500 Rätsel
und
Rätselscherze

für jung und alt

Herausgegeben von

Jos. Frick, Hauptlehrer

Ein Bringmichraus
für Schul und Haus

Der Sammlung »Spielbücher« 12. Band

Verlag von Otto Maier, Ravensburg

Ferd. Oechelhäuser’sche Buchdruckerei, Kempten-Allg.

I. Worträtsel:

Das ganze Wort wird umschrieben dargestellt.

1.

Rate Kind: wer bin ich wohl?
Vorne bin ich breit und hohl,
Hinten bin ich lang und schmal.
Fütt’re dich beim Mittagsmahl.

2.

Es ist gemacht aus Holz und Glas,
Das Licht scheint durch. Was ist denn das?

3.

Erst weiß wie Schnee,
Ich weiß noch mehr;
Dann grün wie Gras,
Ich weiß noch was;
Dann rot wie Blut,
Ist’s noch nicht gut.
Schwarz wie Pech,
Jetzt ist es recht.

4.

Wer mich beißt, den beiß ich wieder,
Netz ihm gleich die Augenlider.

5.

Kind, sag’ mir doch den Vogel an,
Der seinen Namen rufen kann?

6.

Ich rede ohne Zunge,
Ich schreie ohne Lunge,
Ich habe auch kein Herz,
Und nehm’ doch teil an Freud und Schmerz.

7.

Ein Mädchenname hat der Zeichen vier,
Und vor- und rückwärts lest dasselbe ihr.

8.

Ist es der Apfel, die Birne, so mag sie keiner genießen,
Ist es der Schüler, so wird ihn die leichteste Arbeit verdrießen.

9.

Selbst der niedrigste Knecht kann durch Gunst der Fortuna es werden.
Es besitzen jedoch, können Monarchen allein.

10.

Zwei Löcher hab’ ich,
Zwei Finger brauch’ ich,
So mach’ ich Langes und Breites klein
Und trenne, was nicht beisammen soll sein.

11.

Bei Vater, Mutter, Großpapa
Bin ich zu allen Zeiten;
Doch Onkel, Tante, Stiefmama,
Die kann ich gar nicht leiden; –
Ein jedes Rätsel fang ich an,
Und jeden guten Rat;
Ja leider bin ich stets beim Wort
Und niemals bei der Tat.

12.

Vier Spieler spielen die ganze Nacht;
Sie haben mit Eifer ihr Spiel gemacht,
Und keiner verlor und jeder gewann,
Wer waren die Spieler? o, sage es an!

13.

Ich sage dir nicht, was ich dir sage,
Sondern was ich dir sage, sage ich dir, damit du
Mir sagst, was ich dir nicht sage.

14.

Die Sätze, welche ledern sind,
Es kennt sie sicher jedes Kind.

15.

Eins, sind wir zwei; doch wenn wir uns zusammenfügen,
Entzwei’n wir alles, was wir kriegen.

16.

Obschon mich alle strahlend kennen,
So bin ich doch ein Diener nur;
Ich lasse mich verschieden nennen,
So wie ich steh’ auf Himmelsflur;
Ob ich voran der Herrin gehe,
Ob ihr ich oft im Rücken stehe.

17.

Bald bin ich groß, bald bin ich klein; –
Du findest mich in jedem Hain;
Im Tal und Wasser bin ich auch,
Sogar in jedem Qualm und Rauch;
Im Schlaf komm ich dir zu Gesicht....
Weißt du des Rätsels Lösung nicht?

18.

Ich war vor kurzem nicht vorhanden,
Und jetzt, du weißt nicht, wie’s geschah,
Bin ganz im Dunkel ich entstanden
Und bin als schönes Kunstwerk da.
Der Künstler mußte mich behandeln,
Der Sonne Licht in Schwarz verwandeln,
Und glänzend Silber mußte schwinden,
Damit dich kannst getroffen finden.

19.

Wer es macht, der sagt es nicht;
Wer es nimmt, der kennt es nicht;
Wer es kennt, der nimmt es nicht.

20.

So fang den widrigen Gesellen, bevor er mehr dich plagt;
Ich kann nicht, denn er tat gar schnell, was uns sein Name sagt.

21.

Wenn du ihn hast erhalten,
So bleib ihm treu und hold.
Des ew’gen Bundes Zeichen
Ist er und glänzt im Gold.
Doch wenn ein einzig Zeichen
Du aus ihm läßt ganz fort;
Daß Weh dein Herz betroffen,
Verkündet dann das Wort.

