KASIMIR EDSCHMID

KEAN

SCHAUSPIEL IN FÜNF AKTEN
NACH
ALEXANDRE DUMAS

DRITTE AUFLAGE

VERLEGT BEI ERICH REISS / BERLIN
1921

Alle Rechte, insbesondere das der Aufführung und Übersetzung, sind vorbehalten. Den Bühnen gegenüber Manuskript. Das Recht der Aufführung ist nur durch den Verlag Erich Reiß zu erwerben

Copyright 1921 by Erich Reiß Verlag

FÜR GUSTAV HARTUNG

FIGUREN

HELENE GRÄFIN KOEFELD APACHE
AMY GRÄFIN GOSWIL ANDRER APACHE
DAISY MILLER KONSTABLE
RINY FRISEUR
JULIA TOM
GIZA DAVID
AMME BARDOLPH
KEAN ARZT
PRINZ VON WALES REGISSEUR
GRAF KOEFELD HAUSINTENDANT
LORD MEVIL DIENER
SALOMON TÄNZERIN
BOB WIRT
PEPI STEUERMANN
GONSCH BOTE
WELL APACHEN
VIKTOR PUBLIKUM
KAUKA WEIBER

ZEIT: VOR NEUNZEHNHUNDERTVIERZEHN

AKT EINS

Diele bei dem Grafen Koefeld. Kamin. Dreiflügliger Riesenspiegel. Der Hausintendant. Eine Kette Diener, beschäftigt.

SZENE EINS

BOTE tritt rasch ein, zu einem Diener: Helène Gräfin Koefeld? Diener weist mit dem Daumen zum nächsten, Bote zum nächsten: Helène Gräfin Koefeld? Diener weist mit dem Daumen ihn zum nächsten, Bote zum nächsten: Helène Gräfin Koefeld? Diener weist mit dem Daumen ihn zum nächsten, Bote zum nächsten, dem Hausintendanten: Helène Gräfin Koefeld?

HAUSINTENDANT: Hier.

BOTE: Ich muß sie sehen.

HAUSINTENDANT: Geben Sie mir den Auftrag.

BOTE: Der Auftrag ist privat.

HAUSINTENDANT: Daher in meine Hände.

HELENE eintretend: Wer ist das?

BOTE: Helène Gräfin Koefeld ...

HELENE: Was wollen Sie?

BOTE: Ein Paket.

HELENE: Wer sendet Sie?

BOTE: Der Prinz von Wales.

HELENE reißt das Paket auf, ein Fächer, sie schwenkt ihn, dreht um: Ah. Hinaus.

HAUSINTENDANT: Gehen Sie. Bote ab.

SALOMON durch die Tür, verdrückt: Ist mein Herr da?

HAUSINTENDANT: Wo kommen Sie hierher?

SALOMON: Durch leere Zimmer.

HAUSINTENDANT: Wer bist du?

SALOMON: Souffleur.

HAUSINTENDANT: Warum hast du da einen Herrn?

SALOMON: Warum? Er tritt mich. Wie alle. Verachtet mich. Ich liebe ihn.

HAUSINTENDANT: Wer ist der Stachel, den du liebst?

SALOMON: Kean.

HAUSINTENDANT: Der Schauspieler. Hein?

SALOMON: Der bedeutendste Mann seiner Zeit, wenn er sich zu mäßigen verstände.

HAUSINTENDANT: Das könnte er, meinst du, in einem Haus lernen, wo eine Frau herrscht, die so ist wie unsere?

SALOMON: Ich suche ihn nur, irgendeine Frau verlangt nach ihm, das andere weiß ich nicht. Es kam mir nur in den Sinn, daß er krepieren wird oder sich festlegen. Die Zeit ist kritisch geworden. Ich kann es nicht mehr sehen, wie er mich mit sich in seine Launen reißt, Huren, Prinzessinnen, gut, zornig. Wo soll das hin? Denken Sie nicht, daß er mich nur tritt, er ist manchmal freundlich zu mir.

HAUSINTENDANT: Lauf davon.

SALOMON: Das kann ich nicht.

HAUSINTENDANT: Der Herr verkehrt nicht bei uns.

SALOMON: Hätten Sie gleich sagen können. Schicksal. Ich gehe. Warum suche ich ihn hier? Ab.

HELENE mit dem Fächer herein: Sind Spieltische aufgestellt?

HAUSINTENDANT: Zwei Whist, einer Bridge, drei Bac.

HELENE: Die Pagen am Gartentor in neuer Livree?

HAUSINTENDANT: Gelb und rot. Mit silbernen Schnüren.

HELENE: Die Küche?

HAUSINTENDANT: Schwitzt.

HELENE: Sind die Musikanten mit Strafe bedroht, wenn sie unpünktlich sind?

HAUSINTENDANT: Punkt neun marschieren sie durch den Salon.

HELENE klatscht in die Hände: Tee und Punsch dann ins Boudoir.

HAUSINTENDANT klatscht in die Hände, zu den andern: Tee und Punsch ins Boudoir. Diener ab.

