewwen sick veel, gortau veel, dat Kirchengahn wedder awwennt, un meist is jo veel Platz up dei Bänken. Na, worüm dei meisten hüt herkamen sünd, dat is jo kein Geheimnis. Üm dat Gottswurt un dei Andacht is dat hüt veele villicht weniger to dauhn, ne dei Niglichkeit het sei herdrewen. Sei sünd niglig, wo sick dat wol anhürt, wenn Gottswurt plattdütsch predigt ward, un wo dei Preister sick dor wol anstellt. Nu mücht ick wol wünschen, dat dat mennig einen von de Nigligen hüt so gahn deiht, as dat dei Fisch oft geiht. Dei Fisch will’n von’n Fischer süß nich veel weiten, un gahn em ut’n Weg, wenn hei mit sin Nett un sin Angel rankümmt. Wenn dei Fischer nu äwer up sinen Angelhaken son schöne, recht apptitliche Lockspies stäken hett, dann ward mennig Fisch doch niglich un denkt bi sick: sallst doch ok mal eins präuwen, wo dei schöne Lockspies smeckt, un geiht ran an dei Angel, un mit eins sitt hei an den’n Angelhaken fast un kann nich wedder loskamen.
Uns Herr Christus hett jo eins tau Petrussen seggt, hei süll nu man dat Fischfangen up den’ See Genezareth sin laten, hei süll nu ’n Minschenfischer warden, dei Minschen för den ’n Herr Jesus infangen süll. Dit Wurt von den ’n Herrn Jesus gellt för uns Preisters alltauhop. Wi sälen ok all Minschenfischers sin, dei dei Minschen för den ’n Herrn Christus infangen. Denn dörpen wi dat ok woll so as dei Fischers maken, un dat is woll ganz in ’n Sinn von den ’n Herrn Jesus, dat wi dei Minschen, dei süß nich nah’re Kirch kamen, mal eins dörch ne Lockspies anlocken, üm ehr denn för den ’n Herrn Christus un sin Wurt tau fangen. Un as nu weck von dei Gemein in dei Zeitung setten leten, dat sei wol girn mal dat Gottswurt in uns leiwe plattdütsch Muddersprak hüren müchten, dor hewwen wi in ’n Kirchgemeinrat uns seggt: Worüm nich, dat ’s ne schöne Gelegenheit, Gottswurt an dei Minschen ran tau bringen, dei dei Kirch süß ut ’n Weg gahn. Wi willen ehr mal ne plattdütsch Predigt as ne Lockspies henholln. Villicht geiht denn den Einen ore Annern dat ok so as dei Fisch, mit eins hackt sick Gottswurt up des Ort in ehr Hart fast, dat ’s gornich wedder von loskamen känen. So hebben wi uns dat dacht, wenn wi hüt de Gemein tau ne plattdütsch Predigt inladt hewwen. Un uns Herr Gott mag sinen Segen tau dit Vörnehmen geben, dat sin Wurt, ok wenn ’t plattdütsch predigt ward, nich leddig werre trüg kümmt.
Wi wenn’ uns nu nah desse lüt Vörred tau dat Gottswurt, dat ick, so gaud as ick künn, int Plattdütsch äwerdragen un vörlest heww. Soveel ward ji woll noch behollen hebben, dat dat Wurt von ’t Starwen redt. Ja Paulus redt von sin eigen Dod. Aewer wat Paulus hier von sin eigen Dod seggt, dat möt uns doch wunnern. Hei seggt, dat vör em dat Starwen dat allerbest wir, ja, dat Starwen för em gradtau ’n groten Gewinn wir. Dat krigt ’n nich oft tau hüren. Segg mal sülwst, wo würd di wol tau Maud sin, wenn dei Dod nu mit eins an di ranne kem, di mit sin knaekern Hand anfaten würd un sed: »Brauder, Swester, kumm mit, nu is din Tid üm«. Würdst du di denn ok as Paulus freun, würdst du denn ok so ähnlich as hei seggen: Leiwe Fründ, nah di heww ’k mi all lang sehnt, wo freu ick mi, dat du nu endlich kümmst un mi halst? Ick heww grote Lust, mit di tau gahn. Dat is för mi jo grad so, as wenn ick ’n groten Gewinnst makt hadd. Ob wol einer von uns so seggen würd? Würd ’n wi wol nich tausamenschuddern vör den unheimlichen Gast un uns strüwen, mit em tau gahn? Von Lust würd wol wenig tau spören sin, desto mihr äwer von Roren und Schrigen. Ne, von Natur hett kein Minsch Lust tau ’n Starwen. All Minschen trachten nah ’t Lewen un willen lewen. Maennigmal seggen wol Minschen, dei swer krank sünd un veel Weihdag hebben, ja oft nich mal mihr sitten ore liggen känen, dei seggen wol mitunner: Wenn ick man dod wir, ick bün mi sülwst un min Angehürigen blot noch tau Last. Aewer dei seggen meist man so: Wenn dei Dod, den ’n sei sick so lang wünscht hebben, denn kümmt, un seggt: »Kumm mit!« denn is ’t mit eins all nich wohr, wat sei seggt un sick wünscht hebben. Denn heit ’t up eins: Ach, wenn ick doch noch ’n beten lewen künn, wo girn blew ick noch ’n beten hier. Wi Minschen, wi hängen so fast an ’t Lewen, un wenn uns Lewen ok man blot noch ’n Quällewen ist. ’n Quällewen dücht uns doch ümmer noch beter as dod sin. Un nu gor, wenn Minschen noch arbeiten un wirken kaenen un hier up dei Welt noch veel tau dauhn hebben, un de Arbeit ehr ok noch Freud makt, so as dat bi Paulussen dei Fall wir, dei ok wüßt, dat hei hier noch veel, gortauveel besonners bi dei Philippers tau dauhn hadd un so girn dauhn mücht, dor finnen wi dat wol nich so licht, dat ein as Paulus seggt: »Ick har wol Lust awtauscheiden, Starwen is vör mi ’n Gewinn.« Minschen, dei süß noch gesund sünd un doch nich mihr lewen mägen, dei sick sülwst uphängen, ore dodscheiten, ore versöpen, dei sünd meist swer krank in ’n Kopp un weiten nich, wat sei daun.
Dat is jo ok gor kein Wunner, wenn dei Minschen Angst vör ’n Dod hebben. Hei is jo doch ’n unheimlichen, fürchterlichen Gast, so dat wi tausamenschuddern bet in dei Knaken, wenn hei bi uns an dei Dör kloppt, rinne kümmt, an ’t Krankenbedd rantred un tau einen von uns Leiwen ore tau uns sülwen seggt: »Kumm mit mi!« Hei hett jo ok son ’n Macht, dor kann keiner gegen an, dor möt sick jere geben, ob hei will ore nich, dor helpt kein Bidden un Strüwen. Wenn hei seggt: »Kumm!« denn möt wi kamen, ob wi willen ore nich. Ein von uns plattdütschen Dichters, John Brinkmann, hett uns in ein von sin Rimels beschrewen, woans dei Lüd in ’n Hus tau Maud is, in dat dei Dod intreden is. »Dei vörnehm Gast« heit dei Aewerschrift. Dei Dichter denkt sick dat so, dat in ein Hus dei Mudder storben is. Grad an den Dodsdag kümmt dei Saehn ut dei Frömd trüg un weit noch gornich, dat sin Mudding dod is. Vull Freud un Lust kümmt hei nah dei Stuw rinne, wo dei Vadder trurig sitt. Dun seggt dei Vadder:
Min Saehn, perr nich so hart,
Perr up nich vull so fast!
Dei Däl un Sahl, dei knackt un knarrt,
Un hier is ’n vörnäm Gast.
Dei is hüt aw hier stegen,
Dreggt up sin ’n Kopp ’n Kron,
Üm din leiw Mudding wegen
Möt wi em Ihr andon.
Mak apen du man sacht,
Ganz sacht dei Kamerdör,
Dor kannst em seihn in all sin Pracht
Hei steit an ’t Bedd bi ehr.
Sin linke Knakenhand hett
Hei up dei Stirn ehr leggt,
Hei swiggt — man nah den Kirchhoff wiest,
Min Saehn, hei mit sin recht.
