Anmerkungen zur Transkription
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Sommerleutnants
Sommerleutnants
Die Geschichte einer achtwöchigen Übung
von
Walter Bloem
Grethlein & Co. G. m. b. H. Leipzig.
Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung,
von der Verlagshandlung vorbehalten.
Copyright 1910 by Grethlein & Co. Leipzig
Erstes Buch
Erstes Kapitel.
Unter der weiten Halle des Zentralbahnhofs der rheinischen Garten- und Künstlerstadt schritt in früher Spätsommermorgenstunde ein junges Paar den Bahnsteig auf und ab. Reisefreude leuchtete in den Augen des Mannes — doch er dämpfte sie um der Abschiedswehmut willen, die durch des Mädchens Worte zitterte und immer wieder von Zeit zu Zeit in raschen Perlen aus den hellen Augen auf das Spitzengewoge des lichten Sommergewandes niedertropfte.
Zwei schlanke Gestalten, so recht für einander gewachsen! Sie im Glanz ihres Sommerschmucks, in der zierlichen Grazie ihrer zwanzig Jahre das gehütete, gepflegte Kind einer von den Schranken der Satzung umhegten Welt. Er — nun ja, er ...
Die Uniform stammte aus dem ersten Schneideratelier, die Lackschuhe blitzten. Die Mütze, keck auf das rechte Ohr gesetzt, war neuesten Modells, die Haltung soldatisch straff.
Und dennoch: selbst ein nicht gerade militärisch geschultes Auge erkannte von weitem schon, daß der Träger dieser blinkenden Herrlichkeiten doch — kein so ganz richtiger Leutnant war. Es war nicht das helle Kolorit der Gesichtsfarbe allein — denn zu Anfang August weisen die berufsmäßigen Träger der Leutnantsuniform allesamt schon ein tiefes Braun auf — es war nicht allein eine gewisse Gezwungenheit der Haltung, die verriet, daß diese elegante Gestalt des Uniformtragens seit längerm entwöhnt sein mußte. Es waren nicht allein die lebhaften Bewegungen der vielfach mitredenden, energisch gestikulierenden Hände, es war auch in dem feurigen Gesicht mit dem militärisch verschnittenen Schnurrbart und dem vorschriftsmäßig durchgescheitelten Blondhaar ein Ausdruck von Selbständigkeit und kühnem Lebensdrang — all das miteinander verriet dem feiner beobachtenden Auge, daß dieser Leutnant eben ein Leutnant der Reserve war.
Das blieb auch den Soldaten nicht verborgen, die in dieser Morgenfrühe auf dem Bahnhof der Garnisonstadt zu schaffen hatten. Da waren Burschen, Ordonnanzen, Vizefeldwebel, die zu den Schießständen hinauswollten. Alle diese Uniformträger erwiesen dem Offizier pflichtschuldigst die Ehrenbezeugung, und zwar stramm; denn der in der Leutnantsuniform sah nicht aus, als ob er mit sich spaßen ließe. Aber wenn sie an dem Vorgesetzten vorüber waren und in ihren Schlendertrott zurückfielen, dann spielte doch um eines jeden Lippen ein gewisses Schmunzeln, das die Erkenntnis andeutete, man nähme diesen Offizier eigentlich nicht so ganz ernst.
Und auch das junge Weib an der Seite des Mannes schien die Uniformherrlichkeit ihres Erkorenen nicht allzu tragisch zu nehmen; denn jedesmal, wenn ein Unteroffizier oder Soldat in die maskenhaft erstarrte Haltung der Ehrenbezeugung vor ihrem Gefährten zusammenfuhr, konnte sie nur mit Mühe ein Lächeln verbergen, das plötzlich ihr tränenzuckendes Gesichtchen überzog; und diesem Gefühl gab sie Ausdruck: »Weißt du, Martin, ich will ja nicht behaupten, daß dir die Uniform nicht stände, aber — sei mir nicht böse — in Zivil gefällst du mir zehnmal besser!«
»Das glaub' ich«, lachte ihr Verlobter. »Ich hab' den Rock Seiner Majestät fünf Jahre lang nur mal gelegentlich zu Offizier- und Kontrollversammlungen getragen! — aber laß mich nur erst mal ein paar Wochen wieder drin stecken! Gib acht, wenn ich nächstens auf Urlaub zu dir komme, dann sollst du dich deines Reservemannes nicht zu schämen brauchen.«
»Ach ja,« sagte das Mädchen, »komm recht bald, sonst halt' ich's nicht aus ... du gehst ja fort, Liebster, du gehst fort ... ach, ich darf gar nicht dran denken, sonst —«
»Aber Mädel,« sagte Martin, »aber Mädel —«
Wieder blitzten Tränen aus den leuchtenden Augen der Braut.
»Weißt du denn nicht,« fuhr er fort, »was morgen in acht Wochen ist?!«
Da schlug Agathe die Augen nieder unter dem hoffenden, verlangenden Blick, der sie getroffen, und konnte nicht wehren, daß ein feines Rot immer tiefer ihre flaumigen Bäckchen überzog. »Ach, Martin, ich glaub's ja nicht eher, als bis wir endlich so weit sind ... eher glaub' ich's nicht ...«
»Na freilich, lang genug hat's gedauert, bis die Herren Eltern eingesehen haben, daß ein Maler nicht notwendig der Antichrist in Person ist —!«
Eine Wolke finstern Unmuts lag auf einmal unter dem blitzenden Lackschirm der Offiziermütze. Sie sprach von kaum verwundenen Bitterkeiten ... von harten Kämpfen um ein endlich doch ertrotztes Glück ... Die lachenden Lippen hatten sich jählings fest geschlossen, und unwillkürlich stieß die Linke die Säbelscheide klirrend auf die Fliesen des Bahnsteigs.
»Laß, Liebster,« mahnte die Braut erschrocken, »jetzt nicht daran denken ... ist ja nun alles überstanden!«
»Ach, Mädel,« sagte der Maler, »das alles vergess' ich erst, wenn ich dich hab' ... wenn ich dich ganz hab' ...«
»In acht Wochen,« hauchte die Braut, »morgen in acht Wochen!«
Sie richtete rasch das glühende Köpfchen auf, sah dem Geliebten tief ins Auge und sagte voll eindringlichen Ernstes: »Martin, ich weiß, was für ein toller Bursch du bist! — Versprich mir eines: Verspar dich für mich ... nicht zu wilde Sachen machen, verstehst du mich? ... keine zu unruhigen Pferde reiten ... nicht wieder durch jeden See schwimmen, der am Ruhetage gerade zu erreichen ist, und« — mit halb mütterlich besorgtem, halb schwesterlich schwärmerischem Lächeln — »nicht zu viel trinken, verstehst du? ... Jedesmal, wenn du eine Flasche Sekt bestellen willst, denk: ich werd' sie mir sparen, um sie hernach mit meiner kleinen Frau auf der Hochzeitsreise zu trinken! Willst du mir das versprechen, Schlingel du ...?«
Martin hätte in diesem Augenblick weit mehr versprochen, wenn es hätte sein müssen ...
Ach, wie rasch war dies Aufflackern schelmischer Mädchenlust von dem zierlichen Gesichtchen verflogen, als nun eine Bewegung unter der harrenden Menge der Fahrgäste, als ein hurtiges Rollen von Gepäckkarren und ein fernes Brausen die Ankunft des Zuges verkündete, der ihr den Ersehnten auf acht Wochen entführen sollte!
Fest schmiegte sich das liebe Kind an den blauen Überrock ihres Reserveleutnants. Wieder standen Tränen in ihren Augen, als sie mit dem Ausdruck rücksichtsloser Sehnsucht ihr Antlitz zu ihm emporhob: »Behalt mich lieb, du ... hörst du ... behalt mich lieb ...!«
Da faßte er ihre beiden Hände und gab ihr den Abschiedskuß. »Morgen in acht Wochen, du, morgen in acht Wochen!«
Als eine Wendung des Zuges den Bahnhof und den weißen, winkenden Fleck inmitten wimmelnder Menschenmenge dem Blick entrückt hatte, ließ der Reisende sich mit einem tiefen Aufatmen in die grausammetnen Polster fallen. Er war zum Glück allein — dehnte sich und streckte alle Glieder in einem Gefühl unbeschreiblichen Behagens. Herrgott, war er glücklich ...!
Endlich überstanden, dieser zweijährige Kampf um dies Mädchen, das er, er, der Verwöhnte, der vielgefeierte junge Künstler, aus den hundert Gestalten, die ihn werbend umdrängten, sich ersehen hatte zur Gesellin seines ruhelosen Daseins. Nach einer harten Jugend voller Kampf, die ihn aus der behaglichen Enge des evangelischen Pfarrhauses einer kleinen bergischen Stadt hinausgeführt hatte in das wogende Dasein eines werdenden, machtvoll sich aufwärts ringenden Künstlers, war er seit kurzem an einem ersten Ziel ... Im Hauptsaal der Sezession in Berlin hingen seit dem Frühjahr allbestaunt nebeneinander zwei große Damenporträts von seiner Hand, die er mit weisem Bedacht als verblüffende Pendants für die Ausstellung in gleichem Format und Stil geschaffen hatte, obwohl sie bestimmt waren, an ganz verschiedene Plätze zu gelangen. Zur Linken die blonde Brünhildengestalt der Gräfin Amalie von der Schulenburg, einer Vollblutgermanin, eines Sterns der niederrheinischen Aristokratie, und neben ihr: die tiefbrünette und ebenso tief dekolletierte Rasseschönheit der Frau Kommerzienrat Mannheimer, der elegantesten und interessantesten Frau der Börsenkreise in Frankfurt am Main ...
Die Kritik hatte beide Bilder schlechthin als meisterlich gefeiert. Das Publikum wurde nicht satt, die Werke zu bestaunen, die ihren Schöpfer zum berufensten Verkünder des modernen weiblichen Schönheitstypus stempelten und in die vorderste Reihe der zeitgenössischen Porträtmalerei geführt hatten.
Den ganzen Sommer über war Martin Flamberg von einem Hochsitz des Kapitals zum andern gezogen und hatte die erlesensten Exemplare glänzender Weiblichkeit mit einer Kunst festgehalten, die, weit entfernt von weichlicher Schmeichelei und Schönfärberei, doch ihre Gegenstände über die Sphäre gemeiner Wirklichkeit in eine Region idealer Kultur hineinzuheben verstand.
Und erst dieser junge Ruhm und seine notwendige Folge, das elementare Anschwellen seines Bankkontos, hatten den langjährigen Widerstand des Oberlandesgerichtspräsidenten, Geheimen Oberjustizrats Doktor van den Bergh und seiner freiherrlichen Gattin gebrochen und so dem trotzigen Zueinanderwollen zweier Menschen den Sieg gebracht, deren Verbindung ein Schlag ins Gesicht des Schicksals zu sein schien.
Der alte Präsident war der Typus eines starren ostelbischen Bureaukraten, und ihm wie seiner Frau war der Gedanke, ihre Einzige an der Seite eines Künstlers zu sehen, fast gleichbedeutend geworden mit dem völligen Verzicht auf die Liebe ihres Kindes.
Sie hatten es mit ansehen müssen, wie ihr Mädchen sich angesichts ihrer Weigerung schrittweise völlig von ihnen loslöste und in eine andere Welt hinüberwuchs, für deren Lebensgesetze ihnen auch der Schatten des Verständnisses abging. Sie hatten sich bis zur Verzweiflung gegen diese Schickung gewehrt und sich erst besiegt gegeben, als der Erwählte ihrer Tochter ihnen ziffermäßig beweisen konnte, daß seine Kunst wenigstens nicht eine brotlose sei, und daß sie für die materielle Zukunft ihres Kindes nichts zu befürchten haben würden, wenn sie schon seiner Seelen Seligkeit und das beglückende Bewußtsein innerer Zusammengehörigkeit in den Kauf hatten geben müssen.