HELENE: Sie verlassen mit keinem Schritt die Soirée. Fehlen Sie einmal auf meinen Fingerwink, schick ich Sie aufs Land zu Fasanen und Kälbern. Was sagen Sie?

HAUSINTENDANT: Ich würde eine schlechte Figur machen zwischen Geflügel und vorziehen, da ich Ihnen nicht mehr dienen kann, mich in die Kirschbäume zu henken.

HELENE: Chüt. Sieht ihn an, hebt mit der Fingerspitze sein Kinn, pfeift leis, jagt ihn mit einer Handbewegung hinaus.

DIENER: Die Gräfin Goswil.

HELENE: Rasch. Rasch. Zur Eintretenden: Amy, Süßes, welches Glück, vor der Soirée noch Ihre Anwesenheit allein zu haben.

AMY: Ihnen zu sagen, daß zwischen soviel Blond und Blau beim Rennen das Dunkel Ihrer Haare als Bestes fehlte.

HELENE: Unmöglich da, wo Ihre Taille bebte, Ihre Hände winkten.

AMY: Ich winkte. Mein Wettpferd fiel, ein Signal. Sie waren im Theater?

HELENE: In Drury-Lane.

AMY: Es spielte George?

HELENE: Kean.

AMY: Das Pferd, das stürzte, hatte einen grünen Jockey. Der Stall aus England. Der Name: Kean.

HELENE: Sie machen mich gespannt mit ihren Sprüngen, Liebe.

AMY: Ihr Kean fiel nicht vorm Start?

HELENE: Ausgezeichnet im Start.

AMY: Endlich Begeisterung.

HELENE: Endlich die Frage: Was bedeutet Ihr Lächeln?

AMY: Den Ausdruck aller Gesichter, wenn Ihr Name fällt.

HELENE: Sie reizen meine Neugier lange.

AMY: Aus Furcht, Sie zu verletzen.

HELENE plötzlich die Brust öffnend: Ich habe die unempfindlichste Haut, Liebe.

AMY: Aber Sie tragen sie zu empfindlich ins Theater.

HELENE: Kurz, um was handelt es sich?

AMY: Um Ihre Begeisterung.

HELENE: In Ihrer Sprache ein Mann. Welchen? Reden Sie nun. Offen gesprochen.

AMY: Der einzige, der in Betracht kommt.

HELENE: Präziser.

AMY: Nicht um George.

HELENE: Miserabler Anfang. Fügen Sie das Ende hinzu.

AMY: Ich trenne mich ungern von Übergängen.

HELENE: Schluß.

AMY: Kean.

HELENE: Welches Terrain! So tief! Es ist nicht Ihre Ansicht. Sie kennen mich. Man redet so. Gut. Wer?

AMY: Man sagt es nicht. Man lächelt.

HELENE: Gut. Wenn Sie mich heut frügen, an meiner Stelle, ob ich glaube, daß zwischen Kean und Ihnen etwas bestände ...

AMY: Ich begreife nur, was ich erlebe. Die Frage ist zwecklos. Ich habe kein Talent für philosophische Entzückungen.

HELENE: Gut. Sie weichen aus. So werden Sie ein Lächeln lernen, das Ihr früheres hinwegblitzt. Verdacht entwaffnet man nicht mit Beweis. Eher durch Geständnis. Ich liefre nur meinen Geschmack. Glauben Sie, eine Sekunde hätte vermocht, mich zu reizen, anzunehmen, daß das, was zwischen von Damen ausgehaltenen Equipagen und betrunkenen Matrosen hintaumelt, den Ruhm eines bedeutenden Schauspielers sich zugesellt, zur Erfüllung von Wünschen auch nur bedacht werden könne, die wahrlich anderes verlangen als solche Episoden? Mich ekelt. Ich rede frei.

AMY: Ich bin Ihre Freundin. Ich werde es Ihren Freunden sagen.

HELENE: Gut. Aber ... Süßes ... Sagen Sie es nicht Devonshire.

AMY: Sie erschrecken mich.

HELENE: Er ist ein Geschichtenerzähler.

AMY: Sie peinigen mich.

HELENE: Ein galanter Junge. Kavalier. Fit. Sportiv.

AMY: Erlösen Sie mich.

HELENE: Ein Nacken wie ein Mädchen. Schöne Hände, meine Süße.

AMY: Sie nehmen eine furchtbare Revanche, mich zu quälen.

HELENE: Ein Ring daran mit Onyx und Brillanten. Ich erinnere mich statt dem Onyx Aquamarin gesehen zu haben. Damals trug ihn Ihr Gatte. Zwei Ösen ausgebrochen, schlecht verbessert. Nehmen Sie einen besseren Juwelier, Gräfin. Der Ring ist sonst indiskreter wie sein Besitzer.

AMY: Ihre Grausamkeit ...

HELENE: Wiegt Ihr Lächeln auf, Süße. Erzählen Sie Devonshire nicht meine Geschichte, er könnte sie ins Gegenteil verkehren wie die Ihren.

