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Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache. Von Gustav Goedel.

Kiel und Leipzig.

Verlag von Lipsius & Tischer.

1902.


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[Druckfehler-Verzeichnis]


A.

A. Dieser Buchstabe wird in der deutschen Seemannssprache angewandt zur Bezeichnung der Klasse, in der ein Schiff sich nach der Einschätzung seines Wertes durch den Germanischen Lloyd befindet. Die Jahre nach deren Verlauf die Besichtigung zu einer neuen Einschätzung zu wiederholen ist, werden dem Buchstaben eingefügt,

deuten also schon den höheren oder geringeren Wert eines Schiffes an, der dann noch näher bestimmt wird durch eine dem A vorgesetzte Zahl, die bis 100 gehen kann und die Klassennummer des Schiffes angibt; je höher die Nummer, desto größer der Wert. Im Übrigen s. Schiffsregister.

a. m. heißt ante meridiem. Von den astronomischen Berechnungen her ist dem Seemann diese Bezeichnung so geläufig, daß er sie auch am Lande gerne als Zeitbestimmung anwendet. Es ist auch deutlich und bequem zugleich, die Zeit von nachts 12 h bis mittags 12 h mit a. m. und die Zeit von mittags 12 h bis nachts 12 h mit p. m. (post meridiem) näher zu bestimmen. Es heißt dann a. m. nicht bloß vormittags, sondern auch morgens und nachts; denn 1 h a. m. bedeutet nachts 1 h; und p. m. heißt nicht nur nachmittags, sondern auch abends und nachts, indem 11 h 50 p. m. nachts 10 Minuten vor zwölf bedeutet. h. ist hora, Stunde, Uhr und kommt ebenfalls von den nautischen Berechnungen her.

abandonniren, von Seiten des Versicherten dem Versicherer ein verunglücktes oder vom Feinde genommenes Schiff gegen einen gewissen Prozentsatz der Versicherungssumme überlassen und sich aller Ansprüche darauf begeben. Ein Wort, das wir zwar in französischer Form gebrauchen, das auch samt dem Substantiv Abandonnement aus dem französischen Seerecht zu uns herübergekommen ist, das aber seinerseits doch wieder von dem echt deutschen Worte ban, bann stammt, welches ein Gebot oder Verbot unter richterlicher Strafandrohung, Gerichtsbarkeit und deren Gebiet bedeutet, entsprechend dem angelsächsischen bann, englisch bann, Bann, Acht, Aufgebot, Bekanntmachung (Kluge). Schon früh entlehnten die Franzosen das Wort aus dem Deutschen, vermutlich in der Merowingerzeit, und machten das altfranzösische bandon, Befehl, Jurisdiction, öffentliche Verkündigung daraus; in Verbindung mit dem Präfix a und der Endung er ward es zu dem neufranzösischen Zeitwort abandonner ausgestaltet, mit seinen zahlreichen Bedeutungen, denen allen aber der Begriff verlassen, aufgeben gemein ist.

abgewinnen. Es gilt für ein Zeichen besonderer seemännischer Tüchtigkeit, wenn es dem Kapitän eines Schiffes gelingt, einem anderen die Luv oder den Wind abzugewinnen, d. h. sein Schiff so geschickt zu führen, daß es näher, höher, dichter an den Wind kommt als das andere. Zu Zeiten der Herrschaft des Segels konnte dies für Kriegsschiffe in der Seeschlacht von entscheidender Bedeutung werden und ist es mehr als einmal geworden; jetzt handelt es sich dabei mehr um einen seemännischen Ehrenpunkt. Das andere Schiff ist dann „unter dem Winde‟ und hat die Luv verloren. Man sagt auch: einem den Wind abkneifen.

abdichten s. kalfatern.

Abendwache s. Wache.

abentern s. entern.

abfallen s. abhalten.

Abfahrtssignal s. Blauer Peter.

abflauen s. flau.

abfieren s. fieren.

abhalten 1. so segeln, dass das Schiff, das beim Winde segelt, raumeren (s. d.) Wind erhält, also „die Richtung des Schiffes dergestalt ändern, daß der Wind, welcher vorher auf das Vorderteil oder die Seite desselben gerichtet war, mehr von hinten in die Segel fällt‟ (Roeding). Natürlich kann man aber ein Schiff nur soweit abhalten bis der Wind recht von achtern kommt; würde das Abhalten dann noch fortgesetzt, dann würde Anluven daraus (s. d. und „Halsen‟). 2. überhaupt eine Kursveränderung vornehmen, ohne Rücksicht auf die Windrichtung, auch auf Dampfschiffen, wenn es gilt auf ein Ziel, das außerhalb der bisher gesteuerten Richtung lag, loszusteuern, z. B. abhalten auf ein begegnendes Schiff, auf ein treibendes Boot. Das Wort abhalten führt uns in die ältesten Zeiten germanischer Schiffahrt zurück, in denen man mit einem Riemen steuerte, den man frei in der Hand hatte und hielt; daher steuern im Althochdeutschen auch haban, halten hieß; abhalten also wörtlich: das Schiff von seiner alten Richtung ab in eine neue steuern. — Die Bewegung, die das Schiff macht, auf dem abgehalten wird, heisst abfallen, das Schiff fällt ab; was freilich auch manchmal ohne Abhalten, d. h. ohne Absicht, in Folge von Unachtsamkeit beim Steuern geschehen kann. — Abfallen ist fälschlich mit Abtreiben (s. d.) für eins gehalten worden. — Die Friesen gebrauchen affalle in übertragenem Sinne. „Wie täusche ich mich‟: „Ho falt my dat af‟ (Halbertsma).

abkleiden s. kleiden.

abkneifen s. abgewinnen.

ablandig, von einem Winde, der vom Lande ab nach See zu weht. Das Wort wird schon im Jahre 1400 gebraucht in einer Segelanweisung für die französische Küste: „Item van der Pleymark to Gloylande dat sind twe Kenninge; dat Kors is ostsutost up enen afflandigen wynt‟. „Item wille gy tusschen den sande doer segelen bet toe Kerkloe up enen afflandigen wint, so mote gy tusschen sunte Margreten sande unde deme lande insegeln uppe 6 offte 7 vademe unde leyden dat sant bet to Jerremode‟. (Eine Kenning war in jenen Tagen nicht nur ein Kennzeichen, sondern besonders eine gute Anseglungsmarke; hier aber ist eine gewisse Strecke Weges gemeint, drei oder vier Meilen, je nachdem ene cleyne, gude oder grote Kenning gemeint war. leyden heißt vorbeifahren).

Ablenkung s. Variation.

ablegen, gleichbedeutend mit absetzen im Sinne von: ein Boot mit einem Bootshaken so weit vom Fallreep (s. d.) oder der Landungstreppe entfernen, daß man die bis dahin hochgehaltenen Riemen fallen lassen und anrudern kann. Beide Worte, ablegen und absetzen, haben auch die allgemeine Bedeutung von abfahren, jedoch nur der gegebenen Erklärung gemäß, mit dem Boot, nie mit dem Schiff‟. „Das Boot legt um 6 Uhr von der Mole ab.‟ „Der Kutter setzt Punkt 2 Uhr von Bord ab;‟ dabei ist die für das Boot eigentlich passive Bedeutung in die aktive Rede umgewandelt. Absetzen ist etwas gebräuchlicher als ablegen.

abmallen, auch bemallen. Wenn die Schiffszimmerleute ein Stück Holz in eine bestimmt und genau vorgeschriebene Form behauen wollen, so machen sie sich erst aus dünnen Brettern ein Mall, d. h. eine Art Modell. Nach diesem zeichnen sie sich die richtigen Linien auf dem zu behauenden Holz vor: das heißt ab- oder bemallen; offenbar nichts weiter als das Hochdeutsche malen, welches von Mal kommt, und dieses bedeutet Fleck, Narbe, Zeichen, malen also: mit einem Zeichen versehen. — Mit dem weitverbreiteten niederdeutschen Adjectiv mall hat das Wort wohl kaum etwas zu tun, denn das bedeutet wirbelig, mutwillig, leichtfertig, unklug, töricht, verliebt, toll, verrückt, schlimm, schlecht u. s. w. — Eine viel größere und wichtigere Rolle spielt das Mall im modernen Eisenschiffbau, wo es als Holzschablone, nach welcher die Eisenspanten und andere Teile des Schiffes ausgearbeitet werden, unentbehrlich ist. Mallkante der Spanten ist diejenige Kante, von welcher aus auf dem Schnürboden (s. d.), wo ein Schiff zuerst für die Bauausführung in natürlicher Größe aufgezeichnet wird, die Schmiege (s. d.) des Spantes der Schiffsform entsprechend abgesetzt wird. Eben nach der Linie der Spantenkanten wird das Mall angefertigt. — Gemallte Tiefe ist die Tiefe eines Schiffes, welche gemessen, bezw. berechnet wird um den Freibord (s. d.) festzustellen, oder die Tieflade-Wasserlinie. Hier heißt mallen einfach messen. — Wenn die Ableitung von malen nicht so nahe läge, müßte man sich versucht fühlen an das lateinische Wort für Maß modus zu denken, modulus, im Altfranzösischen contrahirt zu molle; englisch mould.

abmoien. Das nicht mit dem allgemein niederdeutschen Worte moie, Muhme, Tante, auch nicht mit moie, Mühe, Arbeit, Kummer, in Verbindung zu bringende Adjectiv moi scheint — außer im seemännischen Gebrauch — nicht über Holland und Ostfriesland hinausgekommen zu sein. Hier ist es aber ganz allgemein verbreitet und im Sinne von schön im Gebrauch; en moie meid (holl: een mooie meisje) ein hübsches Mädchen, moi weer, schönes Wetter. Verfasser fuhr einmal in ostfriesischem Sprachgebiet durch frisches Maiengrün auf dem Rade. Da begegnete ihm ein Bauer, der mühsam etliche Schweine vor sich her trieb. „Dat is moier dan Swindriven,‟ meinte er vom Radeln. — Wenn das Wetter sehr trübe und stürmisch war und der Himmel wird klarer (klart auf, siehe aufklaren 1.) und der Sturm nimmt ab, dann sagt der Seemann „es moit ab.‟ Beide Begriffe, das Schönerwerden des Wetters und das Abnehmen des Sturmes sind in abmoien sehr treffend vereinigt; offenbar hat auf die Zusammensetzung der Präposition ab mit dem von moi gebildeten Zeitwort moien der Gedanke an das Abnehmen, Abflauen (s. d.) des Windes eingewirkt. — Die Spanier erst scheinen das jetzt so sehr eingebürgerte Wort nach den Niederlanden gebracht zu haben. Sie führten wohl als Kenner weiblicher Schönheit ihr Wort majo, zierlich, geputzt, geschmückt, viel im Munde. — Daß es mit dem Mai, als dem Monat der die Natur schmückt, zusammenhängt, muß bezweifelt werden. Das hat sich ein Dichter so zurechtgelegt; die Sprache verfährt nüchterner. Hat doch „Wonnemonat‟ nicht einmal etwas mit Wonne zu tun. Bleibt also für majo nur die Herkunft aus dem lateinischen majus, groß, hehr, ansehnlich, stattlich, übrig.

abmustern s. mustern.

abreiten, einen Sturm vor Anker. Es lag nahe an das Reiten auf einem Pferde zu denken, denn das vor einer oder mehreren Ketten auf den hochgehenden Wogen auf- und abtanzende Schiff mag wohl mit einem mutig stampfenden und steigenden Pferde verglichen werden, aber es hat dieses „reiten‟ damit so wenig zu tun wie Friedhof mit Frieden. Denn einmal sagt man nicht bloß: „Das Schiff reitet einen Sturm ab‟, sondern es reitet auch bei schönem Wetter, sobald es auf einer Reede vor Anker liegt. Sodann müßte das Wort, wenn es unser hochdeutsches Reiten anginge, niederdeutsch riden heißen, es heißt aber reiden, weil es von dem niederdeutschen reide = Reede kommt, von der Reede auf der ein Schiff liegt, wenn es zur Abfahrt bereit ist, oder die es aufsucht um besseres Wetter vor Anker abzuwarten; reiden, rheden war im Mittelniederdeutschen gleich „vor Anker liegen‟; wir würden also gut tun, größerer Deutlichkeit halber auch heute noch reiden und abreiden zu schreiben. Althochdeutsch ritan. Das heißt übrigens nicht reiten in unserem modernen Sinne, sondern überhaupt sich von einem Orte zum anderen bewegen, fahren zu Wagen oder zu Schiff, von einem Stamme rid mit dem Grundbegriff der Ordnung, der ordnungsmäßigen Bewegung. Und so kommen (wie Friedhof und Freithof) das Reiten auf einer Reede und das Reiten auf einem Pferde schließlich doch auf einen und denselben Ursprung hinaus. Das Nähere unter Reede.

abschaken s. schaken.

abschlagen. 1. Auf Kriegsschiffen mit der Trommel ein Zeichen geben, daß die Musterung oder sonst ein Schiffsdienst beendet ist und die Leute wegtreten können.

2. Allgemein seemännisch: Ein Segel von einer Rahe losmachen, nicht im Sinne des Kommandos: Segel los! sondern im Sinne der Taklerarbeit ein Segel völlig von der Rahe loslösen und an Deck nehmen; das Gegenteil von „ein Segel unterschlagen‟. Der Gebrauch beider Wörter, wie auch von Beschlag und beschlagen, erklärt sich aus dem unter Schlag Gesagten.

3. = Abschnüren (s. d.)

abschleppen s. schleppen.

abschlingern. Wenn ein Schiff so heftig schlingert (s. d.), daß von der Gewalt der Schlingerbewegung ein Mast bricht und über Bord geht, so hat sich das Schiff diesen Mast abgeschlingert.

abschnüren. (Vergl. abmallen und Schnürboden). Mit einer Meßschnur die Form und Gestalt der einzelnen Teile eines zu erbauenden Schiffes im natürlichen Maßstabe aufzeichnen.

absegeln. 1. In See gehen. Ursprünglich von Segelschiffen gebraucht, erhielt es die allgemeine Bedeutung von abfahren, abreisen und wird heutzutage in diesem Sinne auch von Dampfern gebraucht die gar keine Segel führen.

2. Einen Mast, gewöhnlicher: sich einen Mast absegeln. Es geschieht wenn für die betreffende Windstärke zu viel Segel geführt werden oder wenn bei plötzlich aufkommender Bö die Segel nicht schnell genug verkleinert bezw. geborgen werden können.

3. Eine bestimmte Strecke in einer bestimmten Zeit unter Segel zurücklegen.

abschricken s. schricken.

absetzen. 1. ein Boot s. ablegen. 2. Das Besteck, (s. d.), den Ort des Schiffes, an dem es sich nach der Mittags- oder einer sonstigen Berechnung oder auch nach Gissung (s. d.) zur Zeit befindet, auf der Karte durch ein kleines Kreuz mit einem Kreis darum (⨁) bezeichnen. Setzen (Factitiv von sitzen, urgermanisch aus der Wurzel sed, gothisch sitan, lateinisch sedere) verbunden mit ab, letzteres aus der Vorstellung heraus, daß das Etmal, (s. d.) das abgesetzt wird, ein von der ganzen zurückzulegenden Strecke abzuziehender, abzunehmender, abzurechnender Teil ist.

3. Das Deck mit dem Absetzer. Dieser ist ein einem Schrubber ähnliches Werkzeug, mit dem nach einem Regen oder nach dem Deckwaschen das Wasser nicht nur oberflächlich beseitigt, sondern, soweit es sich tun läßt, aus den Decksplanken herausgedrückt und gepreßt wird, damit sie desto rascher trocknen. Noch vor zwanzig Jahren nahm man auch auf Kriegsschiffen zu diesem Zweck ein einer Handspake (s. d.), nicht unähnliches Stück Holz, das an einem Ende entsprechend abgeflacht war, jetzt noch auf kleinen Handelsschiffen in Gebrauch ist und Handabsetzer heißt. Die K. M. gebraucht nur noch die schrubberähnlichen Gummiabsetzer.

4. Absetzdock nennt man eine neue besondere Art von Schwimmdocks (s. d.), welche das aus dem Wasser gehobene Schiff auf eine entsprechend konstruierte Helling abladen (absetzen) können, worauf sie dann sofort ein neues Schiff zu heben und abzusetzen im Stande sind. Englisch depositing dock.

5. Auf dem Schnürboden (s. d. und abmallen): die Formen des zu bauenden Schiffes in natürlicher Größe aufzeichnen.

abstoppen, Abstopper s. stoppen.

abtakeln s. takeln.

Abtrift. Das niederdeutsche Wort drift (Wurzel drib) heißt: 1. Viehweide, weil man dahin das Vieh treibt. 2. Eine Herde, die getrieben wird. 3. Betreiben, Trieb, Eifer, Ungestüm. 4. Das Antreiben von Schiffen und Gütern an den Strand. Eine Oldenburgische Urkunde vom Jahre 1565 sagt, dat alle angeschlagene roerlose schepe, wrack, drift und guider der hogen overicheit vorfallen sin. 5. Das Antreiben eines Schiffes an ein anderes. Ein altes Bremer Statut bestimmt: So welk man den anderen anzeghelt up ene drifft ... de anzeghelinge effte de drift scal men tughen (verklaren, s. d.). Dazu das Adjectiv driftich, auf dem Wasser treibend, von Schiffen und Gütern; Bremische Urkunde von 1564: Jacob R. sy mit synem bochsprete inn ohre houwet tow gedreuen, dar her also se beide thosamende drifftich gewurden unde inn grundt gedreuen weren. — Abtrift, Abtreiben (nicht zu verwechseln mit Abfallen) ist zwar nicht so schlimm, wie denn überhaupt das Wort drift seiner schlimmsten Bedeutung nach und nach verlustig gegangen ist und jetzt eigentlich nur noch den Sinn von Bewegung hat, indessen ist doch etwas Unangenehmes, weil nicht genau Berechenbares dabei. Abtrift entsteht nämlich wenn ein Schiff beim Winde segelt; dann kann die Richtung der Fortbewegung nicht ganz gleich der Richtung des Kieles sein, es wird stets etwas nach Lee (s. d.), nämlich nach der Seite hin abgetrieben, nach der der Wind weht. Daher bei Notierung des gesteuerten Kurses stets ein gewisser Bruchteil eines Kompaßstriches nach mutmaßlicher Schätzung als Abtrift in Rechnung gebracht werden muß. — Die Abtrift wird auch der Leeweg genannt. (s. Lee).

abwracken, s. Wrack.

Ache, die. Hochdeutsches, wohl nur mundartlich gebrauchtes Wort; die Ache, oft auch der Achen, niederdeutsch ak und aak, französisch aque, acque. — Früher hießen am Rhein hochbordige Boote mit flachem Boden so, in denen der Rheinwein nach Holland gebracht wurde. Jetzt kann man am Rhein jedes beliebige Ruderboot „Ache‟ nennen hören. In Ostfriesland heißt but-ak ein kleines Boot zum Buttfang. In Holland aak eine Art von Lastschiffen mit plattem Boden, eine „Kölnische‟ aak. Es ist unser allbekanntes Nachen mit abgefallenem N. Dieses selbst ist freilich in seiner Abstammung noch zweifelhaft. Kluge läßt die Verwandtschaft mit dem lateinischen Worte navis, bezw. den Übergang des indogermanischen nav — in das germanische naq — dahin gestellt. Doornkaat steht nicht an, nicht nur ein abgefallenes n anzunehmen, sondern meint, es sei auch vor dem n noch ein s abgefallen, wie lateinisch nix aus snix entstanden sei. Dann böte die Abstammung aus der Wurzel snu, bewegen, laufen, eilen, fließen, schwimmen und treiben sehr wenig Schwierigkeit, und es wären zugleich auch die beiden Bootsbezeichnungen Schnicke und Schnacke und der Schiffsname Schmacke erklärt, (ostfriesisch smak, holländisch smakk, englisch, schwedisch smack) wovon französisch semaque, italienisch semaca, spanisch, portugiesisch zumaca kommen, „ein Seeschiff oder Frachtfahrzeug mit flachem Boden, was vorne und hinten sehr voll und rund gebaut ist und neben dem Hauptmast (aus einem Stück) hinten auf dem Heck noch einen kleinen Besahn-Mast hat‟. Dann wäre das Wort auch mit dem ostfriesischen snake, snak, Schlange, englisch snake verwandt, entweder wegen der Gestalt oder der Bewegung.

Achtknoten, Knoten in Gestalt einer 8; wie dergleichen Knoten geknüpft werden, ist einem, der nicht in die Geheimnisse des „Splissens und Knotens‟ eingeweiht ist, schwer verständlich zu machen.

achter, achtern steht allgemein im Niederdeutschen an Stelle des Hochdeutschen after, hinter, hinten. Im Altniederdeutschen, z. B. noch im Heliand, hieß es auch after, aber im 9. und 10. Jahrhundert brach sich die Lautverschiebung von f in ch Bahn; vergl. Luft mit lucht, Kraft und Kracht, Graft mit gracht. — Als Präposition, als Adjektiv, als Adverbium, stets bezieht sich achter oder achtern auf das Hinterteil des Schiffes, allein oder in Zusammensetzungen. Hier einige der wichtigsten. Achterebbe, die letzte Zeit der Ebbe, und achtervlot, die letzte Zeit der Flut, kommen an der Nordseeküste nachweislich schon um das Jahr 1400 vor. Achtersteven (s. Steven) ist schon 1548 bei Kilianus Duffläus zu finden, der puppis bald mit achtereynde, bald mit achterkasteel, bald mit achtersteven wiedergibt. Wenn ein Schiff sich rückwärts bewegt weil die Segel „back‟ (s. d.) stehen, so wird nicht ohne Galgenhumor gesagt: „wir segeln über den Achtersteven‟; wofür man auch sagen kann, „over stür‟, oder noch kürzer aber weniger fein „achterärs‟, welcher Bezeichnung die alte französische Redewendung culer ziemlich genau entspricht, um 1700 bei Aubin vorkommend. In Westfalen (Woeste) kommt ächteraers für rückwärts im Allgemeinen vor, vergl. die Redensart: „dat get ächteraers as de hane krasset,‟ wie denn daselbst auch von einem, der zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt, gesagt wird: „vör bitt hä, ächter schitt hä‟, von einem Bauer hergenommen, der Birnenessen und seinen Behuf verrichten zu vereinigen wußte. — Die hintere Last (s. d.) im Schiffe heißt Achterlast; ist es hinten zu schwer beladen, so ist es achterlastig (welches Wort man in der Gegend von Groningen zur Bezeichnung eines gewissen Dranges anwendet). Bekanntes Kommando: „Alle Mann achteraus!‟ wenn die Mannschaft eines Kriegsschiffes sich auf dem Achterdeck, das sie nur dienstlich betreten darf, versammeln soll. — Auf größeren Schiffen hat der Kommandant außer einer mehr offiziellen Vor- noch eine mehr private Achterkajüte. — Edda: aptr, rückwärts, hinten, wieder, zum zweiten Male. Beówulf: äfter, darauf, nachher, zurück, in Folge; im Angelsächsischen blieb das f unverschoben und ist so ins Englische übergegangen.