22.

Der Blinde sah den Hasen laufen,
Der Lahme sprang ihm hurtig nach,
Der Nackte steckt ihn in die Tasche:
Was ist das für ein Ungemach?

23.

Es wird zur schweren Last
Und hat doch kein Gewicht.
Es ruht auf mancher Flur;
Und dennoch sieht man’s nicht;
Nicht selten wird’s gelöscht
Und brennt zuvor doch nicht!

24.

Zu manchem bist du wohl getreten
Und hast in Höflichkeit gebeten,
Daß er es möchte doch dir geben.
Trotzdem wird es dich nicht beglücken,
Gibt jemand es aus freien Stücken.

25.

In jedem Herzen, das da schlägt,
In jeder Brust, die sich bewegt,
In jedem Schmerz, der dich bedrückt,
In jeder Freud, die dich entzückt,
Doch nie in Leid und Seelenpein,
Wirst du mir schon begegnet sein.

26.

Nennst du mich »der«, bring ich Triumph
Und schlag des Gegners Waffe stumpf.
Nennst du mich »die«, führ’ ich mich ein
Als die Vasallin unseres Rhein.

27.

Unter allen Schlangen ist eine
Auf Erden nicht gezeugt,
Mit der an Schnelle keine,
An Wut sich keine vergleicht.

Sie stürzt mit furchtbarer Stimme
Auf ihren Raub sich los,
Vertilgt in einem Grimme
Den Reiter und sein Roß.

Sie liebt die höchsten Spitzen;
Nicht Schloß, nicht Riegel kann
Vor ihrem Anfall schützen;
Der Harnisch – lockt sie an.

Sie bricht wie dünne Halmen,
Den stärksten Baum entzwei;
Sie kann das Erz zermalmen,
Wie dicht und fest es sei.

Und dieses Ungeheuer
Hat zweimal nie gedroht. –
Es stirbt im eignen Feuer;
Wie’s tötet, ist es tot!

(Schiller.)

28.

Wenn du den gord’schen Knoten löst,
Den ich dir bildlich dargestellt,
Dann hör ich auf, dir das zu gelten,
Für was mich jetzt dein Sinn noch hält.

29.

Wer es besitzt, hat Grund sich zu beklagen,
Und wem es fehlt, der ist gesund.
Wer es verschweigt, vermag uns viel zu sagen,
Und wer es sagt, der hält stets reinen Mund.
Der Geizige vermag es fortzuschenken;
Der üppige Verschwender knappt sich’s ab.
Wer niemals denkt, wird immer daran denken,
Und jeder nimmt es mit sich in das Grab.

30.

Geheimnisvoll ein Hauch nur, fast ein Nichts,
Gespenstisch oft, ist es ein Feind des Lichts.
Wo Blümlein welken auf der öden Flur,
In Trauer hüllt’s die sterbende Natur;
Die Müden all zu süßer Rast und Ruh
In stillen Stunden deckt es friedlich zu.
Es schmückt die Maid, wenn Lieb und Glück ihr winkt,
Umhüllet sie, wenn Lieb und Glück versinkt,
Wenn ihr die Letzte, die ihr Hort und Halt,
Entrissen durch des Todes Allgewalt.
Es deckt im Sarge sie, wie einst die Wiege,
Bis die Posaune schallt zum großen Siege.

31.

Von Perlen baut sich eine Brücke
Hoch über einen grauen See;
Sie baut sich auf im Augenblicke,
Und schwindelnd steigt sie in die Höh.

Der höchsten Schiffe höchste Masten
Ziehn unter ihrem Bogen hin,
Sie selber trug noch keine Lasten
Und scheint, wie du ihr nahst, zu fliehn.

Sie wird erst mit dem Strom und schwindet,
So wie des Wassers Flut versiegt.
So sprich, wo sich die Brücke findet,
Und wer sie künstlich hat gefügt?

(Schiller.)

32.

Auf einer großen Weide gehen
Viel tausend Schafe silberweiß;
Wie wir sie heute wandeln sehen,
Sah sie der allerältste Greis.

Sie altern nie und trinken Leben
Aus einem unerschöpften Born,
Ein Hirt ist ihnen zugegeben
Mit schön gebognem Silberhorn.

Er treibt sie aus zu goldnen Toren,
Er überzählt sie jede Nacht,
Und hat der Lämmer keins verloren,
So oft er auch den Weg vollbracht.

