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Rudolf Greinz
Der heilige Bürokrazius
L. Staackmann, Verlag, Leipzig
Der
heilige Bürokrazius
*
Eine heitere Legende
von
Rudolf Greinz
*
L. Staackmann Verlag / Leipzig
1922
Alle Rechte, besonders das der
Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten
Für Amerika:
Copyright 1922 by L. Staackmann, Leipzig
Druck der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig
Inhaltsverzeichnis
| Seite | |
| Vom Pater Hilarius und seiner weltberühmten Fastenpredigt über das Thema: „Warum und wasmaßen der Mensch das allergrößte Rindviech ist“ | [7] |
| Wie der Pater Hilarius dazu kam, die Legende vom heiligen Bürokrazius zu schreiben | [26] |
| Wie die Heiligen im Himmel dem lieben Gott eine seltsame Bitte vortrugen | [43] |
| Wie die himmlischen Sendboten den heiligen Bürokrazius entdeckten | [50] |
| Wie der heilige Bürokrazius auszog, um die Welt zu beglücken | [70] |
| Wie der heilige Bürokrazius den Amtsschimmel fand und sich beritten machte | [84] |
| Wie der heilige Bürokrazius in dem heiligen Stultissimus seinen ersten Jünger warb | [94] |
| Wie die beiden Heiligen einen auferbaulichen Disput hatten und das respektvolle Ergebenheitstränklein brauten | [110] |
| Wie der heilige Bürokrazius Hühneraugen im Hirn bekam und sich einen Zopf wachsen ließ | [121] |
| Ein deliziöses Intermezzo von den Tiroler Speckknödeln | [138] |
| Wie der heilige Bürokrazius die Stampiglien erfand | [144] |
| Wie der heilige Bürokrazius seine Jünger belehrte | [153] |
| Bilder-Galleria der Jünger des heiligen Bürokrazius | [161] |
| Von der Titel- und Ordenssucht | [169] |
| Wie der heilige Bürokrazius sich erlustierte | [174] |
| Wie der bitterböse Kare Revoluzzer den guten König zum Teufel jagte | [179] |
| Wie besagter Höllenbraten den heiligen Bürokrazius erschlagen wollte und von diesem glorreich widerleget wurde | [186] |
| Wie der heilige Bürokrazius gen Himmel fuhr und seinen himmlischen Einfluß auf den Kare Revoluzzer wirken ließ | [191] |
[ Vom Pater Hilarius und seiner weltberühmten Fastenpredigt über das Thema: „Warum und wasmaßen der Mensch das allergrößte Rindviech ist“.]
Großgünstiger Leser und hochgeneigte Leserin dieses ebenso frommen als ungemein ersprießlichen Büchleins, ihr habt hoffentlich schon von dem hochwürdigen Pater Hilarius gehört. Ja, ihr müßt sogar sicher davon gehört haben, weil ihr euch ansonsten selber eines ungeheuern, bedauerlichen und schier unbegreiflichen Bildungsmangels schuldig macht.
Oder solltet ihr wirklich noch nichts von dem hochwürdigen Pater Hilarius gehört haben? Das stellet euch gar kein gutes Zeugnis aus. Ihr seid offenbar zu sehr verstrickt in den faulen Zauber aller Weltlichkeit, als daß euch der Pater Hilarius schon begegnet wäre. Also will ich mich in christlicher Erbarmung über euren unverantwortlichen Bildungsmangel hinwegsetzen und euch vom Pater Hilarius erzählen.
Der Pater Hilarius war natürlich ein Tiroler, wie überhaupt alle gescheuten Menschen Tiroler sind. Von seinem Geiste werdet ihr noch ganz erklecklich genug zu spüren und zu schmecken bekommen. Demnach können wir uns vorerst mehr mit seiner hochwürdigen Leiblichkeit befassen.
Um euch ein allgemeines Bild von dem berühmten Pater zu geben, möchte ich euch zu Gemüte führen, daß er von außen rund und von innen naß war. Die äußere Rundlichkeit stammte von genügender und mit gebührender Andacht aufgenommener Atzung. Die innere Nässe oder Feuchtigkeit leitete ihren Ursprung von geistigen Flüssigkeiten her, die der hochwürdige Pater mit einer womöglich noch größeren und tieferen Andacht seinem sterblichen Leichnam einverleibte. Darunter spielte der Wein eine hervorragende Rolle. Glaubet aber deswegen ja nicht, daß der hochwürdige Pater Hilarius ein Fresser und Schlemmer und ein gottloser Säufer war. Wie ich euch bereits gesagt habe, geschah alles mit der gebührenden Andacht.
Der hochwürdige Pater Hilarius betrachtete Essen und Trinken als ein Gott wohlgefälliges Fest, das man nicht hoch genug feiern konnte. Er huldigte dem erhabenen Grundsatze, daß Essen und Trinken Leib und Seele zusammenhalte. Und diesem notwendigen Zusammenhalt brachte er so manches Opfer. Es ist auch jedermann, der auf einen guten Bissen und einen guten Trunk nichts hält, ein langweiliges Individuum, dessen Erschaffung sich der liebe Herrgott hätte ersparen können.
Ich habe weiter oben die Behauptung aufgestellt, daß überhaupt alle gescheuten Menschen Tiroler sind. Obwohl diese Behauptung aus dem Spruchschatze des Pater Hilarius stammet und dahero eigentlich keiner weiteren Begründung bedürfte, will ich euch den Beweis dafür doch nicht schuldig bleiben.
Bekanntlich meldet die Volkssage, daß die Tiroler erst mit vierzig Jahren gescheut werden. Nachdem aber, wie aus dem Nachfolgenden nur zu deutlich hervorgehen wird, die ganze Menschheit nichts anderes ist, als ein großer Stall von Rindviechern, haben die Tiroler wenigstens noch eine Möglichkeit und einen festgesetzten Termin zum Gescheutwerden, während eine solche Möglichkeit oder ein derartiger Termin für die übrigen Menschen außerhalb Tirols nicht bekannt ist.
Ein anderes wichtiges Momentum, das gleichfalls den Forschungen des hochwürdigen Pater Hilarius entstammet, soll hier zum erstenmal einer breiteren Öffentlichkeit übergeben werden. Nämlich, daß die Gescheutheit der Tiroler ihren Urgrund in den Speckknödeln hat.
Die Speckknödel sind die Nationalspeise und das Lieblingsgericht aller Tiroler. Durch einen ganz eigentümlichen chemischen Prozeß, über den sich der hochwürdige Pater Hilarius sehr eingehend verbreitet, haben die Speckknödel die merkwürdige und nicht genug zu schätzende Eigenschaft, daß sie zu einem großen Teile unmittelbar als Phosphor ins Gehirn gehen.
Diese Ansammlung von Phosphor erreichet genau beim vollendeten vierzigsten Lebensjahre eines jeden Tirolers einen derartigen Höhepunkt, daß die Gescheutheit mit der Sicherheit eines physikalischen Experimentes von selbst in Erscheinung tritt.
Die diesbezüglichen grundlegenden Forschungen des hochwürdigen Pater Hilarius erlaube ich mir ganz bewußt zu unterschlagen. Sonst wollte eines Tages die ganze Welt Speckknödel fressen, um auch so gescheut zu werden wie wir Tiroler. Das ginge uns just noch ab. Wir haben ohnedies immer zu wenig Speck, namentlich in den gegenwärtigen teuren Zeiten.
Weil nun die Tiroler Speckknödel die angebetete Leibspeise des hochwürdigen Pater Hilarius waren und er sie auch fleißig mit Wein begoß, um den chemischen Prozeß der Phosphoreszierung möglichst zu beschleunigen, hat er es zu einem ganz besonders hohen Grade der Gescheutheit gebracht, der ihn befähigte, seine weltberühmte Fastenpredigt über das auferbauliche Thema zu halten: „Warum und wasmaßen der Mensch das allergrößte Rindviech ist“.
Wenn ihr von dieser Fastenpredigt auch noch nichts gehört haben solltet, so kann ich es mir nur dadurch erklären, daß die außerhalb Tirols lebende Menschheit, die sich von den Ausführungen besagter Predigt ganz besonders betroffen fühlen muß, alles getan hat, um die geistigen Produkte des hochwürdigen Pater Hilarius heimtückisch zu unterdrücken.
Ihr müßt nämlich wissen, daß die mehrfach erwähnte Fastenpredigt des hochwürdigen Paters etwa nicht seine einzige Fastenpredigt war, sondern daß er noch zahlreiche andere Fastenpredigten hielt. Dieselben zur Gänze oder in einer Auswahl einem löblichen Publico durch die Druckerschwärze vor Augen zu führen, behält sich der Herausgeber dieses Erbauungsbüchleins für einen späteren geeigneten Zeitpunkt vor.
Großgünstiger Leser und hochgeneigte Leserin, seid also in Demut darauf gefaßt, eines schönen Tages auch die anderen berühmten Fastenpredigten des Pater Hilarius versetzt oder vielmehr um eure pleno titulo Ohrwascheln gehaut zu bekommen.
Für heute wollen wir uns mit seiner berühmtesten Fastenpredigt begnügen, da selbige sozusagen den festen Grundstock bildete, auf dem der hochwürdige Pater die Legende vom heiligen Bürokrazius aufbaute.
An einem Samstag der Fastenzeit hatte sich der hochwürdige Pater Hilarius, um sich für die geistigen Strapazen des darauffolgenden Sonntags zu stärken, sieben Tiroler Speckknödel von der beruhigenden Dimension mittlerer Kegelkugeln einverleibet. Danach verzehrte er noch einen Schöpsenbraten mit beigelegten Erdäpfeln, Häuptelsalat und gedörrtem Zwetschgenkompott, auch eine Leibspeise von ihm, und setzte, weil aller guten Dinge drei sind, noch ein drittes Leibgericht als Krönung darauf. Das waren gebackene Brandstrauben. Dazu trank er anderthalb Maß Kalterer Seewein. Alles in offensichtlicher Andacht, gebührender Dankbarkeit für die wundersamen Gottesgaben und in himmlischer Ergebenheit.
Als er die letzte Straube mit dem letzten Tropfen Kalterer begossen hatte, faltete er die Hände über seinem sehr ansehnlichen Bäuchlein und sprach: „Jetzt wohl! Gegessen wär’s und getrunken wär’s auch. Wenn’s nur gepredigt auch schon wär’!“
Dieser fromme Wunsch steigerte sich aber alsobald zu dem mannhaften Entschluß: „Na, wartet, euch will ich morgen ordentlich einheizen! Euch will ich sieden und braten, daß euch Hören und Sehen vergeht! Ihr Malefiz-Sünden- und Teufelsbrateln übereinander!“
Sprach’s, überlegte sich seine Predigt und ging zur Ruhe.
Da die Phosphorentwicklung schon in der darauffolgenden Nacht eine ganz gewaltige und mitunter sogar laut hörbare war, erwachte der hochwürdige Pater Hilarius am nächsten Morgen mit einem solchem Gefühle geistiger Stärkung, daß er sich befähigt erachtete, sämtliche Kirchenväter und Theologen zu einem geistlichen Turnier in die Schranken zu fordern.
Also bestieg er mit dem geistigen Destillat der sieben Tiroler Speckknödel und aller sonstigen dankenswerten Zutaten die Kanzel und hielt seine berühmte Fastenpredigt, die ich im Nachfolgenden zur Erbauung von männiglich im Wortlaute wiedergebe ...
Meine vielgeliebten andächtigen Zuhörer! Alle Dinge müssen einen Anfang haben. Dahero auch eine Fastenpredigt. Nun will ich aber für meine heutige Predigt den allerersten Anfang wählen, das ist die Erschaffung des Menschen.