Ja so is dei Dod, as ’n König so stark un mit so ’n Macht, dat keiner gegen em upkamen kann. Up em möten ’s all hüren, dei Hogen un dei Niedrigen, dei Riken un dei Armen, dei Königs un dei Prachers. In weck von dei schönen groten Kirchen find’t ’n oft Dodendänz malt. Dor süht ’n up dei langen Wänn ’n groten Uptog von allerhand Minschen malt. Vöran danzt dei Knakenman, dei Dod, un spält uppe Vigelin ore Fläut, un achter em her danzen allerhand Minschen, dei Kaiser mit sin Kron, un dei Papst mit sin dreiduwwelt Kron, un dei Soldat, dei Studierten un dei man wenig lihrt hewwen, Jung un Olt, Manns un Frugens, ja sülwst dat lüt Kind, dat noch gornich gahn kann, all mötens mit, wenn dei Dod ehr tau ’n Danz upföddert. Un wenn hei nu kümmt un föddert wen up tau ’n Danz, denn bringt dat kein Freud un Lust un Lachen, denn heit dat Awschied nehmen von dat Leiwste, wat ein hett, un dat geiht ahn bläudige Tranen un Hartweihdag nich af.
Denk mal eins dor an, wo Fritz Reuter dat beschrewen het in dat 1. Kapitel von sine Stromtied, wo Havemann tau Maud wir, as hei an dat Sark von sin jung’ Fru dei Likenwacht höl. Dor sitt hei an dat Sark, ganz alleen mit sin lütt Döchting. Dat Finster is apen, dei schöne Sommernacht lett ehren säuten Geruch nah dei Stuw rinne trecken. »Oft hett Havemann sick doran freut, nu kann hei sick nich mihr doran freun.« ’ne grote Freud was em mit sin Fru unnergahn un hadd all dei lütten mit sick reten. Hei makte dat Finster tau, un as hei sick ümdreihte, stünn sin lütt Döchting an’t Sark un langte vergews nah dat still Gesicht, as wull sei’t straken. Hei böhrte dat Kind höger, dat dat ankamen künn, un dat lütt Dirning strakte un eite mit dei warmen Hänn un dei warmen Leiwswürd an ehr stilles Mudding un an den kollen Dod herümmer, un kek dunn den Vadder mit ehr groten Ogen an, as wull sei nah wat Unbegripliches fragen, un pohlte: »Mudding, — huh!« Ja, säd Havemann, Mudding frirt, un dei Tranen störten em ut dei Ogen, un hei sett’te sick up dei Kist un nehm sin Döchting up ’n Schoot un weinte bitterlich. Un dei Lütt fung ok an tau weinen, un weinte sick sacht in den Slap; hei led sei weik an sick un slog den Rock warm üm ehr, un so satt hei dei Nacht dor un höll truge Likenwacht bi sin Fru un sin Glück.« Sonn Led, sonn Hartweidag bringt dei Dod. So verännert hei ’n Minschen, dat sülwst ’n Kind vör sin eigen Mudding grugen ward. Dat hebben sick nich blot dei Dichters so inbildt un utdacht, ne, dat is dei harte Würklichkeit, dat weiten wi all, dat hebben wi alltauhop sülwst erfohren, un ähnliche Stunn het männigein von uns all sülwst dörchmaken müßt. Un wat wir ’t doch för ’n sweren Gang, wenn wi ein ’n von uns Leiwen nah ’n Kirchhof begleiten müßten. Dei Dichter, John Brinkmann, von den ick irst all ’n Vers vörlest hew, hett’t en annermal beschrewen, wo ’n Vadder to Maud is, dei sinen Sähn begraben möt. Dat Gedicht hett dei Äwerschrift: »Hei stürw.« Ick will ok dat noch mal vörlesen:
Nu Meister, schruw hei tau den Sark!
Nu Mudder, Mudder, mak di stark
Un drög di aw din Tran!
Den Wagen führ nu vör, Jehann,
Un Schritt vör Schritt lett’st du din Spann
Hen nah den Kirchhof gahn.
Wi Kinner, wi gahn mit tau Faut.
Dei Weg tau Gott is ümmer gaud,
Un is ’t son ’n sworen Gang,
So swor, as ick em gahn nu möt,
Mi drägen doch sacht hen min Föt,
Wir hei noch eins so lang.
Wat freugt ick mi, as Gott em gew —
Son ’n einzigst Kind hett ein so leew,
Wat helpt dat alltausam!
Hei stürw, ick bring em nah sin Graw,
Gott’s Husdör is’t, dor sett ’k em aw —
Führ tau in »Jesu Nam! —«
Ja, ’t is’n unheimlichen, harten Gast, dei Dod, dei vel Leed un Weihdag mit sick bringt, un so stark is, dat keiner gegen em upkamen kann.
Un des’ unheimliche Gast kümmt jedwereinen von uns neger und neger, kann hüt kamen, kann morgen kamen un bi di ankloppen. ’t kann jo ok noch ne Tid wohren, bet hei kümmt, äwer kamen deiht hei nah mi un di, so gewiß as dat Amen in’t Vadderuns’. Ut’n Weg gahn kann em keiner. Dat weit wi all, un dat, wat uns so bevörsteiht, hett uns wol all männig bös Stunn makt. Wo männig Minschen giwwt dat wol, dei ehr Lewen lang unner den Druck von dei Dodsfurcht stahn un mit Grugen denken an dei Stunn, wo sei an de Reig kamen.
Un Paulus süht sin Dodsstunn, as wi irst hürt hebben, ganz ruhig entgegen. Sinentwegen kann dei Dod jeden Ogenblick kamen, hei hett gor kein Bang för em. Denn möt hei wol ganz gewiß weiten, dat dei Dod em gornicks daun kann, em ok nicks nehmen kann; ne, hei kann em tau wat verhelpen, up dat hei sick all lang freut hett. Ach, wenn dat mit uns doch so warden künn, wenn wi doch ok von alle Dodsfurcht ahnig warden künnen! Wo schön wir dat wol. Wo würd uns ganz Lewen ’n ganz anner Utseihn kriegen. Wo hett Paulus dat blot farig bröcht? Hei verswigt uns dat nich, hei seggt dat hier: »Christus, seggt hei, is min Lewen.« Dorüm is Starwen för em Gewinn. Sall hei eins afscheiden, denn bedüd’t dat Starwen för em nicks anners as na ’n Herrn Christus gahn. Dat’s noch nicks legs vör em, ne, wat schöneres beters kann’t jo gornich för em gewen. Dat is jo för em dat Allerbest, wat’t gewen kann, nah’n Herrn Christus tau kamen. Wenn hei an sin Dodsstunn denkt, denn is em so tau Maud as de Kinner, dei up Wihnachten lurn. Beten grugen deiht ehr wol noch in dei düster Stuw, in dei sei täuwen möten. Äwer dörch dei Dörenritz un dat Slötellock föllt wol af un an all’n Schäumer von den Dannenbom, dei all anstickt ward, un sei weiten ganz gewiß, dor in dei anner Stuw ward wat Schöns för sei prat stellt. So’n beten weiten sei all, wat de Wihnachtsmann bringen ward, äwer wat genaues weiten sei doch nich. Sei weiten äwer all von dei annern Wihnachten her, dat dat ümmer ne grote Äwerraschung gewen deit. Un nu geiht endlich dei Dör up, un dei Dannenbom steiht dor in sin Pracht un sin’n Glanz un all dei schönen Gawen, dei dei Leiw ehr taudacht hett, sünd dorunner upbugt. So as’n Kind sick freut up Wihnachten, so freut sick Paulus up den Dag, wo dei Dod kümmt. An den’n Dag geiht vör em dei Dör up, achter dei all dei Herrlichkeit upbugt is, dei dei Herr Jesus vör em prat stellt hett. Un wenn Paulus sick ok veel vermauden is, hei weit, dat ward denn doch noch ne grote Äwerraschung vör em gewen. Dat ward denn doch noch mal dusend mal schöner sin, as hei sick dat dacht hett. So is em tau Maud, wenn hei an sinen Dodsdag denkt, wil dat Christus sin Lewen is.