Ein treuer Hund hilft sie ihm leiten,
Ein muntrer Widder geht voran.
Die Herde, kannst du sie mir deuten?
Und auch den Hirten zeig mir an!

(Schiller.)

II. Charaden:
(Silbenrätsel.)

Zuerst sollen die einzelnen Silben, dann das Ganze eines mehrsilbigen Wortes erraten werden.

33.

Das Erste rauscht, vom Wind bewegt,
Wenn’s Zweite sich im Sumpfe regt;
Das Ganze schreit und ist nicht still,
Wenn sich das Wetter ändern will.

34.

Das Erste find’st du überall
Auf Erden ausgestreut;
Es ziert den Garten und das Feld,
Es schmückt manch buntes Kleid.
Das Zweite trägt des Herrschers Haupt, –
Wo auch sein Reich mag sein,
Das Ganze jedes Blümelein
Und sei es noch so klein.

35.

Mein Erstes ist nicht schmutzig;
Mein Zweites ist nicht rund;
Mein Ganzes ist ein schlaues Tier,
Weit schlauer als der Hund.

36.

Das Erste liegt im Schweizerland;
Die Zweite ist dem Fels verwandt; –
Das Ganze gibt der Meeresstrand
Und wird, verschönt durch Menschenhand,
Als Schmuck in alle Welt versandt.

37.

Die Erste ist ein Schmerzenslaut,
Die Zweite man am Himmel schaut;
Das Ganze aus dem Meeresgrunde,
Behagt des Reichen leck’rem Munde.

38.

Der ersten beiden Klang gar viel bedeutet; –
Die letzten Zwei die Köchin dir bereitet; –
Das Ganze etwas dir besagt,
Aus dem man die zwei Ersten macht.

39.

Die ersten Beiden werden in die letzten Beiden gebracht;
Und letzte Beide vom Ganzen für erste Beide gemacht.

40.

Mein Erstes ist voll Licht; mein Zweites ist voll Lieder;
Mein Ganzes ziert, bewacht, verteidigt, stößt auch nieder.

41.

Die Erste enthält die Mittel zum Beißen;
Die Andere die Sachen zum Beißen;
Das Ganze hindert am Beißen.

42.

Das Erste ist nicht dein;
Das Zweite ist kein Scherz;
Halt dich vom Ganzen rein,
Denn es schreit himmelwärts!

43.

Mein Erstes ist ein kostbares Getränke,
Mein Zweites wächst am sonnigen Gelände;
Mein Erstes macht man aus der Zweiten,
Das Ganze kannst im Herbst am Stock du schneiden.

44.

Die ersten zwei Silben sind eine heilige Zahl;
Mit letzten zwei kriegst du wohl Geld überall;
Schaust du dich nach dem Ganzen um,
So findest du ein Großfürstentum.

45.

Ohne meine ersten zwei
Sähest du dich nie;
Auf die grünen letzten zwei
Treibt man oft das Vieh.
Droben auf des Berges Grad
Man das Ganze sicher hat.

46.

Auf Englands Boden wohnt die Erste;
Die Zweite ist dem Helden eigen;
Im Ganzen wird im wahren Sinne
Der Mensch sich nimmer freundlich zeigen.

47.

Die Erste nennt man auch die ganze Welt;
Wer meine Zweite ist, dem mangelt Geld.
Das Ganze wird in ernsten Tagen
Gar oft geblasen und geschlagen.

48.

Mein Erstes – nicht wenig,
Mein Zweites – nicht schwer;
Mein Ganzes gibt Hoffnung,
Doch trau nicht zu sehr!

49.

Wer dem Feind vergibt und ihm sogar Gutes tut,
Ist die ersten Beiden, drum ein guter Christ;
Eine Farbe meine dritte Silbe ist;
Der Tiroler trägt das zarte Ganze auf dem Hut.

50.

Der ersten Beiden letzte zwei –
Mit jedem Tage sind sie neu.
Gar viel verliert das Leben dess’ an seinem Glanze,
Der schon als Kind vermissen mußt das süße Ganze.

51.

Das Erste ist Nacht und das Zweite ist Licht;
Nicht klug ist, wer lange den Kopf sich zerbricht.

52.

Aus Erster manche Speis ist gemacht;
Die Zweite kommet nur bei Nacht.
Einzeln – nur jedes nützen kann,
Zusammen – richtet’s Schaden an.

53.

Der Pfeffer wird die Erste sein;
Die letzten sollten sicher treffen.
In mancher Schlacht, in manchem Treffen
Nützt wohl das Ganze ungemein.