Wenn wir dieser Erschaffung auf den Grund gehen, so ist dieselbe eigentlich für den Menschen gar nicht sonderlich schmeichelhaft. Nur die menschliche Eitelkeit hat es sich mit der Zeit eingebildet, daß der Mensch ein auserwähltes Geschöpf sei.
Lasset daher alle Eitelkeit und allen Stolz fahren, meine vielgeliebten andächtigen Zuhörer, und bemühet euch mit mir, eurem aufrichtigen Freunde, den Tatsachen eurer Erschaffung nachzuforschen.
Wie ihr alle wissen werdet, hat der liebe Gottvater zuerst Himmel und Erde erschaffen, Land und Meer, die Pflanzen und Bäume und alles Getier, das da kreucht und fleucht. Und erst, als alles da war, vom größten Elefanten bis zum kleinsten Floh, da hat der Herrgott den Menschen erschaffen.
Aus was hat er ihn erschaffen? Aus Erde. Jawohl, aus Erde. Das schaut sich ganz schön an, wenn man nicht weiter nachdenkt.
Kann sich nun einer von euch, meine vielgeliebten andächtigen Zuhörer, ernstlich vorstellen, daß man aus trockener Erde eine Figur knetet? Denn eure auferbauliche Figur, wie ihr da seid mit Kröpf’ und mit Tadel, hat doch der Herrgott aus Erde zusammengeknetet und nachher angeblasen, daß ihr eure Haxen habt rühren können.
Sintemalen nun aus trockener Erde auch der Herrgott keine Figur kneten kann, weil alles in Staub zerfallen tät, so muß das Handwerkszeug des lieben Herrgott aus feuchter oder nasser Erde bestanden haben.
Und wißt ihr, wie man nasse Erde heißt oder was nasse Erde ist? Scheut euch das kurze einsilbige Wort nicht auszusprechen; denn es handelt sich um eine sehr natürliche und alltägliche Sache, der ihr auf Schritt und Tritt begegnet.
Aus einem Patzen Dreck hat euch der Herrgott gemacht, aus ganz gewöhnlichem Dreck. Vom Dreck stammt ihr, Dreck seid ihr und Dreck bleibt ihr.
Dahero, meine vielgeliebten andächtigen Zuhörer, könnt ihr euch auf eure dreckige Herkunft nichts Besonderes einbilden. Habt ihr vielleicht jemals vernommen, daß der Herrgott auch nur eines der vielen Viecher aus Dreck hat erschaffen müssen? Die hat er einfach so erschaffen. Da hat er dieses schmutzige Material nicht dazu gebraucht. Nicht einmal um die Sau zu erschaffen, hat er so unappetitlich herumhantieren müssen, wie bei eurer Erschaffung.
Darum bildet euch ja nicht ein, daß ihr die Krone der Schöpfung seid. Ihr seid höchstens das Zipfel von dem ganzen knietiefen urweltlichen Dreck, der damals, weil es keine Straßenreinigung gab, auf der Erde jedenfalls noch reichlicher vorhanden war, als heutzutage.
Ihr habt dahero gar keine Ursache, meine vielgeliebten andächtigen Zuhörer, auf die lieben Viecher von oben herabzusehen und sie für minderwertig oder gar für dumm zu halten. Ich sage euch als euer aufrichtiger Freund und geistlicher Berater: Kein Viech ist so minderwertig, als es ein Mensch sein kann, und kein Viech ist so strohdumm, als ihr es in der Regel seid.
Das schreibet sich eben daher, weil es auf der ganzen Erde kein einziges Viech gibt, das aus so minderwertigem Material zusammengeknetet worden wäre wie ihr, meine vielgeliebten andächtigen Zuhörer.
Nun will ich euch aber eure grenzenlose Dummheit, welche die Dummheit des allerdümmsten Urviechs noch weit übertrumpft, gebührend zu Gemüte führen.
Könnt ihr vielleicht einen Affen in allen Urwäldern und Menagerien der Erde finden, der ein solcher Aff’ ist wie der Mensch ein Aff’ ist? Es wird so manches zu entdecken sein, was selbst der ärgste Aff’ nicht nachmacht. Aber es gibt überhaupt nichts, was der Mensch nicht nachmacht. Je blöder etwas ist, desto begeisterter wird es nachgemacht. Der Mensch glaubt alles, was ein Aff’ niemals glauben würde. Der Mensch trottet hinter allem drein, wo ein Aff’ sich schon längst über alle Bäum’ davongemacht hätte.
Aber kann man auch einen größeren Esel finden als den Menschen? Kein Esel würde, ohne mit allen Vieren auszuschlagen und energisch den Dienst zu verweigern, die Lasten tragen, die der Mensch schon getragen hat und noch immer trägt. Ich will euch gar nicht an bestimmte Lasten erinnern, um euch in eurer Andacht nicht zu stören. Ihr werdet mir es jedoch zugeben, daß die Eselssäck’, die ihr geduldig und stumpfsinnig tragt, kein einziger anderer Esel tragen würde. In diesem Zusammenhang muß ich auch noch erwähnen, daß sich kein noch so geduldiges Schaf seit Anbeginn der Welt derart scheren hat lassen, wie ihr euch täglich scheren lasset.
Vom Kamel will ich gar nicht weiter reden. Denn ich sehe verschiedene Schiffe der Wüste unter euch, denen ich nicht auf die Zehen treten möchte.
Aber wenden wir uns zu demjenigen Tiere, das uns die wichtigste und wertvollste Zutat zu den Speckknödeln liefert. Wenden wir uns zu dem Schwein. Wer unter uns liebt dieses Tier nicht? Kann jetzt vielleicht einer unter euch, meine vielgeliebten andächtigen Zuhörer, behaupten, daß das Schwein in Menschengestalt ein ähnliches Ansehen genießet und ein ähnliches Maß von Liebe erntet?
Dasjenige Schwein unter euch, so Dergestaltes von sich sagen kann, möge sich erheben! Niemand rühret sich. Glaubt ihr dahero, daß die ärgste Drecksau mit einem menschlichen Schwein verglichen werden kann? Oder kennt ihr einen derartigen Saustall auf Erden, wie ihr Menschen ihn habt?
Der Besitzer eines solchen Saustalles möge sich melden! Niemand meldet sich. Also haben wir den größten Saustall und brauchen dahero das Schwein gar nicht despektierlich zu betrachten; denn von ihm kommen in erster Linie die Speckknödel, in weiterer Folge Schinken, Würste, Schweinsbrateln und andere gute und Gott wohlgefällige Dinge. Könnt ihr dagegen ein einziges Gott wohlgefälliges Ding namhaft machen, das aus eurem Saustall jemals die Welt beglücket hätte?
Nunmehro halte ich es aber, um euren Geist nicht allzusehr in Verwirrung zu bringen, für notwendig, euch, meine vielgeliebten andächtigen Zuhörer, in eine ganz bestimmte Viechgattung endgültig einzureihen.
Ich kann euch die Wahl dieser Gattung leider nicht selbst überlassen, da ihr euch bei eurer bekannten Streitsucht und Uneinigkeit schwerlich auf ein bestimmtes Viech einigen würdet, jeder den anderen ein besonderes Viech schelten würde und ihr euch dahero gegenseitig nur beleidigen und kränken und doch zu keinem gedeihlichen Resultate gelangen würdet. Ihr müßt es deshalb schon mir, eurem aufrichtigen Freund und geistlichen Berater, überlassen, euch in Gottes großem Viehstall den richtigen Platz anzuweisen.
Ich will euch unter die Rindviecher einteilen. Ihr könnt euch dadurch unmöglich beleidigt fühlen. Denn wieviel Gutes kommt vom lieben Rindviech. Milch und Butter und Kas, Fleisch und Fett, Lauskampel und Schuhleder.
Ihr werdet gewiß nicht behaupten können, daß man aus euch Lauskampel und Stiefel machen kann. Von Milch, Butter und Kas will ich gar nicht reden. Ihr sehet also, daß ich euch alle Ehre antue.
Ja, ihr sollt sogar den höchsten Rang unter dem lieben Rindviech einnehmen, meine vielgeliebten andächtigen Zuhörer. Denn ich will euch im Handumdrehen beweisen, warum und wasmaßen der Mensch das allergrößte Rindviech ist.
Merket wohl auf! Habt ihr jemals gehört, daß sich tausend Rindviecher von einem einzigen Rindviech regieren, tyrannisieren und kujonieren lassen? Oder habt ihr gehört, daß sich hundert Rindviecher von einem einzigen Rindviech regieren lassen? Ja, ich will noch bescheidener werden. Habt ihr vielleicht gehört, daß sich auch nur zehn Rindviecher von einem Rindviech regieren lassen? Nein, das habt ihr niemals gehört.
Hat es euch aber jemals in Erstaunen versetzt, daß sich nicht nur zehn, hundert und tausend, sondern hunderttausende und Millionen Menschen von einem einzigen Rindviech regieren lassen? Das hat euch nicht im geringsten in Erstaunen versetzt; ihr habt es sogar für ganz selbstverständlich gefunden.
Ist also der Mensch das allergrößte Rindviech oder nicht? Jawohl, der Mensch ist das allergrößte Rindviech.
Also, meine vielgeliebten andächtigen Rindviecher, das war es ja, was ich euch beweisen wollte. Bleibet daher weiter so, wie ihr immer gewesen seid. Suchet euch weiter geflissentlich die größten Ochsen aus, zu denen ihr mit Vertrauen und Ehrfurcht aufblicket; denn ein Rindviech ist des anderen würdig. Zu helfen ist euch ja doch nicht, weil ihr eben Rindviecher seid. Amen.
[ Wie Pater Hilarius dazukam, die Legende vom heiligen Bürokrazius zu schreiben.]
Die denkwürdige Fastenpredigt brachte dem hochwürdigen Pater Hilarius sehr große Ehren ein. Zu den sonderbarsten Folgen gehörte es aber entschieden, daß der hochwürdige Pater zum Ehrenmitglied ungezählter Tierschutzvereine ernannt wurde, was er mit gebührender Dankbarkeit entgegennahm. Er konnte mit den unterschiedlichen mehr oder weniger künstlerisch ausgeführten Diplomen nicht nur die Wände seiner Zelle, sondern auch sämtliche Gänge des Klosters und das Refektorium schmücken.
Die angenehmsten Folgen zeitigte die Fastenpredigt jedoch für das Kloster selbst. Die Zuhörer waren von der Erkenntnis ihrer mehr als viechischen Dummheit derart erschüttert, daß sie das Kloster mit Geschenken überhäuften.
Vom frühen Morgen bis zum späten Abend ging die Glocke des Pförtners. Da schwankten auf Rückentragen ganze Panzelen Wein herein. Da gab es Nahrungsmittel in Hülle und Fülle, Säcke mit Mehl und Erdäpfeln und auch feinere fleischliche Genüsse.
Am meisten zeichnete sich aber die holde Weiblichkeit in Spenden aus. Denn sie hatte vielfach den Stiel umgedreht und die Ausführungen der Fastenpredigt nur auf den männlichen Teil der Zuhörerschaft bezogen. Und es war den Weiblein ein besonderer Ohrenschmaus, ihre Eheherren noch über das liebe Rindvieh gestellt zu sehen.
So hatschten denn junge und alte Kittelträgerinnen daher mit Körben voll von Eiern und Butter und Schmalz, mit Geflügel aller Art, Hühnern und Enten und Gänsen, mit ganzen Speckseiten und Geräuchertem, mit Schinken und Würsten, mit köstlichem Backwerk, vom mürben Kipfel bis zum bauchigen Gugelhupf und kreisrunden Torten, etwelchen schier so groß wie Mühlensteine. Es waren auch genug unter der Weiblichkeit, die ihre zärtliche Hingabe mit riesigen Bischkotenherzen bekundeten.