Christus is sin Lewen. Wat meint hei dormit? Paulus sin Lewen hett 2 Deil. Dei irst Deil wir dei, wo hei von den Herrn Jesus nicks nich weiten wull, wo hei em gradtau verfolgen ded, wo hei nicks, ok gornicks mit em tau daun hebben wull. In dit lütt Stück von sinen Lewen dacht Paulus ok wol männigmal mit grote Angst an sinen Dod. Äwer dat würd mit eins ganz anners von den Tag un dei Stunn an, as dei Herr Christus em vör dei Stadt Damaskus dalsmiten ded, as hei dor seihn un erlewen müßt, dat dei Herr Christus doch dor is un lewt, un as hei sick entsluten ded, in den Deinst von den Herrn Christus tau treden un blot dat tau daun, wat dei em seggen ded. Donn würd sin Lewen ganz anners. Von dei Stunn an künn hei seggen: »Ick lew, doch eigentlich lew ick gornich mihr, ne Christus lewt in mi.« Von dei Stunn an künn hei seggen: »Christus is min Lewen,« von dei Stunn an künn hei äwer ok seggen: »Starwen is mi nu Gewinn.« Nu dat Christus in em lewen ded, wecke wull em nu noch sin Lewen nehmen? Dor künn jo dei Dod mit all sin Macht kamen, gegen den Herrn Christus, dei in em lewen ded, künn hei jo doch nich upkamen. Dat Lewen, dat hei nu in sick har, dat künn jo gornich all warden. Wull dei Dod em sin Lewen nehmen, denn hadd hei em jo mit den ’n Herrn Christus uteinannerriten müßt. Dat güng nich, hei wir jo mit den ’n Herrn Christus nah un nah so tausamenwussen, dat ehr kein Macht von dei Welt un ok dei Dod mit all sin Macht nich uteinannerriten künn. So as ’ne Kliw sick mit dusende von lütt Hakens int Kled von einen inhakt, dei an ehr vörbi geiht, un sick mit anner Hakens fasthakt, wenn weck losreten wardn, so hadd hei sick an den Herrn Christus anhakt. Em künn keiner werre losriten. Bi em wir dat in Wohrheit so, as wi irst sungen hebben: »Meinen Jesum laß ich nicht, weil er sich für mich gegeben. So erfordert meine Pflicht, klettenweis an ihm zu kleben. Er ist meines Lebens Licht. Meinen Jesum laß ich nicht.« Ja, so möt ’t makt warden, wenn ’n vör ’n Dod kein Angst hebben sall. Wenn ’n so mit den Herrn Christus tausamenwussen is, denn kann ’n dat Graw as Gotts Husdör anseihn, denn is dei Weg nah ’n Kirchhof, so swer hei ok is, doch ’n Weg tau Gott, dei ümmer gaud is. Denn weit wi, dat de Dod uns vör Gotts Husdör afsetten möt, dei nu vör uns upgahn sall, un uns Heiland kümmt uns in sin Vadderhus sülwst entgegen un seggt tau uns: »Kamt rinn!«
Nu segg mal, wo steihst du di mit ’n Herrn Christus? Kannst du ok so seggen as Paulus: »Christus is min Lewen!«? Hest du ok son ’n Stunn in dinen Lewen hatt as Paulus, in dei du di entslaten hest, din eigen Lewen tau begraben un so in di Platz tau maken, dat dei Herr Christ in di lewen kann? Hest du di em ok tauwennt un tau em seggt: »Nu segg du mi, wat ick dauhn sall. Di, di ganz allein sall min Lewen gehüren.«? Hest du ok Irnst makt mit sonn Versprecken? Büst du nu ok na un na mit em tausammenwussen un hackst mit em tausam as ’ne Kliw an ’t Kled? Wenn du sonn Stunn erlewt hest un Christus nu din Lewen worden is, denn warst du ok markt hebben, wo dei Angst vörn Dod bi di ümmer mihr nahlaten hett, je mihr du mit den Herrn Jesus tausamenwussen büst. Wenn du ok noch nich ganz so wid büst, as dei Apostel Paulus kamen is, dat du ok all seggen kannst: »Ick hew Lust aftauscheiden un nah ’n Herrn Christus tau gahn, dat wir vör mi dat Allerbest«, lat man nich nah, hol em man wiß, lat di nich von em losriten. Wenn du ok nich ganz so wid kümmst as dei Apostel Paulus, du kümmst doch am End so wid as oll Vadder Simeon, dei säd, as hei den Herrn Christ seihn hadd: »Min Herrgott, nu lettst du dinen Deiner in Fredn fohrn, denn min Ogen hemm dinen Heiland seihn.« Aewer, wenn du noch nich seggen kannst un magst: Christus is min Lewen, wenn du ungefähr so lewen deist as dei Apostel Paulus in dat irste Stück von sin Lewen, je, denn süht ’t slimm üm di ut. Wo up wist du di denn verlaten, wenn dei Dod eins kümmt? Wat is denn din Lewen? Dei Mann seggt: min Fru is min Lewen, un dei Fru: min Mann is min Lewen, un dei Öllern: uns Kinner sünd uns Lewen, un wek seggen: uns Geld, uns Hus un Hof, uns Wirtschaft, uns Geschäft is uns Lewen, ein anner seggt viellicht: gaud Eten un Drinken is min Lewen, un ein anner: dei Lust, dat Vergnäugen is min Lewen, orer dei Putz, orer dat Danzen is min Lewen. All dat ward di wenig nütten, wenn dei Dod eins kümmt, dat kann em nich uphollen un afwehren, dor kihrt hei sick nich an. Wo ganz anners is dat äwer, wenn Christus din Lewen word’n is. Wo ward dei Dod sick denn verfirn, wenn hei dei Hand na di utreckt un gewohr ward, dat hei dat nich mit di, ne mit den Herrn Christus tau daun hett. Denn heit dat: Hand weg! Du kennst mi doch wol noch? Wi beid hebben all eins mit ’nanner wrungen un ick hew di ünner kregen un di den Giftstachel utbraken. Du hest mi nich hollen künnt, as ick dor einst in Joseph sinen Goren in ’t Graw leg. Nu lew ick un hei sall nu ok lewen, un du sallst em dortau verhelpen, dat hei in dat ewig Lewen ingahn kann. Du kannst em mitnehmen, äwer du bringst em nich in din Rik, ne, du dreggst em sacht vör min Vadder sin Husdör un settst em dor af, denn ward ick kamen un em dei Dör apen maken un em rinhalen in dat ewige Lewen. Ach, wenn ’t so doch eins mit uns kamen ded! Müggst du dat wol? Ach gewiß doch, wecke süll sick dat wol nich wünschen. Na, denn säuk di Jesum un sin Licht, all anner helpt di nich.
Amen.
6.
Reformationsfest
Fr. Bardey, Pastor in Wismar.
Römer 1, 16-17. Ick schäm mi nich wegen dat Evangelium von Christus, denn dat is ’ne Kraft von Gott, dei selig makt all, dei doran glöwen, de Juden vörut un ok dei Griechen. Wil dorin apenbort ward de Gerechtigkeit, dei vor Gott gellt, wecke kümmt ut Glowen in Glowen, as denn schrewen steiht: De Gerechte ward dörch sinen Glowen lewen.
De Reformation föll in ’ne grote Tid, dei de Welt un uns’ Volk vel Gaudes bröcht hett. Amerika würd entdeckt, un dat hett de Welt ’n Ruck vörwarts bröcht; dat Bäukerdrucken würd erfunnen, un wenn dat upstunns ok Bäuker giwwt, dei höchstens taum Anbeuten dägen, wil dat sei de Seelen vergiften, so is doch Guttenbarg sin Erfinnung in’n Ganzen taum Segen worden. Allein wat hadd süs ut de Biwel, de Martin Luther mit so vel Mäuh in ’t Dütsch äwersett hett, warden süllt? Äwer dat best an de Reformationstid is doch de Reformation sülwst, un dat best an de Reformation sülwst is das Evangelium von Christus, nämlich up de Ort, dat dat nu wedder predigt un justement so predigt würd as in de irsten Johrhunnerten, wo ’t sonne Lüd as den Papst und Tetzel, un wo ’t all de verkihrten Lihren, gegen dei Luther strieden müßt, noch gor nich gewen ded. »Wi bruken kein Evangelium!« schrigen hüt Dusende. Grad bruken wi ’t un am meisten von allen, vel mir noch as Sülver un Gold, vel mihr noch as Roggen un Weiten, vel mihr noch as Licht un Fürung. Un dorüm will ick hüt reden äwer dat Evangelium von Christus:
- 1) wat för ne Kraft dat in sick hett,
- 2) woans wi uns dortau stellen möten.
I.