54.

Die ersten Silben lärmen;
Die dritte kann uns wärmen;
Das Ganze aber zittert,
Von jedem Wort erschüttert.

55.

Eines Tieres Name,
Eines Tieres Schrei
Bilden eine Blume;
Deute, was das sei!

56.

Jährlich kehrt das Erste wieder
Als ein schöner Feiertag;
Nettes Tierchen ist das Zweite,
Lebt in Feldern, wohnt im Hag;
Ist das Ganze gleich kein Vogel,
Doch es Eier legen mag.

57.

Vier a, zwei k, ein l, ein u,
Füg sie zu einem Worte du!
So hast du, wenn es dir gerät,
’ne viel genannte Majestät.

58.

Zwei Silben sind’s, die meinen Namen bilden,
Und eine ist der andern gleich;
Sie führen dich zu ungeschlachten Wilden
Und in der Roheit häßlich Reich.

59.

Blumen geraubt ist die Erst’; oft stützt auch Blumen die Zweite;
Sieh, wie am Weihnachtsbaum sich das Ganze verzehrt.

60.

Was in dem ersten Paar du hattest, erhascht sich das Ganze;
Merkst du es zeitig, du wirst: »haltet die letzte mir« schrei’n.

61.

Auf zartem Weiß stellt sich das Zweit’ am schönsten dar;
Durch dunkle Nacht drängt sich das erste Silbenpaar:
Mög’ oft das Ganze dein erwachend Aug’ erfreun –
Und ungetrübt die Lust des Lebens dir erneuen.

62.

Die beiden ersten geben Stoff
Zu Kleidern grob und fein.
Die dritte darf im Glase nicht,
Soll Wert es haben, sein.
Wer ’s Ganze heute noch nicht kennt,
Der geh’ und such’s im Parlament.

63.

Das Erste ist ein Wort zum Fragen,
Das Zweite gut, um zuzuschlagen;
Das Ganze läßt den Gaumen zagen,
Ist aber heilsam für den Magen.

64.

Die Erste ist die Ursache der Zweiten;
Das Ganze soll man heilig halten.

65.

Eins, Zwei, du gewahrst sie an Tür und an Pfort.
Drei, Vier, die bestrafen das Büblein sogleich,
Hat’s Jemand gespielt ein’ tückischen Streich;
Das Ganze benutzt man, merk’s wohl, zu ’nem Sport.

66.

Die Ersten gedeihen auf des Ackers Mitte;
Mit gleich und ungleich wechselt die Dritte;
Das Ganze blickt aus vergangener Zeit,
Und lebt in Märchen weit und breit.

67.

Vertreibt mein Erstes dir die Langeweile,
So zeigt mein Zweites dir der Stunden Eile;
Willst du das Erste zu dem Zweiten fügen,
So kann das Ganze auch dein Ohr vergnügen.

68.

Die Erste ist hoch und die Zweite voll Kraft,
Heraus aus der Ersten, das Ganze viel schafft.

69.

Laß den drei Ersten freien Lauf,
Schwing freudig dich mit ihnen auf,
Wenn sie zu Hohem führen;
Doch hurtig halte sie zurück,
Wenn sie im nächsten Augenblick
Dich suchen und verführen.
Oft eilen sie der Zeit voraus
Und malen deine Zukunft aus
Umstrahlt vom Glück und Glanze.
Schnell tritt die Wirklichkeit herfür,
Macht dir durch alles eine Vier,
Und ich – ich mach’ das Ganze.

70.

Die ersten zwei sind gemeinsam Stoff
Der Anatomie und Analogie,
Die letzten Beiden aus Sophokles
Man kennt sie aus der Mythologie.
Das Ganze sang Weines und Weibes Preis,
Selbst als schon sein Haar war silberweiß.

71.

Das erste treibt gar oft ein loser Bube,
Das zweite ist in Küche, Keller, Stube;
Das Ganze wird geschätzt nur sehr gering,
Und dennoch ist’s ein oft begehrtes Ding.

72.

Die ersten den Besitz anzeigen
Und nennen was durch Erb und Kraft
Dir zugehört. Der Dritten Reigen
Fünffältig tritt im Leben auf.
Das Ganze zeigt bei jung und alt
Sich stets in häßlicher Gestalt.

73.

Die beiden ersten liefern gute Nahrung;
Die beiden letzten nimm’ gut in Verwahrung,
Ihr Dienst dir unentbehrlich ist;
Das Ganze führt zu mancher Klage,
Man sagt, es sei ’ne rechte Plage,
Nun rat einmal, was das wohl ist!