Admiral, der. „Von gewalt, Amt und Befelch eines General Obersten, den man auff dem Wasser oder Meer Admiral pflegt zu nennen,‟ schreibt 1565 Leonhart Frohnsperger, „Bürger zu Ulm‟, in seinem Buch „Von Kayserlichen Kriegßrechten etc. etc.: „Erstlich, wo ein Herr selbs nit bey dem fürgenommen Krieg sein kann, wil oder wer, der mag oder soll an statt sein, ein fürtrefflichen, erfahrnen, geübten, dergleichen der dazu von hohem stammen, oder sonst ehrlichs geschlechts geboren, zu einem Obersten über alle Schiff und Hauffen, zu Roß und Fuß, Geschütz, Munition und was dern notturft mehr erheißt, haben, ordnen und dem Kriegsvolck fürsetzen etc. etc.‟ Noch bis in das 17. Jahrhundert hinein bedeutet das Wort Admiral ganz allgemein einen Befehlshaber zur See; titelhaft ist es erst vor etwa 250 Jahren geworden. Wir unterscheiden: Admiral mit dem Range eines Generals der Infanterie, Vize-Admiral mit dem eines Generallieutnants, Kontre-Admiral mit dem eines Generalmajors; zusammenfassend werden alle drei als Flaggoffiziere bezeichnet, weil sie das Recht haben, als Zeichen ihrer Kommandogewalt eine Admiralsflagge zu hissen. — Das Wort hat eine lange Geschichte. Seine Abstammung aus dem Arabischen ist unbestritten. Nur fragt es sich, ob es bloß aus amir oder aus amir-al-bahr entstanden ist. Letzteres heißt Befehlshaber zur See, ersteres bloß Befehlshaber. Insofern wäre die Abstammung von amir-al-bahr entschieden vorzuziehen, wenn nur nicht die älteste Form des Wortes im Spanischen, das es uns übermittelt hat, almiraje de la mar hieße, hernach almirante de la mar. Wenn almiraje und almirante aus amir-al-bahr entstanden wären, dann hießen sie ja schon allein für sich, ohne das de la mar, Befehlshaber zur See, da man sich aber veranlaßt sah, um einen Befehlshaber zur See zu bezeichnen das de la mar hinzuzufügen, so folgt daraus, daß almiraje oder almirante für sich allein noch nicht Befehlshaber zur See bedeutete, also nicht aus amir-al-bahr, sondern aus dem einfachen amir entstanden war, da man doch annehmen kann, daß in alten Tagen die Spanier arabisch genug konnten, um zu wissen, daß al-bahr = de la mar war. — Zwar spricht wegen der Endung al in Admiral der erste Eindruck für die Ableitung aus amir-al-bahr, denn sie klingt arabisch genug. Es stellt sich aber bei näherem Zusehen heraus, daß das al in der Endung mit der arabischen Genitivpartikel al gar nichts zu tun hat, denn in der ersten Zeit der Übernahme aus dem Arabischen fehlt das al am Schlusse ganz, es ist also nicht mit übernommen worden. Die Endung des Wortes hieß vielmehr zunächst echt spanisch aje (almiraje) und verwandelte sich hernach, offenbar in Anlehnung an die geläufigen Endungen von commandante und imperante, ebenfalls in ante (almirante). Daß ein l zwischen a und m gelangt ist, so daß zuerst der Anfang des Wortes so lautete wie jetzt der Schluß, al, hat vielleicht in einer unbewußten Huldigung an die arabische Herkunft seinen Grund, das l hat sich aber kein allgemeines Bürgerrecht zu erwerben gewußt, nicht einmal im Spanischen selbst, wo neben almirante sich immer wieder auch amirante findet. — In diesen beiden Formen ging das Wort auf die Wanderschaft. In der Provence machte man amirat, dann amirant, daraus; im Altfranzösischen amirant. In Italien nahm es zuerst die Form almiraglio an, assimiliert in ammiraglio, ausgesprochen ammiralio. Nun ward es ins Mittellateinische übersetzt: amiratus. Von hier aus erklärt sich die Entstehung der Anfangssilbe ad. Man brachte amiratus mit admiror in Verbindung, etwa mit dem Gedankengang, daß ein Admiral ein — nicht etwa wunderlicher, sondern bewundernswerter Mann sei, wie denn wirklich im Jahre 1508 Admiral mit „ein wunderer des Meeres Oceani‟, 1534 mit „verwunderer des Meeres‟ übersetzt ward. Aus admiratus, wie das Wort nun hieß, bildete man in Erinnerung an ammiraglio die weitere Form admiralius, welche sich bequem an bekannte Wörter wie general und official anpaßte; daraus ist endlich durch Wegfallen der Endung ius unser heutiges Wort Admiral entstanden. —

Für die Abstammung aus dem bloßen amir spricht auch der Umstand, daß in der Tat das Wort Admiral in seinen verschiedenen Durch- und Übergangsformen nur im Allgemeinen zur Bezeichnung eines Befehlshabers, ohne Bezugnahme auf die See, im Gebrauch war; der Fürst der Sarazenen hieß so; der Emir von Babylon wird im 13. Jahrhundert in dem nach einer altfranzösischen Quelle bearbeiteten Gedichte „Flore und Blancheflur‟ so genannt; sogar der deutsche Kaiser zur Zeit der Troubadoure. Es wird behauptet, durch die Sicilianer und Genuesen sei das Wort zu seiner jetzigen Bedeutung gekommen, wie auch, daß es durch die Kreuzzüge aus der Levante gekommen sei. Sicher ist, daß in Spanien 1246 Ramon Bonifaz aus Burgos vom König Ferdinand dem Heiligen zuerst mit der Würde eines almirante im Sinne von Seebefehlshaber bekleidet wurde. Er war also der erste Admiral. Lange blieb daselbst die Admiralswürde bei dem Hause Enriquez; später wurde der Infant Don Felipe damit bekleidet. — In Frankreich wurde das Amt dem Florent de Varenne 1270 beigelegt. Bis dahin hieß auch der Befehlshaber einer Flotte capitaine. „La Charge d'Amiral supprimée en France l'année 1626 fut rétablie en faveur de M. le comte de Vermandois l'an 1669, aiant été suppléée pendant cet intervalle, par la charge de Grand-maître, chef et Surintendant de la navigation et commerce de France qui demeura éteinte, par la mort de M. le duc de Beaufort, arivée la même année 1669.‟ (Aubin). Im 18. Jahrhundert war die höchste Admiralswürde bei dem Hause der Herzöge von Penthièvre erblich unter dem Titel „Amiral de France,‟ „das ist Generalissimus der Flotten und Vorsteher des ganzen Seewesens‟. — In den Vereinigten Niederlanden war der Erbstatthalter Admiraal Generaal, die Würde war im Hause der Prinzen von Oranien erblich und konnte selbst auf den weiblichen Stamm fallen. — In England kommt admiral schon 1300 in Robert of Gloucester's chronicle vor. 1632 ward der Posten eines Lord high admiral mit der Kommandobefugnis über die ganze britische Marine geschaffen. Der Herzog von York, der spätere König Jakob II., bekleidete ihn eine Zeit lang. Sonst ist er selten besetzt gewesen. — Im Mittelniederdeutschen hieß das Wort amiral, ammiral, ammeral, war aber so wenig titelhaft, daß in den Tagen der Hansa ein und derselbe Mann bald ammeral bald scypper = Schiffer genannt wurde. Bei Kilianus (1548) sehen wir zwei Versuche, das Wort ameral zu erklären, neben einander her laufen. Er übersetzt es einmal mit praefectus, dominus, patronus, ohne von der See zu reden, und leitet es von dem uralten deutschen Worte ambaht, ambacht = Amt ab, indem er Ammann, Amtmann als Übergangsglied in Anspruch nimmt. Sodann aber übersetzt er es auch mit archithalassus, praefectus maris, praefectus classis, und kommt richtig darauf: arabice amir, rex, sive imperator. — Beinahe sieht es so aus als ob dem Verfasser der „Durchläuchtigsten Seehelden‟ noch etwas davon vorgeschwebt hätte, daß Admiral ursprünglich, dem Arabischen entsprechend, nur einen Befehlshaber überhaupt bedeutete, denn er berichtet, Sultan Soliman habe den Chaireddin Barbarossa zum „See-Admiral‟ ernannt. Er hatte zwar zur See keine Seide gesponnen, „der Groß-Herr hat ihn dennoch mit einem sehr guten Gesichte empfangen (wol wissend, daß alles mehr dem abwechselnden Glück, als seinem Versaumnuß, oder dem Mangel seiner Tapferkeit und Anführung zuzuschreiben) und hat ihn in Vergeltung seines guten Willens, und in Erkändtnis seiner Tapferkeit und Anführung, zum See-Admiral gemacht‟ ... Über die Aufnahme des Wortes ins Hochdeutsche sagt Kluge: „Erasmus Alberus und Dasypodius 1540 und Frisius 1541 kennen es noch nicht; Amiral findet sich 1561 bei Maaler, 1570 bei Hadr. Junius Nomencl., 1582 bei Golius Onomast., Admiral 1562 bei Crusius Gramm. Schon Henisch 1616 bevorzugt die Form Admiral.‟ — Der Merkwürdigkeit halber sei angeführt, wie weit man mit Erklärungen vorbeihauen kann. Das Groot Nederduitsch Taalkundig Woordenboek von Weiland schreibt, Admiral komme „van het oude ital. miraglio dat den spiegel van het schip beteekent; dewyl hier vorheen de plaats des bevelhebbers was, en hy zyn bevelen al miraglio gaf.‟ —

„Der Admiral‟ wird auch oft kurzweg gesagt, wenn man das Admiralsschiff, das Flaggschiff meint. „Wir folgen im Kielwasser des Admirals.‟ „Durchläuchtigste Seehelden‟: „Die Schiffe waren: Amsterdam groß 400 Last als Admiral, und hatte 237 Mann auf, 20 Metalline und eiserne Stücken Geschütz. Delft der Vice-Admiral war gleichfalls 400 Last groß, mit 242 Köpffen bemannt‟ ...

Auch ist Admiral eine nicht nur im Scherze, sondern in vollem Ernste dienstlich gebrauchte Bezeichnung für Pütze (s. d.) = Eimer. Sie stammt offenbar noch aus der Zeit wo man statt Admiral noch Ammeral sagte und statt Eimer Ammer. Wie leicht konnte ein scherzhafter Matrose darauf verfallen, einmal statt ammer ammeral zu sagen, und das bürgerte sich hernach so ein, daß niemand mehr etwas dabei fand; Eimer, Emmer, Ammer, Ambar, amphora.

Admiralität hieß bis etwa vor zehn Jahren die oberste kaiserliche Marine-Behörde, als Oberkommando und Verwaltung noch in einer Hand lagen, in der Hand des „Chefs der Admiralität.‟ Die Behörde ist aufgehoben, nur der Titel Admiralitätsrat ist geblieben. Admiralitätsanker s. Anker.

Ahoi! Der Ruf mit dem ein Schiff oder ein Boot angerufen wird, „Schiff ahoi! Boot ahoi!‟ Man muß sich hüten tiefere Bedeutungen suchen zu wollen wo keine sind. Das Wort ist eine einfache Interjektion, weiter nichts, gebildet und gewählt von dem Bedürfnis weithin gehört zu werden. Im Englischen heißt es to hail a ship. Das hat man wohl übersetzt: einem Schiffe Heil zurufen; ist aber auch nur eine Interjektion und hat mit Heil nichts zu schaffen. Niederdeutsch halen, anhalen; es ist im Grunde dasselbe Wort wie das im Hochdeutschen so häufig gebrauchte holen. Das heißt niederdeutsch auch halen. Die Bedeutung der zu Grunde liegenden Wurzel ist: einen Ton oder Laut von sich geben; tönen, rauschen, lauten, schreien, rufen, hallen, Hallo machen, durch Halloschreien jemanden herbeirufen, näher kommen machen, also herbeiholen, man könnte sagen: einen herbeihalloen. — Auch der Ruf Gut Heil! oder All Heil! hat mit Heil nichts zu tun, sondern ist eben nur ein Ruf, ein Zuruf, ein Gruß, eine Interjektion. Ebenso der alte Schlachtruf der freien Friesen: „Eala fria Fresena!‟ Auch hier hat man eala mit Heil übersetzen wollen, da es doch nur eine Interjektion ist, wie die angelsächsische Übersetzung von Luc. VII. 14: „Jüngling, ich sage dir, stehe auf!‟ mit „eala geonge aris!‟ beweist. — Wird bei Dunkelheit ein auf ein Kriegsschiff zukommendes Boot mit ahoi! angerufen und die Antwort lautet nein! nein! so ist kein Offizier im Boot; ja! ja! so ist ein Offizier oder im Offizierrang Stehender darinnen; wird der Name des Schiffes geantwortet, so ist der Kommandant im Boot; heißt es: „Flagge‟! so kommt ein Flaggoffizier (Admiral).

Ahming, die. Auch kurzweg die Ahm genannt, bedeutet dieses Wort das vorn und hinten am Schiff angemalte Maß, welches den Tiefgang desselben anzeigt; beruht nach Kluge auf mittellateinischem Worte ama, Gefäß, Weinmaß, griechisch ame, lat. ama, Feuereimer. Im Mittelhochdeutschen wurde, wie in Mond, das a zu o, daher das neuhochdeutsche Ohm. Im Mittelniederdeutschen hieß es ame und bedeutete „das bei der Obrigkeit aufbewahrte (gewöhnlich kupferne) Richtmaß, nach welchem die im Verkehr zu gebrauchenden Meßgefäße geprüft und alsdann mit einem Zeichen ihrer Richtigkeit vom Eichmeister versehen wurden‟. Auch dieses Zeichen hieß ame; die Thätigkeit des Eichmeisters amen; hochdeutsch ahmen; daher das Wort nachahmen, das einzige von der Sippe, das uns in der Umgangssprache geblieben ist und alle Tage gebraucht wird: „nach Maßgabe eines Musters sich ähnlich ausdrücken oder betragen‟. Dieses Nachahmen hieß lange Zeit einfach ahmen. — Das Wort Ahming ist in Gefahr durch „Tiefgangsmarke‟ verdrängt zu werden; es wäre schade, man könnte dann auch ebenso gut Ausschlammungs-Maschine anstatt Bagger oder Holzglättungsinstrument anstatt Hobel sagen.

„Alle Mann!‟ Das Kommando demzufolge jeder an Bord, der an Manövern mit „Alle Mann‟ oder an der „Alle Mann-Musterung‟ teilzunehmen verpflichtet ist, an Deck, beziehungsweise an der ihm angewiesenen Stelle anzutreten hat, sei es, daß das Manöver zur Übung geschehe, sei es, daß eine Bö so stark einsetzt, daß ihr die Wache nicht gewachsen ist, daß ein „Mann über Bord‟ fiel oder sonst eine Arbeit zu tun sei, die alle Hände (engl. „all hands‟!) erfordert, z. B. wenn ein Schiff auf einem Korallenriff auffährt und nun alsbald die Bemühungen beginnen, wieder loszukommen; da heißt es dann abwechselnd „Alle Mann an Steuerbord‟ und „Alle Mann Backbord‟, „Alle Mann voraus‟, „Alle Mann achteraus‟. — Im Binnenlande rednerisch und dichterisch sehr oft, aber selten seemännisch ganz richtig gebrauchte Wendung; oft hört man „Alle Mann auf Deck!‟ sagen, was an Bord nicht gesagt wird, wo es bloß „Alle Mann!‟ heißt, allenfalls noch: „Alle Mann auf!‟, dann wird aber jedesmal hinzugefügt: „Klar zum Manöver!‟

am Winde segeln heißt so viel wie „beim Winde‟ segeln. Richtig am Winde liegen oder beim Winde segeln heißt so steuern, daß bei richtiger Segelstellung, bei welcher die unteren Segel etwas weiter angebraßt werden als die oberen, der Wind so weit von vorne einkommt, daß das Vorliek des Großoberbramsegels sich eben bewegt, oder, wie der Seemann sagt, killt (s. d.), dann stehen die übrigen, niedrigeren und größeren Segel alle voll Wind, weshalb auch beim Kreuzen das Kommando gegeben wird: „Voll Segel halten‟ oder „voll und bei‟. Wird zu hoch am Winde gesteuert, so besteht die Gefahr, daß man „eine Eule fängt‟, daß das Schiff „durchdreht‟.

An Bord. In dieser Wendung zeigt sichs besonders deutlich wie pars pro toto, Bord für Schiff gebraucht wird. An Bord gehen, an Bord sein, sich an Bord befinden, Bordkommando, Bordaufenthalt, Bordleben, Bordessen, Bordkleidung u. s. w.Bei diesen und unzähligen anderen Zusammensetzungen kann man für Bord Schiff einsetzen ohne den Sinn zu ändern. Das Signal für diejenigen, die an Bord gehören, daß sie an Bord kommen sollen, weil das Schiff in See zu gehen beabsichtigt, ist eine blaue Flagge, genannt „der blaue Peter‟.

Anholen. Wenn beim Bootssegeln beim Winde gesteuert werden soll, so muß der zu Luvart sitzende Bootssteurer das Großsegelsschothörn (s. Schothörn) möglichst nahe, oder wie der Seemann sagt möglichst hart, an sich heranbringen; was geschieht, indem er die Großsegelsschot anholt. — Bei Rahesegeln müssen, wenn vor dem Winde gefahren wird, beide Schoten angeholt werden, damit das Segel möglichst steif steht und seine ganze Fläche in möglichster Ausdehnung dem Winde darbietet. Schon Kilianus (1547) hat das Wort, und zwar gebraucht er die Wendung: anhaelen het seyl; aber er übersetzt das falsch mit stringere vela, es muß heißen pandere vela.

Anbrassen s. brassen.

Anker, der. Lehnwort aus dem Lateinischen, ancora. Plinius schreibt die Erfindung des Ankers den Tyrrheniern zu. „Aber schon die Griechen hatten vervollkommnete Anker mit Armen und Zähnen daran, die in den Grund fassen konnten‟, die daher oft geradezu odontes, dentes, Zähne genannt wurden. Sehr früh, lange vor dem Jahre 1000 unserer Zeitrechnung, ist das Wort ins Deutsche übernommen worden, denn schon im „Béowulf‟ finden wir ancor und ancor-bend = Ankertau. Das ältere, einheimische Wort für die Sache hieß im Althochdeutschen senchil und senchilstein. Die Bedeutung ist ohne Weiteres jedem klar, der etwa einmal in der Magellanstraße die Pescheräh-Frauen (die da alle Arbeit tun müssen) ein Boot durch Versenkung eines an einem Tau befestigten Steines „verankern‟ sah. Nach dem Bericht der ältesten Schriftsteller gebrauchten die ersten Völker anstatt der Anker nur Körbe voller Steine und Säcke voller Sand, die sie an Taue gebunden in die See warfen. Auf solche Weise banden die Helden auf dem Argo ihr Schiff an Felsen oder warfen an Stricke gebundene Steine ins Meer, um sich damit festliegend zu machen, solcher simplen Anker bedienen sich auch noch heutzutage manche Völker, bei denen die Schiffahrt noch in ihrer Kindheit ist‟. Übrigens geschieht solches auch bei anderen Völkern, man kann es selbst bei deutschen Bootsführern oft genug sehen.

Die althochdeutsche Form war ancher. Indessen scheint das Wort im Althochdeutschen doch noch nicht allgemein bekannt gewesen zu sein, wenigstens lesen wir in einer Bemerkung zu einer um das Jahr 1000 geschriebenen Übersetzung des Boëthius de consolatione philosophiae: „anchorae daz sint suarin isen‟. Das hätte nicht gesagt zu werden brauchen, wenn man es als allgemein bekannt hätte voraussetzen können. — Merkwürdig ist die Wandlung des Geschlechtes. Im Lateinischen ist das Wort weiblich, im Hochdeutschen männlich, der Seemann aber gebraucht es gerne sächlich.

Teile eines Ankers: Der Schaft, das Kreuz, die Arme mit den Händen, Spaten, Schaufeln oder Pflügen, der Ankerstock, durch das obere dünnere Ende des Schaftes gesteckt, das Auge mit dem Schäckel d. h. der Röring. (s. d.)

Man unterscheidet nach ihrer Gestalt, ihrer Konstruktion oder ihren Konstrukteuren: Admiralitäts- oder Normalanker, Inglefieldanker, Hallanker, Martinsanker, Trotmannsanker, Smithanker, Porteranker, Rodgeranker, Schirm-, Pilz-, Schild- oder Minenanker, Dregganker. (s. d.)

Nach Art der Verwendung unterscheidet man Buganker, Heckanker, Warpanker, Rüst- oder Reserveanker, Not- oder Pflichtanker, (s. Pflicht) Bootsanker.

Siehe auch Katten, Fischen, Schweinsrücken, Baxterlagerung.

Ankerboje, die. Da das vor Anker liegende Schiff schwoit (s. schwoien), d. h. sich unter dem Einfluß des Windes oder Stromes um seinen Anker herumbewegt, also seinen Ort des Öfteren wechselt; da es aber nötig ist, stets zu wissen, wo der Anker liegt, so wird ehe derselbe zu Wasser gelassen wird eine Boje (s. d.) an ihm befestigt; die schwimmt dann über ihm auf dem Wasser, zeigt seine Lage an und heißt Ankerboje.

Ankerdobber, der.

Ankerflott, das.

Ankerkogert, der. Alle drei Wörter bezeichnen einfachere Vorrichtungen mit demselben Zwecke, der heutzutage hauptsächlich der Ankerboje zugewiesen ist, die Stelle wo der Anker liegt kenntlich zu machen. Dobber ist ein schwimmendes Stück Holz, das seinen Namen daher hat, daß es im bewegten Wasser stets in Bewegung ist, immer mit den Wellen hin und her, auf und nieder geht. Im Ostfriesischen kommt das Wort in der Form Dubber = Stößer vor, im niederländischen heißt das Zeitwort dazu dobbern, ostfriesisch dubbern, Frequentativum zu dubben, zur Wurzel dhu, sich heftig bewegen, gehörig.

Flotten kommen gewöhnlich und hauptsächlich bei Fischernetzen vor. So heißen die runden Holz- oder Korkstücke rings um das Netz herum, die es flott (s. d.) d. h. schwimmend erhalten.

Kogert dürfte mit Kogge (s. d.) zusammenhängen, sei es, daß etwa die Kriegskoggen der Hansa zuerst solche Vorrichtung führten, sei es, daß das Zeichen in Gestalt einer Kogge aus Holz oder Kork geschnitten war, sei es, daß das Wort mit Kogge zusammen auf die Muschelgestalt zurückgeht. Jedenfalls ist das Wort alt und stammt aus der Zeit der Koggen, denn in dem „ältesten Stadt-, Schiff- und Landrecht Hamburgs‟ steht die gesetzliche Verordnung: „unde licht enich anker sunder douwer efte kogert, unde schade aff queme, den schall he half beteren.‟ (307,5, herausgeg. v. Lappenberg, vergl. Schiller und Lübben, II, 513.)

Ankergrund, der. Die Stelle wo man zu Anker gehen kann. Wenn der Grund daselbst die geeignete Tiefe hat, nicht zu weich (schliekig, s. d.) zum Festhalten des Ankers ist, wenn er rein, d. h. ohne Klippen ist, so heißt er guter Ankergrund. —

Es liegt auf der Hand, daß alles, was auf das wichtige Geschäft des Ankerns Bezug hat, in der Gedankenwelt und demgemäß auch in der gewöhnlichen Umgangssprache des täglichen Lebens der Seeleute und Küstenbewohner auch am Lande eine große Rolle spielt. So ist der Anker das Sinnbild der Hoffnung geworden, auch bei Binnenländern, so spricht ein alter Seemann auch „am Wall‟, daß er irgendwo vor Anker gehe, so heißt es von einem ungeschickten Menschen, er sei wie ein Anker, der immer ins Wasser komme und doch nicht schwimmen lerne und im Friesischen (vergl. Halbertsma, Lex. Fris.) wird das Wort Ankergrund bildlich so gebraucht: „Lien him nat; daer is nin ankergroun‟, borg ihm nicht, er kanns nicht wiedergeben. — Im Mittelalter (Seebuch, 1400) sagte man: „dar is gud anckerholt‟; ein Grund, der den Anker gut „hält‟.

Ankern, zu Anker gehen. Das ganze seemännische Ankermanöver wird damit bezeichnet, von dem Kommando an: „Klar zum Ankern‟ bis zum Ausbringen der Fallreepstreppe. Im Jahre 1400 ist im Niederdeutschen ancker setten bezeugt, auch wohl kurzweg setten. Besonders auch Waghenaer, 1588, und die „Beschriving van der Kunst der Zeevaerdt‟, 1673, gebrauchen setten oder setzen für ankern.

Anlaufen s. Anlegen.

Anlegen. Ein Boot legt an. Von seegehenden Schiffen sagen Seeleute nicht, daß sie anlegen im Sinne von „irgendwo ankommen‟. Es wird im Gegenteil als unseemännisch belächelt und höchstens einer Dame verziehen, wenn sie fragt: „Legen Sie auch in Montevideo an?‟ schon weil man daselbst gar nicht „anlegen‟, sondern nur ankern kann. Wird ein Hafen vorübergehend besucht, so heißt es ihn anlaufen; „wir laufen Singapore an‟. Wenn man den Bestimmungshafen nennen will, sagt man: „Das Schiff geht nach Rio‟ ... „ist unterwegs nach Newyork‟, „ist bestimmt nach Kalkutta‟, „segelt (auch von Dampfern) nach, oder besser noch: auf Valpareiso, fährt auf Yokohama‟. Englisch: bound for ... und das kommt nicht etwa von to bind, binden, so daß das Schiff mit gebundener Segelordre führe, sondern heißt eigentlich boun. Das d ist angehängt entsprechend dem d in sound, von sonus; isländisch buinn, von bua, bearbeiten, vorbereiten, fertig machen, verwandt mit „Bauer‟.

Willing wie sought your shores, and hither bound

The port so long desired at length we found.

Dryden.

Am Bestimmungsort angekommen, geht das Schiff vor Anker, legt sich längsseit einer Pier oder Kaje (Quai) oder „macht fest‟ an einem Bollwerk, einem Dükdalben, einer Boje. Wird ja das Wort anlegen gebraucht, so geschieht es mit dem Akkusativ: „Das Schiff legt an das Bollwerk an‟, während ein Boot an dem Bollwerk, an der Treppe, an dem Fallreep anlegt.

Anliegen. „Was liegt an?‟ Diese Frage bedeutet dem Sinne nach dasselbe wie: „Welcher Kurs wird gesteuert?‟ Nur wird erstere mit größerer Genauigkeit und Bestimmtheit gestellt, etwa vom Kommandanten im Sinne der Beaufsichtigung, wenn er sich vergewissern will, ob der befohlene Kurs auch wirklich gesteuert wird, was, wenn das Schiff beim Winde segelt, nicht immer möglich ist. Das Wort erklärt sich aus der Einrichtung des Kompasses, dessen Scheibe in Striche eingeteilt ist und der an seinem festen Teile einen Strich hat, nach dem gesteuert wird. Der dem zu steuernden Kurs entsprechende Strich der beweglichen Kompaßscheibe muß „anliegen‟ d. h. an dem Strich liegen, genau dem Strich gegenüber liegen, der an der unbeweglich mit dem Schiff verbundenen Kompaßdose angebracht ist und die Richtung des Kiels angibt. — Französisch: „ou as-tu le cap?‟; wohin ist der Bug, der Schnabel, oder wie der Seemann lieber sagt, die Nase gerichtet?

Anluven s. luv.

Anmustern s. mustern.

Anracken s. Rack.

Anschlagen. Mit der Glocke oder der Trommel ein Zeichen zum Beginn eines allgemeinen Schiffsdienstes geben, anschlagen zur Musterung, zu „Klar Schiff‟, zum Gottesdienst.

Ansegeln. 1. Das Ansegeln, die Eröffnung der Segeljahreszeit beim K. „Yachtklub‟ zu Kiel.

2. einen Hafen, einen Leuchtturm, ein anderes Schiff ansegeln, ihm segelnd nahen. Früher sagte man „antun‟, sich dem Lande nähern, in Sicht von Land kommen, soviel wie:

Ansteuern. Ist das Fahrwasser unbekannt, ist anzunehmen daß die Karten ungenau sind oder hat man sonst Grund besonders vorsichtig zu sein im Ansegeln einer Küste oder Hafeneinfahrt, so schickt man ein Boot dem Schiffe voraus, das Fahrwasser auszuloten; dieses Verfahren nennt man, weil dabei die Wassertiefe festgestellt wird: Antiefen.