En Kraft von Gott nennt de Apostel dat Evangelium, un dat bedüd ’t, dat dat Evangelium wat vel Beteres und Schöneres un Högeres is, as wat süs in de Welt red’t un lihrt un schrewen ward, dusendmal nödiger as alle Minschenwisheit un Gelihrtenklaukheit, dusendmal wichtiger as alle politsche un sociale Reden tausamen. Nich, as ob de Lihren und Gedanken, dei ut den bloten Minschenverstand geburen sünd, tau verachten wiren. Nich in’n Geringsten. Äwer dat Evangelium möt, wenn’t nah’n rechten gahn sall, mang all de Minschengedanken un Minschenreden un Minschenbäuker den bäwelsten Platz heww’n. Denn so gewis, as Christus nich von de Ird, sonnern von’n Himmel west is, so gewis de heilige Geist nich ut en Minschenkopp un en Minschenhart, sonnern ut Gott sülwen stammt, so gewis dat Himmelrik kein Weltrik, sonnern en Rik von den Himmel is, so gewis is dat Evangelium kein Minschenkraft, sonnern ’ne Gottskraft.
Des’ Kraft von Gott nu hett tau ehren Zweck nicks anners, as de Minschen selig tau maken. In de Natur giwwt dat Millionen von Kräfte, äwer so ’ne Kraft as in’t Evangelium is dor nich mang. In de Natur sünd Kräfte, dei, wenn sei anfangen tau towen, uns angst un bang maken, ja, dei hunnerte von Minschen in en einzig Sekund verstümmeln un döden känen, as uns dat Unglück von Oppau dat noch vör korten wist hett. Äwer dat Evangelium enthölt luder gaude un schöne Kräfte, dei de Minschen taum besten bestimmt sünd. — In de Natur giwwt dat Kräfte, dei uns för uns’ Nohrung nödig sünd un den Liw satt maken. Wat för en wunderbore Kraft steckt doch in de Ird, dat sei uns in Feld un Gorden so herrliche Früchte dräggt. Äwer dat Evangelium bringt uns de rechte Nohrung för de Seel, för unsern Geist, dat lebennige Brot von’n Himmel, un dat will mihr seggen, denn de Liw, kümmt tauletzt nah den Kirchhof, äwer de Seel geiht in de Ewigkeit. — Wat för en Segenskraft is de leiwe Sünn, dei dat hell un warm üm uns her makt un ahn dei wi in Küll un Düsternis ümkamen müßten. Äwer ’ne noch vel schöner und heller un warmer Sünn is de Heiland, dei in de Krüww tau Bethlehem leg un an’t Krüz up Golgatha hüng, denn hei makt uns’ inwennig Ogen hell, dat wie den Weg taum Himmel seihn känen, un sei makt uns dat Hart warm von Gott sin Leiw. — In de Natur wassen Planten un Krüder, worut de Apteiker Medzin un Druppen herstellt, dei de Kranken gesund maken. Äwer dat Evangelium ist de Medzin, womit Christus uns de kranke Seel heilt, indem dat hei uns de Sünn vergiwwt un heilt all uns’ Gebreken. — In de Natur sünd vele Kräfte, dei den Minschen, wenn hei er tau bruken versteiht, grot un kräftig maken, taum Beispill de Dampkraft, de Elektricität un de Magnetismus. Hüt känen twei Minschen sick in en por Minuten miteinanner verstännigen, ok wenn de Atlantisch Ocean twischen ehr liggt; hüt känen de Minschen höger fleigen as de Hawk un de Wulken, so mächtig un herrlich sünd sei. Äwer in den Himmel dröggt uns kein Zeppelin; dor känen wi blot rin kamen dörch dat Evangelium, dat heit dörch Gott sinen Sähn un Gott sin Lamm, unsern Herrn Jesus Christus. Dat ick’t noch einmal segg! Obschonst in de Natur neben de legen ok vele nützliche un gaude Kräfte wirken, dei uns satt un warm, gesund un mächtig maken: dei Kraft selig tau maken is nich dorin. Un dorüm: Wat helpt uns dat all, wenn de Hauptsak fehlt?
Liksterwelt as in de Natur is dat in de Minschenwelt, in de Geschicht un Kultur. Dor sünd slimme un gefährliche Kräfte, dei nicks as Undäg anstellen un de Minschen noch schlechter maken, as sei all sünd. Nich henkiken mag en, wat ut uns’ süs so brav un ihrlich un tru Volk worden is. Dat so vel Leigen un Bedreigen, so vel Lichtsinn un Liderlichkeit, so vel Laster un Verbreken äwerhaupt mäglich bi uns wir, wer hadd dat woll glöwt? Wenn ick ’t ok nich seggen sall, ick segg’t doch: all de Kräfte un Mächte un Minschen, dei doran schuld sünd, dei sünd von’n Düwel, den bösen Geist, dei ümmer sin Lust doran hett hett, de Seelen tau verdarwen, un dei nu mit sin grot Macht un vel List äwer uns’ dütsch Volk her is un dat noch hunnertmal leger mit uns makt as de Franzmann un de Engelsmann. Wer süs nich an den Düwel glöwen will, dei kann’t hüt lir’n. Äwer dat Evangelium hett noch kenen Minschen leg un lasterhaft, sonnern blot gaud un irnst, rein un edel makt.
Ok in de Minschenwelt un ehr Kultur giwwt dat just as in de Natur nich blot böse, sonnern ok gaude un schöne un nützliche Kräfte. Dortau reken ick de Kunst un Wissenschaft. Wer an en Volkshochschaulkursus deilnimmt, dei deiht gaud, denn de Bildung is up keinen Fall tau verachten. Wer de Musik oder Maleri oder Dichtkunst leiw hett, kann sick männig schöne Stun’n verschaffen, dei em upmuntert. De Wissenschaft, wenn sei echt is, un de Kunst, wenn sei rein is, in alle Ihren! Dat sünd herrliche Kräfte. Äwer gegen dat Evangelium kamen sei all beid nich an. Wen von Leid dat Hart swor is, as leg en Stein dorup, wer sick de Ogen ut den Kopp weint, wil hei an’t Glück verzagt, den helpt dat dickste un kläukste Bauk nich. Äwer dat Evangelium kann em helpen, denn dat seggt em: »Dörch Christus büst du Gott sin Kind un dorin kann kein Unglück stür’n. Wat wist du di grämen, as haddst du keinen Vadder in’n Himmel?« Wer up den Dod liggt, den tröst’t ok de säutste Melodi un dat schönste Bild nich, äwer Christus kann em trösten, denn hei seggt: »Hüt noch sast du mit mi in’t Paradis wesen.« Un dorüm segg ick noch einmal: Ok in de Kulturwelt is de Kraft selig tau maken, narends tau finnen, dei is blot in’t Evangelium. »Äwer ick will gornich selig warden,« hür ick dor einen bi sick seggen, dei hüt blot ut Niglichkeit kamen is un süs deiht as stünn in ganz Wismar nich en einzig Kirch. Du wist nich selig warden? Ja, denn lat ’t doch bliwen. Meinst du, dat du mit dinen gottlosen Sinn beter in de Höll paßt as in den Himmel, du magst dat jo sülwen am besten weiten. Äwer wenn di tauletzt man nich noch anners tau Sinn ward! Dat Starwen is för keinen Minschen licht, am wenigsten äwer vör de Gottlosen. Männigein is dat Klauksnacken vergahn, wenn hei markte: nu kümmt din letzte Stun’n, un kein Doktor un Apteiker kann di mihr redden. Tau din eigen Gauden mücht ick di doch raden, dat du dinen Sinn so bald as möglich ännerst. Un dormit bün ick nu all bi de tweite Frag: Woans möten wi uns tau dat Evangelium von Christus stellen?
II.
