Oscar Wilde
Salome
Mit den Zeichnungen von
Aubrey Beardsley
Insel-Bücherei Nr. 247
SALOME
TRAGÖDIE
IN EINEM AKT
VON
OSCAR WILDE
IM INSEL-VERLAG ZU LEIPZIG
SALOME
PERSONEN DES SPIELS
HERODES ANTIPAS, Tetrarch von Judäa
JOCHANAAN, der Prophet
DER JUNGE SYRIER, Hauptmann der Wache
TIGELLINUS, ein junger Römer
EIN KAPPADOZIER — EIN NUBIER
ERSTER SOLDAT — ZWEITER SOLDAT
DER PAGE DER HERODIAS
EIN SKLAVE
JUDEN — NAZARENER
NAAMAN, der Scharfrichter
HERODIAS, Gemahlin des Tetrarchen
SALOME, Tochter der Herodias
DIE SKLAVINNEN DER SALOME
Eine große Terrasse im Palast des Herodes, die an den Bankettsaal stößt. Einige Soldaten lehnen sich über die Brüstung. Rechts eine mächtige Treppe, links im Hintergrund eine alte Zisterne mit einer Einfassung aus grüner Bronze. Der Mond scheint sehr hell.
Der junge Syrier
Wie schön ist die Prinzessin Salome heute nacht!
Der Page der Herodias
Sieh die Mondscheibe! Wie seltsam sie aussieht. Wie eine Frau, die aus dem Grab aufsteigt. Wie eine tote Frau. Man könnte meinen, sie blickt nach toten Dingen aus.
Der junge Syrier
Sie ist sehr seltsam. Wie eine kleine Prinzessin, die einen gelben Schleier trägt und deren Füße von Silber sind. Wie eine kleine Prinzessin, deren Füße weiße Tauben sind. Man könnte meinen, sie tanzt.
Der Page der Herodias
Wie eine Frau, die tot ist. Sie gleitet langsam dahin.
Lärm im Bankettsaal.
Erster Soldat
Was für ein Aufruhr! Was sind das für wilde Tiere, die da heulen?
Zweiter Soldat
Die Juden. Sie sind immer so. Sie streiten über ihre Religion.
Erster Soldat
Warum streiten sie über ihre Religion?
Zweiter Soldat
Ich weiß es nicht. Sie tun das immer. Die Pharisäer zum Beispiel sagen, daß es Engel gibt, und die Sadduzäer behaupten, daß es keine gibt.
Erster Soldat
Ich finde es lächerlich, über solche Dinge zu streiten.
Der junge Syrier
Wie schön ist die Prinzessin Salome heute abend!
Der Page der Herodias
Du siehst sie immer an. Du siehst sie zuviel an. Es ist gefährlich, Menschen auf diese Art anzusehn. Schreckliches kann geschehen.
Der junge Syrier
Sie ist sehr schön heute abend.
Erster Soldat
Der Tetrarch sieht finster drein.
Zweiter Soldat
Ja, er sieht finster drein.
Erster Soldat
Er blickt auf etwas.
Zweiter Soldat
Er blickt auf jemanden.
Erster Soldat
Auf wen blickt er?
Zweiter Soldat
Ich weiß nicht.
Der junge Syrier
Wie blaß die Prinzessin ist. Niemals habe ich sie so blaß gesehen. Sie ist wie der Schatten einer weißen Rose in einem silbernen Spiegel.
Der Page der Herodias
Du mußt sie nicht ansehn. Du siehst sie zuviel an.
Erster Soldat
Herodias hat den Becher des Tetrarchen gefüllt.
Der Kappadozier
Ist das die Königin Herodias dort mit dem perlenbesetzten schwarzen Kopfputz und dem blauen Puder im Haar?
Erster Soldat
Ja, das ist Herodias, die Frau des Tetrarchen.
Zweiter Soldat
Der Tetrarch liebt den Wein sehr. Er hat drei Sorten Wein. Den einen bringt man von der Insel Samothrake, er ist purpurn wie der Mantel des Cäsar.