Es verstehet sich von selbst, daß diese erfreulichen Zutaten zum irdischen Wohlergehen das Ansehen des hochwürdigen Pater Hilarius unter seinen geistlichen Mitbrüdern wesentlich steigerten. Denn wer es imstande war, bloß durch des Wortes Gewalt den Inhalt der Ställe und Felder durch die fromme Klosterpforte zu leiten wie einen nimmer versiegenden Strom, der mußte wohl vom Himmel ganz hervorragend begnadet sein.
Diese Anerkennung sprach auch der hochwürdige Herr Prior seinem verdienstvollen Mitbruder begeistert aus. Er meinte zwar, der Pater Hilarius sei ein grober Knochen, aber nichtsdestoweniger habe er den richtigen Ton getroffen, der zu den Herzen der Menschen gehe und alle edeln und nützlichen Instinkte des menschlichen Rindviehs in geradezu staunenswerter Weise auslöse.
Dieweilen der hochwürdige Herr Prior in geistlichen Schriften sehr belesen war, machte er den Pater Hilarius auf einen Ausspruch seines berühmten Vorfahren, des Paters Abraham a Santa Clara aufmerksam. Es geschah dies im ursächlichen Zusammenhange mit der Wirkung von des Pater Hilarii Fastenpredigt auf das zarte weibliche Geschlecht.
Der hochwürdige Herr Prior meinte, daß der Pater Abraham im vorliegenden Falle nicht recht behalten habe. Denn er habe einmal gesagt: „Die Weiber seynd sonst genaturt wie das Kraut, mit dem Namen Basilicum: wann man dieses gemach und sanft streichet, so gibt es einen überaus lieblichen Geruch von sich; da man es aber stark reibet, stinkt es gar wild.“
Der Pater Hilarius habe jedoch seine andächtigen Zuhörer und darunter auch die Weiblein nicht nur stark gerieben, sondern gebürstet und gestriegelt nach allen Regeln. Und trotzdem hätten darnach gerade die Weiblein lieblich geduftet nach Speck und Schinken, nach Gugelhupf, Faschingskrapfen und Mandelbögen, nach Punschtorten und Bischkotenherzen. Da wies jedoch der hochwürdige Pater Hilarius seinen geistlichen Vorgesetzten auf den Weg der Erklärung, den ich mit euch, großgünstiger Leser und hochgeneigte Leserin, bereits ein Stück weiter oben gegangen bin.
Der Prior mußte dem Pater Hilarius recht geben. Er nannte ihn einen großen Menschenkenner und vornehmlich auch einen großen Kenner der holden Weiblichkeit, deren Schlichen man nicht auf den Grund sehen kann und bediente man sich hiezu auch eines klafterlangen Perspektives.
Dabei ermahnte der Prior seinen geistlichen Mitbruder, er möge sich die Dummheit der Menschen zu seinem ganz eigentlichen Studium erwählen, ihr recht nachforschen, hauptsächlich auch ihre Ursachen und tiefsten Fundamente zu ergründen trachten. Denn besagtes Studium könne für das ganze Kloster nur ungemein gedeihlich sein. Das habe schon der Anbeginn der Tätigkeit des Pater Hilarius zur Genüge bewiesen.
Der Pater Hilarius versprach es seinem geistlichen Oberen, er wolle mit allem gebührenden Fleiß dem menschlichen Viehstall auch weiter seine vollste Aufmerksamkeit widmen. Zog sich in seine Zelle zurück und war Tage und Wochen nicht zu sehen.
Auf Geheiß des Priors und wohl auch aus eigenem Antriebe versorgten ihn seine geistlichen Mitbrüder fleißig mit aller erdenklichen Atzung und mit Wein, damit er in seinem anstrengenden Studium über die Dummheit der Menschen auch der leiblichen Stärkung nicht ermangele.
Es ging jedoch der Pater Hilarius bei seinen schwierigen Forschungen völlig logisch zu Werke. Er dachte sich: Jedes Ding auf Erden muß seinen Schutzheiligen haben. Also auch die menschliche Dummheit. Wenn es gelingt, ihren Heiligen zu finden, dann hat die Sache ihre himmlische Erklärung und kann dadurch leichter begriffen werden.
So durchforschte der Pater Hilarius das Leben sämtlicher Heiligen, deren er habhaft werden konnte. Keiner war aber so geartet, daß er für die menschliche Dummheit hätte verantwortlich gemacht werden können. Der hochwürdige Pater studierte die Legenden von vorne und von hinten und konnte trotzdem zu keinem Resultate gelangen.
Endlich unternahm er es, alle Heiligen alphabetisch zu ordnen, damit ihm ja keiner zu entrinnen vermochte. Als auch dieses nichts nützte, ordnete er sie zuerst nach ihren Anfangssilben und dann nach ihren Endsilben.
Dabei kam er auch auf die Heiligen mit der Endsilbe „azius“, auf die heiligen Ignazius, Bonifazius, Servazius, Pankrazius und andere Aziusse.
Ich muß hier meine gelehrte Darstellung etwas unterbrechen und zur Ehre der Tiroler Speckknödel einfügen, daß just an dem herrlichen Tage, an dem der Pater Hilarius die Heiligen auf „azius“ in Reih und Glied aufmarschieren ließ, der Pater Küchenmeister geradezu phänomenale Speckknödel hergestellt hatte, von denen ein halbes Dutzend mit einer Schüssel dampfenden Sauerkrautes dem Pater Hilarius auf seine Zelle gebracht wurden.
Diese Knödel schmeckten dem hochwürdigen Pater so fürtrefflich, daß er den zweiten Gang, der in resch gebackenem Kälbernem bestand, freundlich zurückwies und dafür eine zweite Auflage Knödel verlangte.
Seinem Wunsche wurde natürlich sofort mit gebührender Ehrfurcht entsprochen. Denn es war dem gesamten Kloster alsobald klar geworden, daß sein berühmtes Mitglied heute besonders vom Geiste der Forschung erfüllet und dahero desjenigen Nahrungsmittels in stärkerem Maße bedürftig sei, welches bekanntlich zur unmittelbaren Anregung der Gehirnfunktionen führet.
Um dieser Vergeistigung allen möglichen Vorschub zu leisten, ließ der Pater Kellermeister seinem hochwürdigen Amtsbruder gleichzeitig einen ungeheuern Krug, der niemals geaicht worden war, auf seine Zelle bringen. Ihn sollte ein sagenhafter Pater des Klosters vor vier oder fünf Jahrhunderten in drei Zügen geleeret haben und sollte darauf eines seligen Todes verblichen sein.
Sotaner Krug wurde nur bei ganz besonders festlichen Gelegenheiten zu einem feierlichen Rundtrunke hervorgeholet. Den Krug hatte der Pater Kellermeister mit dem besten und ältesten Wein des Klosters gefüllet, von dem man behauptete, daß um Mitternacht eine schwarze Katze auf dem Fasse hocke.
Das alles sei auch deshalb erwähnet, um die Verdienste der Patres Küchenmeister und Kellermeister an den nachfolgenden weltbewegenden Entdeckungen des hochwürdigen Pater Hilarius in das richtige Licht zu stellen.
Nachdem nun der hochwürdige Pater Hilarius der zweiten Knödelfuhr den Garaus gemacht hatte und auch schon ziemlich tief auf den Grund des legendären Kruges untergetaucht war, nahm er nochmals die Liste der heiligen Aziusse vor. Er ging sie lange durch, und er ging sie gründlich durch, in seinem Verstande und Gemüte wohl erwägend, ob er nicht irgendeinen heiligen Namensträger auf „azius“ vergessen hätte.
Da machte er plötzlich in seiner Zelle einen Luftsprung, lüpfte den durch Alter und Überlieferung geweihten Krug an seine Lippen, nahm einen doppelt kräftigen Kuhschluck daraus, setzte ihn wieder auf den Tisch und brach in die begeisterten Worte aus: „Jetzt aber hab’ ich dich beim Krawattel, du heimtückisch verschlossener heiliger Azius! Ignazius, Servazius, Bonifazius und Pankrazius! Eure Liste soll voll werden! O heiliger Sankt Bürokrazius! Jetzt hab’ ich dich erwischt! Und du sollst mir nicht mehr auskommen!“
Reifliches weiteres Nachdenken brachte den Pater Hilarius zu der Überzeugung, daß er in dem heiligen Bürokrazius tatsächlich den richtigen Schutzheiligen der menschlichen Dummheit gefunden hatte. Nicht nur den Schutzheiligen der menschlichen Dummheit, sondern auch denjenigen Heiligen, dessen Existenz sich überhaupt nur durch die menschliche Dummheit erklären ließ, der aus der menschlichen Dummheit gezeugt und geboren wurde.
Dem Pater Hilarius wurde es bei der fortschreitenden Verdauung der Speckknödel, deren Zahl diesmal nichts zur Sache tut, und bei der endgültigen Ergründung des heiligmäßigen Kruges immer mehr sonnenklar, daß der heilige Sankt Bürokrazius der mächtigste und einflußreichste Heilige auf Erden war.
Welcher andere Heilige hatte sonst eine derartige Allmacht gewonnen? Vor welchem anderen Heiligen lag sonst alles derart auf den Knien, ja kroch vor ihm auf dem Bauche? Eines solchen durchschlagenden Erfolges konnte sich kein einziger anderer Heiliger rühmen. Kein Heiliger hatte so viele Jünger wie der heilige Bürokrazius. Kein Orden zählte so viele Anhänger und war mit seinen unermeßlichen Tausenden von Mitgliedern so sehr verbreitet als wie gerade der Orden des heiligen Bürokrazius.
Bei weiterer Nachforschung entdeckte der hochwürdige Pater Hilarius in seinem neu gefundenen Heiligen, dem Sankt Bürokrazius, sogar göttliche Eigenschaften. Zwar vermochte er in ihm weder die Allwissenheit noch die Allgütigkeit und Allbarmherzigkeit zu finden, wohl aber bis zu einem gewissen Grade die Allmächtigkeit. Eine göttliche Eigenschaft fand er jedoch in dem heiligen Bürokrazius vollkommen verkörpert. Das war die Allgegenwart.
Bei diesem Studium der Allgegenwart des heiligen Bürokrazius mußte sich der hochwürdige Pater, indem er sich die nachfolgenden Fragen vorlegte, selbst eingestehen und bekennen: Machst du eine Türe auf, wer stehet draußen? Der heilige Bürokrazius. Machst du ein Fenster auf, wer glotzet herein? Der heilige Bürokrazius. Sperrst du einen Kasten oder eine Truhe auf, wer hocket drinnen? Der heilige Bürokrazius. Greifst du in den Hosensack, wen ziehest du beim Ohrwaschel herfür? Den heiligen Bürokrazius. Wer recket überall, aus den verstecktesten Winkeln und heimlichsten Örtlein seinen Kragen heraus? Der heilige Bürokrazius.
Derohalb bestand für den Pater Hilarius an der Allgegenwart dieses größten und mächtigsten Heiligen, des Schutzheiligen der menschlichen Dummheit, nicht der geringste Zweifel mehr.
Um so gewaltiger überraschte es jedoch den hochwürdigen Pater, daß er keine Legende des heiligen Bürokrazius finden konnte. Die Menschheit hatte also entweder in ihrer Dummheit oder in ihrer unverantwortlichen Undankbarkeit das Erdenleben desjenigen Heiligen totgeschwiegen, in dem sie lebte und webte, in dem sie aufging, der ihre geheimsten Verrichtungen überwachte, kontrollierte und registrierte.
Das fand der Pater Hilarius für unerhört. Er entschloß sich daher, die Legende des heiligen Bürokrazius zu schreiben, um der Menschheit einen Lebensspiegel desjenigen Schutzheiligen zu verehren, zu dem sie in Ehrfurcht aufblickte, vor dem sie in ihrer grenzenlosen Dummheit bebte und zitterte, gleich einem Espenlaub und gleich dem schlotternden Schweiflein eines blutjungen Lämmleins.