HAUSINTENDANT mit Stock meldend: Graf Koefeld.

AMY: Ich bin vernichtet. Ich kann niemand sehen. Läuft in den Nebenraum.

SZENE ZWEI

GRAF KOEFELD verbeugt sich: Meine Gattin. Es floh jemand. Ein Mann. Stürmisch hinter Amy her, bringt sie zurück. Halali. Eine Frau. Gräfin Goswil. Verzeihung. Sich fassend: Den ersten Zivilminister Europas würde ich versetzen, um Ihnen die Hand zu küssen. Zum Sekretär hinter ihm: Diese Telegramme. In Codeschrift. Stafetten einlegen. Ein eignes Schiff nehmen. Als Kurier fährt Graf Schlitz. Für wichtige Sachen nur ehemalige Offiziere der Botschaft. Depeschen Seiner Majestät in Uniform zu übergeben ... Darf ich mich setzen? Charmant Ihr Aussehn, Gräfin.

AMY: Wer tadelte meinen Puder gestern? Ihre Komplimente bluffen wie jede Uniform.

GRAF KOEFELD: Ungalant, Gräfin. Verleumdung. Großer Sänger Ihres Ruhms. Beschwöre Sie, den Rock des Königs aus dem Spiel zu lassen. Ansonsten für Frivoles weitgeöffnetes Herz. Rock des Königs Privileg. Zum Necken zu heilig. Sanktuarium. Auch schönstem Mund. Aufspringend: Meine Gattin ... Welch ein Fächer?

HELENE: Ein Geschenk.

GRAF KOEFELD: Wer schenkt Fächer? Frauen? Nein. Ein Mann!

HELENE: Der Prinz von Wales.

GRAF KOEFELD stramm: Auszeichnung. Welche Gnade. Hohe Ehre. Herrlich. Monseigneur wird überdies überrascht sein. Eine neue Surprise: Ich lasse Tontauben schießen. Spezialvergnügen Monseigneurs. Versuche, ihm sekündlich das Leben mit Lieblingsbissen zu garnieren. Stößt ein Fenster auf, zielt mit einer an der Galerie dem Büchsenschrank entnommenen Büchse im Hintergrund: Peng ... halo ... vorbei ... Ihr Gatte, Gräfin ...

HELENE: Wird nicht erwartet.

AMY: Er bemüht sich, Lord Mevil mit irgendwem zu verheiraten.

GRAF KOEFELD: Verdammte, Mesalliance. Pardon, Gräfin. Ich sagte ab. Habe siebzehn souveräne Ehebetten in Europa gerüstet. Skandal, daß Mevil mich einzuladen sich erdreistet. Mich. Dieser Zertrümmerer feudalen Ansehns.

AMY: Ihr Name?

GRAF KOEFELD: Undurchdringlich. Wer heißt nicht so? Alle Welt: Daisy Miller.

AMY: Eine halbe Million Pfund.

GRAF KOEFELD: Unverzeihlich. Sabotage des Bluts. Demokratisierung der Gesellschaft. Die Phalanx der Jahrhunderte wird ruiniert.

HELENE: Daisy Miller. Jenes Mädchen, dessen Dauerhaftigkeit uns erstaunte, vis-à-vis unserer Loge, im Theater.

GRAF KOEFELD: Sie hätte unsere Standhaftigkeit mit größerem Recht bewundern können. Das Amt telephoniert ab neun nur noch nach Drury-Lane. Im Theaterportal Attachés. Im Foyer Sekretäre. In der Loge die Post.

HELENE: Ich bat Sie nie um Ihre Begleitung. Von heute ab erübrigt es sich, davon zu reden. Ich besuche das Theater nicht mehr.

GRAF KOEFELD: Neues Arrangement schon vorbereitet. Es kommt dann zu Ihnen. Die Dekoration nur ist ausgewechselt. Kean ist zur Soirée geladen.

HELENE: Kean?

GRAF KOEFELD: Kean. Ich verstehe. Sie zucken zusammen: ein Komödiant. Ich finde es abscheulich. Allein: Wunsch des Prinzen von Wales. Kann ich es abschlagen? Unmöglich. Immerhin Wunsch des zukünftigen Königs. Ich lud sofort.

HELENE: Ich empfange die bitterste Beleidigung, der ich seit meiner Verheiratung ausgesetzt war. Ich empfange sie von meinem Gatten.

GRAF KOEFELD: Ihr Gatte ist Ihr tapferster Verteidiger. Jede Stunde. Unbedingt zu rechnen. Ich stehe wie Thron und Altar.

HELENE: Sie empfanden nicht einmal das Bedürfnis, mich zu befragen. Ihren Salon repräsentiere ich, nicht Sie.

GRAF KOEFELD: Fürstlicher Wunsch ist Befehl. Auszuführen oder sterben. Karriere oder Lump. Selbst die Marseillaise wird in diesem Sinn God save the king.

HELENE: Ein Affront.