Arbeiten. Der Seemann personificirt sein Schiff gerne. Darüber hat sich der Dichter und Reichsministerialrat Wilhelm Jordan in einem Etatsvorschlag für die ehemalige deutsche Flotte so ausgesprochen: „Das Schlimmste aber ist, daß auf dem Dampfer wie schon oben angedeutet, kein vollendeter Seemann ausgebildet werden kann. Denn seine Segel sind nur Nebenkraft und selbst bei voller Bemastung und Takelung läßt sich die feinere Segelführung, die das Schiff zugleich durch die Leinwand steuert, daß es, wie das Pferd der bloßen Führung am Halse, dem leisesten Winke gehorcht, auf dem langgestreckten und rudergelenkten Dampfschiff niemals gründlich erlernen. Darum ist es auch dem Seemann ein toter, äußerlich bewegter Körper, dem nicht er, sondern der stets mit scheelen Augen angesehene Maschinist und der mißachtete Heizer gebieten, während ihm sein Segelschiff zum lebendigen Wesen wird, mit dem er bald durch eine geistige Zuneigung verwächst. Und dies in jeder Schilderung des Seelebens als sein innerster Kern, als sein höchster Reiz hervortretende eigene Verhältnis, das es dem Matrosen notwendig macht, sein Fahrzeug als Femininum zu denken und benennen, ist keineswegs bloß ein schöner Flitter des Seeberufs: es ist von der höchsten praktischen Bedeutung, es bildet ein Hauptfundament der Seemannsehre, und wo es fehlt, da ist der Gehorsam und die Pflichttreue bis zur Wagnis des Lebens für die Erhaltung des Schiffes bloß ein abstraktes Gebot. So seltsam sich eine solche Hinweisung auf ein so feines und phantastisches psychologisches Moment in Gesellschaft der trockenen Zahlen einer Budgetvorlage ausnehmen muß, kann ich doch nicht umhin, es als einen Hauptgrund mit geltend zu machen für die Notwendigkeit, baldmöglichst auch einige Segelschiffe auf den Stapel zu stellen‟.

Eine Personification ist es auch, wenn gesagt wird: „das Schiff arbeitet‟, d. h. es bewegt sich schwer in stürmischer See. Es liegt dann auch nahe, die dabei unvermeidlichen Reibungs- und andere Geräusche als Seufzen, Ächzen und Stöhnen zu bezeichnen.

Daß Arbeit, wie Doornkaat gemeint hat, aus der Vorsilbe ar und dem althochdeutschen Zeitwort peitjan, gebieten, kommen soll, will nicht einleuchten, schon weil in deutschen Mundarten Arbeit vielfach Arwed heißt, mit dem Ton auf dem ganz langen A und sehr kurzem e, (angelsächsisch earfod, earfede) und das bedeutete doch eine gar zu starke Tonverschiebung. Man hat auch an die in aro, ich pflüge, liegende Wurzel, also an die erste aller Arbeiten, die Feldarbeit, gedacht („im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen‟), allein ein anderer Gedanke liegt näher: In uralten Tagen überließ der freie Deutsche alle Arbeit dem Unfreien. Daher liegt in dem Worte Arbeit, das mit altslovenisch rabu = Knecht, mit böhmisch rabota = Arbeit, Knechtsarbeit und mit dem vorgermanischen orbho = Knecht, zusammenhängt, leider nicht der Begriff freier, fröhlicher Mannesarbeit, sondern der der seufzenden Knechtesarbeit, der Mühe, der Beschwerde, der Not, und der ist auch in der Redewendung „das Schiff arbeitet‟ vorhanden.

Armada, die. Das spanische Wort für Kriegsflotte kommt meines Wissens im Deutschen zum ersten Male vor in dem 1565 zu „Frankfurt am Mayn‟ erschienenen Buche von Leonhart Frohnsperger: „Von Kayßerlichen Kriegßrechten Malefitz und Schuldhändeln, Ordnung und Regiment‟ x. x., aus welchem ein Abdruck der die Kriegsführung zur See betreffenden Abschnitte in der Marine-Rundschau, 1898, 2. Heft mit seemännischen Anmerkungen erschienen ist.

Arsenal, das, aus dem Arabischen dar-azzana, Werkhaus, unter Carl V. und durch den damaligen lebhaften Verkehr der Deutschen mit Italien und Spanien zu uns gekommen, wie Armada (s. d.) und viele andere Mittelmeerwörter. Werkhaus erinnert an die eigentliche Bedeutung von Werft (s. d.). Nach Roeding (1794) begriff man zu seiner Zeit unter dem Namen Arsenal nicht allein die Gebäude, in welchen alle zur Ausrüstung einer Flotte erforderlichen Sachen aufbewahrt werden, sondern auch die Werftstellen, wo solche verfertigt werden, als Reepschlägereien, Segelmachereien, Stückgießereien, Ankerschmieden, Bäckereien, Schiffszimmerwerfte u. s. w.Er schreibt: „Die ältesten Arsenäle, wovon wir Nachricht haben, sind diejenigen, welche der König Salomo anlegen ließ. Eins derselben befand sich zu Joppe für seine Schiffe auf der mittelländischen See, und das andere zu Eziongeber, welches für seine Schiffe auf dem Roten Meer bestimmt war. Die Griechen und Römer hatten ebenfalls Arsenäle, wovon der letztern ihre sich zu Ravenna, Misena und Frejus, am Pontus Euxinus, am Rhein und an der Donau befanden. (Thucid. lib VII. Sueton in August. c 49, Tac. Annal. lib IV). Das berühmteste von allen See-Arsenälen ist jetzt das Venezianische, wo sogar Linienschiffe unter Dach liegen‟.

Auf und nieder, ein der Seemannssprache — auch im Holländischen (op en neer), Dänischen (op og ned) und Schwedischen (up och ned) eigentümlicher, aber die Sache sehr deutlich und anschaulich treffender Ausdruck für die Richtung in der sich ein Gegenstand befindet, die wir senkrecht oder lotrecht nennen, die Rahe ist „auf und nieder‟ (zum Aufhissen), der Anker ist „auf und nieder‟, d. h. er hängt frei am Krahnbalken, bereit entweder fallen gelassen oder gekattet zu werden. (s. Katten).

„Auf Riemen!‟ Kommando beim Bootsrudern, veranlaßt die Bootsruderer, ihre Riemen mit dem Blatt so hoch aus dem Wasser zu nehmen, daß sie in der Richtung der Duchten (s. d.) frei in die Luft hinausragen, und sie in dieser Lage, genau ausgerichtet, so lange zu halten, bis das Kommando „Ruder an!‟ kommt. Es geschieht teils zur Minderung der Fahrt, teils als Ehrenbezeugung für Offiziere, während für Kommandanten und Flagg-Offiziere „Riemen hoch!‟ kommandiert wird, worauf die Riemen senkrecht „auf und nieder‟ gehalten werden.

Aufbänken. Wenn aus irgend einem Grunde eine Zeit lang kein Dampf gebraucht wird, die Maschine aber doch bereit sein soll, baldigst wieder in Gebrauch zu treten, so werden die Feuer unter den Kesseln aufgebänkt, d. h. klein gemacht, dadurch daß man sie nicht über den ganzen Rost ausgebreitet brennen läßt, sondern in Gestalt einer schmalen Bank aufhäuft, doch so, daß sie in kurzer Zeit wieder ausgebreitet und zum vollen Brennen gebracht werden können.

Aufbrassen, s. brassen.

Aufduven, s. lenzen.

Aufentern, s. entern.

Auffangen, greifen, fassen, festmachen (skr. pàça, Strick, weil dieser „faßt!‟). Die seemännische Bedeutung ist: etwas festbinden, was lose ist, aber nicht lose sein soll und sich nicht bewegen darf. Offenbar ist das Wort in Gebrauch gekommen im Gedanken an ein sich bewegendes, im Winde oder von der Bewegung des Schiffes hin und her schlagendes Tau, das man zu fangen, zu erhaschen suchen muß; das ist die erste Bedeutung von auffangen. Aber zur Tätigkeit des Fassens gehört die des Haltens, daß das Tau nicht wieder schlagen kann; das wird verhindert durch Festbinden, welches die zweite Bedeutung von auffangen ist. Die hat sich dann dahin erweitert, daß man auch nichtschlagendes Tauwerk auffängt; wenn z. B. Deck gewaschen werden und das an Deck aufgeschossene Tauwerk nicht im Wege sein und nicht naß werden soll, wird es aufgefangen, d. h. zusammengebunden und hoch gehängt. Von hier aus ist der Begriff noch weiter und zwar so ausgedehnt worden, daß auffangen ganz allgemein für aufhangen gebraucht wird, so daß man, wenn die niederdeutsche Form opvangen dem nicht entgegen wäre, auf den Schluß kommen könnte, es müßte auffangen dasselbe wie aufhangen sein.

Auffrischen ist dasselbe Wort das auch das Neuhochdeutsche gebraucht, wenn es sagt: „Der Maler frischt das Bild auf,‟ nur daß es hier transitiv gebraucht wird, während es im Seemännischen intransitiv ist: „Der Wind frischt auf‟. Frisch ist etwas, das eben erst entstanden ist, frisches Obst, frisches Gemüse. „Es frischt auf‟ heißt also: es kommt ein neuer und zwar stärkerer Wind auf, es fängt stärker an zu wehen.

Aufgeien. Vermittelst der Geitaue, Bukgordinge und Nockgordinge die Segel unter die Rahen holen, damit sie festgemacht werden können. Das Wort kommt nur in der Seemannssprache vor, niederländisch opgyen, schwedisch giga up, dänisch gige, gie op; die Etymologie ist unter geien gegeben.

Aufhissen, s. hissen.

Aufholen. Der Unterschied zwischen aufholen und aufhissen wird schwerlich ganz genau festgehalten werden können. Sie bedeuten beide dasselbe, nur der seemännische Sprachgebrauch entscheidet, wo das eine, wo das andere Wort anzuwenden ist. Im Allgemeinen muß jedoch gesagt werden, daß aufholen sich — von den Fällen, in denen es sich um einen Aufholer handelt, abgesehen — auf die allereinfachste Tätigkeit mittels eines allereinfachsten Werkzeuges, nämlich eines schlichten Taues bezieht. Wenn z. B. einem Manne im Mars ein Teertopf hinaufgegeben werden soll, so läßt er ein Tau herab, der Topf wird daran befestigt und dann holt er ihn Hand über Hand hinauf; hier könnte man nicht von aufhissen sprechen. Doch darf man darum nicht denken, daß einer immer oben ist, wenn er „aufholt‟; wenn z. B. irgendwo ein Aufholer geschoren ist, der durch einen oben befestigten Block an Deck läuft oder eine Talje darstellt, so kann von unten aus aufgeholt werden, und dafür kann man ebenso gut auch aufhissen sagen, wie beim Aufholer eines Stagsegels, Rackaufholer, Brokaufholer, Dempgordingsaufholer. Beim Stückpfortenaufholer wird man indessen seiner ganzen Beschaffenheit nach nur von aufholen, nicht von hissen sprechen.

Aufklaren. 1. Gleich „sich aufklären‟, hell werden, besser Wetter werden. „Es klart auf‟, es wird schön. 2., „Klar Deck‟ machen d. h. nach einem Manöver wieder alles aufräumen, wegbringen was im Wege ist, und alles so in Stand setzen, daß es zu einem neuen Manöver gebrauchsfähig ist. Das Kommando heißt „Deck aufklaren‟. 3., Überhaupt: Ordnung machen, aufräumen. Siehe klar.

Aufkommen, eigentlich in die Höhe kommen, zu Macht, Ansehen, Einfluß, Stellung und Geltung kommen; neu auf der Bildfläche erscheinen und näher kommen; seemännisch: „Das eine Schiff kommt dem anderen auf‟, es fährt schneller, holt es ein; dann: nach gelegtem Ruder wieder auf die alte Ruderlage kommen, überhaupt sagt man, wenn ein Schiff dem Ruder gut gehorcht: „es kommt vor seinem Ruder auf‟.

aufmachen, in der Verbindung „Dampf aufmachen‟, heißt Dampf erzeugen und bereit halten, damit auf gegebenes Kommando die Maschine angehen könne. Dampf „aufmachen‟ kommt nicht etwa daher, daß ein Absperrventil aufgemacht, geöffnet würde, ist auch nicht in dem Sinne gebraucht in dem der verlorene Sohn sagte: „ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen‟; auch nicht wie man sagt „eine Ware hübsch aufmachen‟, zurichten, zurechtmachen, sondern „Dampf aufmachen‟ ist falsch geschrieben, es muß heißen „‚Dampf auf!‛ machen‟, so wie man sagt „‚Alle Mann!‛ machen‟ oder: „wir machen ‚Anker auf!‛‟ Das Kommando heißt: „Dampf auf‟. Wenn das ausgeführt ist, dann hat das Schiff „Dampf auf‟. Man kann aber eben so gut sagen „das Schiff liegt ‚unter Dampf‛‟. Die Präposition „auf‟ ist also nicht so genau zu nehmen; man könnte sonst an das Aufsteigen des Dampfes beim Sieden des Wassers denken.

Aufkreuzen, s. kreuzen.

Aufkrimpen, s. krimpen.

Aufscheeren, vergl. scheeren. Wenn ein seemännisches Manöver zu Ende ist und „klar Deck‟ gemacht wird, so wird das laufende Tauwerk „aufgeschoren‟, d. h. zu neuem Manöver in Ordnung gebracht (s. aufschießen). Aufscheeren ist also der Teil des Deckaufklarens, der sich auf das Tauwerk bezieht. Das letzte Kommando z. B. beim Wenden war früher nicht „Klar Deck‟, sondern „Scheert auf die Taue‟. — Aufscheeren bedeutet auch so viel wie aufkommen, ein anderes Schiff einholen, ihm längsseit kommen.

Aufschiessen, im Hochdeutschen im Sinne der Seemannschaft nicht gebräuchlich, kommt vom althochdeutschen sciozan, fortschnellend bewegen. Eine solche Bewegung machen die Matrosen, wenn sie bei „Klar Deck‟ das laufende Gut aufklaren, aufscheeren oder aufschießen. Man unterscheidet: mit der Sonne, gegen die Sonne, segelklar, in Scheiben, in Buchten aufschießen.

Aufpentern. Das was jetzt Krahnbalken heißt (und auf Kriegsschiffen auch bereits „im Verschwinden gepeilt‟ wird) hieß früher Penterbalken: der vorn am Schiffe außenbords quer abstehende Balken an dem der Anker frei auf und nieder hängen kann. Das Substantivum Penterbalken ist veraltet, aber das Zeitwort aufpentern ist geblieben: den am Penterbalken oder vielmehr Krahnbalken hängenden, aufgekatteten (s. katten) Anker mit dem Penterhaken fassen und mit der Pentertalje an das Schiff heranholen und festmachen. Mittelniederdeutsch pin, niederländisch penn, ostfriesisch penne, niederdeutsch penn heißt Pinne (s. d.), Pflock, Zapfen zum Festhalten, zum Festmachen. Davon dürfte das Zeitwort, das ja festmachen bedeutet, weitergebildet sein. Das t ist das ostfriesische Einschiebe-t vor n in Diminutivformen; so wie aus Anna Antje, so wird aus penn pentje gemacht und davon pentjern, pentern gebildet sein.

Aufschricken, s. schricken.

Aufstoppen, s. stoppen.

Auftakeln. Mit der Takelage (s. d.) versehen, ein Schiff seemännisch zurüsten. Auch in übertragenem Sinne: aufputzen, nicht nur im Munde der Seeleute, Immermann im „Münchhausen‟ spricht von einem „ganz blümerant aufgetakelten‟ Fräulein. Man erzählt sich einen Scherz, der von keiner geringeren Stelle als von der allerhöchsten stammen soll. „Warum ist im Englischen Schiff stets weiblich und auch im Deutschen ein männlicher Schiffsname weiblich gebraucht („die Moltke‟)?‟ „Weil es so viel kostet es aufzutakeln‟.

Auftun. „Die Küste tut sich auf‟ heißt sie kommt in Sicht, bildlich gesprochen wegen des allmählichen Höherkommens, Heraufkommens des angesteuerten Landes; wohl auch im Gedanken daran, daß sich irgendwo eine vorerst dem Auge noch nicht sichtbare Einfahrt öffnen, auftun wird.

Auftoppen, s. toppen.

Auftuchen, ein Tuch, Kleid (s. d.), Segel, einen Teppich, eine Flagge zusammenlegen, zusammenrollen. Wenn eine Flagge kunstgerecht „aufgetucht‟ ist, so kann sie aufgetucht vorgehißt werden, um erst auf ein gegebenes Kommando alsbald ausgerissen zu werden und sofort auszuwehen.

Aufziehen. „Segel aufziehen‟ ist in der heutigen Seemannssprache nicht mehr geläufig, man sagt dafür Segel setzen, aufholen, hissen etc. etc., es scheint aber früher eine sehr gangbare Redewendung gewesen zu sein, da dieselbe in übertragenem Sinne im Neuhochdeutschen weit verbreitet ist: „Alle Segel aufziehen‟ um etwas zu erreichen, alle Minen springen lassen, etwas mit allem Eifer und allen Mitteln betreiben; neuerdings: etwas mit „Volldampf‟ betreiben.

Auge, das. Jede in ein Tau gemachte künstliche Schlinge, auch eine runde Öffnung in einem Handwerkszeug, im Ankerschaft, in einem Bolzen, daher Augbolzen; eines Stags Auge ist der Teil des Stags der um den Top des Mastes liegt. Immer ist die Erklärung aus der bildlichen Redeweise gegeben. Auch sonst gebräuchlich, wo irgend etwas nur von Ferne einem Auge ähnlich sieht: Fettauge, Pfauenauge, Punkt auf dem Würfel, Loch im Hammer für den Stiel. Ochsenauge hat eine doppelte Bedeutung; seemännisch bezeichnet es eine kleine, runde Fensteröffnung; gastronomisch das was man gewöhnlich Spiegeleier nennt. — Augplatte und Augsplissung erklären sich hiernach von selbst.

„Aus dem Ruder laufen‟ ist eine in engem Fahrwasser, in Kanälen und Flußläufen sehr gefährliche, in ihren Ursachen noch kaum ganz aufgeklärte Erscheinung. Sie zeigt sich (nach Dick und Kretschmer, Handbuch der Seemannschaft) sowohl bei Schraubendampfern als auch bei Raddampfern und Schleppzügen und charakterisiert sich dadurch, daß ein seitlich der tiefen Fahrrinne fahrendes Schiff plötzlich scharf nach der tieferen Seite des Fahrwassers hinüberscheert und in dieser Bewegung auch durch Ruderlegen hartgegenan nicht oder wenigstens nicht sofort aufgehalten werden kann. Fällt in diesem Fall nicht sofort ein Anker oder kann man der Drehbewegung nicht sofort durch verschiedenen Schraubengang wirksam entgegentreten, so läuft das Schiff in der Regel auf dem gegenüber liegenden Ufer auf. Auch können unter solchen Umständen leicht Kollisionen stattfinden.

ausfahren. 1. = ausreisen, das Schiff ist auf der Ausfahrt, gleich Ausreise, ein Gegensatz zu Heimreise.

2. transitiv: eine Leine, eine Trosse ausfahren, deren eines Ende an Bord des Schiffes bleibt. Das andere Ende wird in einem Boot an irgend eine Stelle gefahren um es da an einer Boje, einem Poller, einem Spill festzumachen. Wird dasselbe dann weiter an einem andern Poller festgemacht, so heißt diese Tätigkeit verholen. Über das Verholen eines Schiffes s. verholen.

Ausfracht, s. Fracht.

Ausguck, der, nicht bloß seemännisch sondern auch sonst im Reich gebraucht für den Ort, von wo aus einer Ausschau hält, für die Tätigkeit des Ausguckens und für den Mann der ausguckt, (letzteres ähnlich wie der Posten, die Schildwache, das Frauenzimmer, der Hof gebraucht). Doch ist das Ausgucken nicht auf den Ausguck beschränkt, „sie hat sich schier die Augen ausgeguckt nach ihrem Liebsten.‟ Die „Gucke‟ heißt in Süddeutschland das Tuch, das die Mädchen und Frauen bei Feldarbeit so weit über den Kopf gezogen haben, daß sie nur eben noch herausgucken können. Der Ort hieß in alten Zeiten Wart oder Luginsland, welch letzteres Wort heute noch als Ortsbezeichnung vorkommt (Worms). Niederdeutsch Kieken, s. Kieker. Im Allemannischen heißt gucken lugen und in der österreichischen Marine dementsprechend der Ausguck Auslugg, (s. Dabovich, nautisch. techn. Wörterbuch).

Ausholer, der, ist ein laufendes Tau das etwas ausholt, oder vielmehr mit dem etwas ausgeholt wird. Ein Gaffelsegel wird mit dem Ausholer so geholt, daß es sich bis zur Nock der Gaffel oder bis zur Nock des Besansbaums ausdehnt, ausbreitet, ausspannt. Auch der Klüver hat seinen Ausholer, das Gegenteil des Klüverniederholers. Sogar der Klüverbaum kann einen Ausholer haben, durch den er nach außen geschoben wird; hier vertritt dann der Ausholer die Stelle dessen, was bei den Stängen Windreep heißt.

ausklarieren, s. verklaren und klar.

auslegen. Auf das Kommando „leg aus!‟ laufen die vorher aufgeenterten und bereit stehenden Matrosen nach Steuerbord und nach Backbord auf die Rahe hinaus und legen sich da mit dem Leibe auf die Rahe, die Füße in die Pferde (s. d.) stellend, den Rücken nach hinten, den Kopf und den Oberkörper nach vorn geneigt um, auch ohne sich mit den Händen festzuhalten, das Gleichgewicht zu behalten.

Ausleger heißt ein bewegliches Bugspriet oder ein beweglicher Besan zum Ein- und Ausholen; auf Wangerog utliger.

Auslieger. 1. ein Schiff das „draußen‟ liegt oder fährt als Küstenwachtschiff.

2. die eigenartige Vorrichtung der Südseeinsulaner bei ihren Booten, die sich gleichsam als ein zweites, kleineres Boot neben dem Hauptboot darstellt, mit ihm fest verbunden zur Verhütung des Kenterns. Durch zahlreiche aus der Südsee mitgebrachte, von dortigen Fischern verfertigte Modelle ist diese sinnreiche Einrichtung bei uns bekannt geworden.

auslothen s. lothen.

ausösen s. ösen.

ausscheiden, aufhören mit einer Arbeit, aufhören zu reden u. s. w., ein sonst im Deutschen in diesem Sinne ungewöhnliches Wort. Man sagt wohl „aus einer Gesellschaft oder einem Verein ausscheiden‟, „einen Fall aus der Verhandlung ausscheiden‟ u. s. w. „Ausscheiden mit Zeugflicken‟, „ausscheiden mit Deckwaschen‟, „ausscheiden mit Unterricht‟ u. s. w. im Sinne von aufhören ist aus dem Niederdeutschen in die Seemannssprache gekommen, und zwar nicht in dem Sinn, daß etwa ein Einzelner aus der Reihe der Zeugflickenden ausscheiden solle, sondern daß das ganze Zeugflicken ein Ende zu nehmen habe. Doch ist auch hier der Begriff trennen der ausschlaggebende: wenn die Leute sich vom Deckwaschen trennen, so bedeutet das eben das Aufhören des Deckwaschens. Vergl. scheitern.

ausscheeren s. scheeren.

aussegeln. 1. in See gehen.

2. ein Schiff aussegeln heißt schneller fahren als es, es ein- und überholen (also mehr wie ihm „aufkommen‟). Man kann auch den Wind aussegeln, das müßte aber eigentlich ausdampfen heißen, denn es wird gesagt wenn der Wind von hinten kommt und das Schiff unter Dampf so viel Fahrt macht, daß der Wind nicht zu spüren ist, weil man vor ihm herläuft.

Aussenhaupt s. Schleuse.

Aussenschot s. Schot.

auswehen s. auftuchen.

Aviso, der, engl. advice-boat, franz. barque d'avis, ital. barca d'avviso, span. und portug. yaque de aviso. Vom lat. visum gesehen, altital. viso, provençalisch, altfranz. vis, Gutachten, Nachricht, Anzeige; also ein Nachrichtenschiff.

Axiometer, der. Eine Vorrichtung aus der am Standorte des Kapitäns oder wachhabenden Offiziers, ohne daß das Ruder sichtbar ist, doch ersehen werden kann, wie dasselbe liegt, d. h. ob es richtig liegt, vom griech. axioo, ich halte für wahr, für richtig.

Azimuth, der. Der Bogen des Horizontes, welcher zwischen dem Mittagspunkt und dem Scheitelkreise des Sterns enthalten ist; arabisch as-semuta, die Wege.

B.

Baas, der. Seemännisch wird das Wort hauptsächlich in der Verbindung Heuerbaas gebraucht, den Mann zu bezeichnen, der es als Geschäft betreibt, unbeschäftigten Matrosen eine Heuer zu vermitteln. Auch Schlafbaas kommt im seemännischen Sprachgebrauch vor für Quartiergeber oder Logiswirt. Sonst wird das Wort Baas gebraucht um das zu bezeichnen, was man im Hochdeutschen einen „Kerl‟ nennt. Althochdeutsch faths, Herr, Vorgesetzter; sanscr. patir, Herr; indogermanische Wurzel pa, schützen, erhalten, wovon unser „Vater‟. Insbesondere hat das Wort jetzt den Sinn „Meister‟, Handwerksmeister. In Westfalen: akesbas = Flußschiffer, Bootsmann. Bei Kilianus heißt das Wort baes, er sagt: „Sicambri regem suum Basan sive Basanum solent appellare, anno ut scribit Tritemius, ante Christum natum 284.‟ Dieffenbach: „mittellat. vassus = Diener; daher vasallus, vasletus, valetus = valet, kymr, gwas = Knabe, Diener; Breizonnek: gwaz = Mann. Gaedhelisch: uasal = elevé, excellent. Daher basus = Hauptmann, Krieger, Ritter im Capitol. Carol.

Back, die. 1. Der vorderste, erhöhte Teil des Schiffes.

2. Ein Gefäß, rund, flach, aus hölzernen Dauben, von hölzernen oder eisernen Reifen zusammengehalten, mulden- oder kummenartig aussehend; als Eßback, Spülback, Speiback im seemännischen Gebrauch; sonst auch noch Regenback, Wasserback.

3. Adverbium. „Das Segel steht back‟, d. h. der Wind füllt es von der verkehrten Seite, von vorn anstatt von hinten.

4. Backbord, die linke Seite des Schiffes von hinten aus gesehen und gerechnet, und zwar die ganze linke Seite von hinten bis ganze vorne, nicht etwa nur wie Weigand zuerst fälschlich gemeint hat, „die linke hintere Seite des Schiffes.‟ So genau der treffliche Mann in seiner geliebten Wetterau Bescheid wußte, so fern lag ihm die See. Lebte er doch in einer Zeit, in der eine Denkschrift über eine zu gründende preussische Kriegsflotte die denkwürdigen Worte gelassen aussprechen konnte: „Da das Wasser bekanntlich nicht unser Element ist.‟ ... Es ist auch leicht zu verstehen und demgemäß zu verzeihen, daß dieser Irrtum entstanden ist. Offenbar hatte ein Kundiger ganz richtig gesagt: „Backbord ist die linke Seite von hinten gesehen‟ und daraus konnte ein Fernstehender leicht „linke hintere Seite‟ machen.