Wie oft hatte sich Martin Flamberg in diesen Jahren der Kämpfe gefragt, ob es nicht richtiger sei, von dem raschen Bündnis, das eine Ballnacht besiegelte, zurückzutreten und sich den entsetzlich kraftvergeudenden Kämpfen nicht länger auszusetzen, die ihm jahrelang die Ruhe seines Lebens geraubt hatten — diese Ruhe, die er doch für seine Kunst so nötig brauchte.
Aber schließlich war es der gleiche zähe Künstlertrotz, der ihn in raschem Aufstieg zu der heute erklommenen Höhe geführt hatte — dieser selbe unbeugsame Trotz war es gewesen, der ihn an der einmal getroffenen Wahl hatte festhalten lassen, so oft auch in lockendster Gestalt von rechts und links die Versuchung an ihn herangetreten war, das Ziel seines Lebens auf mühelosere Weise zu erreichen.
Ach — das alles lag ja nun hinter ihm — das alles war verwunden — mußte und durfte vergessen werden. Der Termin seiner Hochzeit war festgesetzt. Auch hier hatte er den Sieg erzwungen, im Leben, wie in der Kunst.
Nun wollte er noch einer lange aufgeschobenen Pflicht genügen und seine vierte Reserveoffizierübung machen, um dann am Arme der Liebe die zweite Hälfte seines Lebens zu beginnen. Ja, diese achtwöchige Übung —! Er war ein begeisterter Soldat gewesen. Es hatte ihm Vergnügen gemacht, sich durch Luft und Sonne im Waffendienst herumzutummeln — es war ihm eine Wonne gewesen, von Zeit zu Zeit in die bunte Schlangenhaut des Kriegers zu schlüpfen und auch hier seinen Mann zu stellen.
Aber als nun langsam der Erfolg — als endlich jählings der Ruhm gekommen war — als er sich ganz durchdrungen hatte mit Künstlertum, da hatte er geglaubt, die militärische Phase seiner Jugend endgültig überwunden zu haben, und es war ihm schier ein unerträglicher Gedanke gewesen, sich nochmals für acht Wochen in den Zwang einer so ganz und gar anders gerichteten Lebensführung fügen zu sollen.
Oftmals hatte er vor dem Schritte gestanden, sich aus der Reserve des Regiments, dem er angehörte, gleich in die Landwehr zweiten Aufgebots überschreiben zu lassen und damit ein für allemal sich seinen militärischen Verpflichtungen zu entziehen ... und dann hatte er's doch nicht übers Herz gebracht; denn das Monogramm seines Regiments bedeutete für ihn zugleich die Erinnerung an fast zwei Jahre seines Lebens, denen er, das wußte er gar wohl, als Künstler sehr viel verdankte.
Verdankte vor allen Dingen seine genaue Bekanntschaft mit dem Wesen des Volkes, das sich ihm im erzwungenen Verkehr mit den Mannschaften und Unteroffizieren seines Regiments spielend erschlossen hatte.
Aber noch mehr verdankte er seinem Soldatentum:
Die sich dem Kulturmenschen sonst nur auf Reisen zu »kalt staunendem Besuch« erschließt ... die Natur ... zu ihr hatte er just als Soldat ein persönliches Verhältnis gewonnen, das seiner Kunst die reichsten Früchte getragen hatte. Er war ja nicht Landschafts-, sondern Porträtmaler, und die Richtung seines Strebens bannte ihn an den Salon, bannte ihn an eine Menschensphäre hoher Kultur, äußerster Verfeinerung und Naturentfremdung des gesamten Daseinsbetriebes — und so war es ihm geradezu ein Glück geworden, daß sein Dienstjahr und die Pflichtübungen in der Reserve ihn durch Jahre hindurch immer wieder in Zusammenhang mit dem Leben des Volkes und mit dem geheimnisvollen Wirken der Natur gebracht hatten. Er hatte fünf Manöver mitgemacht, und diese kriegerischen Übungen hatten ihm zahllose Bilder in die Seele geprägt, Bilder von taufrischen Sonnenaufgängen auf grüner Heide, in den Gebirgen der Eifel und des Hunsrücks — brütende Sonnenschwüle über flimmernden Ackerbreiten — traumstille Mondnächte — nebelverhangene, regentriefende Waldeinsamkeiten.
Und nun — da er wieder den bunten Rock angezogen — fühlte er wieder jene seltsame Wirkung, der er schon früher immer so gern sich hingegeben hatte — er fühlte sich plötzlich verwandelt werden — fühlte, wie er auf einmal ein anderer Mensch wurde — fühlte, wie das Gewand, das die Zugehörigkeit zu einer andern Kaste bedeutete, in ihm plötzlich Möglichkeiten seiner Seele freimachte, die unentwickelt geblieben wären in dem Leben seines eigentlichen und wahren Berufs.
Ach, wie schön, dachte Flamberg, nun einmal für acht Wochen nicht mehr der berühmte und umstrittene Künstler zu sein, sondern ganz wer anders!
Ein kleiner Leutnant — eine Nummer — ein Rad im großen Betrieb eines ungeheuren, wuchtig und sicher arbeitenden Mechanismus.
Untersinken in einer Menge — nicht mehr wollen dürfen, sondern einfach müssen — sich korrigieren und anschnauzen lassen müssen — hinter sich ein Fähnlein grobknochiger Söhne des Volkes — um sich herum die Bilder eines bunten und fremden Lebens.
Wieder im Gefecht sprungweise über den Stoppelacker und durch Waldesdickicht vorgehen müssen — umbrüllt vom rollenden Hurra und knatternden Schnellfeuer, umschrillt vom vorwärtsdrängenden Kreischen der Signalhörner, vom dumpfen Sturmmarsch der Tambours, um dann am Ziel, Auge in Auge mit dem friedlichen Feind, sich lachend und keuchend an die Erde zu werfen und in rasch gefundenem Schlummer zwischen braunen Schollen und gelbblühenden Ginsterstauden auszuruhen — und dann gestärkt und genesen heimzukehren — ein erneuter, verjüngter Mensch, wie Antäus aus der Umarmung seiner Mutter, um wieder zum Pinsel zu greifen und aufs neue Schönheitswelten aus dem Nichts zu schaffen.
Ach, und dann galt es ja bei dieser Heimkehr den Einzug in das Land des Menschenglücks — galt es die Vereinigung mit ihr, die er sich zur Gesellin seines Daseins erlesen — mit ihr, die er trotzig herausgerissen aus einer fremden, starren Welt, um sie mit sich hineinzuführen in die glückselige, heitere Region, in der sein eigenes Dasein sich sonnig entfaltete.
Mit ihr, von der seine Gefühle ihm beim ersten Anblick gesagt hatten, daß sie die Kameradin sei, die er brauche, sie der Mensch, der seinem wilden Herzen den Frieden schenken würde, die große Ruhe, in der allein das große Werk zur Reife gedeihen kann.
Wie schön das alles — wie reich und schön! Wie reich und schön dies selbstgeschaffene Leben mit all seinen wechselnden Gestaltungen!
Wie hell um ihn die Hoffnungsfülle — wie golden vor ihm die Zukunft in Nähe und Weite!
Welches Glück, ein Künstler zu sein!
Welches Glück aber auch, Soldat zu sein — von Zeit zu Zeit einmal untertauchen zu können von der flimmernden Oberfläche der Menschheit her in die ruhig treibende Tiefe hinab, dorthin, wo im Waffendienst ein Volk geschult wurde zur Wehrhaftigkeit in Krieg und Frieden, zu geschlossen starkem Ineinanderwirken, zu elementarischer Zusammenballung eines ungeheuern Kräftevorrats!
Und endlich, zu lieben und geliebt zu werden — welch ein Glück — welch eine Schönheit — welch überschwengliche Hoffnung und Gnade!
Ihm war's, als sitze sein Mädchen ihm gegenüber, als seien die tränenschweren, güteschweren braunen Augen auf ihn gerichtet mit der innigen Mahnung: Komm wieder — komm bald wieder — du weißt ja, ich harre dein!
Der reisende Mann legte den Kopf tief in die Kissen zurück, schloß die Augen und sprach leise vor sich hin: »Agathe — Agathe!« — —
Ratternd und fauchend hielt der Zug auf einer Kreuzungsstation. Martin fuhr auf, steckte den Kopf zum Fenster hinaus in der Absicht, die Einsamkeit seiner Fahrt gegen jeden Eindringling mit einem wahren Menschenfressergesicht zu verteidigen.
Da sah er in der Menge der andrängenden Fahrgäste eine abenteuerliche Gestalt. Seine erste Empfindung war: Aha, ein Kamerad — aber was für einer!
Ein lang und dürr aufgeschossener Herr mit goldgefaßter, funkelnder Brille und einem langen, struppigen roten Bart, die hagern Glieder umschlossen von einem Offizierüberrock, der, bei völlig unmodernem Schnitt, noch immer die schwarze Farbe zeigte, während Blau seit einigen Jahren Vorschrift war, auf dem Kopfe eine Mütze, wie er selber sie in seiner einjährig-freiwilligen Dienstzeit vor zehn Jahren getragen. Die Linke fuhrwerkte unbeholfen mit dem Säbel umher, der ihm jeden Augenblick zwischen die stelzengleichen, unruhig trippelnden Beine zu geraten drohte.
Neben dem Uniformierten stand mit kaum verhohlenem Grinsen ein rotbemützter Dienstmann, der einen ungeheuern, stark verschlissenen Handkoffer und eine Helmschachtel trug.
Nun hatten die hilflos hinter den Brillengläsern flackernden grauen Augen des Uniformierten den Maler erspäht. Die Rechte im Uniformhandschuh legte sich grüßend an den Schirm der vorsintflutlichen Mütze, und wie schutzsuchend steuerte die lange Gestalt auf den Wagen zu, an dessen Fenster Martin stand.
Der Dienstmann riß die Wagentür auf, stieg zuerst hinein und verstaute das Gepäck in den Netzen. Mühsam kletterte der Offizier hinterher, jeden Augenblick in Gefahr, über seinen Säbel zu stolpern. Nun suchte die ungelenke Linke des Herrn nach dem Portemonnaie, fand aber die Tasche nicht gleich, weil die langen Schöße des Rocks und der Riemen des Säbelkoppels den Zugang hemmten; aber endlich war die Börse doch erwischt, der Dienstmann bekam seine Vergütung, die nicht allzu reichlich ausgefallen zu sein schien; denn ohne Gruß mit einem knurrenden Laut verließ der Träger das Abteil.
Und nun wollte sich der Ankömmling dem Kameraden vorstellen; in demselben Augenblick aber zog der Zug an — und mit einem Ruck flog der schwarze Überrock gegen den hellblauen, so daß beide Herren auf die Polster plumpten.
In hilfloser Verlegenheit stotterte der Ankömmling eine Entschuldigung, und nachdem beide Herren ihre Säbel und Beine wieder aufgesammelt hatten, stellte er sich nun endlich vor, selbstverständlich ohne daß Martin den Namen des Kameraden verstand.
Tiefaufatmend lehnte sich der fremde Herr auf seinen Sitz zurück, nahm die Mütze ab, unter der ein nur noch von einem dürftigen braunen Haarkranz umsäumter kahler Schädel zum Vorschein kam, und tupfte mit einem gelbseidenen Taschentuch die quellenden Schweißtröpfchen von Stirn und Platte.
»Schauerliche Hitze —!« meinte er und fächelte sich mit dem Taschentuch.