GRAF KOEFELD: Keine Zeremonie. Ich engagiere ohne gesellschaftliche Verpflichtung. Sie geben ihm Essen, Zigarren, Wein. Ich Geld. Der Bursche tanzt und zitiert. Wen soll der Kerl genieren, hält Monseigneur ihn als Affen.

HELENE: Die Gräfin Koefeld empfinge den Künstler. Dem Takt ihres Gatten aber bringt sie Erwartungen entgegen, die nicht ahnen, daß er sie zwänge, vor einem Wüstling sich wie ein Themsemädchen zu fühlen.

GRAF KOEFELD der einen Brief bekommt und öffnet: Beruhigen Sie sich. Neue Zeit. Fortschritt der Zertrümmerung: Kean ist durch Unaufschiebbares gehindert, seine Aufwartung zu machen. Infame Beleidigung. Er sagt ab.

HELENE: Die Verhinderung ist taktvoller als die Einladung.

GRAF KOEFELD: Takt? Ausgeschlossen. Ich bin auf Zwischen-den-Zeilen-Lesen dressiert. Schon mit sechzehn schrieb ich über Forellen und meinte eine Bar. Als Louis Bourbon den Sessel statt den Fuß einer Prinzessin unterm Tisch mit der Zehe dauernd streichelte, signalisierte ich Unheil. Er nahm sie nicht. Mein Minister, mir ungläubig, optimistisch, flog in die Luft.

HAUSINTENDANT mit einem Stock meldend: Monseigneur, der Prinz von Wales.

PRINZ VON WALES: Ich komme lachend, Gräfin. Verzeihung.

HELENE: Sie würden sie erhalten, wenn Sie weinten.

AMY: Sie erhalten sie nicht, wenn Sie nicht sofort erzählen.

PRINZ VON WALES: Skandal.

GRAF KOEFELD: In der Gesellschaft. Schmerzlich. Ich grimassiere statt zu lachen ... untertänigst mit Erlaubnis.

PRINZ VON WALES: Es gibt nichts Amusanteres.

GRAF KOEFELD: Die Zeit ist angefressen. Revolten zittern unter unseren Füßen. Wir müssen Eisengesichter haben. Nieder die Kanaille ... Pardon.

PRINZ VON WALES: Die Weisheit ist nicht eingestellt auf das Knochenzerschlagen, sondern sie lächelt, da sie nicht gewohnt ist, die Dinge zu ernst zu nehmen. Man verdirbt sie dadurch.

GRAF KOEFELD: Skandale haben mitten in die Revolte hineingeführt. Allons enfants ... lieber Mitrailleusen ... mit devoter Genehmigung gesagt.

PRINZ VON WALES: Im Gegenteil. Der sogenannte Volksgroll geht in kleinen Vapeurs in den Azur. Gewitterbildung unmöglich.

AMY: Der Skandal?

GRAF KOEFELD: Säbel. Patronentasche. Panier hoch. Damit fürchten wir letzten Endes selbst Wotan nicht. Versohlen die Fläbsche. Versohlen gehorsamst.

AMY: Der Skandal?

PRINZ VON WALES: Alte Schule, Koefeld. Ihr Weltgefühl ist korsettiert. Demokratisch ist für Sie ein Purgier. Mir heitres Brausepulver. Beschäftigen Sie sich branchekundiger. Stiften Sie Ehen.

AMY: Aber: der Skandal?

GRAF KOEFELD stramm: Untertänigst, gehorsamst ... der Skandal?

AMY: Ich sterbe vor Ungeduld.

PRINZ VON WALES: Lord Mevil ...

AMY: ... der heute heiratet ...

PRINZ VON WALES: Lord Mevil, der heute heiratet, fand die Braut entführt. Sein Riesenaufwand ist verpufft. Sein Goldvogel hat sich verflogen. Ein Klügerer als dieser schöne Satan Mevil hat ihm das Haus ausgeraubt zehn Minuten, eh er es betrat. Mevil ist nun bankrott.

HELENE: Und wer ...?

AMY: Wer?

PRINZ VON WALES: Der schönste Name Englands.

AMY: Das wäre Monseigneur.

PRINZ VON WALES: Ich mische mich nicht in die Bourgeoisie.

GRAF KOEFELD: Horrä. Horrä. Horrä.

PRINZ VON WALES: Man könnte mich dort abweisen. Man hat auch da Stolz. Höher.

AMY: Der König.

PRINZ VON WALES verneigt sich in den Spiegel, spielt mit der Drehung, hustet. Koefeld macht Zeichen.

GRAF KOEFELD näher kommend: Monseigneur.

HELENE mißverstehend: Unmöglich.

PRINZ VON WALES lächelnd: Noch illustrer.

HELENE: Wie kann das sein?

PRINZ VON WALES: Herrlicher. Voll Ruhm. Voll Auszeichnung. Angebetet. Von frischem Erfolg sekündlich umgeben.

HELENE: Ich kenne niemand. Nennen Sie ihn.