Da der hochwürdige Pater Hilarius aber nach dem Gutdünken seines eigenen Priors ein grober Knochen war, fand er noch einen dritten Vergleich für das Beben der menschlichen Dummheit vor dem heiligen Bürokrazius. Und er sagte zu sich selbst: Vor diesem saudummen Heiligen zittert das noch dümmere Rindviechgeschlecht der Menschen genau so wie eine schweinerne Sulz auf dem Teller.
Nachdem der Pater Hilarius diesen endgültigen Vergleich gefunden hatte, teilte er dem Prior seinen Entschluß mit, daß er die Legende des heiligen Bürokrazius schreiben und damit eine ebenso große wie unbegreifliche Lücke in der Geschichte der himmlischen Herrschaften ausfüllen wolle. Der hochwürdige Herr Prior gab seinem verehrten geistlichen Mitbruder unbeschränkten Urlaub für diese hochwichtige Arbeit.
Wie der Pater Hilarius seine Aufgabe gelöset hat, das mag das Nachfolgende beweisen. Es war die Arbeit eines Riesen. Denn es galt aus längst verschütteten Quellen, aus dem Staub der Archive und Bibliotheken, aus unzähligen Akten und Faszikeln, Schmökern und Traktätlein, aus dem Moder der Vergangenheit die Geschichte des mächtigsten Schutzheiligen der menschlichen Dummheit herauszugraben. Und nicht zuletzt blieb es dem Ingenium des hochwürdigen Paters vorbehalten, alle die vielen klaffenden Lücken auszufüllen, die sich in den oft widersprechenden Überlieferungen ergaben.
Daß daraus trotzdem ein gerundetes Bild wurde, danken wir neben den ungeheuren geistigen Eigenschaften des Pater Hilarius natürlich auch den Tiroler Speckknödeln, die er sich auf seinen ausgedehnten Forschungsreisen nebst einem guten Tropfen stets zu verschaffen wußte.
Dadurch ist ein Werk entstanden, daß an Großzügigkeit seines Gleichen suchet, dabei aber an Subtilität der Kleinarbeit nur mit jenem Kunststück des Mirmecides verglichen werden kann, der aus Elfenbein einen Wagen samt Pferd und Kutscher also klein und künstlich geschnitten hat, daß man alles unter dem Flügel einer kleinen Fliege hat verbergen können.
Einer Statue aus Erz oder Marmor und gleichzeitig der winzigsten Filigranarbeit aus Elfenbein muß die Arbeit des Pater Hilarius verglichen werden. Was aber aus jedem Zug derselben hervorleuchtet, das ist die glühende Liebe und Verehrung für seinen Heiligen, welchen er einer andächtigen Menschheit zum ersten Male dargestellet hat. Lassen wir nunmehro dem hochwürdigen Pater Hilario anselbsten das Wort.
[ Wie die Heiligen im Himmel dem lieben Gott eine seltsame Bitte vortrugen.]
Die Legende vom heiligen Bürokrazius beginnet im Himmel, was auch nicht mehr als recht und billig ist. Denn welches Lokal wäre geeigneter, den Ursprung der folgenden Begebenheiten darzustellen, als gerade der Himmel. Wir sind ja so übersättiget von dem irdischen Theater mit all seinem Jammer, daß die geneigten Leser gewiß zur Erholung gerne einmal einen himmlischen Spaziergang machen.
Es hatte schon seit geraumer Zeit unter den Heiligen des Himmels ein gewisser Unmut und eine arge Verdrießlichkeit Platz gegriffen. Der himmlische Humor drohte gewaltig in die Brüche zu gehen.
Das kam daher, weil die Heiligen viel zu gescheit waren. Und da sie alle gleich gescheit waren, konnte keiner gescheiter sein als der andere.
Dergestaltes Gleichmaß verdrießet aber mit der Zeit nicht nur die Menschen, sondern auch die sanftesten und frommsten Heiligen.
Auch die leuchtendsten Eigenschaften können nur dann zur Geltung kommen, wenn sie sich vom Hintergrund des Gegensatzes abheben, da sie ansonsten in all ihrer Pracht keine Beachtung mehr finden. Was würde die Sonne sein, wenn ihr nicht die Nacht folgte, und was alles Blühen und Wachsen auf Erden, wenn uns nicht die Fröste des Winters mit der zehrenden Sehnsucht nach den lauen und milden Lüftelein des Frühlings erfüllen würden.
So war auch die Seligkeit der Heiligen im Himmel keine vollkommene; denn dieser Prophet war gleich gescheit wie jener Kirchenvater, und dieser ehrwürdige Patriarch konnte jenem heiligen Theologen jederzeit das Wasser reichen. Und jene Einsiedler der Wüste hatten schon während ihres Erdenwallens in ihrer Weltabgeschlossenheit so viel überflüssige Zeit gehabt, um über alle großen Probleme nachzudenken, daß sie mit dem Vorrat ihrer Gescheitheit für alle Ewigkeiten auslangten.
So bedeutete keiner für den anderen etwas Neues und noch nicht Dagewesenes. Und wenn einer zu der abgrundtiefsten Weisheit den Mund auftat, so konnte er sicher sein, daß sie der andere schon wußte. Es gibt aber nichts Ärgerlicheres, als wenn man nie einen Hauptsatz sagen kann, ohne daß der andere sofort den Nebensatz ergänzet. Das kann den Geduldigsten mit der Zeit zur Verzweiflung bringen.
So war es denn im Himmel allmählich gekommen, daß die meisten Heiligen überhaupt nichts mehr sprachen, sondern sich in undurchdringliches Schweigen hüllten. Deshalb war es mit der himmlischen Unterhaltung immer schlechter bestellet.
Da ereignete sich eines Tages das Wunderbare, daß ein Heiliger plötzlich einen Gedanken äußerte, von dem die anderen keine blasse Ahnung gehabt hatten. Welcher Heilige das war, das zu erforschen ist auch der größten Mühe und Sorgfalt leider nicht gelungen.
Es war aber ein Heiliger, der völlig unvermittelt in den kräftigen Ruf ausbrach: „Himmel, Herrgott, Sakrament und alle Heiligen! Wenn wir nur endlich einen dummen Heiligen unter uns hätten! Aber schon einen so saudummen, strohdummen und erzblöden Heiligen! Das wär’ eine Gaudi!“
Brausender Jubel erhub sich ob dieser Worte. Sie wirkten wie eine Erlösung aus großer Drangsal.
Alsogleich wurde eine feierliche Botschaft an den lieben Gott abgeordnet, deren Sprecher natürlich jener Heilige war, der den himmlischen Einfall gehabt hatte.
Der liebe Gott ging gerade auf der Himmelswiese spazieren, als sich ihm die Botschaft der Heiligen in aller Ehrfurcht näherte. „Ja, was ist denn heut’ los?“ frug der liebe Gott mit seinem gütigsten Lächeln. „Ihr schaut’s ja alle aus, als wenn euch die Hennen das Futter vertragen hätten. Paßt euch vielleicht was nicht da im Himmel heroben?“
Da sagte der Sprecher: „Halten zu Gnaden, Eure göttliche Majestät, etwas fehlet uns wirklich noch zu unserer himmlischen Seligkeit. Wir sind uns alle miteinander viel zu gescheit und wissen dahero nichts Rechtes mehr miteinander anzufangen. Und so möchten wir untertänigst gebeten haben, daß Eure göttliche Majestät gnädigst geruhen, unserm heiligen Konzilium auch einmal einen dummen Heiligen einzuverleiben. Je dümmer, desto besser. Mindestens so dumm, als Eure göttliche Majestät allmächtig sind. Den größten Trottel und Teppen, das ärgste Kamel, den ausgemachtesten Esel, das riesigste und erlesenste Rindviech, das gefunden werden kann. Auf dieser glänzenden Folie des Kontrastes wird sich dann unsere Gescheitheit so überwältigend abheben, daß sie uns nicht mehr als etwas Alltägliches erscheinet. Und der himmlische Humor, der sehr zu versauern drohet, wird dann neue und ungeahnte Blüten treiben!“
Da lachte der liebe Gott in seiner Allgütigkeit so gewaltig, da es nur so donnerte und daß vor dem schallenden Gelächter ein paar Dutzend Engelein aus dem Gezweige der Bäume auf die Himmelswiese purzelten, sich im Grase wälzten und fröhlich aus ihren jungen Kehlen mitlachten.
Der liebe Gott aber sprach: „Wenn euch nur das zu eurer vollkommenen himmlischen Seligkeit mangelt, dann hoffe ich, euch euren Wunsch erfüllen zu können. Denn ich glaube, daß es meiner Allmacht gelungen ist, unter den Milliarden meiner Geschöpfe irgendwo einen so blitzdummen Kerl zu erschaffen, der euch Genüge leisten kann. Es handelt sich jetzt nur darum, dieses hervorragende und illustre Rindviech zu finden. Alsodann müßet ihr euch nur noch gedulden, bis besagtes Hornvieh seine irdischen Tage vollendet hat und eurer auserlesenen Korona im Himmel beigesellet werden kann. Da jedoch Erdenzeit im Vergleich zu der Ewigkeit ein flüchtiger Augenblick ist, wird die Erfüllung eures Wunsches nicht lange auf sich warten lassen. Ich will sogleich eine himmlische Botschaft entsenden, die euch den dümmsten Heiligen suchen soll. Meine drei Erzengel Michael, Gabriel und Raphael will ich mit dieser erhabenen Sendung betrauen.“
Der liebe Gott winkte den Abgesandten der Heiligen ihre gnädigste Entlassung zu. Diese stimmten einen begeisterten Jubelchor zu seiner Lobpreisung an und verbreiteten die Nachricht im ganzen Himmel, daß die Bitte gewähret worden war.
[ Wie die himmlischen Sendboten den heiligen Bürokrazius entdeckten.]
Die drei Erzengel rüsteten sich auf das Geheiß des lieben Gott zu ihrem Flug nach der Erde, um dort unter den übrigen unzähligen Rindviechern das größte, ungeheuerlichste und gewaltigste Rindviech zu finden.
Da es sich um eine der feierlichsten Botschaften handelte, wählten sie zu diesem Behufe ganz besonders festliche Flügel. Der Erzengel Michael zog ein himmelblaues Gefieder an, der Erzengel Gabriel ein rosenrotes und der Erzengel Raphael ein smaragdgrünes. Sämtliche Heilige, Patriarchen und Propheten geleiteten die drei Erzengel ans Himmelstor und sahen mit unendlichem Entzücken, wie sie, in ihren leuchtenden Farben zu gewaltigem Fluge ausholend, gegen die Erde niederschwebten.
Nachdem die himmlischen Sendboten ihre Fußstapfen auf die Erde gesetzet hatten, mußten sie lange wandern, Wochen und Monate lang, ehe sie ihr Ziel erreichten, einen dummen Heiligen zu finden.
Mehrmals glaubten sie schon, den Richtigen entdeckt zu haben. Aber da trug es sich immer wieder zu, daß er entweder zu wenig dumm oder zu wenig heilig war.
Schon begannen die drei Erzengel an einem Gelingen ihrer Sendung zu verzweifeln, als sie eines schönen Tages in eine Ortschaft kamen, wo sie erfuhren, daß dort ein heiligmäßiger Mann lebe, der entsetzlich dumm sei. Er komme überhaupt nicht aus seinem Gelasse heraus, in dem er Tag und Nacht hause.
Die himmlischen Sendboten fanden den Mann in einem düsteren Gewölbe, von dem nur ein einziges vergittertes Fenster ins Freie führte. Die Spinnen hatten ihre Netze über Ecken und Wände gezogen, und es roch in dem Raume gar nicht auferbaulich nach Schimmel, Schmutz und wenig holdseligen Düften.