5. Backschaft, die Genossenschaft derer die zu einer Back, zu einer Eßback natürlich, gehören; besonders heißt aber auch noch Backschaft derjenige, welcher in der Back das Essen aus der Kambüse herbeischafft.

6. Backstag. Ein Stag das nicht wie die andern abwärts, sondern rückwärts, backwärts läuft. Daher: Backstagsbrise, ein Wind der fürs Segeln der allergünstigste ist. Er weht in der Richtung des Backstags, also etwa in einem Winkel von 45° die Längsachse des Schiffes treffend.

Es liegt dieser ganzen Sippe eine Wurzel zu Grunde, die bewegen bedeutet, und zwar „sich biegend, krümmend bewegen.‟ Die gemeinsame Bedeutung der genannten sechs Wörter ist also: etwas Gebogenes, Gekrümmtes, Rundliches, Rundes. Es liegt auf der Hand, daß hieraus sich ein sehr reichhaltiger Wortschatz entwickeln mußte. Nach Dieffenbach kommt daher das kymrische bach, gälisch bac = Haken. Nach Kluge kommt das Wort Bauch von einer Wurzel biegen, (allerdings wohl kaum als „biegsame Stelle‟, sondern eher als „gebogene‟, runde Stelle). Im Niederdeutschen heißt Back der (gekrümmte, gebogene) Rücken. Von der Rundung dürfte auch althochdeutsch bacho, altfranzösisch bacon, englisch bacon, Speckseite, Schinken kommen, (entsprechend Bache das (weibliche) wilde Schwein). Daß Backe noch das ganze Mittelalter hindurch auch in Deutschland Schinken bedeutete, erhellt aus der reizenden Geschichte, die Simrock, Mythologie, 6. Aufl. S. 333 von dem Backen am roten Turm zu Wien erzählt. In einer Urkunde des Königs Jaroslav Jaroslawitsch von Nowgorod (Nogarden) vom Jahre 1269 wird gesagt, daß der lodienman, der Mann der die lodie, das Leichterfahrzeug, führt, für eine Fahrt die Newa auf und ab „enen baken‟ zur Beköstigung haben solle. — Im Angelsächsischen finden wir die Form bäc = dorsum und bäcling = retrorsum. In der Edda bedeutet bakfall das Rückwärtsfallen, die Rückwärtsbewegung des Oberkörpers beim angestrengten Rudern. Im Einzelnen ist zu den genannten sechs Wörtern zu bemerken:

Zu 1. Die Bezeichnung Back für den vordersten Teil des Schiffes ist vielleicht von dem niederdeutschen bek = Schnabel beeinflußt, wegen der Nähe des Schiffsschnabels, des rostrums; doch genügt zur Erklärung ein Hinweis auf die da vorne besonders starke Biegung (s. Bug) des Schiffes. Die Wurzel bleibt überall dieselbe. Auf und unter der Back vor dem Fockmast ist die eigentliche Heimat des Kriegsschiffsmatrosen; hier fühlt er sich frei, hier darf er sich gehen lassen; „hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein‟, wenigstens in der Freizeit.

Zu 2. „Zehn Minuten vor acht Glas, Zeit zu Backen und Banken‟, soll, als seiner Zeit der neue Chef der Admiralität General von Caprivi zum ersten Male an Bord eines Kriegsschiffes war, ihm gemeldet worden sein, und er soll diese Meldung mit einem liebenswürdigen Lächeln des Unverständnisses entgegengenommen haben. „Backen und Banken‟ ist das Kommando, daß man am Kürzesten mit „Tischdecken und Auftragen‟ übersetzen könnte, wenn der Tisch für die Mannschaften an Bord überhaupt gedeckt würde. Es bedeutet, daß die (Tische und) Bänke, die bis dahin der Raumersparnis wegen zusammengeklappt an der Decke befestigt waren, heruntergenommen, aufgeklappt und aufgestellt werden sollen und daß die „Backschaft‟ mit der „Back‟ zur Kambüse gehn und das Essen holen soll. In früheren Zeiten gab es keine Tische, da mußten sich die Leute so gut sie konnten zum Essen um ihre „Back‟ gruppieren. Als die Tische aufkamen, war der Seemann so an seine Back gewöhnt, daß er diesen Namen ohne Weiteres auf den Tisch übertragen hat. So nennt man ja auch, durch einen ähnlichen Vorgang bewogen, die viereckigen Stücke Glas in unsern Fenstern Scheiben, wiewohl eine Scheibe doch eigentlich etwas Rundes bedeutet. Back heißt nun sowohl das runde Gefäß als auch der viereckige Tisch auf dem es steht. Halbertsma in seinem Lexicon Friesicum übersetzt das eine Mal ganz richtig bak mit „alveus, linter in qua coquus cibum nautis offert‟, und das andere Mal übersetzt er das Kommando: „Kom oan'e bak‟ mit: „accedite ad mensam!‟ Auch sonst wohl wird im Holländischen in Anlehnung an die Seemannssprache bak für Tisch gebraucht. „Van de bak noa't gemak is's menschen gerak.‟ (Bedarf, Bedürfnis, Notdurft sagt man im Groningen'schen.) Doch wußte man wenigstens vor zweihundert Jahren daselbst noch genau, was eigentlich eine Back ist, denn da ist es französisch mit plat wiedergegeben und Backsgesellen sind, „ceux qui mangent à même plat‟, und zwar natürlich plat de bois. Zu dem Kommando „Banken‟ ist übrigens die Verwandtschaft des Wortes in den romanischen Sprachen zu vergleichen. Bank heißt italienisch, spanisch und portugiesisch banco, bedeutet aber heute nicht mehr bloß Bank, sondern auch Tisch, Wechslertisch; daher Bank im Sinne von Geldinstitut, Bankier und Bankrott, letzteres von der dem Zahlungsunfähigen öffentlich entzwei gebrochenen Bank. Der Ursprung, ebenso wie vom französischen banc, ist deutsch. Abgeleitet ist italienisch banchetto, Bänkchen und Gasterei, banchett are Gasterei halten, bankettieren, ursprünglich „Bänke zum Gelage zurüsten‟; mittelhochdeutsch benken: „Hie ward gebenket schone, tuoch unde brot uf geleit.‟

Zu 3. Wenn der Wind von vorn in ein Segel weht, was übrigens nicht immer auf Unachtsamkeit, sondern dann stets mit Absicht herbeigeführt wird, wenn das segelnde Schiff seine Fahrt mindern und still liegen will, ohne daß es Segel birgt und ankert, so sind sie vom Winde nach rückwärts gerundet, und der Rücken heißt, wie gesagt, niederdeutsch bak.

Zu 4. Backbord ist ein sehr wichtiges und viel gebrauchtes Wort, namentlich darum weil das ganze Schiff nach seiner Längsrichtung in zwei große Hälften eingeteilt wird, die mit Steuerbord und Backbord bezeichnet werden, und weil alles an und auf dem Schiffe was sich doppelt, auf der einen und auf der anderen Seite, findet nach Steuerbord oder nach Backbord unterschieden wird: Steuerbord-Bordwand, Backbord-Bordwand; Steuerbord-Anker, Backbord-Anker; Steuerbord-Kutter, Backbord-Kutter; Steuerbord-Nock, Backbord-Nock; ja sogar Steuerbord-Wache und Backbord-Wache mit entsprechenden Abzeichen auf der rechten oder linken Schulter. Und dann das wichtige Kommando für den Mann am Ruder: „Backbord!‟ Wir müssen daher fragen, was das Wort bedeutet und wie es aufgekommen ist.

Ein holländischer Sprachforscher hat behauptet: „De stuurman heeft de roerpen aan de regterzyde en, derwaarts gekeert, heeft hy dus hes linkerboord achter den rug, vandaar stuur = en bakboord.‟ Darauf antwortet aber ein anderer treffend: „Neen, de sturman heft de roerpen, nu aan de regter- dan aan de linkerzyde, al naar dat de wind van dezen of genen kant invalt, en bakboord blyft niet te min onverandert bakboord en gevolgelyk ook stuurboord, stuurboord.‟ So weit ist das richtig. Aber im Weiteren irrt auch er. „Volgens eene vry algemeene overlevering is de vorsprong van de spreekwyse stuurboord en bakbord de volgende. De stuurlieden hadden vorheen hun verblyf in hutten, aan de regterzyde van het schip; de matroozen daarentegen in bakken (om by bepalde getale te schaften) afgedeeld aan de linkerzyde, en van daar stuur- en bakboord.‟ Ein dritter aber stellte sich die Sache so vor: „Een stuurman met de regterhand aan het roer, en ter linkerzyde den schaftbak, om onder de hand te kunnen eten.‟ Man braucht sich das Bild nur auszumalen um die Erklärung immer abenteuerlicher zu finden. Auch die Unterscheidung zwischen Steuerleuten und Matrosen ist willkürlich und die Behauptung, jene hätten in Hütten an Steuerbord, diese hätten ohne Hütten in Backschaften abgeteilt an Backbord logiert, ist völlig unhaltbar; als ob die Steuerleute nicht auch in Backschaften abgeteilt gewesen wären! Nein — , sondern wer einmal ein altes Vikingerfahrzeug sich angesehen und mit einiger Aufmerksamkeit auf dem Boden des Museums Vaterländischer Altertümer in Kiel geweilt hat, dem kann die Entstehung des Ausdruckes nicht mehr zweifelhaft sein. Der Steuermann saß in alten Tagen hinten im Boot rechts und steuerte mit einem pagaienartigen Riemen, den er in beiden Händen hielt, also daß beide Arme über das Dollbord hinausragten. Dabei mußte sich der Leib, — nicht der Kopf, denn der war mit dem Gesicht auf den Bug gerichtet, — ganz dem Bord, über den gesteuert ward, zudrehen und demgemäß war der Back, der Rücken des Steuernden, dem entgegengesetzten Bord zugewandt. Bei dieser Erklärung kommt auch die zweite Silbe in Backbord zu ihrem Rechte; der Steurer war ja fest an die Bordwand angelehnt.

Zuerst kommt das Wort in der Form bacbort, backbort im Seebuch (1400) vor. „Unde sal so insegelen, dat he twedeel van dem watere schal hebben an backbort van eme‟. — Der 1475 in Cleve erschienene „Teuthonista‟ hat nur bak im Sinne von Gefäß, capisterium, „eyn muede oder eyn trog, do die pherde *uss essent.‟ — Cornelius Kilianus Duffläus im Dictionarium teutonico-latinum von 1548 hat backbord zwar, gibt aber eine kindliche Erklärung: „navigii sinistra pars, pars navigii quae furnum et focum continet‟, also am Backbord sei der Backofen und der Herd gewesen. — Nicht unbemerkt soll bleiben, daß eine alte pommersche Übersetzung des 23. Psalms den fünften Vers (Luther: „Du schenkest mir voll ein‟) wiedergibt mit: „Du givst mi een ganz bak vul.‟

Backen und Füllen, ist ein seemännisches Manöver, das zwar in unserer Zeit des Dampfes und der Schleppdampfer nicht oft mehr gemacht wird, das aber doch dem Kapitän oder Lootsen, der es versteht, großen Nutzen bringt, indem er sich durch Backen und Füllen seiner Segel durch einen Revier oder ein sonstiges enges und gekrümmtes Fahrwasser hindurchbringen kann, vorausgesetzt, daß er die Gezeiten, die Wassertiefe, die Stromkabbelungen u. s. w. genau kennt. Es besteht darin, daß man die Segel abwechselnd „back‟ (s. d.) kommen läßt und dann wieder so braßt, daß sie voll Wind werden.

Backstag, das, ist beim Klüverbaum das, was bei den Untermasten die Wanttaue sind, dient also dazu, dem Klüverbaum nach den Seiten zu Festigkeit zu geben. Es fährt vom Kopfe des Klüverbaums nach beiden Seiten durch die Nocken der blinden Rahe nach dem Vorschiff, wo es befestigt wird. Da Klüverbaum und Rahe einen rechten Winkel bilden, so sind sie die beiden Katheten des rechtwinkligen Dreiecks und das Backstag ist die entsprechende Hypotenuse, die in einer Richtung verläuft, die auch da, wo sie mit dem Backstag garnichts zu tun hat, doch „backstags‟ genannt wird, z. B. sagt man: „es weht eine Backstagsbrise‟ d. h., der Wind kommt in derselben Richtung auf die Segel zu, wie das Backstag von der Nock der blinden Rahe auf den Kopf des Klüverbaumes; also in der vorteilhaftesten, die es zum Segeln geben kann.

Badegast, der. So werden diejenigen Mitglieder der Offiziersmesse genannt, welche weder Seeleute noch Kombattanten sind: Ärzte, Auditeure, Pfarrer, Zahlmeister etc. Wie kam man dazu, ihnen diesen Namen beizulegen? Es ist vermutet worden, weil sie ein bequemes, bademäßiges Leben führen. Es mag ja sein, daß wohl ein Offizier, der nachts auf die stürmische Wache muß, denkt und sagt: ja, diese Herren, die haben es gut, die brauchen nicht vier Stunden auf der Kommandobrücke zu stehn, die führen das reine Badeleben. Aber der Ursprung des Wortes ist doch ein ganz anderer. Das Wort hieß früher nicht Badegast, sondern Badequast, und dieses diente als Bezeichnung von Leuten, die nicht gern kämpfen wollten, und von diesen ist es übertragen auf solche, die überhaupt zu kämpfen nicht bestimmt und berufen sind.

Das Wort muß sprachlich und geschichtlich erklärt werden.

Sprachlich. Ein Badequast war im ganzen Mittelalter ein kleiner Quast oder Besen, eine Art Rute, aus Birken- oder anderen Zweigen gebunden, wie man sie zu mehrfachen Zwecken beim Baden gebrauchte. Einmal vertrat solch ein Quast in Ermangelung von Badehosen diese durch Bedeckung der Blöße. Aber der Hauptzweck war ein gesundheitlicher. Man rieb, scheuerte oder peitschte sich mit dem kleinen Besen die Haut zur Reinigung und Anregung ihrer Tätigkeit. Diese Tätigkeit nannte man quästen oder questen. Gustav Freitag erzählt eine Geschichte aus der Selbstbiographie des 1520 geborenen Stralsunder Bürgermeisters Bartholomäus Sastrow. Der hatte in seiner Jugend einmal gegen das Verbot seines Vaters gebadet. Da sprach dieser: „Habt ihr gebadet, so muß ich euch quästen;‟ dabei ergriff er die Rute, warf dem Söhnlein die Kleider über den Kopf und lohnte ihm nach Verdienst. — Althochdeutsch questa, mittelhochdeutsch queste, Büschel von Reisig, Laubbüschel, Wedel zum Fegen und Kehren, also unser heutiges „Besen‟; badequeste, badekoste, Badewedel, Badeschürze. Die das „Questen‟ besorgende Bademagd, die auch riberin, die Reiberin, hieß, war nicht immer die allertugendhafteste, so daß das Wort bald einen zweideutigen Sinn erhielt. — Questenbinder = Besenbinder. Irrtümlicherweise wird das Wort Quast heutzutage sogar für Kranz gebraucht, vergl. was Jakob Grimm nach Otmars Volkssagen von einem alten Gebrauche in dem besenbindenden Dorfe Questenberg am Harz erzählt. — Bei Reuter kommt die Bezeichnung Questen für Tannenzweige vor. Teuthonista: qwast, wyqwast, Weihwedel; er gebraucht qwesten geradezu für balneare. Kilianus: quast = quispel, borstel, Kleerborstel, Kleiderbürste. Edda: Kvistr, Zweig; nordfriesisch quest, Ast, Zweig. Dänisch Kost, Laubbüschel; schwedisch quast, Besen, Wedel. Bremisches Wörterbuch: heid-queste, abgestumpfter Besen von Heidekraut zum Scheuern. Quast heißt heutzutage in der Seemannssprache jedweder Pinsel, insonderheit spricht man von einem Theerquast, welches Wort aber auch am Lande seit unvordenklicher Zeit in Niederdeutschland in Gebrauch ist. Bei Riepe in Ostfriesland liegt ein Stück Land das Theerquast heißt, weil der frühere Besitzer seinem Ortsgeistlichen mit dem Theerquast ins Gesicht geschlagen hat und für diesen Frevel das Stück Land zur Strafe hergeben mußte.

Geschichtlich. Das Wort ist ursprünglich ein Schimpfwort gewesen; es lag der Vorwurf des Verrates und der Feigheit darin. Und zwar finden wir in zahlreichen Urkunden, daß besonders die Lübecker mit diesem Worte verhöhnt wurden. Hernach erst hat Badequast im Allgemeinen die Bedeutung eines furchtsamen Menschen empfangen. Wie das gekommen sein mag, ahnen wir, wenn wir an den doppelten Sinn des Wortes „Waschlappen‟ denken, welches ja sowohl in der eigentlichen als auch in der übertragenen Bedeutung an beide Bedeutungen von Badegast, Badequast erinnert. Die Lübecker sind aber bei einer ganz bestimmten geschichtlichen Veranlassung zu dem Schimpfnamen Badequast gekommen. Im Jahre 1427 hatten sich die Hamburger und Lübecker verabredet, daß ihre Schiffe sich zum Kampfe wider die Dänen im Belt versammeln sollten. Es war ein bestimmter Tag und eine bestimmte Stunde dazu festgesetzt worden. Damit nun die befreundeten Hamburger und Lübecker sich auch im Gewühl einer zu erwartenden Seeschlacht als Freunde erkennen könnten, verabredeten sie ein gemeinschaftliches Erkennungszeichen. Dieses war ein „achter up de compannien‟ steckender Badequast, also ein Besen, wie sie ja auch zur Bezeichnung des Fahrwassers an den Küsten ausgesteckt werden. — Aber die Hamburger erschienen eher auf dem Sammelplatz als die Lübecker. Und da die Dänen bereits zur Stelle waren, ging der Tanz alsbald los, da diese keine Veranlassung hatten, erst noch auf die Lübecker zu warten. Als es zwischen Dänen und Hamburgern bereits heiß herging, erschienen endlich auch die Lübecker. Als sie aber sahen, wie die Sache stand, dachten sie: weit davon ist gut vor dem Schuß, und machten, anstatt tapfer in den Kampf mit einzugreifen, daß sie wieder in ihre Trave kamen; „do se auerst segen, dat de sake so stunt, steken se den badequast hynder und leden dragen na der Trauen; und worden de Hamborger gefangen und ore schepe genamen.‟ Wer will es ihnen da verdenken, daß sie auf die Lübecker wütend waren, und sie nicht grade sehr liebenswürdig und schmeichelhaft an jene Badequäste erinnerten? Und obwohl bald darauf, 1431, die Lübecker durch die Einnahme von Flensburg jene Scharte glänzend wieder auswetzten, so ist doch ein solcher Beiname leichter erworben als wieder in Vergessenheit gebracht. Noch im Jahre 1511 „stupede ein schipper vom Amsterdam to Ryga den arent (Adler), dat lubsche wapent, mit roden.‟ „Ein anderer schipper kerede den lubschen arent umb, dat hovet neden, de voete baven, und bestak sin schip mit questen vom mey (Maien, Birkenreisern) gemaket den Lübschen tho hone undt tho spotte.‟

Also Badequast ist ein Schimpfwort gewesen für einen, der sich um die aktive Teilnahme an einer Seeschlacht drückte, oder überhaupt an einer Schlacht. In einem alten Spottverse heißt es:

Vord an bist ein wundderlich gast,

Du sleist hinder na mit Philippes badequast,

Nener logen deistu di schemen,

Du segst, do id scholde an ein drepend gan

Do fund man de heren hinder dem busche stan,

Dat mag di wol hebben gedromed.

In einem anderen:

Ok Bokelen fast

Du den badequast

Nu forest in dinem schilde,

Dar na bestan

Du woldest han

Den vor Marien bilde.

Von hier bis zu Leuten, deren Beruf die Führung der Waffen überhaupt nicht ist, war, wahrscheinlich im Anfang scherzhafterweise, kein weiter Weg. Und bald konnte man die Nichtkämpfer an Bord der Kriegsschiffe um so eher und harmloser und ohne sie zu beleidigen Badequäste nennen als nach und nach die Lübecker Geschichte in Vergessenheit geraten und die ursprüngliche Bedeutung des Wortes dem Sprachbewußtsein entschwunden war. Man hatte Badequäste an Bord ohne zu wissen was Badequäste waren. Da kam denn das Neuhochdeutsche und gewann, gerade auf den Kriegsschiffen, immer mehr Einfluß. Offenbar wurde nun Badequast als eine mundartliche, plattdeutsche Verschlechterung von Badegast angesehen, „sie haben ja auch ein so bequemes Leben, diese Badegäste‟, und so hat sich das Wort Badegast eingebürgert. Um den Vorgang ganz zu verstehen braucht man nur an jene „höhere Tochter‟ zu denken, der Klopstock nicht fein genug war, sie schrieb „Klopfstock‟. —

Im Andenken an die Lübecker Quastgeschichte mag hernach in Hamburg und anderen niederdeutschen Gegenden das Schimpfwort „Hans Quast‟ aufgekommen sein. In dem niederdeutschen aus dem Jahre 1618 stammenden, von J. Bolte und W. Seelmann herausgegebenen Schauspiel „Hanenreyerey‟ schimpft einer einen anderen neben den schönen Ehrennamen Hans Schubberug, Hans Hasenkihl, Hans Kladdehack, Hans Rustefihl auch Hans Quast, und die Herausgeber bemerken hierzu: „Vgl. ndl. Kwast, Pinsel, bildlich Narr.‟ Hans Quast kommt als Schimpfwort im Hannöverschen (s. Schambach) besonders aber auch in Hamburg vor, vgl. Schütze 2, 102 Hans Quast, alberner, närrischer Mensch. „Hans Quast vom Steendoor Settet sie Mütz up een Oor.‟ Nach einem mir zugegangenen Schreiben eines Seeoffiziers ist das Schimpfwort auch in der Mark Brandenburg verbreitet und hat sogar noch heute in seiner Bedeutung einen Anklang an den ursprünglichen Sinn, indem ein Knabe einen anderen, den er vergeblich zum Kampfe herausgefordert hat, „Hans Quast‟ nennt. — Daß aber Quast anstatt Gast gesagt wurde, und zwar nicht hie und da einmal, sondern oft, so daß es dem Munde des Volkes durchaus geläufig war, wird dadurch bewiesen, daß Quast in ein vielgebrauchtes Sprichwort übergegangen ist, mittelniederdeutsch: „darna man darna quast‟ d. h. wie der Mann ist, so wird er als Gast behandelt.

Bagger, der. Eine in neuerer Zeit zu immer größerer Bedeutung gelangte Vorrichtung zum Ausschöpfen von Schlick, Sand, Erde aus dem Wasser. Ursprünglich ein höchst einfaches Werkzeug, ähnlich einem Obstpflücker oder einem Klingelbeutel: an einem langen Stiel ein Ring mit einem Säckchen daran. Dieses Säckchen hieß im Niederdeutschen bag, wie noch heute im Englischen Bag einen Sack, Reisesack, Geldsack, Kornsack bedeutet. Man hat sogar heute noch in England die alte einfache Vorrichtung: „bag and spoon‟, „an arrangement used in dredging for river sand, and consisting of a bag attached by the mouth to an iron hoop which is fastened to a long pole, by means of which it is sunk to the bottom of the river and dragged along so that the bag is filled.‟ Auch in Deutschland hat man in kleinen Verhältnissen noch immer etwas Ähnliches im Gebrauch. Das Ende des 18. Jahrhunderts erschienene sogenannte „Bremer Wörterbuch‟ übersetzt Bagger mit „mudder-hamen‟ und bemerkt dazu: „Ein eiserner Ring, woran ein Netzbeutel befestigt ist, mittelst dessen man den Schlamm aus den Wasserlösen, Wetterungen und Sielgräben ziehet;‟ wobei die Frage entsteht, was ein Netzbeutel sei, ein Netz, oder ein Beutel? — Auch in Holland gebraucht man dieses einfache Werkzeug noch; Halbertsma im Lexikon friesicum übersetzt baggern mit: „reti vel sacco ex panno cannabino extremitati gracilis conti (Stange) affixo coenum trahere e fundo aquae‟, wobei sich auch wieder die unbegreifliche Unbestimmtheit reti vel sacco findet, da der Stoff doch mit ex panno cannabino deutlich genug bestimmt ist als aus Leinwand bestehend. Also kein Netz, sondern ein Sack, niederdeutsch bag; daher Bagger.

Zuweilen wird der durch den Bagger zu Tage geförderte Schlamm, Mud, Mudder oder Schlick (s. d.) auch Bagger genannt. Das mag man als Abkürzung von Baggerschlamm (Groningen: bagger-cerde, bagger-modder) oder Bagger-Erde gelten lassen, wie ja im Ostfriesischen auch der baggel-turf kurzweg baggel heißt, aber darum hätten sich deutsche Sprachforscher doch nicht zu der Behauptung versteigen dürfen, Bagger käme daher, daß man den Bagger vom Meeresgrund herausbefördere. Das ist eine völlige Umkehrung der Tatsache, denn die geförderte Masse ist nach dem fördernden Werkzeug benannt. Das hieß, wie gesagt, ursprünglich Bag. Die damit ausgeübte Tätigkeit hieß baggern. Als nun später der Ursprung von baggern aus Bag dem Bewußtsein entschwunden war, und der niederdeutsche Name Bag nicht verstanden ward von hochdeutschen Wasserbaumeistern, aber doch das Bedürfnis nach einem Namen für das inzwischen zur Maschine herangewachsene Werkzeug sich einstellte, so kehrte man nicht etwa zu dem ursprünglichen Bag zurück, sondern bildete aus dem, aus dem Substantivum Bag entstandenen Zeitwort baggern ein neues Substantivum Bagger. Diese Neubildung ist wenigstens noch einigermaßen kurz und gut ausgefallen; was hätte werden können, vermögen wir zu ahnen, wenn wir lesen, daß in einer wissenschaftlichen Zeitschrift jemand dem das Wort Bagger fern lag, den Vorschlag machen konnte, das holländische Wort modder-molen mit Ausschlammungsmaschine zu übersetzen. — Das Etymon von Bag ist Balg, Tierbalg, vergl. Balje, Bagienrahe, Bilge, Packetdampfer.