Der Kappadozier
Ich habe Cäsar nie gesehn.
Zweiter Soldat
Der zweite kommt aus einer Stadt namens Zypern und ist gelb wie Gold.
Der Kappadozier
Ich liebe Gold.
Zweiter Soldat
Und der dritte ist ein Wein aus Sizilien. Dieser Wein ist rot wie Blut.
Der Nubier
Die Götter meines Landes lieben Blut sehr. Zweimal im Jahre opfern wir ihnen Jünglinge und Jungfrauen: fünfzig Jünglinge und fünfzig Jungfrauen. Aber ich fürchte, wir geben ihnen nie genug, denn sie sind sehr hart gegen uns.
Der Kappadozier
In meinem Lande sind keine Götter mehr. Die Römer haben sie ausgetrieben. Einige sagen, sie hielten sich in den Bergen versteckt, aber ich glaube es nicht. Drei Nächte bin ich in den Bergen gewesen und habe sie überall gesucht. Ich fand sie nicht, und zuletzt rief ich sie beim Namen, aber sie kamen nicht. Sie sind wohl tot.
Erster Soldat
Die Juden beten einen Gott an, den man nicht sehen kann.
Der Kappadozier
Ich kann das nicht verstehen.
Erster Soldat
Wirklich, sie glauben nur an Dinge, die man nicht sehen kann.
Der Kappadozier
Das finde ich ganz und gar lächerlich.
Die Stimme des Jochanaan
Nach mir wird einer kommen, der ist stärker als ich. Ich bin nicht wert, ihm die Riemen an seinen Schuhen zu lösen. Wenn er kommt, werden die verödeten Stätten frohlocken. Sie werden aufblühen wie die Rosen. Die Augen der Blinden werden den Tag sehen, und die Ohren der Tauben werden geöffnet. Das Kind wird an der Höhle des Drachen spielen, es wird die Löwen an ihren Mähnen führen.
Zweiter Soldat
Heiß ihn schweigen! Er sagt immer lächerliche Dinge.
Erster Soldat
Nein, nein, er ist ein heiliger Mann. Und er ist sehr sanft. Jeden Tag, wenn ich ihm zu essen gebe, dankt er mir.
Der Kappadozier
Wer ist es?
Erster Soldat
Ein Prophet.
Der Kappadozier
Wie ist sein Name?
Erster Soldat
Jochanaan.
Der Kappadozier
Woher kommt er?
Erster Soldat
Aus der Wüste, wo er sich von Heuschrecken und wildem Honig nährte. Er trug ein Kleid von Kamelhaaren und um die Lenden einen ledernen Gürtel. Er war sehr schrecklich anzusehn. Eine große Schar war immer um ihn. Er hatte auch Jünger, die ihm folgten.
Der Kappadozier
Wovon redet er?
Erster Soldat
Das kann man nie wissen. Manchmal sagt er Dinge, die einen erschrecken, aber es ist unmöglich zu verstehen, was er sagt.
Der Kappadozier
Kann man ihn sehen?
Erster Soldat
Nein, der Tetrarch hat es verboten.
Der junge Syrier
Die Prinzessin verbirgt ihr Gesicht hinter dem Fächer. Ihre kleinen weißen Hände flattern wie Tauben, wenn sie in den Schlag fliegen. Sie sind wie weiße Schmetterlinge. Sie sind genau wie weiße Schmetterlinge.
Der Page der Herodias
Was geht es dich an? Warum siehst du sie an? Du sollst sie nicht ansehn... Schreckliches kann geschehen.
Der Kappadozier auf die Zisterne zeigend
Ein sonderbares Gefängnis.
Zweiter Soldat
Es ist eine alte Zisterne.
Der Kappadozier
Eine alte Zisterne? Das muß ein mörderischer Ort zum Wohnen sein.
Zweiter Soldat
O nein! Zum Beispiel, des Tetrarchen Bruder, sein älterer Bruder, der erste Mann der Königin Herodias, war da zwölf Jahre gefangen. Es hat ihn nicht umgebracht. Nach Verlauf der zwölf Jahre mußte man ihn erdrosseln.