Rasch kam das Gespräch in Gang. Es stellte sich heraus, daß der Ankömmling Privatdozent der Literaturgeschichte an der Universität Bonn sei, und als Flamberg ihm seinen Namen deutlicher wiederholte, wußte der andere sofort Bescheid. Respektvoll fragte er: »Flamberg? etwa gar der Schöpfer der beiden Porträts in der Berliner Sezession?«
»Ich kann's nicht länger verheimlichen,« lächelte Martin.
»Alle Wetter,« sagte der andere, »das nenn' ich ein glückliches Omen ... da ich doch nun wieder einmal sehr gegen meinen Geschmack aus meiner stillen Studierklause unter das Kriegsvolk verschlagen werde. Ich bin entzückt, gleich beim ersten Eintritt in diese langentfremdete Welt einem Vertreter sanfterer Regionen der Menschlichkeit zu begegnen ... Übrigens werden Sie meinen Namen auch nicht verstanden haben. Ich heiße Frobenius.«
Martin dachte einen Augenblick nach und sagte: »Frobenius, Wilhelm Frobenius ... ich habe vor kurzer Zeit eine Sammlung von Studien über Goethes Faust von einem Wilhelm Frobenius gelesen — wären das gar Sie?«
»Ich kann's nicht länger verheimlichen,« schmunzelte Frobenius.
Martin streckte ihm die Hand hin: »Ich freue mich,« sagte er, »Ihre Analyse der Gretchengestalt hat auf mich so stark gewirkt, daß ich kurz vor meiner Abreise ein Gretchen gemalt habe.«
»Schau — schau,« sagte Frobenius, »wo haben Sie das Modell aufgetrieben?«
»Da hab' ich nicht lang zu suchen brauchen,« lachte Martin, »meine Braut!«
»Ei der Tausend, dann freilich! — gratuliere, Herr Kamerad!«
»Sagen Sie, Herr Frobenius,« fragte der Maler, »Sie scheinen von der Aussicht, wieder mal acht Wochen im bunten Rock zubringen zu müssen, nicht so erbaut zu sein wie ich?«
»Ja,« sagte Frobenius, »das ist eine sehr berechtigte Frage. Ich kann mir wohl vorstellen, daß Sie mir es an der Nase ansehen, daß meine Liebe zum Kommiß eine einigermaßen unglückliche ist. — Sehen Sie, ich bin von Natur so etwas wie ein Pechvogel, fühle mich eigentlich nur hinter meinen Büchern so recht behaglich —«
»Dann verstehe ich nicht recht — Sie müssen doch schon in höhern Semestern sein und haben doch keinesfalls mehr die Pflicht zu üben — warum tun Sie's also?«
»Sie haben ganz recht zu fragen,« erwiderte der Privatdozent, »ich könnte längst außer Dienst sein. — Ich habe mich überhaupt erst in der Landwehr zum Offizier wählen lassen und mit Zittern und Zähneklappern vor sechs Jahren meine einzige achtwöchige Pflichtübung gemacht. Damals aber habe ich gefunden, daß mir diese Übung vorzüglich bekam, nicht nur körperlich, auch — ich möchte sagen — was meinen Charakter anbetrifft — — Wissen Sie, ein so fürchterlich ungewandter Mensch, wie ich nun leider Gottes einmal einer bin, für den sind solche acht Wochen beim Kommiß eine wahre Dressur. Wenn ich auch im bunten Rock eine ganz miserable Figur mache — ich weiß das leider nur zu gut — so hab' ich entdeckt: als ich damals nach Hause kam, da war für einige Zeit, etwa für zwei bis drei Jahre, jene lächerliche Scheu vor öffentlichem Auftreten und gesellschaftlichem Umgang von mir gewichen, die mich sonst zu einem wahren Einsiedlerdasein zwingt.«
»Aha, und darum sind Sie also in der Landwehr I geblieben — und wollen jetzt mal wieder acht Wochen 'ran, um sich sozusagen wieder mal ein bissel zurechtstutzen zu lassen!«
»Ja, allerdings, das war die Absicht«, meinte der Privatdozent. »Eigentlich ist die Übung für mich ein Martyrium, dem ich nur mit Grauen und Entsetzen entgegensehe — und ich weiß schon, daß ich während der ganzen Zeit aus einer Katastrophe in die andere taumeln werde — aber was hilft's — es muß nun einmal sein.«
»Ja,« lachte der Maler, »dann sind Sie allerdings zu bedauern — ich für meine Person freue mich, offen gestanden, ganz kolossal auf die Übung.«
»Das glaube ich,« sagte Frobenius, »Sie sehen auch so aus, als ob Sie Grund dazu hätten. Wenn mich der Schein nicht trügt, so sind Sie ein gerade so netter Kerl, wie Sie ein großer Künstler sind, und ich werde Ihnen etwas sagen: Sie werden mir einen Gefallen tun. Sie werden sich gelegentlich meiner ein bißchen erbarmen, wenn es mir gar zu jämmerlich geht, nicht wahr, Herr Kamerad?!«
Er streckte dem Maler die haarige Rechte hin, von der er den weißen Uniformhandschuh abgezogen hatte, und schallend schlug Martin ein.
»Das soll ein Wort sein, Herr Frobenius — ich denke, es soll recht nett werden, die acht Wochen hindurch — ich sehe gar nicht ein, was uns hindern könnte, uns die zwei Monate, die vor uns liegen, zu einem rechten Fest zu machen.«
Zweites Kapitel.
In dem hellen, luftigen Speisesaal des Offizierkasinos des Füsilier-Regiments Prinz Heinrich der Niederlande (14. Rheinischen) Nr. 186 war der Kasinovorstand, Oberleutnant Menshausen, damit beschäftigt, die Anordnungen für die Mittagstafel einer letzten Prüfung zu unterziehen. Er legte an der Hand eines Zettels, auf dem er die Tischordnung entworfen hatte, persönlich die Tischkarten, instruierte die Ordonnanzen und warf ab und zu einen Blick auf den Kasernenhof hinaus, wo im Schatten der Kasernengebäude die Bataillonsadjutanten die Befehlsempfänger der Kompagnieen um sich versammelt hatten, um die Tagesbefehle auszugeben. Drüben aber, im prallen Sonnenschein, trat die Wache an, und der Offizier vom Ortsdienst nahm die Meldungen der Wachhabenden entgegen.
Säbelklirrend kam Leutnant Blowitz herein, der neue Adjutant des ersten Bataillons, erst seit kurzem aus dem fernen Osten in das rheinische Regiment versetzt: »Morgen, Menshausen — nanu, gibt's denn heute mittag ein größeres Zauberfest?«
»Allerdings,« erwiderte Menshausen kurz, »Regimentsmusik!«
»Was ist denn los?«
»Die Herren Kameraden der Reserve und Landwehr werden in unserer Mitte begrüßt.«
»Ah — richtig, richtig — aber warum machen Sie denn dazu so'n saures Gesicht, Menshausen?«
»Ich weiß nicht,« brummte der Kasinovorstand, »kann die Herren nun mal nicht verknusen — verderben den ganzen Eindruck des Offizierkorps — untergraben die Disziplin.«
»Na, hören Sie mal,« lächelte Blowitz, »ich habe mich bei meinem frühern Regiment mit den Herren ganz vorzüglich gestanden. Ist 'ne ganz nette Abwechslung — man bekommt doch mal was anderes zu hören, als ewig Kommiß- und Avancementsgeschichten. Übrigens sind die Herren nun einmal doch ein notwendiges Übel.«
»Ob sie notwendig sind, weiß ich nicht — übel sind sie jedenfalls.«
Leutnant Blowitz stand gerade an der Wand unter einem mächtigen Rahmen, der eine große Anzahl einzelner Photographien von Offizieren umschloß. Es waren die Toten des Offizierkorps des Regiments aus dem Feldzuge 1870/71.
»Ja, sehen Sie mal, lieber Menshausen,« meinte er, »schau'n Sie sich doch mal hier die Regimentstafel der Gefallenen von Siebzig an — da ist ein Hauptmann der Reserve und drei Leutnants der Reserve drunter.«
»Na ja,« lenkte der Ältere ein, »im Kriege mögen die Herren ja an ihrem Platze sein, und daß sie brav gefochten haben und als ehrenhafte Soldaten gestorben sind, will ich ja nicht bezweifeln — aber im Frieden tun sie nichts weiter, als den Betrieb stören. Wir sind doch hier wahrhaftig nicht zusammen, um ein bißchen Räuber und Gendarm miteinander zu spielen — wir haben hart zu arbeiten — wir haben die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, binnen zwei Jahren die Hanakenbande, die uns jeden Oktober hierher geschickt wird, zu halbwegs brauchbaren Soldaten zu erziehen — und dabei sind die Herren von der Reserve und Landwehr höchstens hinderlich!«
Blowitz lachte still in sich hinein. Er hatte den Charakter des neuen Regimentskameraden schon einigermaßen durchschaut und wußte, daß es nicht leicht war, ihm irgend etwas recht zu machen.
»Wie viel Herren kommen denn?« fragte Blowitz.
»Ganze sechs!«
»Na, was für Geisteskinder sind es denn?«
»Geben Sie mal acht,« sagte der Oberleutnant und zog den Jüngern ans Fenster, »da hinten unterm Torbogen da versammeln sie sich gerade. Wissen Sie, ich teile die Herren Sommerleutnants in zwei Kategorien ein: die einen sind die, die wenigstens von weitem wie Offiziere aussehen — die andern sind glattweg wandelnde Karikaturen. Nun sehen Sie sich mal die Gesellschaft da hinten an. Ich werde Ihnen zunächst die Karikaturen vorstellen. Also betrachten Sie mal diese Tonne da hinten: das ist der Oberleutnant der Reserve, Herr Brassert, im Zivilverhältnis Gymnasialoberlehrer. Wenn Sie dem einen Stich ins Herz versetzen wollen, dann müssen Sie ihn ›Herr Professor‹ anreden.«
»Warum soll ich ihm denn einen Stich ins Herz versetzen?« erwiderte Blowitz, »er hat mir ja gar nichts getan — aber weiter! Wer ist denn dieser merkwürdig dünne Herr mit dem zapfenartig herunterhängenden Schnurrbart?«
»Ja,« sagte Menshausen, »das ist die Obervogelscheuche unter den Herren — das ist der Forstassessor Troisdorf, ein Rauhbein im Quadrat; ich behaupte, er kann überhaupt kein Wort Hochdeutsch sprechen.«
»Nanu,« meinte Blowitz, »wie ist denn das möglich? Ein Forstassessor ...«
»Na, Sie werden ja hören,« entgegnete Menshausen, »mag sein, daß er im Verkehr mit seinen Waldwärtern und Treibern völlig verbauert ist, jedenfalls spricht er das fürchterlichste Kölnisch, das ich jemals gehört habe.«
»Übrigens wimmelt da ja noch eine dritte Karikatur 'rum.«
»Den Herrn kenn' ich nicht — das ist also jedenfalls der Landwehronkel, der uns angekündigt worden ist — irgend so'n gelehrtes Haus von der Universität — Gehirnfatzke, wie der Simplizissimus sagt!«
»Na, und nun also die halbwegs vernünftig Aussehenden!«
»Ja sehn Sie — da ist zunächst der einzige, der für mich mitzählt, der blonde Herr im Dienstanzug — er macht seine erste Offizierübung — er ist aus dem Regiment hervorgegangen — ein Referendar namens Dormagen — ein einigermaßen tadelloser Herr!«
»So, also das ist Ihr Genre,« sagte Blowitz, »für meinen Geschmack hat er eine ziemliche Ohrfeigenvisage — und der andere daneben, mit dem riesigen, hochaufgedrehten Schnurrbart?«
»Hm — das ist wieder 'ne andere Nummer — das ist der Leutnant Klocke — seines Zeichens das, was ein aktiver Offizier in der Regel erst später zu werden pflegt — nämlich Versicherungsagent! — Na — er macht wenigstens 'ne leidlich militärische Figur — über seine sonstige Persönlichkeit müssen Sie sich selbst ein Urteil bilden!«
»Wer aber«, fragte Blowitz, »ist der blonde Herr, der da eben so strahlend heranfegt?«
Menshausen zögerte einen Augenblick mit der Antwort. »Tja — — das ist sozusagen unser Renommierreserveleutnant — ein sogenanntes berühmtes Tier — das ist der Maler Flamberg —«
»Flamberg?« sagte Blowitz nachsinnend, »woher kenn' ich denn den Namen? — Richtig, jetzt fällt mir's ja ein: auf der Durchreise war ich doch in Berlin und hab' da in einer Ausstellung ein paar gemalte Weiber gesehen — aber — deliziös, sag' ich Ihnen — eine stramme Germanin — und daneben eine fabelhaft pikante Jüdin mit Schultern — Schultern — sag' ich Ihnen! Teufel, die Bilder machen ja ein kolossales Aufsehen! — und das ist also dieser Flamberg?«
»Weiß ich nicht,« sagte Menshausen, »ich verstehe nichts von Kunst — und ob er eine Germanin und eine Jüdin in Berlin aufgehängt hat, ist mir höchst wurscht. Für meine Person kann ich nur behaupten, daß dieser Herr Flamberg mir unter all den Herren von der Reserve der fatalste ist. — Was der Bruder sich schon einbildet auf sein bißchen Pinselei! und dann, wissen Sie: Ansichten! Ich begreife nicht, was so'n sogenannter Künstler überhaupt im preußischen Offizierkorps zu suchen hat. — Der sollte doch ruhig mit seinen Übermenschen und Überweibern zusammenhocken und uns hier in Frieden lassen — na, Sie werden ihn ja kennen lernen.«
»Ich weiß nicht — ich finde, er sieht ausgezeichnet aus!«
In diesem Augenblick standen die Ordonnanzen stramm; denn ein neuer blauer Überrock erschien in der Tür zum Rauchzimmer.