74.

Die beiden ersten sind gefährlich,
Klafft dir zumal das Dritte weit;
Und doch das Ganze freut alljährlich
Als Blümchen dich zur Sommerzeit.

75.

Die Feder, schon vom Hauch bewegt,
Des Ersten Silb’ Bezeichnung trägt.
Die Zweite, die von höchstem Wert,
Fünffacher Art dir ward beschert.
Dem Ganzen bleibe immer feind,
Da sich’s mit Tugend schwer vereint!

76.

Es kleiden in die erste Silbe
Die Dichter ihres Geistes Gaben;
Die zweite doch freut Menschen nur,
Die nicht Empfindung für das Schöne haben;
Mein Ganzes ist die Quelle großer Taten,
Und mit ihm muß der Leser mich erraten.

77.

Die Ersten herrschen jahraus jahrein,
Drei, Vier sind dem Krieger heilig,
Das Ganze hängt von dem Ersten ab,
Bewegt sich bald langsam, bald eilig.

78.

Zum Werk, das heute schon sich fördern ließe,
Brächt’, meinst du oft, mein Erstes auch noch Frist,
Weißt du auch nimmer, ob es neu erschließe
Sich deinem Aug’, ob du an ihm noch bist.
Mein Zweites heischt von dir des Bettlers Bitte,
Zum Namensfest gibst du’s, zum heil’gen Christ,
Auch sonst wohl lockt in deiner Lieben Mitte
Es oftmals ab dir Schmeichelei und List.
Mein Ganzes – wie in Koffern, Truhen, Schränken,
Sie’s emsig sammeln, ist der Bräute Denken.

79.

Die Erste wird alljährlich grün,
Die Zweite bringet immer Weh’n,
Das Ganze siehst du formenkühn
Durch eines Malers Kunst ersteh’n.

80.

Die Erste streicht über Land und Meer;
Die Zweite freut Alte und Junge sehr.
Das Ganze läuft leicht auf vier Beinen daher.

81.

Die Ersten, ohne Zepter, tragen Kronen,
Die Zweiten machen Lärm in allen Zonen.
Das Ganze mag bei Furcht, wie grimm’ger Kält’ geschehen,
Wer hätt’ im Leben mich nicht schon oft gesehen!

82.

Das erste Wort nennt dir gebahnte Wege,
Das zweite gibt viel wohlgezielte Schläge,
Das Ganze tönt, nicht jedes Ohr erlabend,
Vom frühen Morgen bis zum späten Abend.

83.

Die Erste ruft dir zu, nicht fort zu geh’n;
Nimmst ihr den Kopf, so kannst du’s an dir seh’n.
Die Zweite ist dem Freunde stets viel wert,
Und wird von jedem Menschen gern geehrt.
Durch’s Ganze aber wird so manche Schlacht
Durch Künstlers Hand recht anschaulich gemacht.

84.

Es erfüllt das Ganze nimmer,
Was es uns verspricht,
Wird die zweite seiner Silben
Uns zur Ersten nicht.

85.

Die erste Silbe drückt Beschränkung aus.
Die Zweite liebt, wer gern der Stadt entflieht;
Das Ganze ist ein mächtig-stolzes Reich,
Dem seine Grenzen oft das Erste scheinen.

86.

Mein Erstes bist du immer,
Wenn du die Letzten liebst;
Mein Ganzes ist vorüber,
Sobald du Antwort gibst.

87.

Wer meine Eins ist, hat nicht viel,
Jedoch die Zwei hat jedermann,
Und mit dem Ganzen man ein Ziel
Mit leichter Mühe treffen kann.

88.

Wer die beiden Letzten bricht,
Scheu’ der Ersten Spitze nicht!
Sind zum Ganzen sie vereint,
Dir ein Märchenbild erscheint.

89.

Die erste Silb ist gut zu Fuß,
Die beiden andern können fliegen.
Das Ganze winkt dir seinen Gruß
Fern von des Harzgebirges Zügen.

90.

Das Erste hat der Bauersmann
Und auch der König hat’s;
Das Zweite führt dich schnell davon
Nach einem andern Platz,
Das Ganze ist ein häßlich Ding,
Steht niemandem wohl an;
Es achtet andere gering,
Weil weiter es nichts kann!

91.