Der Kappadozier
Erdrosseln? Wer wagte das?
Zweiter Soldat
deutet auf den Henker, einen riesigen Neger
Der Mann dort, Naaman.
Der Kappadozier
Fürchtete er sich nicht?
Zweiter Soldat
O nein, der Tetrarch sandte ihm den Ring.
Der Kappadozier
Was für einen Ring?
Zweiter Soldat
Den Todesring. Da fürchtete er sich nicht.
Der Kappadozier
Es ist aber doch etwas Schreckliches, einen König zu erdrosseln.
Erster Soldat
Wieso? Könige haben auch nur einen Hals wie andere Leute.
Der Kappadozier
Ich finde es schrecklich.
Der junge Syrier
Die Prinzessin erhebt sich! Sie verläßt die Tafel. Sie ist sehr erregt. Sie kommt hierher. Ja, sie kommt auf uns zu. Wie blaß sie ist. Ich habe sie nie so blaß gesehn.
Der Page der Herodias
Sieh sie nicht an. Ich bitte dich, sieh sie nicht an.
Der junge Syrier
Sie ist wie eine Taube, die sich verirrt hat... Sie ist wie eine Narzisse, die im Winde zittert... Sie ist wie eine silberne Blume.
Salome tritt ein.
Salome
Ich will nicht bleiben. Ich kann nicht bleiben. Warum sieht mich der Tetrarch fortwährend so an mit seinen Maulwurfsaugen unter den zuckenden Lidern? Es ist seltsam, daß der Mann meiner Mutter mich so ansieht. Ich weiß nicht, was es heißen soll. In Wahrheit – ich weiß es nur zu gut.
Der junge Syrier
Ihr habt das Fest verlassen, Prinzessin?
Salome
Wie süß die Luft hier ist! Hier kann ich atmen. Da drinnen sitzen Juden aus Jerusalem, die sich einander über ihre närrischen Gebräuche in Stücke reißen, und Barbaren, die trinken und trinken und ihren Wein auf den Estrich schütten, und Griechen aus Smyrna mit bemalten Augen und Backen, mit ihrem gekräuselten Haar und ihren Säulenlocken, und schweigsame, listige Ägypter mit langen Achatnägeln und rostbraunen Mänteln, und brutale ungeschlachte Römer mit ihrer plumpen Sprache. O, wie ich diese Römer hasse! Sie sind grob und gemein und geben sich das Ansehen, als ob sie Fürsten wären.
Der junge Syrier
Wollt Ihr nicht sitzen, Prinzessin?
Der Page der Herodias
Warum sprichst du zu ihr? O, es wird Schreckliches geschehen. Warum siehst du sie an?
Salome
Wie gut ist es, in den Mond zu sehen. Er ist wie eine silberne Blume. Kühl und keusch. Wie eine Jungfrau. Ja, wie die Schönheit einer Jungfrau. Gewiß, wie eine Jungfrau, die rein geblieben ist. Die sich nie Männern preisgegeben hat wie die andern Göttinnen.
Die Stimme des Jochanaan
Siehe! Der Herr ist gekommen. Des Menschen Sohn ist nahe. Die Zentauren haben sich in die Ströme geflüchtet, und die Nymphen haben die Ströme verlassen und liegen unter den Blättern des Waldes begraben.
Salome
Wer war das, der hier gerufen hat?
Zweiter Soldat
Der Prophet, Prinzessin.
Salome
Ach, der Prophet! Der, vor dem der Tetrarch Angst hat?
Zweiter Soldat
Wir wissen davon nichts, Prinzessin. Es war der Prophet Jochanaan, der gerufen hat.
Der junge Syrier
Beliebt es Euch, daß ich Eure Sänfte holen lasse, Prinzessin? Die Nacht ist schön im Garten.
Salome
Er sagt schreckliche Dinge über meine Mutter, nicht wahr?
Zweiter Soldat
Wir verstehen nie, was er sagt, Prinzessin.
Salome
Ja, er sagt schreckliche Dinge über sie.