Der heiligmäßige Mann aber hockte auf einem wackeligen Stuhle vor einem Tische, der mit ganzen Bergen von Papier und mit dicken Folianten bedecket war. Auch die Wände waren rings mit verstaubten Faszikeln verstellet. Es herrschte eine Luft zum Ersticken.
Der Bewohner des Gemaches schien sich aber trotzdem recht wohl darinnen zu fühlen. Er war unter all dem Papier vergraben wie ein verkrümmter Wurm.
Über leibliche Schönheit verfügte er nicht. Er besaß eine riesige Glatze, von der nach hinten Strähne ungeordneten Haares in den Nacken fielen. Im Gesicht standen ihm die Bartstoppeln, als wenn er mit einem Stachelschwein Bruderschaft getrunken hätte.
Das merkwürdigste an seiner Erscheinung war aber seine ungeheure Nase, die eher einem schnüffelnden Rüssel, als einem menschlichen Riechinstrumente glich. Auch die Ohren waren von so gewaltigen Dimensionen, daß sie an die Hörwerkzeuge eines gewissen Grautieres erinnerten, das dem Müller Säcke schleppet. Blöde kurzsichtige Augen hinter großen Brillen, die immer wieder auf die Rüsselnase herunterrutschten, und ein breites Maul vervollständigten die anmutige Erscheinung.
Dabei litt der Mann offenbar an einer sehr unangenehmen Krankheit, nämlich an der Krawatitis posterior ascendens. Keine kriechende Laus, keine beißende Wanze und kein springender Floh kann einen sterblichen Menschen derart peinigen und zur Verzweiflung treiben, als just die Krawatitis posterior ascendens, das ist die hinten hinaufsteigende Krawattelkrankheit.
Der Mann kritzelte eifrig in seinen Papieren. Dabei hatte er aber unausgesetzt einen qualvollen Kampf mit seinem Krawattel zu führen, das ihm trotz aller Bemühungen unablässig und heimtückisch gegen den Hinterkopf emporkletterte und das er stöhnend und seufzend stets wieder in die richtige Lage zu bringen trachtete. Eine Folter, gegen welche die Arbeit des Sisyphus oder das Faß der Danaiden ein Kinderspiel ist.
Die himmlischen Sendboten waren auf leisen Sohlen unbemerkt und ungehört in das Gemach getreten und sahen dem Mann über die Schultern.
Da entdeckten sie, daß der sonderbare Heilige seit Jahr und Tag über alles Buch führte, was um ihn und in ihm vorging. Alles hatte er registriert, tabelliert, verzeichnet, aktenmäßig niedergelegt.
In mächtigen Folianten, über die sich der Nasenrüssel schnuppernd und wonnevoll schnaufend bewegte, war alles schwarz auf weiß zu finden ... wenn irgendwo in der Nähe eine Kuh muhte oder ein Schaf blökte, wenn ein Hund bellte oder eine Henne gackerte. Ja, sogar die Geräusche seines eigenen Ichs hatte der Mann sorgfältig und aktenmäßig zu Papier gebracht ... wenn er hustete, nieste, sich räusperte oder spuckte, wenn er rülpste oder sich schneuzte oder wenn ihm sonst etwas Menschliches widerfuhr. Auch die Krawatitis war in allen auf- und absteigenden Phasen und Stadien aktenmäßig festgeleget. Jeder Kuhfladen und jeder Roßknödel, deren Fall der Mann von dem beschränkten Gesichtskreise seines einzigen Fensters beobachten konnte, fand sich als wichtiger Beitrag zur Landwirtschaft protokollarisch aufgenommen. Und jeder derbe Fuhrmannsfluch, der gelegentlich einmal in das dumpfe Loch des merkwürdigen Heiligen hereinflog, war verewiget als Dokument der niedergehenden öffentlichen Sittlichkeit.
Unaufhörlich kritzelte und schnüffelte der heiligmäßige Mann. Noch immer hatte er die Eindringlinge nicht bemerkt. Da rief der Erzengel Michael begeistert: „Halleluja! Das ist doch der saudummste Kerl, den wir finden konnten!“
Dem heiligmäßigen Mann war gerade vorher ein anderer Laut entfahren, den er sorgfältig in dem neuesten, seinem eigenen Ich gewidmeten Folianten verewigte. Dann fuhr er eilig weiter zu schreiben fort: „Protokollführer hört sich soeben als den saudummsten Kerl, den man finden konnte, bezeichnen. Provenienz dieser Äußerung noch unbekannt. Zweckdienliche Nachforschungen werden sofort eingeleitet.“
Damit drehte er sich auf seinem Stuhle um und wurde seiner Besucher ansichtig. Bei dieser jähen Bewegung stieg ihm sein schmieriges Krawattel in unergründlicher Bosheit hinten bis an den Rand der Glatze empor. Mit einem verzweifelten Ruck führte er es wieder an seinen natürlichen Bestimmungsort zurück. Dann herrschte er die Eindringlinge an: „Können Sie nicht lesen, was draußen an der Türe steht? Eintritt ist nur nach dreimaligem Anklopfen gestattet!“
„Halt’s Maul!“ meinte der Erzengel Raphael mit einer gewissen Gutmütigkeit.
„Was ist das für ein Ton! Sie machen sich der Beleidigung einer geheiligten Person schuldig!“
„Ah, geh!“ sagte der Erzengel Gabriel freundlich.
„Ich bin eine geheiligte Person!“ sprach der heiligmäßige Mann großartig.
„So siehst du auch aus!“ bestätigte der Erzengel Michael.
Das rüsselnasige und langohrige Stachelschwein hatte sich in seiner ganzen Würde erhoben und stand nun in seinen bodenscheuen Hosen bebend vor Empörung und in seinem abgetragenen schwarzen, ins Grünliche schillernden Rocke schlotternd vor Entrüstung vor seinen ungebetenen Besuchern. „Was wollen Sie hier? Schauen Sie, daß Sie hinauskommen!“ schrie er.
„Tu dich nur nicht hinaufregen!“ sagte der Michael lächelnd.
„Vor allem verbitte ich mir das Duzen!“ brüllte der sonderbare Heilige.
„Du kannst ja Sie zu uns sagen, wenn’s dich freut!“ meinte der Gabriel nachgiebig. „Wir haben aber zu einem Hornvieh noch nie Sie gesagt.“
Das heiligmäßige Stachelschwein schnaufte vor Wut: „Nun hab’ ich’s aber satt! Wollen sich die Herren legitimieren! Wer sind Sie?“
Da entgegnete der Gabriel ungemein sanft: „Wir sind eine himmlische Botschaft: Erzengel Michael, Erzengel Gabriel und Erzengel Raphael.“
„Das könnte ein jeder sagen!“ kam es von den Lippen des schnüffelnden Rüsseltieres, das einen fortwährenden stummen Kampf mit dem scheußlichen Perpetuum mobile seiner Krawatte führte.
„Es ist aber so! Und du hast es zu glauben! Verstanden!“ erklärte der Michael mit großer Bestimmtheit.
„Ausweis!“ schnauzte das eselohrige Stachelschwein. „Wo haben Sie Ihren Paß?“
„Wir haben keinen Paß!“ antwortete der Gabriel.
„Wir brauchen keinen Paß!“ erklärte der Raphael.
„Waaaaaaas?“ Die Krawatte stieg dem Rüsseltier vor heiliger Entrüstung über die Ohren empor. „Sie haben keinen Paß? Und Sie wagen es ... Keinen Paß? Da sind Sie ja ein ganz gewöhnliches Gesindel! Jeder anständige Mensch hat seinen Paß!“
„Fixstern! Laudon! Element! und alle vierzehn Nothelfer!“ rief da der Erzengel Michael, dem der Geduldsfaden riß. „Ich werd’ dir schon deinen Paß geben und das Gesindel! Ich will dich lehren, wie man mit einer himmlischen Gesandtschaft redet, du gottverlassener Lümmel du!“
Sprach’s und haute dem sonderbaren Heiligen eine himmlische Watschen von außerordentlicher Gediegenheit herunter. Der Gabriel und der Raphael wollten nicht zurückstehen und bedachten daher das Rüsseltier gleichfalls mit je einer saftigen Mordswatschen.
Zum Erstaunen der drei Erzengel hatte aber diese sehr gründlich vermeinte Kur gar keine andere Wirkung, als daß der also Geohrfeigte mit einer Art von stumpfsinnigem Mechanismus seine bei dieser Prozedur äußerst bedenklich verschobene Krawatte wieder in Ordnung brachte.
Die drei Erzengel waren über den Effekt ihrer Handlungsweise entschieden verdutzt. „Mir scheint ...“ sagte endlich der Michael „... der hat die Watschen gar nit g’spürt.“
„Am End’ hat er gar kein Hirn im Schädel!“ mutmaßte der Gabriel.
„So was ist mir auch noch nie untergekommen!“ meinte der Raphael.
Da beratschlagten die ob des unerklärlichen Mißerfolges ihrer himmlischen Watschen ernstlich verblüfften drei Erzengel, wo der merkwürdige Heilige eigentlich seinen Verstand und mit ihm seine sonstigen geistigen Fähigkeiten sitzen hatte.
Sie packten ihn dahero nicht mit zärtlichen Engelshänden, sondern mit recht fühlbaren und kräftigen irdischen Pratzen an und wendeten das sich verzweifelt wehrende, fauchende, schimpfende, protestierende und drohende rüsselnasige Stachelschwein nach allen Richtungen seiner ehrwürdigen Leiblichkeit. Nach rechts und nach links, nach oben und nach unten, nach vorn und nach hinten.
Als sie endlich bei der Besichtigung der Hinterfront angelangt waren, legten sie den zappelnden Heiligen ohne viel Federlesen über den Tisch, quer über die Folianten und Papierwülste.
Der Gabriel und der Raphael hielten ihn fest, daß er sich nicht mehr rühren konnte. Der Erzengel Michael jedoch, der am meisten Kraft und Lust zum Dreinschlagen unter der himmlischen Botschaft besaß, ergriff ein stählernes Lineal, das an einer Seite des Tisches an einem Nagel baumelte.
Er ließ es zuerst ein paarmal durch die Luft sausen, als wenn er sein feuriges Schwert erproben wollte. Dann linierte er mit peinlicher Gewissenhaftigkeit, jeden Streich sorgfältig zählend, dem schreienden Rüsseltier die vorschriftsmäßigen und üblichen Fünfundzwanzig auf seinen Allerwertesten.
Dabei begleitete er jeden Streich mit auferbaulichen Sprüchlein, wie: „Hier hast du deinen Paß!... Ich werde dir schon das Gesindel anstreichen!... Weißt du jetzt, was Anstand ist, du erzinfamer Lümmel du!“
Unter ähnlichen zarten Aufmerksamkeiten, welche die Arbeit des Erzengels begleiteten, floß sie munter fort.
Schon bei den ersten Streichen begann der sonderbare Heilige zu brüllen, als ob er am Spieße stecken würde.
„Aha! Da spürt er was!“ sagte der Gabriel triumphierend.
„Versohl’ ihn nur ordentlich!“ munterte der Raphael den Michael auf.
„Ich protestiere gegen die tätliche Beleidigung und Verletzung meines edelsten Teiles!“ brüllte da der verprügelte Heilige in ohnmächtiger Wut.
„Mir scheint, wir haben ihn am richtigen Fleck erwischt!“ sagte der Michael.
„Der hat offenbar seinen Verstand im Sitzfleisch!“ meinte der Gabriel.
„Und alle sonstigen geistigen Eigenschaften auch!“ ergänzte der Raphael.
