Der Admiral Coligny, Gaspard Herr von Châtillon, war ein Mann von so viel Macht und Ansehen, daß er niemals allein ausging. Sein ganzes Leben lang war er umringt gewesen von Heeren, die er befehligte, und hatte im Rat gesessen, wenn nicht als Günstling der Könige, dann als Empörer gegen sie.

Da jetzt Karl der Neunte ihn Vater nannte, haßten die einen ihn inbrünstig, und andere fürchteten für ihn und sein Leben, wenn auch weniger eifrig. Auf seinem Gang zum Louvre, am frühen Morgen dieses Freitags, schlossen ihre Leiber ihn ein wie ein Wall. Der Herr Admiral sprach in geheimer Sitzung mit dem König über Geld: der Sold, den sie den deutschen Landsknechten noch schuldeten aus dem vorigen Krieg, und den hatten sie beide gegeneinander geführt.

Der Herr Admiral begleitete nach der Sitzung den König von Frankreich zum Ballspiel. Er sah den König die Partie beginnen mit dem eigenen Schwiegersohn des Herrn Admiral und einem dritten, es war Guise, früher sein Feind, jetzt versöhnt durch königliches Belieben. Dann verabschiedete sich der Herr Admiral, um zurückzukehren in die Straße Dürrer Baum, und auf dem Weg las er Briefe. So kam es, daß seine Edelleute, um ihn nicht zu stören, etwas freien Raum ließen. Ungedeckt überschritt er den Platz beim Kloster Saint-Germain. Ein Schuß fiel, und dann noch einer. Der erste hatte, mit einer kupfernen Kugel, dem Herrn Admiral einen Zeigefinger zertrümmert, der zweite verwundete ihn am linken Arm.

Der Herr Admiral ließ sich zu einer besonderen Erregung nicht herbei. Seinen fassungslosen Begleitern zeigte er das Fenster, um dessen Gitter noch ein Rauchschwaden hing. Zwei Herren rannten hin, indessen klapperten hinter dem Hause schon die Hufe eines galoppierenden Pferdes. Einen dritten schickte der Herr Admiral zum König, damit er ihm Meldung machte. Noch war das Ballspiel nicht aus, Karl der Neunte zog sich sofort zurück. Er war entrüstet, und er fühlte Angst. «Der Mörder soll es büßen!» sagte er, und «Werde ich denn niemals zur Ruhe kommen?» versuchte er zu sagen, aber seine Zähne schlugen auf, obwohl ihm versichert wurde, vom Herzog von Guise und mehreren Gefälligen, es wäre die Tat eines Wahnsinnigen.

Die beiden Edelleute, die gerannt waren, kehrten zurück zu dem Herrn Admiral; er hatte sie auf derselben Stelle erwartet. Sie keuchten, daß der Elende ihnen im Gewirr der Gassen entkommen und jetzt schon weit wäre. Sie aber hatten ihn erkannt: es war ein Herr de –

«Halt!» gebot der Herr Admiral. «Nicht seinen Namen. Ich fühle mich schwer getroffen, vielleicht werde ich sterben. Ich will den nicht kennen, den ich in meiner letzten Stunde aus menschlicher Schwäche hassen könnte.»

Die einen stützten ihn beim Weitergehen, denn er war bleich und blutete reichlich. Die Nachfolgenden flüsterten zusammen über den noch unklaren Sachverhalt. «Er hat unter dem Bett des Guise gelegen und wollte ihn töten. Warum dann gleichzeitig seinen größten Feind? Weh uns, wenn dahinter Guise steckt — und er steckt dahinter.»

«Wie es Gott gefällt», sagte der Herr Admiral zu Haus in der Straße Dürrer Baum vor seinen Leuten, die bei seinem Anblick tödlich erschrocken auf die Knie stürzten.

Ambroise Paré war ein geschickter Chirurg und war von der Religion. Er bot alle seine Kunst auf, nachdem er sich selbst und seinen Patienten im Gottvertrauen bestärkt hatte. Dreimal war es nötig, zu schneiden, dann fiel der zertrümmerte Finger. Unvermeidlich erlitt der Herr Admiral furchtbare Schmerzen. Diese bewirkten, trotz aller seiner Geduld und Seelenheiterkeit, dennoch ein Versagen der Natur. Als der König von Navarra und der Prinz von Condé an sein Bett traten, konnte er zuerst nicht sprechen. So ließ er zu, daß die Besucher ihm erzählten, was sie wußten, weil alle bei Hof und in der Stadt es kannten. Denn die nackte Wahrheit war ganz von selbst aus einem Brunnen gestiegen und lief die Gassen ab, in schnellerem Galopp als sogar der Mörder auf seinem Falben. Der Mörder war gedungen von Guise.