Paulus schriwwt: Ick schäm’ mi wegen dat Evangelium von Christus nich. Hüt schämen sick en ganz Deil för dat Evangelium. Allerdings de Legsten sünd des’ Ort Lüd noch lang nich. Vel leeger sünd de Glikgültigen, dei dat Evangelium behanneln, as wir ’t äwerhaupt nich in de Welt, wenigstens nich in Wismar, oder as wir dat blot för den lütten Mann oder blot för de Hogen. Wenn Hagenbeck mit sin Löwen un Tigers un Isborn kamen is, steiht up ’n Markt all en Stun’n, ihre noch de Kass upmakt ward, en lang Reig von Lüd. Wenn de Landwirte en Turnier veranstalten, löppt ganz Wismar rut, un up de Koppel un an den Weg bilden sick dicke Minschenmuern. Jeder will dorbi sin. Äwer handelt sick dat üm dat Evangelium un de Kirch, denn is kein Tid, denn is kein Kraft in de Bein, den Minschen tau drägen, denn sünd de Nerven tau swack för de Kirchenluft, denn sünd so vel Utreden as in de Harwsttid Stoppel up dat Feld, man blot dat all des’ Utreden ebenso wenig wat dägen as de Stoppel. Oft is dat mit des’ Glickgiltigen so: sei sünd tau klauk för dat Evangelium von Christus, un wil sei tau klauk sünd dorför, sünd sei tau dumm dorför, un wil sei tau dumm dorför sünd, kann sülwst de leiwe Gott nicks mit ehr anfangen. Wenn sei in ’t Sarg liggen, krigen sei vel Kränz’ un villicht ok vier Pird un de Klocken von alle drei Kirchen, äwer wo de Seel afbliwwt in de Ewigkeit, dorför kann einen grugen, denn för de Glickgiltigen is de Himmel noch tau kein Tid apen west. — Am allerlegsten sünd de apenboren Gegner gegen dat Evangelium, un is dat ok nich en so grot Reig as de Glikgiltigen, so sünd dat doch ein ganz Deil, ok in Wismar. Wat de Religion un de Kirch un de Pasturen anlangt, so känen sei nicks as schellen un schimpen. Dat Evangelium, för dat sei sick tau Apostels maken, weit nicks von Gott un Himmelriek un Erlöser. Ne, ehr Evangelium lud’t: Lat’t uns eten un drinken, denn morgen sünd wi dod. Sei lopen de Lüd mit Zettels in ’t Hus dat sei ut de Kirch uttreden sallen un führen Lästerwürd up ehr Lippen, dat en Christenminschen dat kolt äwer den ganzen Liw löppt. Tau helpen is ehr nich, wenn ’t einen ok leed deit, dat sei so stiwnackig up de Höll losstüren. — Äwer sünd dei, dei sick för dat Evangelium schämen, nich de Legsten un irst recht nich de Allerlegsten, so sünd sei doch lang nich, as sei wesen müßten. Dat ick ’t gradut segg, sei sünd de Bangbüxen unner de Christen. Obschonst sei recht gaud weiten, wo herrlich dat Evangelium von Christus is, un obschonst sei in ’n Stilln ok sülwen dornah verlangen, so hewwen sei doch nich den Maud, sick apen tau den Herrn Christus tau hollen un för sin Riek un Kirch intautreden. So drist un frech de Spötter sünd, so bang un ängstlich sünd sei. Wenn sei mit dat Gesangbauk in de Hand seihn würden, wenn sei up de Arbeitsstäd sick mit en Wurd för de Kirch inleggen würden, sei künnen jo utlacht un schabernackt warden! Oder wenn sei in en vörnehm Gesellschaft ehren Christenglowen bekennten, dat künnen ehr jo all de hogen Herrschaften mit den groten Geldbütel un mit de grot Bildung äwel nehmen. Du leiwe Gott, wenn de Christen in de grugligen Verfolgungstiden ebenso bang west wiren! Denn geww ’t kein Kirch un kein Evangelium mihr, un de Düwel hadd noch mihr Gewalt, as hei hüt all hett. Un wenn Doktor Martin Luther so bang west wir, denn wir dat mit de Reformation ebenso flink wedder utwest, as dat anfungen hadd. Denn hadd hei up den Riksdag tau Worms för Kaiser un Rik gewis seggt: »Hir stah ick un nehm alles trügg, wat ick gegen Papst un Ablaß seggt un schrewen heww, wenn ji mi blot nicks tau leden dauht. Hir stah ick un bidd juch von Himmel bet tau’r Ird, lat’t mi blot wedder heil ut de Dör. Verbrennt min Schriften ein nah de anner, man blot nich mi sülwen. Mag ut dat Evangelium von Christus warden, wat will, ick will dormit nicks mihr tau dauhn hewwen, un bün froh, wenn ick min Brot in Freden eten kann.« Äwer wat säd Luther? »Hir stah ick, ick kann nich anners, Gott help mi. Amen.« Nich blot as en rechten dütschen Mann stünn hei dor, nich blot as en gewaltigen Helden, stark as en Eikbom un höger as uns’ Nikolai-Torm, sondern hei stünn ok dor as en echten Christenminschen un Jesusjünger, dei dörch sinen Glowen lewt. Un dorüm hett em Gott den Sieg schenkt un wi hewwen de Reformation un dat Evangelium un all de Herrlichkeiten, dei dormit tausamenhängen.
Un somit is denn de Frag beantwurt’t: woans wi uns tau dat Evangelium stellen möten? Nich as de Glikgiltigen, dei sick wat schämen süllen; nich as de Gegners, dei sick irst recht wat schämen süllen; ok nich as de Bangbüxen, dei sick schämen süllen, dat sei sick för dat Evangelium schämen, sondern as Luther un Paulus un all dei, wecke von Harten an dat Evangelium glöwt un mit Wurd un Wark ehren Glowen bekennt hewwen. »Ick schäm’ mi wegen dat Evangelium von Christus nich,« so sall dat hüt un alle Dag bi uns heiten, denn ward dat Evangelium ebenso gaud, as dat de glöwigen Juden un Griechen selig makt hett, ok uns Meckelbörger un Wismeraner selig maken. Un wer dormit inverstahn is, dei segg in sin Hart mit mi:
»Amen«.
7.
Plattdütsch Predigt
holl ’n up denn plattdütschen Volksdag, 3. Juli 1921 in Rostock in de St. Marienkirch, von Paster Schliemann in Toitenwinkel äwer Ap.-Gesch. 2,1-13.
Vör lange Johren sall mol ne Tid west sin, wo de Lüd all tosamen ein Sprak hatt hebben. För gewiß is, dat wi vel Fründschaft bet achter nah Asien hen hebben, de von uns’ Blaut sünd un de bloten de Sünn butwennig brun farwt hett, un ok dat, dat uns’ Vörvadders mol einer bi den annern wahnen deden un sick verstahn hebben. Vel, dat de Lüd sick hüt so falsch sünd, kümmt dorvon, dat se einer denn annern nich mihr verstahn, dat de Franzos anners redt as de Dütsche un de Engländer noch wedder anners as de beiden. Ick weit woll, dat se up de hogen Schaulen de frömden Spraken lihren un uns’ Ministers sitten nich as nen Dowen mank de annern, wenn de ehr wedder en grawes Wurt tau seggen hebben. Ok nich as nen Kranken, denn de Dokters mit gelihrte Würt denn Kopp wirrig maken, wil hei se hürt, äwer nich versteiht. Verstahn un verstahn is wat anners. Dor hürt mihr tau, as Vokabeln lihren. In de Sprak von ein Volk wist sick ok dat Hart von ein Volk.
So as ick sprek, so as ick bün. Jeder ein redt dat denn un wenn mol ut, woans em üm dat Hart is. Wenn einer vel slichte Würt in sin’n Mun’n hett, denn weit ick, dat hier binnen n’ gläunig Füer brennt. Un wenn hei de ganze Tierwelt so kortweg ümmer bi de Hand hett, denn weit ick, dat hei all vel Strit hatt hett. Wenn de Franzosen ümmer ehr »revanche« schrie’n, denn weit ick ok, dat se mindag nich vergeten können. Bismarck sed mol von ehr: De Franzos, seggt hei, schriwwt anners, as hei sprekt, dorvon is hei nich tru un uprichtig. Natürlich is de Sprak man blot ’n Kled, dat ein Volk sick ümhängt, un achter dat se noch allerhand versteken känen, äwer ut dat Kled, dat einer anhett, süht man ok sinen Gesmack. Un nahsten warden denn de Kleder wider verpaßt, so as se in ne grote Familie ok de Reih’ rünner gahn möten. Un all de jung’ Franzosen oder Engländer oder Dütschen möten denn in de Schaul dat Kled verpassen lihren, dat ehr Vörvadders ehr bestellt hebben. Is ’t smutzig, helpt nich, is ’t sauber, mag ’t gaud wesen. För gewiß is ’t blot, dat se rinner möten un nu de Kleder de Lüd’ so moken, as man seggt, oder mit anner Wurt, dat de Sprak nu denn Minschen makt, so as de Minsch mol de Sprak mokt hett.