Bagienrahe, die. Die unterste Rahe am Kreuzmast, ohne Segel. Dieser letztere Umstand, daß die Rahe kein Segel hat, scheint mir, ähnlich wie bei der blinden Rahe, den Ausschlag bei der Benennung gegeben zu haben, die eine Bettel-Rahe bedeuten dürfte. Im Französischen heißt sie, oder hieß sie 1702 Pöbel-Rahe, la vergue de foule; zur gleichen Zeit ward sie holländisch een onnutte ree, eine unnütze Rahe genannt: „De begyn ree is een lose en onnutte ree, behalven om de schooten van het kruis-zeil daar by van onderen uit te halen.‟ Wir müssen auf das unter Bagger behandelte bag zurückgehen. Es hat eine weite Verbreitung, auch starke Bedeutungsverschiebungen erlebt. In die romanischen Sprachen ist es stark eingedrungen. Provençalisch bagua, spanisch baga = Packseil; altfranzösisch bague, Bündel. Davon bagage = Gepäck. Insofern nun die alten Kriegsknechte mit den Erbeuteten und Erplünderten (dem „Plunder‟) nicht haushälterisch umgingen, sondern es bald wieder an den Mann oder vielmehr an die Frau (Marketenderin) brachten, so ward trotz der Plünderung reicher Städte die Bagage eines Söldners als etwas Verächtliches und Geringes angesehen, und aus bagage ward bagatelle. Weil sich aber bei den Bagagenwagen nicht nur allerlei Männlein zweifelhaften Handwerks, sondern auch allerlei Fräulein zweifelhaften Rufes herumtrieben, so kam wie das deutsche Wort Hurenpack, Lumpenpack, Diebespack, so im Italienischen bagascia, in Spanien bagasa, in Portugal bagasca, in der Provence baguassa, im Altfranzösischen bagasse, bajasse auf zur Bezeichnung einer feilen Dirne. Im Niederdeutschen dagegen entwickelte sich der Sinn von bag in anderer Richtung. Das wichtigste Ausrüstungsstück eines Bettlers war entweder ein Scherben für die Bettelsuppen oder ein Sack für das Bettelbrot. Von diesem bag haben Bettelnonnen den Namen Bagienen empfangen. Nach ihnen mag — zuerst scherzhaft — die des Segels entbehrende Rahe wegen ihrer Armut genannt worden sein. Hat man doch in Holland auch eine Kuh ohne Hörner bagyn genannt, und in Westfalen heißt heute noch Begine nicht nur ein verschnittenes Schwein, sondern auch ein törichtes, unnützes Frauenzimmer. Zu Kilianus' Zeiten hieß beghyne ein aschfarbener Ochse, weil die Bagienen solche Kleider trugen. In Bremen nannte man und nennt man wahrscheinlich noch eine gewisse Art von Hauben Begine, weil diese Nonnen dergleichen getragen haben. Weigand schreibt: „Adelung acht dezen naam, waarschynlykst, afkomstig van het oude begge d. i. bedelen, dewyl de Begynen voornamelyk van het bedelen bestonden,‟ kann sich aber, trotzdem dies doch der Wahrheit sehr nahe kommt, doch nicht enthalten von einer Herzogin Begga von Brabant zu fabeln, die im Jahre 635 ermordet worden sein soll. — Im Teuthonista ist das Wort Baghyne geschrieben. Die Nonnen des Namens waren in niederdeutschen Seestädten sehr weit verbreitet, die Anwendung des Namens in übertragener Bedeutung lag daher nahe. Es heißt, nach Waghenaer, „Spiegel der Zeewaerdt‟, 1573, sogar ein Felsen in der Hafeneinfahrt von Brest Bagiene.

Bai, die, ist ein aus den romanischen Sprachen zu uns gekommenes Wort für Meerbusen. Bei Aubin, Dictionaire de Marine, 1702 baye und baie. Derselbe gibt für das Niederländische die Form baai an. Italienisch baja, spanisch baja, Hafen. Aus dem Niederländischen ins Niederdeutsche und von hier um die Mitte des 17. Jahrhunderts ins Hochdeutsche gedrungen.

Bake, die. „Signum secundum quod navis regitur‟, diese Erklärung Halbertsma's dürfte in ihrer Kürze am treffendsten die verschiedenartigen Bedeutungen des Wortes Bake zusammenfassen. Denn wie eine Bake auch aussehen und wo sie auch angebracht sein möge, ihr Zweck ist für den Seemann doch immer der, seinem Schiff weisend und warnend den rechten Weg zu zeigen. Ein sehr altes deutsches Wort, das ursprünglich noch keineswegs ein Seezeichen, Segelmarke, Feuerzeichen, Landmarke u. dergl., sondern ganz allgemein Zeichen bedeutete. Es ist mit bücken verwandt, und dieses mit biegen. Die einfachsten und ursprünglichsten Zeichen sind ja die, daß man mit dem Kopfe nickt, den Oberkörper nach vorn biegt, sich bückt oder eine ähnliche Körperbewegung macht. Jeder der auf eine größere Entfernung einem anderen ein Zeichen giebt, wird unwillkürlich dabei seinen Oberkörper vornüber beugen, und eben diese Bewegung ist das was die Alten baken oder beken nannten. Dieser Name ward dann schon früh auf eine Stange übertragen, mit der man jemandem zuwinkte (Zaunpfahl!) oder die man als ein Zeichen für irgend etwas in den Boden steckte. Damit man diese Stange auf größere Entfernung desto besser sehe, wurde an ihrer Spitze ein Bündel Stroh oder Reisig befestigt. Noch heute stecken unsere Landleute da, wo die Polizei eine Warnungstafel anbringen würde, eine Stange mit einem Strohwisch in die Erde, und jeder weiß was das bedeutet. — Solche Baken, also Pfähle mit Reisigbündeln, haben in alten Tagen für das Signal- und Nachrichtenwesen eine große Rolle gespielt. Wenn in Friesland hohe Fluten drohten oder ein Wind nahte, dann wurde die Gemeinde zusammengerufen durch „tha Klocka an to slan, iefta (oder) tha bekena of to stekene.‟ Oder die Gefahr wurde „mith boeda iefte bakena‟ den Freunden kund getan. Nachts ward das Reisigbündel auf der Stange angesteckt und hieß dann Feuerbake, „vierbaeck.‟ Es war den Wächtern genau vorgeschrieben, wann und in welchen Zeitabständen sie ihr Feuerzeichen zu entzünden hatten. Wie sehr aber in altfriesischen Zeiten der allgemeine Begriff von Zeichen noch galt, geht daraus hervor, daß auch das Läuten der Glocken ein baken genannt wird. Im Theuthonista (XV. Jahrh.) steht bake gleichbedeutend mit hagelkruys und bezeichnet ein zur Erinnerung an einen verwüstenden Hagel errichtetes Gedenkzeichen in Form eines Kreuzes. Im Angelsächsischen ward beácen sogar vom Kreuze Christi gebraucht, als Siegeszeichen, sige-beácen. Im Beówulf (VIII. Jahrh.) steht becn schlechthin als Zeichen; beácen heißt Feldzeichen, Feldherrnzeichen, was aber damals noch keine Flagge, sondern der am Mast aufgehißte Schild des Höchstkommandierenden war; auch kommt heofones-beácen vor, Himmelszeichen, d. h. Feuersäule. — Brennende Baken dienten als Hochzeitsfackeln im friesischen Brautzuge. — In dem oldenburgischen Saterland, jener friesischen Enclave im Moor nach dem Münsterländischen zu, wo sich viele Reste des Altfriesischen erhalten haben (gesammelt von J. U. Minßen und in Ehrentrauts friesischen Archiv veröffentlicht) feierte man noch im XIX. Jahrhundert den Dienstag Abend der Fastnacht als „Bekenseivend.‟ Darüber berichtet Strackerjan („Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg‟): „Wer noch beinhaft (gehfähig, also noch einigermaßen nüchtern) war, machte sich ein langes Strohbündel von 4 bis 6 Zoll im Durchmesser und 8 bis 12 Fuß Länge, das dicht und straff mit Bändern umwickelt war. Diese Beken (plattdeutsch Baken) wurden mit Dunkelwerden angezündet, und die Leute schwärmten damit in den Feldern umher, tolle Lieder singend und wild schreiend.‟

Bake als Seezeichen im engeren Sinne, also nicht blos als Warnungszeichen, sondern als Wegzeichen oder vielmehr als Segelzeichen finden wir zum ersten Male in dem auf der Kommerzbibliothek in Hamburg aufbewahrten, von Karl Kloppmann, Arthur Breusing und Christoph Walter herausgegebenen „Seebuch‟, das um das Jahr 1400 geschrieben worden ist und zahlreiche Segeldirektionen enthält, mit Berücksichtigung der Tiden, Stromläufe, Seezeichen u. s. w. Da lesen wir: „also gy wilt segelen int Vly so sole gy den torne unde de baken over en bringen.‟ — Dann findet sich das Wort in einer alten Chronik des Landes Dithmarschen in ähnlichem Sinne: „Im Augusto vell ein gruwlich water ... welches allenthalben den acker und wege dergestalt verdekde, also dat men ... pale und baken stecken moste, dat man nicht des rechten weges feilede.‟ Kilian aber erklärt Bake schon nur mehr mit „seemerk‟ und nennt auch Bake das was heutzutage im seemännischen Gebrauche Boje heißt. Jedenfalls ist das Wort jetzt ausschließlich Seemannseigentum. Kluge erklärt es mit „Zeichen an der Hafeneinfahrt und zur Warnung vor Untiefen‟, und berichtet, daß es im Hochdeutschen zuerst von Sperander 1727 als „Leuchtturm‟ verzeichnet worden ist.

Ins Englische ist das Wort schon zu der angelsächsischen Zeit übergegangen und es lautet jetzt beacon. Naturgemäß spielt es in dieser Sprache eine große Rolle: „a mark or object of some kind placed conspicuously on a coast or over a rock or shoal at sea for the guidance of vessels.‟ „Various hills in England got the name of Beacon from the fact of signal-fires having been formerly lighted on them.‟ Überhaupt scheint in England der Gedanke an Feuer oder Licht in den Begriff von beacon heute noch hineinzuspielen, denn das Zeitwort to beacon heißt to afford light or aid, as a beacon; to light up; to illumine; to signal, welch letztere Bedeutung sich mit besonderer Kraft behauptet hat, was uns das noch verwandte Zeitwort to beckon beweist, „to make a sign to another by nodding, winking, or a motion of the hand or finger‟. — Von beacon kommt dann weiter beaconage, eine Abgabe zur Unterhaltung der Baken. Das ward in Deutschland als juristen-lateinisches Wort beconagium bekannt, wie die Gelehrten des Bremer Wörterbuches uns berichten, ist zum Glück aber wieder außer Gebrauch gekommen. Die Bake selbst aber ist nicht nur geblieben, sondern hat sich im Laufe der Zeit und des großen technischen Fortschrittes der Seemannschaft zu etwas ganz anderem ausgewachsen als einer sich beim Anblick eines mittelalterlichen Strohwisches hätte träumen lassen. Gibt es jetzt doch sogar Baken, in denen Nahrungsmittel, Betten, Decken für Schiffbrüchige enthalten sind, also Rettungsbaken, wie es Baken mit Richtungsfeuer, Landerkennungsbaken, Pfahlbaken, Steinbaken, Treibbaken, Signalbaken und Winkbaken gibt. — Wegen der nahen Bedeutungsverwandtschaft ist Boje zu vergleichen. Das Wort Bake hat sich so allgemeine Geltung verschafft, daß es beinahe ausschließlich herrscht, und daß alle anderen Bezeichnungen für dieselbe Sache, wie Fuse, Prikke, Steuder, Wacker, Wethe kaum mehr bekannt und höchstens noch auf beschränktem Gebiet in einzelnen Gegenden im Munde der Leute sind. — Das älteste mir zu Gesicht gekommene Bild einer Bake hat Lucas Janszoon Waghenaer, Steuermann zu Enckhuysen, in seinem berühmten Buche: „Spiegel der Zeevaerdt,‟ das in Leyden gedruckt, in „Amsteeredam‟ in eben dem Jahre 1588 erschienen ist, in dem die „unüberwindliche Armada‟ überwunden ward. Da heißt es — vergl. Tonne — : „ende aen de ander zyden op de sanden ofte platen staen gemeenlyck de Baekens met korven bouen op in deser manieren‟, und ist dann eine Stange abgebildet mit einem Ball aus Korbgeflecht an der Spitze, wie man ihn auch heute noch als Sturmball etc. etc. gebraucht.

Balje, die.

1. Ein Wasserbehälter = Bütte.

2. Ein Wasserlauf zwischen den Watten, fahrbar auch bei Ebbe, z. B. die blaue Balje bei Wangeroog.

Französisch 1702: baille; holländisch 1702: baalie; Groningen: boalie, boalje, melkboalie, Melkeimer.

Beide Bedeutungen sind aus alten Zeiten bezeugt, indem das „Seebuch‟ balge für Wasserlauf hat und der Teuthonista baly für vas, Faß. Das Gemeinschaftliche der Bedeutung ist der Begriff „Wasserbehälter‟. Die Balje im Watt behält ja ihr Wasser auch bei ablaufendem Wasser, bildet also gleichsam eine Balje im Sinne von Bütte. Es ist auf das unter „Bagger‟ Gesagte zu verweisen. Das heute noch in England gebräuchliche bag hieß altenglisch bagge, a beggars bagge, ein Bettelsack; gälisch bag, kymrisch baich, bretonisch beach = Last, Bündel. Der Dudelsack oder die Sackpfeife heißt im englischen bekanntlich bagpipe. „The bagpipe consists of a leathern bag, which receives the air from the mouth, or from bellows; and of pipes, into which the air is pressed from the bag by the performers elbow.‟ Was heute „a leathern bag‟ ist, das war, wie bekannt, früher ein Balg, Ziegenbalg oder dergleichen. Wenn wir nun bedenken, daß im Lombardischen der Weinschlauch baga heißt, und daß Weinschläuche nichts anderes waren und sind als Bälge, so kommen wir auf Balg als Etymon zu Bag. In der Tat sind überall die ersten Säcke der Menschen abgebalgte Tierhäute gewesen. Bag ist aus Balg durch Schwund des unbequemen l entstanden. Hieß doch im angelsächsischen bag noch baelg, und im gälischen kommt neben bag auch balg vor. Natürlich wurde solch ein Balg nicht bloß zum Weintransport benützt, er diente, namentlich auch bei seegehenden Schiffen, als Wasserbehälter und Wasserbehälter ist die Balje. Das Wort wird oft auch Balge geschrieben und erinnert in dieser Schreibart noch mehr an seine Abstammung von Balg. Gotisch balgs = Schlauch, mati-balgs = Brotsack, Reisetasche, Eßsack; althochdeutsch: balg, was ins keltische als bulga übergegangen ist; Festus: „bulgas Galli sacculos scorteos vocant‟. Mittelhochdeutsch: balc = Hülse (gleichsam das abgezogene Fell des Korns), Schlauch, großes Trinkgefäss. — Um zu verstehen, wie aus Balge Balje geworden ist genügt es, an die Schreibweise im „Seebuch‟ ballighe, oder noch einfacher und näher liegend an die weitverbreitete Aussprache des g wie j zu denken.

Ballast, der. Eine Last aus Sand, Eisen etc. die nur eingenommen wird um dem Schiffe den nötigen Tiefgang zu verleihen. — Über die Bedeutung diese Wortes ist vielerlei vermutet worden. Es sollte von Bale = Bole = Last kommen, weil es eine Last sei, die auf Bohlen liegt. Aber dann wäre jede Last Ballast, denn worauf soll sie anders zu liegen kommen als auf Bohlen? — Es sollte Back-Last, Rücklast, sein; allein, nicht jede Rücklast ist Ballast, sie kann sogar sehr wertvoll sein. Dann hat man an das keltische bal = Sand gedacht, aber nicht jeder Ballast ist Sand. Halbertsma hat sich folgender Phantasie hingegeben: Bar-lest = saburra, ex bara, unda, et lest, onus; „saburra enim impedit quo minus vacua navis vi undae et venti in latus prosternatur‟. — Und doch ist die Erklärung, auf die meines Wissens noch niemand verfallen ist, sehr einfach. Man muß zunächst von Kriegsschiffen ganz absehen und an Handelsschiffe denken, denen alles darauf ankommt, gewinnreiche Ladung zu bekommen für Hin- und Rückfahrt. Wenn ihm das nicht gelingt, so muß es freilich des nötigen Tiefganges wegen irgend eine Ladung einnehmen, auch solche, die hernach einfach wieder ausgeladen und als unnütz beiseite geworfen werden muß. Das ist dann eine schlechte, böse, üble, nicht lohnende Last. Und eben darum heißt sie Ballast. Bal hieß in allen germanischen Sprachen, heißt teilweise sogar heute noch schlecht. Gotisch balvjan, einem Böses tun, ihn plagen; althochdeutsch bale, malitia, balemund, schlechter Vormund, auch palo und bale, Verderben, Bosheit, Qual, Pein (Ballast zu fahren macht den Schiffer Qual und Pein genug); altsächsisch balu, Übel, baluwerk, Übeltat, baluspraka, verderbliche, schlechte Rede; angelsächsisch balu, bealu, perniciosus, malus; altenglisch bale, malus; altfriesisch bael, böse, bael mond, baelmond, schlechter Vormund. Im späteren Friesisch finden wir baldedich, gewalt-übel-tätig, balstiurrich, schlecht zu steuern, von einem, der in seinem Zorn, seiner Wut schwer zu behandeln ist; bal-éarich ist einer der schlecht hört. Auch im Nordfriesischen (Outsen) kommt balstürig, schwer zu lenken, als sehr bekanntes Wort vor. Desgleichen in Bremen für frevelhaft, gewalttätig. In Groningen sagt man: „doar is't bal‟, da ist es verkehrt, da steht es böse, da ist's nicht in Ordnung. Ein unnützes Kind heißt da geradezu ballast. Ein Junge, der nicht hören will, ist ein „Schlechtohr‟, „'n baloorn van 'n jong‟. Ähnlich heißt in Westfalen balhaerig, schlecht hörend, und zwar nicht taub, sondern schwerhörig von einem der aus Bosheit und Unart nicht hören will. — Also „unnütze Last‟. Das Richtige scheint schon der Teuthonista geahnt zu haben, der es mit onnutte scheepvracht wiedergibt. — Desgleichen Kilianus: bal vet. Holl. malus, inutilis, baldaed malefactum, baldaedigh maleficus; ballast: inutilis farcina, inutile onus, quo navis oneratur, ut stabilior sit. — Im Übrigen ist die älteste Urkunde, in der ich das Wort gefunden habe, ein Hansa-Receß vom Jahre 1442.

Banjerdeck, das eigentlich bloß Banjer, heißt auf kleinem Schiff mit nur einem Deck der kleine Platz vor der Kajüte wo die Leute ihre „Logis‟ haben. Banje ist Diminutivum vom niederdeutschen ban, das nicht nur wie im Hochdeutschen Bahn einen freien Weg, sondern überhaupt eine freie Strecke, einen freien Platz oder Raum bedeutet. Also: Der für die Mannschaft freie Raum.

Bank, die. 1. Im eigentlichen Sinne: Bank zum Sitzen, s. Backen und Banken; Ruderbank, s. ducht. 2. Übertragen: Austernbank, Felsenbank, Korallenbank, Mudderbank, Sandbank, Nebelbank, Wolkenbank, Nagelbank (mit den Koveinnägeln s. d.) Bank wird als nasalierte Form von Back, Rücken, rundliche Erhöhung angesehen, was mit den Wörtern, bezw. Zusammensetzungen in übertragener Bedeutung nicht übel stimmt, besonders mit Sandbank, wofür man auch Sandrücken sagt. Kluge gibt einen vorgermanischen Stamm bhangi an, was der Verwandtschaft mit Back widersprechen würde, falls bhangi nicht eine vorgermanische Nasalierung der Wurzel von Back — bhag — wäre.

Baratterie, die. Dieses in der deutschen Marine ungebräuchliche, von Dabovich, „Nautisch-technisches Wörterbuch der Marine‟ für die österreichische Seemannssprache bezeugte Wort war dem gelehrten Roeding in Hamburg vor hundert Jahren kein fremdes. „Hierunter versteht man alle Betrügereien, die von Schiffern, zum Schaden der Rheder und Befrachter, gemacht werden können. Z. E. Verfälschung und Bestehlung der Güter, oder Nebenwege, die mit dem Schiff, ohne Wissen der Rheder, gemacht werden.‟ Holländisch, dänisch, schwedisch Baraterie, englisch barattery, französisch baratterie, italienisch, spanisch, portugiesisch baratteria. Diese Einmütigkeit ist auffallend. Man hat unter den Rhedern wohl übereinstimmend solches Verfahren verurteilt als eine Art von Seeraub, wollte es aber nicht geradezu Piraterie nennen und verfiel daher auf dieses ähnlich genug und doch nicht so hart lautende Wort.

Barbetteschiff, das, ein (Panzer-) Schiff mit gepanzerten Barbettetürmen, die wegen der darin aufgestellten Geschütze besonders starke Panzer tragen, während der übrige Teil des Schiffes leichter gepanzert ist. Der Name kommt von der heiligen Barbara, bei den Katholiken die Schutzpatronin der Artillerie; ihr zu Ehren heißt auf französischen Kriegsschiffen die Pulverkammer St. Barbe. Die heilige Barbara war eine römische Jungfrau, die um ihres christlichen Glaubens willen den Märtyrertod erlitt, ihre Henker aber wurden vom Blitz erschlagen.

Barbican. Insofern deutsche Kriegsschiffsboote an der Treppe dieses Namens an der Kaje zu Plymouth anzulegen pflegen, gehört dieses Wort hierher. Im Mittelhochdeutschen hieß barbigan der Teil der äußersten Festungswerke, aus dem Ausfälle gemacht wurden. Altfranzösisch barbacane, Brustwehr mit Schießscharten. Soll aus dem Arabischen bab-kanah, a gateway, kommen.

Bardse, s. Bark.

Bark, die. Ein Segelschiff mit drei Masten, von denen die beiden vordersten Rahen, der dritte nur Schratsegel führt. In der Form Barke bedeutet es überhaupt ein Schiff oder ein Boot, namentlich, und jetzt so ziemlich ausschließlich, in dichterischer Rede. Die Erklärung bietet zwei Möglichkeiten: man denkt entweder an bark = Rinde oder man greift auf die Wurzel bhar, tragen, zurück. Fände sich das Wort nur in den germanischen Sprachen, so könnte man mit Wackernagel das altnordische barkr, Bark, mit börkr, Borke, Rinde, für nahe verwandt halten. Wie manche Naturvölker heute noch tun, so mögen in uralten Zeiten auch unsere Väter Boote aus Baumrinde verfertigt haben. Aber bezeugt ist es uns nicht, und wer die neuerdings hie und da ausgegrabenen Schiffe gesehen hat, der weiß, daß die Verdrängung des altdeutschen Einbaums durch kunstvoll zusammengefügte Holzschiffe schon nach Jahrtausenden gezählt werden kann. Überdies haben auch alle romanischen Sprachen das Wort, und es kommt als barca bereits im frühesten Mittellatein vor; dann italienisch, spanisch, portugiesisch barca, französisch barque, (kymrisch, Breizonek und gälisch barc) wovon barge, Boot, baril und barique, Faß. — Da ist es doch das Einfachste, zumal ein griechischer Name baris für einen Kahn, besonders ein ägyptisches Nilschiff, bezeugt ist, an griechisch phero, lateinisch fero, deutsch im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet heute noch bören, zu denken, ein Wort das in sehr verschiedener Bedeutung vorkommt: gebähren, gebahren, Gebühren, Bahre, Beere, Birne, Baron, aber immer den Begriff des Tragens ausdrückt. Bei einem Schiffe, das ganz besonders zum Tragen bestimmt ist, liegt also bören näher als Borke. — Schon früh im Mittelniederdeutschen kommt die Form bardse, barse, im Seebuch 1400 bartze, bardzee vor. Hätte man damals das Bewußtsein gehabt, einem einheimischen Worte gegenüber zu stehen und an Borke gedacht, man hätte solche sonderbare Veränderungen davon nicht vorgenommen; dies ist wenigstens eher zu begreifen, wenn man annimmt, daß ein Lehnwort mundgerecht gemacht werden sollte.

Barkasse, die. Das größte der Schiffsbeiboote, zum Rudern und Segeln eingerichtet, manchmal auch Dampfbarkasse. — Einige Erklärungen haben es sich leicht gemacht und einfach gesagt: Barkasse von Bark, aber wie oder wo sich diese ja an sich nicht undenkbare Weiterbildung vollzogen hat, das sagen sie nicht. Das Wort hat anderen Ursprung. Vom lateinischen arca ward ein italienisches arcaccia, spanisch arcaza, Kasten, gebildet, französisch arcasse = Kastell im Hinterteil des Schiffes. An dieser arcasse war ein großer Balken, grande barre, angebracht, der (grande) barre d'arcasse hieß und als Davit diente (s. d.), nämlich zum Aufhängen, Hissen und Fieren des größten Schiffsbeibootes. Und das empfing von dem Balken an dem es hing den Namen Barkasse.