Coligny sagte endlich: «Ist das die schöne Versöhnung, für die der König gebürgt hatte?»

Sichtlich rief er Gott als Zeugen an, denn den Nacken über den Rand seiner hohen Kissen schiebend, drehte er die Augäpfel aufwärts und noch weiter, bis von ihnen nur ein schmaler Bogen außerhalb der Lider blieb. Eingesunkene Wangen, und der alte harte Mund löste die Lippen voneinander, als ob er Befehle nicht mehr aussenden wollte, sondern in Erwartung offen stände, ob sie herabkämen. Schmerzliche Schläfen, aber auf der grell beleuchteten Stirn strebten die Falten steil durch Gewölk. Lieber das Martyrium, als mich verleugnen und als dich verlieren, o mein Gott! So beteuerte dies Gesicht und erschien zugleich hingegeben und hochtrabend.

Navarra und Condé überlegten natürlich, daß trotz allem der Tod des alten Guise auf die Rechnung des Herrn Admiral käme: wenigstens sagte man es. Sie fanden begreiflich, daß er selbst es nicht zugab. Ebensosehr leuchtete ihnen ein, daß der Sohn des Ermordeten noch niemals wirklich verzichtet hatte auf seine Rache. Aber jetzt hat er genug, meinte Henri für sich. Ein Finger genügt. Ich kann den Tod meiner armen Mutter mit keinem abgehackten Finger bestrafen. Der Anblick des Greises sowie der Vergleich mit seinem eigenen Fall machten beide, daß ihm Tränen in die Augen traten. Sein Vetter Condé, weniger empfindsam und nicht besonders zart, sagte heraus, was er dachte: «Herr Admiral, Ihre Versöhnung mit dem Guise konnte auch der König nicht verbürgen. Sie selbst mußten sich hüten vor einem Mann, dem der Vater getötet worden war.»

«Nicht durch mich!» beteuerte Coligny stark. Er sah sie an, er wollte sich aufrichten: bei der Bewegung hätte er fast geschrien, solche Schmerzen verursachte sie seinem Arm.

Sein Diener und sein Hausgeistlicher eilten ihm zu Hilfe. Condé schwieg bestürzt.

«Ich», sprach Coligny feierlich, «habe den Tod Lothringens nicht gewollt noch vorausgewußt. Er selbst betrieb den Plan, mich zu töten, und durch die Hand seines Sohnes hat er ihn zuletzt dennoch ausgeführt. Ich aber hatte gegen ihn nichts vor. Das ist wahr. Gott helfe mir.» Sie hörten ihn, und man konnte den Eindruck haben, daß auch Gott ihn hörte. Navarra und Condé grüßten und zogen sich zurück, nicht nur, weil der Wundarzt es verlangte. Condé war eingeschüchtert, die vorgebrachte Beschuldigung nahm er vor seinem Vetter ausdrücklich zurück. Navarra schwieg; in seinem Innern glaubte er dem Herrn Admiral kein Wort. Vielmehr erschien ihm gewiß, daß Guise begreiflichen Grund gehabt hatte für seinen alten Haß gegen Coligny. Er hatte einen Mörder ausgeschickt zu dem, der einst den Tod seines Vaters gewollt hatte. Viel weniger oder gar nicht hatte er den Mörder entsandt zu dem Führer der Protestanten. ‹Der ist nicht gemeint, und daher haben wir andern für uns nichts zu fürchten. Margot!› rief es in ihm, obwohl er weiter dachte. ‹Auch der Alte wird nicht sterben. Er ist nur gewohnt, sich feierlich zu nehmen und sogar in zweifelhaften Fällen Gott auf seine Seite zu bringen. Margot!› rief sein Herz stürmisch dazwischen, und er beschleunigte den Schritt.