PRINZ VON WALES: Kean.

HELENE: Das ist unmöglich ...

PRINZ VON WALES: Woher wissen Sie das?

HELENE: ... daß Sie sich in Vergleiche begeben, die Beleidigungen für Sie sind.

GRAF KOEFELD: Gnade Gott, daß der Kerl absagte. Rechts um Marsch. Das Ganze Halt.

PRINZ VON WALES: London wird illuminieren. Flaggt. Läßt das Betschuanenregiment mit Niggermusik und Trommeln über die Plätze ziehn. Die Männer haben Schlaf. Kean ist gefesselt.

AMY: Wie reizend.

PRINZ VON WALES: Liverpool empfängt vom Meer her seine letzten Grüße.

Langsam anschwellendes Lärmen, ohne Übereilung herankommend, lauter, weit geht die Tür auf. Mit großer, weltmännischer Bewegung herein tritt Kean.

SZENE DREI

KEAN: Ein Zufall, den ich preise, obwohl er nicht ohne Tragödie ist, setzt mich in den Stand des Vorzugs, der Gräfin Koefeld die Hände zu küssen, dem Prinzen von Wales, Monseigneur, meine Achtung in dem höchsten Maße der Ergebenheit zu bezeigen und dem Grafen Koefeld den Widerspruch zwischen meiner Absage und meinem Erscheinen in einem Wort der Bewunderung und der Bitte zugleich zu erklären.

PRINZ VON WALES: Wir zählten nicht auf Sie, in der Tat. Ich danke für die doppelte Konfusion. Ich erinnere mich eines Gascogners, der daran litt, doppelte Muskeln zu haben. Man gab ihm Milchbäder, er machte sie zu Butter. In der Tat, ich erinnere mich mit Vergnügen der Geschichte.

KEAN: Die Gerüchte sind falsch, die Konsequenzen ungültig, ich unschuldig. Darf ich Beweise ...

PRINZ VON WALES: Ich also ein Lügner?

KEAN: Monseigneur, der, welcher Sie belog.

PRINZ VON WALES: Ihre Dokumente?

KEAN: Ich kam hierher, da ich Sie hier wußte. Man betritt kein Haus lieber als das, in dem man sicher ist, die Verfolgten geschützt zu sehen.

PRINZ VON WALES: Seltsam, damit zum Prinzen von Wales zu kommen.

KEAN: Und dies mit einem Brief, der beweist, daß es keine schönere Aufgabe ist, als für die Verteidigung einer Frau und der Wahrheit selbst vor der Ungnade des höchsten Protektors zu stehen. Den Brief ließ Daisy Miller in meinem Zimmer, als sie mich nicht antraf. Der Spion versäumte zu sagen, daß sie es nach zwei Minuten verließ.

AMY: Lesen Sie.

KEAN: Nicht ich.

PRINZ VON WALES: Lesen Sie.

KEAN: Wer bin ich, Monseigneur? Ich bin der Schauspieler Kean. Ich bin nicht töricht genug, zu wissen, daß dies viel ist, so wenig es vor Ihnen ist. Aber was bedeute ich in einer Sache, die Keuschheit und Würde verlangt. Habe ich ein Echo in feinen Dingen? Man schreit Don Juan, Verräter, Wüstling, Komödiant. Man horcht auf meine Stimme, wenn ich Romeo spiele. Was bin ich als Mensch diesen anderen Menschen? Nimmt jemand mich voll außer Monseigneur? Ich fürchte, daß meine Stimme nicht den Vorzug hat, so vor der Wahrheit zu stehen, wie mein Wille es tut.

GRAF KOEFELD: Akzeptiert. Unaufgefordert. Da Sie den Prinzen von Wales suchen, bitte, Ihre Bitte nicht aufzuschieben, mit der Sie sich annoncierten. Seine Wünsche sind Ordres. Höflichkeit, sie zu befolgen, die geringste Pflicht der Untertanen.

KEAN: So darf ich mich vor der Gräfin Koefeld neigen, denn nur wenn die Ehre dieser Frau und ihr Name sich anschickt, ja sagend und gütig sich beugend, zur Unschuld der ärmeren und unbedeutenderen Schwester herunterzukommen, wird erst Gerechtigkeit sein und die Unschuld so gut gepaart sein, daß es überzeugt.

PRINZ VON WALES: Kean.

KEAN: Selbst Ihr Rang und Ihre Macht, Monseigneur, sind nur eine Stufe der gestaffelten menschlichen Vollkommenheit und ein schöner Vorposten der menschlichen Gesetze. Verzeihen Sie meine Kühnheit, wenn ich die große Rührung, die von dem schlichten Mund der unbestechlichen und erhabenen Wahrheit ausgehen, darüber stelle. Die Unbedingtheit der gerechten Äußerung kommt nur aus der Würde einer verehrungswürdigen Frau.

PRINZ VON WALES: Geben Sie der Gräfin den Brief.

AMY: Sagen Sie Ihr Kommentar.

HELENE: Ich möchte ihn nicht lesen.