Wovon ick juch dat vertell, min leiwen Frünn? Wil uns hier ein Deil tosamen bröcht hett; dat is uns’ Sprak, uns’ Muddersprak. Ji hebbt dat hier vör ’n Johr hürt: »As de Unbekannten un doch bekannt.« Wi kennen uns an uns’ Sprak. Mihr noch, wi verstahn uns in uns’ Sprak. Wi meinen, se is en Heiligtum, tau dat wi lange Tiden den Slötel verlur’n hadden, dat wi tauletzt, wil wi nich eins mihr nah binnen kamen wiren, meinten, dor wir ne Rumpelkamer achter de Dör. Äwer as wi se upstörrten, hebben wi seihn, dat dor en Schatz in versloten wir, as Gold un Sülwer. Wi möten dissen Kieselstein von ’n meckelbörgischen Ostseestran’n man bloten richtig infaten, denn so fangt hei an tau glitzern un tau gläunen. Wi hollen uns Muddersprak för wirt, uns nich blot Schelmstück tau vertellen, ne se sall uns ok Gotts Wurt vertellen. Wi weiten dat se uns an dat Hart grippt. Dat is de Sprak, de wi verstahn. So segg ick ok von de Sprak, de wi verstahn:
- von de Muddersprak ut uns’ Heimat,
- von de Hartsprak ut Leiw,
- von de Gottssprak ut sin Wurt.
Ick hebb de Geschicht von Pingsten verlest, wil dor vertellt ward, dat de Parser un Meder un Elamiter un wo se süs all heiten up einsen ehr Sprak hüren deden. Wenn ein Minsch dor buten in Amerika oder dichter bi in ne grote Stadt up einsen hürt, dat einer anfangt plattdütsch tau reden — so möt de ollen Kameldribers un Handelslüd in Jerusalem tau Maud west sin, as se dat belewten. Ünner de Dusende, de einer nich kennt un de einer nich trut, findt hei einen, den’ hei trut. Hei is, dat weit hei denn, womäglich ünner ein meckelbörgisches Strohdack grot worden un hett up den’ gesegenten meckelbörgischen Acker sinen Sweit vergaten un hett in ’t Holt ünner de groten Bäuken sungen un fläut’t un hett an’t grote blage Water stahn un dat schient em noch hüt blag un tru ut de Ogen.
So sünd wi hier ok tausamen. Wi hebben uns in ne grote Stadt drapen. Wenn einer sick verlaten fäuhlt, denn so sall hei weiten: hier sünd true Lüd üm di rüm. Min leiwen Frünn, dor will ick glik wedder an minen Anfang anknüppen un seggen: Laten wi doch nich blot de Minschen de Sprak maken, ne ok de Sprak de Minschen maken. Lat’t uns’ plattdütschen Vereins nich tau ne Mod’sak warden, de nu grad mal an de Tur is. Lat’t de Lüd nich rinkamen ut luder Nilichkeit oder wil se Vergnäugung säuken, ne beter dorüm, wil se olle nedderdütsche Tru un Ihrlichkeit säuken, de ji in juch Vereins plegen wöllt. De Sprak röppt mit jedes Wurt: Wes tru, wes ihrlich! De Würd sünd keine trechthaugte Plastersteins, ne, eckige grawe Feldsteins, äwer de Mur, de dorvon bugt ward, de höllt. Ji Plattdütschen, lat’t de Mur ok hollen, wenn ji so en Mur mit Würd upbugt. Dat Hochdütsche is Mod’sprak worden. Dat hett all de Würd von de nigen Moden un nigen Gedanken upnehmen mößt. Vördem is’t halw fränzösch worden, nahsten hebben se’t lütwenig bete sauber makt. Dat höllt äwer nich vör. Wi Plattdütschen sünd noch trug. Wi hebben noch gor kein Namens för de nimodsche Danzeri un Kamedi. Uns’ Sprak steiht noch up denn Standpunkt von uns’ Vadders. Dat sall uns denn ok ’n Handwiser wesen: trügg tau uns’ Vadders! »Wi möten ümkihren« seggt Jesus Christus. Herr wi bruken en Gelänner, dat uns en beten Hollfast giwwt. Dor gripen wi nah uns Muddersprak. Plattdütsch’ Lüd helpt de Welt betern! Betert bi juch äwer tauirst in’n Verein, in’n Hus, in’t Hart. Ji ward dat nu verstahn, wenn ick segg: Betert plattdütsch.
Ick weit nich, ob ick denn Handwiser richtig lest heww, de in uns’ plattdütsche Muddersprak upricht’t is. Äwer ick glöw, dorup steiht schreben: Trüg tau de Natur. Jed ein von ehr Würd hett noch denn frischen Irdgeruch von buten her an sick. Dat is, as ob en Minsch von buten her rinner kümmt in ne Stuw mit slichte Luft, de sick äwersten denn ok ümmer wedder nah buten trügtreckt. So as uns ganz Volkskraft un Volksgesundheit, as sei seggen, ümmertau von Lan’n her spist warden möt! Süß hadd’ dat ganze Water sick all lang vertagen, wenn nich de Bäk dor ehren Anfang hadd, de ümmer noch Water giwwt. De Gelihrten seggen hüt, de grote Untofredenheit kümmt dorvon, dat kein ein sin eigen Stück Land unner de Fäut hett. Dat giwwt keinen säkern Stand mihr in’n Leben un Starben. Plattdütsch Lüd, seihn wi nich denn Handwiser, denn uns’ Muddersprak in all dat hochdütsche Wesen upstellt hett. »Trüg tau’n Lann«, dat heit nich trüg tau mißmautige Knechts un untaufreden Lüd, ne dat heit trüg tau unsern Herrgott sin gesegnete Natur. Dor sünd wi Gott neger as mang de Hüser. Wenn einer de süht, de am Enn so hoch sünd as mal de Turm von Babel wir, denn fängt hei ok so as de Lüd dunntaumalen an, sick sülbsten antobeden. Äwer de Landmann, de tausamensackt, wenn de Weder sin Kurn slagen, de na Regen utkickt, wenn de Saat gel ward, de bed’t, wenn hei kein Narr is, tau den’ Gott, de de Wulken führen, den’ Wind weihen, de Sünn schinen heit.
De heilige Antonius wir nen groten Heiligen. Hei wir Einsiedelmann in Ägypten. De würd’ mal fragt, wovon hei sin grote Klaukheit hadd! Dor säd hei: Hier is ein Bauk, ut dat ick se lihrt heww. Hei nehm de Bibel von’t Schabb. Dat anner Bauk, säd hei, is so grot, dat geiht nich in min Stuw rinner. Un hei nehm denn annern mit nah buten. Buten säd hei, dit Bauk hett twei Bläder. Dat ein is de blage Hewen un dat anner de gräune Ird. Un all beid seggen mi von de Macht un Grött von unsern Herrgott.
Mihr noch as uns Muddersprak hett uns de Hartsprak ut Leiw tau seggen. Am besten wir’t se wiren ümmer all beid tausamen. Dat wir en Ihrentügnis för uns’ pladdütsche Muddersprak. Äwer ick heww vör mennig Hus buten oder in mennig Hus binnen hürt, dat dor up plattdütsch ein Isen an’t anner scharpt würd, nich slichter un nich beter as dat up hochdütsch Mod is.
Disse Sprak, von de ick nu seggen will, de bind’t noch beter as hochdütsch un plattdütsch oder irgend ein anner Sprak ünner denn Hewen. Ja gerad’, wo de Einigkeit bi desülbige Muddersprak in de Brüch gahn is, kann se wedder einen tau denn annern bringen. Wi sünd hier von’n Lann un ut de Stadt. Hüt morgen un hüt nahmiddag höllt uns dat Plattdütsche tausamen, äwer wenn wi morgen oder äwermorgen einer mit den’ annern tau handeln hebben, denn is disse oder jene dor, de den’ annern äwersegeln will. Un wenn dit un dat knapp un dür ward, denn is de Einigkeit ganz un gor vörbi. Un wenn’t an’t wählen geiht, denn will de ein den’ annern den’ Tom anleggen, dat hei em nich wedder mit de Prisen dörchgeiht. Min leiwen Fründ’, wie möten awsolut diss’ Hartsprak ut Leiw tau uns’ nedderdütsche Muddersprak dortaulihren, süß verstahn wi uns nich. Süß sünd all de Festlichkeiten un wat süß angeben ward, ganz un gor för ümsüß.