Wenn ein Haus wird aufgebaut,
Muß, eh’ man die Erste schaut,
Manche Zweite groß und klein
In den Bau gefüget sein.
Wenn du willst das Ganze seh’n,
Mußt nach Österreich du geh’n:
Nimm den Bergstock in die Hand,
Wandere in’s Alpenland!

92.

Auf allen deinen Lebenswegen,
In jedem Ort, noch so entlegen,
Das Erste ist dir immer nah.
Was teuer dir und wert erscheinet,
In einem kurzen Wort erscheinet,
Steht in der zweiten Silbe da!
Und fügst du beide dann zusammen,
Gibt’s einen schönen deutschen Namen,
Besinne dich! Du kennst ihn ja.

93.

Ihm, der mit göttlichem Erbarmen
Geheilt der Menschheit tiefste Wunden,
Ihm hat man von den scharfen Ersten
Die Letzten um das Haupt gewunden.

94.

Ich sitze gemütlich am Felsenrand
Und sehe die Erste glänzen.
Wie rings die Wellen den Ufersand
Mit der schneeigen Zweiten umkränzen!
Wie glänzt mein Kopf, aus dem Ganzen gemacht,
Er ist gar lieb mir und teuer!
In seinem Innern hab’ ich entfacht
Ein heimliches glimmendes Feuer.

95.

Nimmt man die Erste dir, gleich mußt du sterben.
Durch eine gute Zwei kannst Weisheit du erwerben.
Das Ganze kann der Kaufmann nicht entbehren;
Es steht in der Geschäftswelt hoch in Ehren.

96.

Das Erste trocknest am Ganzen du,
Vom Zweiten schneidet das Ganze man zu.

97.

Hältst du stets die Ersten offen,
Bleibt dir manches Weh erspart;
Hat ein Unglück dich betroffen,
Lindert es die Letzte zart.
Gute Kinder sind das Ganze
Ihren Eltern jederzeit;
Aus der Blumen reichem Kranze
Winkt es in bescheid’nem Kleid.

98.

»Wo sind denn die versproch’nen Ersten?«
So frug zwei Jäger ich letzthin,
Durchsuchte eifrig ihre Taschen,
Doch in den Taschen war nichts drin.
»Du bist und bleibst ein rechter Spötter«,
Versetzt’ der Eine d’rauf geschwind,
»Und manchesmal möcht’ ich dich wünschen,
Dorthin, wo die zwei Letzten sind.«
Wir lachten. – »Kellner, ich hab’ Hunger«,
Sprach ich, »die Karte, wenn’s gefällt!«
Und hab’ darauf zum Abendessen
Das leck’re Ganze mir bestellt.

99.

Das Erste ist nicht offen;
Das Zweite ist oft schwer.
Aufs Ganze nur zu hoffen,
Bringt keinem große Ehr.

100.

Die Erste will als Vorwort dir,
Die Zweit ertönt oft zum Pläsier,
Doch geht es gegen einen Feind,
Dann ist sie immer ernst gemeint.
Zum Ganzen man das Beste wählt,
Doch zu ihm auch das Schlechte zählt.

101.

Die Erste macht selbst Helden heiß;
Die Zweite lohnt der Menschen Fleiß,
Und auf dem Ganzen findest du
Manch wack’res Haupt in süßer Ruh.

102.

Ob du Künstler oder Dichter,
Schuster, Schneider, Schlosser bist,
Freude wirst du stets empfinden,
Wenn die Erst’ vollendet siehst.

Gar verschieden ist die Zweite,
Dick und dünn und grob und fein
Und sie kann von Sammt und Seide
Oder Garn und Wolle sein.

Nicht entbehren kannst das Ganze,
Ob du Schuster, Schneider bist,
Weil es, um die Erst zu schaffen,
Jederzeit vonnöten ist.

103.

Die erste Silbe ist gar schwer,
Ein Stein ist nichts dagegen,
Nur wenn dich drückt der Sorgen Heer,
Kannst bildlich du’s erwägen.
Die Zweite, die das Mitgefühl,
Der Edelmut gegründet,
Ward manchem Herzen das Asyl,
Wo es die Heimat findet.
Steht auch die Erste wie bekannt,
Im Dienst der Todeswaffen,
Als Ganzes hat’s in Künstlerhand
Manch schönes Werk geschaffen.

104.

Die Erste sagt so viel als: »Es ist aus«,
Dasselbe sagt die Zweite mit der Dritten,
Nur paßt das eine mehr zu Saus und Braus,
Das and’re zu der Kirche heil’gen Sitten,
Zu jedes Christmenschen frommen Bitten.
Das Ganze reihet Frag’ an Frage,
Der Schüler wie der Lehrer Plage.