Barkun, der. „Barkuns sind hölzerne oder eiserne, nicht drehbare, dafür aber auslegbare Krähne, an welchen ein oder mehrere Boote klar zum Fieren aufgehängt werden können.‟ Nach dieser von Dick und Kretschmer, Handbuch der Seemannschaft, gegebenen sachlichen Erklärung und nach dem, was unter „Barkasse‟ nachzulesen ist, dürfte es klar sein, daß Barkun im Gedanken an barce d'arcasse gebildet, nämlich abgekürzt und mit einer neuen mundgerechten Endung, und zwar, wie ein Blick auf Pardun und andere Wörter ähnlicher Endung beweist, in niederdeutschem Sprachgebiet, versehen worden ist, denn die Bedeutung von Barkun ist so ziemlich dieselbe von barre d'arcasse. —

Barring, die. Barrings sind von Bord zu Bord reichende und in guter Deckshöhe über dem Oberdeck oder Aufbaudeck angebrachte Decksbalken, die häufig, namentlich bei kleineren Schiffen, noch mit einem Deck, dem Barringsdeck, belegt sind; bestimmt zum Tragen von Schiffsbeibooten und Reservehölzern etc. Ebenso wie Bark und Barre von der Wurzel bhar = tragen abstammend, sei es daß dabei unmittelbar antragen, sei es daß an barre, Tragbalken, gedacht ist; wahrscheinlich letzteres, so daß wir also das hochdeutsche Barre mit niederdeutscher Endung vor uns haben.

Bare = Welle, s. Barre.

Bärme s. Berme.

Barre, die, seichte Stelle vor einer Flußmündung, durch Ablagerung des vom Flusse mit sich geführten Sandes, ein Hindernis, eine Beschränkung des Aus- und Einsegelns. Schranke ist die zu Grunde liegende Bedeutung. Von der unter Bark erwähnten Wurzel bhar, tragen, kommt althochdeutsch bara, para, Balken, zunächst als etwas Tragendes, Tragbalken, sodann aber auch etwas Beschränkendes, Schranke, eingehegtes Stück Land, abgeteiltes Stück Feld. Mittelhochdeutsche barre = Schranke, Zaun, Gehege; verbarren durch Schranken versperren; englisch bar; französisch barriére, besonders aber barre, Stange, Balken, Rost, Klampe, Ruderpinne, barres de hune = Salingshölzer; und das unter Barkasse nachzulesende barre d'arcasse; barre de cabestan, Spillspaken. Keltisch bar, Ast. Spanisch barrera, davon embarazo, französisch embarras, Sperrung, Hindernis, und barricade (barricata). — Von gleicher, „tragen‟ bedeutender Wurzel kommt auch das niederdeutsche bar, bare, mittelniederländisch baere, niederländisch baar, Woge, Welle, Sturzwelle, Brandung; vergl. Lüpkes Seemannssprüche: „barra waegen, barra streamen‟, „Wellen wogen, Wellen strömen‟; sei es daß die Wellen tragen, sei es daß sie getragen (gehoben bewegt) werden.

Bauchgording, die, gewöhnlich Bukgording, oft auch noch kürzer Buggerding lautend, wie Nockgording (s. d.) Noggerding. Ein vom Winde gefülltes Segel sieht in der Mitte aus wie ein wohlgerundeter Bauch; die Taue die dazu dienen beim Segelbergen diese bauchige Stelle des Segels aufzugeien heißen Bauchgordinge. Gording, Görde, Gördel ist ein Gurt, Gürtel, Band, Riemen, irgend etwas zum Binden und Gürten, besonders Beinkleider. Die altdeutschen Frauen banden ihre Haare mit einer wida, einer Weide, auf; da ist es nicht zu verwundern wenn die Männer für Befestigung ihres Anzuges eine (schwanke, biegsame) Gerte verwandten; gothisch gairda, angelsächsisch gyrd, altenglisch gurd, englisch girt, altnordisch gjördh, isländisch gjörd, norwegisch gjord und gyrda. Gording im seemännischen Gebrauch wird man also am besten mit Gurttau übersetzen; also Bauchgurttau.

Batterie, die. Der Standort der Geschütze; ist ein eigenes Deck für die Geschütze da, so heißt dieses das Batteriedeck, oder auch kurzweg die Batterie. Besonders aber heißt, wie am Lande, eine unter sich zu einem bestimmten Verbande gehörige Anzahl von Geschützen Batterie; Steuerbordbatterie, Backbordbatterie; auch die Gesamtheit aller Geschütze, vergl. das Kommando beim Geschützexerzieren: „Batterie halt!‟ — Mit Bataillon einer Herkunft, sowie mit Bataille, von battre schlagen; wahrscheinlich auch wie Bataillon Lehnwort des 30jährigen Krieges und von der Landarmee an Bord übertragen.

Baxterlagerung, s. Baxterspill.

Baxterspill, das, eine nach dem Erfinder genannte verbesserte und vereinfachte neue Art von Spill (s. d.). Durch Trennung der Kettentrommel vom Spillkörper ist erreicht worden, daß die „mühsame Arbeit, welche früher das Legen der Kette um das Spill und das Abnehmen derselben vom Spill verursachte‟ erspart wird. „Das Spill ist im Moment klar zum Hieven, und auch das Abstoppen der laufenden Kette vollzieht sich in erheblich sicherer und einfacherer Weise.‟ — „In Verbindung mit dem Baxterspill kommt in neuerer Zeit auch bei Kriegsschiffen für die Buglagerung der Inglefield und Hall-Anker, seltener für die Hecklagerung die sogenannnte Baxterlagerung zur Anwendung.‟ „Diese Lagerung charakterisiert sich dadurch, daß die Anker in die Klüsen hineingehievt werden.‟ Früher hingen die Anker längsseits. Das kommt auch jetzt noch vor, ist aber veraltet; ebenso wie das „Gang‟-Spill.

Bedaren, zur Ruhe kommen, vom Sturm; auch von einem aufgeregten Menschen, daher bedard, beruhigt, und bedardheit, Ruhe, Bedächtigkeit. Doornkaat meint, das Wort komme nur im Niederdeutschen und Niederländischen und sonst nirgends, so weit ihm bekannt, vor. Es ist aber außerdem noch ein dänisches (bedare) und schwedisches (bedara) Seemannswort, und zwar dorten wie bei uns im Sinne von abmojen, kalmen gebraucht. Roeding: „Wenn das Wetter anfängt still und ruhig zu werden, und der Wind aufhört zu wehen, so sagt man: es bedaart.‟ Es ist allerdings ein Wort mit auffallend geringer Sippschaft; von der Wurzel dhar, halten, haften, bleiben, abstammend.

Befahren. Als Zeitwort so viel wie auf etwas fahren, einen Weg, eine Straße, das Meer befahren. Als Adjektiv einen Mann bezeichnend, der viel zur See gefahren ist; oder vielmehr, wie der Seemann sagt, gefahren hat. Ist einer so befahren, daß er das Kap Hoorn und das Kap der guten Hoffnung umschifft hat, so darf er, wie verlautet, an einigen Küstenplätzen in seemännischer Gesellschaft — beide Beine auf den Tisch legen. Einen nicht-befahrenen, unerfahrenen Seeoffizier nennt Aristophanes, wie Roeding behauptet, einen „Asalaminrium‟, also einen, der nicht ist wie die von Salamis.

Befluten, „unter Wasser setzen‟. Alle Munitionskammern an Bord S. M. Schiffe sind zum Unterwassersetzen (Befluten) einzurichten, damit bei einem Schiffsbrande der Explosionsgefahr begegnet werden kann. Es gibt natürliche Beflutung bei tiefliegenden Munitionskammern, die unmittelbar durch Bodenventile beflutet werden können; künstliche Beflutung bei hochliegenden Munitionskammern, die durch Dampfpumpen beflutet werden müssen; und gemischte, wo beide Arten in Kraft treten, die Worterklärung ergiebt sich von selbst aus Flut (s. d.)

Bei. Das Kommando für die Leute am Ruder wenn sie bei dem Winde, am Winde (s. d.) steuern sollen. Wenn nicht so hart am oder beim Winde gesegelt, also nicht „gekniffen‟ werden soll, dann heißt das Kommando: „voll und bei!‟

Beiboote, die, auch Schiffsboote; „jedes Schiff ist mit einer Anzahl von Booten ausgerüstet, welche die verschiedenartigsten Anforderungen zu erfüllen im Stande sein sollen. Dieselben dienen nämlich zum Verkehr der Besatzung mit dem Lande oder anderen Schiffen, zur Beschaffung von Material, Wasser, Proviant u. s. w., zum Ausfahren von Ankern und Trossen, zum Auffischen über Bord gefallener Menschen oder Gegenstände, zur Ausbildung der Mannschaft im Rudern und Segeln, als Rettungsmittel für die Besatzung bei Schiffsunfällen, bei Landungszwecken zum Aus-und Einschiffen des Landungskorps, zum Ausloten unbekannter Fahrstraßen, zur Herstellung von Sperren.‟ „Da zur Erfüllung dieser verschiedenen Zwecke teilweise ganz verschiedenartige Rücksichten und Anforderungen maßgebend sein müssen, so ergibt sich ohne Weiteres die Notwendigkeit verschiedener Bootsklassen oder Gattungen.‟ (Dick u. Kr.) Als da sind (in der K. Marine): Dampfbeiboote, Motorboote, Barkassen, Pinassen, Kutter, Gigs, Jollen, Dingis, Walfischboote und Beiboote für Torpedoboote.

Beidrehen heißt an den Wind gehen (s. „am Winde‟) oder auch das segelnde Schiff sonst auf irgend eine Weise zum Stillstand bringen, hauptsächlich durch Backbrassen der in Betracht kommenden Segel. Vor allen Dingen ist aber wichtig das seemännische Manöver des Beidrehens, des an den Wind Gehens, im Sturm. Wenn das Schiff eine Weile „gelenzt‟ hat, d. h. vor dem Sturm gelaufen ist, und der Kapitän kann wegen zu hohen Seeganges oder will, weil ihm die Richtung nicht paßt, das Lenzen nicht fortsetzen, so dreht er bei. Das muß mit Geschick und Umsicht gemacht werden, damit Sturzseeen dem Schiff nicht gefährlich werden. Die Folge des Beidrehens ist das Beiliegen. Das Schiff „liegt bei‟ (dem Winde) bis besser Wetter eintritt, und es handelt sich hauptsächlich darum, daß es mit dem Kopfe auf der See liegt, nicht abfällt (s. d.), weil es dann die See besser hält, weniger Sturzseeen übernimmt.

Beibuchten. Wenn ein Tau aufgeschossen wird, was, je nachdem es gedreht ist, mit der Sonne oder gegen die Sonne zu geschehen hat, so entstehen so viele Buchten — von biegen — so viele Kreise das Tau beim Aufschießen bildet. Wenn diese Kreise oder Buchten nicht so viel Platz einnehmen oder aus irgend einem Grunde, z. B. beim Deckwaschen aufgehängt werden sollen, so werden sie mit einem Band oder Bändsel zusammengebunden, damit sie nicht „unklar‟ werden und leicht wieder gebrauchsfähig gemacht werden können. Dieses Zusammenbinden heißt beibuchten. Im übertragenen Sinne heißt einen beibuchten ihn einsperren, in Arrest schicken.

Beilbrief, der, früher Bielbrief, niederländisch bylbrief, dänisch bül-brev, schwedisch bil-bref. Weil das Wort englisch bill of sale heißt, so könnte vermutet werden, diese bill hätte dem Beilbrief den Namen gegeben, er würde also eine Tautologie darstellen. Das würde nun an sich nichts ausmachen, weil es öfters vorkommt, aber ich sehe doch nicht an, bei dem Worte an Beil, Schiffszimmermannsbeil zu denken. Es bedeutet ja einen Kontrakt zur Erbauung eines Schiffes, der zwischen „einem Zimmermann und Demjenigen, der ein Schiff bauen läßt, gemacht,‟ schriftlich abgeschlossen wird; das Beil aber ist und bleibt doch immer des Zimmermanns Hauptwerkzeug. Bestärkt wurde ich in diesen Gedanken durch das Eigenschaftswort beilfertig, bielfertig, niederländisch bylvaardig, dänisch bilfaerdig, schwedisch bilfardigt, welches das Schiff als fertig im Holzwerk bezeichnet ohne Takelage und Zubehör, also in dem Stande, bis zu welchem das Beil die Hauptarbeit an ihm getan hat.

Bekaier, der, heißt dem Wortlaut nach ein Tau das zum Kaien dient, hieß aber früher auch der Oberlee-Segelsniederholer, auch das Tau, womit das oberste Ende der „Besansrute‟ aufgetoppt wurde, beim „Überstaggehen‟, und heißt auf Schmacken, Jachten und Kuffen die Braß der Bagienrahe, die nach vorne fährt.

Bekleiden, das, Tauwerk an Stellen, wo es dem Reiben, also dem Schamvielen, ausgesetzt ist, mit Schmarting, Matten, Schlatting, Schiemannsgarn, Sarving, Platting etc. umwickeln; es wird auch Leder dazu genommen; die wichtigste Bekleidung aber ist die der Wanttaue, die, nachdem sie mit einer Trensing versehen sind, in ihrer ganzen Länge mit Schiemannsgarn fest umwickelt werden. Auch das Deck eines Schiffes kann bekleidet werden, s. Kleid.

Belauf, der, die Gestalt und Richtung, in der ein Balken, z. B. ein Lieger, Bauchstück oder eine Wrange, Bodenwrange verläuft; dementsprechend auch die äußere Gestalt des Schiffsbodens, oder die Verengung desselben, vorne oder hinten; man sagt von einem Schiff, daß es einen feinen Belauf hat, wenn es sich vorn und hinten sehr verengt und spitz zuläuft. (Roeding, Datovich).

belegen, ein „laufendes‟ Tau mehrmals um ein Belegholz, z. B. eine Klanpe oder einen Koveinnagel, kreuzförmig über einander schlagen, um es fest zu machen. Die Koveinnägel heißen darum auch Belegnägel und die Bank an der sie befestigt sind, Belegbank, so wie die Klanpe auch Belegklanpe genannt wird. Man spricht auch vom Belegen eines Befehls, wenn einem gegebenen Auftrage nicht weitere Folge gegeben werden soll, oder wenn er zurückgenommen wird; das ist bildlich: das belegte Tau bewegt sich nicht mehr und der belegte Befehl gilt nicht mehr.

belemmern. Wo es, wie auf einem Schiffe, auf Ausnützung des Raumes ankommt, da muß dafür gesorgt werden, daß keiner der vielen Gegenstände, die an Bord gebraucht werden, dem anderen im Wege stehe und seinen Gebrauch verhindere oder erschwere, d. h. belemmere. Auch ein Mensch kann den andern belemmern, wenn er ihm Wege steht oder „zu nahe auf der Pelle sitzt‟. Es bedeutet aufhalten, hemmen, hindern, lähmen. Es ist verwandt mit lahm, ein Frequentativum des mittelniederdeutschen belemen, althochdeutsch bilemjan, pilemmen, bilemen. Es wird auch gebraucht, wenn ein Raum, ein Boden, eine Last zu voll gepackt ist, daß man sich nicht darinnen bewegen, rühren kann. — Daß die „Beschriving van der Kunst der seefahrt‟, das Loggen als eine „belemmering‟ ansieht, ist unter Log nachzulesen; wie Fritz Reuter Belemmerung anwendet, s. unter praien. Belemmertheit ward im Mitteldeutschen aber zuweilen auch für Beschäftigung gebraucht: „De ander remedie (gegen gulsicheit, Gefräßigkeit) is ... Van redelike dinghen belemmerthede.‟

benauen. Ein Schiff benaut das andere, wenn es ihm, „die Luv (-seite) abgewinnend‟, den Wind zum Segeln wegnimmt. Sodann heißt benauen ein feindliches Schiff in einem Hafen einschließen und bewachen, daß es nicht heraus kann. Endlich sagt man, wenn die Luft von Natur schwül oder durch Verbrauch im engen Raum mit vielen Menschen verdorben ist, „es ist benaut‟. — Vom niederdeutschen nau, mitteldeutsch nouwe, niederländisch naauw, dicht, enge, beengt, bedrängt, beschränkt, knapp, genau; das nau in genau ist die hochdeutsche Verwandtschaft.

Bendsel, der und das, auch Bindsel, ein Band, ein Stück Bindfaden; nicht zu verwechseln mit dem hochdeutschen Bändel, welches ein Diminutivum von Band ist; vielmehr dürfte Bindsel eine Verkürzung von Bindseil sein und Bendsel nur eine Nebenform dazu.

Bergen, Am häufigsten findet sich im seemännischen Gebrauch die Wendung „Segel bergen‟, ein Kommando das immer ertönt, wenn die Segel „eingezogen‟ d. h. festgemacht werden sollen. Daneben spricht man vom Bergen einer Ladung bei gestrandetem oder sonst gefährdetem Schiffe, man sagt auch „sich bergen‟. Der gemeinschaftliche Begriff ist: in Sicherheit bringen, und zwar ist, da dem Stamme bhergh die Bedeutung „hoch, Anhöhe‟ beiwohnt, der ursprüngliche Sinn ohne Weiteres klar: sich vor einer Flut, einer Überschwemmung oder sonstigen Gefahr auf einen Berg (womöglich in eine Burg) begeben und so in Sicherheit bringen. Nur bei „Segel bergen‟ hat sich die Bedeutung so weit verflacht, daß es, auch wenn kein Sturm naht und kein Segel in Gefahr steht weggerissen zu werden, sondern auch beim Segelmanöver im Hafen und bei gutem Wetter gesagt wird. Eigentlich nur noch bei Seeleuten übrig, die andern sagen jetzt verbergen und haben noch den Begriff des heimlichen, des Versteckens hinzugetan. Althochdeutsch pergan (gothisch bairgan) angelsächsisch beorgan, niederländisch bargen. Vergl. Herberge, althochdeutsch heriberga, Ort wo ein Heer geschützt lagern kann. Die älteste Bedeutung des jetzt so friedlichen Wortes ist also kriegerisch; italienisch albergo, altspanisch, neuspanisch und portugiesisch albergue, altfranzösisch herberc, neufranzösisch auberge. In alten Zeiten hatte man vielfach „Freiberge‟ (woher die zahlreichen Städtenamen), Berge wohin ein Verfolgter fliehen konnte und wo er eine Zeit lang unverletzlich war. Es gab in Eiderstedt und Dithmarsen Freyberge, davon 3 in Eiderstedt, einer bei jedem Gericht, „wo ein Missetäter auf drei Tage sich frei und sicher bergen konnte.‟ Daher die Türme auf den Höfen mittelalterlicher Burgen Bergfriede, richtiger Bergfriete, Bergfreite. Und was jetzt bei uns Friedhof heißt, müßte Frithof = Freithof geschrieben werden.

Berghölzer, die, sind Verstärkungen der Außenbordwand und somit des ganzen (hölzernen) Schiffes; sie laufen der Länge nach um das ganze Schiff herum, sind also eigentlich Außenbordsplanken, nur stärker wie diese und daher über sie herausragend und die glatte Fläche der Bordwand unterbrechend. Das Zeitwort bergen, ostfriesisch bargen, heißt im niederdeutschen Sprachgebrauch nicht nur verstecken, in Sicherheit bringen, sondern auch sonst sichern, bedecken, schützen. Da nun das große Bergholz grade an der breitesten Stelle des Schiffes angebracht ist, so bedeutet der Name nicht nur eine Sicherung und Befestigung des Schiffes im Allgemeinen, sondern auch im Besonderen einen Schutz der am meisten gefährdeten Stelle gegen Stoß oder Anprall an ein anderes Schiff, an ein Bollwerk, eine Kaje, eine Pier etc. etc. Ich finde das Wort (in der niederdeutschen Form Barchholt) zum ersten Male in der „Beschriving van der Kunst der Seefahrt,‟ 1673, in einer Segelanweisung wie man „by Harvestdagen upt sekerste dorch dat Schager Rack, offt uth den Sund na den Schagen‟ segelt. „Truwet awerst den Schagen by Nacht nicht tho veel, ydt wehr den Saack dat gy gut und sichtlick Wedder hadden, alß men by Dage buten de Trendel langest segelt, und dat men den upt Barchholt mit de Foeten by dat Water steit, so kom men Lesö by klaren Weder even sehen‟ ...

Berme, die, Deichberme, Deichrand; französisch berme, Rand eines Festungsgrabens; spanisch berma; englisch brim, angelsächsisch brymme, Rand, Saum; niederländisch kommen beide Formen vor; breme, Rand und berme, Deich. Beweis, daß Berme nichts weiter als eine durch Metathesis veränderte Form von bram ist, welches (vergl. Bram und Bräm) den äußersten Rand bedeutet. — Ob der Name der Stadt Bremen von breme, brim, Rand, so daß Bremen also ein Uferort wäre, oder von brim, Meer, so daß er einen Meerort darstellte, oder vom angelsächsischen breme, berühmt, abzuleiten ist, haben die Bremer die Wahl.

Besan, der. Das große Gaffelsegel am Kreuzmast, der, wenn er keine Rahen hat, also wenn das Schiff Barktakelage besitzt, eben nach dem Besan Besanmast genannt wird. Die Erklärung des Namens wird erschwert durch das Vorkommen anderer, ähnlich lautender. So gab es im Mittelalter eine Münze, die italienisch bisante, spanisch und portugiesisch besante, provençalisch bezan, altfranzösisch besant, englisch ebenfalls besant hieß. Sie hat aber, aus dem Mittelmeer stammend, mit unserm Besan nichts zu tun, (trotzdem dieser in seiner Gestalt an ein lateinisches Segel erinnert), denn sie hieß lateinisch byzantus, griechisch byzantos; es ist also klar, woher sie stammt (wie der Taler von Joachimstal, der Heller aus Hall, der Batzen aus Bern seinen Ursprung an der Stirn trägt) und was sie bedeutet. — Sodann gab es nach Kilian ein niederländisches Wort besaen, das Eierschale und eine Art billigen alaungegerbten Leders bezeichnete; damit ist auch nichts gewonnen. Wichtiger für uns ist es, daß Kilianus ein Wort besane hat, das er mit epidromus übersetzt, dessen Wichtigkeit aber darin besteht, daß er dafür auch die Form mesaene beibringt, denn nun dürfen wir auch annehmen, daß unser Besan einmal mit m angelautet hat. Er heißt zwar im Holländischen und Schwedischen auch bezaan, besan, aber dänisch mesan, englisch mizen, italienisch mezzana, spanisch mezana, portugiesisch mezena, französisch mizaine — und alle diese Wörter sollen aus dem Lateinischen stammen, und zwar nach Kluge aus medius, so daß also ursprünglich an einem anderen, mittleren, Standort das Segel seine Verwendung gefunden haben muß. 1695 Mesansegel, 1732 Bezaansegel, jetzt kurz: der Besan.

Besatzung, die, eines Schiffes heißt die Gesamtheit derer die auf ihm eingeschifft sind zu dauerndem, dienstlichen Aufenthalt; die Schiffsmannschaft, früher Equipage, welches Wort in seiner fremden Gestalt uns kaum noch daran erinnert, daß es von dem niederdeutschen scip stammt und niederdeutsch eskipage hieß, alles zusammenfassend was zur Bemannung und Ausrüstung eines Schiffes nötig ist; bald auch die Ausrüstung eines sich auf dem Lande bewegenden Fahrzeuges, Kriegsgepäck, Reisegerät, Kutsche und Pferde.

beschlagen, s. Beschlagseising.

Beschlagseising, der. Beschlagen, althochdeutsch bislahan, mittelhochdeutsch beslahen: schlagen auf, festschlagen, umfangen, umschließen (s. Schlag), verschließen, bedecken u. s. w. Die meisten Bedeutungen sind im seemännischen dieselben wie im Hochdeutschen, nur beschlagen bedarf der Erwähnung insofern es das Festbinden der aufgegeiten Segel an die Rahe bedeutet; solches geschieht mittelst der Beschlagseisings, Bändseln, an denen das eine Ende spitz zuläuft, das andere mit einem Auge versehen ist; s. seisen.

Beschute, die. Seemännisch nur in Verbindung mit Hartbrot, „eine Beschute Hartbrot‟, sei es wegen der Gestalt, sei es wegen des Hartgebackenen, Zwiebackähnlichen. Niederländisch bischuyt, nichts anderes denn eine volkstümliche Form des französischen biscuit. Zwey-Back sagt der Übersetzer der „durchläuchtigsten Seehelden‟ 1681. Er beschreibt die Entdeckung der Magellanstraße und erzählt von einem Patagonier, der „auf einer Mahlzeit einen ganzen Korb mit Zwey-Back aufgegessen, und in einem Zuge soviel Wein, als ein Wasser-Eimer halten möchte, ausgesoffen.‟ Als ob sie auf dem Geschwader Magellans ihr Brot und ihren Wein nicht besser hätten anwenden können, die wahrlich knapp genug waren.

Beschmarten, s. Schmarting und bekleiden.

Besetzt sein, s. Legerwall.

Besteck, das. 1. Der Entwurf, der genaue Plan eines zu bauenden Schiffes; auch eines zu bauenden Hauses. Ein ähnliches Wort wie Riß von ritzen (Runen ritzen, writan, to write, schreiben); ein Plan, der nicht umrissen, sondern mit Stichen bezeichnet, mit Stecknadeln abgesteckt ist. 2. Das Mittagsbesteck oder überhaupt die Bezeichnung der Stelle, wo sich nach genauer Berechnung, wenn es aber nicht anders sein kann, auch nach Gissung, das Schiff zu einer bestimmten Zeit befindet, der Punkt, wo Länge und Breite sich schneiden (s. absetzen), ein Punkt, an welchem die Spitze des Zirkels ein kleines Loch in das Papier der Seekarte sticht. In der weiteren Entwicklung des Begriffes Besteck = Plan, Maß, ist Besteck auch schlechthin zu Maß geworden; ein Maß von Torf. Groningen: „alles noa bestek hebben‟, alles so haben, wie es sich gehört. Auch gleichbedeutend mit Regel, Ordnung, Zeiteinteilung. Ostfriesland: „wat hebben dei menschen 'n roar bestek, zy eten om vier uur.‟ Ein Abstecher ist demnach eine Abweichung von dem ursprünglichen Reiseplan und -Wege. — Daß „Besteck‟ in der Tat von dem „Stich‟ des Zirkels in das Papier der Seekarte den Namen hat, geht aus einer Stelle bei Waghenaer, „Spiegel der Zeevaerdt‟, „Amstelredam‟ 1588, hervor: „Soo sal hy alsdann nemen twee Passers, (Zirkel) met d' een de mylen metende die hy ghist ghezeylt te hebben. Ende met den anderen Passer lancxt Compasse stryckende de Cours die hy ghezeylt heefd tot dat de voeten van de Passers aen den anderen comen, daer weder een sticke met eenen scherpen Passer oft plompe naelde settende, soo datment met cryt wederom wt doen cän‟.