»Morgen, meine Herren!«
»Guten Morgen, Herr Hauptmann!« Die beiden Offiziere verneigten sich.
»Ah, Herr Hauptmann schenken uns die Ehre heute,« sagte der Kasinovorstand, »ist ja wohl das erstemal, seitdem Herr Hauptmann der Tischgesellschaft auf so überaus angenehme Weise entfremdet worden sind!?«
»Tja,« meinte Hauptmann von Brandeis, »alles den Herren Kameraden von der Reserve zu Ehren! — Da ist nämlich der Maler Flamberg dabei, den hab ich seinerzeit als Rekruten ausgebildet. — Ich habe bei Herrn von Schoenawa durchgesetzt, daß er in meine Kompagnie kommt.«
»So,« meinte Menshausen, »also der ist Herrn Hauptmanns Fall?«
»Warum nicht?« entgegnete Hauptmann von Brandeis, »und übrigens — wissen Sie, wir gehen doch nächstens ins Manöver, und da weiß ich aus Erfahrung — Flamberg hat nämlich schon einmal bei meiner Kompagnie während des Manövers geübt — der ist unschätzbar als Menagenchef. Wenn ich die Manöververpflegung dem Windhund, meinem kleinen Carstanjen, überlasse, dann bekomm ich während der drei Manöverwochen nichts Vernünftiges zu essen und zu trinken — da halt' ich mich schon lieber an Flamberg — das ist ein Genießer vor dem Herrn! — Außerdem hab' ich auch noch andere Absichten mit ihm: er soll meine Frau malen!«
»So,« meinte der Oberleutnant gedehnt, »wissen Sie denn auch, Herr Hauptmann, daß Flamberg in dem Ruf steht, von den Damen sehr — hm, hm! — verwöhnt zu werden?«
»Na, wennschon,« sagte Brandeis phlegmatisch, »er ist verlobt! — Übrigens war das eine ziemlich geschmacklose Bemerkung von Ihnen, lieber Menshausen.«
Der Hauptmann machte kurz kehrt und ging ohne Gruß in das Rauchzimmer zurück.
»Kennen Sie Frau von Brandeis, lieber Blowitz?« fragte Menshausen leise.
»Wenigstens par renommée,« erwiderte der andere, »soll 'ne Schönheit sein, wie?«
»Schönheit —? viel zu wenig! Die Frau, wissen Sie, das ist — einfach 'ne Sache, verstehen Sie. — — Wie die an dieses schlafmützige Dusseltier, den Brandeis geraten ist, das wissen die Götter! — Stammt aus 'ner schwerreichen Düsseldorfer Fabrikantenfamilie — fabelhaft musikalisch — und ein Temperament —! Wenn ich Brandeis wäre, die ließ ich nicht fünf Minuten aus den Fingern! Na, schließlich so'n Reserveonkel — davor wird sie hoffentlich ihr guter Geschmack bewahren. — Wenn schon — dann soll's wenigstens in der Familie bleiben —!«
In diesem Augenblick trat der Stabshoboist, der Königliche Obermusikmeister Herr Biesicke ein, schritt stramm auf den Kasinovorstand zu und meldete: »Regimentsmusik zur Stelle!«
»Danke, lieber Biesicke! Na, nun können die Herren Kameraden der Reserve und Landwehr meinetwegen anrücken!« — —
Draußen auf dem Kasernenhof lag die Augustsonne in breiten goldenen Flächen ausgegossen — immerfort tauchten in diese gelbe Fläche glitzernde, flimmernde Punkte hinein.
Jetzt kam bei lustigem Pfeifen- und Trommelklang eine Kompagnie mit Staub und Schweiß bedeckt von der Felddienstübung zurück. Der Hauptmann an der Spitze setzte seinen Gaul in Galopp, sprengte bis auf die Mitte des Kasernenhofes vor und kommandierte, daß es schallend an den langen Fronten der Kasernengebäude widerhallte: »Augen — rechts!«
Hei! Da richteten sich all die marschmüden Gestalten noch einmal stramm auf — mit einem Ruck flogen die Köpfe rechts herum, und in flottem Parademarsch zog die gleißende, waffenrasselnde Schar an ihrem Häuptling vorüber.
»Kompagnie — halt! — Mit Gruppen links schwenkt — marsch! Halt! Gewehr — ab! — Rührt euch!«
Schon erschien, aus seiner behaglichen, kühlen Kompagniestube hervorgekrochen, der behäbige Feldwebel, erschienen Mannschaften vom Arbeitsdienst in Drillichzeug, Feldmützen und blauen Schürzen, um die vom Gefecht übrig gebliebenen Platzpatronen und Patronenhülsen abzunehmen — einige Befehle wurden noch ausgegeben — dann hieß es: »Stillgestanden! — Weggetreten!«
Und nach strammer Kehrtwendung ergoß sich die Schar der jungen Krieger wie eine heiße Flutwelle schweißdunstiger, wangenbrauner Jugend in der Richtung auf die Kaserneneingänge und verlor sich schwatzend, lachend, stiefelpolternd in die hallenden Korridore.
Der Hauptmann warf seinem Burschen die Zügel seines Kleppers zu, voltigierte so elastisch, als ihm seine zweiundvierzig Jahre dies gestatteten, vom Pferde herunter und wandte sich zu seinen Offizieren. Die standen, Hand am Helm, Säbel angefaßt, seiner Befehle gewärtig: »Ich danke Ihnen, meine Herren — wie wär's mit einem Schoppen im Kasino?«
»Selbstverständlich, Herr Hauptmann!«
Da standen in der geräumigen Eingangshalle des Kasernengebäudes die sechs eingezogenen Offiziere des Beurlaubtenstandes: »Ah, sieh da — die Herren von der Reserve und Landwehr!«
Der Hauptmann und die beiden jungen, schmucken aktiven Leutnants traten auf die eingezogenen Herren zu und begrüßten die alten Bekannten. Von den sechs Angekommenen gehörten fünf zur Reserve des Regiments und waren den aktiven Herren von frühern Übungen her bereits bekannt. So war die Begrüßung sehr herzlich und kameradschaftlich.
Etwas hilflos stand der Leutnant der Landwehr Frobenius im Hintergrunde, aber Flamberg, eingedenk seines Versprechens, sich des Kameraden anzunehmen, winkte ihn heran: »Gestatten Herr Hauptmann, Herr Leutnant der Landwehr Frobenius — Herr Hauptmann Haller, Chef der dritten Kompagnie — die Herren Leutnants von Finette und Krummacher.«
Herr Frobenius faßte den Säbel in die Linke und legte die weißbehandschuhte Rechte wie eine große Flosse an den Helm mit einer so altväterlich unbeholfenen Handbewegung, daß der lustige, hellblonde Leutnant von Finette es sich nicht versagen konnte, gleich loszuulken: »Sagen Sie, Herr Frobenius, Sie haben wohl schon unter Albrecht dem Bären gedient, wie?«
»Warum meinen Sie, Herr Kamerad?« fragte Frobenius errötend.
»Das schließe ich aus dem Schnitt Ihres Kollers und aus dem Modell Ihres Turnierhelms.«
»So — sind die Sachen so auffallend unmodern?« stammelte Frobenius.
»Ja,« entgegnete Finette, »wenn Ihre Kenntnis des Exerzierreglements im selben Maße mit der Neuzeit fortgeschritten ist, dann werden ja die Herren Füsiliere viel Vergnügen an Ihnen erleben!«
Flamberg kam ihm wiederum zu Hilfe: »Lieber Finette, wenn Sie mal ein so altes Patent haben werden wie der Herr Kamerad Frobenius, dann haben Sie längst wegen unheilbarer Revolverschnauze den Abschied — — und kommen also gar nicht in die Verlegenheit, sich von einem jungen Dachs wegen Auftragens älterer Garnituren anulken lassen zu müssen,« sagte er mit liebenswürdigem Lächeln, doch scharf genug, daß Finette verstand.
Der aber war nicht aus der Fassung zu bringen. Im echtesten Tonfall seiner Heimatstadt Köln erwiderte er: »Is ja halb so schlimm gemeint, nit wahr, Herr Frobenius? lohß mer uns widder verdrage, nit?«
Er streckte dem Privatdozenten die schlanke Hand hin, die dieser krampfhaft schüttelte.
Immer mehr Kompagnien kamen jetzt von der Morgenarbeit zurück. Die Offiziere, von ihren Hauptleuten verabschiedet, traten einer nach dem andern heran und begrüßten die eingezogenen Herren.
Frobenius beobachtete mit Genugtuung, daß das kameradschaftliche Verhältnis zwischen den aktiven Herren und denen der Reserve ein sehr gutes zu sein schien — nur er, der allein nicht die Regimentschiffre trug, das Monogramm des Chefs, des Prinzen Heinrich der Niederlande, nur er allein wurde mit einer gewissen Zurückhaltung behandelt, zu der allerdings, wie er sich selbst nicht verhehlte, sein verbotenes Exterieur einigermaßen beitragen mochte.
Auch die Stabsoffiziere fanden sich ein: der martialisch kurzangebundene Oberstleutnant Rautz — dann der Kommandeur des ersten Bataillons, Major von Sassenbach, ein alter Troupier mit ausgewettertem Gesicht und langflatternden grauen Schnurrbartzipfeln — Major Blasberg, der das zweite Bataillon führte, ein hagerer reservierter Diplomat — und endlich kam gar mit klingendem Spiel der Regimentsmusik das ganze dritte Bataillon von der Felddienstübung zurück, voran der Kommandeur: der kleine rauhbeinige Major von Czigorski, der mit hellkrähender Stimme den Parademarsch befahl, auf seinem riesigen Schimmel, den seine dicken Beinchen kaum umspannen konnten, und mit behaglichem Stolz den Vorübermarsch sämtlicher Kompagnieen ansah, bis hinunter zur zwölften, der Kompagnie der ganz kleinen Kerle, die aber als die strammste im ganzen Regiment galt.