Disse Sprak ward in de ganze grote Welt verstahn. Wenn de Missionars tau de Heiden kamen ahn Geld tau ’n Inköpen, as se dat von de Koplüd gewennt sünd, ahn Metz un Gewehr tau ’n tausteken un dotmaken, as se dat von de Soldaten kennen, denn so gahn se irsten in en grotes Wunnern üm ehr rümmer. Un wenn de Missionars anfangen in de swere Heidensprak tau predigen, verstahn s’ nich ümmer glik alltovel, äwer so na un na hüren ’s dat rut, dat disse Lüd tau ehr kamen sünd, ehr dat Evangelium tau seggen, ahn dat se Geld un Ihren dorbi verdeinen, blot ut Leiw. Dat versteiht denn ok nen armen swarten Heidenminschen, un so ward disse Sprak in de ganze Welt spraken un wi möten ’s blot recht gaut alltausamen lihren, denn so ward ’t ok beter mang uns un in de Welt.
De Gottssprak ut sin Wurt, dat is dat Letzte. Ok ne Sprak, de wi verstahn. Einer kann noch wider weg wesen, von Vadder un Mudder as wenn hei nah Amerika äwer ’t grote Water is. Hei wahnt ganz dicht bi ehr — am Enn in datsülbige Hus — un doch liggt dat as nen grotes Water mang ehr. Un dat giwwt, as Abraham tau den riken Mann säd, kein hen un kein her. Up de ein Sid is Tru un Ihrlichkeit, up de anner Sid is Leigen un Bedreigen un oll Lüd utlachen un taum Besten hebben. Vel jung Lüd maken de Reis äwer dat Water. Äwer ok in dat nige Land, dat de Düwel entdeckt hett, hüren se de Sprak, de se verstahn. Mennig ein Vadder un mennig ein Mudder känen ehr Kind nich mihr trügraupen, so wid is ’t all von ehr aw, äwer uns’ Herrgott kann ’t noch trügraupen, för den is ’t noch nich tau wit weg. Wo seggt David: »Un wenn ick utfleigen ded mit Flüchten bet achter dat grote Water, du würst mi ok dor tau hollen kriegen.« Dor brukt kein Paster lang tau reden, hei redt allein un wenn ’t Tranen un Weihdag kost ’t. Vel sünd in son Bisternis, am Enn uns’ ganzes Volk. Raupen wi ’s up plattdütsch, un se nehmen ’t nich ümmer irnsthaft, raupen wi ’s mit Leiw, un se bliben mennigmal hart, laten wi ’s von Gott raupen, se möten ’t hüren. Plattdütsch is wat wirt, Leiw is mihr wirt, Gotts Wurd is am mihrsten wirt. Hier is ein Deil för gewiß, dat is Plattdütsch, hier is ein tweit Deil, mein ick, bi de Mihrsten, dat is Leiw, de helpen mügg, hier is ein drütt Deil, dat is uns Herrgott, wenn wi ’t man irnsthaft meinen. Denn sünd ok in de deipste Not drei gaude Deil tausamen.
Amen.
8.
Bibelstunde
über Matthäus 18, 1-5 von Pastor Helms, Warnemünde.
Lewen Mitchristen! Wenn ik hüt abend en Bibelstunn in uns plattdütsch Sprak hollen do, denn is dat ne Prov, de ik mak, un ok von dis Prov ward gellen, dat Lihrwark ken Meisterstück is un aller Anfang swor. Äwer ik will ’t doch versäuken, ob ik ’t farig krig, un ob wi wat dorvon hewwen. Ik do ’t nich — dat will ik furts seggen — wil de en odder anner niglich is, woans sonne Sak sik woll regiert, ne ik do dat von den ’n Gedanken ut, dat uns Christenglow ne Sak is för ’t däglich Lewen. In ’t däglich Lewen äwer spräken doch woll de meisten von uns plattdütsch. Worüm süll denn nich ok Gotts Wurd mal plattdütsch predigt ward’n? Ik mügg dat woll farig krigen, dat jedwerein, de hüt abend von hier nah Hus geiht, mihr noch as süß weiten ded: wat Gotts Wurd seggt, dat hürt rin in den Warkeldag un will ok de Woch regeren, nich blot den Sünndag. Uns Herrgott de redt mit uns so, dat wi dat verstahn känen, nu will he äwer ok, dat wi uns dat seggen laten un doran denken jeden Dag un jede Stunn, denn to ’n Spaß seggt he uns dat nich, dat is em heil Irnst dormit. Dat is em liksterwelt so irnst mit dat, wat he uns seggt, as uns, de wi Vadders un Mudders sünd, dat is, wenn wi uns Kinner wat seggen don. Wi willen denn ok, dat se uns Orre parieren sölen un dat don.
Wi sünd all den’ Herrgott sin Kinner, ok wenn wi all gris Hoor un vel Schrumpel int Gesicht hewwen. Un dorvon will uns dat Gottswurd vertellen, wat wi hüt abend hüren willen, so as dat schrewen steiht in Matthäus sin Evangelium, Kapittel achteihn, wo dat heiten deit:
De Jünger kemen na Jesus un säden: wecker is woll de Grötst in ’t Himmelriek? Jesus rep en Kind ran, stellt dat midden mang ehr un säd: Ik seg jug, wenn ji nich umkihrt un as de Kinner wardt, denn kamt ji nich in ’t Himmelriek. Wecker sik sülwst lütt makt, so as dit Kind, de is de Grötst int Himmelriek. Un wecker ’n son’ Kind upnimmt in minen Nam, de nimmt mi up. —
Äwer unsen Herrgott hedd sik all männigein wunnert. He makt dat ümmer anners as wi Minschen dat ment un hofft hewwen un as wi dat maken deden. Un dorüm is all männig een an unsen Herrgott irrig worren un is von em weglopen un hedd seggt: ne, nu glöw ik’t nich mihr, dat ’n Gott giwt, de de Welt regert! Wo, dat sall ’n Gott gewen, de de Leiw is un de Gerechtigkeit un dorbi hedd he minen Jung nahmen odder minen Mann, un ik heww em doch so veel beden, heww bedt, un bün to Kirch gahn, un nu likerst! Un dor ward so Böses dan in de Welt, ward lagen un bedragen, schawen un stahlen, un dat wenigst kümmt rut un ward bistraft un veel von disse Gauners de lewen ’nen groten Dag — un de Herrgott, de kikt sik dat ruhig mit an, staats mit’n Dunner rintoslahn. Ne, dat will mi nich in ’n Kopp, nu glöw ik garnix mihr! — Hest woll ok all öfters so hürt odder hest vilicht sülwst all so redt.
Kikt, dat kümmt mi ümmer so vör, wenn ik Minschen so reden hür, an Krankenbedden odder in Truerhüser, as wenn min Jung seggen wür: ne, nu glöw ik nich mihr, dat ik ’n Vadding un Mudding hew, de mi lew hewwen — de don jo nich, wat ik will, de gewen mi nich, wat ik mi so dacht harr un wat ik beden heww! — Wat würst du seggen, wenn din Lütt so to di sed? Lat mi mal ganz groww reden. Du würst seggen: Du Näswater, wat vesteihst du dorvon mit din Kinnerverstand un din kindlich Unvernunft. Un wenn du god an’n Kopp büst, denn lachst du doräwer un denkst: wäs du man irst grot, denn sühst du dat in, woto dat god is, dat du nich allens krigst un nich din Kopp gellt, sonnern min. Ob nich uns Herrgott ok männigmal so seggt un denkt? Ik glöw he wunnert sik noch öfter äwer uns, as wi uns äwer em, un männigmal, denn högt he sik, wat wi doch för unverstännige Kinner sünd un willen doch so grote kloke Lüd sin un spälen uns up un smiten uns in de Bost, as wenn wi wunner wat wiren un vörstellen deden un de Weisheit mit Läpel eten hadden.
Wi bedrägen uns gegen den Herrgott as unverstännige Kinner, äwer würklich Kinner sin to em as unsen Vadder, ne dat willen wi nich. Worüm egentlich nich? Wil wi hüttodags noch grad sonne Gesinnung hewwen, as de Jüngers duntomalen. De Minschen sünd ganz anners worren in disse bald twei dusend Johr, äwer dat Minschenhart is in depsten Grunn datsülwig blewen. De Jüngers wullen all hoch rut un een wull ümmer noch den annern utsteken un jede wull de Bas sin, dor wull ok de een noch mehr gellen as de anner. Akkrat so, as’t bi uns hüt ok is: Keen will unnen sin, all willen wi baben sitten un de öbbelst sin un dat kümmt uns ok gornich dorup an, enen annern runnertoperren un mit den Ellbagen üm uns to stöten, wenn wi blot hochkamen, dat’s de Hauptsak. Frag de Welt, se giwwt di ümmer de sülwig Antwurt: de Hauptsak is, dat de Minsch vörwarts kümmt int Lewen, ümmer vörwarts, un wenn’t nich grad gahn will, denn möst du’t mal mit’n krummen Weg versöken, de Hauptsak is: vörwarts, hoch rup, un ümmer höger! So seggt de Welt.