Bestroppen, einen Stropp (s. d.) um einen Block, der zu diesem Zwecke mit einer Keep (s. d.) versehen ist, legen und festbändseln, damit er irgendwo, wo er Halt hat, befestigt werden kann. Im übertragenen Sinne gebraucht der Seemann das Wort häufig da, wo ein anderer sagen würde: das wollen wir schon machen, das wollen wir wohl kriegen.

Betel s. Kalfatern.

Beting, die eine Vorrichtung zur Befestigung der Ankerketten an Bord, starkes querschiffs laufendes, abgestütztes Gestell. Bett und Beet haben beide die Bedeutung: Bleib-, Haft-, Sitz-oder Ruheding, von der Wurzel bhad = binden, fesseln, festen und haften, halten, tragen. Beting ist ein niederdeutsches Wort von derselben Herkunft, bei dem der Gedanke an das Halten, Festhalten des Ankertaues zum Ausdruck gekommen ist.

Beweert ist ein Schiff, wenn es wegen schlechten Wetters verhindert ist, in See zu gehen. Doch kommt das Wort nicht etwa davon her, daß widriger Wind oder sonst schlechtes Wetter ihn solches wehrte, vielmehr ist beweert eine Zusammenziehung von bewettert, oder vielmehr, da es sich um niederdeutsches Gebiet handelt, von beweddert; das niederdeutsche wedder ist ja durchgängig im Munde des einsilbigen Volkes zu weer, wér geworden.

Bilander, der, ein zweimastiges Schiff in Schweden, England und besonders in Holland gebräuchlich, das als besonderes Unterscheidungsmerkmal eine eigenartige Stellung der großen Rahe und dieser entsprechende trapezförmige Gestalt des Großsegels hat. Die Rahe macht mit dem Mast ungefähr einen Winkel von 45°, ihre oberste Nock befindet sich über dem Heck, die unterste über dem Mittelschiff. Diese Gestalt ist offenbar mit Rücksicht auf enges Fahrwasser gewählt, um nicht so viel Raum in Anspruch zu nehmen. Denn für Binnenschiffahrt und Fahrt „bi Lande‟ ist das Fahrzeug bestimmt. Vier bis fünf Mann genügen zur Handhabung der Segel.

„Why choose we, then, like bilanders to creep

Along the coast, and land in view to keep.‟

Dryden.

Bilge, die. Der unterste Raum des Schiffes in dem sich das eingedrungene Wasser sammelt; auch dieses Wasser selbst. Letzteres ist die ursprüngliche Bedeutung des Wortes, welches mit Balg nahe verwandt ist. Balg aber entstammt einer Wurzel, die „anschwellen‟ bedeutet. Offenbar hatte man, wie ja alle Sprache ursprünglich Bildersprache war, einen aufgeblasenen oder mit Wasser gefüllten Balg vor Augen. Aus derselben Wurzel stammt das in Ostfriesland vielfach gebrauchte Verbum belgen, niederländisch belghen, angelsächsisch belgan, englisch to bulge. Auch im Mittelniederdeutschen war dieses belgen gebräuchlich. Es bedeutet in Bewegung kommen, in Hitze und Zorn geraten, dick werden, anschwellen, „geschwollen sein auf jemanden‟, weil einem zornigen Menschen das Blut zu Kopf steigt, das Gesicht sich rötet, die Adern aufschwellen und dick hervortreten. Der Begriff des Anschwellens ist auf das Wasser angewandt worden, („das Wasser rauscht, das Wasser schwoll‟). Eine solche rauschende, schwellende Woge heißt, entsprechend dem erwähnten belgen, Bülge; schwedisch bölja, dänisch, bolge, altnordisch bylgja, wie denn sinnreich und bedeutungsvoll eine der Töchter des Meergottes Ägir in der Edda Bylgia genannt wird. Dieses Bülge aber brauchen wir nur mit i anstatt mit ü zu schreiben, (im Englischen wird es sowohl bulge als auch bilge geschrieben), dann haben wir unser urdeutsches, nur etwas anglisiert ausgesprochenes Seemannswort Bilge. Mit einiger Phantasie können wir uns leicht vorstellen, wie bei den alten deutschen Seefahrern in ihren immerhin kleinen, oft offenen Schiffen diese im untersten Schiffsraum hin- und herwogenden, schwellenden Bülgen, deren Anschwellen es mit aller Macht zu bekämpfen galt, eine wichtige Rolle im Schiffsleben gespielt haben.

Im Althochdeutschen hieß bulga ein Ranzen, Felleisen, lederner Sack und belgan aufgebracht sein, zornig sein, aufschwellen; mittelhochdeutsch bulga die aufgeschwollene Woge. Aber gegen bulga im Sinne von Bilge hat sich das Hochdeutsche lange gesträubt, denn nicht immer ist den Deutschen die Bewegung des Bilgewassers bei der Benennung das Ausschlaggebende gewesen. Es scheint als ob der Begriff der Bewegung erst an der im Vergleich zum Mittelmeer so viel bewegteren Nordsee in den Vordergrund getreten und daß Bilge daher lange Zeit ausschließlich niederdeutsches Eigentum gewesen wäre. Im Althochdeutschen hatte man zwar, wie bemerkt, das Wort bulga, aber die Bilge nannte man sentine. Dieses Wort stammt aus dem Mittelmeer, es ist das lateinische sentina und beweist, daß man in jenen sanfteren Gewässern bei der Namengebung mehr an den üblen Geruch des betreffenden Wassers als an seine Bewegung gedacht hat, denn sentina heißt Jauche, Abwasser, Auswurf, Hefe, Unflat; daher französisch sentine zugleich Pfuhl und Bilge heißt, englisch sentine Senkgrube, Sammelstelle stinkenden Wassers. Wer einmal Bilgewasser gerochen hat, der wird sich also über die Benennung im Althochdeutschen nicht wundern. — Als unterster Raum im Schiffe diente die sentine in Zeiten, da man auf Hygiene wenig achtete und sich um die Gesundheit der Gefangenen nicht viel bekümmerte, auch als Gefängnis, als Arrestlokal. Und dieser Umstand könnte vielleicht zur Erklärung des Wortes sentinelle, englisch sentinel dienen. Daß dasselbe von sentire, wahrnehmen, direkt abgeleitet wäre, ist doch kaum anzunehmen, man müßte denn einem Posten, einer „Schildwache‟ eine ganz besondere, in der Nähe der sentine noch dazu sehr übel angebrachte Sensibilität zuschreiben wollen. Daß aber der Posten vor der sentine sentinelle genannt worden ist, wird den nicht wundern, der weiß, daß der Mann, der bei den Schilden Wache stand, selbst Schildwache genannt worden ist. — Holländische Matrosen nennen die Bilge nicht unwitzig pis-bak, auch pis-gat, kurzweg auch bloß gat, Loch. Das ging ins Französische über als gatte, jatte, und die französischen Matrosen machte daraus scherzweise — Agathe.

Es gab früher noch ein drittes Wort für Bilge, das aber meines Wissens nur noch im Gröningenschen im Gebrauch ist: durk. Halbertsma erklärt es: „spatium in navis fundo inter tabulatum interius et exterius, receptaculum aquae stillantis per rimas, sentina‟. Im ostfriesischen kommt das Wort nur noch in der Form turk vor, Bezeichnung für den hintersten, abgeteilten, dunklen Teil eines Mäherzeltes. Aber im schwedischen ist es erhalten, nur daß da durk einen Schiffsraum bedeutet, der als Last dient, also immerhin die der Bilge nahen Räume. Der Teuthonista hat das Wort in der Form dorrick, „dat dyepste van den scheep den water naist‟; „dorrick in en schip, dair sych al dat water in den schip vergadert, sentina‟. Angelsächsisch thurruc, auch im englischen noch als thorruke bekannt. Mittelniederdeutsch hieß es dork; aber durk dürfte die ursprüngliche, auf Lautmalerei beruhende Benennung der da unten, wo es fürchterlich ist, gurgelnden Gewässer sein.

Ein viertes Wort wird heute noch gebraucht: Sod, oft in der Zusammensetzung Pumpensod; „der niedrigste Ort im Schiffe beym großen Mast, wo die Pumpen stehen und wohin sich wegen der Krümmung oder des Springs des Schiffes alles im Raum befindliche Wasser durch die Nüstergaten zusammenzieht‟ (Röding II 310). Dieser Raum heißt in der „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟ 1673 „Soet‟. Die Bedeutung kommt der von Bilge sehr nahe, denn Sod ist das niederdeutsche und niederländische sod oder sot = Brunnen, und kommt mit sode = das Sieden, Kochen, Brodeln, Aufkochen, Aufwallen, Aufquellen, Aufstoßen, (daher „Sodbrennen‟) von seden = sieden, kochen, wallen.

Bewulen s. (wulen) Wuling.

Billen, die. Die untere Rundung des Schiffes hinten, wodurch der Spiegel mit der Seite des Schiffes vereinigt wird; auch Backen genannt; italienisch il rotondo della poppa. Der zu Grunde liegende Begriff ist der des Runden; heißen doch die ebenfalls Rundungen bedeutenden Backen am menschlichen Leibe, da wo der Rücken nicht mehr anständig ist, im Niederdeutschen billen; „Kinder fan willen (die sagen „ich will‟ anstatt „ich bitte‟) krigen wat för de billen.‟ „Der Stuhl ist noch billenwarm von dem eben jemand aufgestanden ist.‟ — Also ein ziemlich derbes Wort, aber treffend und deutlich, und darauf kommts der Sprache vor allen Dingen an.

binnen, inwendig, drinnen. Althochdeutsch binnen, mittelhochdeutsch binnen, jetzt im Hochdeutschen so ziemlich auf „Binnenland‟ eingeschränkt, während in Niederdeutschland das Wort noch in manchen anderen Verbindungen erhalten ist. In Holland wird so oft jemand an die Tür klopft da wo wir herein! rufen würden „binnen!‟ gerufen. Seemännisch: binnenbords, Binnengewässer, Binnenseite, Binnenhafen, binnen laufen (für Schutz suchen in einem Hafen, auch bloß gleich einlaufen) Binnenschoot (am Leesegel). Entstanden aus beinnen, wie boven aus be-oben und buten aus be-uten.

Brise, die, jetzt für gewöhnlich gleichbedeutend mit Bö ohne Rücksicht auf die Himmelsrichtung für einen plötzlich aufkommenden, scharfen, wo möglich von Schnee und Hagel begleiteten Wind. Das war früher anders. Da konnte man nicht sagen: es kommt eine Brise aus Osten auf, so wenig wie eine Zeitung die in einer Hafenstadt erscheint hätte schreiben dürfen: „Boreas blies mit vollen Backen aus Südwest‟, oder wie es auf dem Vogelsberg mit Recht gesagt werden kann: „Hier bläst der Nordwind aus allen Himmelsrichtungen.‟ Denn da wußte man noch, daß Bise Nordwind bedeutet. Althochdeutsch bîsa, mittelhochdeutsch bise, boreas; piemontesisch und provençalisch bisa, Nordwind; französisch bise. Ein deutsches Wort, das Weigand I. 223 wohl nicht mit Unrecht als „Beiß‟-Wind erklärt. — Dazu gehört italienisch bigio, provençalisch und französisch bis = grau, schwärzlich; das hängt damit zusammen, daß man in Frankreich den Nordwind bise nannte, mit seinem altdeutschen Namen, und daß bei Nordwind der Himmel grau und schwärzlich war. Ja man dachte sich den Norden überhaupt schwarz und dunkel, denn im Altfranzösischen hieß bise geradezu nördliche Gegend, Norden.

Blakepumpe s. Pumpe.

Bleilatsch, der, ein an Bord gespieltes Unterhaltungsspiel, bei dem es auf die Geschicklichkeit im Werfen mit einer Bleischeibe nach einer an Deck aufgezeichneten Figur ankommt. Eine Latsche ist ein niedergetretener Schuh oder ein solcher ohne Kappe oder Hinterleder; latschen heißt gehen ohne daß man die Füße recht vom Boden aufhebt, mit den Sohlen auf dem Boden dahinschlurren und -schleichen. So gleitet die durch die Luft geworfene Bleiplatte eine Zeit lang an Deck hin, ehe sie an ihrem Ziele liegen bleibt.

„Blauer Peter‟ s. „an Bord.‟

Blinde Rahe, die, ist ein kurzes Rundholz am Bugspriet, das den Zweck hat, demjenigen Teil des stehenden Gutes, der den Klüverbaum nach den Seiten zu rückwärts stützen soll, eine größere Spreizung, also mehr Halt und Festigkeit zu geben. Ein Segel hat diese Rahe nicht. Aber in früheren Zeiten hatte sie eins. Es gab da sogar zwei blinde Rahen mit Segeln, mit viereckigen Rahsegeln. Sie nützten zwar wenig, diese Segel, und hießen darum Blinde, obere Blinde und untere oder große Blinde, und eben daher hießen die beiden Rahen Blinde-Rahen. Überhaupt hieß jedes Segel, wenn und solange es, durch ein anderes stehendes Segel verdeckt oder „benommen‟, ohne Wind war, ein blindes Segel. Da dies bei den beiden Segeln unter dem Bugspriet allermeist der Fall war, waren sie eigentlich zwecklos und leisteten nichts. Mit der Bezeichnung „blind‟ wird wie mit „taub‟, etwas benannt, was nicht ganz so ist wie es sollte sein, nicht leistet wozu es bestimmt ist, z. B. blindes Glas, blindes Fenster, blinder Passagier, „mit dem Blinden spielen.‟ Im Friesischen und Angelsächsischen heißt unsere „taube Nessel‟ „blinde Nessel‟ als eine Pflanze die blüht, ohne Frucht zu bringen; vergl. „taube Nuß‟, Nuß die keinen (Frucht) Kern hat. Die Würfelseite ohne Punkte, (Augen) heißt friesisch bline dobbelstien. In Westfalen nennen sie das, was man anderwärts einen „Nachtwächter‟ am Wege nennt, einen blinnen hasen, weil es nicht wegläuft wenn man darauf tritt. Englisch ist die „schwache Seite‟ eines Menschen seine blindside. „He is too great a lover of himself, this is one of his blindsides; the best of men, I fear, are not without them.‟ — Weil die „Blinde‟ genannten Segel überflüssig waren, kamen sie ab, aber die eine „Blinde-Rahe‟ ist als blinde Rahe geblieben, denn sie ist, wie oben angegeben, nicht überflüssig und zwecklos, wenn sie auch den entsprechenden Namen erhalten bezw. behalten hat. Insofern der eigentliche Zweck einer Rahe der ist, ein Segel zu tragen, führt sie ihn auch mit einem gewissen Recht. Auf den Seekarten des Lucas Janszoon Waghenaer im „Spiegel der Zeevaerdt‟, 1588, ist der freie Raum, den das Meer bietet, mit Vertonungen, schön verzierten Titelkartuschen und dergl. ausgefüllt; daneben auch mit allerlei Seetieren und namentlich mit Schiffen unter Segel. Die meisten von diesen haben die Blinde gesetzt.

Blinkfeuer, das. „Ein Leuchtturm mit rotierendem Leuchtapparat, dessen Licht durch kurze Intervallen von Dunkelheit unterbrochen wird und dann plötzlich wieder erscheint.‟ Ein „Blink‟ ist eine klare Stelle am Himmel, die sich zuweilen bei nebligem oder dunklem Wetter zeigt. Während im Hochdeutschen die Sippe seltener vorkommt, z. B. in der Allitteration „blink und blank‟, als Zeitwort blinken und in der Wendung „mit den Augen blinkern‟, findet sie im Niederdeutschen um so zahlreichere Verwendung, zumal auch blick und bliken dazu genommen werden müssen, da blink und blinken davon nur nasaliert sind. Blik = Schein, Glanz, Strahl, Leuchten, Zeichen, Kennzeichen; davon bliksem, bliksen, bliks = Blitz. — Blink, ebenfalls Blitz, Glanz, momentanes Leuchten, kurzer heller Schein; „alle dre mienuten smit dat lücht fan de furtorn 'n blink afer 't water.‟ — Blinke, blink „eine glänzende Stelle im Watt, welche namentlich beim Sonnenschein durch ihren hellen Schein weithin sichtbar ist. Es sind diejenigen Stellen, welche nach eingetretener Ebbe wegen ihrer Undurchlässigkeit länger naß bleiben‟ (Doornkaat). Es gibt auch noch ein blinke, blink als grüner Anger bei Dörfern und Städten, was wohl von brink kommt, einen erhöhten, bewachsenen Weideplatz bezeichnend. Dazu die Zeitwörter bliken = Schein und Glanz machen, wonach aussehen, sichtbar und offenbar werden, erhellen, sich zeigen, und blinken = blinken, leuchten, glänzen, blitzen, funkeln; davon das Frequentativum blinkern, zwinkern, blinzeln. Kommen alle mit Birke wegen der glänzenden scheinenden Rinde von der Wurzel bhrag, bharg, bhark, glänzen. — Schon althochdeutsch blican, glänzen, blicfiur, Blitzfeuer. Angelsächsisch blican, leuchten; aber altenglisch blink = aspectus. — Roeding kennt „Blickfeuer, gewisse Signäle die man in der Nacht auf Schiffen durch Ansteckung etwas Pulvers von Zeit zu Zeit macht, um sich unter einander Nachricht zu geben, wo man sich befindet.‟

Block, der. Dieses für die Seemannschaft so wichtige Werkzeug, das einem jeden aus der Physik als Teil eines „Flaschenzuges‟ bekannt ist und das hauptsächlich aus zwei Teilen, dem Gehäuse und der Scheibe, besteht, hat seinen Namen von einem Klotz; denn nichts anderes bedeutete das althochdeutsche biloh, mittelhochdeutsch bloch, als Klotz, Stück eines Baumstammes, dickes Brett, Bohle, Holzblock, Block in Gefängnissen; altfriesisch bloc, „vppa thet bloc iefta inna thet kalde yrsen sle,‟ in diesem Sinne wird aber meist, schon im Mittelniederdeutschen, Stock gesagt. Indessen ist Block die treffendere Bezeichnung, denn es kommt vom gothischen lukan, althochdeutsch luhhan, angelsächsisch lucan, und das heißt schließen, verschließen (s. Luke). Das Wort Block führt also in die frühesten, einfachsten Zeiten zurück in denen man zum Verschließen von Öffnungen weiter nichts hatte als einen Holzklotz. — Es gibt eine große Anzahl von Blöcken an Bord, mit verschiedener Gestalt und Bestimmung, die auch je nach Art und Zweck verschiedene Namen führen. Die meisten davon erklären sich durch Zusammensetzungen wie Hakenblock, Bauchgordingsblock, Leesegelsfallblock von selbst. Sonst s. Violinblock, Warrelblock, Steertblock, Kinnbacksblock, Dodshofd und Spinnekopf.

Block an Block s. tublocks.

Blockade, die. Sperrung eines Hafens, einer Küste. In diesem Worte ist die ursprüngliche Bedeutung von Block (s. d.) wieder zum Vorschein gekommen: Verschluß. Das französische bloc und bloquer, das italienische bloccare, das spanische bloquear sind also deutschen Ursprungs. Blockieren war in Deutschland schon vor dem 30jährigen Kriege gebräuchlich. Blockade dagegen wird nach Kluge erst seit 1686 verzeichnet.

blockieren s. Blockade.

Blüse, die. Neben den Leuchttürmen hatten sich lange Jahrhunderte hindurch offene Feuer an erhabener Stelle erhalten die gleichem Zwecke dienten, jetzt aber unseren modernen Beleuchtungsmitteln gewichen sind. Sagt doch schon Roeding: „Auf Blüsen brennt gewöhnlich ein Steinkohlenfeuer, da aber die Flammen desselben, wenn frische Kohlen aufgeschüttet werden, eine Zeitlang erlöscht, oder auch durch die Nachlässigkeit des Hüters, der es nicht oftmals genug auffrischt, nur ein schwaches Licht von sich wirft, so sind die Leuchttürme, auf welchen Lampen brennen, diesen Blüsen vorzuziehen.‟ Mit blasen verwandt, anblasen, anfachen, brennen und flammen machen; englisch to blush, rot werden, erröten. — Auf Wangeroog war erst ein Leuchtturm, dann eine Blüse oder Feuerbake und dann wieder ein Leuchtturm. Winckelmann hat in seiner um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts verfaßten oldenburgischen Chronik davon berichtet. „Dieses Eyland ist vorzeiten viel grösser als gegenwärtig, gewesen, solle, nach der Alten Berieht, sowohl in- als auswendig des Hafens oder Strandes, durch hohe Wasserfluten und starke Stürme, mehr als die Helfte mit der Zeit sich verloren haben, ist itzo nur eine halbe Meile lang, und eine halbe vierteil Meile breit, und denen auf der West- oder Nordseefahrenden sehr nützlich, als dahin sie sich bei Sturmzeiten begeben und vor dem Schiffbruch retten können, wie sichs dann oft begiebt, daß am selbigen Ort 40, 50, 60 und mehr große Lastschiffe zusammenkommen und sich daselbst to lang, bis das Ungewitter vorbey, aufhalten, dahero solche Stelle von den Schiffleuten pro tutissima navium statione, vor einem sicheren Schiffhafen gerühmt wird. Auf diesem Eylandt sind zwo Kirchen, die eine ins Norden, ist noch vor kurzer Zeit, die andere aber ins Westen mitten auf dem Eylandt mit einem hohen dicken Turm und einem Dorf gestanden. Jene ist durch die Ungestümigkeit des Meeres in Vorjahren hinweg gangen, deren Rudera und Kennzeichen, auch zur Ebbezeit die Abteilung der Äcker und die bei den Häusern gehabte Brunnen, man noch merklich sehen kann. Die Einwohner finden jehands daselbst einige alte silberne Münze und andere Sachen. Der Ort wird sonsten Oldenoge genand, worüber nun mehr die allergrosseste Schiffe fahren. Der ins Westen stehende ansehnlicher dicker Turm ist im Jahre 1597 von Herrn Graf Johansen, auf der Elterleut zu Bremen schrift- und mündliches Ersuchen zum besten zu erbauen angefangen und im Jahr 1602 vollendet worden; dessen Kosten an Materialien und Handwerkslohn, ohne die Fuhren und Frohnen der Untertanen, sich auf die vierundzwanzigtausend Reichstaler belauft. Oben darauf hat eine große eiserne mit Rüben-Öhl gefüllete brennende Lampen durch 48 Fenster geleuchtet, den Seefahrenden Leuten bey tunkelen und einfallenden Sturmgewitters Zeiten, zu verhütung Schiffbruchs, die Gegend und den Ort in der See zu zeigen, daß man davon sagen mögen:

Naufragus aequoreis ne Nauta periret in undis

Hac facibus turri nocte docetur iter.

Dieweilen aber solche Lampen durch die Fenster nicht weit in die See geschienen, und nachgehends die Feuerbaken erfunden sind; Als lässet Herr Graf Anthon Günther eine Feuerbake ins Norden auf einen Sandhügel und noch zwey und zwanzig Stuffen hoch aufrichten, und das Feuer mit Schottischen Steinkohlen von Michaelis bis gegen Christtag, und wieder gegen Fastnacht bis Ostern, alstets unterhalten, welches in die vierdhalb Meile wegs aus der See gesehen wird.

Bö, die. Eine plötzlich entstehende, kurze Zeit dauernde Windsbraut, bei der man je nach der Stärke oder den Begleiterscheinungen von Sturmbö, Hagelbö, Regenbö, spricht. Es dürfte mit Bake verwandt sein. Hört man genauer zu, so sagt ja der niederländische Seemann nicht schlechthin und kurzab Bö, sondern er macht das ö lang und zieht es am Schlusse in ein i hinüber. Wer jemals einen Kieler Fischer den Namen des Seebades und Fischerdorfes Laboe aussprechen hörte, der wird den Klang kennen, wenn Laboe auch eine andere Herkunft aufweist. Im ostfriesischen heißt das Wort geradezu Böje. Und dieses i dürfte der letzte Rest eines flüchtig gewordenen Gutturallautes sein, eines k oder g, wie denn im dänischen das Wort, heute das g noch hat, byge. Zu Grund wird ein Zeitwort liegen, das altfriesisch und saterländisch beja, nordfriesisch boje, dänisch boje, westfriesisch buwgjen, holländisch buigen heißt, das deutsche beugen, biegen, bücken. Eben davon haben wir Bake abgeleitet, wegen der biegenden, beugenden, bückenden Bewegung des Körpers. Nun eröffnet sich für die Entstehung von Bö eine doppelte Möglichkeit. Entweder, was das Nächste sein dürfte, die Bö biegt, beugt Bäume und Masten, (oder bricht sie, wenn sie nicht biegen wollen), oder sie ist eben aufzufassen als eine Biegung, Beugung, Ablenkung, eine plötzliche Veränderung des Wetters.

Und wie wir in Bezug auf die Gemütsstimmung eines Menschen wohl von „schlechtem Wetter‟ sprechen, so wird in Ostfriesland für unbeständige, umspringende, sich hin- und herdrehende Stimmung, für eine wetterwendische Gemütsart die Bezeichnung Böje gebraucht. Und gerade dieser Gebrauch hilft die Vermutung der Verwandtschaft mit Bake stützen, denn für Böje in diesem Sinne wird noch häufiger Bök oder Böke gesagt, das Wendung, Kehr, Drehung, Wechsel, Laune bedeutet.

Bock, der, ein aus zwei Stangen aufgerichtetes Gestell, mit dessen Hilfe man Lasten aufwindet. Ungleich dem Sturmbock, der von des Ziegenbocks Neigung zum Stoßen den Namen hat, ist dieser Bock nach dem mit seinen Hörnern sich vornüber neigenden Ziegenbock genannt, während Sägebock einfach das Bild eines solchen Tieres in seiner ganzen äußeren Gestalt darstellt. Wohl von einer Wurzel bhug, wegen des Sichbückens zum Stoß. — s. Krahn.