KEAN: Ich verehre das Übermaß an Zartgefühl, das nicht in die Feinheiten anderer Schicksale fassen will, Gräfin. Ich, der ich erbärmlich bin vor der Größe Ihrer Augen, nur ein Sujet, ein Quelconque, nur ein Mann, irgendwelcher, nur Kean, ich flehe Sie an, aus einer übertriebenen Feinfühligkeit kein Opfer zu machen.

GRAF KOEFELD: Geben Sie der Gräfin diesen Brief. Unbesorgt. Voran. Junger Mann. Zivilcourage!

KEAN: Darf ich die größte Beleidigung wagen, die Monseigneur angetan wurde, und ihn bitten, die Gräfin meine Erklärungen allein aufnehmen zu lassen, damit die Wahrheit, die ja im einzelnen der private Besitz anderer Menschen ist, aus ihrem Munde Ihnen zurückgegeben, ohne jeden Klatsch nur mit der endgültigen Sicherheit des Satzes schließe: Kean ist unschuldig, und die verfolgte Frau ist es auch.

Der Prinz führt die beiden in den Hintergrund, lächelnd, sich verbeugend.

GRAF KOEFELD: Tontauben, Monseigneur. Sie gehen zum Balkonfenster hinaus. Peng ... Schräg ... zu hoch – Patronen. Dank ... Monseigneur. Man sieht sie draußen, hört sie, sieht ihre Schatten.

HELENE: Sie haben mich in eine Lage gebracht, die ich Sie büßen lasse.

KEAN: Da ich in einer guten Sache mein Leben zum erstenmal dem Ihren mische, kann nur ein gutes Schicksal über uns stehn.

HELENE: Ich wünschte, Sie verließen mich in derselben Sekunde.

KEAN: Ich werde Sie verlassen, wenn ich, nicht, wenn Sie es wollen.

HELENE: Den Brief. Liest, hält ein, weicher, beruhigter: Sie haben recht.

KEAN: Versprechen Sie mir, den Brief fertig zu lesen.

HELENE: Ich las.

KEAN: Die Rückseite ist auch beschrieben. Ich fürchtete, meine Stimme würde nicht reichen, diese Minute zu ertragen.

HELENE: Die Rückseite ...

KEAN nimmt ihr das Papier aus der Hand, hält es vor sich: Ich werde es Ihnen lesen, Gräfin, ich kann es Ihnen lesen. Ich lese rasch, Gräfin, es geht um jede Seligkeit; ich habe eine Stunde seit Monaten gesucht, die eine Dame Ihrer Position mir geben kann, ohne sich zu kompromittieren, ich gäbe mein Leben für diese Stunde, es sind nur zwei Minuten jetzt, sie vorzubereiten, Gräfin, zwei zufällige Minuten, zwei noch vor einer halben Stunde ungeahnte Minuten; auch sie genügen, aber ich bin kurz. Lassen Sie Ihren Wagen vor dem Theaterbüro halten, nehmen Sie ein Billett, winken Sie mit dem Fächer. Der Billetteur ist mir ergeben. Sie kommen in Schwarz, mit einem Schleier. Durch einen geheimen Gang kommen Sie in meine Loge. Ich werde es Ihnen ins Blut setzen, daß Sie es nie vergessen ...

HELENE: Halt. Ich habe genau zugesehen. Sie haben gelogen. Es stand nichts auf der Rückseite. Das Papier war leer.

KEAN: Als ich hierher ging, hatte ich nichts im Sinn als das Schicksal einer Unschuldigen.

HELENE: Sie vergaßen den Grund Ihres Kommens rasch.

KEAN: Ich riß aus der Sekunde, als sie mir nahte, was sie mir geben konnte.

HELENE: Sie setzen Ihr Leben aufs Spiel.

KEAN: Tue ich es nicht auch, wo ich für die Unschuldige eintrete?

HELENE: Das erste war echt. Ist das zweite mehr wie Wahnsinn? Gibt es zwei Dinge so nebeneinander? Und echt? Verwunderlich.

KEAN: Prüfen Sie.

HELENE: Ich kann es. Ich kann auch die Hunde rufen.

KEAN: Sie kommen in die Loge!

HELENE: Verlassen Sie sich nicht auf die Kühnheit Ihres Wahnsinns.

KEAN: Durch den Gang in meine Loge. Sie kommen das erstemal, wenn ich wieder spiele. Die Gräfin Koefeld stampft mit dem Fuß auf, Kean klatscht in die Hände, verbeugt sich vor Helène, ruft nach rückwärts: Monseigneur, Graf Koefeld, die Gräfin Goswil auch, ich vergaß ... ich erbitte tausendfach Entschuldigung ... die Gräfin hat gehört. Ich habe geredet.

HELENE stockend: Der Herr ist ... unschuldig – – und Daisy Miller ... auch.

Schluß des ersten Akts.