Ein Sklave tritt ein.
Der Sklave
Prinzessin, der Tetrarch ersucht Euch, wieder zum Fest hineinzugehn.
Salome
Ich will nicht hineingehn.
Der junge Syrier
Verzeihung, Prinzessin, aber wenn Ihr nicht hineingeht, kann Schlimmes geschehen.
Salome
Ist dieser Prophet ein alter Mann?
Der junge Syrier
Prinzessin, es wäre besser, hineinzugehen. Gestattet, daß ich Euch führe.
Salome
Ist der Prophet ein alter Mann?
Erster Soldat
Nein, Prinzessin, er ist ganz jung.
Zweiter Soldat
Man kann es nicht sicher wissen. Welche sagen, es sei Elias.
Salome
Wer ist Elias?
Zweiter Soldat
Ein Prophet dieses Landes aus vergangenen Tagen, Prinzessin.
Der Sklave
Welche Antwort soll ich dem Tetrarchen von der Prinzessin bringen?
Die Stimme des Jochanaan
Jauchze nicht, du Land Palästina, weil der Stab dessen, der dich schlug, zerbrochen ist. Denn aus dem Samen der Schlange wird ein Basilisk kommen, und seine Brut wird die Vögel verschlingen.
Salome
Welch seltsame Stimme! Ich möchte mit ihm sprechen.
Erster Soldat
Ich fürchte, das kann nicht sein, Prinzessin. Der Tetrarch duldet nicht, daß irgendwer mit ihm spricht. Er hat selbst dem Hohepriester verboten, mit ihm zu sprechen.
Salome
Ich wünsche mit ihm zu sprechen.
Erster Soldat
Es ist unmöglich, Prinzessin.
Salome
Ich will mit ihm sprechen.
Der junge Syrier
Wäre es nicht besser, wieder zum Bankett zu gehen?
Salome
Bringt diesen Propheten heraus.
Der Sklave geht ab.
Erster Soldat
Wir dürfen nicht, Prinzessin.
Salome tritt an die Zisterne heran und blickt hinunter
Wie schwarz es da drunten ist! Es muß schrecklich sein, in so einer schwarzen Höhle zu leben. Es ist wie eine Gruft... Zu den Soldaten: Habt ihr nicht gehört? Bringt den Propheten heraus. Ich möchte ihn sehen.
Zweiter Soldat
Prinzessin, ich bitte Euch, verlangt das nicht von uns.
Salome
Ich soll wohl warten, bis es euch beliebt?
Erster Soldat
Prinzessin, unser Leben gehört Euch, aber wir können nicht tun, was Ihr von uns begehrt. Und Ihr solltet das wirklich von uns nicht verlangen.
Salome einen Blick auf den jungen Syrier werfend
Ah!
Der Page der Herodias
O, was wird geschehen? Ich weiß, es wird Schreckliches geschehen.
Salome tritt an den jungen Syrier heran
Du wirst das für mich tun, Narraboth, nicht wahr? Du wirst das für mich tun. Ich war dir immer gewogen. Du wirst es für mich tun. Ich möchte ihn bloß sehen, diesen seltsamen Propheten. Die Leute haben so viel von ihm gesprochen. Ich habe den Tetrarchen oft von ihm sprechen hören. Ich glaube, der Tetrarch hat Angst vor ihm. Hast du auch Angst vor ihm, Narraboth, du auch?
Der junge Syrier
Ich fürchte ihn nicht, Prinzessin; ich fürchte niemanden. Aber der Tetrarch hat es ausdrücklich verboten, daß irgendwer den Deckel zu diesem Brunnen aufhebt.
Salome
Du wirst das für mich tun, Narraboth, und morgen, wenn ich in meiner Sänfte an dem Torweg, wo die Götzenbildhändler stehen, vorbeikomme, werde ich eine kleine Blume für dich fallen lassen, ein kleines grünes Blümchen.
Der junge Syrier
Prinzessin, ich kann nicht, ich kann nicht.