„Hören Sie auf! Ich bitte Sie um aller Heiligen willen, hören Sie auf!“ winselte jetzt das Rüsseltier in den kläglichsten Tönen.
„Fünfzehn, sechzehn, siebzehn!“ zählte der Erzengel Michael kaltblütig. „Nur Geduld! Es ist gleich vorüber!“
„Das halte ich nicht mehr aus! Ich muß gehorsamsten Protest erheben. Sie zerstören mir ja mein ganzes Denkvermögen! Wie soll ich da weiter meine heiligen Pflichten erfüllen!“ jammerte das verprügelte Rüsseltier, während sich der Erzengel in seiner erzieherischen Tätigkeit nicht irre machen ließ.
„Hilfe! Ich gebe meinen Geist auf! Hilfe! Hilfe!“ flehte der merkwürdige Heilige.
„Wahrhaftig! Der denkt mit dem Gesäß!“ rief der Raphael in endgültiger Erkenntnis.
„Dann haben wir den Richtigen gefunden!“ erklärte der Gabriel.
„Dreiundzwanzig, vierundzwanzig, fünfundzwanzig!“ zählte der Michael.
Damit ließen sie den sonderbaren Heiligen los. Der rutschte eilig vom Tisch herunter, hielt sich mit beiden Händen sein Hinterteil, verbeugte sich immer wieder untertänigst, machte einen Kratzfuß nach dem anderen und sagte mit sauer-süßer Miene: „Gehorsamster Diener! Wollen die Herrschaften nicht Platz nehmen? Womit kann ich den Herrschaften dienen?“
Die himmlische Botschaft ließ sich auf drei bereitgestellten Stühlen nieder. Und der Michael sprach zu dem plötzlich demütigen Heiligen: „Nach dieser gedeihlichen Stärkung deines Auffassungsvermögens teile ich dir mit, daß du zu einer erhabenen Mission ausersehen bist. Du sollst die Menschen mit deiner grenzenlosen Dummheit beglücken. Du sollst der dümmste Heilige werden, der je in einem Kalender gestanden hat.“
„Gehorsamster Diener! Gehorsamster Diener!“ katzenbuckelte der neue Heilige. „Das hätten die Herrschaften ja gleich sagen können.“
„Vor allem künde uns deinen erhabenen Namen!“ fuhr der Erzengel Michael fort.
„Gehorsamster Diener, die Herrschaften! Man nennet mich den Bürokrazius.“
„Ausgezeichnet!“ sagte der Erzengel Michael und erhob sich. „Ein herrlicher, ein eindrucksvoller und ungemein heiliger Name. Der hat uns gerade noch gefehlt. Darüber wird sich der ganze Himmel freuen und alle Rindviecher auf Erden. O Sankt Bürokrazius, erachte dich also mit den gewissenhaft aufgezählten Fünfundzwanzig zum Heiligen geschlagen! Das notwendige äußere Attribut deiner neuen Würde werde ich dir sofort verleihen.“
Damit griff der Erzengel in sein Gewand, zog daraus einen funkelnagelneuen und frisch geputzten Heiligenschein hervor und setzte ihn dem Bürokrazius, der sich noch immer denjenigen schmerzenden Teil seines heiligen Leibes rieb, mit dem er dachte, auf die mächtige Glatze. Die eselslangen Ohren ragten zwar noch ein Stück über den Heiligenschein hinaus, und das Krawattel wurde plötzlich so neugierig, daß es bis an den Rand des Scheines emporstieg ... aber das tat der Leuchtkraft des Heiligenscheines keinen Eintrag.
„Und jetzo, heiliger Sankt Bürokrazius,“ sprach der Erzengel Michael feierlich, „wisse, daß du die Erde beherrschen wirst. Du wirst mächtiger und angesehener sein als alle Heiligen des Himmels zusammen. Du wirst deshalb der Herr über die menschliche Dummheit sein, weil du noch dümmer bist, als die Dümmsten unter den Menschen. Dahero wird deine heilige Dummheit von den Menschen angebetet werden als überirdische Weisheit. Behalte deinen Verstand ja im Sitzfleisch! Denn an jeder anderen Körperstelle würde es dir schweren Schaden bringen. Bewahre deine heilige Würde stets ungeschmälert! Krieche nach oben und tritt nach unten! Du hast heute deine Probe nach dieser Richtung vortrefflich bestanden. Denn wisse, jede aufgeblasene Würde kriecht, wenn sie gehörig verprügelt wird und ihren Herrn und Meister findet. Wenn du aber neuer himmlischer Eingebungen für die Ausübung deines heiligen Berufes bedarfst, dann setze dich kräftig auf denjenigen Teil deines heiligen Leibes, wo du den Verstand hast. Setze dich lange darauf, und setze dich ausdauernd darauf und denke mit seinem ganzen heiligen Umfang nach! Und es wird dir die Erleuchtung kommen!“
Längst waren die beiden anderen Erzengel bei dieser feierlichen Rede von ihren Sitzen aufgestanden. Da erhub der Erzengel Michael seine Hände und brach singend und lobpreisend in die Worte aus, in welche auch die Erzengel Gabriel und Raphael im himmlischen Jubel mit einstimmten ... „Habemus novum sanctum ... Sanctum Bürokrazium ... Stultissimum omnium sanctorum ... Bovem maximum totius orbis ... Asinum electum et egregium ... Jubilate coeli et terra!“
Mit diesem Gesang verschwanden die Erzengel vor den Augen des neuen Heiligen.
Der heilige Bürokrazius verbeugte sich tief und griff sich wiederholt an den noch immer furchtbar schmerzenden Sitz seines Verstandes.
Die Krawatitis posterior ascendens langte in heimtückischer Bosheit nach seinem Heiligenscheine.
„Gehorsamster Diener!“ sagte der heilige Bürokrazius, in Untertänigkeit schier ersterbend.
[ Wie der heilige Bürokrazius auszog, um die Welt zu beglücken.]
Nachdem der heilige Bürokrazius die himmlische Botschaft mit der in dem vorhergehenden Hauptstück geschilderten Feierlichkeit empfangen hatte, verbrachte er noch sieben Tage und sieben Nächte in seiner Behausung.
Diese Zeit brauchte er notwendig, um alle die ihm widerfahrenen überirdischen Gnaden eingehend zu Protokoll zu bringen.
Er arbeitete schier ununterbrochen Tag und Nacht und machte dabei bedeutende Ersparnisse in der Beleuchtung. Denn während er früher erkleckliche Ausgaben für Kerzen aufzuwenden hatte, leuchtete ihm jetzo sein Heiligenschein völlig umsonst. Und das war ein so mildes Licht, daß der heilige Protokollführer unwillkürlich vieles in einem anderen Lichte erblickte.
Während er anfangs geneigt war, unterschiedliche Einzelheiten des himmlischen Besuches einer scharfen Kritik zu unterwerfen und mit geharnischten Protesten zu begleiten, wurde er in dem Lichte des Heiligenscheines rasch zu einer anderen Auffassung bekehret und sah alles, was ihm begegnet war, in einer verklärten Beleuchtung.
Es ist dahero von den drei ausgiebigen Watschen und von den fünfundzwanzig Streichen in den Aufzeichnungen des heiligen Bürokrazius nichts zu finden. Wir lesen lediglich von himmlischen Winken und Eingebungen, die ihm geworden waren.
Indes er jedoch die sieben Tage und sieben Nächte mit unermüdlicher Emsigkeit schrieb, wurde er allerdings an die Folgen dieser himmlischen Winke gar oft in recht irdischer Weise erinnert. Er mußte doch beim Schreiben auch denken. Und zum Denken brauchte er notwendig jenes Organ, wo er den Verstand sitzen hatte.
Besagtes Organum war jedoch in memoriam der himmlischen Winke über und über mit großen Beulen, Schrammen und Schwielen bedecket und schmerzte ihn fürchterlich. Derohalben war auch seine protokollarische Arbeit keine kleine Anstrengung. Denn das Denken bereitete ihm unerhörte Beschwerden.
Als er solchergestalt drei Tage und drei Nächte mit der größten Beharrlichkeit trotz der gräßlichsten Pein, die ihn nicht nur zum Heiligen, sondern auch zum Märtyrer stempelte, unausgesetzt gedacht und gearbeitet hatte, kam der heilige Bürokrazius auf einen erlösenden Einfall.
Er füllte ein großes Schaff mit Wasser und stellte dasselbe neben den Tisch, an dem er schrieb. Wenn die Qualen des Denkens fast unerträgliche wurden und die Leistungsfähigkeit seines Verstandes unter den Spuren der himmlischen Denkzettel und Gunstbezeigungen zu erlahmen drohte, dann setzte sich der Heilige mit demjenigen Teile seines heiligen Leibes, der seinen Verstand trug, in das Wasserschaff und suchte dort Kühlung. Die Wirkung war eine wunderbare. Regelmäßig wurde ihm der Segen der kühlen Denkungsart zuteil.
So entstand unter den Wirkungen des heiligen Schaffes und unter dem milden Lichte des Heiligenscheines jener erstaunliche Bericht von der Sendung des heiligen Bürokrazius, welchen der Schreiber dieser Legende leider nicht wiedergeben kann, da er allein den hundertfachen Umfang haben würde, als dem Legendenschreiber Raum verstattet ist. Dafür will er aber einem geneigten Leser noch weiter von dem heiligen Schaff erzählen, das er gerade früher erwähnet hat.
Es handelt sich wirklich um ein heiliges Schaff. Das Wasserschaff, in welches der heilige Bürokrazius die erhabene Denkerstirne seines Stiefgesichtes tauchte, ist seitdem eine Reliquie geworden, welche allseitige Verehrung genießet. Es kann dahero mit Fug und Rechten von dem heiligen Schaff gesprochen werden.
Es finden gemeiniglich noch immer große Wallfahrten zum Schaff des heiligen Bürokrazius statt. Naturgemäß und insonderheit sind es die Jünger des heiligen Bürokrazius, die in allen Bedrängnissen und Verlegenheiten ihres Daseins zu dieser Reliquie pilgern und gleich wie weiland der heilige Bürokrazius anselbsten ihre erhabenen Denkerstirnen in sie tauchen, um mit unergründlicher Weisheit von ihr begnadigt zu werden.
Wenn dahero im Geiste des heiligen Bürokrazius so hochweise und unergründlich tiefe Verfügungen erscheinen, daß sie überhaupt niemand verstehet, so kannst du, geneigter Leser, darauf schwören, daß sie ihren Ursprung einer Wallfahrt zum Schaff des heiligen Bürokrazius verdanken. Und das ist gut so. Denn würden besagte Verfügungen von jedem gemeinen Kerl verstanden werden, dann würden sie ihr ganzes Ansehen einbüßen. Je blödsinniger sie dem gemeinen Verstande erscheinen, um so heiliger und ehrwürdiger sind sie.
Murret derohalben nicht wider das, was ihr nicht verstehet und nicht zu beurteilen vermöget. Sondern seid vom heißesten Danke erfüllet gegen jene heilige Reliquie, so den Jüngern des heiligen Bürokrazius stets wieder neue Auffrischung ihres Verstandes verleihet. Denn wohin wären sie sonst geraten! Sie hätten euch mit klaren Verfügungen bedacht, und ihr hättet sie derohalb mißachtet, da ihr euch eingebildet hättet, sotane Verfügungen seien auch nicht gescheiter wie ihr selber, zum mindesten aber gleich dumm wie ihr.
Diese Abschweifung möge verziehen werden. Sie ist nur ein Beweis, wie unermeßlich das Material für eine ausführliche Beschreibung des Lebens und der Taten unseres Heiligen ist. Diese bescheidene Legende ist daher nur ein winziger Auszug, ein extractum minimum aus der unermeßlichen Fülle von Geschehnissen, die mit dem heiligen Bürokrazius in innigster Beziehung stehen.