Ambroise Paré legte seine Instrumente bereit, um auch den zerschossenen Arm zu schneiden. Comaton, der treue Diener des Herrn Admiral, und sein Hausgeistlicher Merlin weinten, während sein deutscher Dolmetsch, genannt Nikolaus Muß, die große Leidensgestalt versunken betrachtete, denn er liebte und verehrte sie. «Auch diesmal ist es ein Freitag, nach dem Vorbild unseres Herrn.» Dies flüsterte er in dem stillen Zimmer.

Der von Navarra tat inzwischen, was durch die Selbstachtung geboten war. Zusammen mit Condé und dem jungen La Rochefoucauld ging er zu Karl dem Neunten und beschwerte sich über den Angriff, der in der Person des Herrn Admiral auf ihn und alle von der Religion wäre verübt worden. Karl selbst vermochte kaum zu sprechen: er war in Wahrheit noch tiefer getroffen als Navarra. Er stotterte nur, das wäre seine eigene Wunde — sein Finger, sein Arm! Er schüttelte diese Glieder vor ihren Augen zum Zeugnis, daß er die Untat rächen werde. Aber seine Mutter ließ ihn nicht ausreden; denn sie war zugegen, Madame Catherine hatte die Tür aufgemacht, sobald sie die Ankunft der protestantischen Herren erfuhr. «Ganz Frankreich ist verwundet!» rief sie. «Jetzt kann es nicht mehr lange dauern und sie vergreifen sich an dem König in seinem Bett!» Wobei sie große Furcht sehen ließ und ihrem armen Sohn auch wirklich bange machte. Denn er wollte noch immer nicht ernstlich glauben, daß seine Mutter gegen ihn verschworen sein könnte mit anderen. Navarra, der dies durchaus wußte, geriet dennoch ins Schwanken; Madame Catherine überzeugte ihn fast, weil sie in ihrer Art aufrichtig war. Der Mordversuch an dem Admiral kam ihr zu früh; Guise hatte eigenmächtig gehandelt Navarra bat nicht noch einmal, Karl möge ihn und die Seinen entlassen, es wäre für sie nicht mehr sicher in Paris. Gern nahm er das Versprechen mit, daß der König selbst den Herrn Admiral besuchen wollte. «Und ich auch», sagte die alte Königin schnell. Das fehlte noch, daß ihr armer Sohn mit seinem sogenannten Vater sich ohne sie aussprach!

Der Verwundete aber ertrug zwei Einschnitte in seinen Arm, die gemacht werden mußten, um die Kugel zu entfernen. Wer das Gesicht abwendet von seinem gemarterten Fleisch und den bezwungenen Schmerz dem Herrn darbringt, behält eher seinen Mut, als wer dabeisteht und genötigt ist, nichts vor Augen zu haben außer einem verwüsteten, blutspritzenden Glied des vergänglichen Leibes. Der Herr Admiral tröstete die anderen, bis Pastor Merlin sich darauf besann, was seines Amtes war. Er richtete an Gott ein glühendes Gebet, und es kam rechtzeitg, denn der Kranke hatte, bis er verbunden war, so viel Blut verloren, daß seine Kräfte bedenklich nachließen. Der Chirurg war sehr ernst, auch er in seinem Herzen betete, während er sein Ohr an die Brust des Patienten legte.

Als der Herr Admiral endlich die Augen wieder öffnete, war sein erstes, dem Herrn zu danken, so laut er konnte, für diese Wunden, deren er war gewürdigt worden. Wenn Gott ihn nach Verdienst behandelt hätte, um wieviel mehr noch müßte er dann leiden! Der Pastor erkannte wohl, was dem Todkranken selbst verborgen blieb: er wollte mit solchen Bekenntnissen seine Mörder eigentlich ins Unrecht setzen. Das war unerlaubt, und Merlin warnte ihn. Sogleich erklärte der Herr Admiral, er verzeihe ihnen. Mit aller Demut, deren er bis jetzt fähig war, beichtete er dem Herrn und empfahl sich seiner Gnade.

«O Herr! Was würde aus uns, wenn Du auf unsere Sünden blicktest. Rechne mir gnädig an, daß ich alle erdichteten Götter verworfen habe und niemand anbete als Dich, den ewigen Vater Jesu Christi!»