AKT ZWEI

Zimmer bei Kean. Links Ausgänge nach zwei Nebenräumen. Rechts Eingang. Atelierhaft, Holzskulpturen, Teppiche, Diwane. Nach einer Nacht. Betrunkene in grotesken Schlafstellungen: Kean, Tom, David, Bardolph. Es ist noch dunkel.

SZENE EINS

LORD MEVIL erscheint mit drei Leuten und Laternen: Besetzt die Türen. Geht durch den Raum und rasch in die anderen schauend. Hier sieht es nicht nach Weibern aus. Alles Betrunkne. Gebt sofort Knebel, wenn sich einer regt. Welches ist der Entführer? Eine Laterne zeigt auf Kean. Der soll sie mir geraubt haben? Für meinen Stolz unmöglich. Für den Plan gut. Diese Kreatur voll Wein bindet mit mir an? Gelächter, Mevil! Er ist in meiner Macht, ich werde ihn nicht berühren. Wie kann ein Bursche, der jedem Feind so preisgegeben lebt, ein Gegner sein? Belauert ihn. Was ich besitzen will, werde ich besitzen. Was ich greife, laß ich nicht los. Hinunter an die Tore. Ich brauche Geld in irrsinnigem Ausmaß. Welches Ziel hab ich noch nicht erreicht? Bewacht die Ausgänge gut. Ab mit seinen Leuten. Aus einem Nebenraum mit einer Kerze Salomon. Er stellt die Kerze neben Kean, dann schießt er mit einem Terzerol in die Luft; Kean steht auf.

KEAN: Wie oft hast du geschossen?

SALOMON: Einmal.

KEAN: Ist ein Brief von einer Frau da?

SALOMON: Nein. Kean mit einer Geste ins Nebenzimmer. Durch den Eingang ein Jüngling. Halt. Woher? Wen suchen Sie?

JÜNGLING: Kean.

SALOMON: Den sucht jedermann. Hast du nicht vielleicht einen Busen über deinen Männerhosen? Mit welcher Legitimation?

JÜNGLING: Der, daß ich frage, wollen Sie, daß ich auf dem Seil oder den Fingerspitzen einmarschiere? Schlägt ein Rad.

SALOMON: Welche Truppe?

JÜNGLING: Truppe Bob.

SALOMON erschrocken: Truppe Bob. Wird Kean erfreut sein oder geärgert? Sieht er heut seine Vergangenheit verliebt oder verächtlich? junger Mann, wenn Sie Mut haben, bleiben Sie, wenn Sie ängstlich sind, verschwinden Sie.

JÜNGLING: Ich habe Aufträge und bleibe.

SALOMON: Dann ist zweierlei zu bedenken. Kommt er und sieht die Kerle, saufen sie bis zum Abend. Scheinbar wird aber eine Frau erwartet. Ich weiß nicht, welche. Am besten jagt man die Bande weg. Wie es kommt, ich werde das Falsche getan haben. Schicksal. Singt: Ach Gottsche, schenk mern Hambelmann, un e Kordel dezu, daß er zawwele kann.

JÜNGLING öffnet ein Fenster, dämmrighell: Wirf sie in die Themse.

SALOMON: Wassertod wäre die grausamste Exekution. Du hast Humor. Ich liebe nicht Affairen mit den Konstablen. Wir haben genug. Dafür gibt es einen andern Stil. Weckt mit einem Hammer Tom.

TOM: Caramba, Sennor. Die Faust in Ihre Gurgel.

SALOMON: Ich werde Euch eine Sache an den Hintern henken, an der Ihr kein Werft schleppt, bis Ihr verreckt.

TOM: Ich trete dir in den Bauch, daß der Hund in deinem Wanst zu bellen anfängt.

SALOMON: Du Bauchredner deiner Trübseligkeit, er würde vor Vergnügen zu lachen anheben, weil er dich für einen Hirsch hält, obwohl du in Wahrheit nur eine Sau bist, die den faulsten Huren die Männer zutreibt.

TOM: Dafür sollst du dreimal gespien verdammt sein, daß du solche Lügen erfindest. Ich bin sowenig ein Hirsch wie du ein Hund, denn du stinkst schon zu verwest, du Aas.

SALOMON: Wegen der Hörner, du Klauenbiest.

TOM: Dann hast du deshalb gelacht in deinen Wanst, weil deine Augen vor Besoffenheit so verklebt sind, daß du gar nichts siehst.

SALOMON: Weil vor einer halben Stunde ein Rotrockweib auf einem Kahn vorbeipaddelte, heraufgrinste und eine Harmonika erbärmlich schaukelte.

TOM: Wenn das um zehn war, ist es jetzt halb elf.

SALOMON: Aber wenn du bis in die Ewigkeit hinein meckerst, kriegst du den Wettlauf mit der halben Stunde nicht wieder herein, und wenn dein Rüssel sich zu einer Kilometerschnauze auswächst, denn damals waren hier vier und nun sind drei.

TOM: Dann schlag ich dem Kean den Stirnknochen auf und schlitze die rote Sau von unten bis oben, wenn ich sie erwische. Dann kannst du betteln, alter schlottriger Darm. Geht dröhnend ab.