Un uns Herrgott? He redt jo to uns dörch unsen Herrn Jesus. So is Gott, as de wir, so denkt Gott, as de redt hedd. Un wat seggt Jesus? He seggt dat grad Gegendeil von »vörwarts«, he seggt ümkihren möst du, süß kümmst du nich trecht! »Wenn ji nich ümkihrt un as de Kinner wardt, denn kamt ji nich int Himmelriek«. Ja würklich, uns Herrgott is en, äwer den’ möt de Minsch sik ümmer wedder wunnern!
Denn hewwen jo woll würklich de Lüd recht, de seggen don, de Christen dat sünd Reaktionäre, as se dat nömen, Lüd de ümmer trüchwarts willen staats vörwarts? Is dat so? Is dat so, dat dat Christentum gegen den Fortschritt is un will, dat hier up de Ird ümmer allens bi’n Ollen bliwt? De so reden, de kennen jo woll gornix von de Weltgeschichte! Wer hedd denn dat toweg bröcht, dat de Kranken un de Krüppels un de Waisenkinner un de Blinnen nich mihr rümstött warren, dat se ehr Pleg un Upwohrung krigen? Dat gew dat in olle Tiden gornich, dor hedd jedwerein blots an sik dacht un wer swak wir, de köm unner de Räd’. Dat hedd dat Christentum irst in de Welt bröcht un ebenso, dat de Frugens acht’t warren un neben den Mann stahn, un nich unner em. Is dat allens ken Furtschritt? Ken Vörwarts? Ik men, dat is woll ebensoveel wirt as all de Erfinnungen von elektrisch Licht un Iserbahnen un wat’ all is, wat de Minschengeist sik utklüstert hedd. Un disse Ding hewwen doch ok grad de christlichen Völker erfunnen, vel mihr as de Heiden. Is dat woll de reine Tofall? Ik meen, dat möt ok woll so sin, dat wer en richtigen Christen is, dat de ok en düchtigen Kirl wesen kann, denn de hedd nich blot wat in’ Kopp, he hedd ok wat int Hart.
Äwer von all disse Ding redt Jesus jo gornich, he denkt an uns Gesinnung un dat wi so ahn Lew’ sünd un so äwerböstig un so upgeblasen un so egensüchtig. Un dorüm seggt he: so wißt du int Himmelriek? So kümmst du viellicht dörch de Welt un dat Lewen un kriggst nen Hümpel Geld un ’n groten Namen bi de Minschen. Äwer denkst du denn gornich doran, dat denn nahst ok noch wat kümmt un wat denn? Kannst ok blot ’n Spirken mitnehmen von all din Geld un all de bunten Schins, vör de de Minschen woll gor ehr Seel verköpen? Minsch, du löpst jo verkihrt, du büst up ’n heil falschen Weg, di Weg is jo gor ken Vörwartsweg, he geiht in Sump un dor versackst du in un ken kann di denn redden, he bringt di an’ Awgrund un denn störkst du rin un geihst koppheister. Kik di doch mal üm! Dor büst du an ’n Minschen vörbigahn, de up din Hülp töwen ded un dor hest du up ’n Minschenhart peddt un dor heddst du enen dalstött, kann dat woll de richtige Weg sin? Ja, lat uns doch mal stillstahn un äwerleggen: woans gahn wi un wo sall dat rute kamen? Ik glöw, wenn wi so nachdenken un dorbi kikt de Herr Jesus uns so dep int Og, he de alle Minschen kennt un alle Minschen helpen will, denn fangt wi an to sluchzen un to rohren un lopen nah unsen Vadder hen un bidden em: Vadder, nimm du uns an de Hand un gah mit uns un lat uns ümmer an din Hand gahn, denn geiht nix verkihrt.
Kikt, dat will de Herr Jesus. Dorto stellt he uns hüt mit in den Kreis von sin Jüngers un seggt: wat, ji willt ok all so hoch herut un en up den annern pedden? Weit’ ji nich, dat de Hochmutsdüwel un Gott nich tohop passen? Hier, son Kind, dat is up den rechten Weg, so möt dat ok mit jug un in jug warren: vör Gott sünd wi all ganz lütting, äwer he is jo jug Vadder, lat em doch maken, he leddt jug den richtigen Weg!
Ik heww dis Dag ne Geschicht lest von en lütten Jung, von vier, fiv Johr. De müß starwen. Un dor hedd he toletzt ümmer blot dat en beden: »Mudding, bliw bi mi!« Dat wir sin letzte Bidd, äwer ok sin depste. Dat anner wir em allens glik, äwer alleen wul he nich sin. Ant Starwen hedd he woll knapp dacht; wat weit son Kind vont Starwen? Äwer he hedd dat markt, dat he in’ depen düstern Grunn wir un dor wir em bang vör all dat Düster. Un donn kem dat ut em rut: »Mudding bliw bi mi!«
Willn wi uns schämen un schanieren, dat uns ok mennigmal so to Mot is? Dat is doch wat echt minschliches, wat dor to ’n Vörschin kümmt. Dat hürt äwerall to ’n Minschen dorto, dat he Kind is un wen hewwen möt, den he ganz vertrugen kann. Dat sünd in Würklichkeit ganz arme Lüd un jammerhafte Gesellen, de sik noch gor dick don dormit, dat se disse Sehnsucht nah de Vadderhand nich mihr kennen, dat se dor äwer hen sünd.
Wi willen doch Minschen bliwen un dat Heimweh nich in uns dod maken. Wi will’n äwer nich blot, wenn uns dat leg geiht un wi alleen nich mihr ut un in weten, nah de Vadderhand gripen, wi willn hüt noch ümkihren un hengahn na unsen Vadder un em bidden: »Lat mi wedder din Kind sin, bliw bi mi un lat mi mit di gahn as frames un origes Kind, dat in all’n Ding’ dinen Willen deet un up din Wurd hürt.« Denn känt wi ruhig sin, denn geiht uns Weg richtig, ok wenn ’t mal dörch Düster geiht odder dörch dat Water — wi kiken tohöcht un seggen: du büst bi mi!
Un nu noch en poor Würd. Woans bün ik grad up dissen Text verfollen? Dor hewwen mi 2 Deil to bröcht. Toirst, wi stahn vör dat Winachtsfest, dat uns wedder an de Krüw stellt un en lütt Kinning uns wist un to uns seggt: kik, dat is din Heiland, in dit Kind kümmt de lew Gott to di un will di dörch dit Kind helpen un bliwt likerst de grote Herrgott, de de ganze heil grote Welt regert! Dat will uns grot Minschen gor nich in ’n Kopp rin, dor stött uns de Hochmotsdüwel ok ümmer wedder up un segt: wat, son Kind un dat soll di helpen? Dat is woll wat för Kinner, äwer doch nix för uns. — Un dorüm hadd ik mi so dacht, dat künn ne feine Adventsstunn gewen, wenn wi mal dorvon uns seggen leten, dat wi alltohop ümmer wedder Kinner warren möten, so lütt un so vull Vertrugen as en Kind to sin Vadding un Mudding, wenn wi nich heil verkihrt lopen un ant Enn’ to schannen warren willen.
Un denn dat anner: dor ward grad in disse Dag för de Kinner sammelt un ok an din Dör kloppt de Bad, de di üm ne Gaw bidt för de Kinner un ehr Not. Dor sall nu kener denken, he hadd dorför ken Tid odder ken Geld. Wat seggt uns Heiland? »Wekker en son Kind upnimmt in min’ Nam, dat heit, wil dat so min Will un Wunsch is, un ji girn dohn willt, wat ik jug segg, de nimmt gornich blot son lütt knendlich Wesen up, ne de nimmt mi sülwst up, de deiht mi wat to lew.« O wat is dat för ’n schönes Wurd! Nich na grote Ding’, de de Lüd sehn un von de se all snacken don, kikt uns Herr ut, ne he töwt dorup, wat wi woll uns dal hollen un uns’ Lew bewisen don in den Deinst an den Lütten up de de grote Welt gor ken Achtung giwt. Dorüm is’t ’n christlich Wark, wenn wi för de Lütten wat don un uns Herrgott will ’t so ansehn, as wenn wi ’t em sülwst to Lew don.