Wenn der ganze Erdboden lauter Papier wäre und das große, tiefe Meer lauter Tinte und alle spitzigen Gräslein lauter Federn und alle lebendigen Geschöpfe bis herab zur kleinsten Gewandlaus lauter Schreiber, die bis auf den jüngsten Tag schreiben würden, so könnten sie noch immer nicht den tausendsten Teil der Glorie des heiligen Bürokrazius erschöpfen.
Nunmehro aber begleiten wir ihn weiter auf seinen Wegen. Nachdem er das Protokoll über seine himmlische Sendung vollendet und sorgfältig verschlossen hatte, betrat er im Bewußtsein seiner neuen Würde das Freie.
Sein Erscheinen erregte unter den Menschen berechtigtes Aufsehen. Wenn ihr aber etwan glauben solltet, daß seine wenig liebliche Leibesgestalt ihm Schaden gebracht habe, dann irret ihr euch gewaltig. Gleichwie in einer ungestalten Muschel eine herrliche Perle verborgen sein kann, so kann auch unter Rüsselnasen und Eselsohren ein großer Heiliger stecken. Wie denn auch ein kostbarer silberner Becher in dem schlechten, rupfenen Getreidesack des Benjamin gefunden wurde.
Und erinnert euch nur der vielen großen Männer, die häßlich von Ansehen waren. Der römische Galba hatte einen Buckel, so hoch, daß man hätte können ein Schilderhäusl darauf bauen, und war trotzdem ein unvergleichlicher Wohlredner. Aesopus hatte ein solches Larvengesicht, daß auch die Rinde am Eichbaum seinem Fell fast an Schönheit vorzuziehen war, und gleichwohl war er der witzigste Mann zu seiner Zeit. Quintus Fabius Maximus, der römische Feldherr, hatte eine so große ungestalte Warzen auf seiner Oberlippe, daß sie ihm schier wie ein Dachel über den Freßladen hing, und dennoch war er der allerfürtrefflichste Mann. Philippus von Mazedonien, Hannibal von Karthago, Sertorius Hispanus sind einäugig gewesen. Henricus der Zweite, der Kaiser, war krumm, und Godefridus der Zweite, Herzog von Austrasien, war kropfet, und doch sind sie alle die lobwürdigsten Herren gewesen.
Habt ihr aber von einem dieser Herren gehöret, daß er einen Heiligenschein trug? Das habt ihr nicht gehöret. Und trotzdem hat in ihrer häßlichen Leiblichkeit ihr Geist den Sieg davongetragen.
Um wie viel mehr mußte der heilige Bürokrazius den Menschen verkläret erscheinen! Wie mußten im milden Lichte seines Heiligenscheines seine Eselsohren und sein Nasenrüssel verschwinden! Wie mußten seine blöden Augen in diesem Scheine von Geist leuchten und sein breites Maul von Weisheit triefen! Ja selbst das heimtückische Krawattel vermochte seinem Ansehen nicht dauernd zu schaden.
Je mehr der heilige Bürokrazius sich von seiner Behausung entfernte, desto deutlicher erkannte er, wie bei den Menschen alles im argen lag. Die Menschen wurden weder numerieret, noch registrieret, auch nicht volksgezählet oder irgendwie sonst eingetragen. Sie besaßen keine Ausweispapiere. Sie lebten sorglos und harmlos dahin. Sie waren im Grunde nicht gescheiter, als sie es heute auch sind. Aber niemand belästigte sie in ihrer Dummheit.
In diese beispiellose Wildnis menschlicher Verkommenheit trat der heilige Bürokrazius mit dem ganzen flammenden Fanatismus seiner Sendung. Er eiferte allerorten gegen den unerhörten Skandal, daß die Menschen sich erfrechten, geboren zu werden und zu leben ohne die genaueste aktenmäßige Behandlung.
Der Schematismus sei das Höchste auf Erden, predigte der Heilige. Ohne Schematismus gebe es überhaupt kein Gedeihen. Alles müsse auf bestimmte Formulare gebracht werden. Und wer sich gegen den Schematismus und gegen die Formulare versündige, der sei ein Feind der Menschheit. Zu denken brauche das verehrliche Publikum überhaupt nicht. Das sei seine, des heiligen Bürokrazius, Sache. Er allein habe das Privilegium, schematisch, protokollarisch, aktenmäßig und nach ganz bestimmten Formularien in einer möglichst genau geregelten Verblödung zu denken.
Da die Menschen, wie der Schreiber dieser Legende in einer eindringlichen Fastenpredigt bewiesen hat, die allergrößten Rindviecher sind, begrüßten sie es mit tausend Freuden, daß da plötzlich mitten in ihrem beschaulichen Erdenwallen ein großer Heiliger erschien, der ihnen sogar das Denken ersparen und auf seine heiligen Schultern nehmen wollte.
Wozu hätte der seltene Mann auch seinen Heiligenschein besessen. Der ließ ihn ja von vorneherein als eine vertrauenswürdige Persönlichkeit erscheinen, der man seine ferneren Schicksale anheimgeben konnte.
So gelang es dem heiligen Bürokrazius in verhältnismäßig kurzer Zeit, die Menschen von der Richtigkeit und Gottwohlgefälligkeit seiner Sendung zu überzeugen.
Er war überall. Es gab keinen noch so versteckten Winkel, in den er seine rüsselförmige Nase nicht schnüffelnd hineinsteckte. Und es gab kein noch so verstecktes Geheimnis, das seine langen Eselsohren nicht erlauschten.
Dadurch errang er sich ein fast göttliches Ansehen. Denn die Menschen begannen zu begreifen, daß sie seiner Macht widerstandslos ausgeliefert waren, nachdem sie sich mit Vergnügen damit abgefunden hatten, ihm das Denken zu überlassen.
Und der heilige Bürokrazius dachte und dachte. Er dachte unablässig auf seine Weise. Die Früchte zeigten sich auch alsobald und auf dem ganzen Erdkreise.
Alle seine großen Ideen vermochte der Heilige während seines Erdenwallens durchzusetzen; denn die menschliche Dummheit und sein eigener Blödsinn waren ihm die mächtigsten Bundesgenossen.
Wenn der Schreiber dieser Legende auch mit den folgenden Zeilen die größte und unermeßlichste Tat des heiligen Bürokrazius vorwegnimmt und damit der Darstellung der Ereignisse vorgreift, so kann er doch in seiner hellen Begeisterung für den größten und dümmsten Heiligen nicht umhin, schon an dieser geweihten Stelle von der umwälzendsten Idee des heiligen Bürokrazius zu berichten, die allen seinen großen Ideen, mit denen er die Welt beglückte, die Krone aufsetzte.
Mit welcher seltenen Schärfe der heilige Bürokrazius dachte, darauf hinzuweisen fand sich schon mehrfach die Gelegenheit. Und gerade aus dieser ganz speziellen Eigenart des Denkens, durch die er vor der übrigen Menschheit einen wesentlichen und nicht zu unterschätzenden Vorsprung hatte, wurde ihm die große Aktion zur Regelung des menschlichen Stoffwechsels eingegeben.
Seine heilige Fürsorge erstreckte sich in nimmermüdem Eifer auch auf jene beschaulichen und idyllischen Stätten, welche der Mensch bei gesunder körperlicher Verfassung in regelmäßigen Zwischenräumen behufs Bereicherung der Landwirtschaft aufzusuchen pfleget.
Der heilige Bürokrazius führte eigene Pässe für das Betreten oben angedeuteter Örtlichkeiten ein, die den jedesmaligen Vermerk einer Einreisebewilligung und einer Aufenthaltsbewilligung an den Stätten besagter landwirtschaftlicher Berufstätigkeit enthalten mußten. Natürlich war auch der Aufenthalt zeitlich genau geregelt.
[ Wie der heilige Bürokrazius den Amtsschimmel fand und sich beritten machte.]
Schon in der ersten Zeit seines Erdenwallens stellte es sich heraus, daß der heilige Bürokrazius seinen Kräften zu Gewaltiges zumutete. Er ging in seinem heiligen Eifer überallhin zu Fuße.
Dieser heilige Grundsatz des Wanderns per pedes apostolorum sollte sich aber bald bitter rächen; denn er verschaffte dem Heiligen die unangenehme Erscheinung von qualvollen Hühneraugen, über die in einem späteren Hauptstücke noch Wundersames zu lesen ist.
Hier wollen wir uns nur mit dem Berichte bescheiden, daß diese Hühneraugen des heiligen Bürokrazius zum mindesten eine unmittelbare Ursache für die Auffindung des Amtsschimmels durch den Heiligen wurden.
Je gräßlicher die Tortur der Hühneraugen sich auswuchs, desto klarer und deutlicher kam der gemarterte Heilige zu der Überzeugung, daß ihm in diesem verzweifelten Falle nur mehr durch eine himmlische Eingebung geholfen werden könne. Er erinnerte sich dahero des wohlmeinenden Rates, den ihm der Erzengel Michael erteilt hatte ... er möge sich, wenn er neuer himmlischer Eingebungen zur Ausübung seines heiligen Berufes bedürfe, auf den Sitz seines Verstandes niederhocken und tief nachdenken.
Das tat denn auch der heilige Bürokrazius. Er hockte sich zehn Tage und zehn Nächte hin und dachte eifrig nach, dabei die himmlische Eingebung erwartend. Er schlief, wenn er vom Denken erschöpft war, auch in sitzender Stellung, um die Eingebung des Himmels ja nicht zu verpassen.
In anderen Heiligenlegenden werden diese Offenbarungen von oben den Heiligen vielfach in schlafendem Zustande durch wunderbare Traumgesichte kundgetan. Es muß jedoch hier ausdrücklich festgestellet werden, daß dies beim heiligen Bürokrazius nicht geschah.
Er erlebte die himmlische Stimme vollkommen wach und munter am Morgen des eilften Tages. Als er von dem vielen Nachdenken und Harren schon etwas müde und abgespannt zu werden begann, da erhub sich auf einmal eine gewaltige innere Stimme in ihm, die auffällig der Stimme des Erzengels Michael glich und dem Heiligen sofort ein erinnerungsvolles Jucken und Beißen verursachte.
Die innere Stimme aber sprach: „Rindviech, g’selchtes! Was laufst denn alleweil auf deine Plattfüß’ umeinander! Oder glaubst du vielleicht, daß so ein hatschender Heiliger dem Publikum auf die Dauer imponieren wird? Da bist aber ang’schmiert!“
„Was soll ich denn tun?“ frug der heilige Bürokrazius kläglich.
Da sprach die Stimme: „Schau dir um ein Roß und reit’!“
„Aber ich kann ja gar nicht reiten!“ wandte der Heilige bescheiden ein.
„Wirst es schon erlernen!“ erwiderte die Stimme von oben. „Wir haben ohnedies schon einen berittenen Heiligen. Denselbigen, der seinen Mantel auseinanderschneidet und mit dem Bettler teilet. Wirst ihn schon gesehen haben. Ein sehr respektabler Heiliger. Also kommt es uns auf ein heiliges Rindviech zu Pferd auch nicht mehr drauf an!“
„Ja, wo soll ich denn ein Roß hernehmen und nicht stehlen?“ frug der Heilige verzagt.