105.

Wenn glücklich die Erste entscheidet die Schlacht,
Nach blutigem Kriege die Zweite uns lacht;
Ein ruhmreicher Held aus vergang’nen Tagen,
Das Ganze noch lebet in Liedern und Sagen.

106.

Wer trug die Ersten nicht von Zeit zu Zeit!
Sie sind der Schatten in dem Bild des Lebens!
Warst andern sie zu mildern du bereit,
So sei getrost, du lebtest nicht vergebens.
Die Dritte treibt oft Blatt und Blut empor,
Auch trägst du es von Meister Schusters Händen;
Es ist das Ruder an dem Feuerrohr,
Den raschen Tod, wohin du willst, zu senden.
Das Ganze wütet in des Menschen Brust.
Oft unterliegt er ihm im heißen Ringen.
Nicht selten wird’s des Lebens höchste Lust,
Doch öfter noch dir die Verzweiflung bringen.

107.

Schon sank auf Wald und Eins hernieder
Der Dämmrung Schleier leis’ und sacht,
Und ihre traumumfang’nen Glieder
Begann zu regen nun die Nacht.
Am Fuße einer Drei – Vier saß ich,
Vor mir die frisch begrünte Flur;
Des heißen Tages Müh’n vergaß ich
Im holden Frieden der Natur.
Wie war erquickend diese Kühle!
Sie machte Herz und Sinne klar. –
Wie labte nach des Tags Gewühle
Sich lechzend nun mein erstes Paar
Und von den Letzten kehrte wieder
Die Herde mit melod’schem Klang,
Wobei ihr Hirte treu und bieder
Ein Lied mit frommem Sinne sang.
Leis tönten aus dem nahen Orte
Die Abendglocken übers Feld. –
So ward mir zu dem ganzen Worte
Auch noch ein Ohrenschmaus bestellt.

108.

Der ersten Silb’ entströmen Wein und Lieder,
Und was du einsam denkst, macht sie bekannt,
Oft geht sie mit dem Zwang auch Hand in Hand,
Schlägt selbst in Fesseln deine freien Glieder!
Doch gibt das zweite Paar dir Hoffnung wieder,
Sein Feueratem weht von Land zu Land,
Sprengt deines Kerkers festgetürmte Wand,
Wirft deine Häscher, deine Fesseln nieder.
Scheint zwei mit eins sich nimmer zu vertragen,
So ist das Ganze doch ein hohes Wort,
Woran man nur den Widerspruch getadelt;
Doch hat sein Widerspruch manch großen Geist geadelt!
Fürwahr! es starb des letzten letzter Hort,
Wär’ es gestorben jüngst in unsern Tagen.

(Hauff.)

109.

Liebliche Erste, du warst gepriesen von tausend Poeten
Und in Begeist’rung für dich singen unzählige noch.
Einmal nur mit all’ deiner Pracht erscheinst du des Jahres,
Und wie im Jahre, so blühst einmal im Leben du nur.
Liebe beut dir die Zweite, du kennst sie in vielerlei Arten –
Was ihm am meisten behagt, wähle ein Jeder sich aus.
So zu der Zweiten gehört auch das Ganze, das köstliche Ganze
Schenkt dir die Erste. Da ist Keiner, der es je verschmäht.

110.

Die beiden Ersten geh’n
Hervor aus Schmerz und Leid.
Die Dritte sich vollzieht
In Lust und Heiterkeit.
Durch’s Ganze stellt man uns
Handgreiflich, wunderbar,
Im Schmuck der Poesie
Den Ernst des Lebens dar.

III. Kapselrätsel:

In ein Wort sollen eine oder mehrere Silben eingeschaltet (=kapselt) werden.

111.

Seht ihr d’rin vier Spiele,
Stets ein Spieler ist’s;
Fehlen die vier Spiele,
Klar, wie Wasser, ist’s.

112.

Von höchster Stelle aus berufen,
Daß nahe ich des Thrones Stufen
Der Künste schönster liege ob,
Erwarb ich mir schon manches Lob.
Doch wenn es glückt, aus meinem Herzen
Ein sichtbar Mal ganz auszumerzen,
So dien’ als Held ich von Tirol
Der tapfern Treue zum Symbol.

113.

Die Ostsee nimmt es auf als Fluß,
Bin ich ihm zugetan;
Doch fehle ich; zu einer Stadt
Am Rheine wird es dann.