So rollte sich vor den Augen der eingerückten Herren das ganze, vertraute, farbenfrohe Schauspiel des militärischen Lebens ab, und mit Freude sogen Martin Flambergs Malersinne den glitzernden Schmelz, die schmetternden Geräusche, den herben Duft des kriegerischen Bildes ein.
Vom Kasino her kam der Hauptmann von Brandeis, des Malers alter Freund und Gönner, und schritt geradenwegs auf ihn zu. Flamberg hatte bereits auf dem Regimentsbureau in Erfahrung gebracht, daß er wieder bei der Ersten üben würde, und freute sich dessen; denn er hatte sich während jener ersten acht Wochen unter Brandeis vorzüglich mit ihm vertragen. In dienstlicher Haltung trat er dem Kapitän entgegen: »Melde mich ganz gehorsamst zur achtwöchigen Übung eingezogen und der ersten Kompagnie zugeteilt.«
»Danke Ihnen, lieber Flamberg,« lächelte Brandeis und streckte ihm freundschaftlich die Hand entgegen, »seien Sie mir wieder einmal willkommen bei der Königlichen Ersten! Na, wir werden ja hoffentlich ein schönes Manöver haben — der Hunsrück ist nicht das Schlimmste — erinnern Sie sich, was wir vor vier Jahren haben in der Eifel ausstehen müssen?«
»Jawohl, Herr Hauptmann — Köttelbach — Katzwinkel — Beinhausen — und Gefell — schöne Gegend!«
»Stimmt! — wenn Ihre Kochkunst und Ihre wohlassortierte Wein- und Menagekiste nicht gewesen wäre, wär's uns dreckig gegangen — habe später oft Sehnsucht nach den Fleischtöpfen Flambergs gehabt.«
»Herr Hauptmann wissen, daß ich ein Feldsoldat bin und auch mal das Koppel enger schnallen kann, ohne gleich die Nase in den Dreck hängen zu lassen, wenn's sein muß — aber wenn's nicht sein muß, dann bin ich allerdings mehr für Luxus und Wohlleben, offen gestanden.«
»Ganz Ihrer Meinung, lieber Flamberg, und um gleich einen guten Anfang zu machen, bitte ich Sie, heut mittag bei der Begrüßungstafel mein Gast zu sein.«
»Ich danke gehorsamst, Herr Hauptmann!«
»Und im übrigen: nochmals willkommen und auf gute Freundschaft! — Aber da kommt unser neuer Herr Regimentskommandeur — die Herren werden sich melden müssen. Auf Wiedersehn also hernach im Kasino!«
Mit rascher Prüfung, nicht ohne einige Spannung, schauten die sechs Augenpaare der eingezogenen Offiziere des Beurlaubtenstandes der Ankunft des neuen Regimentskommandeurs entgegen. Von den aktiven Herren hatten sie bereits genug über ihn gehört, um zu wissen, daß er keinen Spaß verstehe.
Der Oberst Freiherr von Weizsäcker war aus der hessischen Armee hervorgegangen und trug zwischen seinen Rippen noch zwei preußische Kugeln, die er am 13. Juli 1866 als hessischer Leutnant im Gefecht bei Frohnhofen und Lauffach erhalten hatte. Dazu schmückte ihn das Eiserne Kreuz erster Klasse, das er als Führer einer preußischen Kompagnie bei Gravelotte erworben. So verkörperte er in seiner Person ein ganzes Stück der Geschichte deutscher Einigungskämpfe.
Als Flamberg ihm ins Auge sah, war sein erster Gedanke der Wunsch: »Den möchtest du malen!«
Auf der noch jugendlich elastischen, gertenschlanken Reiterfigur ein bronzener Kopf mit scharfgezogener Nase, darunter zwei graue Schnurrbartflämmchen; der Kopf, die ganze Gestalt beherrscht von tiefliegenden, doch hell und groß gezeichneten grauen Augen; die hatten die Gewohnheit, mit zwei raschen Blicken die Gestalt dessen, der vor ihnen erschien, gleichsam abzustreifen; dann bohrten sie sich mit bannender Gewalt in die Augen des Gegenübers ein, drangen mit unwiderstehlichem Leuchten bis in die Tiefe.
Die Reserveoffiziere hatten sich in einer Reihe aufgestellt. Oberleutnant der Reserve Brassert, der behäbige Gymnasialprofessor, war dem Dienstgrad nach der älteste, und so war es denn an ihm, dem Obersten entgegenzutreten und ihm die sechs eingezogenen Herren zu melden.
Der Oberst überflog mit den zwei raschen Blicken die Gestalt des Vertreters der Herren des Beurlaubtenstandes; dabei zuckten die beiden Schnurrbartflämmchen und der herrische Mund darunter einen Augenblick, aber eisern blieb das Gesicht, nur die Augen lachten, als er mit leichtem Dank der weißbehandschuhten Hand erwiderte: »Ihren Namen, Herr Oberleutnant, wenn ich bitten darf!«
Als Brassert sich genannt, ließ er sich dessen Stand angeben, und seine Antwort: »Ah so!« schien darzutun, daß er nun den Duft der Studierstube, welcher der Erscheinung des Angeredeten anzuhaften schien, begreife.
Der Oberst ging die Reihe entlang und wiederholte die Frage nach Namen und Stand. Dann trat er mit ein paar raschen Schritten vor die Mitte der Herren, streifte noch einmal kreuz und quer mit den Augen ihre Front ab und sprach:
»Meine Herren, ich begrüße Sie. Ich habe mir erzählen lassen, daß das Regiment, das zu führen ich seit kurzem die Ehre habe, einen überaus tüchtigen Ersatz an Reserveoffizieren sein eigen zu nennen das Glück hat. Ich kann also mit vollem Vertrauen Ihrer Mitwirkung an unserer gemeinschaftlichen Arbeit entgegensehen. Wer, wie ich, zwei Feldzüge mitgemacht hat, weiß, was die Armee an den Offizieren des Beurlaubtenstandes besitzt. — Sie kommen zu uns, um bei uns zu lernen — ich bin aber überzeugt, daß Sie uns auch etwas mitbringen: Sie bringen uns einen Gruß des Volkes, zu dessen Schutz wir bestimmt sind. — Sie bringen uns einen Gruß der Geistesarbeit, die unterm Schirm unserer Waffen gedeihen soll. — In diesem Sinne begrüße ich Sie alle — als das lebendige Band zwischen dem aktiven Offizierkorps und dem Volk, um dessentwillen wir alle da sind. — Ich wünsche Ihnen, daß Sie sich wohl fühlen in unserer Mitte, und daß Sie nach Ablauf Ihrer acht Wochen nicht nur gebräunt und gekräftigt, sondern auch an militärischen Kenntnissen bereichert und durch freudige Erinnerungen gefördert an die Stätte Ihrer Lebensarbeit zurückkehren mögen. Ich danke Ihnen, meine Herren!«
Er grüßte, und wiederum flogen die Hände der eingezogenen Herren an die Helmschienen.
Nun wandte er sich zu den Stabsoffizieren, welche bisher, von den Hauptleuten und aktiven Leutnants umringt, den Worten des Obersten zugehört hatten, und schritt im Geplauder dem Korridor zu, der auf das Regimentsbureau führte.
Kaum war er verschwunden, da löste sich die feierliche Erstarrung, und die Gruppen der aktiven und Reserveoffiziere vermischten sich zu lautem Gelächter, schnarrendem Geplauder — und säbelrasselnd, sporenklirrend schritten die Herren über den hallenden Kasernenhof zum Kasino hinüber.
An allen Fenstern der endlosen Fronten wurden neugierige Köpfe sichtbar — an allen Waschtrögen standen Gruppen von Soldaten in Feldmützen und Drillichzeug, die nun ihre Arbeit unterbrachen und, Bürsten und Monturstücke in der Hand, zur vorgeschriebenen Haltung erstarrten, bis die Gruppe der Offiziere an ihnen vorüber war.
Und als nun die ersten der Herren die Stiegen der Treppe zum Kasino betraten, da scholl von drinnen der schmetternde Klang der Regimentsmusik, die den Einzugsmarsch der Gäste aus Tannhäuser den einrückenden Kameraden entgegensandte.
Nach wenigen Minuten, die man harrend und plaudernd im Rauchzimmer zugebracht, erschien der Kasinovorstand Oberleutnant Menshausen und bat die Herren zu Tisch.
In breiten Güssen fiel die langsam sinkende Nachmittagssonne durch die hohen Fenster des Speisesaales über die hufeisenförmig aufgestellten Tische, auf denen heute zur Feier des Tages der reiche Silberschmuck des Regiments blinkte, umgeben von einer wahren Überlast bunter Herbstblumensträuße, die dem Garten des Kasinos entstammten — und um die Tafel gruppiert etwa vierzig blühende Jugendgestalten — von dem Kommandeur des ersten Bataillons, Major von Sassenbach, der als einziger Stabsoffizier an der Tafel teilnahm, bis herunter zum blutjungen Fahnenjunker, der kaum der Presse entschlüpft war und sich im Rock des Füsiliers und angesichts so vieler Vorgesetzter kaum zu rühren — kaum den Mund aufzutun getraute.
Allen diesen Erscheinungen gemeinsam war der vorschriftsmäßige Schnitt des Haars, soweit sich dies nicht schon verflüchtigt hatte und spiegelnde Stirnen oder Glatzen freiließ — war gemeinsam der modische Bürstenschnitt des Schnurrbarts, gemeinsam die straffe Haltung, die lebhaften und doch gemessenen Bewegungen, der scharfe Klang der Stimmen, die gewohnt waren, im Gelände weite Entfernungen zu beherrschen oder sich durch das Rollen des Schnellfeuers hindurch Geltung zu verschaffen.
Auf den ersten Blick aber waren die Herren des Beurlaubtenstandes an der bleichern Hautfarbe, der etwas nachlässigern oder steifern Haltung, dem mehr ins Geistige gewandten Ausdruck der Gesichter und Augen zu unterscheiden. Doch das alles würde sich nun bald verwischen — waren doch diese sechs Männer nur hierhergekommen, um wieder Soldaten zu werden, um sich wieder einzufügen in den gewaltigen Organismus, in dem auch sie nichts als dienende Räder sein sollten und sein wollten.
Diese Einfügung und diese Anpassung, so sagte Flamberg sich stillsinnend, diese Verschmelzung würde ihnen der Geist der Kameradschaft erleichtern. Der Geist der Kameradschaft, der alle, denen Seine Majestät Epaulettes und Schärpe verliehen hatte, zu einer großen Schar von Verbrüderten zusammenschloß, in der ungeachtet aller Abstufungen der Begabung und militärischen Befähigung, ungeachtet aller Klüfte der Herkunft und der Anschauungen, jeder gleichberechtigt war, in der es keine andern Unterschiede gab, als die der Dienststellung — und auch diese Unterschiede galten nur im Dienst — außerhalb des Dienstes gab es nicht Vorgesetzte, nicht Untergebene — gab es nur ältere und jüngere Kameraden — gab es nicht aktive Offiziere und nicht Offiziere des Beurlaubtenstandes — gab es nur Offiziere, das heißt: Träger des einen preußischen Soldatengeistes, der inmitten aller Wandlungen der Weltanschauung und der sittlichen Begriffe das alte Ideal der Ritterlichkeit verkörperte, das die Heere des Großen Kurfürsten, des Alten Fritzen, das Heer der Befreiungskämpfer, wie die Scharen Wilhelms des Siegreichen durch Nacht zum Licht, durch Kampf zum Siege geführt hatte.
Und dieser Geist der Kameradschaft, so ernst er sich betätigte im Dienst und in dem, was dem Dienste gleich galt: in der Auffassung jeder großen Lebenspflicht — in der Sphäre der Geselligkeit erwies er sich als ein heiterer Geist, ein Geist freudiger Lebenslust.