„Mußt halt ein Roß finden, das sonst kein anderer brauchen kann!“ sagte die Stimme des Erzengels. „Ein gewöhnliches Roß ist freilich für dich nicht erschaffen. Du mußt ein ganz außerordentliches Roß finden. Du darfst jetzt nicht beleidigt sein über das, was ich dir sage. Du wirst ja noch wissen, warum du mit aller gebührenden Feierlichkeit zum Heiligen geschlagen wurdest. Dahero mußt du auch das dümmste Roß auf Gottes Erdboden finden. Dasselbige ist sodann dein Roß. Auf ihm wirst du reiten können. Und es wird dich gutwillig tragen. Sonst wäre es ja nicht das dümmste Roß. Denn jedes andere Roß, das nicht mindestens so dumm ist wie du selber, wird dich unter aller Bedingung abwerfen, dieweilen es keinem Vieh einfällt, ein noch dümmeres Vieh zu tragen, als es selber ist. Wenn es dir jedoch gelingt, dieses dümmste Roß zu finden, dann wirst du in aller Herrlichkeit prangen. Denn du mußt es begreifen, daß die berittene Dummheit noch viel siegreicher ist als unberittene Hühneraugen!“
Sprach’s, und die Stimme verschwand aus dem Inneren des Heiligen. Er war nun wieder auf sich selbst gestellet und mußte seine eigenen Entschlüsse fassen. Der Rat des Erzengels erschien ihm jedoch als wahrhaft himmlisch. Wenn er sich vorstellte, wie er hoch zu Roß durch die Welt trabte, dann schwoll ihm gewaltig der Kamm. Es galt also, das dümmste Roß zu finden.
Lange suchte der heilige Bürokrazius nach diesem seltenen Vierfüßler. Er glaubte, der Qual seiner Hühneraugen bereits unterliegen zu müssen, als er an einem sonnenhellen Maientage zu einem Stalle kam, in dem ein Roß fröhlich wieherte.
Der heilige Mann trat mühselig hatschend ein. Vor die Futterkrippe war ein Schimmel gebunden. Just keine Vollblutrasse und auch kein schönes Tier. Das störte aber den heiligen Bürokrazius nicht im geringsten, dieweilen er das von sich auch nicht behaupten konnte. Er trat an den Schimmel heran, an dem man alle Rippen zählen konnte und der überall die Beiner aufstellte, daß man ihn auch ganz gut zu einem Hutständer hätte gebrauchen können.
Der Schimmel fraß gierig aus der Krippe. Als der Heilige näher zusah, hatte der Schimmel lauter Papier in der Krippe, das er mit offensichtlichem Behagen verzehrte.
Sintemalen aber alles, was Papier war, für den Heiligen ein wichtiges Lebenselement darstellte, sah er auch alsogleich nach, um welches Papier es sich handelte. Zu seinem heiligen Entzücken waren es lauter Akten, mit denen man den Schimmel fütterte.
„O du heiliges Roß Gottes!“ rief der Heilige in himmlischer Verzückung. „Durch welches Wunder verzehrest du Akten?“
„Hihihihi!“ lachte der Schimmel und drehte sich, lebhaft wiehernd, nach dem heiligen Manne um.
Da ersah der heilige Bürokrazius, daß sie dem Schimmel grüne Brillen aufgesetzt hatten. Und das Vieh war so dumm, daß es durch die grünen Brillen Gras statt Papier zu fressen glaubte. Nunmehro erkannte der heilige Bürokrazius, daß er das dümmste Roß auf Gottes Erdboden gefunden hatte. Er fiel mit Tränen der Rührung in den Augen dem Schimmel um den Hals und gab ihm einen Bruderkuß.
„Hihihihi!“ lachte der Schimmel vergnügt und geschmeichelt.
Alsodann hielt ihm der heilige Bürokrazius folgende feierliche Ansprache: „O du dümmstes Roß, sei mir gegrüßt! Auf dir werde ich die ganze Welt erobern. Denn unsere Dummheit ergänzet sich in der wundertätigsten Weise. Wir werden ein Wesen sein, eine Seele und ein Gedanke. Und die Menschheit wird uns staunend dahinschreiten sehen und wird sich ehrfurchtsvoll vor uns beugen. Und nie sollst du des Futters ermangeln. Ich will dich dick und fett mästen. Gott erhalte dir deine Dummheit! Und nun, du heiliger Schimmel, du dümmstes Roß Gottes auf Erden, deinem Herrn ebenbürtig und zu immerwährendem Dienste zugesellet, trage mich hinaus in die Welt!“
„Hihihihi!“ lachte der Schimmel geschmeichelt ob dieser Rede.
Der heilige Bürokrazius band ihn von der Krippe los und schwang sich auf seinen Rücken. Der Schimmel trug ihn sonder Widerstand, als wenn er das von jeher gewöhnet gewesen wäre. So zogen sie beide aus dem Stalle hinaus. Der Heilige mit Rüsselnase und Eselsohren, der Schimmel mit den grünen Brillen.
Es war ein Anblick, an dem sich Himmel und Erde erfreuen konnten. Und die Heiligen auf der Himmelswiese lachten, als sie ihren neuen Gefährten dahintraben sahen. Und sie hatten Gesprächsstoff für den ganzen Tag. Das war aber nach dem himmlischen Zeitmesser für eine halbe Ewigkeit.
Die Menschen jedoch beugten sich vor dem Heiligen mit seinem Schimmel noch mehr als früher. Nun war es nicht nur der Heiligenschein, der ihnen Demut und Ehrfurcht einflößte. Es waren auch die grünen Brillen des Schimmels. Was mußte das für ein gelehrtes Roß sein, das sogar Brillen trug!
„Alles muß nach einem Schema gehen!“ verkündigte der Heilige. „Denken ist überflüssig! Akten und Formulare sind die höchste Weisheit auf Erden!“
„Hihihihi!“ lachte der Schimmel in fröhlichem Wiehern. Er konnte auch zufrieden sein; denn er hatte seinen Herrn gefunden, der ihn zärtlich liebte und pflegte.
[ Wie der heilige Bürokrazius in dem heiligen Stultissimus seinen ersten Jünger warb.]
Es ereignete sich nunmehro das Nachfolgende.
Ihr erwartet wohl von dem Schreiber dieser Legende, daß er euch den Heiligen in seiner erhabenen Berittenheit hoch zu Roß in langen Exkursen abschildert. Das tut er aber nicht. Er läßt sich absichtlich nicht dazu verleiten, den himmlischen Anblick des heiligen Bürokrazius auf seinem Schimmel auszumalen und zu beschreiben. Und das derohalb, weil er ein gewissenhafter Skribent ist und mit dem Lottergesindel der Poeten und Maler alias Pinselwascher nichts zu tun haben will. Denn beide, die poetae und die pictores, haben das Privilegium der Lüge und Erfindung.
Dahero schicket sich nichts besser, als wenn ein Poet den Maler zum Gevattern bittet; denn fingere und pingere sind die vertrautesten Spießgesellen. Das Gehirn der Poeten steckt bekanntlich voll der ausgeschämtesten Lügen. Und der Malerpinsel ist auch nicht skrupulös; und wenn er schon aus Haaren bestehet, so gehet er dennoch nicht ein Haar auf die Wahrheit ...
... Pictoribus atque poetis
Quilibet audendi semper fuit aequa potestas.
Dichten können nach Begnügen
Alle Maler und Poeten;
Dürfen sie doch tapfer lügen,
Wann die Wahrheit schon vonnöten.
Sotanes würde aber dem Schreiber dieser heiligen Legende übel genug anstehen. Hat er sich bis anhero der purlauteren Wahrheit beflissen, wird er sich auch künftighin zu keinen malerischen und poetischen Winkelzügen und Umschreibungen verleiten lassen. Wohl aber kann er es sich nicht versagen, den heiligen Bürokrazius zur Bereicherung deines Wissens, frommer Leser, mit einem anderen gottseligen Manne zu vergleichen, der vom Roß herunter ein Heiliger wurde, während der heilige Bürokrazius in seiner Demut auf das Roß hinauf kam.
Es handelt sich um den gottseligen Petrus Consalvus in Spanien. Als der einst vor einer großen Menge Volkes mit absonderlichem Gepränge auf einem stolzen Klepper dahertrabte, fiel er unvermutet in eine wüste Kotlacken, worinnen er sich wie in einem Saubade herumgewälzet und einem Mistfinken nicht ungleich gesehen, welches dann jedermann zu einem ungestümen Gelächter bewogen hat. Er aber nahm wahr, daß ihn die Welt also auslachte, entschloß sich augenblicklich, dieselbe hingegen wieder auszulachen, trat in einen heiligen Orden und lebte gottselig. Dem hat also gleichsam die Kotlacken das Gewissen gesäubert und den Hochmut ausgewaschen.
Selbiges hatte der heilige Bürokrazius nicht vonnöten, dieweilen er erst in Verzweiflung ob seiner Hühneraugen hoch zu Roß gekommen, demnach nie aus Hochmut beritten war. Darum ist es ihm auch niemals widerfahren, daß er sich von seinem Schimmel unfreiwillig und von der ganzen Welt verlacht hat trennen müssen.
Unbehindert und ohne Kotspritzer ritt er durch die Welt. Und es ereignete sich, daß er in seiner erhabenen Berittenheit noch besser denken konnte wie früher, als er mit seinen Hühneraugen durch die Welt hatschte. Nachdem der Sitz seines Verstandes in unmittelbarer Berührung mit dem Schimmel war, dachte der Heilige fürderhin noch leichter. Er dachte nach dem Tempo des Amtsschimmels.
Sintemalen jedoch rasches Denken die Tiefe seiner Weisheit nachteilig beeinflussen konnte, ließ der Heilige den Schimmel stets in einer sehr gemächlichen Gangart dahintrotten. Es eilte ja nicht. Der Heilige hatte Zeit, und der Schimmel hatte Zeit, und das liebe Publikum bewunderte den heiligmäßigen langsamen und erhabenen Trott des Schimmels.
So ritt denn an einem schönen Sommertage der Heilige, tief versunken in seine Gedanken, durch die Welt. Er hörte und sah nichts von seiner Umgebung; denn er arbeitete nach dem Trott des Schimmels an einem neuen Formular, mit dem er die Menschen beglücken wollte. Er hörte nicht das Feilen des Gimpels und die schlagende Halsuhr der Wachtel, nicht das gemeine Schleiferliedel der Amsel und das Te Deum Laudamus der Lerchen und nicht das Passarello des Stieglitzes. Er sah auch nicht die gestickte Arbeit der Wiesen auf ihrem grünsamtenen Teppich, das lustige Laubfest der Wälder und des ganzen Erdbodens hochzeitliches Gepränge.
So gab es ihm und seinen Gedanken einen gewaltsamen, plötzlichen und jähen Ruck, als der Schimmel auf einmal stehenblieb und lebhaft wieherte, als ob er einen alten Bekannten begrüßen würde.
Der Schimmel starrte durch seine grünen Brillen auf einen Kerl, der am Wegrande saß, die Erde mit seinem Gewicht beschwerte und nichts anderes tat, als daß er dem lieben Herrgott den Tag wegstahl.
Alldieweilen das Denkvermögen und dahero auch die Beobachtungsgabe des Heiligen untrennbar von seinem Schimmel geworden war, starrte nunmehro auch er auf den fremden Kerl. Der sah aber nicht gerade sehr gepflegt aus. Er hatte struppiges Haar und einen verwilderten Bart. Auch wiesen seine Kleider so viele Löcher auf, daß man in ihnen keine Maus hätte fangen können. Geist stand just nicht in seinem Gesichte geschrieben. Dafür guckten ihm aber die großen Zehen beider Füße fürwitzig aus den Stiefeln. Wenn der Kerl überhaupt was tat, so war er offenbar damit beschäftiget, seine in Gottes freie Luft ragenden Zehen zu betrachten, als ob er ihnen besondere Eingebungen verdanken würde.
„Hihihihi!“ lachte der Schimmel. Daneben dachte er sich in seinem Roßverstand: „Mir scheint, der Kerl ist genau so blöd wie wir beide.“
Der heilige Bürokrazius aber setzte sich auf seinem Schimmel zurecht und fragte den fremden Kerl mit vornehmer Gelassenheit von oben herab: „Wo haben Sie Ihren Paß?“