Boden, der, „ein uraltes indogermanisches Wort‟ mit der Bedeutung „Grund und Boden‟; dann auch das Untere, Unterste, Unterlage für etwas, davon: Aufbewahrungsort. Das Wort hieß althochdeutsch bodam, mittelhochdeutsch bodem; so heißt es auch heute noch in deutschen Mundarten. Angelsächsich botm, englisch bottom. Dieses in der ursprünglichen Form ist für die Seemannssprache wichtig wegen Bodmerei (s. d.). Man spricht von Außenboden, Innenboden, Doppelboden u. s. w.

Bodenwrange, die, auch Bauchstück genannt, das unterste, zunächst am Kiel sitzende Spantstück. Es hat seinen Namen von der Krümmung. Wenn auch gerade das unterste (Bauch-) Stück des Spants noch nicht so sehr gekrümmt ist, so beginnt doch bei ihm die Krümmung; es ist daher zweifellos, daß Wrange von wringen, biegen, drehen, kommt. Wrange heißt in Ostfriesland auch ein „verdrehter‟ Mensch; das hochdeutsche, wie gewöhnlich das anlautende w vor r abwerfend, sagt dafür Range. — Davon das französische varangue.

Bodmerei, die, ein Darlehensgeschäft, Vorschuß auf die, auf dem Boden (früher Bodem) des Schiffes, d. h. im Schiffe liegenden, zur Ausfahrt geladenen Waren. Französisch la bomerie; Aubin: „Comme l'argent que l'on préte, et qui raporte quinze, vingt et jusques à trente pour cent, selon les risques, n'est prêté, pour l'ordinaire, que sur la quille du vaisseau, qui chez les Hollandais s'apelle Bodem, d'où ils on fait Bodmerye, on a aussi apellé ce prêt, Bomerie.‟ — Kilianus Duffel.: boomerye rectius bodemrye, tax: bodmerye a bodem i. carina navis, foenus nauticum, usura maritima. — In Holland heißt verbodemt hout hout dat komt per bodem, d. h. an Bord eines Schiffes und mit einem Floß. — Die über das Geldgeschäft aufgenommene Urkunde heißt Bodmerei-Brief, unterschieden von Beilbrief (s. d.), weshalb die Erklärung „Vorschuß auf den Kiel eines Schiffes‟ ungenau ist, weil man dabei an den Bau eines Schiffes denken könnte, während doch die Ladung des Schiffes gemeint ist.

Boje, die. Ein Seezeichen, nach Zweck und Gebrauch ähnlich der Bake, nur daß die Boje schwimmt und die Bake meistens auf dem Lande oder dem Meeresgrunde befestigt ist. Nach der Gestalt unterscheidet man Bakenboje, Blockboje, Glockenboje, Kegelboje, Pfahlboje, Spierenboje, Tonnenboje, wie denn auch Tonne (s. d.) allein häufig, ebenso wie Boje und Bake, für Seezeichen gebraucht, und zwar, wie es scheint, in neuerer Zeit immer häufiger angewandt wird. („Lootsen- und Betonnungswesen‟). Nach der Farbe unterschieden giebt es weiße, schwarze, rote, gestreifte und gewürfelte Bojen. Nach ihrem Zweck: Ankerboje, Anseglungsboje, Hafenboje, Mooringsboje, Rettungsboje, Signalboje, Verholboje, Vertäuboje, Festmacherboje, Warnboje, Warpboje, Wrackboje, Deviationsboje. Boje ist ein Lehnwort aus dem Lateinischen und bedeutete ursprünglich nur Fessel. Bei dem lateinischen Schriftsteller Festus kommt es mit der Erklärung vor: „genus vinculorum tam ferreae quam ligneae,‟ ist dann in das Altitalienische übergangen, wo es noch boja hieß, ins Provençalische, wo es die Form boia annahm, und ins Französische, wo es altfranzösisch als buie, Kette, Fessel vorkommt. — Weil der Henker dem Spitzbuben gleichsam eine Halsfessel anlegt, so heißt er im Italienischen boja. Boja bedeutet nicht bloß Kette, sondern irgend ein zum Fesseln geeignetes Ding, zum Beispiel einen Riemen, aus einer Tierhaut, genauer einer Ochsenhaut geschnitten, und da bos der Ochse heißt, so ist also Riemen aus Ochsenhaut die älteste Bedeutung. Nun fesselte man, band man fest an solchen Riemen, an ein Tau, an eine Kette ein Stück Holz in der Weise, daß das eine Ende am Holze fest war, das andere an einem auf dem Meeresgrunde liegenden Stein. Und bald übertrug man den Namen des haltenden Dinges auf das Gehaltene und nannte das Stück Holz nach der boja, die es festhielt, Boje. Offenbar hat sich diese Bedeutungsübertragung auf dem Durchgang durch das Französische vollzogen, wo 1702 Boje in der Form bouée vorkommt: „une marque faite d'un morceau de bois ataché à l'orin.‟ — Aber noch weiter ist man mit der Übertragung der Bedeutung gegangen, so weit, daß von der ursprünglichen gar nichts mehr vorhanden ist. Diese Neugeburt kam in drei Abschnitten zu Stande: 1. Boje = Fessel. 2., Boje = gefesseltes Stück Holz oder Kork oder dergl. 3., ein Stück (Ring von) Kork ganz ohne Fessel, frei durch die Luft als Rettungsboje dem ins Wasser Gefallenen zugeworfen. — Doch war im Holländischen vor 200 Jahren die Bedeutung Fessel auch den Seeleuten noch durchaus geläufig, denn einen „in de ysers of boyen setten‟, hieß einen in Eisen, in Fesseln legen. Kilianus, über 150 Jahre früher, hat das Wort als bouye = vinculum pedis; dann aber auch = anchoralia tabula, anchorae index in superficie aquae natans, also Ankerboje. Diese Bedeutung im übertragenen Sinne ist also die älteste und ist auch hauptsächlich in das Bewußtsein der (nichtseemännischen) Schriftsteller übergegangen: Schreibt doch Weiland: „boei = eene ton, of een blok hetwelk op het water dryft en de plaats aanwyst, waar het anker ligt.‟ Sonst kennt er auch boei noch als Band, „met de stalen boei aan 't been.‟ In der Mehrzahl heißt es: Gefängniß. Auch bildlich gebraucht: „met de boejen des huwelyks (der Ehe) belast.‟ — Siehe auch „Tonnenboyer.‟

Bollwerk, das, kommt in der Seemannssprache nur im Sinne von „hölzerne Brücke‟ vor, aus Pfählen und Bohlen entlang einer Mauer, einem Wall oder Damm als Liegeplatz für Schiffe erbaut, oder auch ins Wasser hinausgebaut zum (vorübergehenden) Anlegen von Schiffen. So leidet es keinen Zweifel, daß das Wort von Bohle kommt. Schon im „Seebuch‟ 1400 lesen wir: „unde van Nergeden to Revele achter dat bolwerk, dat sind dre weke seys.‟ „dat Kors ist ost.‟ („weke sees‟ ist ein noch zweifelhaftes Wegemaß zur See aus jener Zeit.) Aus dieser Segelanweisung ersehen wir, wie sehr die Hansa auf gute Hafenanlagen bedacht war. — Das deutsche Wort drang als boulevard ins Französische; es war also von den Leuten zu Mainz doppelt Unrecht, daß sie anfänglich ihre schönste neue Straße Boulevard genannt haben. — Von Bollwerk kommt ein Zeitwort bollwerken, das ein Bollwerk machen bedeutet, figürlich aber für schwer arbeiten, scherzweise auch als verbollwerken für verarbeiten, bewältigen, verprügeln gebraucht wird.

Bolzen, der. Alle die verschiedenen Arten von Bolzen die es an Bord gibt, haben, wie im ganzen deutschen Sprachgebiet, die Bedeutung eines (längeren oder kürzeren, dickeren oder dünneren) Nagels. Man unterscheidet aber je nach Gestalt und Bestimmung Ringbolzen, die am Kopfe einen beweglichen Ring haben, Augbolzen, deren Kopf ein Auge, eine augenförmige Öffnung hat; Splintbolzen, die an der Spitze ein kleines längliches Loch zum Durchstecken eines Splints haben usw. „Klar beim Bolzen!‟ ist ein aus seemännischem Munde oft zu hörendes, scherzweise auch da, wo es gar keine Bolzen zu besetzen und zu bedienen gibt, gebrauchtes Kommando mit der Bedeutung „nun aufgepaßt!‟

Bonnet, das, ist bei uns veraltet, bei den Franzosen aber kommt es als bonnette, den Engländern als bonnet noch vor. Es ist eine Vergrößerung der Untersegel, die bei gutem Wetter und beständigem Winde angebracht wird. Also etwas Ähnliches wie Leesegel, nur daß ein solches neben dem eigentlichen Segel, das Bonnet aber an der Unterkante des Segels angebracht wird. Mittelhochdeutsch bonit, 1461: „en holk, geheten Marienknecht, mit deme segel, bonitzs, veer kabels, veer ankers‟ u. s. w. Bonnet war der Name einer Art von Zeug, Leinwand oder dergl., daher eine aus solchem Zeug verfertigte Mütze bonnet hieß und in England heute noch so heißt. Aus gleichem oder ähnlichem Zeug war auch die Verlängerung des Segels; man gebrauchte sie auch zum Verstopfen eines Lecks. — Da das Bonnet eine Verlängerung des Segels bedeutete, so nahm es auch, den Begriff Verlängerung besonders auffassend, ganz allgemein die Bedeutung „Verlängerung‟ an, Verlängerung eines Baumes, einer Leiter, eines Löschbordes u. s. w. — Eine andere Erklärung ist, da obige nicht ganz überzeugend zu sein scheint, unter Leesegel gegeben; sie dürfte vielleicht eher einleuchten, zumal im Französischen, vergl. Aubin, 1702, bonnette nicht nur Bonnet in obigen Sinne, sondern auch im weiteren Sinne Leesegel heißt und Leesegel ein Schönwettersegel bedeutet.

Boot, das. In Hochdeutschland kommt dieses Wort auch heute noch kaum vor, dafür ist es desto weiter im niederdeutschen Sprachgebiet verbreitet; und was ein richtiger niederdeutscher Seemann ist, der sagt „die Boot‟. — Das erste Zeugnis für das Vorkommen des Wortes finde ich in einer Urkunde des Königs Äthelred (978-1016): „Qui ad pontem venisset cum uno bato, ubi piscis inesset.‟ In der Edda finden wir es als batr (neben eikja, einem aus einer Eiche ausgehöhltem Boote). Kluge sagt: „Der Ursprung von angels. bat = germ. baita — (vorgerm. bhoido — ?) ist noch nicht aufgeklärt.‟ — Die altnordische Form beit erinnert an das Schiffszimmermannswerkzeug Beitel, und von hier aus liegt die Vermutung nicht allzu fern, es möchte wegen der Bearbeitung mit dem Beitel dem Worte ein Stamm zu Grunde liegen, der graben, stechen, hauen, spalten bedeutet, zumal es ein mittelniederdeutsches Zeitwort booten gibt, das schlagen, stoßen, stechen bedeutet. An die Wurzel bhad stoßen, oder bhid hauen wird also zu denken sein, so daß Boot etwas Ausgehauenes oder Ausgestochenes, etwas aus einem Baumstamm mit dem Beitel Ausgehöhltes wäre, ein „Einbaum‟. Noch heute hat man in Ostfriesland das Zeitwort böten, schlagen, stoßen; althochdeutsch bozan. Und daneben in ganz Norddeutschland, im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet das Zeitwort böten, heizen. Die beiden könnten mit einander verwandt sein, insofern zum Heizen die menschliche Tätigkeit des Stoßens, Stechens, Stocherns, Stokens unentbehrlich ist. Da aber böten auch feuern bedeutet, so erinnert es uns daran, daß man dem Beitel mit Feuer zu Hilfe gekommen ist und in uralten Zeiten das Boot mit Feuer ausgehöhlt hat, so daß uns also das Wort in die allerersten Culturanfänge zurückführen könnte. — Zusammensetzungen wie Bootssteurer, Bootssegel, Bootskompaß sind ohne Weiteres verständlich. Bootspfropfen nennt man den Korkpfropfen mit dem das kleine Wasserablaufloch im Boden des Bootes verstopft wird, ehe man das Boot zu Wasser läßt.

Bootsmann, der. Der Deckoffizier dem die Aufsicht über die gesamte Takelage und das eigentlich Seemännische, soweit es Arbeitsverteilung und Verwaltung des Inventars betrifft, übertragen ist. Englisch boatswain, ein eigentümliches Wort, denn swein bedeutet Knecht, Schweineknecht, Schweinhirt; swain junger Hirt, Junge, Bursch der etwas mit der Schweinherde zu tun hat (vergl. Steward). Französisch bossemann. Im Seebuch 1400 kommt die Form boesman vor, sonst mittelniederdeutsch bosmann, wo es aber noch jeden bezeichnet, der in einem Boot ist, so daß also alle Leute im Boote Bootsleute waren; schließlich hieß überhaupt jeder Seemann bosmann. „De boslüde hebben Rode Clawes vorkregen, welk ein bose tyranne west was, und hebben en in grapenbraden stucke tohowen.‟ (Schiller und Lübben II. 153) s. a. Hochbootsmann. — Ein Bootsmannsstuhl ist eine (aus Segeltuch hergestellte) Sitzgelegenheit die an einem Tau auf- und niedergeholt werden kann. Er wird gebraucht Verwundete aus dem Mars an Deck niederzulassen, seemännische Arbeiten in der Takelage auszuführen und dergl. So nennt man auch den „Stuhl‟ der an einem Tau fährt, das vom Mast eines gestrandeten Schiffes an Land gegeben ist um Schiffbrüchige zu retten.

Bootsmannshellegat, s. Hellegat.

Bootsmannsmaat, siehe Maat.

Bootsmannsstuhl, siehe Bootsmann.

Börtschiff, das, ein Schiff, das zu einer festen und bestimmten Zeit regelmäßige Fahrten nach einem und demselben Orte (und wieder zurück) macht; „d'r is 'n börtfard up Amsterdam inrigt.‟ Mit bören = tragen von phero, fero, aber nicht weil das Schiff die Lasten trägt, sondern weil es ihm gebührt, regelmäßig zu fahren, nachdem der börtmann oder börtschipper sich einmal dazu verpflichtet und die Sache übernommen hat, oder auch, weil das, was sich gebührt in der Ordnung, in der Reihe ist: (regelmäßige) Reihenfahrt betreibt. Weiterhin bedeutet bört die Reihenfolge nach der sich etwas wechselweise zuträgt „de bört is an mi‟; „'t is nu min bört‟. Brem. Wörterbuch: Börtlüde sind die Schmackschiffer, die wöchentlich von Bremen nach Amsterdam und Hamburg, in einer privilegierten Anzahl, wechselweise fahren müssen.

Bord, der. Dieses im Munde des Seemannes so häufig gehörte Wort heißt ursprünglich weiternichts wie Brett und stammt mit „bören‟ und der ganzen weitverbreiteten Sippe von der Wurzel bhar, bedeutet also etwas Tragendes. Früh schon entwickelte sich, weil man mit Brettern etwas baute, einen Raum einschloß und begrenzte, die Bedeutung Rand, Rand des Schiffes, Schiffsbord; worauf dann der Teil für das Ganze genommen und Bord für Schiff gesagt wurde, doch nicht ohne daß die beiden ursprünglichen Bedeutungen daneben im Gebrauche geblieben wären. — Ein gemeingermanisches Wort, im gothischen als fötubaurd, Fußbrett, Schemel bezeugt, althochdeutsch bort, Brett, Tafel, Tisch, altnordisch bord, Tafel, Brett, (Edda: bord, Bord des Schiffes, Tisch). Die Bedeutung Tafel, Tisch ist aus der von Rand hervorgegangen, weil man um den Rand des Tisches herumsitzt. Und im Altsächsischen hieß bord nicht nur Tisch, sondern auch Haus, aus Borden, Bördern gebaut, ähnlichem Gedankengang folgend der heute noch anstatt „in meinem Hause‟ sagt: „in meinen vier Wänden, in meinen vier Pfählen.‟ — Für „Schiff‟ wird bord schon früh, im Angelsächsischen, „on borde‟ und im Altfriesischen gebraucht: „and taegh ne weer inoer boerd‟, „und zog ihn wieder binnenbords.‟ — Aus dem althochdeutschen bort, Rand, ist unser neuhochdeutsches Borte hervorgegangen. Es ist auch als bordo ins Italienische, Spanische, Portugiesische gegangen, als bord ins Französische, = Rand, Schiffsrand. Daraus entstand das spanische Zeitwort bordar, einfassen, (mit einem Rande besticken) sticken; das französische (border) broder, woher unser Fremdwort Bordure, mit der fremden Form aber dem einheimischen alten Sinn. Im Altfranzösischen hieß borde Baracke, davon bordele, bordel (ital. bordelle) = Hüttchen, kleine, unansehnliche, schlechte (Bretter-) Bude. — Zu vergleichen ist die Bedeutungsentwicklung von Diele, althochdeutsch dilo, dil, mittelhochdeutsch dile: Brett, bretterne Wandbekleidung, Zimmerdecke, Bretterwand, („gedielter‟) Fußboden, „Diele‟, Schiffsverdeck. Vielleicht ist Bord zeitweilig ebenso wie Diele für Deck, Schiffsverdeck gebraucht worden. In der Zollrolle der Gräfin Margarethe von Flandern vom Jahre 1252 heißt es: „Scuta que bordum habet debet Comiti duos dinarios; si vero bordo carent, debet Comiti unum denarium.‟ Sartorius und Lappenberg bemerken dazu: „Die Schute mit einem (größeren, höheren) Bord ist von größerem Umfange, als die ohne oder mit einem kleinen Bord.‟ Durch diese Erklärung wird aber die Sache nur noch dunkler, denn die Begriffe „größer‟ und „kleiner‟ sind hineingetragen. Es steht da nur von einer Schute die einen Bord hat und von einer die keinen hat. Einen Bord im Sinne von Rand muß aber jedes Schiff haben, auch das kleinste. So darf man vielleicht annehmen, es sei Deck gemeint, so daß ein gedecktes Schiff das Doppelte der Abgabe eines ungedeckten zu zahlen hatte. Diese Vermutung gewinnt an Wahrscheinlichkeit, wenn man in einer Bremer Urkunde von 1312 und 1315 liest: „Si naui, que dicitur eke, hoc commiserint, centum, si alia vocata bortskip, sexaginta marcis etc. etc. debebunt emendare.‟ Es gab also Schiffe die Bortschiffe hießen; da aber jedes Schiff einen Bord hat, so muß etwas anderes als Bord, Rand, gemeint sein, das den Namen gab, und da liegt Deck am nächsten. Dasselbe gilt für das mittelniederdeutschen Urkunden eigene, noch heute in den west- und ostpreußischen Häfen gebräuchliche bordinge; Brem. Stat. 1489: „nemondt schall myt synen bordinghen of schepenn legghen oan der slacht (Bollwerk), dat wuppengeldt (Krahngeld, Hafenabgabe) sy dann thovoren entrichtet.‟ Oldenburgische Urkunde von 1549: „Ike hadde ene burdinge dat is ein stark schepe als ein punte, dar er siene perde mit auer furde‟. — S. „an Bord‟, „von Bord‟, „über Bord.‟

borden, ungefähr gleichbedeutend mit entern (s. d.), auch anborden, sich an jemandes Bord mit seinem Borde legen, Schiff an Schiff (Bord an Bord) liegen, namentlich im Nahekampfe einer Seeschlacht. Von einem anderen mittelalterlichen, ebenfalls in der Zeit der Hansa viel gebrauchten borderen, welches Zweikampf, Turnier, bedeutet (und von Buhurt kommt) wohl zu unterscheiden. Je niedriger ein Schiff ist, desto mehr ist es im Kampfe gegen ein hochbordiges im Nachteil. In einem Hansa-Receß von 1440 lesen wir: ... „unde hadden nicht so vele skepe to huss alse dar do injegen behoff was, unde de skepe de gi hadden, se weren ok nicht so grote, dat se myt den Hollenders skepe borden konden, wente se hadden grote Spansche schepe.‟

Borg — in Borgbendsel, Borgbraß, Borgrahe, Borgstag, Borgstenge, Borgwanttau u. a. m. bedeutet das was wir heute Reserve zu nennen belieben, wenn wir uns gebildet ausdrücken wollen. Der Seemann ist aber bei seinem Borg geblieben, welches eigentlich Sicherheit bedeutet. Um auf alle Fälle, auch wenn eine Rahe oder Stenge bricht, sicher zu gehen, nimmt man eine zweite Rahe oder Stenge mit an Bord die dann Borgrahe, Borgstenge heißt. Breusing tadelt Roeding, daß er nicht gesagt hat, daß dieses Borg nichts mit dem auf Borg geben gemein hat; mit Unrecht, denn einmal lag es überhaupt nicht in Roedings Absicht, etymologische Untersuchungen anzustellen, und dann: was ist denn der Unterschied zwischen Borg in dem einen und Borg in dem andern Sinne? Es handelt sich beide Male um Sicherheit. Und wenn beim Borgen auch jetzt nicht immer mehr ein Pfand als Sicherheit verlangt oder gegeben wird, so tritt zwar der Begriff Sicherheit nicht mehr so in den Vordergrund, er ist aber doch noch vorhanden, und wäre es nur in dem Wort, in dem Versprechen des Schuldners, zu einer gewissen Zeit das Geborgte wiederzugeben.

Bottelier, der. Der Unteroffizier der den Proviant an Bord zu verwalten hat, also eine sehr wichtige Persönlichkeit, was schon daraus zu erkennen ist, daß er sich nicht Botelir sondern Bottelié nennen läßt, als ob es französisch wäre. Und es ist doch gut deutsch. Im Althochdeutschen hieß der Bottich botacha, mittelhochdeutsch botige; davon kommt butiglaere, büttiglaere, putigler, der Schenk, Mundschenk. Von Bottich kommt Bütte, von Bütte als Verkleinerungsform Buttel (Buddel), niederdeutsch Bottel, und hiervon kommt Bottelier, nur daß im seemännischen Gebrauch die verengte Bedeutung wieder erweitert ist, daß man nicht bloß an Flaschen, sondern vor allen Dingen an Fässer denkt, auch wenn sie gar kein Getränk, sondern Fleisch oder Butter oder Hartbrot enthalten. Noch mehr ist der Begriff in Westfalen erweitert, wo eine Magd, die auf größeren Gütern für das Bier und die Wäsche des Gesindes sorgt, Buddeliersche heißt, während anderseits der Kellermeister des Abtes von Werden den Titel buttelierer führte. — In Holland haben sie ein Sprichwort, das läßt tief blicken. „Als kok en bottelier zamen kyven, hoort men, waar de boter gebleven is.‟ Lüpkes hat das übersetzt: „Wenn Koch und Kellermeister mit einander streiten, zanken, hört man (durch ihre wechselseitigen Vorwürfe), wo die Butter geblieben ist.‟ „Kellermeister‟ ist, da es selbst das vornehmste Schiff bis jetzt noch nicht zu einem Keller gebracht hat, sehr kühn angewandt, wahrscheinlich in Erinnerung an das andere Sprichwort: „Da weiß kein Mensch, wer Koch oder Kellermeister ist.‟ Es hätte sehr wohl Bottelier können stehen bleiben, denn das Wort ist unter den Lesern der „Seemannssprüche‟ allgemein bekannt. — In seinem großen Werke über Japan erzählt der Deutsche Kämpfer, der aber sein Buch holländisch herausgegeben hat, der erste Taikun Taikosama sei in seiner Jugend Bottelier bei einem japanischen Edelmann gewesen.

Brabank, die. Ursprünglich ein Ort wo seemännische Arbeit getan wurde, an einer Küste oder einem Ufer; also bedeutungsverwandt mit Lastadie und Werft. Während nun Lastadie — habent sua fata verba! — so ziemlich aus dem Mund der Menschen gekommen ist, hat Werft ein großartiges Glück in der Welt gemacht; Brabank hat sich zwar erhalten, aber in bescheidenen, enger gewordenen Grenzen, indem es jetzt die Gesamtheit der auf einer Werft beschäftigten Seeleute bedeutet. „Er ist auf der Brabank, von der Brabank, gehört zur Brabank,‟ das heißt er gehört dem Allgemeinen Betriebsdepôt der Werft an, verrichtet allerlei vorkommende Seemannsarbeit, besorgt das Verholen von Schiffen, widmet sich dem beschaulichen Geschäft eines Liegers etc. etc. Im Niederdeutschen hieß das Wort das ganze Mittelalter hindurch Brakbank, und die Tätigkeit die auf der Brakbank ausgeübt wurde nannte man braken. Nun hat Grimm bei Besprechung des Zeitworts braten, welches von der Wurzel bhrag stammt, den Gedanken geäußert, daß vor dem t in braten ein k ausgefallen sei, daß also braten für brakten stehe oder das k mit t einfach getauscht habe. Durch die Form Brakbank wird das vermutete k zur Gewißheit. Und gegen einen Tausch zwischen k und t ist nichts zu erinnern, er kommt in jeder Kinderstube täglich vor, und es gibt ganze Völkerschaften, die die beiden Buchstaben so durcheinander werfen, ohne daß sie sich dessen überhaupt bewußt sind, ob sie ein k, ob sie ein t sprechen. Wenn in einem alten Hamburger Schauspiel eine Frau Lackin anstatt Latin sagen konnte, dann konnte man sicher auch braten für braken sagen. Und man tat es auch. Im Hochdeutschen hieß das Wort und heißt es braten, im Niederdeutschen braden; doch hielt sich hier nach niederdeutscher Art in der Erinnerung an den Stamm bhrag auch braghen. In dem „Redentiner Osterspiel,‟ so genannt weil es von einem Ungenannten am 20. November 1464 zu Redentin im Kirchspiel Neuburg bei Wismar vollendet wurde, geht Lucifer mit den verschiedenen Handwerkern wegen ihrer Handwerkskniffe und -Betrügereien ins Gericht. Dem Schneider (niederdeutsch scroder oder schrodere, daher der weitverbreitete Familienname Schroeder) fällt er das Urteil:

„Desseme schrodere dat syn recht

Unde werpet ene an der helle grunt,

Dar schal he ligghen so en hunt

Unde an der ewighen nette braghen

He heft so mennighen man bedraghen.‟