Munter schwirrten die Gespräche hinüber und herüber — noch war kaum der erste Gang serviert, da traten an die Stelle der hellgrünen Moselflaschen die goldbekapselten der Sektspezialmarke des Kasinos. Munter knallten die Pfropfen — und in den Spitzgläsern perlte der weiße Schaum: »Luxus und Wohlleben griffen um sich.«
Major von Sassenbach schlug ans Glas. Er war kein großer Redner vor dem Herrn — es fiel ihm schwer, selbst nur ein paar formelhafte Begrüßungsworte zusammenzustottern, und sein Adjutant, der Leutnant Blowitz, den er mit diesem ausdrücklichen Auftrage sich gegenüber gesetzt hatte, mußte ihm soufflieren.
Aber aus den ungefügen Worten des alten Soldaten leuchtete herzliches Wohlwollen, und obwohl manches Lächeln der Hörer seine gewaltigen Kraftanstrengungen begleitete, klang doch das dreifache Hurra auf die eingezogenen Herren, in das er seine Rede ausmünden ließ, kräftig und munter durch den Saal. — Die Begrüßten beeilten sich, mit dem Major anzustoßen, und nun die letzte offizielle Handlung des Begrüßungstages überstanden war, atmete alles auf, und es löste sich der letzte Rest von Förmlichkeit und Zurückhaltung.
Kreuz und quer durch den Saal schollen die Rufe der Tafelnden, die einander zutranken. Mit vorschriftsmäßigem Ruck schnellten die Angerufenen in die Höhe, wenn der Major oder einer der anwesenden Hauptleute einem der Leutnants oder gar der zur Tafel zugezogenen Vizefeldwebel der Reserve, Fähnriche oder Fahnenjunker zutrank; aber regelmäßig winkte der Anrufende, Platz zu behalten — nur die Pflicht blieb bestehen, als Dank für den Zutrunk des Vorgesetzten sein Glas bis auf die Nagelprobe zu leeren.
Flamberg saß zwischen seinem Kapitän, dem semmelblonden Herrn von Brandeis, und dem flaumbärtigen Kompagniekameraden, Leutnant Carstanjen, dem Sohn einer reichen niederrheinischen Fabrikantenfamilie.
Zunächst mußte natürlich Flamberg erzählen.
»Na, Flamberg, Sie sind ja inzwischen sowas wie'n berühmtes Tier geworden — alle Augenblicke hat man im Lesezimmer in den illustrierten Zeitschriften irgend so'ne Pinselei von Ihnen abgebildet gesehen — natürlich immer die schönsten Weiber des europäischen Kontinents — Sie Schlemmer, Sie ...«
»Haben Herr Hauptmann etwas anderes von mir erwartet?«
»Ne, ne — ich weiß wohl, Sie hatten ja damals schon 'nen starken Hang fürs ewig Weibliche! Erinnern Sie sich noch, wie wir damals in Mechernich in der Eifel mit der ganzen Kompagnie in der schauderhaften Kneipe einquartiert wurden und für Sie und für — na, wer war's doch damals? Quincke wohl ...?«
»Jawohl, ganz recht, Quincke, Herr Hauptmann!«
»Na also — für Sie beide nur dadurch Quartier zu schaffen war, daß die beiden Töchter des Wirts aus ihrem Jungfernstübchen 'rausgewiesen wurden und oben auf dem Heuboden kampieren mußten. Damals haben Sie die beiden Mädels gezeichnet. Erinnern Sie sich noch? Na, nachher waren sie nicht von Ihnen wegzuschlagen — alle beide — was? Ja, an sowas läßt man sich natürlich nicht gern erinnern, wenn man inzwischen Bräutigam geworden ist!«
»Oh, was das anbetrifft, Herr Hauptmann: das Wort ›bereuen‹ kommt in meinem Lexikon nicht vor.«
Der kleine Carstanjen spitzte die Ohren und rief dazwischen: »Donnerwetter, Herr Hauptmann, das scheint ja 'ne verflucht interessante Geschichte gewesen zu sein! Wollen Herr Hauptmann die nicht etwas ausführlicher erzählen?«
»Knöpfen Sie sich die Ohren zu, Sie Kiekindiewelt,« antwortete Brandeis, »sind noch viel zu klein für — für solche Geschichten!«
»Herr Hauptmann unterschätzen mich!« lachte Carstanjen.
Brandeis fragte seinen Gast: »Wissen Sie auch schon, daß wir nächstens im Kasino ein feenhaftes Zauberfest in Aussicht haben?«
Flamberg erbat genauere Auskunft, und der Hauptmann berichtete: »Also am 18. August feiert doch das Regiment die siebenunddreißigste Wiederkehr des Tages von Gravelotte ... Na, das wissen Sie doch aus der Regimentsgeschichte?!«
»Ei gewiß: Sturm auf Point du jour, 118 Tote, 326 Verwundete! 2 Eiserne Kreuze erster und 18 zweiter Klasse ins Regiment!«
»Alle Achtung!« meinte Carstanjen, »so hab ich's ja nicht mal am Schnürchen!«
»Eh ... wie oft hab ich das schon meinen Kerlen in der Instruktionsstunde eingebläut ... da werd ich's doch selber nicht vergessen haben! — So ... und das wird also diesmal in großem Stile gefeiert?«
»Ja,« erklärte Brandeis, »Sie wissen: der neue Kommandeur ist erst vor vierzehn Tagen angekommen, und so soll das alljährliche Regimentsfest diesmal zugleich als Begrüßung für die neue Kommandeuse im Kreise der Damen gefeiert werden ... es gibt 'ne große Gartenfête im Kasino — Diner — Theatervorstellung — zuletzt natürlich Tanz!«
»Theatervorstellung?« fragte Flamberg interessiert. »Nanu ... das kann ja interessant werden ... was gibt's denn?«
»Bei der zweiten Kompagnie steht ein einjährig-freiwilliger Unteroffizier, ein Referendar seines Zeichens, zugleich in seinen zahlreichen Mußestunden Reiter auf dem Musenklepper ... den hat Frau von Sassenbach — die ist nämlich Patroneß der Veranstaltung — 'rangebändigt und zum Dichten kommandiert. Er hat sowas wie 'n allegorisches Festspiel verübt ... ihre beiden Töchter spielen natürlich mit; das war wohl auch der Hauptzweck der Übung, die zwei Mädels mal wieder gehörig in Szene zu setzen — übrigens meine Frau wirkt auch mit —«
»Herr Hauptmann sind verheiratet? ... das erste, was ich höre ... seit wann denn, wenn ich fragen darf?«
»Seit eineinhalb Jahren!« sagte der Hauptmann, »übrigens eine Landsmännin von Ihnen, ein Fräulein Cäcilie Imhof ... na — der Name wird Ihnen ja nicht unbekannt sein!« —
Cäcilie Imhof ... Bei diesem Namen stieg in Martin Flamberg eine Erinnerung auf, die Erinnerung an ein braunes, kapriziöses Mädchenköpfchen, das durch seine Jugend hingehuscht war wie so viele andere, ohne just eine dauernde Spur in seiner Seele zu hinterlassen ... Immerhin war seine Erinnerung lebhaft genug, daß ihn die Vorstellung, dieses Gesichtchen neben dem platt-behaglichen Puppenkopf des Hauptmanns von Brandeis auftauchen zu sehen, mit seltsamen Empfindungen erfüllte ...
In Gesellschaft hatte der junge Maler, damals noch ein völlig Namenloser, zuweilen das junge Mädchen getroffen und war von ihr ganz und gar nicht beachtet worden ... das war kein Wunder; denn sie war ein gefeiertes und damals schon, in ihrer zartesten Backfischjugend, vielumworbenes Geschöpfchen ... die Tochter einer alten Familie reicher Bankiers und Industrieller ... und er, Martin Flamberg, mußte sich damals noch zu jeder Gesellschaft für zwei Mark fünfzig einen Frack ausleihen ...
In den Tagen seines jungen Ruhms war er ihr nicht mehr begegnet.
Ihr Vater hatte sich von den Geschäften zurückgezogen und war nach Wiesbaden übergesiedelt, um den heilkräftigen Quellen nahe zu sein, deren beständige Einwirkung seine Gicht verlangte ... und nun war das verwöhnte Kind die Gattin eines braven, unbedeutenden Infanteriekapitäns ... merkwürdig ...
»Na? entsinnen Sie sich meiner Frau noch?« fragte Herr von Brandeis.
»Herr Hauptmann sehen, ich versuche mich zu besinnen, aber ich finde nur eine sehr blasse Reminiszenz.«
»Na, is ja auch egal,« meinte der Hauptmann, »Sie werden ja nächstens Ihre Erinnerungen auffrischen können; denn selbstverständlich hoffe ich doch, Sie recht bald in meinem Hause zu sehen ... meine Frau wird sich jedenfalls sehr freuen ...«
Flamberg verneigte sich.
»Na, und nun erzählen Sie mal von sich ... Sie haben sich ja inzwischen auch verankert ... hoffentlich recht vorsichtig gewesen in der Wahl Ihres Herrn Schwiegerpapas?«
»Mein Schwiegervater ist Beamter!« sagte Flamberg, »übrigens, ich bin, Gott sei Dank, seit einiger Zeit auf besondere Vorsicht in dieser Beziehung nicht mehr angewiesen.«
»Aha ... na natürlich ... verdienen jetzt aasige Däuser .. das versteht sich ... Porträtmaler — Portemonnaiemaler — alte Geschichte! — Ja, sehen Sie, so gut geht's unsereinem nun nicht ... das ist noch das einzig Schöne an unserm Beruf, daß es uns kein Mensch übelnehmen kann, wenn wir unserer Zukünftigen nicht nur in die Augen, sondern auch ein bißchen ins Portemonnaie sehen ... Na, und in der Beziehung kann ich ja nicht klagen, wie Sie sich denken können ... übrigens auch in anderer Hinsicht hab ich direkt märchenhaften Dusel gehabt ... meine Frau heißt nicht umsonst Cäcilie ... die sollen Sie mal Klavier spielen hören — und singen ... Na, ich sag Ihnen ja: Den Seinen gibt's der Herr im Schlaf!«
Er füllte sich und dem Gaste die Sektkelche und hob ihm das Glas entgegen. »Na also in diesem Sinne, lieber Flamberg: unsere Damen! — So ... Sie wollen auch mittrinken, kleiner Carstanjen ... ach Unsinn ... verstehen Sie ja noch gar nichts von ... aber mit anstoßen dürfen Sie doch ... Kommen Sie mal her mit Ihrem Pokal!«
»Ich kann nur noch einmal wiederholen: Herr Hauptmann unterschätzen mich!« schmunzelte Carstanjen mit spitzbübischem Lächeln auf seinem verwöhnten Geckengesichtchen.
»Sie, Flamberg,« sagte der Hauptmann, »ich hoffe, Sie werden mich bei der Erziehung dieses kleinen Windhundes da ein wenig unterstützen — das ist auch einer von denen, mit denen 's der Herrgott gar zu gut gemeint hat — und das ist ihm zu Kopf gestiegen — wenn er also üppig wird, dann hauchen Sie ihn nur gehörig an — meinen Segen haben Sie — und einen Gotteslohn verdienen Sie sich überdies!«
»Na, wir zwei werden uns schon vertragen! — Was meinen Sie, Herr Carstanjen?«
Das herzliche, offene Lachen, mit dem der Reserveoffizier dem jungen, aktiven Kameraden das Glas entgegenhielt, verscheuchte den Ausdruck von anmaßender Gekränktheit, der das hübsche, eitle Gesicht überhuscht hatte. Und so leerte die Königliche Erste eine Flasche Spezialmarke nach der andern in ungestörter Harmonie.