Mit den erdichteten Göttern meinte er die Heiligen meinte aber auch Mars und Ceres, deren unverschämte Leibespracht dargeboten wurde an einem Kamin mitten im Königsschloß, sowie Pluto oder Jupiter, verkörpert bei Maskenfesten von dem halbnackten König. Coligny liebte die Welt nicht, so sehr er um sie gekämpft hatte; glaubte an das Körperliche nicht, und für ihn bestand die Wahrheit aus dem, was man nicht sieht. Er sagte zu Gott, den er kannte: «Wenn ich denn sterben muß, wirst Du mich auf der Stelle aufnehmen in Dein Reich, zu ruhn bei den Glückseligen.» Der Admiral Coligny hatte kämpfen müssen um eine schnöde Welt: Ruhe wäre ihm nicht ungelegen gekommen.

Eins indessen drückte ihn, von einem wollte er den Herrn, der es vielleicht anders ansah, dennoch überzeugen. Während seiner vorigen, hinangerichteten Worte ging dies im stillen immer mit; auf einmal sprach er es laut.

«Ich bin nicht schuldig am Tode des Guise. Herr! Ich tat es nicht.»

Jetzt hatte er gesprochen, die Worte waren zu Ende; nur war die Frage, ob sie wirklich hinauf gelangten und angenommen wurden. Der angstvolle Blick hing ihnen nach. Da trat der König von Frankreich in dieses Zimmer.

Er hatte zu Mittag gegessen, es war zwei Uhr, und er wurde begleitet von seiner Mutter, seinem Bruder d’Anjou und zahlreichen Herren, unter ihnen Navarra mit anderen von der Religion. Karl der Neunte trat zum Bett des Verwundeten und sprach: «Mein Vater, Sie haben die Wunde, aber ich den Schmerz. Ich schwöre eine so schreckliche Rache, daß sie nie erlöschen soll im Gedächtnis der Menschen.»

Hierbei fing es an, Madame Catherine und ihrem Sohn d’Anjou nicht ganz wohl zu werden. Alle Blicke fielen von selbst auf sie. Auch stellten sie fest, daß unter den Anwesenden die Mehrzahl Protestanten waren. Sie wußten aber, daß draußen der Herzog von Guise seine Maßnahmen getroffen hatte. Inzwischen mußten sie anhören, wie der alte Aufrührer sich dem König als seinen einzigen Freund empfahl. Was für Sorgen machte sich ein Mann, der doch sterben sollte! Coligny sagte: «Ist es nicht eine Schande, Sire, daß in Ihrem geheimen Rat keine Frage behandelt werden kann, ohne daß sofort der Herzog von Alba alles erfährt?» Katharina von Medici dachte sich hierbei, daß nur das Gegenteil verwerflich gewesen wäre. Die Macht über allem war für eine kleine italienische Fürstin nur Habsburg. Das Königreich? Sie hielt es aufrecht und schwor sich in dieser bedrängten Stunde, es äußerst blutig zu verteidigen gegen seine ketzerischen Zerstörer. Sie tat es für sich, ganz allein für ihre alte, gebrechliche Person — aber die Kraft dazu bezog sie aus ihrer Unterwerfung unter die Weltmacht.

Als Coligny zu Ende war mit seiner Rede, die eine einzige Beschwerde und ein offener Mißbrauch seiner bevorzugten Lage als Sterbender war, da verlangte er von dem betretenen und beflissenen Karl obendrein eine Unterredung ohne Zuhörer. Der König forderte seine Mutter und seinen Bruder wirklich auf, sich vom Bett zu entfernen. Sie traten zurück bis in die Mitte des Zimmers. Um sie her waren in diesem Augenblick nur Protestanten, eine große Zahl protestantischer Herren hielten die alte Königin und ihren Lieblingssohn in ihrer körperlichen Gewalt. ‹Ihr braucht nur zuzufassen, in diesem Augenblick stellt ihr die Stärkeren vor. Nur gut, daß ihr nicht seid wie ich! Ihr glaubt an das Gesetz: daran scheitert ihr. Sooft ich meine Edikte brach und eure Gewissensfreiheit auslachte, ihr habt mir immer wieder geglaubt, und jetzt werdet ihr dem Wort meines armen schwachen Sohnes vertrauen. Euch ist nicht zu helfen, ihr verdient euer Schicksal. An mir werdet ihr euch gewiß nicht vergreifen, solange ihr es noch könnt; bald aber ist auch eure letzte Gelegenheit versäumte.