Salome lächelnd
Du wirst das für mich tun, Narraboth. Du weißt, daß du das für mich tun wirst. Und morgen früh, wenn ich in meiner Sänfte an der Brücke vorbeikomme, wo man Götzenbilder kauft, werde ich unter den Musselinschleiern dir einen Blick zuwerfen, Narraboth, ich werde dich ansehn, kann sein, ich werde dir zulächeln. Sieh mich an, Narraboth, sieh mich an. Ah! wie gut du weißt, daß du tun wirst, um was ich dich bitte! Wie du es weißt... Ich weiß, du wirst das tun.
Der junge Syrier
gibt dem dritten Soldaten ein Zeichen
Laß den Propheten herauskommen... Die Prinzessin Salome wünscht ihn zu sehen.
Salome
Ah!
Der Page der Herodias
O, wie seltsam der Mond aussieht! Wie die Hand einer toten Frau, die das Laken über sich ziehen will.
Der junge Syrier
Ja, sehr seltsam! Wie eine kleine Prinzessin, mit Augen wie Bernsteinaugen. Durch die Wolken von Musselin lächelt das Gesicht hervor wie eine kleine Prinzessin.
Der Prophet kommt aus der Zisterne. Salome sieht ihn an und weicht langsam zurück.
Jochanaan
Wo ist er, dessen Sündenbecher jetzt voll ist? Wo ist er, der eines Tages im Angesichte alles Volkes in einem Silbermantel sterben wird? Heißt ihn herkommen, auf daß er die Stimme dessen höre, der in den Wüsten und in den Häusern der Könige gekündet hat.
Salome
Von wem spricht er?
Der junge Syrier
Niemand kann es sagen, Prinzessin.
Jochanaan
Wo ist sie, die vor den gemalten Männerbildern gestanden hat, vor den buntgemalten Bildern der Chaldäer, die sich hingab der Lust ihrer Augen und Gesandte ins Land der Chaldäer schickte?
Salome
Er spricht von meiner Mutter.
Der junge Syrier
O nein, Prinzessin.
Salome
Ja, er spricht von meiner Mutter.
Jochanaan
Wo ist sie, die sich den Hauptleuten Assyriens gab, mit ihren Wehrgehängen und bunten Kronen auf dem Kopf? Wo ist sie, die sich den jungen Männern der Ägypter gegeben hat, die in feinem Leinen und Hyazinthgesteinen prangen, deren Schilde von Gold sind und die Helme von Silber und die Leiber wie von Riesen? Geht, heißt sie aufstehn von dem Bett ihrer Greuel, vom Bett ihrer Blutschande; auf daß sie die Worte dessen vernehme, der dem Herrn die Wege bereitet, und ihre Missetaten bereue. Und wenn sie gleich nicht bereut, sondern verstockt bleibt in ihren Sündengreueln, heißt sie herkommen, denn die Geißel des Herrn ist in seiner Hand.
Salome
O, er ist schrecklich, er ist wirklich schrecklich!
Der junge Syrier
Bleibt nicht hier, Prinzessin, ich bitte Euch.
Salome
Seine Augen sind von allem das Schrecklichste. Sie sind, als ob schwarze Löcher mit Fackeln in einen tyrischen Teppich gebrannt worden wären. Sie sind wie die schwarzen Höhlen, wo die Drachen leben, die schwarzen Höhlen Ägyptens, wo die Drachen hausen. Sie sind wie schwarze Seen, aus denen irres Mondlicht flackert... Glaubt ihr, daß er noch einmal sprechen wird?
Der junge Syrier
Bleibt nicht hier, Prinzessin. Ich bitte inständig, bleibt nicht hier.
Salome
Wie abgezehrt er ist! Er ist wie eine dünne Elfenbeinfigur. Er ist wie ein Bildnis aus Silber. Gewiß ist er keusch wie der Mond. Er ist wie ein Mondenstrahl, wie ein Silberschaft. Sein Fleisch muß sehr kühl sein, kühl wie Elfenbein... Ich möchte ihn näher besehen.
Der junge Syrier
Nein, nein, Prinzessin.
Salome
Ich muß ihn näher besehen.