Weniger heiter sah es in der Gruppe der Königlichen Zweiten aus:
Herr Leutnant der Landwehr Frobenius saß stumm und einsilbig zwischen dem stummen und einsilbigen Kompagniechef, dem Hauptmann Goll, und dem Oberleutnant Menshausen, dem Kasinovorstand, während ihnen gegenüber als dritter Offizier der Kompagnie der Leutnant Quincke saß, ein junger, blasierter Bursch mit glattrasiertem Gesicht — verlebten Zügen — die Scherbe ins rechte Auge geklemmt. Menshausen und Quincke nahmen von dem Kameraden der Landwehr kaum Notiz — unterhielten sich über den Tisch hinüber geflissentlich über Personen und Fragen, an denen der eingezogene Herr nicht das geringste Interesse nehmen konnte.
Und der Hauptmann, ein finsterer Junggesell mit starrem, schwarzem Haar und struppigem Schnurr- und Vollbart, sprach überhaupt nichts, füllte nur zuweilen die Gläser seiner Untergebenen und trank dem Gaste schweigend zu.
Als Frobenius erst gemerkt hatte, daß man ihn schlecht behandeln wolle, tat er instinktiv das einzige, was in dieser Situation für ihn möglich war — er schwieg nämlich ebenfalls vollständig und machte nicht den leisesten Versuch, die Zurückhaltung der aktiven Herren durch entgegenkommende Liebenswürdigkeit zu überwinden.
Schließlich bemerkte der Oberleutnant, daß die rücksichtslose Nichtachtung, mit der die aktiven Herren den Gast behandelten, dessen Hilflosigkeit immerhin ein gewisses Mitleid erregte, allgemein auffiel, und ließ sich nunmehr herab, ein Gespräch mit ihm zu beginnen.
»Sagen Sie mal, Herr Leutnant Frobenius,« hub er an, »was sind denn Sie eigentlich im Zivilverhältnis?«
»Ich bin Privatdozent an der Universität Bonn.«
»Hm — was dozieren Sie denn also privat?«
»Ich lese deutsche Literaturgeschichte des neunzehnten Jahrhunderts bis zur Gegenwart.«
»Aha,« sagte Menshausen, »ich kann mir zwar dabei nichts Rechtes denken — aber es ist ja jedenfalls was sehr Gelehrtes! Nun sagen Sie mal, was wollen Sie denn nun eigentlich bei uns? Macht Ihnen das denn wirklich Vergnügen, hier so acht Wochen lang in Uniformen von vor fünfzehn Jahren herumzulaufen und sich mit Ihrer Unkenntnis des neuen Exerzierreglements vor hundertzwanzig Bauernlümmels und Fabrikarbeitern lächerlich zu machen?«
Frobenius richtete sich ein wenig auf: »Herr Oberleutnant Menshausen — ich bin mir wohl bewußt, daß ich hierherkomme, um zu lernen — ich habe aber auf der andern Seite während meiner früheren Übungen die Beobachtung gemacht, daß Bauernjungens und Fabrikarbeiter ein ziemlich feines Gefühl dafür haben, wer vor ihnen steht, — und hinter der vielleicht etwas veralteten Uniform und der mangelhaften Dienstkenntnis des Landwehroffiziers die überlegene Intelligenz respektieren, die ihnen in der Person eines Mannes der Wissenschaft gegenübertritt. Diese einfachen Leute wissen sehr wohl zu unterscheiden zwischen der formgewandten Nullität und dem Geist, der sich im Notfall — daß heißt im Falle der wirklichen Not, meine ich — von selbst die Form schafft, die der Augenblick verlangt.«
»Ja, verzeihen Sie, Herr Leutnant Frobenius,« sagte der Oberleutnant, »Sie drücken sich so gewählt aus, daß ich nicht zu folgen vermag — was wollen Sie eigentlich mit Ihrem Erguß sagen?«
»Ich will versuchen, mich Ihnen deutlich zu machen«, erklärte Frobenius. »Wir Landwehroffiziere sind, das erkenne ich ja an, im Frieden scheinbar ein wenig deplaciert inmitten der jungen, dienstkundigen aktiven Herren — aber wir sind auch gar nicht hier, um in Ihrer Mitte gute Figur zu machen — wir wollen lernen — lernen einzig und allein für den Krieg — und glauben Sie mir, Herr Oberleutnant, im Kriege kommt es weder auf gutsitzende Uniform noch auf die Kenntnis jeder neuesten Phase der Taktik der Saison an — da entscheiden ganz andere Faktoren. Da möchte vielleicht plötzlich mit dem Mobilmachungstage eine Umwertung der Werte stattfinden, und diesem Tage entgegen bewegt sich alle Hoffnung, die ich mit meinem Aufenthalt im Kreise des Regiments Prinz Heinrich der Niederlande verbinde.«
»Ah so,« sagte Menshausen, »ich verstehe — Sie haben militärischen Ehrgeiz — wollen womöglich noch gar Hauptmann der Landwehr werden?«
»Allerdings will ich das,« erwiderte Frobenius ruhig, »zurzeit übe ich auf Beförderung zum Oberleutnant.«
»Allen Respekt!« meinte Menshausen, »das hätt ich Ihnen nun nicht angesehen — können Sie denn auch reiten?«
»Gewiß kann ich reiten,« erklärte der Privatdozent. »Ich meine, das versteht sich wohl von selber, da ich Ihnen sagte, daß ich die Beförderungsübung zum Oberleutnant mache.«
Aber er konnte nicht wehren, daß ihm bei der Erwähnung des Reitens selber ein wenig bänglich zumute wurde. Er hatte erst im Frühjahr mit Zittern und Zagen zum ersten Male einen Gaul bestiegen, war beim ersten Antraben vom Woilach heruntergekugelt wie eine Klammer von der Wäscheleine und hatte sich das Schultergelenk dermaßen ausgerenkt, daß er den linken Arm drei Wochen lang hatte in der Binde tragen müssen. Nach Ablauf dieser drei Wochen hatte er mit noch hörbarerm Zähneklappern den Reitunterricht wieder aufgenommen, und seine Scheu vor dem wilden, gefährlichen Tier, das dem Menschen nach dem Leben trachtet, endlich soweit überwunden, daß er mit der Zeit in der Reitbahn sich wenigstens auf den allerfrömmsten Kleppern hatte halten können. Ja, in den letzten Wochen vor der Übung hatte er sogar in Gesellschaft des Reitlehrers und einiger Damen der Bonner Gesellschaft einige Ausritte ins Gelände unternommen und war stets mit heiler Haut davongekommen, mit Ausnahme einer unangenehmen Begegnung, die er mit einem vorüberbrausenden Eisenbahnzuge gehabt hatte, und nach deren Verlauf er sich mit zerschundenem Gesicht, zerbeultem Hut und zerschlagenen Knochen in einem Chausseegraben wiedergefunden hatte, während seine Rosinante ohne seine Leitung ihre Futterstelle wiedergefunden hatte.
Der Gedanke also, demnächst hoch zu Roß vor der Front auftauchen zu müssen, erfüllte ihn mit einem Unbehagen, das zu überwinden er seines ganzen Mannesmuts bedurfte. Wenn aber etwas noch gefehlt hätte, um ihn in dieser Hinsicht zu äußerster Energie aufzustacheln, dann waren es die spöttischen Blicke und Redensarten des Kasinovorstandes.
Er beschloß in diesem Augenblick, allen Gefahren kühnlich zu trotzen und zu Pferde zu steigen mit der ruhigen Selbstverständlichkeit, mit der er sonst alle Morgen auf seinen Katheder kletterte, um seinen Hörern die Geheimnisse des zweiten Teils von Goethes Faust zu erklären.
Oberleutnant Menshausen bemerkte mit Vergnügen, daß der Landwehronkel bei der Erwähnung des Reitens, trotz seiner heroischen Worte, still und um einige Schattierungen blässer geworden war. Über den Kameraden hinweg fragte er den Hauptmann Goll: »Gestatten Herr Hauptmann eine Frage: Ist nicht morgen früh Ausbildung der Mannschaften im Entfernungsschätzen?«
»Allerdings!« grunzte Hauptmann Goll, »was gibt's denn dabei?«
»Ich wollte Herrn Hauptmann nur fragen, ob uns nicht gestattet wäre, die Übung zu Pferde mitzumachen — wie ich soeben von Herrn Leutnant Frobenius höre, legt er ebenfalls Wert darauf, morgen früh zu reiten, und da ich für meine Person im Manöver als Ordonnanzoffizier zum Regiment komme und meinen neuen Gaul gern ein wenig an die Truppe gewöhnen möchte, so würde ich Herrn Hauptmann dankbar sein, wenn Herr Hauptmann uns gestatten wollten zu reiten!? — Meines Wissens reiten Sie ja auch momentan dem Obersten sein Handpferd zu, Quincke, nicht wahr?«
Leutnant Quincke hatte der Unterhaltung zugehört und bejahte mit perfidem Grinsen: »Gewiß — wenn Herr Hauptmann gestatten, komm auch ich hoch zu Roß!«
»Na schön,« sagte Goll, »ich hab nichts dagegen!«
Frobenius fühlte bei dieser Unterhaltung, wie die wenigen Haare, die seinen Schädel umsäumten, sich einzeln zu Berge sträubten. — Herr Gott im Himmel — schon morgen früh! — Was war da zu machen — Schicksal, nimm deinen Lauf!
»Wo wollen Sie denn Ihren Gaul herbekommen, Herr Frobenius?« fragte Menshausen unbarmherzig weiter, »haben Sie sich einen mitgebracht oder wollen Sie sich einen leihen?«
»Ich habe mich nach den Verhältnissen noch nicht erkundigt,« erklärte Frobenius, »ich denke, man bekommt in der Reitbahn passende Gäule geliehen, wie?«
»Selbstverständlich,« sagte der Oberleutnant, »wenn's Ihnen recht ist, stelle ich Ihnen meinen Burschen zur Verfügung — der kann ja morgen früh vor dem Dienst zur Reitbahn gehen und Ihnen ein Pferd besorgen.«
Frobenius ahnte Böses; doch er hatte sich nun einmal vorgenommen, jeder Gefahr die Stirn zu bieten, und so nahm er mit verbindlichem Lächeln das Anerbieten des Oberleutnants an.
Als im nächsten Augenblick Hauptmann Goll wieder einmal wortlos dem Landwehroffizier zutrank, beugte sich Menshausen zu Quincke hinüber und flüsterte ihm zu: »Sie, Quincke, ich werde meinen Burschen instruieren, daß er »Kuno den Schrecklichen« besorgt! — Kennen Sie den Schinder?«
»Na ob!« grinste Quincke, »das ist ja das verrittenste Pferd in der ganzen Garnison. — Na, wenn der Landwehronkel auf Kuno überhaupt aus dem Kasernenhof 'rauskommt, dann garantier ich jedenfalls: 'rein kommt er nicht wieder!«
In diesem Augenblick hob Major von Sassenbach die Tafel auf, und alsbald empfahlen sich die Vizefeldwebel der Reserve und die Avantageure, indem sie in die Mitte des Hufeisens traten und erst vor dem Tischältesten Front machten, dann nach rechts und links desgleichen; dabei schlugen die Hacken zusammen, daß es nur so krachte.
Und nun schwirrten die Ordonnanzen von allen Seiten mit den brennenden Lichtern herein, und das gelbe Flimmern der flackernden Flämmchen vermählte sich mit dem dunklern Gelbgold der Abendsonne, die gebrochen durch die leise sich wiegenden Kronen der Bäume des Kasinogartens in die hohen Bogenfenster strahlte. Bald kräuselten sich bläuliche Tabakwölkchen hinein — und noch ungezwungener rauschte nun das Geplauder, noch lebhafter wogte das Hinüber und Herüber der Scherze — des Zutrunks — und bald war den Offizieren der Reserve wieder zumute, als seien die Monate und Jahre »im schlichten Gewande der Bürgerlichkeit«, die seit dem letzten Abschiedstrunk im Kasino verflossen waren, nur ein Traum gewesen, und als sei dies Leben im bunten Rock ihre eigentliche Existenz — als sei die Schar der Kameraden, in deren Mitte sie nun wieder eingetreten waren, das Milieu ihres Lebens.