Dies dachte Madame Catherine, verdrängte damit ihre Furcht, und manchmal blinzelte sie schnell und listig im Kreis, während ihr schweres, fahles Gesicht der Ernst und die Würde selbst blieb. Außerdem aber horchte sie nach dem Bett hin, und leider verstand sie nichts. In aller Ruhe beschloß sie, das undankbare Gespräch zu beenden, trat einfach wieder zum Bett, diese Protestanten ließen sie auch durch, sie war Madame Catherine; und sie riet ihrem Sohn, den Verwundeten nicht länger zu ermüden. Karl begehrte auf: er sei der Herr — und derlei, worauf sie ohnedies gefaßt gewesen war. Natürlich hatte der anspruchsvolle Sterbende gegen sie gehetzt. Als sie auf der entgegengesetzten Seite des Zimmers sich ihren armen Sohn genügend vorgenommen hatte, kam es heraus. «Was der Admiral sagt, ist wahr: In Frankreich sind die Könige daran zu erkennen, daß sie ihren Untertanen Gutes und Böses tun können. Diese Macht aber ist mit der Führung der Geschäfte auf Sie übergegangen, Madame.» Karl rief es laut und allen vernehmlich. Wenn er es vorher nicht gewesen war, hierdurch wurde der Tod des Admirals zur beschlossenen Sache. Das Beste für ihn war noch: sein Gott ließ ihn von selbst sterben.

Der königliche Zorn war nicht zu beschwichtigen, solange den König dies Zimmer umgab, das Bett und sein gemordeter Vater, der Wundarzt, der ihm die kupferne Kugel zeigte, der Pastor, neben den die Versammelten hinknieten, um leise mitzubeten, und noch einer, gleichgültig wer, der vor sich hinmurmelte: «Auch diesmal ist es ein Freitag.»

Karl bot seinem Vater eine Zuflucht im Louvre an, mehr konnte er wahrhaftig nicht tun. Zu Navarra sagte er und faßte ihn bei der Schulter, um ihm näher zu sein: «Neben dir, lieber Bruder! Das Zimmer, das für deine Schwester neu hergerichtet ist, damit sie durch die offene Tür zu euch beiden gehen kann, zu dir und Margot — willst du, dann geb ich das Zimmer ihm, meinem Vater.»

Henri bedankte sich: die Worte Karls erleichterten ihn sehr. Der Auftritt hier drinnen hatte ihn beklommen gemacht; während dieser Stunde erst war der Mordanschlag ganz nackt in sein Bewußtsein gedrungen. Da indes Karl den Louvre anbietet und das Zimmer meiner Schwester, mit der offenen Tür zu mir! Die Alte ist geschlagen, ich seh es doch. Dreht den Rücken und watschelt hinaus.

Als der König, seine Mutter und sein ganzes Gefolge fort waren, erfolgte unten im Hause eine Beratung der protestantischen Prinzen und Edelleute. Mehrere verlangten, der Herr Admiral sollte unverzüglich aus Paris und nach seinem Schloß Châtillon entführt werden. Diese hatten droben durch Zufall einen Platz gehabt, wo sie der abgehenden Königin in das Gesicht sehen konnten; und nur dies Gesicht, das Madame Catherine zuletzt nicht mehr beherrscht hatte, veranlaßte die Herren zu ihrer hartnäckigen Meinung. Teligny, der Schwiegersohn des Herrn Admiral, widersetzte sich dem: er wollte den Herrscher nicht kränken durch Mißtrauen. Navarra entschied: «Der Herr Admiral wird im Louvre wohnen neben meinem eigenen Zimmer bei geöffneter Tür. Um sein Bett sollen Tag und Nacht meine Edelleute stehn.» Während er es sagte, klopfte ihm das Herz. Er sprach dennoch zu Ende, und ob er ihre Antwort nun erhofft oder gefürchtet hatte, die Mehrzahl stimmte ihm zu.

Dann begaben alle sich nochmals nach oben. Der Verwundete wurde frisch verbunden, das verwüstete Fleisch zog alle Blicke an. Jemand teilte das Ergebnis der Beratung mit, und Coligny, das Gesicht hinaufgewendet, darbringend seinen Schmerz, erwiderte einfach: «Ja.»

In einem Winkel stand ein Mensch und murmelte vor sich hin, in einer andern Sprache, wenige Worte, dieselben mehrmals.