114.

Seh’ eine Mark ich darin liegen,
Hol’ ab und zu ich’s von der Post:
Doch fehlt die Mark dem Rätselworte,
Empfang ich’s täglich von der Post.

115.

Wo etwas nur verweilen kann,
Triffst du zu jeder Zeit mich an;
Doch fügst du mir den Namen ein,
Dann bin ich oft von Erz und Stein,
Wohl auch von Holz, Gips oder Stuck
Und diene immer nur zum Schmuck.

116.

Siehst Erich meinen Bruder,
Du in dem Wort versteckt,
Wird’s mich von Herzen freuen,
Wenn’s jeden Tag dir schmeckt.
Tret’ ich jedoch für Erich ein,
Schafft dir das Rätselwort nur Pein.

117.

Sieht man Ischl darin liegen,
Tummelt’s sich im Rhein;
Fehlet das genannte Städtchen,
Heißt’s gleich: das ist fein.

118.

Trag’ ich ein Ei in meiner Mitte,
So galt ich schon auf Schritt und Tritte
So manchem als ein Hindernis,
Dem Untergang er schwor gewiß.

Doch wenn das Ei er weggenommen,
Um selbst an seinen Platz zu kommen,
So wink’ ich Trost und süße Ruh’
Von oben vielen Herzen zu.

119.

Trag’ ich in mir, wie jeder weiß,
Auch nichts als hartes, kaltes Eis,
Bin ich doch Quelle allen Lebens.
Mir gilt des Todes Ruf vergebens
Und ewig kann allein nur sein,
Was ich in Wahrheit nenne mein.

120.

Bin ich’s, wovor die Trägheit flieht,
Wenn in mir einen Weg man sieht,
Und was zur Nacht wie auch bei Tage
Schafft vielem eine and’re Lage.
Doch tauscht der Weg mit einer Zahl,
Bereit ich manchem herbe Qual,
Dem in bezug auf seine Schulden
An Mark es fehlet oder Gulden.

121.

Du kennst mich als den Wüstensohn,
Der gern statt Häuser Zelte baut;
Doch fliegt mein Rabe mir davon,
So fahr’ erschreckt ich aus der Haut:
Vorbei ist’s dann mit allem Spaß,
Weil ich nur diene noch als Maß.

122.

Nimm, Leser, einen Schmerzensschrei
Und laß ihn auseinander klaffen;
Dir einen Schweizerkanton leih’
Und schieb ihn in den Schmerzensschrei,
Dann hast du eine Stadt geschaffen!

123.

In den folgenden Versen von Goethe ist eine Frauengestalt aus einer Oper enthalten:

Ich sah mich um an vielen Orten
Nach lustigen, gescheiten Worten,
An bösen Tagen mußt ich mich freuen,
Daß diese die besten Worte verleihen.

IV. Logogryph:

Das Wort erhält durch Beifügung oder Weglassung eines oder mehrerer Laute eine andere Bedeutung.

124.

Mein kurzes Wort nennt eine Stadt
Am schönen Donaustrande;
Ein Zeichen mehr, ein schattiger Baum
Im lieben Vaterlande.

125.

Es ist ein Bruch; davor ein W.
Dann hört ihr’s rufen aus dem Klee;
Mit Sch jedoch birgt’s allerhand;
Oblaten, Pillen, Hut und Band.

126.

Zu fernster Spitze Afrikas
Füg ein zweisilbig Längenmaß.
So hast ein Kirchlein du erbaut,
Das hell ins Tal herniederschaut.

127.

Zwölf Geschwister sind wir zwar,
Doch immer ich der Schönste war;
Drum bringt mir jeder Huld’gung dar.
Versiehst du mich mit einem Fuß,
Bin ich ein sehr bekannter Fluß,
Den man in Deutschland suchen muß.

128.

Ich bin bekannt als deutscher Fluß,
Und gibst du mir noch Kopf und Fuß,
Dann klimm ich zu der Höh’ hinan,
Verfolgt vom kühnen Jägersmann.

129.

Mit »e« wird es ein Jude sein,
Mit »i« von hohem Wert ein Stein.

130.

Mit schnellem S und scharfem T
Hascht manche K so manche R.

131.

Ein großes Reich in Asien ich bin,
Doch kopf- und fußlos ist es hin.

132.

In den Händen der Fürsten ist es ein Zeichen der Herrschaft;
Werden die Zeichen versetzt, flößt es uns ein ihre Macht.