Sie waren riesig vergnügt, die Herren des Beurlaubtenstandes. Der geschniegelte und pomadisierte Leutnant der Reserve Klocke schwamm in Seligkeit. Herr Kamerad hier, Herr Kamerad dort, so schmetterte das nach allen Richtungen hinüber und herüber — als trüge er eine Sprungfeder im Leibe, so schnellte er jedesmal empor, wenn ein Vorgesetzter ihm zutrank, und leerte mit Begeisterung seinen Kelch, nur daß im Laufe der Zeit seine Augen immer stierer, sein Gesicht immer röter, seine Bewegungen immer unsicherer und die Scherze, die er zum besten gab, immer gewagter wurden und je länger je mehr nach dem Coupé dritter Klasse schmeckten.
Ihm schräg gegenüber saß im Kreise seiner zukünftigen Kompagniekameraden der Referendar Dormagen. Als Sohn eines rasch reichgewordenen Industriellen hatte er heute das Gefühl, daß es eigentlich ein Skandal sei, daß er nicht Kavallerist geworden. Aber vor sechs Jahren, als er einjährig diente, hatte sein Vater noch nicht den großen Schlag mit dem neuerfundenen Trockenelement gemacht, und erst in den letzten Jahren — leider — waren die Verhältnisse seiner Familie so plötzlich emporgeschnellt. Nun blieb nichts übrig, als in der Mitte der Fußinfanteristen wenigstens nach Kräften mit seinem Gelde zu imponieren. So ließ er denn eine Flasche Pommery nach der andern anfahren, und allmählich sammelte sich um ihn eine Gruppe von jüngern Offizieren, die, mit nicht allzu reichlichem Zuschuß gesegnet, einen Freitrunk sich nicht gern entgehen lassen mochten. In ihrer Mitte markierte Dormagen nun den großmütigen Gastgeber, wogegen seine Gäste sich verpflichtet fühlten, andachtsvoll seinen Schwadronierereien zu lauschen und ihm eifrig zuzutrinken. Sein Kompagniechef hatte sich bereits unmittelbar nach Aufhebung der Tafel, peinlich berührt durch des jungen Herrn siegesgewisses Auftreten, an den mittlern Tisch des Hufeisens zurückgezogen, wo sich nun allmählich die ältern Herren bei Kaffee und Münchner Bier konzentrierten.
Inmitten dieser ältern Herren saß auch der Oberleutnant der Reserve Brassert, ein behäbiger Süddeutscher, und freute sich königlich, daß er der Pflicht entronnen war, den rüpelhaften Primanern die Geheimnisse des Äschylos zu erschließen. Er übte seit einem Dezennium nahezu Jahr um Jahr, teils weil es für ihn, den Beamten, dessen Gehalt während der Übung weiterlief, eine überaus billige Sommerfrische war, teils weil sein immer mehr anschwellendes Bäuchlein die scharfe Entfettungskur dieser acht Wochen sehr notwendig brauchte. Die Hauptleute waren seine Altersgenossen und überdies auch von gleichem Dienstalter wie er, und so fühlte er sich in ihrer Mitte behaglicher als zwischen den jungen Dächsen von Leutnants, deren Charge er teilte, die ihn aber zu peinlich an seine kaum verlassenen Primaner erinnerten.
Behaglich schmunzelnd und kräftig qualmend saß er inmitten der ältern Offiziere. Den Kragen seines Überrocks, der übrigens mit Rücksicht auf sein gewaltiges Doppelkinn ohnehin nicht mehr denn Fingersbreite hatte, trug er aufgeknöpft, ebenso wie die obersten vier Knöpfe seines Überrocks, und bedauerte nur im stillen, daß er den Rock nicht ganz ausziehen konnte, wie auf der heimatlichen Kegelbahn im Kreise seiner Kollegen.
An einzelnen Tischen waren indessen allmählich große Lücken entstanden — manche der Herren hatten sich erhoben, um sich ins Spielzimmer zum Skat zu setzen — manche hatten auch die unangenehme Pflicht, noch eine späte Instruktionsstunde abzuhalten.
Eine kompakte Gruppe hockte indessen noch um das Ende des linken Hufeisentisches zusammen, wo der Leutnant der Reserve und Forstassessor Troisdorf mit Leutnant von Finette zusammensaß. Die beiden Niederrheinländer sprachen seit zwei Stunden nur noch kölnisch-platt und erzählten einander die haarsträubendsten Anekdoten von Kölner Marktweibern und »Rheinkadetten«, den lungernden Lastträgern des kölnischen Rheinhafens. Von hier scholl immerzu schmetterndes Gelächter in den Saal hinein, so daß ab und zu einer oder der andere der Hauptleute herantrat und ein Weilchen zuhörte. Auf die Dauer war indessen eine solche Flut von mehr oder weniger unappetitlichen Scherzen nur für Leutnantsmägen erträglich.
Immer schneller, fast unbemerkt, entflohen den Zechenden und Plaudernden die Stunden.
Der Major von Sassenbach hatte seit längerer Zeit beobachtet, daß der hilflose Landwehroffizier, der mit seiner riesigen, goldenen Brille und seinem langen, braunroten Bart so gar nicht in die militärische Umgebung zu passen schien, das wehrlose Opfer der Scherze des Oberleutnants Menshausen und des Leutnants Quincke war. Sassenbach liebte die beiden Herren nicht — ihm, dem schlichten Haudegen, waren die kalten Spötter und Monokelträger zuwider — er rief zu der Gruppe hinüber: »Herr Leutnant Frobenius, wollen Sie mir das Vergnügen machen, noch eine Flasche mit mir zu trinken?«
Frobenius war seelenvergnügt — er fuhr diensteifrig in die Höhe, wobei er den hochlehnigen, gotischen Stuhl umwarf, und schob mit etwas unsicherm Gange zu seinem Bataillonskommandeur hinüber. — Bald waren beide in ein herzliches Geplauder vertieft.
»Aha,« schnarrte Menshausen zu Quincke hinüber, »sehn Sie woll — ein neuer Schwiegersohn ist auf der Bildfläche erschienen, der muß gleich festgenagelt werden — ja ja, man muß sich dazu halten. Nelly ist sechsundzwanzig und Molly neunzehn — und der Landwehrfritze macht 'nen kolossal heiratsfähigen Eindruck.«
Hauptmann von Brandeis hatte sich schon seit geraumer Zeit empfohlen. Die üblichen Scherze hatten den Aufbruch des jungen Ehemannes begleitet, und schmunzelnd hatte er quittiert.
Flamberg schlenderte von einer Gruppe zur andern — ließ sich bald hier, bald dort zu einem kurzen Geplauder nieder und sog die Stimmung der Stunde in sich hinein. — Mit Wonne verfolgte sein geschulter Blick das langentwöhnte Schauspiel, wie sich nun das rötlichgelbe Licht der Kerzen, das tiefe Goldbraun des Sonnenuntergangs, das hellere Gelb der elektrischen Kronleuchter von droben her, der bläuliche Tabaksdunst, der in breiten Schwaden über den Gruppen lagerte, mit dem Blau und Rot der Uniformen, den goldenen Reflexen auf den Monturknöpfen und der satten Sonnenfarbe der gebräunten Gesichter verwob. — In seinen Adern glühte der Sekt, schäumte die freudige Hoffnung auf acht Wochen eines neuen, verwandelten Lebens voll farbiger Eindrücke, voll harmlos heiterer Erlebnisse.
Aber als nun mit dem Fortschreiten des Gelages die Kehlen immer rauher wurden, die Luft immer dicker — da meinte er den Augenblick gekommen, sich dem Feste zu entziehen und ungetrübt das erschaute Bild heimzutragen.
Nach einer kurzen Wanderung durch die stillen Straßen des Kasernenviertels stand er in der engen Mietbude, deren schäbige, zerschlissene Trivialität so seltsam kontrastierte gegen den künstlerischen Reiz seiner verlassenen Junggesellenhäuslichkeit, kontrastierte auch gegen den süßen Hoffnungstraum von einem künftigen Daheim, den er seit Wochen mit seinem Schatz gesponnen.
Schwül war die Luft im Stübchen — er stieß die Fenster auf — und vom tiefschwarzen Himmel nieder flammten tausend freundliche Sterne. — Da mußte er von seinem Mädchen träumen — sie hatte ihm das Versprechen abgenommen, allabendlich zum Himmel aufzuschauen und heimwärts zu ihr zu denken — und er dachte heimwärts.
Eine große, tiefe Ruhe war in seiner Seele — ein Heimatbewußtsein — das traute Wissen, verankert zu sein im tiefsten Grunde des Erdenseins, in einem Herzen, das nichts als Liebe war für ihn.
Drittes Kapitel.
Um die fünfte Morgenstunde dämmerte Wilhelm Frobenius mit wüstem Kopf aus schwerem Traum empor. Es hatte erst sanft, dann recht energisch an die Tür geklopft — er fuhr auf, starrte in dem engen Gelaß umher, daß ihn umschloß, und konnte sich nicht enträtseln, wie er eigentlich in diese nüchterne, unbehagliche Umgebung geraten war.
Plötzlich fiel's ihm ein: ach, du lieber Himmel — du bist ja in der Garnison — und — o Schauder — gleich geht's zu Pferd!
»Herr Leu'nant — et is höchste Zeit für uffz'stehn!« mahnte von draußen eine ihm völlig fremde Stimme.
Das mußte der Bursche sein. Herrgott, wie der Schädel brummte.
Er fuhr mit den dünnen, haarigen Beinen aus der Decke hervor, fühlte sich geniert durch den ungewohnten Gedanken, nun im Nachthemde vor den fremden jungen Menschen hintreten zu sollen, zog erst Unterhosen und Strümpfe an und schlurrte dann zur Tür. Kaum hatte er sie geöffnet, da schoß mit energischem Ruck ein junger, rotblonder, sommersprossiger Gesell herein, die Feldmütze auf dem Kopf, die Drillichhose schon in den langschäftigen Stiefeln steckend. Er schlug krachend die Absätze zusammen und meldete: »Füselier Schmitz als Bursch bei de Herr Leu'nant kommediert!«
»Schön, schön,« sagte Frobenius verlegen, »also Sie sind Schmitz, schön, schön. Was gibt's denn heute morgen?«
»Sechs Uhr fufzehn Abmarsch in't Jelände zur Ausbildung im Entfernungschätzen!«
»Ach ja — ganz richtig — also sehen Sie, da ist mein Koffer — den packen Sie mal zuerst aus.«
Und während der Bursche sich anstellig und geräuschlos anschickte, die Habseligkeiten seines neuen Herrn aus dem vorsintflutlichen Reisekoffer zu entwickeln, kühlte Wilhelm Frobenius sein schmerzendes Haupt — immer neue Schwämme drückte er über den Nacken aus, daß das Stübchen schwamm, aber der dumpfe Druck im Schädel wollte nicht weichen — und noch weniger der dumpfe Druck in der Herzgegend — vor seiner Phantasie aber stand das Bild des Augenblicks, wo er das wilde, gefährliche Tier besteigen würde, das dem Menschen nach dem Leben trachtet.
Herrgott, wie die funkelnagelneuen Reitstiefel drückten — wie der steife Lederbesatz der Reithose die Schenkel scheuerte — wie entsetzlich das war, durch die Stube zu schreiten mit den klirrenden Sporen, die sich immerfort ineinander verfingen!