JÜNGLING: Hast du ihm nicht gefährlich eingeheizt?

SALOMON: Sein Hirn ist so feig, wie sein Maul vor Unflätigkeit groß. Es ist schon so ausgefranst, daß es bald die Ohren erreicht hat und sie abfrißt auf seinem Weg um den Kopf.

JÜNGLING: Wie das Zeug hinausgeht, ist gut. Aber wie kam das Zeug herein?

SALOMON: Kean wollte eingeschlossen sein und ausruhn. Aber er hat seine verdammten Launen.

JÜNGLING: Ihr schloßt ein.

SALOMON: Er holte sich Gesindel durchs Fenster. Achtzehn Flaschen dann auf vier Mann. Wie leicht Hoch und Niedrig sich einigen, ahnt man nicht. Weckt David.

DAVID fällt aufs Knie: So will ich Gott den milden Herren beim Aufgang jedes Gestirns loben, daß er mich einfältige und fleischliche Kreatur über Nacht auf dieser Erde wohlgefällig erhielt.

SALOMON: Fromme Wanze. David!

DAVID abwesend: Eins, zwei, drei, vier, fünf. Anwesend. David anwesend.

SALOMON: Amen. Willst du eine Heldentat vollbringen?

DAVID: Ich habe keine Neigung nach dem Tod. Wenn der Herr zwar mich ausersehen, so sage ich: Ich bin bereit.

SALOMON: Du hast Kean dreiundachtzigmal geschworen, daß du alles ihm opfern willst. Vergißt du deine sanfte Grimasse, wenn die Flaschen wie leere Kinderhälse rülpsen?

DAVID: Warum beschämst du mich falsch? Weißt du nicht, daß, wenn Kean will, ich folge mit verbundenen Augen.

SALOMON: Vor einer halben Stunde, als Kean am Fenster stand, fiel ein Kind in die Themse und Kean sagte ...

DAVID: Was sagte Kean?

SALOMON: David ...

DAVID: Er erinnerte sich meiner Armseligkeit.

SALOMON: ... David ist der einzige, der es retten könnte ...

DAVID: Hei, ein gütiger Gedanke von Kean, Herr.

SALOMON: Denn er ist, sagte Kean, der einzige, der mit Salbung so geölt ist, daß ihm Wasser nicht schadet, er schwimmt wie mit Schwimmfüßen auf heiligen Sprüchen stundenlang.

DAVID: Es war sein Wunsch? Du sagst mir es jetzt erst. Nach welcher Seite floß das Kind?

SALOMON: Stromaufwärts wie alle Kinder. Hinauf. Hinauf. Es schrie nicht mal.

DAVID: Welch ein Glück, Salomon. Du bist weiser wie Sancho Pansa und Hamlet. Kean wird zufrieden sein mit dem schwachen Theologen. Welches Glück. Sagt Kean: Gehe – so geh ich. Bleibe, so bleib ich. Er sagte: Gehe. So geh ich. Ab.

SALOMON: Der heißeste Topf. Wird mit Wasser gelöscht. Weckt Bardolph. Meine Gratulation. Meinen Glückwunsch.

BARDOLPH in einem Löwenfell, brüllt, bläst sich auf.

SALOMON: Welche Haltung!

BARDOLPH: Du gratulierst mir.

SALOMON: Dieselbe Haltung, in der du Kean erledigtest.

BARDOLPH: Ich gab es ihm.

SALOMON: Allzutrefflich. Nie hörte man solches Geschrei. Ohnmächtig rutschte Kean seine Stimme in den Magen. Er spie.

BARDOLPH: Ich hätte ihn gern erwürgt, wenn er auf der Bühne alle Applause einsteckte, als seien es Äpfel. Wer war es aber, der dem Publikum den Eisschreck in die Blase gejagt? Wir müssen auch einmal an die Rampe, der Tag des Sieges hat auch für uns seinen Sonnenaufgang. Glaubst du, ich werde nun Hamlet spielen? Er verzichtet?

SALOMON: Nein.

BARDOLPH: Warum?

SALOMON: Kean läßt sich den Magen auspumpen. Er schwor, dich totzusaufen, damit du ihm nicht gefährlich wirst.

BARDOLPH: Dann ists im Sinne der Menschheit, wenn ich meine Stimme erhalte. Gehe ich, bin ich der Sieger. Bleibe ich, spielt mir das Schicksal einen Streich. Seien wir klug, Bardolph.

SALOMON: Wenn dich der Sieg Aug in Aug nicht reizt. Mit diesem Brustkasten, solchen Muskeln.

BARDOLPH: Roheit. Ich will in einer höheren Arena nunmehr meine Nüsse knacken.

SALOMON: Halleluja. David wartet. Mann, vergiß dein Fell nicht, deine Stimme könnte drin stecken.

BARDOLPH: Roheit. Stelzt mit Ringerpose ab. Jüngling ihn verhöhnend hinterher.